„Es gibt keinen Sexismus, unter dem Hetencismänner zu leiden hätten“

 Nadine Lantzsch schreibt in ihrem Blog „Medienelite“ in dem Beitrag „Der Gaze Effekt und Feminismus“ das Folgende zum Sexismus gegen Männer:

Beliebte Strategie gegen Widerstand ist auch die Umkehrung der Dominanz und Zuschreibung auf das Andere. Da ist dann auf einmal von Sexismus gegen Männer die Rede. Schon werden alle Machtverhältnisse plattgewalzt und das vermeintliche Unterdrückungsmoment den Unterdrückten aufgebürdet und mit der Aufgabe betraut, dieses abzuschaffen. Kurzum: Es gibt keinen Sexismus, der sich gegen HetenCisMänner richtet. Es gibt Heterosexismus, Homophobie, Transphobie, Sexismus als Aktualisierungsinstrument des patriarchalen Gewaltverhältnisses, aber keinen Sexismus, unter dem Hetencismänner zu leiden hätten. Es gibt Rollenmuster, die allen Geschlechtern aufgedrängt werden, die Zwang bedeuten, aber Herrschaft funktioniert nicht nur auf individueller Ebene. Das ist auch etwas systemisches, eine Struktur, von der Gruppen profitieren und andere unterdrückt werden. Ein Unterwäschemodel kann halbnackt sein, der konstruierte Nerd bei Frauen abblitzen, aber daraus ergibt sich für Hetencismänner kein struktureller Nachteil. Wenn dem so wäre, würden rape culture und gläsernde Decken längst der Vergangenheit angehören.

 Das Argument ist ein Schönes, weil es (innerhalb dieser Logik) immun gegen Kritik ist.

Die gesellschaftlichen Zustände können nur eine Unterdrückung der Frau durch Heterosexualität etc sein, also sind die negativen Folgen kein Sexismus, sondern nur Folge der Machtinstrumente der Herrschenden. Es muss aber ein Machtinstrument der Herrschenden sein, weil sonst ja solche Zustände wie sie gerade herrschen, nicht existieren würden.

Innerhalb dieser Logik bleibt Männern, die sich diskriminiert fühlen nur der Weg die Machtinstrumente zu bekämpfen, also letztendlich auf ihre Privilegien zu verzichten.

Mir fehlt dabei die kritische Hinterfragung der eigenen Grundlagen:

  •  können die gesellschaftlichen Verhältnisse vielleicht auf anderen Faktoren als Unterdrückung beruhen?
  • Wie schaffen es die Machthaber ganz konkret die Machtinstrumente einzusetzen, insbesondere bei Berücksichtigung eines Wahlrechts für Frauen und der Erziehung der späteren Machthaber ganz überwiegend von Frauen?
  • was für ein Frauenbild und was für ein Männerbild erfordert es, dass die einen ihre Möglichkeiten nicht nutzen um aus dem Machtgefüge auszubrechen und die anderen es weiter fördern?
  • Welche Vorteile bestehen für Männer, welche für Frauen in dem System und könnten diese Vorteile die Nachteile ausgleichen und das System deswegen akzeptiert werden?

Aber das sind ja die alten Fragen nach den Ursprüngen, bei denen der Feminismus einfach voraussetzt.

Das in dieser Logik ein geschlossenes Weltbild vorhanden ist, in das man nicht eindringen kann, zeigt sich auch in Folgediskussionen bei „Metalust

Dort ist in den Kommentaren von weißen Männerbündnissen zwischen Don Alponso und Malte Welding die Rede, die Lantzschi (stellvertretend für die Frauenwelt bzw. als Gegenmeinung kleinreden und unterdrücken). Hingegen ist das Bündnis feministischer Blogs lediglich Widerstand gegen den Unterdrücker, also nur der Versuch sich irgendwie gegen den Gegner zu stemmen.