Wie bekommt man Frauen in den Beruf und von der Kindererziehung weg?

In dem Beitrag „Gender Studies und Ideologie“ gab es in den Kommentaren eine Diskussion dazu, wie man das „Hausfrauenmodell“ aufheben kann, man also das Modell, bei dem einer der Partner (meist die Frau) für die Kinderbetreuung aussetzt, aufheben kann. Hintergrund ist der Gedanke, dass weibliche Arbeitnehmer Nachteile haben werden, gleichberechtigt im Arbeitsleben zu sein, solange Arbeitgeber immer damit rechnen müssen, dass die Frauen eher als die Männer eine längere Babypause machen und damit weniger Planungssicherheit etc bieten. Wer also die Gleichberechtigung der Frauen in der Berufswelt haben will, muss es ihnen schwerer machen zuhause zu bleiben.

Beauvoir war ja bereits der Auffassung, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit in der Unterdrückung verbleiben, denn eigenes Denken bedeutet auch eigene Verantwortung, vor der die Frauen, dann lieber in die Sicherheit von Heim und Herd fliehen. (Beauvoir, Das andere Geschlecht, S. 896)

Also muss man das Modell Hausfrau, wenn man denn die Frauen in den Beruf treiben möchte, unbequemer machen.

Leserin Ketcar hat dazu die folgenden Vorschläge:

– Ehegattensplitting weg. Der Staat hat nicht in die privaten Entscheidung hereinzuregieren. Bei mittlerweile 40% kinderlosen Ehen, sind die 20 Milliarden €, die dafür draufgehen eine Unverschämtheit, weiter könnte man diese 20 Milliarden sehr gut woanders gebrauchen…

Unter Ehegattensplitting versteht man, dass das Einkommen der Eheleute zusammengerechnet wird, der Betrag dann halbiert wird und danach die Einkommenssteuer berechnet wird. Die berechnete Einkommenssteuer wird dann verdoppelt. Das Ersparnis tritt dadurch ein, dass der Steuerfreibetrag quasi zweimal genutzt wird und durch die Steuerprogression weniger Steuer anfällt. Die Ersparnis fällt aber nur an, wenn eine Einkommensdifferenz besteht. Verdienen beide Eheleute ein Einkommen oberhalb der Höchststeuersätze tritt kein Effekt ein.

Das Ehegattensplitting besteuert die Ehegatten als Wirtschaftseinheit und überlässt die Einteilung, wer von ihnen wieviel verdient den Eheleuten selbst. Den höchsten Nutzen hat es damit für Eheleute, die die Aufteilung so vornehmen wollen, dass einer von beiden die Kinder betreut.

Interessant wäre es im Gegenzug dann die Kinderfreibeträge zu erhöhen. Denn das Kinder Geld kosten sollte schon berücksichtigt werden. Ob man damit den Effekt allerdings wieder ausgleicht, wäre eine andere Frage.

– Kostenlose Mitversicherung für „Hausfrauen“ weg. Ja – es ist eine Privatentscheidung, ob eine Frau unbedingt Hausfrau werden will, das bedeutet aber gleichzeitig, dass sie die Solidargemeinschaft nicht mit den Konsequenzen ihrer _privaten_ Entscheidung belästigen soll. In der Steinzeit gab’s auch keine kostenlose Mitversicherung für Höhlenweibchen.

Das Steinzeitargument ist meiner Meinung nach nicht so überzeugend. Denn in der Steinzeit gab es vieles nicht, das macht es aber nicht gut oder richtig. Natur ist nicht gut oder richtig. Sie ist einfach.

Wie man die Krankenversicherung vernünftig gestaltet müsste man gut durchdenken. Es bringt nichts Familien immer weitere Kosten aufzuhalsen ohne sich zu überlegen, inwieweit sie sie tragen können. Das Kinder in den ersten 2 Jahren eine gewisse Betreuung benötigen und einer von beiden kürzer treten muss dürfte einfach in vielen Fällen nicht zu umgehen sein.

– $ 1626a weg. Abgesehen davon, dass so ein Knaller (wir haben 2011…) Väterdiskriminierung ist, muss man sich natürlich klar machen, was es bedeutet, wenn mittlerweile 1/3 aller Kinder unehelich geboren werden. Entgegen aller Diffamierungen halten Feministinnen Frauen nicht für „das unschuldige Engelsgeschlecht“ und es ist klar, dass ein solches Gesetz Missbrauchspotenzial für die Kindesmutter birgt, wenn sie dem Vater einfach das Sorgerecht verweigert. Was dies für die Teilhabe bei der Erziehung bedeutet, muss ich wohl nicht erläutern.

In der Tat. Auch wenn Antje Schrupp zB dagegen erhebliche Vorbehalte angemeldet hat, halte ich Vaterrechte für sehr wesentlich. Wer Verantwortung abgeben möchte muss auch bereit sein Rechte einzuräumen. Dazu hatte ich in dem Beitrag „Sorgerecht unverheirateter Väter“ schon das Wesentliche geschrieben

– Schlechterer Kündigungsschutz für Väter weg.

Also Ausweitung des Kündigungsschutzes für Väter, unabhängig davon ob sie aussetzen? Den haben Frauen allerdings auch nicht.

– Äh, ja, dass Väter sich nur mit Zustimmung der Mutter ihre Erziehungszeiten auf ihre Rentenpunkte anrechnen lassen können, muss natürlich auch weg…

Nichts gegen zu sagen. Das es so ist, ist eh unpassend.

Zusammengefasst: Alle Gesetze und Anreize, die das Hausfrauenmodell begünstigen, müssen weg. Damit entfällt dieser Teil der Wettbewerbsverzerrungen für Frauen und gleichzeitig entfallen diskriminierende Gesetze, die nur Väter betreffen.

Interessanterweise fehlen in der obigen Aufstellungen einige recht zentrale Anreize des Hausfrauenmodells:

  • Unterhalt
  • Zugewinn
  • Versorgungsausgleich
Sprich: Alle Ehevorschriften, die letztendlich den Halbteilungsgrundsatz (alle Errungenschaften, die innerhalb der Ehe erzielt werden, werden hälftig geteilt) umsetzen.
Ich wäre für eine Umstellung auf einen Nachteilsausgleich, begrenzt durch den Halbteilungsgrundsatz:
Der Ehepartner, der weniger hat, bekommt dies nur ausgeglichen, wenn er innerhalb der Ehe besondere Nachteile hatte.
Das bedeutet also, dass eine Sekretärin, die einen Manager heiratet, nach der Ehe nur so gestellt werden würde, wie sie gestanden hätte, wenn sie als Sekretärin weitergearbeitet hätte. Sie bekommt nicht den Unterhalt, der der Hälfte seines Einkommens (bis zur Sättigungsgrenze, ab da dann konkrete Berechnung nach Bedürfnissen) entspricht, sondern nur maximal einen Unterhalt auf Basis einer Sekratärin.
Und dies auch nur, wenn sie tatsächlich zugunsten der Ehe ausgesetzt hat und dadurch Nachteile erlitten hat. Haben beide während der Ehe Vollzeit gearbeitet, dann wird vermutet, dass keine Nachteile eingetreten ist.
Eine Vermögensaufteilung könnte ebenso erfolgen. Es wird der jeweilige Zugewinn bestimmt und die Differenz dann anteilig an ihren potentiellen  Möglichkeiten selbst ein solches Vermögen zu erwirtschaften aufgeteilt.
Das bedeutet natürlich, dass Scheidungen wesentlich unattraktiver werden und der ärmere Ehepartner wesentlich abhängiger vom reicheren Ehegatten sind. Aber es macht auch berufliche Weiterentwicklung für den ärmeren Ehegatten wesentlich attraktiver, ebenso wie die Verfolgung ihrer Karriere.

