Congenital adrenal hyperplasia (CAH)

Bei Congenital adrenal hyperplasia (CAH) ist die Hormonsynthese in den Nebennierenrinde gestört, die deswegen statt  Cortisol und Aldosteron vermehrt deren Vorstufen Pregnenolon und  Progesteron ausgeschüttet. Da die geringeren Mengen der eigentlich zu bildenden Stoffe in den passenden Gehirnregionen, zB dem Hypothalamus und die Hypophyse registriert wird, wird doch allgemein die Produktion der Nebennierenrinde hochgefahren, die dann auch vermehrt das Sexualhormon Testosteron ausschüttet. Dieser Effekt tritt bereits im Mutterleib ein und führt daher dazu, dass der Fötus einer erhöhten Testosteronkonzentration ausgesetzt ist. Dies sollte nach der Theorie der hormonellen Prägung der Geschlechter im Mutterleib dazu führen, dass die Mädchen sich insgesamt männlicher verhalten und eher bisexuell oder homosexuell sind.

Diese Effekte werden auch in Studien beobachtet:

We assessed core gender identity, sexual orientation, and recalled childhood gender role behavior in 16 women and 9 men with congenital adrenal hyperplasia (CAH) and in 15 unaffected female and 10 unaffected male relatives, all between the ages of 18 and 44 years. Women with CAH recalled significantly more male-typical play behavior as children than did unaffected women, whereas men with and without CAH did not differ. Women with CAH also reported significantly less satisfaction with the female sex of assignment and less heterosexual interest than did unaffected women. Again, men with CAH did not differ significantly from unaffected men in these respects. Our results for women with CAH are consistent with numerous prior reports indicating that girls with CAH show increased male-typical play behavior. They also support the hypotheses that these women show reduced heterosexual interest and reduced satisfaction with the female sex of assignment. Our results for males are consistent with most prior reports that boys with CAH do not show a general alteration in childhood play behavior. In addition, they provide initial evidence that core gender identity and sexual orientation are unaffected in men with CAH. Finally, among women with CAH, we found that recalled male-typical play in childhood correlated with reduced satisfaction with the female gender and reduced heterosexual interest in adulthood. Although prospective studies are needed, these results suggest that those girls with CAH who show the greatest alterations in childhood play behavior may be the most likely to develop a bisexual or homosexual orientation as adults and to be dissatisfied with the female sex of assignment.

Quelle: Androgen and psychosexual development: Core gender identity, sexual orientation, and recalled childhood gender role behavior in women and men with congenital adrenal hyperplasia (CAH) (Abstract / Volltext)

Um so mehr die Mädchen also in ihrer Kindheit männliches Verhalten gezeigt haben um so eher waren sie mit der Frauenrolle unzufrieden und um so seltener waren sie rein heterosexuell. Das passt zu der Theorie, weil solche Mädchen, bei denen die Hormone am deutlichsten pränatale Auswirkungen gehabt haben eben dann auch später die deutlichsten Zeichen davon sehen lassen müssten.

Diese Beobachtungen bestätigen sich auch bei der Digit Ratio:

The ratio of the length of the second digit (2D) to the length of the fourth digit (4D) is greater in women than in men. Since androgens are involved in most somatic sex differences and since the sexual dimorphism in 2D:4D is stable from 2 years of age in humans, it was hypothesized that finger length pattern development might be affected by early androgen exposure. Human females with congenital adrenal hyperplasia (CAH) are exposed prenatally to higher than normal levels of adrenal androgens, providing an opportunity to test the effects of early androgen exposure on digit ratios. The 2D:4D was calculated for females with CAH, females without CAH, males with CAH, and males without CAH. Females with CAH had a significantly smaller 2D:4D on the right hand than did females without CAH. Males with CAH had a significantly smaller 2D:4D on the left hand than did males without CAH. A subset of six males with CAH had a significantly smaller 2D:4D on both hands compared with their male relatives without CAH. These results are consistent with the idea that prenatal androgen exposure reduces the 2D:4D and plays a role in the establishment of the sex difference in human finger length patterns. Finger lengths may therefore offer a retrospective marker of perinatal androgen exposure in humans.

Quelle: Masculinized Finger Length Patterns in Human Males and Females with Congenital Adrenal Hyperplasia

Diese Studien fügen sich insoweit gut in die anderen Fälle ein, bei denen bestimmte pränatale Hormonlevel Auswirkungen auf geschlechtliches Verhalten hatten.

