Anekdoten zum Liebeskummer

Zwei Geschichten:

1.

Wir ziehen sie etwas auf, weil sie nachdem ihr Freund X mit ihr Schluss gemacht hat besoffen mit Y rumgemacht hat

Sie: Ich habe nur mit ihm rumgemacht, solange noch Leute in der Näher waren, die X kennen. Ansonsten hätte ich den nie an mich rangelassen. Aber X sollte nicht denken, dass ich ihm nachtrauere. Dann habe ich Y erzählt, dass ich meine Tage habe und ihn stehenlassen.

2.

Seine Freundin hat sich von ihm getrennt. Er hat Liebeskummer. Das hindert ihn nicht jede Nach eine Frau abzuschleppen und sie nach ein paar Tagen bzw. Nächten fallen zu lassen. Er hat keine Pickupkenntnisse, aber Game, ein Natural eben. Zu hart vielleicht, aber das System funktioniert für ihn und er wäre auch nicht der Typ, der ein Buch lesen würde. Ihm ist alles egal, er geht unbeschwert auf alle zu, lacht über ihre Shittests, ist vollkommen unbeeindruckt von allem, was die Frauen machen. Sie saugen es auf und verlieben sich schnell um dann nach ein paar Tagen zu hören, dass er leider keine Gefühle für sie hat. Aber dennoch telefoniert er täglich mit seiner Ex und will sie zurück, bittet darum sie häufiger anrufen zu dürfen, hält sich strikt an Zeiten, die sie ihm zuteilt, ist froh, wenn sie fünf Minuten mit ihm telefoniert, wenn sie Lust hat. Sie will ihn nicht zurück.

Ich frage ihn, warum er nicht auch etwas mehr von dem System anwendet, was ihn bei den anderen Frauen so erfolgreich macht, und sie mehr kommen lässt, sich etwas zurückhält, ihr zeigt, dass er unabhängig ist und nicht ihr Fussabtreter. Freundinnen bestätigen ihm, dass nichts unsexier ist, als ein Fußabtreter.

Er: Die anderen Frauen bedeuten mir nichts, sie interessieren mich nicht, ich finde sie bereits kurz nach dem Sex langweilig. Aber sie liebe ich.

Kriterien für ein Matriarchat

Das Matriarchat ist nach ursprünglicher Definition  ist eine gynozentrische Gesellschaftsstruktur, in der entweder Frauen die Macht innehaben oder die frauenzentriert ist, die Gesellschaftsordnung also um die Frauen herum organisiert ist.

Ähnlich wie beim Patriarchat, bei dem es ebenso ursprünglich darum ging, dass Männer die Macht haben, ist diese Definition aber politisch umgedeutet worden, so dass ein Matriarchat nunmehr keine Machtfrage ist, sondern für davon unabhängige Strukturen steht.

Nach Heide Göttner-Abendroth gelten gegenwärtig die folgenden Kriterien für Matriarchate:

Soziale Merkmale: Die Sippen sind matrilinear strukturiert (Abstammung von der Mutterlinie) und werden durch Matrilokalität und Uxorilokalität zusammengehalten (Wohnsitz bei der Mutterlinie). Ein Matri-Clan lebt im großen Clanhaus zusammen. Biologische Vaterschaft ist neben der sozialen Vaterschaft zweitrangig.

Das die Abstammung von der Mutterlinie genau so unmodern und nicht besser ist als eine Abstammung von der Vaterlinie geht dabei gerne unter. Eine moderne Gesellschaft sollte wohl einfach beide Abstammungen, die von der Mutter und dem Vater berücksichtigen. Und das solche Gesellschaften relativ starre Regeln haben, bei denen man eben in einem Clanhaus zusammenleben muss, was ich zB nicht wollte, erscheint mir auch nicht häufig thematisiert zu werden.