34 Gedanken zu “Wie bekommt man Frauen in den Beruf und von der Kindererziehung weg?

  1. Da ich niemals heiraten werde, vertrete ich hier nur eine grundsätzliche, philosophische Position – teilweise zurückgehend auf Plato.

    Meines Erachtens ist es Aufgabe des Staates, Anreize zu schaffen um vermehrt Kinder zu kriegen (schon allein die Anzahl der Neugeborenen umgerechnet auf die Anzal der gebährfähigen Frauen, lässt für die Zukunft Schlimmes erahnen; das wurde bereits hier in Breite und Tiefe erörtert). Dass dies über verschiedenste Maßnahmen erfolgen kann, das ist eine Binsenweisheit. Es erscheint mir auch logisch zu sein, bestimmte Arten des Zusammenlebens, welche eine längerfristige Bindung betonen, in der Gunst des Staates hervorzuheben – sprich Ehe.

    Drittens halte ich es in einer Demokratie für nicht vorteilhaft, dafür einzutreten, dass aus pekunären Gesichtspunkten bereits Neugeborene flächendeckend zur staatlichen Obsorge gegeben werden sollten. Wenn Staat Erziehung übernimmt, übernimmt Staat Erziehung – das ist keine Tautologie! Leser aus der ehemaligen DDR werden verstehen was ich meine.

  2. Nicht nur Leser aus der Ehemaligen, terminator.

    „Den höchsten Nutzen hat es damit für Eheleute, die die Aufteilung so vornehmen wollen, dass einer von beiden die Kinder betreut.“

    Das stimmt so einfach nicht. Das Ehegattensplitting überträgt die gemeinsame Kasse einer Ehegemeinschaft in das Steuerrecht. Egal wie die Einkommensverteilung ist, die Steuerbelastung wird berechnet, als ob beide den gleichen Teil erwirtschaften. Insofern haben Sie recht: Die steuerliche Ersparnis ist für den Alleinverdiener am größten – verglichen mit dem Single. Nur ist er aber keine Single sondern arbeitet für zwei. Das darf steuerlich nicht bestraft werden. Es ist ein Freiheitsrecht, dass die Ehegatten selbst entscheiden dürfen, wer wie viel arbeitet. Diesem Umstand muss das Steuerrecht Rechnung tragen. Der Staat hat sich nicht in die Lebensentwürfe von Familien einzumischen. Das Ehegattensplitting schützt die Ehegemeinschaft vor der Progression. Wer heute ein zu versteuerndes Einkommen von 40.000 Euro hat, muss inklusive Solidaritätszuschlag 9.500 Euro an den Fiskus abführen. Bei einem doppelt so hohen Einkommen von 80.000 Euro sind 26.800 Euro zu entrichten – also wesentlich mehr als das Doppelte. Trägt nur einer der Partner zum gemeinschaftlichen Einkommen bei, sagen wir 80.000 Euro, dann wird der Haushalt mit den erwähnten 26.800 Euro zur Kasse gebeten. Gehen beide Partner arbeiten und haben jeweils 40.000 Euro zu versteuern, werden zweimal 9.500 Euro fällig. Beim gleichen Gesamteinkommen von 80.000 Euro müssen sie also nur 19.000 Euro zahlen und damit 7.800 Euro weniger. Mit anderen Worten: Der progressive Steuertarif führt dazu, dass Paare mit ungleichen Einkünften benachteiligt werden. Je stärker der Einkommensunterschied, umso größer die Mehrbelastung. Das genau wollen aber die Gegner dieser Steuerregelung. Sie wollen bestimmte Lebensentwürfe – noch dazu die am weiten verbreitetsten – benachteiligen. Die Gesellschaft formen. Das ist aber nicht ihr Auftrag! Sie werden erst froh sein wenn Eheleute mit zwei Einkaufswagen an der Kasse stehen.

    • @ Hilger Greve

      Der progressive Steuertarif führt dazu, dass Paare mit ungleichen Einkünften benachteiligt werden. Je stärker der Einkommensunterschied, umso größer die Mehrbelastung. Das genau wollen aber die Gegner dieser Steuerregelung. Sie wollen bestimmte Lebensentwürfe – noch dazu die am weiten verbreitetsten – benachteiligen.

      So ist es.

      Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob jemand sein Einkommen nur für seine eigenen Bedürfnisse verwendet oder andere Personen mitfinanziert. Indem er andere Personen, sei es die Ehefrau oder der Ehemann, seien es die eigenen Kinder, mitfinanziert, entlastet er den Staat von seiner Pflicht, diese Personen mit sozialstaatlichen Umverteilungen zu entlasten/finanzieren. Deshalb müsste die Höhe des steuerbefreiten Einkommens in diesen Fällen massiv erhöht werden.

      Das Ehegattensplitting ist allerdings Unsinn, wenn beide erwerbstätig sind und keine Kinder da sind, die mit den Einkommen finanziert werden müssen. Es besteht kein Grund, zwei Singles, die sich zusammentun und eine Wohngemeinschaft bilden, steuerlich zu begünstigen, völlig unabhängig davon, ob es eine Partnerschaft ist und ob ein Trauschein vorliegt oder nicht.

    • @Hilger Greve

      „Die steuerliche Ersparnis ist für den Alleinverdiener am größten – verglichen mit dem Single. Nur ist er aber keine Single sondern arbeitet für zwei. “

      Und ein unverheiratetes Paar mit einem Kind arbeitet für 3. Komisch…

      „Das darf steuerlich nicht bestraft werden.“

      Und wer legt fest, dass eine Individualbesteuerung eine Bestrafung ist?

      „Es ist ein Freiheitsrecht, dass die Ehegatten selbst entscheiden dürfen, wer wie viel arbeitet.“

      Und warum sollte dieses Freiheitsrecht durch Individualbesteuerung ausgehebelt werden?

      „Der Staat hat sich nicht in die Lebensentwürfe von Familien einzumischen.“

      Und wie kommt man dann auf die Idee, das Ehegattensplitting zu verteidigen? Das Ehegattensplitting ist ein massiver Anreiz die Einkommensdifferenz so groß wie möglich zu halten. Hätte Adenauer davon Abstand genommen, sich in die Lebensentwürfe von Familien einzumischen, dann gäbe es das Splitting heute nicht.

