Sex, Autorität und die Libido mächtiger Männer

Ein Interview im Spiegel zu Sex und Autorität, hohen Positionen und Macht:

Mächtige Männer haben sowohl eine hyperaktive Libido im Vergleich zu normalen Männern als auch eine größere Bereitschaft, darauf zu spekulieren, dass sie überall und jederzeit mit ihren sexuellen Aktivitäten davonkommen können. Macht ist ein starkes Aphrodisiakum. Mächtige Männer erwarten quasi automatisch, dass andere Menschen ihre Wünsche erfüllen. Sex ist bloß ein Teil dieses Spiels. Auch mächtige Frauen haben einen überdurchschnittlichen sexuellen Appetit.

(…)
Männer, die schließlich eine Machtposition erreicht haben, haben zweifellos starke Ambitionen in dieser Beziehung, und sie benötigen eine gewisse Risikobereitschaft, ja sogar Skrupellosigkeit. Meiner Meinung nach ist es aber die Machtposition an sich, die Männer arrogant, narzisstisch und egozentrisch macht, ihnen einen übermäßigen Sexualtrieb verleiht, der sie paranoid und despotisch macht und gierig auf noch mehr Macht, auch wenn es Ausnahmen zu dieser Regel gibt. Mächtige Männer haben im Allgemeinen ein scharfes Auge für weibliche Schönheit und Anziehungskraft, und Frauen fühlen sich im Allgemeinen von mächtigen, erfolgreichen, berühmten, reichen Männern angezogen. Jede „willige“ Frau bestätigt die Macht eines mächtigen Mannes.

(…)

Die meisten mächtigen Männer brauchen nicht zu vergewaltigen, denn sie haben viel häufiger einvernehmlichen Sex als der Durchschnittsmann. Das schließt nicht aus, dass einige mächtige Männer es wegen des Nervenkitzels machen oder weil sie sehen möchten, ob sie damit durchkommen. Nahezu alle Studien, die sich mit Vergewaltigung befassen, zeigen, dass es machtlose und ausgestoßene junge Männer sind, die vergewaltigen.

Mir fehlt hier natürlich ein wichtiges Stichwort: Testosteron.

Testosteron erhöht die Libido und das Selbstvertrauen sowie das Statusdenken. Männer mit hohem Testosteron wollen häufig weit nach oben und trauen sich dies auch zu (oder anders herum). Eine hohe Position dürfte zudem den Testosteronausstoß auch häufig noch erhöhen.

Es verwundert insoweit auch nicht, dass Frauen, die viel Testosteron haben, sich in der männlichen Berufswelt besser zurechtfinden und wegen des höheren Testosterons dann wieder eine höhere Libido haben. Sie haben nur den Nachteil, dass Macht für Männer bei einer Frau nicht erregend ist, im Gegensatz zu Frauen.

Allerdings ist es nicht die Macht allein, die attraktiv macht. Sie muss mit einem entsprechenden Verhalten kombiniert sein. Ein Grund, warum Berlusconi sicherlich für viele Frauen in seinem Umfeld attraktiver wirkt als zB Bill Gates oder Zuckerberg (ich habe natürlich alle drei nicht getroffen, aber würde dies aus der über die Medien vermittelten Perspektive so sehen).

7 Gedanken zu “Sex, Autorität und die Libido mächtiger Männer

  1. Was mich interessieren würde ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Führt also viel Testosteron zu einer hohen Stellung oder führt eine hohe Stellung zu viel Testosteron.

    Ich könnte mir vorstellen, dass es für Leute in niedrigen Stellungen Nachteilhaft sein kann, zu viel Testosteron zu besitzen, da sie sich so eher mal eine negative Reaktion von oben einfangen.