Politische Merkmale: Das politische System basiert auf Konsensdemokratie auf verschiedenen Ebenen (Sippenhaus, Dorf, Regional). Delegierte agieren als Kommunikationsträger zwischen den verschiedenen Ebenen. Es handelt sich um so genannte segmentäre Gesellschaften, die sich durch das Fehlen einer Zentralinstanz auszeichnen (regulierte Anarchie).

Das erklärt immerhin, warum Matriarchate nicht groß werden können. Ihnen fehlt eine größere planende Instanz, die man für eine Infrastruktur und ähnliche Errungenschaften der modernen Welt braucht. Eine Autobahn zu planen ohne eine Zentralinstanz wird beispielsweise kaum möglich sein. Was das ganze allerdings mit einem Matriarchat zu tun hat erschließt sich mir nicht. Ich denke es gibt genug Frauen, die gerne mit einer zentralen Verwaltung leben und ein Repräsentationsprinzip für gut befinden. Die Behauptung, dass Anarchie gerade sehr weiblich ist, setzt eigentlich fast zwangsläufig einen Differenzfeminismus voraus und würde sicherlich in gleichheitsfeministischen theoretischen Abhandlungen abgelehnt werden müssen. Schließlich kommt es in der konstruierten Gesellschaft nur auf die Erziehung an, so dass die Vorstellung, dass Frauenstaaten anders organisiert sein müssen als Männerstaaten eigentlich inkonsequent wäre.

Ökonomische Merkmale: Es handelt sich meistens um Garten- oder Ackerbaugesellschaften. Es wird Subsistenzwirtschaft betrieben. Land und Haus sind im Besitz der Sippe und kein Privateigentum. Die Frauen haben die Kontrolle über die wesentlichen Lebensgüter. Das Ideal ist Verteilung und Ausgleich und nicht Akkumulation. Dieser Ausgleich wird durch gemeinschaftliche Feste erreicht. Es handelt sich um so genannte Ausgleichsgesellschaften.

Eine Gesellschaft, die über eine Garten- und Ackerbaugesellschaft hinauskommt, bekommt damit schon einmal einen Abzugspunkt auf der Matriarchatsskala. Vielleicht ein Grund, warum „Patriarchate“ so beliebt auf der Welt sind, auch wenn Frauen mehr als die Hälfte der Wähler in freien, unabhängigen und geheimen Wahlen stellen. Denn welche Frau würde schon gerne ihre Konsumgesellschaft für eine Garten- und Ackerbaugesellschaft aufgeben? Immerhin hätte man da auch den Beleg, dass Matriarchate sexistisch sind, denn Frauen die Kontrolle über die wesentlichen Lebengüter zu geben ist zunächst einmal genau das: Sexismus. Und umgekehrt einer der beliebtesten Vorwürfe des Feminismus gegenüber dem Patriarchat. Das es dann gerecht sein soll, wenn es umgekehrt ist, dass lässt sich wohl eben auch nur mit einem Differenzfeminismus erklären, indem die Frauen besser sind als die Männer. Auch hier sollte eine Gleichheitsfeministin angewidert den Kopf schütteln, wenn sie ihre Theorie ernst nimmt und für eine Gleichberechtigung eintritt.

Weltanschauliche Merkmale: Der Glaube, in der eigenen Sippe wiedergeboren zu werden, und der Ahnenkult bilden die Grundlage der religiösen Vorstellungen. Die Welt gilt als heilig. Die Erde als die Große Mutter garantiert die Wiedergeburt und Ernährung allen Lebens. Sie ist die eine Urgöttin, die andere Urgöttin ist die kosmische Göttin als Schöpferin des Universums. Es handelt sich um sakrale Gesellschaften.

Widerliche Mutterverklärung. Das eine atheistische Gesellschaft anscheinend kein Matriarchat sein kann ist insoweit auch interessant. Auch hier scheint mir die Sichtweise nur bei einem Differenzfeminismus aufrecht zu halten zu sein. Denn ansonsten macht der hier vertreten Mutter Mythos schlicht keinen Sinn.