      • „Das Ehegattensplitting ist ein massiver Anreiz die Einkommensdifferenz so groß wie möglich zu halten. “

        Sie scheinen diesen einfachen Zusammenhang nicht zu begreifen. Also noch mal für Sie zum mitmeißeln. Ehegattensplitting heißt, dass für die steuerliche Veranlagung davon ausgeangen wird, dass beide 50% des Familieneinkommens erwirtschaften. Völlig egal ob einer Alles, 80%, 60% oder beide das Gleiche verdienen. Haben Sie das kapiert? Es gibt keinen „massiven Anreiz“.

        „Und ein unverheiratetes Paar mit einem Kind arbeitet für 3. Komisch…“

        Da kann man drüber streiten. Es könnte auch für Unverheiratete mit gemeinsamen Haushalt gelten. Ich fürchte nur dann würde es plötzlich sehr viele gefakte Lebensgemeinschaften geben.

        „Und wer legt fest, dass eine Individualbesteuerung eine Bestrafung ist?“

        Jede Besteuerung ist eine Strafe.

      • @ Greve

        * Ich fürchte nur dann würde es plötzlich sehr viele gefakte Lebensgemeinschaften geben.*

        Und genau darum ist das problematisch. Das Splitting ist kein prohibitives Gesetz. Prohibitive Gesetze sollten aber die Regel sein, Begünstigungsgesetze die Ausnahme. Diese müssen nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart begründet sein. Die Ehe sollte marginalisiert werden, die Elternschaft jedoch unsexistisch priorisiert werden.

  3. Es lebe die unmenschliche Leistungsgesellschaft. Ich bin entsetzt über so viel Stuss.
    Züchtet die Kinder doch in Reagenzgläsern, dann kann der Rest der Bevölkerung ungestört „wirtschaftsdienlich arbeiten“.

    • „Es lebe die unmenschliche Leistungsgesellschaft.“

      Da fehlt noch menschenverachtend, neoliberal und kapitalistisch.

      „Züchtet die Kinder doch in Reagenzgläsern, dann kann der Rest der Bevölkerung ungestört „wirtschaftsdienlich arbeiten“.“

      Also ich wäre ja dafür Gesetze zu killen, die es Vätern schwer bis unmöglich machen, Elternzeit zu nehmen. Unmenschlich, ich weiß.

      • @Ketcar

        Meiner Meinung nach spielt da weniger die Unmöglichkeit für die Männer Elternzeit zu nehmen mit. Es ist eher so, dass Männer ihrem Beruf einen höheren Wert zuweisen als Frauen, die eher bereit sind ihn zugunsten des Familienlebens zu reduzieren.
        Susan Pinker beschreibt in ihrem Buch, dass die Elternzeit an einer amerikanischen Universität sich sehr verschieden auswirkte. Männer und Frauen mussten Elternzeit nehmen, die Nutzung der Elternzeit war aber sehr unterschiedlich: Die Frauen kamen aus der Elternzeit mit einem Rückstand zurück, die Männer mit einem neuen Buch. Die Verpflichtung beider zur Elternzeit wirkte sich damit eher als Nachteil für die Frauen aus.

      • @Christian:

        „Meiner Meinung nach spielt da weniger die Unmöglichkeit für die Männer Elternzeit zu nehmen mit. “

        Du, was deine Meinung ist, interessiert Väter, denen es aufgrund §1626a ver_unmöglicht_ wird, Erziehungsurlaub zu nehmen, da ihnen das Sorgerecht verweigert wird und die sich liebend gerne um ihre Kinder kümmern würden, nicht.

        • @ketcar

          In den Fällen hängt es ja nicht nur am Sorgerecht. Das sind ja üblicherweise die Fälle, bei denen die Väter allenfalls ein Umgangsrecht haben und bereits aus den Gründen keinen Erziehungsurlaub nehmen können. Natürlich hat die Frau hier einen viel zu hohen Einfluss und ich bin ebenfalls für eine Änderung.
          Aber wie willst du die Fälle lösen, wo die Eltern nichts miteinander zu tun haben und das Kind bei einem der Elternteile wohnt und der andere Umgang hat? Kann dann die Erziehungszeit in einem erweiterten Umgangsrecht geltend gemacht werden?

    • @kreadiv:

      Es gibt zwei Sphären, nämlich die Öffentliche und die Private. Erstere ist die traditionell Männliche, letztere die traditionell Weibliche. Nun muss man sich bewusst sein, dass Prinzipien, die in einer der beiden Sphären gut funktionieren, nicht zwangsläufig auf die Andere übertragbar sind.

      Eines dieser Prinzipien ist die Leistung. In der Privaten Sphäre spielte diese eine untergeordnete Rolle. Jeder trägt bei was er kann und bekommt was er braucht. Geben und nehmen ist informell, es wird nicht konkret nachgerechnet, was jeder genau beigetragen hat, und es gibt keine direkte Verbindung zwischen beitragen und profitieren. Es gilt also Verteilgerechtigkeit. In Familien (die private Sphäre schlechthin) hat das damit zu tun, dass einige Mitglieder, vor allem Kinder überhaupt nicht so viel beitragen können, wie sie entnehmen. Bei anderen Formen von engen privaten Beziehungen liegt es darin begründet, dass die Zahl der Interaktionen zwischen den Beteiligten so groß ist, dass es überhaupt nicht mehr möglich ist, zu überwachen, wer wie viel beigetragen hat. Es ist aber wichtig zu betonen, dass diese Form der Interaktion nur bei sehr engen Beziehungen funktioniert, also zwischen Verwandten, Freunden…

      In der Öffentlichen Sphäre aber gelten andere Regeln. Es gilt das Prinzip Leistung für Gegenleistung, oder auch Leistungsgerechtigkeit. Wegen der fehlenden engen Beziehungen kann man nicht damit rechnen, dass Fremde einfach mal so die eigenen Bedürfnisse erfüllen. Man muss ihnen etwas bieten, das sie dazu anregt, das zu tun, was man benötigt. Die Kooperation in der Öffentlichkeit ist also im Prinzip immer ein Handel, eine klar definierte Leistung wird gegen eine klar definierte Gegenleistung ausgetauscht.

      Nun zum Wort Leistungsgesellschaft. Das Wort Gesellschaft bezieht sich auf die öffentliche Sphäre; es ist also nur normal, dass Leistung in der Gesellschaft wichtig ist. Auch Firmen und Organisationen im allgemeinen sind Teil der Öffentlichen Sphäre. Sie werden unter dem Gesichtspunkt der Leistung beurteilt, und die Leute interagieren mit ihnen durch Leistungs-Gegenleistungs-Transaktionen. Kunden kaufen zum Beispiel nur Produkte (Leistung), wenn sie ihnen das Geld (Gegenleistung) wert ist. Oder hat etwa schon mal jemand hier im Supermarkt ein Produkt gekauft, nur weil er in der Zeitung gelesen hat, dass es der herstellenden Firma zurzeit schlecht geht und er Mitleid mit ihr hat? Firmen werden von Kunden, Lieferanten und Arbeitnehmern anhand ihrer Leistung beurteilt, und müssen auf die Gegenleistung der eben genannten achten, wenn sie langfristig überleben wollen.