    OT: Da sich unter den Lesern dieses Blogs wohl noch einige befinden, die auch den Scientific Fundamentalist (http://www.psychologytoday.com/blog/the-scientific-fundamentalist) lesen, dürfte folgende Information von Interesse sein:

    Satoshi Kanazawa, der Autor des Blogs, befindet sich zurzeit wegen eines Blog-Eintrags über die sexuelle Attraktivität von schwarzen Frauen unter heftigem Beschuss:

    http://www.guardian.co.uk/world/2011/may/19/lse-academic-triggers-race-row

    In der heutigen politisch korrekten Zeit könnte ihn das durchaus seinen Job kosten. Hoffen wir mal das beste für ihn.

    • Darum erscheinen wohl auf seinem Blog seit einiger Zeit keine neuen Einträge mehr.

      Politisch Korrekte schaffen offenbar immer erfolgreicher die Meinungsfreiheit ab.

      Allerdings ist der Vorwurf, er habe bei seiner Auswertung nicht die Gruppenzugehörigkeit der Bewerter berücksichtigt, berechtigt.

      Das aber kann man kritisieren ohne Inquisitonsverfahren.

      Reicht ja, ihn mit dieser Oberflächlichkeit zu blamieren.

      Zum Teufel mit politischer Korrektheit, die mehr und mehr zur Jakobinerherrschaft entartet.

      • Tatsächlich hat er meiner Meinung nach die Tendenz, vorschnellen zu Schlussfolgerungen zu springen. Das wird ihm aber nur zum Verhängnis, weil er sich gegen den Zeitgeist richtet. In den Gender-Studies wäre er damit sicher durch gekommen.

        Ich habe Kanazawas Blog trotz kleiner Schwächen immer gern gelesen, aber wenn die LSE ihn raus schmeißt, dann wird man ihn von Psychology Today aus wahrscheinlich auch seinen Blog schließen.

    • @Prometheus, der da geschrieben hat: „Was mich interessieren würde ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Führt also viel Testosteron zu einer hohen Stellung oder führt eine hohe Stellung zu viel Testosteron?“

      Weder noch. Es gibt, unakademisch gesagt, haufenweise dumme Unterschicht-Männer, denen das Testo fast sichtbar bei den Ohren rausschschäumt. Ich denke da an den Typ GTI-fahrender Fußballfan und Goldketterlträger.

      Die, aus denen eher nix wird, die aber trotzdem alles schnakseln wollen, was nicht bei „drei“ auf dem Baum sitzt!

      • Sollte die Stellung in der Rangordnung Einfluss auf das Testosteron-Niveau haben, so kann dies nur die Stellung relativ zu den Leuten sein, mit denen man unmittelbar zusammenlebt. Die meisten Mitglieder der Unterschicht haben nur Kontakt zu ihresgleichen. Das abstrakte Wissen, dass es da irgendwo Top-Manager mit höherem Status gibt, hat sicher keinen Einfluss auf den Hormon-Haushalt. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass ein Leben als Büro-Drohne den Testosteron-Spiegel senkt. In diesem Fall befindet sich ja im unmittelbarem Umfeld ein Chef, der Fehltritte ahnden kann.

        Sollte die Stellung in der Rangordnung den Hormon-Haushalt beeinflussen, so wäre dies eine Evolutionäre Anpassung, dementsprechend gilt das Savanen-Prinzip. Da die Menschen während des Großteils ihrer Entwicklung nicht in Gesellschaften mit Millionen von Mitgliedern gelebt haben, kann es auch keine Anpassung an die Stellung in der Gesamtgesellschaft gegeben haben. Da Menschen aber fast ihre gesamte Entwicklungsgeschichte in kleinen Gruppen verbracht haben, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich auf dieser Ebene entsprechende Mechanismen herausgebildet haben.

  2. Ja, ich denke, es sind die Persönlichkeitsmerkmale, die in einem konkurrenzgeprägten System den Erfolg begünstigen, die gleichzeitig auf sehr viele Frauen, an Männern wahrgenommen, sexuell erregend wirken, dieses Zurschaustellen von Potenz, ein gewisser frecher, aggressiver Siegercharme, eine möglichst ein wenig ironisch eingehegte Hoppla-jetzt-komm-ich-Haltung.

