Gesellschaftliche Konstruktion der Geschlechter unter dem Gesichtspunkt der Schuldzuweisung

In einem Kommentar weist Nick auf einen Aspekt der gesellschaftlichen Konstruktion der Geschlechter hin, der meiner Meinung nach auch einigen feministischen Theorien zugrunde liegt:

Wenn es nur die „falsche Erziehung“ wäre, dann müsste es ja Männer geben die „richtig erzogen sind“, folglich müsste man Männer differenziert betrachten. Es wäre doch wieder für jeden individuellen Mann der Nachweis der Bösartigkeit erforderlich. Daraus lässt sich keine Kollektivschuld stricken, und somit auch keine Reparationsleistung von jedem individuellen Mann einfordern.

Es muss also ein unabwendbarer, schicksalshafter Mechanismus konstruiert werden, der einerseits ausnahmslos auf die Feindgruppe wirkt, und andererseits ausnahmslos die „überlegenere Rasse“ verschont.

In der Tat braucht man für eine Kollektivschuld ein unabwendbares Schicksal und ich denke durchaus, dass dieser Gedanke bei der Anziehung einiger Theorien eine entscheidende Rolle gespielt hat. Will man das „Feindbild Mann“ bzw. Patriarchat, dass einige feministische Theorien nutzen, erfolgreich aufrechterhalten und den Männern die Verantwortung dafür auferlegen, dann sind Theorien attraktiver, die keine Einzelbetrachtung erforderlich machen.

Ich hatte bei den Privilegien und dem „wohlwollenden Sexismus“ schon mal einen ähnlichen Mechanismus vermutet. Auch dort ist über den Begriff des wohlwollenden Sexismus eine Opferrolle der Männer vermieden worden.

Auch die „Rape Culture“ geht meiner Meinung nach in die gleiche Richtung. Weil eine gesamte Kultur geschaffen worden ist, die die Vergewaltigung erst ermöglichst und wir in einer Männerkultur leben, das Patriarchat letztendlich darauf angewiesen ist, die Vergewaltigungskultur zu schaffen um so seine Macht zu stützen, sind auch wieder diverse Schutzmaßnahmen für alle Frauen berechtigt und diese allgemein mehr Opfer.

Über die weitergehende feste gesellschaftliche Geschlechterrollenkostruktion erreicht man klare nach Geschlechtern zu trennende Schuldzuweisungen. Es kann dem Mann eine Kollektivschuld zugewiesen werden, die dann auch kollektive Schutzmaßnahmen für alle Frauen rechtfertigt. Im Rahmen einer Beweislastumkehr können dann einige Männer evtl. nachweisen, dass sie jetzt nicht mehr Schuld sind, weil sie hart daran arbeiten, ihre Geschlechterrolle zu dekonstruieren.

Connell beispielsweise hat die „hegemoniale Männlichkeit“ durch seine Geschlechtsumwandlung abgeschüttelt. Andere männliche Feministen schildern den harten Kampf gegen das männliche Privileg bei sich selbst, dessen sie sich nur durch tägliche harte Arbeit zwar bewußt werden, dass sie aber niemals ganz aufgeben können.

Bedazzled

Der „sensibelste Mann der Welt“ Wunsch in „Bedazzled„.

Alison: „You wanna know why Elliot!? It’s because you’re TOO SENSITIVE! I’m about to go outta my mind. I like spending time with you and God knows I love you but enough is enough. All I want is a guy who will take advantage of me and who just pretends to be interested in who I am and what I think so he can get into my pants…“

Bully: „That would be me.“

Finde ich lustig.