Die Matriarchatsforschung legt damit mit ihren Kriterien einen Unterschied zwischen Mann und Frau zugrunde. Das Antje Schrupp sich damit anfreunden kann, verwundert im Prinzip nicht. Oder er ordnet positive Kriterien ohne weitere Begründung Männern und Frauen zu, was aber den Begriff Matriarchat beliebig macht.

Interessant finde ich auch, dass auf den größeren feministischen Blogs, die ja allesamt keinen Differenzfeminismus vertreten, keine Kritik hierzu kommt. Interne Kritik im Feminismus ist eben unerwünscht.

Eine weitergehende Liste der Anforderungen hat Inge Jahn auf ihrer Seite:

  • Matrilokalität
  • Matrilinearität
  • volle Verfügungsgewalt der Frauen über den eigenen und den Gemeinschaftsbesitz
  • Sippe/Clan statt Kleinfamilie
  • sexuelle Unabhängigkeit und Freiheit beider Geschlechter (Anmerkung von mir: es gibt keine Prostitution und keine Vergewaltigungen)
  • Besuchs- und Gruppenehe statt Monogamie
  • Gewaltfreiheit, konstruktiver Umgang mit Aggression
  • Macht bedeutet Kompetenz und Verantwortung
  • keine schriftlichen, stehts bindenden Gesetze, sondern Konsensgesellschaften
  • Freigebigkeit, Gegenseitigkeit, Verhinderung von Hierarchien (Anmerkung von mir: Besitz wird zum Wohle aller verwaltet, er dient nicht zur Bereicherung einzelner)
  • Individualität, Autonomie, Respekt, Einbringen in die Gemeinschaft
  • Ritual, Alltag und Freizeit gehen ineinander über
  • Gemeinschaften in überschaubaren Größen
  • keine Exekutive, auch in zentralistischen Gesellschaften
  • Egalität mit Überwiegen der weiblichen Werte und damit der weiblichen Personen
  • Göttin als Personifizierung der Schöpfung
  • aktiv gesehene Weiblichkeit
  • Fruchtbarkeit bedeutet „Fülle des Lebens“ nicht „Wachstum“
  • Mutterschaft wird gemeinschaftlich aufgefasst
  • zyklisches Denken und Feiern (im Rhthmus der Jahreszeiten, der Sonne und des Mondes, manchmal bestimmter Sterne)

Einen Großteil der Punkte hatten wir bereits oben. Meiner Meinung nach sind viele der Kriterien eher Anzeichen für eine kleine Gemeinschaft mit hohem Bekanntheitsgrad untereinander, was allein Vergewaltigung und Prostitution reduzieren wird, weil eine höhere soziale Verantwortung entsteht. Das beides verschwindet glaube ich allerdings nicht. Wahrscheinlich findet es nur weniger offensichtlich statt. Das Macht Kompetenz bedeutet dürfte auch ein frommer Wunsch sein. All dies erscheint eher eine Verklärung zu sein, als eine real existierende Gesellschaft. Gegen das Argument, dass es diesen oder jenen Punkt in matriarchalischen Gesellschaften nicht oder doch gibt, lässt sich dann zumindest das alte „No true Scotsman“-Argument anführen.

Es wäre einmal interessant, eine Umfrage zu machen, wie viele Frauen so leben wollen. Mal sehen was zumindest die Leser des Blogs denken, ich füge daher eine Umfrage bei. Dabei sind Männer und Frauen der besseren Übersicht halber getrennt.

Die Umfrage für Männer:

 

Die Umfrage für Frauen:

Begründungen zur Abstimmung natürlich gerne in den Kommentaren. Kleine Anregung: Wenn ja: Was überzeugt euch besonders? Wenn nein: welches Merkmal schreckt euch am meisten ab?

Pickup und zielgerichtetes, bewusstes Verhalten, das auf eine positive Reaktion aus ist

Einer der immer wieder vorgebrachten Kritikpunkte (neben anderen) gegen Pickuptechniken  ist, dass es zu zielgerichtet und damit nicht mehr normal ist. Man beeinflusse den anderen mit Verhaltensweisen, die nur auf eine bestimmte Reaktion abzielen und daher nicht mehr normales menschliches Verhalten sind.

