Nochmal: Schlank als Schönheitsideal

 Für die Frage, wie sich Schönheitsideale entwickeln, ist es interessant, wie dick Männer und Frauen in der Steinzeit geworden sind. Denn es könnten daraus bestimmte Selektionskriterien hergeleitet werden. Ich hatte in dem Beitrag „Schönheit: Kultur oder Biologie“ schon etwas zum Thema sportlich-schlank als Schönheitsideal geschrieben. Ich halte Schönheitsideale nicht nur für kulturelle Mythen, weil sie häufig zumindest dem Grunde nach etwas über die Attraktivität des anderen als potentieller Partner aussagen.

Dass Menschen bereits in der Steinzeit dick geworden sind, könnte man daraus schließen, dass Fettablagerungen in der Menschheit nicht so unterschiedlich sind. Männer werden eher am Bauch dick, Frauen eher an den Beinen und am Po, aber weniger am Bauch.

Die Anlagerung von Fett unterliegt natürlich einer Selektion, sowohl einer natürlichen als auch einer sexuellen.

Fett sollte nach Möglichkeit so angelagert werden, dass es die weiteren Funktionen so wenig wie Möglich beeinträchtigt. Bei zu starker Fettablagerung an den Beinen können diese beispielsweise beim Laufen aneinanderreiben und die Beweglichkeit einschränken. Der Genitalbereich muss ebenfalls einigermaßen frei gehalten werden. Gene, die eine Fettanlagerung dort ermöglichen und darüber den erfolgreichen Geschlechtsverkehr verhindern, selektieren sich sehr schnell aus dem Genpool.

Daran, dass eine Selektion in diesem Bereich stattfinden konnte, kann man zumindest ersehen, dass es dicke Leute gegeben haben muss.

Andere Faktoren sprechen allerdings gegen zu viele dicke Leute. In der Steinzeit waren die Leute Jäger und Sammler. Dies erfordert zum einen eine gewisse Beweglichkeit und bringt zum anderen eine gewisse Unstetigkeit in der Versorgung mit sich.

Wildtiere allgemein haben selten eine starke Fettschicht, sofern sie nicht in besonders kalten Gegenden leben, um die als Isolierung benötigen.

Es spricht aus meiner Sicht daher vieles dafür, dass es eher kurze Perioden gab, in denen das Essen so reichlich war, dass die Leute dick wurden und andere Perioden, in denen von diesen Vorräten gezerrt werden musste.

Zudem ist zu bedenken, wie man dick werden konnte: Ich gehe davon aus, dass über eine vegetarische Ernährung, gerade im Winter, nur selten ein wirklich großer Leibesumfang erzielt werden konnte. Zu bedenken ist dabei, dass es heute zwar dicke Vegetarier gibt, diese aber auch viele Fette und andere Kalorienträger nutzen können, die durch Weiterverarbeitung konzentriert wurden. Zuckerhaltige Nahrung wie Süssigkeiten mit aus Zuckerrüben etc gewonnen Zucker oder aber Milchprodukte wie stark fetthaltiger Käse waren in der Steinzeit weit weniger vorhanden. Auch hatten die anderen Früchte nicht die durch die Zucht im Ackerbau erreichte Nahrhaftigkeit.

Proteine und Fette werden Steinzeitmenschen insbesondere durch Fleisch zu sich genommen haben.

Gerade die Großwildjagd mag es dabei ermöglicht haben, erhebliche Kalorien zu sich zu nehmen und dabei Fette abzulagern.

Auch Spezialisierungen und Handel könnten dazu beigetragen haben, dass einige Leute sich den Luxus geringerer Bewegung und beständiger guter Nahrung leisten konnten.