      Oft wird das bedingungslose Verteilen als Moralisch überlegen gegenüber dem Leistungsprinzip dargestellt, dabei ist es einfach nur auf eine andere Sphäre optimiert. Die private Sphäre ist den meisten Leuten natürlich vertrauter, da sie in ihr aufgewachsen sind. Die Regeln der öffentlichen Sphäre müssen erst gelernt werden. Sie zu akzeptieren, ist wesentlicher Teil des erwachsen werdens.

      • @ Prometheus

        *Oft wird das bedingungslose Verteilen als Moralisch überlegen gegenüber dem Leistungsprinzip dargestellt, dabei ist es einfach nur auf eine andere Sphäre optimiert. Die private Sphäre ist den meisten Leuten natürlich vertrauter, da sie in ihr aufgewachsen sind. Die Regeln der öffentlichen Sphäre müssen erst gelernt werden. Sie zu akzeptieren, ist wesentlicher Teil des erwachsen werdens.*

        Viele FeministInnen versuchen genau das: die Regeln der traditionellen Frauensphäre, also des familiären Sozialismus unter emotional nahe Verbundenen auf die größere Gesellschaft eher Unverbundener zu übertragen.

        Dabei natürlich sorgfältig darauf achtend, dass Frauen die Begünstigten sind, die Versorgten, die Geschützten und Männer es sind, die verpflichtet werden können, die Verantwortung für Frauen zu übernehmen, nicht etwa auch umgekehrt.

        Dass das scheitern MUSS, weil Menschen nicht langfristig zu einem Überstrapazieren ihres Altruismus und zum Verzicht auf ihren natürlichen Egoismus zu bewegen sind, wird von den ihrer SElbstbedienungswelt schwelgenden Narzisstinnen nicht verstanden, die ihren Egoismus zum Altruismus umdefinieren.

  4. „Wie bekommt man Frauen in den Beruf und von der Kindererziehung weg?“

    verlieren wir nicht mit solchen ansätzen die menschen vollkommen aus den augen.

    die frage sollte doch zuallererst lauten: wie können wir ein erfülltes leben führen.
    und nicht: wie können wir andere menschen zwingen nach unseren vorstellungen zu leben.

    der bisherige versuch die gesellschaft umzu formen hat doch dazu geführt das weniger kinder geboren werden.
    wenn der weg mit nochmehr energie verfolgt wird was soll dann da rauskommen ?
    wer soll uns im alter versorgen wenn keiner mehr kinder bekommt ?

  5. Du meinst die inter-nationalen Großkonzerne, welche sich geschickt zwischen den Nationaliten bewegen, ihre Firmensitze – je nach bedarf – in Lichtgeschwindigkeit „outsourcen“.

    Ich glaube nicht, dass das Kapital diese Allianz eingehen wird, es sei denn, der Mensch, der kleine Mensch, wird bereits als „human kapital“ in die Rechnung integriert. Dann sind wir aber wieder bei Totalitarismen angelangt, in welchen Familien um-ihrer-selbst-Willen keine Rolle mehr in der Bilanz der mit dem Großkapital verflochtenden, Politikkaste mehr spielen können. Der Staat erzieht den kleinen Arbeiter und Konsumenten, gendergerecht: Mehr Frau, weniger Mann, vor allem, weninger Testosteron.

    Wer mag schon aufmüpfige Infragesteller des status quo, doch wohl niemand.

  6. Ja die meine ich. Ich verstehe nicht so recht, wieso bei der ganzen Demographie-Problematik ganz außer acht gelassen wird, dass es zwar immer weniger Menschen gibt, aber diese wenigen menschen immer mehr und immer effektiver Produzieren. Wenn man sich zu einer nicht an die Beiträge der Arbeitenden gebundenen Finanzierung entschließen könnte (etwa über Steuern), wäre das Problem vielleicht nicht so gravierend.

    Bis jetzt jedenfalls werden wie üblich die Verluste sozialisiert (durch Beitragserhöhungen und Leistungskürzungen) und die Gewinne privatisert.

    • „dass es zwar immer weniger Menschen gibt, aber diese wenigen menschen immer mehr und immer effektiver Produzieren. “

      sehe ich genauso

      alleine was die ständig steigende rechenleistung in einigen jahren ermöglichen wird… evtl komplett automatisch gebaute autos die nur noch von menschen entwickelt werden und am ende gekauft…

      (mooresche gesetz verdopplung alle 2 jahre
      http://de.wikipedia.org/wiki/Mooresches_Gesetz )

  7. nur ein gedanke zu den kosten von solchen ideen.

    bei dem kindergarten nebenan sind die laufenden personalkosten im jahr ca 500.000€ bei 80 kindern. dazu kommen dann noch kosten für gebäude strom usw.

    wenn die kinder den ganzen tag betreut werden müsseten wären die kosten erheblich grösser, weil die betreuungszeiten länger und flexiebler sein müßten.

    ne gerechte sache wäre, wenn sich die eltern entscheiden könnten ob sie das angebot nutzen oder ob sie lieber das geld haben wollten und eben selber auf kinder aufpassen wollen.

    wenn die menschen wirklich frei wählen könnten was glaubt ihr wofür sie sich eintscheiden würden ?

    btw es gibt sehr viele stimmen die fremdbetreuung von kindern in frage stellen.
    (wegen negativer folgen für das kind)

    aber diese ganzen aspekte sind ja egal so lange es …

    emanzipation hat sich ins gegenteil verkehrt, ist zum selbstzweckgeworden wichtiger als die frauen die sie von der unterdrückung befreien wollte.

    im ‚islam‘ sind es auch sehr oft die frauen die laut nach der burka rufen sie sagen auch das es ihr freier wille ist …

    „Beauvoir war ja bereits der Auffassung, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit in der Unterdrückung verbleiben, denn eigenes Denken bedeutet auch eigene Verantwortung, vor der die Frauen, dann lieber in die Sicherheit von Heim und Herd fliehen.“

    meines wissens wurde frau beauvoir aus dem schuldienst entlassen wegen verführung minderjähriger. (das opfer war eine schülerrin von ihr)
    ich würde darum den namen beauvoir und das wort ‚verantwortung‘ nicht im gleichen satz gebrauchen, sie scheint die bedeutung dieses begriffes nicht verstanden zu haben.

