Epistemisches Privileg

epistemisches Privileg – oder wie man vermeintliche Nachteile in Macht umwandelt

Leser IchIchIch weist in einem Kommentar auf den Begriff des epistemischen Pivilegs hin.

Der Begriff bedeutet – aus dem griechischen kommend – das „Wissensprivileg“. Gemeint ist damit, dass eine nichtprivilegierte Gruppe leichter erkennen kann, welche Privilegien bei anderen bestehen als die privilegierte Gruppe. Den wem die Privilegien verwehrt sind, wer von etwas ausgeschlossen ist, der bemerkt dies eher als derjenige, der es als selbstverständlich voraussetzt.

Aus diesem Wissensvorsprung heraus soll dann also derjenige, der nichtprivilegiert ist, die Privilegien benennen können. Er soll des weiteren auch die „Diskurshoheit“ bezüglich der Gespräche über diese Privilegien haben, da er ja die bessere Einsicht hat und der andere seine Privilegien ncith erkennt.

Das dieses Prinzip nur dann funktionieren kann, wenn alle Beteiligten absolut objektiv, ehrlich und selbstlos, jedenfalls nicht auf einen eigenen Vorteil hin ausgerichtet sind und das damit das epistemische Prinzip oder vielmehr die Berufung darauf ein Machtmittel sein kann, wie es stärker kaum sein kann, ergibt sich daraus sehr schnell: Schließlich kann man damit beliebige Einwände der Gegenseite übergehen und lediglich seinen eigenen Standpunkt als maßgeblich bestimmen, wenn man nur annimmt, dass der andere ein Privileg hat oder dies auch nur behauptet.

Ein theoretisches Gespräch zeigt dies schnell:

A: „Du hast das Privileg der Sorte 1, ich erkenne es an dir, denn ich habe es nicht“

B: „Nein, ich bin nicht Privilegiert.“

A: „Es war klar, dass du das sagst, du kannst es selbst nicht erkennen. Glaub mir du hast das Privileg“

B: Aber ich habe dadurch, dass ich dieses oder jenes mache selbst bestimmte Nachteile und ich verwehre dir ja auch nicht, dies oder jenes zu machen, du machst es nur nicht so gerne, sondern statt dessen jenes oder welches.

A: „Ach, das Privileg versperrt dir so stark den Blick, es ist beängstigend. Gut, dass ich bereits eine Vielzahl von Maßnahmen erkenne, die dir das Privileg nehmen und mir helfen.“

B: „Aber das ist ungerecht. Ich sagte ja gerade, dass ich nicht privilegiert bin, warum soll ich die Maßnahmen gegen mich ergehen lassen?“

A: „Weil ich es sage und du nichts dagegen sagen kannst, weil du das Feld nicht überblickst. Du musst akzeptieren, dass meine Meinung richtig ist“

B: „Mist“

Es ist auch ein sehr gutes Mittel um eine Immunisierung gegen Kritik zu bewirken. Denn bei kritik kann darauf verwiesen werden, dass man diese, sofern sie nicht aus der nichtprivilegierten Gruppe selbst kommt, nicht ernst nehmen muss und mit der subjektiven Erfahrung, die daraus folgt, Bestandteil der Gruppe zu sein, beiseite wischen.

Bei Kritik aus den eigenen Reihen ist wohl das übliche Mittel, dass man darauf verweist, dass diese die eigene Gruppe hintergehen. Wiederum zeigt sich, wie wichtig das Kriterium der Gruppenidentität für den gemeinsamen Kampf ist. Denn durch den Ausschluss aus der Gruppe fällt eben auch die Berufung auf das epistemische Privileg weg (obwohl dieses ja eigentlich nach wie vor zB beim Kriterium Geschlecht weiterbesteht).

Konzepte wie hegemoniale Männlichkeit gehen in die gleiche Richtung, da sie ein Privileg zuweisen und alle die dies unterstützen als Nutznießer des Systems aus der Gruppe der dagegen ankämpfenden ausschließen.

Es erlaubt zudem eine Selbstüberhöhung, weil es gerade auf die eigene Wahrnehmung ankommt. Das eigene Fühlen wird damit zum Maßstab der objektiven Welt.

