Butler zur Konstruktion der Geschlechter

In „Körper von Gewicht“ sagt  Butler etwas zur Konstruktion der Geschlechter:

„Die Kategorie des ‚sex’ ist von Anfang an normativ; sie ist, was Foucault ein ‚regulierendes Ideal’ genannt hat. In diesem Sinne fungiert das ‚biologische Geschlecht’ demnach nicht nur als Norm, sondern ist Teil einer regulierenden Praxis, die die Körper herstellt, die sie beherrscht, das heißt, deren regulierende Kraft sich als eine produktive Macht erweist, als Macht, die von ihr kontrollierten Körper zu produzieren – sie abzugrenzen, zirkulieren zu lassen und zu differenzieren. Das ‚biologische Geschlecht’ ist demnach also ein regulierendes Ideal, dessen Materialisierung erzwungen ist, und zu dieser Materialisierung kommt es (oder kommt es nicht) infolge bestimmter, höchst regulierender Praktiken. Anders gesagt, das ‚biologische Geschlecht’ ist ein ideales Konstrukt, das mit der Zeit zwangsweise materialisiert wird. Es ist nicht eine schlichte Tatsache oder ein statischer Zustand eines Körpers, sondern ein Prozeß, bei dem regulierende Normen das ‚biologische Geschlecht’ materialisieren und diese Materialisierung durch eine erzwungene ständige Wiederholung jener Normen erzielen. Daß die ständige Wiederholung notwendig ist, zeigt, daß die Materialisierung nie ganz vollendet ist, daß die Körper sich nie völlig den Normen fügen, mit denen ihre Materialisierung erzwungen wird. Es sind sogar die durch den Prozeß hervorgebrachten Instabilitäten, die Möglichkeiten der Re-Materialisierung, die einen Bereich kennzeichnen, in dem die Kraft des regulierenden Gesetzes gegen dieses selbst gewendet werden kann, um Neuartikulationen hervorzutreiben, die die hegemoniale Kraft eben dieses Gesetzes in Frage stellen.“

(Butler: Körper von Gewicht, S. 21)

In „Das Unbehagen der Geschlechter“ hatte  Butler noch auf das Verbot der Homosexualität und das Inzestverbot abgestellt.

Da sie davon ausgeht, dass ständige Wiederholung notwendig ist, wäre immerhin verständlich, dass sie davon ausgeht, die Geschlechterrollen aufheben zu können. Das allerdings in der Praxis Umerziehungsversuche immer wieder scheitern, sei es im Kibbuz oder bei der geschlechtsneutralen Erziehung spricht hiergegen. Auch die (teilweise) Unwirksamkeit dieser Vorgänge bei CAH, CAIS, Transsexualität, David Reimers etc spricht hiergegen.

Zu den wirkenden Maßnahmen bei Butler aus der Wikipedia:

Der Prozess ihrer Materialisierung funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Butler betrachtet insbesondere die Verschränkung von

  • Sprache und Materie
  • die psychische Dimension der körperlichen Gestalt bei Individuationsprozessen
  • die Wirkungsweise von Diskursen zur körperlichen Geschlechterdifferenz.

In Bezug auf die Materialität des Geschlechtskörpers oder „biologischen Geschlechts“ (sex) wendet sie sich gegen die Annahme eines faktischen, materiellen körperlichen Geschlechts, das mit einem sozialen Konstrukt (gender) überschrieben wird. Sie geht davon aus, dass der Begriff des „biologischen Geschlechts“ (und der damit zusammenhängende Rekurs auf Naturalität) selbst „eine kulturelle Norm, die die Materialisierung von Körpern regiert“ ist.

32 Gedanken zu “Butler zur Konstruktion der Geschlechter

  1. Das ist doch alles Mist. Die gute Frau sollte erstmal erklären, wie Sprache (allein) materielle Veränderungen in der Welt bewirken kann (Magie?). Und sie sollte erklären, wo die der materiellen Existenz offenbar vorhergehenden Diskurse und regulierenden Prozesse herkommen. Haben die diskursierenden Subjekte sich selbst geschaffen? Oder existierten sie immer schon, von Ewigkeit zu Ewigkeit wie der Liebe Gott?