Khaos.Kind fasst dies in einem Kommentar so:

Ich werde gern wie ein normaler Mensch behandelt und nicht wie ein „ich pack jetzt das aus meinem Repertoire aus, damit du dich wohl fühlst und wir später intimer werden“-Bonuspaket.

Da stellt sich bei mir die Frage, was in einer auf einen Flirt ausgerichteten Kommunikation zwischen an einander interessierten Personen oder bei Aktionen von Personen untereinander überhaupt „normal“ und nicht mehr Repertoire ist.

Nach den subjektiven-dekonstruktivistischen Theorien wäre ja aufgrund gesellschaftlicher Prägung immer ein in der Gesellschaft entwickeltes Verhalten vorhanden. Danach können wir im Prinzip nicht geschlechtsneutral handeln und den anderen auch nicht geschlechtsneutral wahrnehmen.

Die Mächtigen geben die Gesellschaftsrollen vor, die ihre Macht absichern und sorgen dafür, dass die Erfüllung dieser Vorteile für die Leute bringt, damit diese so ihre Macht absichern können. Wir haben dann hegemoniale Männlichkeit, Nutznießer dieser, jeder hat seinen Platz im System. Was ist also eine Behandlung wie ein Mensch, gerade im Geschlechterverhältnis?

Ist die Einladung zum Kaffee oder zum Essen von einem Mann an eine Frau ein zielgerichtetes Verhalten, mit dem er sie beeinflussen will? Ist der Push-Up-Bh, der sportliche Körper eine Beeinflussung? Ist der feste, selbstbewußte Händedruck bereits darauf ausgerichtet ein Signal zu vermitteln?

Und was ist Respekt? Wenn man einen anderen respektvoll und „menschlich“ behandelt, tut man dies dann nicht, damit der andere einen als jemanden wahrnimmt, der sich respektvoll und menschlich verhalten kann und daher eine positive Einstellung ihm gegenüber hat?

Warum unterscheidet sich das dann z.B. von einem Necken oder Neggen, bei dem man ebenfalls will, dass der andere einen respektiert?

Die Abgrenzung verläuft hier eher zwischen anerkannten Praktiken und nicht anerkannten Praktiken.

Hier könnte man anführen, dass es das Wissen um die Reaktion ist und die Zielgerichtetheit. Aber wir wissen bei den allermeisten Verhalten wie der andere darauf in etwa reagieren wird und planen sein Verhalten und die gewünschte Reaktion mit ein. Der eine macht es bewusster, weil er gut mit Menschen umgehen kann und die Strukturen dahinter erkannt hat, der andere unbewusster, wieder andere gar nicht und ecken an.

Die asiatische Verneigung beispielsweise ist eine entwaffnende Demutsgeste. Aber inzwischen vollkommen akzeptiert, so dass sie nicht mehr als solche gilt. Das Händeschütteln ist ein rituelles herstellen eines Körperkontaktes, damit ein gewisser Abbau von Hemmungen, auch ritualisiert. Das gemeinsame Essen in einem Restaurant ist das Herstellen eines Sättigungsgefühls zur Steigerung des Wohlbefindens. Auch ritualisiert.

Höflichkeit ist nahezu immer mit gewissen Demutsgesten verbunden. „Entschuldigung, würden sie so freundlich sein, mir das Salz herüberzureichen“ ist daraufhin nicht schwer zu analysieren. Es fällt uns nur nicht mehr auf. Oder einer Frau die Tür aufzuhalten oder ähnliches.

Ich glaube es ist sehr schwer ein „normales und menschliches Verhalten“ zu finden, dass nicht einen tiefern Zweck hat und nicht in irgendeiner Form eine Beeinflussung darstellt.