Meiner Meinung nach hat das System folgende Fehler:

1. Es mag sein, dass der Nichtprivilegierte seine subjektiven Beeinträchtigungen besser beschreiben kann.

Dies bedeutet aber nicht, dass er dadurch ein besseres Verständnis dafür ausbaut, weil bei einer subjektiven Beeinträchtigung nur das eigene Denken und Fühlen zugrundegelegt wird. Auch der Nichtprivilegierte müßte zunächst abgrenzen, was tatsächlich ein Privileg des anderen und was vielleicht nur bessere Fähigkeiten oder bessere Vorgehensweisen sind. Aus seiner eigenen subjetktiven Wahrnehmung herauszusteigen kann mitunter schwieriger sein als eine Wahrnehmung von außen. Der Nichtprivilegierte müßte mit anderen Nichtprivilegierten sprechen um zu sehen, ob die Erfahrungen übereinstimmen. Damit ist er dann abgesehen von einem gewissen Anfangsvorteil in der gleichen Position, wie ein Privilegierter.

2. Wenn jemand etwas nicht macht, dann fehlt im die Sicht auf die (vermeintliche) Privilegierung.

Als Beispiel:

Ein Junge sieht Soldaten in schicken Uniformen auf einer Parade und denkt sich, dass er gerne Teil dieser aus seiner Sicht privilegierten Gruppe, die Anerkennung erfährt, wäre. Ein Soldat, der gleichzeitig das Schlachtfeld und ein danach gut gefülltes Militärhospital kennt wird hingegen die Nachteile besser erkennen.

Oder etwas weniger militärisch:

Wer nur das Gehalt und das Ansehen eines hohen Wirtschaftslenkers kennt, der wird sich in den Job wünschen und möglicherweise annehmen, dass eine Gruppe, die einen geringeren Teil dieser Wirtschaftslenker stellt, nichtprivilegiert ist, die Gruppe, die hingegen den höheren Teil stellt, privilegiert ist. Der Betrachter von außen erfährt aber nicht, wie es ist eine 70+ Stundenwoche zu haben und keine Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, also die Kosten eines solchen Jobs, die für einige relevant sind, für die anderen nicht

Sprich: Zum Feststellen eines Privilegs gehören eigentlich zwei Sichten: Die des vermeintlich Privilegierten und die des vermeintlich Nichtprivilegierten. Den was aus der einen Sicht ein Privileg sein kann, kann aus der anderen Sicht keines sein.

3. In der Geschlechterdebatte kommt ein weiterer Punkt dazu:

Männer und Frauen sind innerhalb der Gruppen sehr heterogen. Innerhalb der Gruppe bestehen viele Unterschiede, die eine einheitliche Sicht behindern.  Es bestehen auch starke Unterschiede in den Vorstellungen bei der Lebensplanung.

Viele Männer sind beispielsweise bereit wesentlich mehr Arbeit in den Aufbau von Status zu stecken und daher auch eher an Karriere interessiert. Sie mögen Konkurrenzkampf in der Sache.

Viele Frauen hingegen bewerten Statusaufbau niedriger und sind mehr an guten zwischenmenschlichen Kontakten und Zeit mit persönlichen Kontakten sowie an einer guten Work-Life-Balance interessiert.

Hier „Karriere“ als Privileg aufzubauen, weil mehr Männer als Frauen Karriere machen, bedeutet seinen ersten Schritt nicht getan zu haben, nämlich zu ermitteln, was die angehörigen der Gruppe, die nicht privilegiert sein soll, überhaupt will und wie ihre Erfahrungen sind

4. Lösungstrategien erfordern nicht unbedingt die persönliche Erfahrung, sondern eine genaue Analyse der Ursachen und Handlungsmöglichkeiten.

Hier droht durch das Abstellen auf die eigene Person wieder eine zu kurze Betrachtung. Denn welchen Anteil andere daran haben und was sie machen müssen und wollen, um Benachteiligungen anderer abzubauen ist nicht immer leicht zu bestimmen. Gerade wenn man derjenige ist, der von einer Maßnahme die Vorteile haben soll geschieht es leicht, dass man sich mehr Vorteile zuschustert oder Maßnahmen vorschlägt, die die andere Seite nicht mittragen will, kann oder muss . Das läßt dann wieder Raum für einen umfangreichen Opferstatus des Nichtprivilegierten.

Insbesondere ist zu erwarten, dass der Nichtprivilegierte zum Ausgleich solche Maßnahmen stärker gewichtet, die von den Privilegierten zusätzliche Maßnahmen erfordert, gegenüber solchen Maßnahmen, die ihn belasten würden.

Ein Beispiel aus der Geschlechterdebatte:

Eine Frauenquote und die Forderung nach familienfreundlicheren Unternehmen macht Frauen Karriere angenehmer. Man könnte auch verlangen, dass sie andere Studienfächer studieren (Maschinenbau, Ingenieurswesen etc), verstärkt die Kinderbetreung an Dritte abgeben oder sich Partner suchen, die diese übernehmen, verstärkt Überstunden machen etc

44 Gedanken zu “Epistemisches Privileg

  1. könnte es sein das hier ein geschlechterunterschied sichtbar wird? der fähigkeit fakten einzuschätzen bzw zusammenhänge zwischen ursache wirkung mit wissenschaftlicher logik zu betrachten.
    die berufe die diese fähigkeit vorraussetzen werden stärker von männern bevorzugt (Maschinenbau, Ingenieurswesen etc). schach ist da auch ein gutes bsp. es gibt da keine möglichkeit der realität auszuweichen.???