Bezüglich des Fleisches wird die These vertreten, dass hier der Jagderfolg auf die Sippe umgelegt wurde. So kann sich beispielsweise die reziproke Großzügigkeit entwickelt haben, ein eingeschränkter Altruismus auf der Grundlage gegenseitiger Unterstützung in Notzeiten. Gerade bei Fleisch, dass schnell verdirbt, lohnt sich eine Vorratshaltung von vorneherein nicht. Ein erlegtes Mammut wird der Jäger nicht alleine essen können, eine gewisse Großzügigkeit lohnt sich, gerade wenn man davon ausgehen kann, dass der nächste der einen Mammut erlegt, ihn wiederum mit einem selbst teilt. Selbst wenn Frauen kein Mammut jagen konnten und sich insoweit nicht revanchieren konnten, lohnt es sich unter dem Gedanken, dass eh keine Vorratshaltung möglich war, umfassend großzüggig zu sein und so seine eigene Stärke darzustellen. Wer Fleisch verschenken kann, der muss ein guter Jäger sein, der muss eher als andere seine Kinder im Notfall versorgen können, dessen Kinder werden eher überleben, es lohnt sich also der andere Teil dieser Gene zu sein, die in diesen Kindern stecken.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen, die dick waren, daher bereits einen Mann hatten, und zwar einen, der gut im jagen und damit wahrscheinlich auch im kämpfen war, müßte damit recht hoch gewesen sein. Sofern sie nicht bereits einen Partner hatten, der sie versorgt, werden sie zumindest einen höhergestellten Vater, Bruder oder sonstigen männlichen Ersatzversorger etc gehabt haben. Es kann auch sein, dass der Stamm, in dem sie lebte, gerade zufällig Großwild erlegt hatte, es reicht aber nicht sehr weit zurück. Der Umstand, dass eine Frau dick war, musste daher nicht unbedingt etwas über ihre Fähigkeit dauerhaft Essen herbeizubringen, sondern evtl. nur etwas über die Fähigkeit bestimmter Männer, Essen herbeizubringen aussagen. Eine solche Frau zu umwerben musste damit nicht unbedingt vorteilhaft für die eigenen Gene sein.

Hingegen reicht die Vermutung, dass sie eine gute Kandidatin für gesunden Nachwuchs ist, bei einer sportlichen Frau weiter zurück. Denn der Aufbau von Muskeln erfordert ein eigenes Tun der Frau über einen längeren Zeitraum und nicht die Handlungen anderer. Es zeigt, dass sie über einen längeren Zeitraum die passende Energie hatte um die Muskeln aufzubauen.

An den Hinternmuskeln kann man beispielsweise sehen, dass sie entweder viel gelaufen ist oder aber sich mit Gewichten häufig gebückt hat.

Allerdings deuten zu viele Kraftmuskeln eher auf zuviel Testosteron hin, weswegen wir eher Ausdauermuskeln bei Frauen interessant finden.

Eine Bewertung solcher Muskeln ist natürlich bei einer schlanken Frau wesentlich einfacher als bei einer sehr dicken Frau.

Es erscheint mir daher durchaus logisch, wenn Männer im Schnitt schlanke, sportliche Frauen interessanter finden als dicke Frauen.

27 Gedanken zu “Nochmal: Schlank als Schönheitsideal

  1. Deine Theorie vermag nicht zu erklären, warum in einigen Gesellschaften, die noch wesentlich naturnaher leben, beleibtere Frauen als Schönheitsideal bevorzugt werden. Je schwieriger eine Eigenschaft zu erreichen und zu erhalten ist, desto wertvoller erscheint sie in den Augen der jeweiligen Gesellschaft.

    In Gesellschaften, in denen Nahrung kein Überfluss darstellt, ist die üppige Frau das Ideal.

    In bäuerischen Gesellschaften, in denen Frauenarbeit als Armut gedeutet wird, ist der dralle Typ mit blassem Teint das Ideal.

    In Überflussgesellschaften wie der unsrigen, in der Fettleibigkeit problemlos erreicht werden kann, wohingegen Schlankheit und Bräune auf wenig Stress und viel Freizeit hinweisen, ist es eben die schlanke untrainierte Frau mit einem gebräunten Teint.

    Beim aktuellen Trend, nämlich der sportlich-schlanken Frau mit gebräuntem Teint, liegt die Begründung darin, dass Fitness-Studios ihr Image verändert haben und mit dem Wellness-Faktor versehen wurden. Bis vor einigen Jahren waren sie teuer. Seit die Studios wie die Pilze aus dem Boden schießen und für jedermann/frau bezahlbar sind, kann und will das Jeder haben.

    In meinen Augen ist das eine wesentlich unkompliziertere Erklärung, als das Evolutionsmodell. Und es erklärt die kulturellen Unterschiede besser. Der Theorie mit dem Hüfte-Taille Verhältnis wird trotzdem nicht widersprochen.

    Warum immer nur Frauen diesen Schönheitsidealen unterworfen waren? Schönheit für Status, so ist die vertretene Meinung hier.