Lächelnde Frauen und stolze Männer sind attraktiv

Eine Studie hat einen Unterschied bei der Bewertung von Gesichtsausdrücken zwischen Männern und Frauen gefunden. Bei Männern wirkt lächeln nicht attraktiv, Stolz hingegen schon. Bei Frauen ist es umgekehrt, lächeln ist attraktiv, Stolz nicht:

This research examined the relative sexual attractiveness of individuals showing emotion expressions of happiness, pride, and shame compared with a neutral control. Across two studies using different images and samples ranging broadly in age (total N  1041), a large gender difference emerged in the sexual attractiveness of happy displays: happiness was the most attractive female emotion expression, and one of the least attractive in males. In contrast, pride showed the reverse pattern; it was the most attractive male expression, and one of the least attractive in women. Shame displays were relatively attractive in both genders, and, among younger adult women viewers, male shame was more attractive than male happiness, and not substantially less than male pride. Effects were largely consistent with evolutionary and socio-cultural-norm accounts. Overall, this research provides the first evidence that distinct emotion expressions have divergent effects on sexual attractiveness, which vary by gender but largely hold across age.

Quelle: Happy Guys Finish Last: The Impact of Emotion Expressions on Sexual Attraction (PDF Volltext)

Die Forscher führen diese Ergebnisse auf folgende Ursachen zurück:

Previous studies have demonstrated a positive effect of happy displays on female attractiveness (Mueser et al., 1984; Penton-Voak & Chang, 2008; Schulman & Hoskins, 1986), but, to our knowledge, this is the first research to demonstrate a negative effect of male happiness displays on male attractiveness. This gender difference may be due to happy expressions’ appearance of femininity and low dominance (especially when shown by men; Becker et al., 2007; Hareli, Shomrat, & Hess, 2009), which would increase happy women’s apparent gender-norm consistency, and thus attractiveness, but decrease happy men’s (Brown et al., 1986). The friendliness signal sent by happy displays may also be relevant; if this message is taken to indicate sexual receptivity, it would increase women’s mate value, but potentially decrease men’s. If male sexual receptivity is, to some extent, taken for granted, a social communication along these lines may indicate neediness or desperation. Similarly, the gender difference in the relative attractiveness of pride expressions, which held across samples and studies, is consistent with both evolutionary and gender-norm principles. Given its associations with high-status (Shariff & Tracy, 2009; Tiedens Ellsworth, & Mesquita, 2000; Williams & DeSteno, 2009), the pride expression may convey heightened masculinity; its prototypical behavioral components of expanded chest and generally large appearance are notably male features, and similar features, such as upper-body strength, have been found to increase masculinity and male attractiveness (Li & Kenrick, 2006). Furthermore, by conveying high-status, pride may signal a man’s competence and ability to provide for a partner and offspring; in contrast, from an evolutionary perspective, the mate value of a high-status woman is more ambiguous. Though a woman high in status may be well equipped to attain resources for her partner and children, previous research suggests that men evolved to seek female partners who were best equipped to bear and raise children, but not necessarily to support them (Buss, 2008). Our finding of relatively low attractiveness ratings for female pride displays is consistent with this account; however, the absence of an absolute gender difference in pride attractiveness in Study 1 and Study 2 Sample A suggests that contemporary men do not judge pride-displaying women as unambiguously unattractive—particularly when women display pride in the akimbo-arms position—but, rather, as somewhat less attractive than women displaying certain other expressions.

Also auch hier im wesentlichen eine Sache von Status und Dominanz, die Männer attraktiv macht. Hingegen kann Freundlichkeit für eine zu starke „Neediness“ stehen, also für jemanden, der sich einschmeicheln will. Ich denke, dass es sicherlich auch mit der hier verwendeten Art der Freundlichkeit zusammenhängt. Pure Freundlichkeit kann sicherlich sexuelle Bedürftigkeit signalisieren. Ein Grinsen kann hingegen eine gewisse Freundlichkeit wiedergeben, aber ist gleichzeitig auch einen höheren Status signalisieren, es ist insoweit schwerer einzuordnen

Ein freches oder ein leichtes herausforderndes Grinsen wäre vor diesem Hintergrund für eine Folgestudie interessant, aber auch ein stolzer Blick, der weniger mit einer Siegerpose verknüpft ist. (zu den verwendeten Fotos siehe die Studie). Auch wäre interessant, wie ein weniger auf Offenheit als vielmehr auf „ich habe gerade Spass“ ausgerichtetes lachendes Gesicht abschneiden würde, vielleicht mit einem Gesichtsausdruck weg vom Betrachter.