    „epistemisches privileg“ ist in sich ein politischen machtargument mit dem ziel sich selbst vorteile zu verschaffen in dem die gegenseite die fähigkeit zum objektiven denken abgesprochen wird. im grunde wird menschen ihre würde genommen. im kalten krieg reichte es das jemand kommunist war (im westen) in der ddr das gegenteil. die derzeitige situation mit islamkritik ist das gleiche zu beobachten, da kommt dann der begriff islamophobie ins spiel. (jemanden als geisteskrank zu bezeichnen weil er eine religion kritisch sieht…)
    es ist schlicht eine standartstrategie von menschen die sich im linken politischen spektrum verorten.

    • es ist schlicht eine standartstrategie von menschen die sich im linken politischen spektrum verorten.

      Genauso wie es eine Standartstrategie von Menschen im rechts-konservativen Spektrum ist alles zu verbieten, was sie nicht verstehen.

      Beides Pipi-Langstrumpf Prinzip und Zeichen geistiger Unreife.

      • Sind doch eher die links-grünen die alles verbieten wollen.

        Siehe Forderungen zum Waffengesetz, Atomkraft usw.

        Da sind mir die konservativen doch lieber.

      • hi omti

        grundsätzlich sehe ich stärker die linke, die freiheit beschneidet.
        z.b. was man diskutieren darf. denk nur an den fall sarazin. er hat ja nur über bekannte fakten erneut gesprochen. da war nicht mal was neues dabei und schon hat es ihn seinen job gekostet.

        oder wenn die antifa leute zusammen schlägt
        oder wenn es um parteien geht. ich habe schon öfter gelesen das da die orte an denen treffen stattfinden sollten unter druck gesetzt werden. wenn eine partei legal ist hat sie versammlungsfreiheit. (ich muss deren ziele nicht gut finden aber sie hat die gleichen rechte wie die anderen auch)
        in der schweiz wollten sich männer treffen um das thema feminismus diskutieren. auf druck von linken gruppen war es ihnen nicht möglich räumlichkeiten zu mieten.

        was du als rechts konservativ bezeichnest würde ich mehr mitte links ansehen. konservativ gibt es nicht in deutschland.

    • „könnte es sein das hier ein geschlechterunterschied sichtbar wird?“

      Ja? Woran hast du das erkannt? Was man sofort sieht, ist, dass das „theoretische Gespräch“ (beabsichtigt?) so gestaltet ist, dass ein Gesprächspartner sachlicher dargestellt wurde als der andere. Eine neutrale Grundlage ist das nicht, da es von vornherein keine Diskussion auf Augenhöhe suggeriert.

      • hi onyx

        ich sehe in vielen argumentationen von feministischer seite keine sachlichkeit sondern stärker emotionale reaktionen.

        was meinst du mit „theoretische Gespräch“ ?

      • @ Holger
        „ich sehe in vielen argumentationen von feministischer seite keine sachlichkeit sondern stärker emotionale reaktionen.“

        Das sehe ich auch in maskulistischen Diskussionen. Niemand braucht hier so zu tun, als hätten Maskulisten die Sachlichkeit gepachtet. Jeder, der nicht blind ist, weiß, dass es nicht so ist. Sieht man ja auch hier.

        „was meinst du mit „theoretische Gespräch“ ?“

        Lies den Artikel…

      • @onyx

        „was meinst du mit „theoretische Gespräch“ ?“ finde ich nicht kannste mir den link geben…

        „Das sehe ich auch in maskulistischen Diskussionen. Niemand braucht hier so zu tun, als hätten Maskulisten die Sachlichkeit gepachtet. Jeder, der nicht blind ist, weiß, dass es nicht so ist. Sieht man ja auch hier.“

        ich sehe mich nicht auf irgendeiner seite der diskusion. meine messlatte ist das grundgesetz. also wenn du willst gleiche pflichten und rechte für jeden menschen. so geshen bin ich pro grundgesetz und gegen feminismus, die jetzige from ist bis zum kern verfault. eine neue form der appartheit.

        wenn kommentare gelöscht werden die lediglich eine andere position darstellen dann ist das pure emotion.
        oder reaktion auf körperverletzung gegen männer von feministen. wie kann irgendein mensch soetwas rechtfertigen?