    • Zuerst einmal ist das alles ziemlich sinnfrei was die gute Butler da produziert. Der Rekurs auf Foucault und seine Machttheorie ist unangebracht. Foucault wurde von verschiedenen Historikern, was seine Thorie zur Macht angeht, korrigiert – beispielsweise ist seine Machttheorie nicht auf die Entwicklung in Russland der letzten Jahrhunderte anwendbar.

      „Die Kategorie des ‚sex’ ist von Anfang an normativ; sie ist, was Foucault ein ‚regulierendes Ideal’ genannt hat.

      Eine Kategorisierung ist erst einmal nichts als eine Kategorisierung, wie eine „discrimination“ erstmal nur eine Teilung ist, dass hinter einer Teilung eine Person steht, welche sie sprachlich vornimmt, die damit etwas Normatives bezwecken kann, geschenkt.

      „In diesem Sinne fungiert das ‚biologische Geschlecht’ demnach nicht nur als Norm, sondern ist Teil einer regulierenden Praxis, die die Körper herstellt, die sie beherrscht, das heißt, deren regulierende Kraft sich als eine produktive Macht erweist, als Macht, die von ihr kontrollierten Körper zu produzieren “

      Hier verwendet Butler in Rekurs mehrere Termini in einem äquivoken Sinne und zieht Fehlschlüsse:
      Von Kategorialität springt sie zu einem regulierenden Ideal und geht zu regulierender Praxis über. Wie aus dem Nichts, wird materielle Körperlichkeit in die Sprachpraxis integriert, als durch diese hergestellt angenommen. Dies wird nicht weiter erörtert. Was versteht sie unter „Ideal“, „Kategorialität“, „Praxis“?

      Ich würde es so ausdrücken:
      Eine Kategorisierung kann normativ besetzt sein um zu diskriminieren. In diesem Sinne wäre es ein „regulierendes Ideal“. Verhielte es sich immer so, würde die biologische Geschlechtlichkeit, im Sinne der angenommenen Dualität der Geschlechter, dazu verwendet, eine regulierende Praxis zu etablieren. Bsp.: Alle Neugeborenen haben entweder Penis oder Vagina, dazwischen gibt es nichts. Diese Praxis kann insofern Körper herstellen, alsdass sie z.b. bei Intersexuellen dazu führt, dass deren biologisch-körperliche Ausprägungen des Sexes der Dualität, wie sie erwartet wird, angepasst werden. Dies kann man im Ganzen als regulierende Kraft, produktive Macht bezeichnen.

      Der Rest schließt an das, obig Kritisierte an. Es ist ein ganz einfacher, leiser Übergang – gut gemacht, Frau ProfessorIn für Rhetorik – raus aus der Sprache, rein in die Materialität, rein in die Sprache. Ich muss ehrlich sagen, für so eine Arbeit hätte ich nicht einmal ein Diplom bekommen.

      Kann ein sprachliches, männliches Sexus auch Kinder zeugen?

    • Das ist doch alles Mist. Die gute Frau sollte erstmal erklären, wie Sprache (allein) materielle Veränderungen in der Welt bewirken kann (Magie?)

      Das ist allerdings irritierend. Wenn Frau Butler behaupten würde, dass die Sprache und ihre Kategorisierungen, Abgrenzungen, Unterscheidungen die Wahrnehmung modulieren, strukturieren, dann liesse sich dem etwas als Disskussionshypothese abgewinnen. Aber so …

      • @ Peter

        Für mich ist das nicht irritierend, sondern eine seltsame Säkularisierung, Travestie bis in’s Karikaturhafte hinein eines religösen Motivs: Der Geist Gottes schwebte über den Wassern und schuf.

        Auch bei Butler wird das Wort Fleisch, aber ohne Tiefe, ohne Transzendenz.

        Das Wunder wird vulgär.

        Und mit Wissenschaft hat das nicht das Geringste zu tun: Wie Helena Cronin es einorndet, das hat seine Richtigkeit: Balderdash, Geschwätz, das Wunschdenken der „Unnormalen“, in eine elaborierte Sprache verpackt, damit die ganze Plattheit dieses Wunschdenkens nicht sofort in’s Auge springt.