Das Männer auf lächelnde Frauen stehen scheint mir auch logisch. Lächeln ist ein Zeichen von Sympathie und wenn sie den Mann schon sympathisch findet, dann lohnt es sich sie auch attraktiver zu finden um so die Gelegenheit zu nutzen. Gene, die bei einem Mann dafür sorgten, dass er Frauen attraktiver findet, die ihm wohlgesonnen sind, konnten sich sicherlich gut verbreiten.

Bei Frauen ist die Aussage des männlichen Lächelns dagegen ungewisser. Sie hat aus evolutionärer Sicht weniger von einem Interesse eines Mannes, da dies aufgrund des stärkeren Sexualtriebs des Mannes eh meist gegeben sein wird, wenn sie im Verhältnis zu ihm einigermaßen attraktiv ist. Desinteresse ist hier ein wesentlich stärkeres Signal.

Ich denke allerdings durchaus, dass ein stolzer Blick auch bei einer Frau sexy wirken kann, wohingegen die Siegerpose, die hier verwendet wurde etwas recht maskulines hat.

Die Forschungsergebnisse zum Thema Scham sind auch interessant:

The effect of shame expressions on attractiveness is more complex. In general, female shame displays fell between female happy and female pride (and above neutral) on attractiveness ratings; this finding fits with the assumption that shame’s low-status and submission connotations increase its apparent femininity, and thus the attractiveness of shame-displaying women. The positive impact of shame displays on female attractiveness also may be due to shame’s signaling of the expresser’s respect for social norms and her awareness that she has violated them (Gilbert, 2007). This appeasement message may indicate trustworthiness, a trait previously found to increase attractiveness when conveyed by facial expressions (Todorov, Said, Engell, & Oosterhof, 2008). The appeasement account also may explain the high levels of attractiveness of male shame displays. In all samples, shame-displaying men were equally or more attractive than men displaying neutral,happy, and, in Study 1, pride expressions. Given that gender norms cannot account for the attractiveness of male shame (the lowstatus/high social-sensitivity signal is gender atypical), shame’s communication of trustworthiness and group commitment may be what accounts for its relative attractiveness in men. This also fits with Zahavi and Zahavi’s (1997) handicap principle of evolved signals; the expression’s costliness (its low-status signal could endanger expressers) may simultaneously indicate its sincerity,leading women to place greater trust in men who show shame than, perhaps, those who show happiness. It is important to bear in mind,however, that the tendency for shame expressions to be recognized at a somewhat lower rate than happy or pride displays, and to beconfused with expressions of sadness and general self-consciousness or shyness, may also have contributed to these effects. For example, if either women or men interpreted shame displays as conveying sadness, and thus indicating an individual’s need for comfort and support, they may have found them attractive for this reason, given previous research suggesting that sympathy breeds attraction (Cunningham et al., 1990).

Also eigentlich die Angabe, dass man es hier noch nicht genau einordnen kann. Scham ist, wenn man es in der Pickupsprache ausdrücken will, vielleicht einfach ein „Willing to emote“, ein Zeichen von Gefühlen. Es kommt hier sicherlich darauf an, welcher Kontext damit verbunden ist. Vielleicht wirken Traurigkeit und Scham insoweit einfach über die Empathie, die ja üblicherweise bei Frauen höher ausgeprägt ist als bei Männern.