        sachliche argumente die wissenschaftlichen überprüfungen stand halten sehe ich quasi nie.
        warum haben die ersten untersuchungen beim gender pay gab nicht nach ursachen geforscht? jeder der ernsthaft nach der warheit sucht hätte das getan. mir kamen die entsprechenden fragen sehr schnell.
        zeig mir vergleichbares in der maskulistischen diskussion!
        (wo derart die warheit verdreht wird)

        auf einer anderen ebene bestätigt deine antwort meine eingangsfrage.
        menschen die andere meinungen haben müssen also ‚blind‘ sein.
        oder ‚Niemand braucht hier so zu tun‘ ist eine unterstellung das ich tatsachen verdrehe. also beides beleidigend. deine antwort ist also eine einzige emotionale reaktion oder?

        oder eine diskusion die tage:
        es ging um wäremdämmung am haus
        ich wollte mehr informationen über eine dämmung wissen. die frau hat mir am ende die fachliche qualifikaion abgesprochen ihre meinung zu hinterfragen.
        nun sie wusste ich bin dipl.-ing. die frau ist im sozialen bereich tätig. das könnte man durchaus auch als beleidigend ansehen.

        ich fragen gestellt habe genau wie hier.

      • @ Holger
        „„was meinst du mit „theoretische Gespräch“ ?“ finde ich nicht kannste mir den link geben…“

        Nein, kein Link. Noch mal, lies den Artikel. Das theoretische Gespräch stammt aus Christians Tastatur, nicht aus meiner. Frag ihn also, nicht mich.

        „menschen die andere meinungen haben müssen also ‘blind’ sein.“

        Nein. Nur Menschen, die behaupten, dass Maskulisten immer sachlich diskutieren, Feministinnen aber nie. Die sind blind, ja.

        „oder ‘Niemand braucht hier so zu tun’ ist eine unterstellung das ich tatsachen verdrehe. also beides beleidigend.“

        Warum so empfindlich?

        „deine antwort ist also eine einzige emotionale reaktion oder?“

        Nein, eine nüchterne Feststellung.

    • Gemeint ist damit, dass eine nichtprivilegierte Gruppe leichter erkennen kann, welche Privilegien bei anderen bestehen als die privilegierte Gruppe. Den wem die Privilegien verwehrt sind, wer von etwas ausgeschlossen ist, der bemerkt dies eher als derjenige, der es als selbstverständlich voraussetzt.

      Soweit dies die Mehrheit der Frauen betrifft, ist dies absolut zutreffend. Frauen sind fast nie fähig, ihre Privilegien als solche zu erkennen.

      Ansonsten stimme ich Zhen grundsätzlich zu, der treffend festhält, dass sich die sozialen Verwerfungen nicht entlang der Geschlechterfront zeigen, sondern, ganz natürlich in einer kapitalistischen Welt, entlang den Grenzen der sozialen Klassen, die sich über Einkommen und Eigentum definieren lassen.

      Mittlerweile begeistert sich sogar Mutti von der Leine, die Pfaffen und der Vorstand von Telekom für den Feminismus. Somit sollte allmählich dem letzten Dummdödel klar sein: Feminismus ist kleinbürgerlich-reaktionärer Bullshit, eine Ideologie, der nichts Gesellschaftskritisches mehr in der Praxis anhaftet. Ganz nach Lieschen Müllers Geschmack, dem spätpubertierenden Mädel aus gutem Hause, welches ein bisschen Revoluzzer spielen will, Latte Macchiato inbegriffen.

      Rrrrüülps!

      • @ Peter

        *Soweit dies die Mehrheit der Frauen betrifft, ist dies absolut zutreffend. Frauen sind fast nie fähig, ihre Privilegien als solche zu erkennen.*

        Ich stosse mich noch mehr daran, dass Leute -auch Männer- weibliche Privilegien und die damit logisch verbundene Diskriminierung der Männer zwar erkennen, aber als gerecht erachten. Das ist schamlose Bosheit gepaart mit bodenloser Dummheit.

      • Ich stosse mich noch mehr daran, dass Leute -auch Männer- weibliche Privilegien und die damit logisch verbundene Diskriminierung der Männer zwar erkennen, aber als gerecht erachten. Das ist schamlose Bosheit gepaart mit bodenloser Dummheit.

        Ich vermute viel eher, dass die meisten, Männer und Frauen, die Privilegien gar nicht als solche erkennen können. Das widerum hat mit tradierten Vorstellungen zu tun, was Männer und was Frauen in dieser Gesellschaft zu leisten hätten.