    Und gleichzeitig begünstigt der Erfolg im System (Statusgewinn und Aufstieg in der Hierarchie) wieder das Ausbilden/Zeigen dieser Persönlichkeitmerkmale.

    Der Erfolg nährt den Erfolg, treibt den vielleicht ohnehin schon hohen Testosteronspiegel noch weiter in die Höhe, erhöht Selbstbewusstsein, Siegesgewissheit, Konkurrenzlust.

    Wer häufiger gewinnt als verliert, liebt den Wettbewerb noch mehr, scheut ihn nicht nur nicht, sondern sucht ihn, sucht die Herausforderung.

    Mann wird noch attraktiver für noch mehr Frauen, attraktivere Frauen.

    Das kann natürlich zur Sucht werden, in’s Negative überkippen.

    Auch hier gilt es Maß zu halten.

    Ein Mechanismus, der andererseits für Frauen so nicht funktioniert, weil sie selbst so nicht funktionieren (unter Konkurrenzbedingungen eher weniger gut, weshalb Frauen Konkurrenz eher ausweichen als Männer, eher und früher als belastend/stressig empfinden – frauendominierte Bereiche sind konkurrenzgedimmte Bereiche, die gerade darum in einer anderen Weise, in einer entgegengesetzten Richtung, verlottern und verludern als männdominierte Bereiche verlottern und verludern).

    Sollte Testosteron hier die Haupteinflussgröße sein, wären die Phänomene leicht erklärlich, auch Frauen mit hohem Testosteronspiegel haben viel weniger davon als Männer, außerdem begünstigt ein hoher Testosteronspiegel bei Frauen die Herausbildung von psychischen und physischen Merkmalen, die Männer im Schnitt eher als unattraktiv bewerten.

    Testosteron allein kann es jedoch nicht sein, denn es gibt unbestreitbar etliche Frauen, die konkurrenzlustiger sind als etliche Männer (Tippse gehört weiß Gott nicht dazu) und trotzdem viel weniger Testosteron haben als jeder Mann.

    Einige dieser Frauen erscheinen mir auch attraktiv.

    Es könnte aber auch durchaus sein, dass Testosteron bei Frauen psychisch stärker wirkt als bei Männern (geringere Dosis – stärkere Auswirkung).

    Jedenfall, was Männer bei Frauen schön macht, macht Frauen bei Männern hässlich (tendenziell).

    Männer suchen und begehren in Frauen etwas anderes als Frauen in Männern.

    Zusammen kann sich das hervorragend ergänzen.

    Gleichstellung in Freiheit ergäbe sich nur, wenn dieser fundamentale Unterschied im Begehren verschwände.

    Eine Möglichkeit dazu sehe ich nicht.

    Die immer krampfigeren Versuche, „normale“ Jungen zu verweiblichen („Entdecke Deine Weiblichkeit“) und „normale“ Mädchen zu vermännlichen („Go, girl, go“) erschienen mir nur albern, wenn sie nicht so deletäre Auswirkungen besonders für Jungen hätten.

    Dass es auch, der natürlichen Variabilität entsprechend, immer von vorneherein eher „männliche“ Mädchen und eher „weibliche“ Jungen gab und gibt, ändert daran nichts.

    Nur sind das Minderheiten innerhalb ihres Geschlechtes und ihre Zahl lässt sich durch Erziehung/Social Engineering nicht vermehren, denn sie sind von Natur aus so.

    Ihre Existenz ist kein Argument für die Behauptung, die Regel, dass Männer männlich sind und Frauen weiblich (in ihrer Persönlichkeitsstruktur, nicht nur in ihrer Physis), könne dekonstruiert/außer Kraft gesetzt werden.

    Und dann finden die meisten Frauen auch noch männliche Männer und die meisten Männer weibliche Frauen attraktiver als „weibliche“ Männer oder “ männliche“ Frauen.

    Ein einziges Verhängnis für FeministInnen.

  3. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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