Interessant auch, dass sich bei Scham ein deutlicher Unterschied zwischen älteren und jüngeren Frauen zeigte. Jüngere Frauen fanden dies attraktiver. In der Studie wird gemutmaßt, dass man an der Schamreaktion gerade bei jüngeren Männern die Troublemaker erkennen kann, die sich häufiger über Regeln hinwegsetzen. Was dann dafür spricht, dass sie bereit sind so etwas zu tun und ihre Grenzen auszutesten, aber gleichzeitig noch ein Gefühl dafür haben, solche Regeln zu verletzen und sie daher nicht übermäßig strapazieren werden.

Die Studie habe ich über einen Bericht bei Arne Hoffmann gefunden. Dessen Kommentar dazu:

Über Jahrtausende etablierte Mechanismen lassen sich offenbar auch durch noch so viel Gender-Dekonstruktion nicht einfach beseitigen. Ich bin gespannt auf Christians Kommentar

Ich wiederum bin nunmehr gespannt auf eure Kommentare.

Sex, Autorität und die Libido mächtiger Männer

Ein Interview im Spiegel zu Sex und Autorität, hohen Positionen und Macht:

Mächtige Männer haben sowohl eine hyperaktive Libido im Vergleich zu normalen Männern als auch eine größere Bereitschaft, darauf zu spekulieren, dass sie überall und jederzeit mit ihren sexuellen Aktivitäten davonkommen können. Macht ist ein starkes Aphrodisiakum. Mächtige Männer erwarten quasi automatisch, dass andere Menschen ihre Wünsche erfüllen. Sex ist bloß ein Teil dieses Spiels. Auch mächtige Frauen haben einen überdurchschnittlichen sexuellen Appetit.

(…)
Männer, die schließlich eine Machtposition erreicht haben, haben zweifellos starke Ambitionen in dieser Beziehung, und sie benötigen eine gewisse Risikobereitschaft, ja sogar Skrupellosigkeit. Meiner Meinung nach ist es aber die Machtposition an sich, die Männer arrogant, narzisstisch und egozentrisch macht, ihnen einen übermäßigen Sexualtrieb verleiht, der sie paranoid und despotisch macht und gierig auf noch mehr Macht, auch wenn es Ausnahmen zu dieser Regel gibt. Mächtige Männer haben im Allgemeinen ein scharfes Auge für weibliche Schönheit und Anziehungskraft, und Frauen fühlen sich im Allgemeinen von mächtigen, erfolgreichen, berühmten, reichen Männern angezogen. Jede „willige“ Frau bestätigt die Macht eines mächtigen Mannes.

(…)

Die meisten mächtigen Männer brauchen nicht zu vergewaltigen, denn sie haben viel häufiger einvernehmlichen Sex als der Durchschnittsmann. Das schließt nicht aus, dass einige mächtige Männer es wegen des Nervenkitzels machen oder weil sie sehen möchten, ob sie damit durchkommen. Nahezu alle Studien, die sich mit Vergewaltigung befassen, zeigen, dass es machtlose und ausgestoßene junge Männer sind, die vergewaltigen.

Mir fehlt hier natürlich ein wichtiges Stichwort: Testosteron.

Testosteron erhöht die Libido und das Selbstvertrauen sowie das Statusdenken. Männer mit hohem Testosteron wollen häufig weit nach oben und trauen sich dies auch zu (oder anders herum). Eine hohe Position dürfte zudem den Testosteronausstoß auch häufig noch erhöhen.

Es verwundert insoweit auch nicht, dass Frauen, die viel Testosteron haben, sich in der männlichen Berufswelt besser zurechtfinden und wegen des höheren Testosterons dann wieder eine höhere Libido haben. Sie haben nur den Nachteil, dass Macht für Männer bei einer Frau nicht erregend ist, im Gegensatz zu Frauen.

Allerdings ist es nicht die Macht allein, die attraktiv macht. Sie muss mit einem entsprechenden Verhalten kombiniert sein. Ein Grund, warum Berlusconi sicherlich für viele Frauen in seinem Umfeld attraktiver wirkt als zB Bill Gates oder Zuckerberg (ich habe natürlich alle drei nicht getroffen, aber würde dies aus der über die Medien vermittelten Perspektive so sehen).