        Dem Feminismus ist nicht anzulasten, dass tradierte Vorstellungen überprüft und hinterfragt werden, sondern das Gegenteil: tradierte Vorstellungen, insbesondere die Vorstellung, dass Männern eine besondere Verantwortung für das Wohl der Frauen zukommt, werden NICHT hinterfragt sondern kultiviert, weil sie für Frauen vorteilhaft sind. Deshalb: Feminismus ist reaktionär. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Anteil an Frauen bei den Zinsknechten, sprich Lohnarbeitern, zugenommen hat.

  2. Entscheidend ist hier, dass der Begriff des epistemischen Privilegs völlig einseitig instrumnetalisiert wird.

    Es steht von vorneherein fest: Männer haben Privilegien, Frauen werden diskriminiert.

    Dass auch Frauen Privielgien haben (und hatten), dass auch Männer das epiestemische Privileg des Benachteiligten für sich in Anspruch nehmen könnten, weil Frauen, insofern sie privilegiert sind, ihre Privilegien gar nicht erkennen und die Nachteile der Männer auch nicht, wird nie bedacht.

    Es steht von vorneherein fest: MÄNNER SIND PriVILEGIERT, MÄNNER SIND MÄCHTIGE TÄTER, FRAUEN UNSCHULDIÄGE OPFER, MÄNNER SIND SCHULD; FRAUEN UNSCHULDIG.

    Es ist dieser übervordenden Nazrzssmus, dieses gedankenlose, durchgehende, beharrliche, besser wisserische Kreisen um den eigenen Bauchnabel, der mir Feminismus so besonders widerwärtig macht.

    Weil ja feststeht, dass nur Männer mächtig, Frauen aber ohnmächtig sind, weil feststeht, dass nur Männer Frauen formen, nicht aber Frauen in gleichem Maße Männer, weil wweibliche Macht konsequent ausgeblendet, verleugnet, übersehen wird (erotische Macht, Macht der Mütter über Söhne usw.).

    Feminismus erscheint mir hier unglaublich dumm und selbstgefällig.

  3. Auf Geschlechterverhältnisse angewandt ist die Theorie des epistemischen Privilegs (sie heißt gewöhnlich Standpunkt-Theorie) Unsinn. Doch in bezug auf Klassen stimmt sie. Die Bourgeoisie ist unfähig, die wirklichen ökonomischen Verhältnisse zu erkennen. Sie dokumentiert das durch ihre vulgärökonomischen Ideologien, die sie seit Jahrhunderten unter wechselnden Namen (Nationalökonomie, VWL, BWL) an ihren Universitäten verbreitet. Alle vier Einwände von Christian treffen auf die marxistische Standpunkt-Theorie nicht zu:

    1. Privilegien spielen keine Rolle. Es geht um die eindeutig erkennbare Stellung zum Eigentum, zur herrschenden Gewalt dieser Ökonomie. Entweder ist man EIgentümer (Kapitalist) oder nicht (Proetarier).

    2. Das Ausbeutungsverhältnis kann objektiv nachgewiesen werden. Man muss nur das variable Kapital mit dem produzierten Neuwert vergleichen. Die Differenz ist der Mehrwert, den sich das Kapital erschlichen hat.
    Dass Kapitalisten aus ihrer Stellung Vorteile ziehen, ist auch bewiesen. Ihr Dasein als Kapitalisten wählen sie nämlich freiwillig. Gefiele es ihnen nicht, könnten sie jederzeit zum Proletarier werden, indem sie ihre Reichtümer verschenken. Männer haben diese Wahl nicht. Sie können nicht als Frauen leben, obwohl die Differenzierungen innerhalb eines Geschlechts größer sind als zwischen den Geschlechtern und manche Männer daher der durchschnittlichen Frau näher sind als dem durchschnittlichen Mann.

    3. Diese Unterschiede bestehen innerhalb der Klassen nicht, weil Menschen Klassen von vornherein aufgrund eindeutiger und objektiver Eigenschaften zugeordnet werden (siehe 1.), während bei den Geschlechtern viele konfligierende Kriterien zusammenwirken. Die alltägliche Sortierung nach dem Phänotyp wird der Differenzierung innerhalb eines Geschlechts nicht gerecht. Eine Klasse dagegen ist absolut homogen, weil der Begriff der Klasse bereits so angelegt ist.

    4. Nur die persönlichen Erfahrungen der Proletarier können die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Nur das Proletariat als die unterdrückte Klasse hat ein Interesse daran und die erforderliche Einsicht, den Kapitalismus zu überwinden. Die Proletarier sind zugleich die Opfer der Kapitalisten und ihre künftigen Totengräber.