  8. @Christian

    „Interessant wäre es im Gegenzug dann die Kinderfreibeträge zu erhöhen. Denn das Kinder Geld kosten sollte schon berücksichtigt werden. “

    Richtig und aktuell wird dies nicht berücksichtigt, da 1/3 aller Kinder außerehelich geboren werden und sie somit nichts von diesen Subventionen haben. Weiter sind 40% aller Ehen kinderlos. Die Steuererleichterungen an Kinder und nicht an Erwerbslosigkeit zu koppeln, wäre also schon einmal ein Anfang

    „Wie man die Krankenversicherung vernünftig gestaltet müsste man gut durchdenken. Es bringt nichts Familien immer weitere Kosten aufzuhalsen ohne sich zu überlegen, inwieweit sie sie tragen können.“

    Bei Doppelverdiener-Ehen hat man doch auch keine Probleme damit, die Frau zur Kasse zu bitten, wieso nur bei Einverdiener-Ehen? Es liegt doch auf der Hand, dass das ein massiver Anreiz daheim zu bleiben, es wird belohnt, wenn eine Frau nicht arbeiten geht.

    „Das Kinder in den ersten 2 Jahren eine gewisse Betreuung benötigen und einer von beiden kürzer treten muss dürfte einfach in vielen Fällen nicht zu umgehen sein.“

    Wieso nur einer von beiden? Was hälst du von der Möglichkeit, die Betreuung aufzuteilen?

    „Wer Verantwortung abgeben möchte muss auch bereit sein Rechte einzuräumen.“

    Auf jeden Fall. Man kann Vätern nicht überall Steine in den Weg legen und sich dann darüber beschweren, dass sie sich nicht um ihre Kinder kümmern.

    „Also Ausweitung des Kündigungsschutzes für Väter, unabhängig davon ob sie aussetzen? Den haben Frauen allerdings auch nicht.“

    Das war unklar formuliert, ich bezog mich auf werdende Väter. Schwangere Frauen genießen ja durchgängigen Kündigungsschutz. Werdende Väter müssen spätestens 7 Wochen vor Antritt ihrer Elterzeit diese anmelden, frühestens 8 Wochen davor genießen sie Kündigungsschutz. Sie haben also nur eine Woche Zeit kündigungsgeschützt Elternzeit zu beantragen. Vor 2007 hatten sie sogar nur einen Tag dafür. Es wäre nur fair, das auszuweiten.

    „Interessanterweise fehlen in der obigen Aufstellungen einige recht zentrale Anreize des Hausfrauenmodells:“

    Wieso findest du das „interessant“?

    • @Ketcar

      „Bei Doppelverdiener-Ehen hat man doch auch keine Probleme damit, die Frau zur Kasse zu bitten, wieso nur bei Einverdiener-Ehen? Es liegt doch auf der Hand, dass das ein massiver Anreiz daheim zu bleiben, es wird belohnt, wenn eine Frau nicht arbeiten geht.“

      Weil es mitunter eben einfach nicht anders geht. Kinder kann man nicht einfach in die Ecke stellen und arbeiten gehen. Und einfach mehr Kosten auf die Familie umzulegen kann dann eben auch ungerecht sein.

      „Wieso findest du das „interessant“?“

      Weil diese Punkte von Feministinnen so gut wie nie angesprochen werden. Die steuerlichen Erleichterungen kommen fast immer, aber Unterhalt, Zugewinn und Versorgungsausgleich so gut wie nie. Es scheinen Themen zu sein, die gemieden werden. Das finde ich interessant.
      Wie würdest du diese Bereiche denn regeln? Sie stellen ja auch erhebliche Anreize für eine „Hausfrauenehe“ dar.

  9. Übrigens Glückwunsch für diese tendenziöse Überschrift.

    Wieso eigentlich nicht gleich „Wie schaffen wir es endlich, den Müttern ihre Kinder zu entreißen und sie als Schlachtvieh im Dienste des neoliberalen Turbo-Kapitalismus zu verheizen?“? 😀

    „Wie schaffen wir es eine annährende Gleichverteilung bei der Erziehungsteilhabe zu erreichen?“ ist ja nun wirklich nicht die Frage…

    • @Ketcar

      Ich halte deinen Vorschlag nicht für besser. Vielleicht für politisch korrekter, aber es geht ja nicht um Erziehung, sondern um Beteiligung am Berufleben.
      Ich habe ja im wesentlichen deine Vorschläge zitiert: Was hat das dann mit „Schlachtvieh im Dienste des neoliberalten Turbo-Kapitalismus“ zu tun?

      • @Christian:

        „es geht ja nicht um Erziehung, sondern um Beteiligung am Berufleben.“

        „Sondern“?

        Das Ausfallsrisiko, das mit der Erziehungsteilhabe zusammenhängt, hängt doch wohl mit dem Beruf zusammen.

        Wenn ein AG nicht mehr abschätzen kann, wer das höhere Ausfallsrisiko trägt, fällt dieser Faktor bei Einstellungen und Beförderungen weg. Es geht also um beides.

        • @Ketcar

          Selbst wenn beide theoretisch nehmen können, werden es wohl nach wie vor eher die Frauen sein, die die Auszeit nehmen. Die Bewertung des Ausfallrisikos dürfte da immer noch zu ungunsten der Frauen ausfallen. Ich denke der effektivste Weg ist immer noch, die Frau so schnell wie möglich wieder in den Beruf zu bringen, wenn man da etwas erreichen will.
          Bedenken sollte man hier auch die Vergangenheit. Bisher mußte die Frau aus Sicht des Unterhalts bis zum achten Lebensjahr des Kindes gar nicht arbeiten (durfte aber natürlich), bis zum 15sten dann nur halbtags. Viele Mütter haben das zum Leidwesen der unterhaltzahlenden Väter auch durchaus so mitgenommen.

  10. – Ehegattensplitting weg.

    – Kostenlose Mitversicherung für „Hausfrauen“ weg.

    Pardon my French, aber: Diese Scheiße regt mich richtig auf. Hat sie auch schon, als sie von Geistercamp in der DGB-eigenen Gazette „Einblick“ verzapft wurde. Oder bei Missy.

    Ständig wird uns erzählt, der Feminismus wolle Frauen aus starren Rollenkorsetten befreien oder einfach nur ein „gutes Leben“ für alle (Antje Schrupp). Was die einzelne Frau aber mit dieser Freiheit anstellt und wie für sie ein gutes Leben aussieht, das entscheidet dann nicht etwa sie selbst, nein, das entscheiden selbsternannte Feministinnen für sie – und wehe, sie hat sie andere Pläne. Dann wird sich an die Vorgabe der großen Vordenkerin de Beauvoir erinnert: Keine Frau sollte das Recht haben, zu Hause zu bleiben und ihre Kinder aufzuziehen. Die Gesellschaft sollte ganz anders sein. Frauen sollten so eine Wahl nicht haben, denn wenn diese Möglichkeit existiert, werden zu viele Frauen sie wahrnehmen. Voila: Fertig ist das feministische Rollenkorsett, noch viel restriktiver als das patriachalste Frauenbild.