        Butlers Texte sind Erbauungschriften für die, die glauben wollen, dass die Regel, die sie zum Außenseitertum verdammt, die sie zu Abweichungen von der Norm erklärt, eigentlich gar nicht existiert, die die Regel abschaffen wollen, um sich endlich nicht mehr als Ausnahmen fühlen zu müssen, die ihrer Entfremdung, ihrer Einsamakeit in der Ausnahme, entgehen wollen, indem sie die“Normalen“, die sie insgeheim ob ihrer Selbstgewissheiten beneiden, sich selbst entfremden wollen, damit diese spüren, was sie selbst spüren, diese tiefe Verunsicherung und Erschütterung des Selbstgefühles, dieses Fremdseins im eigenen Körper.

        Willst Du Dich nicht mehr als Neurotiker und Ausßenseiter fühlen, dann neurotisiere den ganzen, großen „normalen“ Rest und Du machst die Neurotikergemeinde, die Du um Dich scharen wirst, glücklich.

        Da winkt Erlösung vom „Unnomalsein“ in Butlers Erweckungspredigten.

        Natürlich nur eine Selbsttäuschung, denn das Wort der Menschen macht keine Realität, kann nur das Reale wiederspiegeln, es nicht schaffen, es nicht verändern.

        Das bleibt Gott vorbehalten.

        Sein Wort schafft.

  2. Auch bei Butler wird das Wort Fleisch, aber ohne Tiefe, ohne Transzendenz.

    @ Meister Roslin

    Mal vorausgesetzt, die Sprache moduliere und strukturiere die Wahrnehmung. Die butlersche „Materialisierung“ wäre dann Resultat der durch die Sprache und ihre Kategorisierungen/Abgrenzungen/Unterscheidungen beeinflussten Handlungen und der sich daraus ergebenden Hierarchisierungen. Soweit kann ich all ihren Gedanken folgen. Sie scheint immerhin, was dich als Katholen doch freuen sollte, der Auffassung zu sein: Am Anfang war das Wort 🙂

    • „Die butlersche „Materialisierung“ wäre dann Resultat der durch die Sprache und ihre Kategorisierungen/Abgrenzungen/Unterscheidungen beeinflussten Handlungen und der sich daraus ergebenden Hierarchisierungen.“

      Das scheint mir nachvollziehbar zu sein – wie ich ja schon an meinem Beispiel der Interesexuellen gezeigt habe. Darin sehe ich überhaupt erst einmal kein Problem. Das Problem kommt erst dort zum Tragen, wo Materialität sprachlich generiert wird, wo Materialität als Substanz, das Außen der Sprache, der Referenzgegenstand, geleugnet wird.

      • @ Terminator

        *Das Problem kommt erst dort zum Tragen, wo Materialität sprachlich generiert wird, wo Materialität als Substanz, das Außen der Sprache, der Referenzgegenstand, geleugnet wird.*

        Wie Sprache die Materialität der Körper generieren soll, wie die konkrete Fleischwerdung des Wortes zu denken ist, darüber schwindelt sie sich mit elaborierter Sprache hinweg, zu Recht hoffend, dass die ergriffen lauschende Menge die Inhaltsleere, die Substanzlosigkeit dieser Rede nicht erkennt.

        Sie macht halt Hoffnung, Hoffnung darauf, dass mit ein bißchen Wortmagie und Abrakadabra, mit ein bißchen Kostumwechsel und Travestie die Substanz zu verändern wäre.

        DAs ist die kalte Kernfusion für Geisteswissenschaftler.

      • @ Alexander Roslin

        Jetzt ist es aber dann an der Zeit, dass Sie ein eigenes Blog gestalten. Tippse soll die Schreibarbeit erledigen, Ihre Muse sein und Sie teilen uns Ihre Weisheiten mit – einen Fan hätten Sie schon.

        Wie wäre die Wiener Votivkirche als Hintergrund?

      • @ Terminator

        Ein eigenes Blog artete in Arbeit aus, ich entwickelte Ehrgeiz, wagte es nicht mehr, meine Texte einfach in die Tastatur zu kloppen und loszukicken, müsste sie Korrektur lesen, einmal, zweimal – nein, das geht nicht.

        Tippse zu erziehen und ihren Erziehungsversuchen zu entgehen ist zeitaufwendig genug und macht mehr Spaß.

        Aber es kostet auch Energie.

        Plasma im Teillchenbeschleuniger einzuscließen ist einfacher als das Containment von Tippse.