    Wie man sieht, ist die Standpunkt-Theorie des Marxismus wohlbegründet. Ich lade alle feministisch Verirrten ein, von ihrer Ideologie abzulassen und sich dem revolutionären Kampf um die Emanzipation einer ganzen Klasse von Unterdrückten anzuschließen, anstatt mit Kapitalisten um Quoten zu schachern und somit das kapitalistische Elend fortzusetzen.

    • zehen

      „Gefiele es ihnen nicht, könnten sie jederzeit zum Proletarier werden, indem sie ihre Reichtümer verschenken. Männer haben diese Wahl nicht.“

      Jesus von Nazareth hat angeblich sein Sein als Meister am Kreuz bewusst beendet.

      „Nur die persönlichen Erfahrungen der Proletarier können die Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Nur das Proletariat als die unterdrückte Klasse hat ein Interesse daran und die erforderliche Einsicht, den Kapitalismus zu überwinden. Die Proletarier sind zugleich die Opfer der Kapitalisten und ihre künftigen Totengräber.“

      Weiß Du, bald wird keine persönliche Erfahrung mehr möglich sein, weil Kapitalisten samt Sozialisten, die Dicken und die Dünen die Welt in eine Kloake verwandeln! Also ein Pupser zum Schluss.

      • @Schtaross-zieh-zück

        „Jesus von Nazareth hat angeblich sein Sein als Meister am Kreuz bewusst beendet.“

        … und ist als Frau mit Privilegien wieder herabgestiegen? Das wäre mir neu.
        Oder willst du jetzt allen Männern die Selbsttötung als Alternative zu ihrem elenden Männerdasein vorschlagen?
        Wie üblich, man liest nur verachtende Hasstiraden von dir und deinesgleichen.

    • „Die Bourgeoisie ist unfähig, die wirklichen ökonomischen Verhältnisse zu erkennen.“

      Es wird immer die besondere Ironie des Marxismus sein, dass dessen Begründer ein Erz-Bourgois und sein kapitalistischer Ausbeuterfreund waren.

      • @JC
        Den Unterschied zwischen „die Bourgeosie“ und „ein Bourgeois“ merkst du aber schon noch, oder? Außerdem war Marx wohl kaum ein Bourgeois. Der hat immer im Elend gearbeitet bis er mal wieder ein Buch fertig hatte, das sich gut verkaufte. Ohne die Stütze von Engels hätte es einen Marxismus wohl nie gegeben.

      • „Den Unterschied zwischen „die Bourgeosie“ und „ein Bourgeois“ merkst du aber schon noch, oder? “

        Natürlich. Aber da ja das Sein das Bewusstsein bestimmt, muss die Aussage auch für den einzelnen Bourgeois gelten.

        „Ohne die Stütze von Engels hätte es einen Marxismus wohl nie gegeben.“

        Und das findest du nicht ironisch?

      • „Natürlich. Aber da ja das Sein das Bewusstsein bestimmt, muss die Aussage auch für den einzelnen Bourgeois gelten.“

        Diese Behauptung teile ich zwar nicht. Aber abgesehen davon, wieso soll Marx Bourgeois gewesen sein? Was für einen Betrieb hatte er denn? Wieviele Lohnarbeiter hat er für sich arbeiten lassen? Marx war als Journalist Lohnarbeiter bei Zeitungen. Er hat sich von Kapitalisten ausbeuten lassen und war nicht selbst Kapitalist.

      • „Diese Behauptung teile ich zwar nicht.“

        Interessant. Wieso ist dann die Bourgeoisie unfähig, die „wirklichen“ ökonomischen Verhältnisse zu erkennen? „Unfähig“ bezieht sich ja auf´s Können, nicht auf´s Wollen.

        „Aber abgesehen davon, wieso soll Marx Bourgeois gewesen sein?“

        Marx hat für kurze Zeit als Journalist und dann als Schriftsteller gearbeitet, lebte aber die meiste Zeit von Zuwendungen seiner Familie oder Engels. Er war weder Proletarier noch Kapitalist im klassischen Sinne, pflegte aber einen durchaus bourgeoisen Lebensstil.

  4. Habe grade gegogelt und gefunden:

    „Die Erkenntnistheorie oder Epistemologie ist ein fachübergreifendes Gebiet der Philosophie, welches sich mit Fragen der Art befasst, wie Wissen zustande kommt, welche Erkenntnisprozesse denkbar sind, wie begründet Wissen unter den verschiedenen Voraussetzungen ist, und woran man erkennt, dass Wissen tatsächlich aufgrund von Erkenntnis angeboten wird. Von Interesse ist hier vor allem, welche Art von Zweifel an welcher Art von Wissen grundsätzlich bestehen kann.“

    Hat Wissen etwas mit Fühlen zu tun?

