Genderdiskurse sind nicht objektiv. Sollten sie aber sein.

Antje Schrupp spricht sich gegen eine Objektivität der Genderdiskurse aus.

Das sie damit gegen biologische Studien ist ergibt sich fast von selbst:

Besonders schlimm ist das natürlich im biologistischen Umfeld, wo Hirn- oder GenforscherInnen irgendwelche Versuchsreihen veranstalten und am Ende kommt heraus, dass Frauen so und Männer so sind und dass Gene, Hormone, Gehirnströme oder was auch immer dafür verantwortlich wären, aber jedenfalls nicht die Frauen und Männer selber.

Das gibt meiner Meinung nach die biologischen (nicht: biologistischen) Theorien nicht richtig wieder, die natürlich die Verantwortung für bestimmte Verhalten immer noch bei den einzelnen Menschen sehen, aber gleichzeitig Erklärungen dafür bieten, warum die Geschlechter andere Interessen und Fähigkeiten haben und daher auch andere Prioritäten im Leben setzen. Es geht eben nicht um einen Determinismus, sondern nur ein disponieren.

Aber auch in den Sozialwissenschaften sieht sie das Prinzip am Werk:

Zwar sehen sie immerhin, dass Frausein und Mannsein gesellschaftliche Konstruktionen sind, allerdings verzetteln sich dann leicht in dem Bemühen, die Art und Weise dieser Konstruktionen zu beschreiben. Am Ende führt das zu dem Ergebnis, dass sich eigentlich überhaupt keine sinnvollen Aussagen zur Geschlechterdifferenz treffen lassen und man die Worte „Frau“ und „Mann“ eigentlich nur noch in Anführungszeichen benutzen kann.

Insoweit sicherlich nicht überraschend von einer Differenzfeministin.

Das weitere Argument ist, dass es keine neutrale Diskussion geben kann, weil wir alle als Mann oder Frau betroffen sind. Das halte ich für falsch, gerade aus der biologisch/medizinischen Forschung gibt es einiges an Experimenten, die man sehr objektiv durchführen kann und die zumindest die Grundfragen klären. Wenn Transsexualität eine genetische und vererbbare Ursache hat, dann kann man das schlecht subjektiv sehen. Es ist ein objektiver Fakt.

Antje Schrupp verkennt hier meiner Meinung nach, dass man Aussagen über Männer und Frauen im Schnitt treffen kann, ohne dass sie einen direkt entsprechen müssen. Weil Mann und Frau eben nicht bereits durch ihren Phänotyp bestimmt sind und lediglich die Ausprägung bestimmter Fähigkeiten bei Mann und Frau verschieden ist, es handelt sich um zwei Normalverteilungen mit unterschiedlichen Mittelwert, deren Träger überlappen.

Wenn man bereit ist zu akzeptieren, dass Mann und Frau nicht das sein müssen, was man selbst ist und man nicht selbst wie alle Frauen und Männer sein muss, sondern auch zB an deren Extrembereichen liegen kann, dann kann man das Thema auch objektiv sehen. Und eine Diskussion so weit von sich selbst zu lösen, sollte einem verständigen Diskutanten eigentlich möglich sein.

Die Feststellung, wie Frauen und Männer im Schnitt sind muss eben keinen Einfluss auf einen selbst haben.