        Von periodisch wiederkehrenden Kernschmelzen, die eingedämmt und repariert werden wollen, ganz zu schweigen..

        FeministInnen machen sich ja gemeinhin keinerlei Vorstellung davon, wie mühsam es ist, eine Frau zu unterdrücken.

        Darum habe ich das Matriarchat ausgerufen.

        Bloß…geändert hat sich nicht viel.

        Verprügeln darf man sie ja nicht, schließlich soll sie einen auch noch liebhaben.
        Schimpfen hat wenig Zweck, sie schimpft dann nur zurück.

        Das ist alles nicht so einfach.

        Wenn sie wenigstens dümmer wäre…

        @ Genosse Pjotr Trofimowitsch Bosshard

        Natrülich dürfte ein Bolschewik wie Sie mitdiskutieren.

        Wenn Sie mir Ihr vollständig abgestempeltes Jakobspilgerbuch vorlegen könnten und in der Lage wären, den Vorsitzenden des für ihren Wohnort zuständigen Opus-Dei-Kapitels zu einem positiven Leumundszeugnis zu überreden, etwa durch eine Spende in Höhe von mindestens 1000 Franken für die UNA SANCTA ROMANA.

        Bolschewiken ist ja nicht zu trauen, nicht mal Schweizer.

      • @ Terminator

        Das ist die Russische Kapelle in Wien?

        War so oft in Wien, hab‘ sie noch nie gesehen, bin vernarrt in Barock und Spätbarock/frühen Klassizismus.

        Aber sie ist schön, wie ein kostbares Kinderspielzeug.

        Ich wählte lieber dieses Bild als Blogtapete, die Abtei, in die ich fast eingetreten wäre, Neresheim.

        Der Innenraum ist atemberaubend, Männliches und Weibliches in schwebender, spannungsgeladener Balance, tänzerische Eleganz voller Anmut und Leichtigkeit, schwerelos schwebend. Und energiegeladene Kraft in kaum gebändigter Dynamik, all das unter Kuppeln und Rundungen, aufregend wie Tippses Po.
        Dazu die strenge Monumentalität der Säulen der Vierung, ein wahrhaft aristokratisches Motiv, stolz und herrlich frei, wie sie da stehen und doch dem Ganzen dienend, tragend eingebunden in den großen Bau.

        Ein wahrhaft göttliches LIcht herrscht in diesem Raum, in dem ich mich Gott besonders nahe fühle.

        Unbedingt besuchen, falls sich mal jemand von euch in die Gegend von Nördlingen verirrt, ca. 30 km von der Stadt entfernt.

      • „@ Terminator“ muss @ Peter heißen, denn der hat die Russische Kapelle verlinkt.

        Woher der so was überhaupt kennt, der Bolschewik?

        Will sie bestimmt abfackeln nach der Machtübernahme.

      • Off Topic, Christian, für einmal, sorry.

        muss @ Peter heißen, denn der hat die Russische Kapelle verlinkt.
        Das ist die Russische Kapelle in Wien?

        @ Meister Roslin

        Nein, die Sankt Nikolaikirche in Nizza.

        Diese hier steht in Wien:

        Während die katholische Kathedralen vor allem in Hinblick auf ihre propagandistische Wirkung architektonisch gestaltet wurden, sprechen die orthodoxen Kirchen, vor allem die russischen, die Seele an. Ob ich einem Katholiken diese Empfindung vermitteln kann? Es ist wohl einfacher, einem blinden die farben zu erklären 😉

        Diese hier darf natürlich nicht fehlen; Die Basiliuskathedrale.

        Auch in Holz:

        Wer Augen hat, der sehe!

      • @ Staretz Pjotr

        *….sprechen die orthodoxen Kirchen, vor allem die russischen, die Seele an. Ob ich einem Katholiken diese Empfindung vermitteln kann?*

        Sie haben Ihre Seele entdeckt?

        Wie haben Sie das denn angestellt?

        Sie meinen, das schwarze Gebilde am Grunde ihres Herzens, das Ihnen etwas von Russland vorsäuselt?

        Ich fürchte, das meint nur vordergründig die Orthodoxe Kirche.

        Seien Sie auf der Hut!

        Gehen Sie mal zum für Sie zuständigen Exorzisten – die Diözese chur hat bestimmt einen besonders befähigten, wenn Ihnen sonst keiner einfällt, und lassen Sie sich eine Anwendung des Rituale Romanum verpassen, die volle Dröhnung.