    Wenn eine Frau sich entscheidet, ihr Kind nicht in die Fremdbetreuung zu geben, um schnellstmöglich wieder für die wirtschaftliche Verwertung ihrer Arbeitskraft zur Verfügung zu stehen, dann ist dieses unfeministische Ansinnen sofort zu bestrafen – dem aktuellen Vorschlag nach per Geldstrafe. Man muß sich das mal klar machen: Feministinnen fordern, Familien, die sich frei für ein Lebensmodell entschieden haben, deswegen mehrere hundert Euro pro Monat wegzunehmen. Natürlich ist das als Strafe gedacht, wie denn sonst? Das Ziel von Strafe ist die Veränderung von Verhalten.
    Da wird so getan, also stünden DINKs am Ende finanziell schlechter da als Familien, in denen nur ein Elternteil arbeiten geht. Das ist doch offensichtlicher Blödsinn.

    Nochmal ganz deutlich: Diese Forderung läuft darauf hinaus, daß viele Menschen -gerade Frauen- ein schlechteres Leben haben oder gar gezwungen werden, eine Arbeit aufzunehmen, obwohl sie lieber bei ihren Kindern bleiben würden.
    Feminismus ist für Freiheit und gutes Leben? Natürlich. Und Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit ist Stärke. Das Ministerium für Wahrheit hat wieder zugeschlagen…

    Wie diese Idee nun allerdings mit der Forderung nach mehr Anerkennung für „Reproduktionsarbeit“* zusammenpaßt, da bin ich völlig überfragt.

    Bombe 20

    (* Neues Wort für „Politiker-Dissertation“?)

  11. @ Bombe 20

    Wenn Männer vom Zwang, den Haupterwerber spielen zu müssen, von Frauen entlastet werden WOLLEN, dann muss sich Erwerbstätigkeit für Frauen mehr lohnen.

    Wenn Frauen von Pflegearbeiten durch Männer entlastet werden WOLLEN, dann müssen Männer durch sie von Erwerbsarbeit entlastet werden.

    Vielleicht sollten Paare daher wählen können, wie sie veranlagt werden wollen, wenn sie Kinder haben?

    Das wird zwar trotzdem nicht zur Gleichstellung führen, da Männer und Frauen sich an verschiedenen Instinktprogrrammen orientieren, d.h., viel wird sich real nicht ändern, aber Gleichberechtigung ist ein Wert an sich, weil sie Menschen gerade zu ihrer Unterschiedlichkeit befreien kann.

    Ketcars Vorschläge bringen mich dem Ziel näher als der Status Quo.

    Die Abschafffung des Ehegattensplitting ist ohnhin erst denkbar bei einer umfassenden Steuerreform, bei der man das Sorgen für Kinder steuerlich begünstigen kann, nicht einfach nur das eheliche Zusammenleben auch Kinderloser, bei der man die Arbeitseinkommen ohnehin massiv von Steuern/Abgaben entlasten muss und dafür Verbrauchsteuern, vermögensteuer, Erbschaftssteuer wird erhöhen müssen und vor allem energisch einen Staatsapparat, der immer weniger dem Bürger dient, immer mehr nur noch sich selbst, wird zurückschneiden müssen.

    Ein Apparat, der immer weniger dem Bürger, immer mehr der Selbstbedienung und Scheinbeschäftigung der in ihm Beschäftigten dient, die dort weniger sinnvoll produktiv – wertschöpfend beschäftigt als versorgt werden durch eine Alibibeschäftigung.

    Dazu müssen dann noch die gleichrangige Absicherung von Vaterrechten treten, das Ernstnehmen von Scheidung (geschieden bedeutet geschieden und nicht nacheheliche Inpflichtnahme vor allem der Männer zur Versorgung arbeitsfähiger Frauen), die Berücksichtung der Schuldfrage bei den finanziellen Folgen einer Scheidung (Schlechterstellung des schuldigen Teiles).

    Dann wird Ehe und Familie für Männer vielleicht wieder interessant.

    Gegenwärtig kann man jedem jungen Mann nur raten, auf beides zu verzichten, solange das Recht Frauen derart privilegiert, für Männer aus einer Ehe nur Pflichten, für Frauen nur Rechte resultieren.

    • Roslin,

      Wenn Männer vom Zwang, den Haupterwerber spielen zu müssen, von Frauen entlastet werden WOLLEN, dann muss sich Erwerbstätigkeit für Frauen mehr lohnen.

      mag sein, aber ich sehe den Zusammenhang zu Ehegattensplitting und kostenloser Mitversicherung nicht. Es mag (enge) Einkommenskorridore geben, in denen es Einbußen gibt, wenn der bisherige Alleinverdiener und die bisherige Hausfrau nun beide 50% arbeiten (Darum geht es manchen Feministinnen ja, wenn ich das richtig verstehe. Obwohl man meistens nur „Frauen in die Produktion sollen (mehr) arbeiten“ hört – Fremdbetreuung statt geteilter Elternschaft.), aber da reden wir von Einkommen, die selbst bei einer halben Stelle höchstens knapp unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze liegen müssen, also nicht wirklich der Bereich, in dem hundert Euro mehr oder weniger wirklich entscheidungsrelevant sind.

      Hier werden IMHO zwei Punkte vermischt: Diese beiden Instrumente hindern doch keine Frau, die arbeiten wollte, daran, das auch zu tun. Teilweise wird da so getan, als hätten beide am Ende weniger in der gemeinsamen Tasche, wenn die Frau eine Arbeit aufnähme. Das darf mir gern mal jemand vorrechnen, aber bitte auch mit den jeweiligen Grenzen für die Parameter, innerhalb derer das der Fall ist.
      Der einzige Effekt ist doch der, daß in dem Bereich, in dem ein (Zahlwort) Einkommen gerade so reicht, um die Familie zu ernähren, Frauen, die nicht arbeiten wollen (eigentlich natürlich: Paare, die gemeinsam entschieden haben, daß die Frau nicht arbeitet), auch nicht aus wirtschaftlichen Gründen dazu gewungen werden. Man sollte doch meinen, eine Bewegung, die sich eine größere Freiheit bei der Wahl von Lebensentwürfen für Frauen (und manchmal in Klammern auch für Männer) auf die Fahnen geschrieben hat, würde das befürworten.

      Und deshalb bleibe ich dabei, daß es hier um Bestrafung geht. Bestrafung von nicht ideologiekonformen Familienmodellen. Ist es nun Neid oder die absolute Unfähigkeit, sich vorzustellen, daß andere Menschen auf eine andere Art als man selbst glücklich werden könnten? Quasi eine Art finanzielles Kopftuchverbot? Diejenigen, die ihre Selbstverwirklichung in einer Arbeit finden, durch die sie finanziell unabhängig werden (außer von ihrem Arbeitgeber…), werden doch dadurch, daß anderen eine andere Art der Lebensführung ermöglicht wird, nicht ernsthaft schlechtergestellt.
      Oder, um es in der Gleichstellungssprache des §20 I AGG zu sagen: Eine Verletzung des Benachteiligungsverbots ist nicht gegeben, […] wenn die unterschiedliche Behandlung […] besondere Vorteile gewährt und ein Interesse an der Durchsetzung der Gleichbehandlung fehlt. (Gemeint sein muß natürlich ein berechtigtes Interesse.)