    Interessant ist jedoch, dass erstmals auch die Männer einem Idealtypus zu entsprechen haben (sichtbar sportlich-muskulös). Meines Wissens nach, war das noch nie zuvor der Fall. Auch hier eine Bewegung in Richtung Gleichstellung??

    In der Werbung werden immer häufiger Männer mit schönen Körpern zum Verkaufsargument. Sex sells 😉

    • @helena
      „Warum immer nur Frauen diesen Schönheitsidealen unterworfen waren? Schönheit für Status, so ist die vertretene Meinung hier.

      Interessant ist jedoch, dass erstmals auch die Männer einem Idealtypus zu entsprechen haben (sichtbar sportlich-muskulös). Meines Wissens nach, war das noch nie zuvor der Fall. Auch hier eine Bewegung in Richtung Gleichstellung??“
      Nicht nur Frauen waren einem Schönheitsideal unterworfen, sondern auch Männer, gerade in früheren Epochen, waren es vor allem die Männer, die mit Kleidung usw. sich schöner stellen wollten. Auch Schminke war und ist in anderen Regionen diese Welt ein gängiges mittel für Männer. Ich schrieb ja auch schon, das Rüstungen als Vorläufer der Korsetts benutzt wurden. Je weiter man zurückblickt, desto mehr sieht man, das sich Männer herausgeputzt haben, Frauen auch, aber weniger.

    • „Warum immer nur Frauen diesen Schönheitsidealen unterworfen waren?“

      Weil Frauen sich nicht für das Aussehen von Männern interessieren, sondern für das, was er in der Brieftasche hat, bzw. was er erbeutet hat.

      „In der Werbung werden immer häufiger Männer mit schönen Körpern zum Verkaufsargument. Sex sells.“

      Das ist aber auch erst seit der Schwulenbewegung der Fall 😉

      Frauen lassen sich durch schöne Männer in ihrer Kaufentscheidung kaum beeinflussen. Wenn es anders wäre, müsste die Reklame mit schönen Männern zugepflastert sein, da Frauen weit häufiger konsumieren als Männer.

      Zudem sieht man sexuell attraktive Männer interessanterweise häufig in Verbindung mit den Produkten, die von Männern gekauft werden (außer Autos und Technik, aber bei Unterwäsche, Sportartikel, Kosmetik- und Rasierzeug).

      • Interessanter Aspekt, die Schwulenbewegung. Klingt ganz plausibel. Ich kann mich auch noch gut an die 90er erinnern, als es schick war, sich schwul zu geben. Der schwule beste Freund war irgendwie ein modisches must-have jeder modernen Frau 😉

        Ein Werbeclip für Waschmittel ohne biedere Hausfrau, dafür mit sexy Single, natürlich männlich, vielleicht sogar mit Kind, würde mich aber auch eher zum Kauf animieren 😀 Ich glaube, die Werbeindustrie hinkt da noch gewaltig nach.

    • @ Helena

      Entscheidend dafür, ob eine Frau als schön wahrgenommen wird oder nicht, scheint kulturübergreifend die Uhrglasproportion ihres Körpers zu sein (THV zwischen 0,67 und 0,8), mit umwelt-/kulturbeeinflussten feinschlägigeren Variationen innerhalb dieses Rahmens.

      So werten Männer kulturübergreifend Frauen als schön, die ein Taille-Hüften-Verhältnis zeigen, dass etwas unter dem Durchschnitt der Frauen dieser Gesellschaft liegt.

      Also wird eine Frau in einer Population, deren Frauen im Schnitt ein THV von 0,8 haben, mit einem THV von 0,75 als schön wahrgenommen, die gleiche Frau mit ihren 0,75 verpflanzt in eine Population, deren Frauen im Schnitt ein THV von 0,7 haben, gilt dort als weniger schön proportioniert.

      Eine gleiche optische Prägung, veränderbar über die Zeit, erklärte etwa die Unterschiede im Schlankheitsgrad schöner Frauen über verschiedene Epochen hinweg, wenn veränderte Ernährungsgewohneheiten/Lebensbedingungen die Fettleibigkeit von Frauen entweder anheben oder absenken und dann die Männer dieser Alterskohorten in ihrem Geschmack differieren, allerdings innerhalb der Grenzen der Voraussetzung, dass die Uhrglaskonfiguration des weiblichen Körpers gewahrt bleibt.