        Mal sehen, was dann von Ihrer „Seele“ übrig bleibt.

        Rät Ihnen ein zutiefst um Ihr geistig-geistliches Wohl besorgter

        Alexander Roslin

        Trotzdem: Danke für die schönen Bilder.

        Vielleicht schaffen sie es ja noch gerade so in’s Fegefeuer

      • Vielleicht schaffen sie es ja noch gerade so in’s Fegefeuer

        Sehr geehrter Herr Roslin, Sie neigen dazu, die Rechnung ohne DEN WIRT zu machen! 😉

    • @ Peter

      Ja, genau: Am Anfang ist bei ihr das Wort.

      Aber es ist das Wort des Menschen.

      Das schafft keine Wirkliichkeit, strukturiert sie auch nicht, sondern wird geprägt von der Wirklichkeit, geschaffen durch sie.

      Es ist der in’s Absurde gesteigerte Größenwahn des modernen Menschen, den ich hier wiederfinde, all die Machbarkeitsphantasien, dieser Glaube daran, ein verändertes Reden über die welt und den Menschen verändere die Welt und den Menschen.

      Als hätte menschliches Gequatsche diese Macht.

      Das Ganze ist eine groteske Verkehrung von Ursache und Wirkung.

      Aus Ableitungen werden Zuschreibungen.

    • Jetzt ist es aber dann an der Zeit, dass Sie ein eigenes Blog gestalten.

      Dürften da auch Bolschewiki (das sind alle, die sich politisch links der Piusbrüder verorten :)) mitdiskutieren?

      Als Hintergrund, wenn auch nicht katholisch, aber wunderschön:

  3. Ich sehe das so: Biologie kann Soziales erklären, zumindest ein Stück weit. Sozialwissenschaften hingegen können biologisches nicht erklären, nicht mal im Ansatz; sie müssen es immer als gegeben hinnehmen (womit ihrer Erklärungsmacht natürlich Grenzen gestzt sind).

    Sozialkonstruktivistische Theorien sind ein Versuch, diesem Dilemma zu entkommen. Allerdings ein sehr schwacher.

  4. Zitat: „Verhielte es sich immer so, würde die biologische Geschlechtlichkeit, im Sinne der angenommenen Dualität der Geschlechter, dazu verwendet, eine regulierende Praxis zu etablieren. Bsp.: Alle Neugeborenen haben entweder Penis oder Vagina, dazwischen gibt es nichts.“

    Der Satz ab dem Bsp. zeigt, dass da ein Mensch selbst von Dualität ausgeht, wo in der Biologie aber gar keine ist. Es gibt ja nicht nur EIN geschlechtliches Merkmal, sondern MEHRERE, und die können tatsächlich unabhängig voneinander jeweils auf Seite 1, Seite 2 oder „dazwischen“ sein. Das macht Geschlecht dann zweidimensional. Und da letztlich die Entscheidung darüber welches der MEHREREN Merkmale nun zur Geschlechtsbestimmung herangezogen werden soll, menschengemacht ist, dient diese Festlegung ganz klar nur der Macht, die der „Festleger“ damit haben will.

    • @ Kim

      *Und da letztlich die Entscheidung darüber welches der MEHREREN Merkmale nun zur Geschlechtsbestimmung herangezogen werden soll, menschengemacht ist, dient diese Festlegung ganz klar nur der Macht, die der „Festleger“ damit haben will.*

      Dem normalen Alltagsmenschen ist aber nur ein Merkmal bei einem Säugling zugänglich: das, was das Kind zwischen den Beinen hat.

      Und damit liegt er ja auch in 95 % der Fälle genau richtig.

      Ausnahmen kann er am Säugling nicht erkennen, die lösen auch nicht die Regel auf.

      So übertragt der Mensch seine Alltagserfahrung, dass es Männer und Frauen gibt und die sich im Wesen und Verhalten unterscheiden, auf das neugeborene Kind.

      Dabei geht es nicht um Macht, sondern um Lebenserfahrung.

    • @ Kim
      Nein, das zeigt er eben nicht. Ich habe hier nur, in Rekurs auf Butler versucht „alltagssprachlich“ darzustellen, welche Kritik ich, in der Interpretation Butlers, herauslese. Eine in den Mainstream übersetzende Interpretation quasi. Bitte erst lesen, bevor man mir etwas unterstellt.