  5. „Jesus von Nazareth hat angeblich sein Sein als Meister am Kreuz bewusst beendet.“
    … und ist als Frau mit Privilegien wieder herabgestiegen?“

    Im Ernst: Matriachal gesinnte Menschen haben mit solchen „Wundern“ kein Problem. Das persönliche Leben des Menschen (mit oder ohne Penis) als culminativer Ergebnis der momentanen Transformation der Elementar-Kräfte ist nachvollziehbar.

  6. Das ist halt der übliche Mist, genau wie bei der sog. „Definitionsmacht“: Nur die, die keine Privilegien haben, können die Privilegien der anderen erkennen (nur vergewaltigte können wissen, ob sie vergewaltigt wurden).

    Die Frage, ob objektiv ein Privileg vorliegt, wird damit gekonnt ausgeschaltet und der Willkür Tür und Tor geöffnet.

    • „nur vergewaltigte können wissen, ob sie vergewaltigt wurden“

      Die Kirche hat es zu einer gewissen Zeit hingekriegt, den vergewaltigten Frauen einzureden, dass sie möglicherweise durch entsprechende Kleidung an der Vergewaltigung mitschuldig sind.

  7. Wenn man einigermaßen Wissenschaftlich vorgeht, sollte ein ‚epistemisches Privileg‘ kein Problem sein, schliesslich ist es im Endeffekt einfach nur ein weiterer Bias den man bei Empirik oder Experimenten beachten muss.
    Und es ist bei weitem nicht die einzige Verzerrung, der die Wissenschaft so begegnet, u.a, weil man weis, wie problematisch menschliche Wahrnehmung ist, bemüht man sich ja um Doppelblindstudien und Standardisierung bei der Durchführung von Experimenten, anders gesagt: man ist an Verzerrungen gewohnt.

    Das eigentliche (argumentative) Problem entsteht erst, wenn dieser Verzerrung quasimagische Eigenschaften zugewiesen wird: „die Studie wurde von [mitglied potentiell priviligerter Gruppe] durchgeführt, sie ist daher aussagelos“.
    So wird das ganze zu einer Ad-hominem-Attacke, da man letztlich einfach sagt, dass, egal was die person sagt, falsch ist, anstatt _innerhalb der Argumente_ die Verzerrung aufzuzeigen.

    Wenn ich z.B. Aufgrund von Kriminalstatistsik feststelle, dass Gruppe X häufiger delinquent, reicht es nicht zu sagen: „das denkst du nur, weil du kein X bist“, denn das finden der Korellation ist ja klar Mathematisch definiert, sondern man müsste z.B. zeigen, dass sich der Bias ausreichend in der Kriminalstatistik niederschlägt (das also z.B. Polizei oder Richter taten unterschiedlich bewerten).

    Anders gesagt: die Hypothese eines ‚epistemischen Privileges‘ sollte nicht das Ende einer Theorie, sondern der Anfang einer neuen (falsifizierbaren) sein.

    • Richtig, das „epistemische Privileg“ ist der empirischen Wissenschaft seit langem bekannt und es wird versucht es zu vermeiden. Da rennen gewisse Leute offene Türen ein, räumen nicht vorhandene Hindernisse aus dem weg und weisen auf gelöste Probleme hin.
      Die feministische Kritik an der etablierten Wissenschaftstheorie wird von dieser deswegen auch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen und „“feministische Wissenschaftstheorie“ grundsätzlich in Anführungszeichen gesetzt.

      • Haselnuss

        „Richtig, das „epistemische Privileg“ ist der empirischen Wissenschaft seit langem bekannt und es wird versucht es zu vermeiden. Da rennen gewisse Leute offene Türen ein, räumen nicht vorhandene Hindernisse aus dem weg und weisen auf gelöste Probleme hin.
        Die feministische Kritik an der etablierten Wissenschaftstheorie wird von dieser deswegen auch mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen und „“feministische Wissenschaftstheorie“ grundsätzlich in Anführungszeichen gesetzt.“

        Den matriarchal ersinnten Frauen und Männern – ähnlich wie Reich – erging es ähnlich. Sie verdienten nicht mal ein müdes Lächeln!