      Das schlussfolgere ich jedenfalls aus diesem Artikel von Devendra Singh:

      http://www.psichi.org/pubs/articles/article_548.aspx

      Auch für Männer gab und gibt es immer Normen physischer Schönheit, die Männer auch schon immer zu betonen suchten (Schulterpolster -Epauletten an Uniformen z.B.)

      Es ist ja nicht so, als würdigten Frauen physische Schönheit bei Männern nicht.
      Entscheidend ist auch hier DER UNTERSCHIED zwischen den Geschlechtern.

      Frauen würdigen physische Schönheit bei Männern, aber WENIGER als Männer physische Schönheit bei Frauen.

      Weshalb Männer Mängel bei physischer Schönheit/fehlender Jugendlchkeit stärker durch Status/“Potenz“ ausgleichen können als Frauen das können.

      Einer Frau nützt Status nicht viel, kommt es zur Bewertung ihrer Attraktivität durch Männer.

      Einem Mann nützt Schönheit nicht so viel wie einer Frau, kommt es zur Bewertung seiner Attraktivität durch Frauen (insbesondere wenn es um seinen Wert als Langzeitpartner geht, bei Ficken zwischen Tür und Angel siehts noch mal etwas anders aus, da nützt auch Männern Schönheit mehr, da wird sich auch die Akademikerin schon mal für den gut gebauten Türsteher erwärmen können, besonders, wenn sie etwas angetrunken ist – allerdings sollte der aufpassen, sonst hat der u.U schnell eine Vergewaltigungsanzeige am Hals, ist sie wieder nüchtern).

      Wegen dieses UNTERSCHIEDES kommen weltweit kulturübergreifend Partnermärkte zustande, auf denen weibliche Schönheit/Jugendlichkeit gegen männlichen Status getauscht wird, d.h. weltweit haben statushohe, ältere Männer viel häufiger junge, schöne Frauen an ihrer Seite (ob als Mätresse und/oder Ehefrau) als statushohe-ältere Frauen junge, schöne Männer (als Lover oder Ehemänner).

      • Aber das THV ist kein Indiz für dünn, schlank, vollschlank, drall oder dick, es sagt nur etwas über die Proportion aus. Dass diese Proportion bei Frauen als schön angesehen werden, bestreitet niemand, oder? Aber es geht ja hier um schlank oder nicht schlank. Die Bevorzugung des einen oder anderen Merkmals ist evolutionär nicht zu erklären, sondern eher sozio-kulturell. Oder sehen Sie das anders?

      • @ Helena

        Nein, das sehe ich nicht anders.

        Steht ja auch genau so im Artikel und meinem Kommentar dazu.

        Aber die Kutlur ist hier nicht beliebig frei, sondern an natürlich abgesteckte Grenzwerte gebunden, INNERHALB derer Schwankungen möglich sind.

        Eine Fettleibigkeit, die die Uhrglasform zerstört, ist nicht mehr attraktiv, walzenförmiger Körperbau kommt nicht gut an, in keiner Kultur, zu keiner Zeit, von Extremgeschmäckern/Paraphiien abgesehen.

        Gibt ja nichts, was es nicht gibt im Menschenzoo.

        Zählbare Rippen, hervorstechende Beckenschaufeln, der Rosenkranz der Dornfortsätze abzählbar auf dem Rücken, hervorpieksende Schulterblätter kommen auch nicht gut an, zu keiner Zeit, bei keiner Kultur.

        Wenn ein THV von 0,67 bis 0,8 als schön empfunden wird, kulturübergreifend, ist darin ja eine Menge Luft, zumal auch Frauen diesen Schwankungsbereich durch Persönlichkeit, Klugheit, Witz, Charme aufweiten können.

        Es fällt sicherlich leichter, sich in eine mollige 0,85-Frau mit Herz und Charme zu verlieben als in ein perfektes 0,7-Uhrglas mit Alice-Schwarzer-Humor.

        Mit dem schläft mann vielleicht einmal, redet mit ihr aber nicht sehr lange, jedenfalls nicht auf einer intimen, vertrauenden Basis.

      • „Steht ja auch genau so im Artikel und meinem Kommentar dazu.“

        Ich kann im Artikel keinen Bezug zum kulturellen Einfluss finden. Dort wird versucht, die Entwicklung zur Fettproportionierung am Körper anhand von Steinzeitmenschen zu erklären. Dass schlank schön ist, kann daraus dennoch nicht hergeleitet werden.