      Außerdem sagst Du es doch selbst: Männer sind zum Versorger disponiert. Ein Mann, der seiner Familie nicht allein Unterkunft und Nahrung beschaffen kann, fühlt sich üblicherweise nicht gut dabei. Und Frauen sind nunmal hypergam. Selbst, wenn wir das wegzüchten könnten, wäre am Ende der evolutionären Zeiträume, in denen das geschähe, unser Steuersystem schon lange nicht mehr existent.
      Nein, eine stabile Gesellschaft, in der es sich für eine Friseurin finanziell lohnt, arbeiten zu gehen, wenn ihr Mann Chefarzt ist, die kann es nicht geben.

      Vielleicht sollten Paare daher wählen können, wie sie veranlagt werden wollen, wenn sie Kinder haben?

      Das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit. Eine Erweiterung der Optionen statt einer Einschränkung. Mehr statt weniger Freiheit. Ob es Feminismusströmungen gibt, die das fordern? Die Wahlfreiheit zwischen den Steuerklassen IV/IV und III/V -so wenig sie am Ende auch bringt, zumal in zinsschwachen Zeiten- wird da ja AFAIK auch kritisiert.

      Ketcars Vorschläge bringen mich dem Ziel näher als der Status Quo.

      Ich finde es ja auch durchaus bemerkenswert, wenn sich eine Feministin so deutlich gegen Väterdiskriminierung ausspricht. Aber das ändert ja nichts daran, daß die andere Seite dieser Medaille die Diskriminierung von Familien ist, in denen ein Elternteil zu Hause bleibt.
      Und wie gesagt, ich sehe nicht, wie die ersten beiden Forderungen irgendjemanden einem Ziel näher bringen sollten, das in Freiheit und freier Entscheidung erreicht werden soll.

      Die Abschafffung des Ehegattensplitting ist ohnhin erst denkbar bei einer umfassenden Steuerreform, bei der man das Sorgen für Kinder steuerlich begünstigen kann, nicht einfach nur das eheliche Zusammenleben auch Kinderloser, […] Alibibeschäftigung.

      Da bin ich voll bei Dir. Es kann nicht darum gehen, die heilige Institution der Ehe per se steuerlich zu fördern. Das mag zu Zeiten sinnvoll gewesen sein, als eine Heirat noch quasi automatisch auch Kinder bedeutet hat. Aber das ist heute in Mitteleuropa eben nicht mehr der Fall. Wobei ich durchaus der Meinung bin, daß, wenn denn Kinder da sind, eine Ehe zwischen ihren Eltern die stabilere Umgebung bietet, in der sie sich in Sicherheit entwickeln können – natürlich nur, wie Du ja auch schreibst, wenn diese Institution denn auch ernst genommen und nicht nur als mittelfristiges, jederzeit kündbares Steuersparmodell betrachtet wird.

      Der Teil, den ich so schnöde in drei Punkte verpackt habe, wird Dir allerdings wenig feministische Gegenliebe einbringen. Schließlich ist es gerade der sauber durchgleichgestellte Verwaltungsteil des öffentlichen Dienstes, der so besonders viele frauenfreundliche Arbeitsplätze zur Verfügung stellt – wie das im Extremfall aussieht, kann man ja am weitgehend segregierten schwedischen Arbeitsmarkt besichtigen.

      Und daß es eine wirklich umfassende Steuerreform jemals geben wird, das bezweifle ich stark. Ist aber auch garnicht vorgesehen, wenn Feministinnen unter der Flagge des Equal Pay Day eine Petition auf den Weg bringen, in der sie neben einer umfänglichen Genderung schon der Kleinsten vor allem einen staatlich-finanziellen Zwang zu dem von ihnen favorisierten Familienmodell der 50/50-Teilung fordern. Keine umfassende Reform des Steuer-, Sozial- und Krankenversicherungsrechts unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen, sondern einfach nur eine Schlechterstellung derjenigen, die nicht ihrem Weltbild anhängen. Das soll dem Willen dieser Damen nach Gesetz werden.
      Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute da unterschrieben haben, weil es gegen die bösen 23% geht, ohne sich die Auswirkungen des Kleingedruckten klar zu machen, oder es überhaupt zu lesen.

      Dann wird Ehe und Familie für Männer vielleicht wieder interessant.

      Ja, wenn man der kürzlich erschienenen österreichischen Jugendstudie glauben kann, sind es ja tatsächlich die Männer, von denen das stetige Sinken der Geburtenraten ausgeht, nicht die angebliche Angst der Frauen vor der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber wenn die finanziellen Aussichten für Paare mit Kindern durch die geforderten Änderungen noch schlechter, die Wahlmöglichkeiten noch kleiner werden, wird das wohl bei beiden Geschlechtern nicht gerade einen Paarungsboom auslösen.

      Bombe 20

      • @ Bombe 20

        Ich erwarte wie gesagt praktisch keine großen Auswirkungen vom Wegfall des Ehegattensplitting.

        Es geht mir hier mehr um die Umsetzung eines politischen Ideals: Der Staat hat Entscheidungen von Menschen so wenig wie möglich zu präjudizieren.

        Gleich berechtigen muss er sie und dann in die Freiheit entlassen, akzeptieren, was diese Menschen dann mit ihrer Freiheit anstellen und ein Sicherheitsnetz unter ihnen ausspannen um des lieben Friedens willen.

        Veilleicht überfordern die Ansprüche an Klugheit, Voraussicht, Vernunft, die eine solche Ordnung stellt, die große Masse der Menschen so sehr, dass sie nicht nachhaltig sein KANN.

        Das will ich noch nicht glauben, obwohl die Anzeichen genau dafür sich mehren.

        Trotzdem:

        Der Staat hat es den Menschen zu überlassen, ob und wie sie (zusammen-)leben wollen.

        Und zu hoffen, dass genügend Menschen klug und opferwillig genug sind, das NOTwendige in Freiheit und Verantwortung zu tun und darauf zu verzichten, ein Leben lang auf Christoper-Street-Days, Love Parades und Schlampenmärschen ihren Hedonismus/Exhibitionisus/Narzissmus auszutanzen.

        Der Staat/die Allgemeinheit haben ein legitimes Interesse daran, Kinderaufzucht zu fördern, da das eine Conditio sine qua non für
        die Überlebensfähigkeit eines Staates, einer Zivilisation ist.

        Die wir längst nicht mehr erüllen.

        Ehegattensplitting fördert nur die Ehe, nicht die KInderaufzucht.

