Ich bei Hatr.org

Die Seite Hatr.org hat ja schon einiges an Aufmerksamkeit bekommen (positive Besprechungen zB bei der Mädchenmannschaft, Andreame, Karnele, Piratenweib oder bei Onyx) . Sie soll dazu dienen, die Kommentare von Trollen zu sammeln. Troll ist eigentlich so definiert (Wikipedia):

Der Begriff Troll wird in der Netzkultur für eine Person verwendet, die mit ihren Beiträgen in Diskussionen oder Foren unter Umständen stark provoziert. Mutmaßliches Ziel des Trolls ist das Stören der ursprünglich an einem Sachthema orientierten Kommunikation und das Erlangen von Aufmerksamkeit.

Natürlich gibt es auf feministischen Blogs (und auch beliebigen anderen, die ein derart streitiges Thema haben) genug vollkommen hirnrissige Kommentare, die trolliger Natur sind. Die dort zu veröffentlichen hätte sicherlich nichts geschadet. Allerdings scheint man bei Hatr.org eine eher breite Sicht auf trollige Kommentare und Hass zu haben. Denn die weitere Beschreibung ergibt das Folgende:

Was wird auf hatr.org veröffentlicht?

Kommentare, die auf öffentlichen Blogs gepostet werden, sind für die Öffentlichkeit bestimmt und werden von hatr.org im Rahmen eines journalistischen Angebotes dokumentiert. Das können zum Beispiel Beleidigungen sein oder platte, immer gleiche Argumentationen über die wahren Opfer der Emanzipation.

Denn einige der dort veröffentlichen Kommentare scheinen mir recht sachlich zu sein und lediglich eine andere Meinung zu vertreten. (das scheinen auch andere so zu sehen, vgl. etwa die Berichte von Neumondschein, Romans Roter Mann, Arne Hoffmann und NilsTechBlog)

Auch auf Kirks Blog findet sich eine kritische Besprechung. Dort kommentierte ich:

Bei der Mädchenmannschaft und dem Mädchenblog sollte auch noch der ein oder andere meiner Kommentare in der Warteschleife stehen, wenn sie nicht längst gelöscht sind. Mal sehen ob ich es noch auf hatr.org schaffe, würde mich aber überraschen.

Auf Nachfrage von Kirk, was ich denn bösartiges gesagt haben könnte, erwiderte ich:

Bei meiner ersten Sperrung hieß es ich würde Vergewaltigungen verharmlosen, wenn ich mich recht erinnere.

Aber alle nicht veröffentlichten Kommentare dort hin zuverbannen, dass hätte was. Da würden sich denke ich einige schöne finden lassen

Vielleicht hat eine der Betreiberinnen mitgelesen und nachgesucht, vielleicht war es auch einfach nur Zufall, aber als ich dann mal bei Hatr.org nachschaute fand sich dieser Kommentar:

Christian

zur Rape-Diskussion:

Der Feminismus muesste meiner Meinung nach akzeptieren, dass

– Frauen nein sagen und ja meinen und damit auch einen Teil der Verantwortung fuer unerwuenschte sexuelle Handlungen uebernehmen sollten (wohlgemerkt fuer einen gewissen Teil, eine Vergewaltigung bleibt eine Vergewaltigung)

– es viele Faelle gibt, in denen das „Opfer“ luegt, weil es einvernehmlichen Sex nicht zugeben moechte zB weil die dort ausgefuehten Handlungen peinlich sind (in Amerika macht gerade ein Fall die Runde, wo eine Frau einen „gangrape“ angezeigt hatte, weil ihr Freund das mitbekommen hatte. Allerdings zeigten Videoaufnahmen der Tat, dass es freiwillig war).

Gleichzeitig moechte ich, ohne damit uebergriffe zu entschuldigen oder Maenner als nur triebgesteuert darzustellen, anfuehren, dass es ein „blue ball syndrom“ durchaus gibt. Ich glaube viele Maenner kennen das Gefuehl, dass sie sich nach dem Orgasmus fragen, warum sie das gerade so dringend wollten (oder auch nur, warum sie sich gerade einen so billigen Porno anschauen). Bei starker sexueller Erregung wird das denken (ob nur beim Mann oder auch bei der Frau waere diskussionswuerdig) sagen wir mal sehr fokussiert auf ein bestimmtes Handeln gerichtet

Wäre jetzt natürlich interessant, den Kontext zu lesen, keine Ahnung zu welchem Beitrag ich das geschrieben habe. Ich meine es war eine dieser „wie kann man Frauen nur nicht glauben, wenn sie sagen, dass sie vergewaltigt worden sind und warum lassen es Männer nicht einfach bei dem kleinsten Anzeichen eines Neins“-Diskussionen.

Aber im wesentlichen würde ich es auch heute noch unterschreiben, wenn wohl auch etwas anders formulieren.

Was ich meinte war, dass Frauen eben keineswegs deutlich kommunizieren. Dazu habe ich in diesem Blog bereits einiges unter dem Stichwort „Nein heißt nicht immer nein“ geschrieben. Dies sollte zumindest als Problem erkannt und zugestanden werden, auch wenn man dann der Meinung ist, dass der Mann das Zustimmungskonzept praktizieren sollte und vor jedem Schritt eine eindeutige Zustimmung einholen sollte.

Der zweite Punkt ist meiner Meinung nach der Lakmustest jeder Vergewaltigungsdebatte: Wer nicht zugeben kann, dass es Falschbeschuldigungen gibt (zumindest einen kleinen Prozentsatz) mit dem lohnt sich eine Debatte genau so wenig wie mit jemanden, der meint, dass es keine Vergewaltigungen gibt.

Zu den „blauen Bällen“: Das sexuelle Erregung ohne Befriedigung bei Männern gewisse Effekte hat ist medizinisch durchaus belegt (Blue Balls Syndrom/Kavaliersschmerzen). Das sexuelle Erregung zudem einen gewissen „Tunnelblick“ bewirkt erscheint mir auch nicht unplausibel.

Im Ganzen würde ich meinen damaligen Kommentar daher nicht als trollig bezeichnen. Eine platte, immer gleiche Argumentationen über die wahren Opfer der Emanzipation könnte man natürlich annehmen, wenn ich darauf verweise, dass es Falschbeschuldigungen gibt. Man könnte es auch schlicht als die Wahrheit bezeichnen. Schade, dass auf Hatr.org keine Kommentiermöglichkeit besteht.

Aber da wir Männer ja bekanntlich den Wettbewerb mögen:

80 Facepalms! Wer bietet mehr?