      Man könnte es auch anders darlegen. Ohne Ei- und Samenzelle wären wir alle nicht hier, sogesehen scheint es einen evolutionären Vorteil gehabt zu haben, eine solche Dualität – Ei- und Samenzelle in verschiedenen Organismen anzusiedeln – welche in der Verschmelzung ein neues Lebewesen entstehen lässt, dies zu etablieren.

      Ich zitiere wieder den Aufsatz von Knauß:
      „Kein serioöser Biologe oder Mediziner oder Physiologe wird über Geschlechtsunterschiede sprechen, ohne dabei den evolutionären Zweck der Zweigeschlechtlichkeit, die Fortpflanzung, zu bedenken. Theodosius Dobzhanskys berühmten Satz kann jeder Biologe auswendig: … ‚Nichts in der Biologie ist sinnvoll außer im Lichte der Evolution‘.“

      Daran kommt Butler auch nicht vorbei, selbst wenn sie Ei- und Samenzelle Sexismus vorwerfen sollte – wie ja auch schon versucht wurde, in den Gleichungen Einsteins Sexismus zu entdecken.

      Hinzukommen, bei der Ausreifung des Embryos, die angelegte, unterschiedliche Anatomie, Hormonversorgung, Gehirnwachstum und und und. All diese Dinge sind vorgelagert, bevor die Kultur kontrollierend auf das Neugeborene einwirken kann. Selbst die Identiät, das Selbstempfinden als Junge oder Mädchen entsteht sehr früh in der Kindheit, unabhängig wo auf der Welt das Kind großgezogen wird. Identität ist hier in keinem Maße fluide wie vielleicht bei einem bestimmten Prozentsatz der Menschen die Orientierung – bei Frauen eher als bei Männern. Wenn man nun im gleichstellungsfeministischen Sinne versucht Jungen als Mädchen zu erziehen, auch dann scheint ein völliger Wechsel der Rollen nur als starke Belastung für das Kind empfindbar und nach Außen hin machbar zu sein – siehe Reimer.

      Natürlich gibt es eine solche vorgelagerte Dualität. An dieser orientieren sich alle Orienitierungen, selbst Transsexuelle wollen ja gerade in das andere Spektrum wechseln. Selbst wenn sie jetzt Transgender und interesexuelle Menschen ansprechen kann ich Ihnen nur entgegnen: Ich kann mir auch wünschen es gebe keine Rolle (Transgender) und versuchen rollenfrei zu leben, was wiederum nur eine, diesmal bewußt gewählte nur schwer aufrechtzuerhaltende Rolle ist, oder aber eben auch körperlich nicht in die Dualität passen (was meist bei Intersexuellen jedoch so auch nicht gegeben ist, da die Rolle auch über den Phänotyp bestimmt wird). Das bedeutet aber nur, dass für manche Menschen, ein Teil davon, im Promillebereich, diese Dualtiät nicht passt. So einfach ist das.

    • @Kim

      In den meisten Menschen stimmen diese Merkmale allerdings überein. Die Zuordnung „Mann“ oder „Frau“ ist sehr einfach. Einige (eine sehr geringe Prozentzahl) sind uneindeutlich, bewegen sich zwischen Mann und Frau. Bei diesen mag mitunter eine Zuordnung nicht möglich sein. Aber das ändert nichts daran, dass die Kategorien an sich sinnvoll und abgrenzbar sind.

  5. Und wieder herrscht das Schweigen im Walde. Genau das habe ich erwartet; sie wollen einfach nicht grundsätzlich über ihre Theorien diskutieren, weil sie genau wissen, wie alt sie da aussehen.

    Wirklich ein schwaches Bild.

  6. Dafür können sie dann bei einem neuen Thema weitertrollen 🙂 Vielleicht sollten wir die gute Butler selber fragen, verweilt sie ja zur Zeit in der Schweiz.

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  10. Konstrukt der ersten und zweiten Art?
    Welche meinen die Feministen den nun?
    Es gibt nichtmal eine Grundlage Konstukt? Für den Feminismus?
    Nichtmal die Grundlagen haben ein Fundament?
    Ist das gewollt? Sollen wir verwirrt werden?

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