All diese verschiedenen Punkte formen in der Hormontheorie eine schlüssige Theorie. Hingegen kann eine gesellschaftliche Begründung weder die Vererbbarkeit erklären, noch die Übereinstimmung mit der Digit Ratio, noch die Unterschiedlichen Entwicklungen in Verbindung mit dem jeweiligen biologischen Zustand.

32 Gedanken zu “Congenital adrenal hyperplasia (CAH)

  1. „Hingegen kann eine gesellschaftliche Begründung weder die Vererbbarkeit erklären, noch die Übereinstimmung mit der Digit Ratio, noch die Unterschiedlichen Entwicklungen in Verbindung mit dem jeweiligen biologischen Zustand.“

    Aber eine gesellschaftliche Begründung beschäftigt Scharen von Soziologen/ Pädagogen/ Politikern usw., die andernfalls richtig arbeiten müssten, und das wollen wir doch vermeiden, oder?

  2. Mich würde einmal interessieren, was die Gleichstellungsfeministinnen an der Biologie nun akzeptieren und was nicht, wie sie genau den Trennstrich ziehen und wie sie jenen rechtfertigen. Mir geht diese unausgesprochene Nivellierung der Evolutionstheorie ohne Argumente, nach dem Motto „sie kann nicht sein, sie darf nicht sein“, gelinde gesagt auf den Geist.

    Immer diese Gerechtigkeitsvorstellungen, dieses „Beleidigtsein“, was viel eher auf eigene psychologische Erfahrungen schließen lässt, aber auch gar nichts mit dem sich in der Natur zeigenden Recht des Stärkeren zu tun hat. Das Löwenmännchen ist kein Pascha meine Damen!

  3. Das ist zwar interessant, aber sicher noch lange nicht das Ende vom Lied. Zumal sicherlich nicht alle Bi- oder Homosexuellen unter CAH leiden.

    • Dieser Blogeintrag und die darin zitierten Quellen beschäftigen sich jedenfalls, so wie ich sie verstehe, primär mit möglichen Ursachen weiblicher Homosexualität.

      Zitat:

      > „Dies sollte nach der
      > Theorie der hormonellen
      > Prägung der Geschlechter
      > im Mutterleib dazu führen,
      > dass die Mädchen sich
      > insgesamt männlicher
      > verhalten und eher bisexuell
      > oder homosexuell sind“

      Bei genetischen Männern erklärt die Hormontheorie Abweichungen des Identitätsgeschlechts recht schlüssig, bei den Ursachen männlicher Homosexualität (die ja das Sozial- und Rollenverhalten, etwa aktiv oder passiv, nicht mitbedingt) reicht sie allein aus meiner Sicht nicht aus.

      Und in fast allen einschlägigen Studien und Abhandlungen findet sich wohl das magische Wort „eher“.

  4. Ich möchte etwas Nachreichen – zwar in gewisser Weise OT, jedoch interessant.
    Popper bringt in „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2“ ein Schopenhauer-Zitat, in Bezug auf Hegel; ich glaube, wir können dieses getrost auf den Feminismus, nicht zuletzt auf den Gleichstellungsfeminismus anwenden.

    Er zitiert:
    „Wenn man einen Jüngling absichtlich verdummen und zu allem Denken völlig unfähig machen will, so gibt es kein probateres Mittel, als das fleißige Studium Hegelscher Originalwerke: Denn diese monströsen Zusammenfügungen von Worten, die sich aufheben und widersprechen, so daß der Geist irgend etwas dabei zu denken vergeblich sich abmartert, bis er endlich ermattet zusammensinkt, vernichten in ihm allmählich die Fähigkeit zum Denken so gänzlich, daß von dann an hohle leere Floskeln ihm für Gedanken gelten.“ (zit. nach Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde 2, Kapitel 12: Hegel und der neue Mythos von der Horde, 91f. Original aus: Schopenhauer, Werke Bd. V, 25 (Anm.)

  5. Endlich wissen wir es: Homosexualität und „männliche“ Frauen entstehen durch eine gestörte Hormonsynthese. Ich denke, das wird die meisten Homosexuellen unglaublich entlasten und erleichtern, wenn sie erkennen: Ihre Sexualität ist auf eine „Störung“ zurückzuführen.

    • Ja und? Aus evolutionärer Sicht ist Sexualität eine Strategie zur möglichst effektiven Weitergabe der eigenen Gene, und in sofern ist Homoexualität natürlich eine „Störung“. Damit ist allerdings keine moralische Bewertung verbunden, schließlich ist die Evolution als solche nicht moralisch.