        Dieser Artikel könnte interessant für Sie sein.

        http://de.wikipedia.org/wiki/Evolution%C3%A4re_%C3%84sthetik
        (Besonders interessant hier: Lustempfinden und Schönheitsempfinden finden in unterschiedlichen Hirnregionen statt.)

    • Interessant ist jedoch, dass erstmals auch die Männer einem Idealtypus zu entsprechen haben (sichtbar sportlich-muskulös). Meines Wissens nach, war das noch nie zuvor der Fall. Auch hier eine Bewegung in Richtung Gleichstellung??

      Die alten Griechen haben uns haufenweise Statuen von schönen nackten Männerkörpern hinterlassen. Es ist nicht vermessen, anzunehmen, dass es in ihrer Gesellschaft einen Idealtypus für das Aussehen von Männern gab.

  2. @Helena

    berechtigte Einwände. Ich werde schauen, dass ich heute abend zu einer ausführlichen Antwort komme.
    Vorab: welche Völker sind das denn und welche ideale haben sie (normalgewicht oder richtig dick)?
    Ich könnte mir zudem vorstellen, dass „dickere“ Schönheitsideale sich eher in Gegenden mit guter Versorgungslage und enger Familienstruktur entwickelt haben.

      • @Helena

        Ich denke, dass man sauber trennen muss zwischen Partnerideal und Schönheitsideal. Beides kann voneinander abweichen. Ein bestimmter Partner kann zB sehr sexy sein, aber als Partner würde man dennoch eine andere Person bevorzugen.

        In der Studie zu den Schönheitsidealen in dem WIkipediabeitrag heißt es:
        http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/016230959290033Z

        Why do some cultures prefer thin women, while others value female fatness? Using the Standard Cross Cultural Sample, we investigated predictions derived from several socioecological hypotheses related to three biological functions of human female body fat (insulation, storage of calories, and regulation of fertility). Results suggest that attitudes toward fatness in women are related cross-culturally to (1) reliability of food supply, (2) climate, (3) relative social dominance of women, (4) the value placed on women’s work, and (5) the probability that the expression of adolescent sexuality will have adverse consequences on girls. These hypotheses may be useful in providing an ultimate explanation for currently observed patterns in attitudes toward female fatnness, complementing the more proximate approach of the traditional social sciences.

        Um so mehr Macht Frauen haben, um so eher sie sich selbst versorgen können, um so eher sie ihre Sexualität ausdrücken können, um so eher sollen die Frauen schlank sein. Was auch der Zustand ist, bei dem man am besten erkennen kann, ob sie schwanger sind. Sind sie hingegen in eine strengere Kontrolle eingebunden und von einem Versorger abhängig, dann gelten weniger sexuelle Frauen auch als attraktiv und es treten andere Kriterien bei der Partnerwahl in den Vordergrund. Gleichzeitig betont ein Mann mit der Wahl einer „anständigen“ Frau (also eine, die weniger sexuell anziehend und dafür eher anständiger aussieht) auch eher sein Langzeitinteresse an einer Bindung, die weniger auf Sex ausgerichtet ist.

        Um so verfügbarer Sex wird, um so eher müssen Frauen in diesem Bereich konkurrieren, um so attraktiver wird eine Auswahl nach Kurzzeitkriterien, damit also Optik. Um so begrenzter dieser wird, um so eher schlägt das Pendel zu einer Betonung langfristiger Bindung aus und Frauen stellen andere Kriterien als Sexappeal in den Vordergrund.

        Mich würde auch interessieren, wie die Prostituierten und Liebhaberinnen der jeweiligen Epochen und Kulturen ausgesehen haben. Das müsste mehr über ein rein sexuelles Schönheitsideal sagen als die Frage, wie die Ehefrauen aussahen.

      • Bringst du denn da nicht evolutionäre und soziologische Betrachtungsweisen durcheinander? Die ursprüngliche Arbeitsteilung in Ernährer und Verwalterin lässt evolutionäre Erklärungsmodelle zu. Eine gut genährte Frau lässt auf gute Gene und gute Gesundheit schließen. Die dünne Frau eben nicht. In einer Kultur, in der Frauenarbeit nicht mehr ein Indikator für Armut ist, kann man nicht mehr die Evolution bemühen.