        Deshalb stört es mich allein schon theoretisch, es stört meinen Ordnungssinn.

        Obwohl die Ehe für mich heilig ist, die Ehe, die sich 2 Menschen, die sich lieben, vor Gottt versprechen, weil sie beide glauben.

        Nur: Dazu brauche ich nicht den Staat, allein den Priester als Notar und einen anderen Menschen, der meine Konfession teilt.

        Was bei Tippse nicht der Fall ist, weshalb wir nicht verheiratet sind, das nur am Rande.
        Trotzdem fühle ich mich ihr gegenüber vor Gott verpflichtet, mehr als jeder Staat mich zwingen könnte, auch das nur am Rande.

        Der Staat hat nur die Zivilehe zu regeln, das juristische Rahmenwerk des Vertrages.

        Und das ist so geregelt, dass ich jungen Männern nur raten kann, auf Ehe und Familie zu verzichten unter diesen Bedingungen oder es sich 2-, 3-, 5-mal zu überlegen, ob sie mit der Frau, mit der sie Ehe und Familie begründen wollen, dies auch tatsächlich realisieren wollen, ob sie so viel Vertrauen verdient, denn sie werden ihr unterworfen und ausgeliefert sein in einer Weise, die sich naive junge Männer gar nicht vorstellen können, die noch glauben, Ehe sei so etwas Ähnliches wie ein Vertrag, von dem mann annimmt, er binde und verpflichte beide Vertragsparteien in etwa gleichmäßig.

        Wie wenig das der Fall ist, merken sie oft erst, wenn sie mitten in der Scheidung stecken, eingereicht von einer Frau, die den Vater aus der Familie kicken will, weil der neue Lover spannender ist und er das ganze Unternehmen finanzieren darf, trotzdem seine Kinder nie wieder sieht, weil er ja die neue Lebensgemeinschaft, die die kinerbesitzende Frau MIT IHREN Kindern eingehen will, als Störelement beunruhigt, z.B.

        Wer als Mann da Familie gründet, unter solchen Kautelen, spielt Russisches Roulette, zumal im akademisch-städtischen Milieu bereits jede 2. Ehe geschieden wird, zu 2/3 auf Betreiben der Frau.

        Für Männer ist die „feministische“ Ehe ein Vertrag, der ihnen jede Menge gesicherter Pflichten und keinerlei einklagbare Rechte beschert, ein Blödsinn, sich darauf einzulassen.

        Das wird immer mehr jungen Männern allmählich subkutan „bewusst“, dass dieser femizentrische Staat sich a priori mit der Frau als Frau verbündet hat.

        Dabei ist eben dieser Staat von der Bereitschaft vor allem der Männer abhängig zu produzieren, zu innovieren, zu versorgen, zu schützen, zu verteidigen.

        Die ganze Emanzipation der Frau vom Mann besteht ja darin, dass der Staat zum Ersatzehemann, -schützer, -versorger gemacht wurde, den Frauen nun „heiraten“ können und der qua Macht das Kollektiv „Männer“ verpflichtet, für das Kollektiv „Frauen“ die Lasten zu tragen, ihnen gegenüber die Pflichten zu erfüllen, die Männer früher im Wesentlichen nur für IHRE Frauen übernahmen, wohingegen Frauen gegenüber Männern heute zu gar nichts mehr VERPFLICHTET sind.

        Das Recht, vorrangig von Männern versorgt und geschützt zu werden, erwarben Frauen durch Schwangerschaft, Geburt, Stillen.

        Das war ihre Gegenleistung.
        Dazu sind sie nicht mehr verplfichtet – was gut ist.
        Aber sie beanspruchen und erwarten immer noch, von Männern versorgt und geschützt zu werden, ohne sich gleichermaßen in der Verantwortung zu fühlen, ihrerseits Männer zu versorgen und zu schützen.

        Was nicht gut ist, was eine Imbalance erzeugt, die nicht trägt.

        Das geht nicht gut, à la longue.

        Aber Frauen verlassen sich darauf, dass sie sich ihre selbstverwirklichende Entpflichtung einseitig leisten können und Männer ihrerseits auf IHRE selbstverwirklichende Entpflichtung verzichten, denn nur WENN Männer und insoweit Männer darauf verzichten, überlebt dieses System.

        Wir schwindeln uns über die Nichtnachhaltigkeit dieses Gesellschaftsmodells durch Hochfahren der Verschuldung hinweg, seit Jahrzehnten, leben materiell und demographisch aus der Substanz, weit über unsere Verhältnisse.

        Die ist aufgebraucht, Jetzt beginnt die Epoche, in der wir das zu spüren bekommen.

        Es stehen also so oder so gewaltige Umbau-und Renovierungsarbeiten in’s Haus, weil uns die Bruchbude zusammenzukrachen droht.

        Umso schneller, je mehr Alleinerziehende vor allem dysfunktionale MÄnner produzieren, die nichts in den Sozialtopf einzahlen können, aus dem sich vor allem die holde Weiblichkeit nährt, sondern selber ihren Löffel in den Mustopf stecken MÜSSEN, weil sie weder ausbildungsfähig noch -willig sind.

        Frauen sind ja nur zu einem geringen Teil in den wertschöpfenden Sektoren der Wirtschaft beschäftigt, sondern sind zum größten Teil Bestandteil der „Kostgängerökonomie“, die mit der Wertschöpfungsbasis der wirtschaft steht oder fällt, sich keine SEkunde selbst trägt.

        Es werden also so oder so Illusionen platzen und die Wechsel, die wir in den letzten 40 Jahren so großzügig ausgestellt haben, sie gehen in den nächsten 40 Jahren zu Protest.

        In Griechenland hat’s begonnen, in Portugal geht’s weiter und wie ein Regierungs-Shut-Down aussieht, kann man in Minnesota schon handfest besichtigen.

      • @ Roslin

        Die Ehe sollte staatlicherseits reduziert werden auf einen mit sofortiger Wirkung kündbaren Familialisierungsvertrag. Dabei sollte es vornehmlich ums Erben und medizinische Fragen bei Entscheidungsunfähigkeit eines Partners gehen.

        Der Staat sollte aber für einen davon unabhängigen Elternvertrag Bürge sein, der beide Eltern gleich ihren Kindern gegenüber verpflichtet und alle Frauenbegünstigung restlos auf die Kinder überträgt.

        Kirche und Staat sollten vollkommen voneinander getrennt sein. Man sollte kirchlich heiraten können, ohne standesamtlich getraut zu sein. Und kirchlich getraute sollten vor weltlichen Gerichten wie Fremde behandelt werden. (Dass Du, geschätzter Roslin, mit Tippse fickst, dafür darfst Du in der Hölle schmoren, jenseits aller weltlichen Gerichtsbarkeit.)

        Ich fordere einen relevanten Elternschaftsvertrag und die gesellschaftliche Entwertung des Ehevertrags!

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