      Moralische Beurteilungen, wie du sie suggerierst, sind hier nicht am Platze.

      • Sie will doch nur den Diskurs bestimmen, El_Mocho. Irgendwann werden sie versuchen, den Biologen zu verbieten, evolutionstheoretisch zu argumentieren, da dies ja sexistisch sei. Männer jagen, Frauen waren eher für die Aufzucht verantwortlich, igitt igitt.

      • @ El_Mocho:

        > Moralische Beurteilungen,
        > wie du sie suggerierst,
        > sind hier nicht am Platze.

        D’accord, wenn….ja wenn der Begriff „Störung“ für geschätzte 75 bis 90 Perzent der Erdenbewohner/innen nicht ebenfalls bereits so ein moralisches Urteil beinhalten würde.

        Homosexualität, gleich welche Ursache wir annehmen, ist anscheinend eine biologische Tatsache, also irgendwie ein Ergebnis der evolutionären Strategie, keine soziale Modeerscheinung. Auch wenn ihr biologischer Sinn sich uns nicht ganz erschließt.

      • @ Tanja
        Diese Aussage ist für mich schlichtweg falsch. Homosexualität, wie sie uns heutzutage „begegnet“, kann, unter Annahme bestimmter Prämissen – Verwandtenselektion etc. – evolutionstheoretisch erklärt werden, eine Tatsache ist für mich immer noch ein bestehender Sachverhalt. Eine Theorie ist ein Versuch Sachverhalte zu beschreiben.

      • @El_Mocho: Ja, Sexualität dient zur Weitergabe unserer Gene. Das habe ich auch nicht infrage gestellt. Weibliche Brüste dienen auch zum Stillen. Jedoch gibt es da draußen einige weibliche Exemplare, die GANZ andere Dinge damit anstellen. Wenn wir immer nur von der Biologie her argumentieren, drehen wir uns im Kreis. Wir würden auf Bäumen sitzen, unseren evolutionären Nachrungstrieb befriedigen, danach in die Höhle gehen und unseren evolutionären Sexualtrieb befridiegen.

        Warum haben wir denn überhaupt das Bedürfnis, Homosexualität erklären zu müssen? Warum wird die sexuelle Orientierung eines Menschen nicht einfach als gegeben hingenommen? Es kommt doch auch niemand auf die Idee, die Entstehung von Penissen und Vaginas infrage zu stellen. (By the way: Wir hätten uns genauso gut als Zwitter entwicklen können. Im Tierreich funktioniert deren Fortpflanzung nämlich einwandfrei.)

        Diese Tatsache beurteile ich in der Tat moralisch. Wir haben nur das Bedürfnis, Phänomene zu erklären, die wir als „andersartig“ einstufen.

  6. Vielleicht ist Homosexualität ja tatsächlich eine „Störung“, sprich „Krankheit“. Dann kann ich nur sagen: Gott sei Dank, dass es sie gibt! Die Alternative wäre jedenfalls fuchtbar langweilig.

    • Adrian nicht „sprich Krankheit“. Warum sollte Homosexualität eine Krankheit sein, wenn sie ev. – das besagt ja die hier vertretene Position – großteils pränatalen Einflussfaktoren geschuldet ist? Die „Störung“ bezog sich einzig und allein auf die Hormonversorgung. Nicht mehr nicht weniger. Schütte das Kind doch nicht immer mit dem Bade aus.

      Andererseits kannst du froh sein, dass du homosexuell bist und dir die Schwierigkeiten mit der holden Weiblichkeit ersparen kannst. Hat doch auch etwas für sich – oder?

      • „Schütte das Kind doch nicht immer mit dem Bade aus.“

        ICh reflektiere nur, wie es aufgefasst wird. Udn Du kannst Dir 100prozentig sicher sein, dass die meisten Menschen das Wort „Störung“ genaus so auffassen werden.

        „Andererseits kannst du froh sein, dass du homosexuell bist und dir die Schwierigkeiten mit der holden Weiblichkeit ersparen kannst.“

        Warum sollte ich nicht froh sein, so zu empfinden, wie ich nun mal empfinde? Sind Heten-Männer nicht auch froh, auf Frauen zu stehen, alleine schon deshalb, weil es nun mal so ist?

        Keinen Ärger mit Frauen zu haben, ist natürlich ein großes Plus, keine Frage 🙂

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