        Bei der Prostitution muss man außerdem noch die gewöhnliche Straßenhure von der Edelprostituierten unterscheiden. Die Epochen, in denen betuchte Männer eine Mätresse hielten, waren die Ehefrauen gute Partien und die Mätressen entsprachen dem Schönheitsideal. Straßenhuren mit idealen Körpermaßen und Gesichtsproportionen sind immer schon die Ausnahme gewesen. Die Edelprostituierte / Mätresse ist eher mit Models zu vergleichen. Bildschön nach dem gängigen Schönheitsbild der Epoche/Kultur.

  3. „Für die Frage, wie sich Schönheitsideale entwickeln, ist es interessant, wie dick Männer und Frauen in der Steinzeit geworden sind. Denn es könnten daraus bestimmte Selektionskriterien hergeleitet werden.“

    Warum sind Selektionskriterien aus der Steinzeit heute noch gültig? Wie lange braucht die Evolution, um in der Gegenwart anzukommen? Wenn heute noch Selektionskriterien der Steinzeit gelten, welche galten dann in der Steinzeit? Welche sind die Selektionskriterien bezüglich Schönheit, die sich in jüngster Zeit entwickelt haben? Oder kam nach der Steinzeit nichts mehr?

    • @ Zhen

      *Wie lange braucht die Evolution, um in der Gegenwart anzukommen? *

      Gute Frage.

      Früher dachte man, mindestens Jahrzehntausende (40000 – 50000 Jahre).

      Es ließen sich keine großen genetischen Unterschiede zwischen Ethnien/Rassen feststellen, da lag die Schlussfolgerung nahe, dass, wenn wir uns doch alle so ähnlich zu sein scheinen, dann nach unserer Auswanderung aus Afrika, trotz all der vielen unterschiedlichen Umwelten, in die die Menschen einwanderten, noch nicht genug Zeit verstrichen sein konnte, um hier Adaptationen zu bewirken.

      Das glaubte ich auch noch bis vor 2 Jahren, bis ich dieses Buch von Henry Harpending und Gregory Cochran las:

      Sie behaupten, dass mit dem Zivilisationsprozess eine beschleunigte, diversifizierende Selektion einsetzte, die Menschen verschiedener Ethnien/Rassen verschiedener werden ließ als gedacht.innerhalb von nur 10000 Jahren.

      Je mehr man das Genom „hochauflösend“ untersuchen kann, um so mehr feine kleine Unterschiede tauchen auf der Ebene von Nukleotidpaaren (SNP’s = Single Nucleotid Polymorphisms) auf, die sich in verschiedenen Ethnien/Gruppen/Fortpflanzungsgemeinschaften/extendierten „Familien“ anhäufen, also überzufällig häufig innerhalb dieser Gruppen im Unterschied zu anderen Gruppen vorkommen, also selektiert worden sein müssen durch die je spezifischen Umweltbedingungen dieser Gruppen innerhalb realativ kurzer Zeit (kürzeste Zeit – ca. 1000 Jahre bei der Herausbildung des IQ-Vorteiles aschkenazischer Juden, was allerdings in dieser Kürze wohl nur durch besonders extreme Bedingungen möglich war – großflächige Berufsverbote, Ghettoisierung innerhalb einer christlichen Mehrheitsbevölkerung, relative hoher „Inzuchtanteil“, also wenig Einheirat in die relativ kleine Gemeinschaft).

      Es braucht damit wohl mindestens normalerweise mindestens ein paaar tausend Jahre Selektionsdruck, bis sich genetisch etwas wesentlich ändert.

      Aber das ist verdammt rasant, verglichen mit den älteren Vorstellungen.

  4. „Ein erlegtes Mammut wird der Jäger nicht alleine essen können, eine gewisse Großzügigkeit lohnt sich, gerade wenn man davon ausgehen kann, dass der nächste der einen Mammut erlegt, ihn wiederum mit einem selbst teilt. Selbst wenn Frauen kein Mammut jagen konnten und sich insoweit nicht revanchieren konnten, lohnt es sich unter dem Gedanken, dass eh keine Vorratshaltung möglich war, umfassend großzüggig zu sein und so seine eigene Stärke darzustellen.“

    Eine frühere Geschichtslehrerin stellte uns diesbezüglich eine Theorie vor, nach der die Frauen Sex als Gegenleistung für das Fleisch anboten/zu gewähren hatten und sich so die Orgasmusfähigkeit der Frau entwickelte.
    Irgendwas dazu bekannt?

    • Ist in der Natur ganz natürlich. Weibchen bieten Sex an und erhalten dafür Nahrung oder das Recht, sich in diesem Gebiet aufzuhalten, ohne dafür zu kämpfen.

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