  8. „Ein Junge sieht Soldaten in schicken Uniformen auf einer Parade und denkt sich, dass er gerne Teil dieser aus seiner Sicht privilegierten Gruppe, die Anerkennung erfährt, wäre. Ein Soldat, der gleichzeitig das Schlachtfeld und ein danach gut gefülltes Militärhospital kennt wird hingegen die Nachteile besser erkennen.“

    Als Kind – da ich zu bestimmten Zeiten einen bestimmten Film wie die anderen Kinder am Spielhof gesehen habe – spielte ich gerne den großen Kämpfer. Leider dadurch wurde der Krieg nicht gewonnen, nur, weil ich zulegte…

  9. A: „Du hast das Privileg der Sorte 1, ich erkenne es an dir, denn ich habe es nicht“

    B: „Nein, ich bin nicht Privilegiert.“

    A: „Es war klar, dass du das sagst, du kannst es selbst nicht erkennen. Glaub mir du hast das Privileg“

    B: Aber ich habe dadurch, dass ich dieses oder jenes mache selbst bestimmte Nachteile und ich verwehre dir ja auch nicht, dies oder jenes zu machen, du machst es nur nicht so gerne, sondern statt dessen jenes oder welches.

    A: „Ach, das Privileg versperrt dir so stark den Blick, es ist beängstigend. Gut, dass ich bereits eine Vielzahl von Maßnahmen erkenne, die dir das Privileg nehmen und mir helfen.“

    B: „Aber das ist ungerecht. Ich sagte ja gerade, dass ich nicht privilegiert bin, warum soll ich die Maßnahmen gegen mich ergehen lassen?“

    A: „Weil ich es sage und du nichts dagegen sagen kannst, weil du das Feld nicht überblickst. Du musst akzeptieren, dass meine Meinung richtig ist“

    B: „Mist“

    Christian, du solltest bei derailing for dummies mitmachen.

    http://www.derailingfordummies.com/

  10. Onyx

    Ich helfe dem Holger:

    A: „Du hast das Privileg der Sorte 1, ich erkenne es an dir, denn ich habe es nicht“ (versuche eine andere Brille aufzusetzen)
    B: „Nein, ich bin nicht Privilegiert.“ (doch, aber das müsste eigentlich keiner wissen)
    A: „Es war klar, dass du das sagst, du kannst es selbst nicht erkennen. Glaub mir du hast das Privileg“ (ich muss nicht über meine Privilegien schwatzen!)
    B: Aber ich habe dadurch, dass ich dieses oder jenes mache selbst bestimmte Nachteile und ich verwehre dir ja auch nicht, dies oder jenes zu machen, du machst es nur nicht so gerne, sondern statt dessen jenes oder welches. (Na, das fehlt noch, dass ich auf eine Einleitung von Männer-Hand warten müsste – das meinst Du nicht so ganz ernst)
    A: „Ach, das Privileg versperrt dir so stark den Blick, es ist beängstigend. Gut, dass ich bereits eine Vielzahl von Maßnahmen erkenne, die dir das Privileg nehmen und mir helfen.“(rück mal los)
    B: „Aber das ist ungerecht. Ich sagte ja gerade, dass ich nicht privilegiert bin, warum soll ich die Maßnahmen gegen mich ergehen lassen?“ (ich muss keine Maßnahmen über mich ergehen lassen: aus einem Stück Papier-Rechnung kannst Du – wenn du es als Kind gelernt hast – ein Schiff bauen!)
    A: „Weil ich es sage und du nichts dagegen sagen kannst, weil du das Feld nicht überblickst. Du musst akzeptieren, dass meine Meinung richtig ist“(Ist Dein Werkzeug-Kasten auch richtig ausgefüllt?)
    B: „Mist“(ebenso)

  11. Die „Umwertung der Werte“ geht weiter: Jetzt wollen die Feministinnen erreichen, dass die Menschen glauben „wer *nicht* in einer Situation drinsteckt, versteht sie automatisch besser als derjenige, der sie kennt“.

    Warnt besser alle Leute, die ihr kennt, was die Feministinnen vorhaben, damit sie vorbereitet sind. Ihre Scheinargumente können nur dann Erfolg haben, solange sie die Leute damit in Diskussionen „überrennen“ können.

    Argumentiert nicht mit ihnen, lacht sie besser aus. Wer so mit „Privilegien“ scheinargumentiert, hat es nicht verdient, als Gesprächspartner ernstgenommen zu werden.

    • 68neindanke

      „Warnt besser alle Leute, die ihr kennt, was die Feministinnen vorhaben, damit sie vorbereitet sind. Ihre Scheinargumente können nur dann Erfolg haben, solange sie die Leute damit in Diskussionen „überrennen“ können.
      Argumentiert nicht mit ihnen, lacht sie besser aus. Wer so mit „Privilegien“ scheinargumentiert, hat es nicht verdient, als Gesprächspartner ernstgenommen zu werden.“

      Ich wurde schon als Emanze Femine Hexe, sogar schlechte Frau geortet. Und von welchem Stern kommst Du?

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