Matriarchat: Als Gesellschaftsform unbeliebt

Hier die Auswertung der Umfrage „Willst du in einem Matriarchat leben?“ (nach den Regeln von Heide Göttner-Abendroth).

Die Auswertung ergibt:

  • von den Männern wollen ca. 97% nicht in einem Matriarchat leben, einer von 35 will
  • von den Frauen wollen 80% nicht in einem Matriarchat leben, 2 von 10 wollen.
Kein Vertrauensbeweis für das Matriarchat. Auch die in den Kommentaren genannten Gründe wie „Ich mag moderne Technik und Individualität“ finde ich recht nachvollziehbar, dass Gegenargument „Damit willst du auch die Vergewaltigungen der patriarchalischen Gesellschaft“ finde ich im Gegenzug etwas schwach. (Zumal wir ja auch wenig über die Dunkelziffer in Matriarchaten wissen, schließlich sind sie so gesehen ein feministischer Alptraum: Keine anonyme Anzeige möglich, keine Spurensicherung, keine feste Instanz, willkürliche Prozesse vor einer großen Gruppe ohne Anonymität und Verurteilungen des Täters erfordern einen Konsens des Dorfes einschließlich der Verwandten und Freunde des Täters (oder wie kann man sich einen solchen Prozess dort vorstellen?)
Nun ist mir aber natürlich bewusst, dass die Aussagekraft der Umfrage gering ist, vielen Lesern dieses Blogs wird man wohl eine gewisse Abneigung gegen Matriarchate unterstellen können und der Frauenanteil ist auch recht gering.
Vielleicht mag ja ein anderer Blog die Umfrage aufnehmen, evtl Khaos.Kind oder Onyx oder gar der Mädchenblog oder die Mädchenmannschaft. Mich würde mal interessieren, wie hoch die Zustimmung in diesen Bereichen wäre. Ich vermute ebenfalls relativ gering, da die Kriterien der Frau Göttner-Abendroth nach meiner Vorstellung die meisten modernen Frauen eher abschrecken.

28 Gedanken zu “Matriarchat: Als Gesellschaftsform unbeliebt

  1. Dass Frau Göttner-Abendroth „durchgefallen“ ist – und vermutlich in jeder Umfrage, wenn auch mit unterschiedlicher Quote, durchfallen würde – liegt wohl an ihrer mit dem „Matriarchat“ unlösbar verknüpften Idealisierung einer vorindustriellen Agrargesellschaft.

    Die Vorstellung des „Mütter sitzen beim Thing um die Stammeseiche (uii, is ein männlich konnotierter Baum, oder?) und lösen im Konsens die Probleme der Welt“ ist aus meiner Sicht unrettbar idealisierend und romantisierend.

    Einige Aspekte der darin steckenden Zivilisationskritik sind aber durchaus interessant und diskutierenswert. Wenn man vorher das Banner, auf dem „Frauen sind die besseren Menschen“ steht, vom Giebel holt.

  2. @Tanja

    „Einige Aspekte der darin steckenden Zivilisationskritik sind aber durchaus interessant und diskutierenswert.“

    Welche findest du denn insbesondere interessant?
    Wichtig würde ich es in dem Zusammenhang allerdings auch finden, sich die Vorteile der Konkurrenzsysteme einzugestehen. Konkurrenz mag für viel schlechtes verantwortlich sein, aber sie produziert eben auch Innovationen, die es so ohne diese nicht geben würde. Moderne Gesellschaften haben eine starke Anziehungskraft auf Menschen, Männer und Frauen.

    „Wenn man vorher das Banner, auf dem „Frauen sind die besseren Menschen“ steht, vom Giebel holt.“

    Das wäre in der Tat nötig.

    • Nimm die Verachtung und Nichtanerkennung von lebensnotwendigen Sorgearbeiten aus der Konkurrenzgesellschaft, verbiete den Zins (und sanktioniere das) und ich glaub, ich bin dabei. 😛

      • Würdest du anderen Leuten, vor allem solchen, die du nicht kennst, dein Geld zinslos zur Verfügung stellen? Auch auf die Gefahr hin, dass deren Projekte scheitern, und du ein Geld nie wieder siehst?

      • Doch, das tun sie. Der Trick besteht darin, nicht nur einer Person Geld zu leihen, sondern sehr vielen Leuten. Einige von denen sind erfolgreich und zahlen alles zuzüglich Zinsen zurück. Andere scheitern, und können weniger zurückzahlen, als sie geliehen haben, manchmal auch gar nichts. Die Zinsen der Erfolgreichen decken die Verluste der Erfolglosen, so dass man unter dem Strich kein Geld verliert.

  3. @Christian, der da geschrieben hat:

    > Welche findest du
    > denn insbesondere
    > interessant? Wichtig
    > würde ich es in dem
    > Zusammenhang allerdings
    > auch finden, sich die
    > Vorteile der
    > Konkurrenzsysteme
    > einzugestehen. Konkurrenz
    > mag für viel schlechtes
    > verantwortlich sein, aber
    > sie produziert eben auch
    > Innovationen, die es so
    > ohne diese nicht geben
    > würde.

    Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang wäre etwa die, ob es einen zwingenden Zusammenhang von Konkurrenz und quantitativem Wachstum (mehr Güter, mehr Energieverbrauch, mehr akkumuliertes Kapital etc.) gibt?

    Eine andere Frage, die Göttner-Abendroth anspricht, ist die nach der Natur des Rechts und der Schriftlichkeit der positiven Rechtsordnung. Das interessiert mich natürlich. So wie ich das interpretiere, wäre „Weiblichkeit“ mit „Naturrecht“ und „Männlichkeit“ mit „positivem, gesatztem Recht in Schriftform“ gleichzusetzen. Da rollen sich einer betont rechtspositivistisch sozialisierten und ausgebildeten Juristin natürlich spontan die Zehennägel auf! Die Praxis hat mich allerdings gelehrt, dass Schriftlichkeit weder eine Garantie für den Zugang zum geltenden Recht noch eine Garantie für die Vorhersehbarkeit behördlicher Entscheidungen darstellt. Einige der bedeutendsten rechtlichen Errungenschaften wurden auf Basis dürrer textlicher Vorgaben durch Hinzufügung einer guten Dosis „Hausverstand“ erreicht. Ist Hausverstand so eine Art natürliches Rechtsempfinden („natürliche Rechtsgrundsätze“ im Sinne der Interpretationsregel des § 7 des öster. Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches)? Fazit: Könnte die Weisheit der Frauen und Männer unter der Dorflinde (oder Eiche oder Buche…) im Sinne Göttner-Abendroths auch ohne ein Gesetzbuch vielleicht für einen ähnlich akzeptablen sozialen Ausgleich führen wie ein ausgefeilter Gerichtsapparat mit vielen Codices? Oder würde sich daraus unweigerlich (etwa beginnend mit einer Dokumentation der Entscheidungen und damit dem Verlust der Spontanität) ein ähnlicher bürokratischer Apparat entwickeln wie in jeder Behördenorganisation seit Hammurabi?

    • @Tanja

      Ich finde du machst die Gleichen Fehler wie alle patriarchal geprägten Denkenden. Soll heißen: Mit dem Denken kann man das matriarchal geprägte Denken nicht verstehen. Weil es u.a. Besitz- und Machtdenken nicht kennt.

      • @ Tanja Werdenberg

        *Nun, wenn das so ist, dann bleiben ich und die Matriarchinnen offenbar Schiffe, die sich auf hoher See begegnen, die Flagge zum Gruß dippen, und dann in verschiedene Richtungen weitersegeln*

        Das ist doch wieder sehr weiblich gedacht.

        Ich würde die Piratenflagge aufziehen, eine Breitseite hinüberschicken und den Weiberkahn entern.

        Warum?

        Um auszuprobieren, ob ich’s kann.

        Ich glaube, jetzt weiß ich, warum Matriarchate absaufen.

        Ohne Piraten wäre die Welt eine andere.

  4. „Ich finde du machst die Gleichen Fehler wie alle patriarchal geprägten Denkenden. Soll heißen: Mit dem Denken kann man das matriarchal geprägte Denken nicht verstehen.“

    Wenn man einander von vornherein nicht verstehen kann, sollte man konsequenterweise auch auf jede Diskussion verzichten.

      • „Mit dem Denken kann man das matriarchal geprägte Denken nicht verstehen.“

        Natürlich nicht. Man müsste sich ja auch das Hirn verknoten, um derartige Substanzlosigkeit zu verstehen.

      • Nun ja, das setzt aber zumindest voraus, dass man über beiderseits anerkannte Rationalitätsmaßstäbe verfügt. Dass der Satz vom Widerspruch für beide Seiten gültig ist, muss z.B. vorausgesetzt werden, wenn man einander überhaupt verstehen will. Dieser Satz ist nun seinerseits zuerst von Aristoteles expliziert worden, also von einem Mann. Gehört er damit der patriarchalen Denkweise an?

      • Gehört er damit der patriarchalen Denkweise an?

        Ich denke schon, denn zu seiner Zeit fand so weit ich weiß kein Diskurs zwischen matriarchalen und patriarchalen Weltanschauungen statt.
        Außerdem beschäftige er sich hauptsächlich mit Logik, Wissenschaftstheorien, Rhetorik, Naturlehre, Metaphysik, Ethik, Staatslehre und Dichtungstheorie.

  5. „Daran hat auch seit Kolumbus der westliche Imperialismus nie Interesse gehabt.“

    Und was ist mit dem östlichen Imperialismus?

  6. Du kriegst da glaub ich einiges nicht auf die Reihe.

    Wenn 1) die Geltung des Satzes vom Widerspruch Voraussetzung jeder Kommunikation ist, 2) Dieser Satz Bestandteil der patriarcheln Denkweise ist, und 3) patriarchale und matriarchale Denkweise unvereinbar sind, dann ist die Schlussfolgerung unvermeidbar, dass keine Kommunikation zwischen beiden möglich ist. Und dann versteh‘ ich nicht, was du eigentlich willst?

    N‘ bischen Beschäftigung mit Logik würde dir vielleicht ganz gut tun.

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