Unterricht mit Mädchen: Dauerstress für Jungen

Ein interessanter Bericht über Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Schule:

Gerade zwischen der 3. und 8. Klasse leiden Jungen darunter, dass alles im Zwang zur Koedukation geschieht. Mädchen sind in dieser Zeit mental und körperlich weiter, tun sich im Unterricht oft leichter. Für manche Jungen kann das Dauerstress bedeuten. Eine Geschlechtertrennung im Unterricht wäre für die Jungen in dieser Zeit eine Entlastung. Vor allem im Sprachunterricht, wo Mädchen besonders häufig die bessere Leistung erbringen. Spätestens ab der 10. Klasse ist das kein Problem mehr.(…)

Da geht es also wieder um die unterschiedliche Entwicklung von Jungen und Mädchen und unterschiedliche Sprachfähigkeiten zwischen den Geschlechtern. Hier wird auf die 10 Klasse, also ein Alter von etwa 15 Jahren abgestellt.

Dann zu den hormonellen Unterschieden:

Jungen sind keine Testosteronbomben, aber das Hormon hat Auswirkungen. Es bewirkt, dass Jungen tendenziell mehr in Bewegung sein wollen. Außerdem ist Statusdenken für sie wichtiger als für Mädchen. Jungen treibt stärker die Frage um, welche Position sie im sozialen Gefüge haben. Bin ich drin oder draußen? Kann ich meine Stellung halten? Diese Statusfragen klären manche gerne auch auf körperlicher Ebene.

(…)

Solche Positionskämpfe sind in einem gewissen Rahmen ganz normal. Sie tragen bei manchen Jungen zur Beziehungsklärung bei, sind also eine Form der Kommunikation untereinander. Das Problem ist, dass Jungen, die diese körperliche Auseinandersetzung suchen, in der Schule von Lehrern und Mitschülern ausgegrenzt werden. Dabei sind solche Konflikte bis zum Ende der Grundschule völlig normal. Danach sollte sich das allerdings wieder ändern und die körperliche Energie eher auf dem Sportplatz ausgelebt werden.

Das wäre also zum einen die Betonung der Wichtigkeit von Bewegung um die körperliche Energie ausleben zu können und zum anderen das verschiedene Verhältnis zur Hierarchie und Status.

Der dann folgende Abschnitt ist dann eher psychologisch gehalten. Bei dieser Beziehung auf Mutter bzw. Vater in geschlechtlicher Abgrenzung bin ich persönlich noch etwas skeptisch, aber ich habe da auch noch nicht viel zu gelesen.

So verläuft beispielsweise psychologisch gesehen die Ablösung von der Mutter im Alter von drei bis fünf Jahren bei Jungen ambivalenter als bei Mädchen. Mädchen wenden sich dabei ihrem ersten gegengeschlechtlichen Liebesobjekt zu: Das ist der Vater. Jungen wollen sich ebenfalls von der Mutter abnabeln und wenden sich ihrem ersten gegengeschlechtlichen Liebesobjekt zu: Das ist aber wieder die Mutter. Das ist manchmal schwierig und erklärt auch, dass Jungen ihrer Mutter gegenüber manchmal sehr anschmiegsam sind und im nächsten Moment wieder garstig.

Schließlich geht es noch um die Unterschiede in der Emapthie:

Einfühlende Beziehungen stehen bei vielen Jungen nicht so im Vordergrund, sie haben manchmal ihre Schwierigkeiten damit, können sich nicht so gut in ihr Gegenüber hineinversetzen. Das betrifft auchLehrer und Mitschüler – und kann Konflikte geben.

Da einiges dafür spricht, dass Testosteron sich in diesem Bereich nachteilig auswirkt, wäre das nicht verwunderlich.

Es entsteht Leistungsdruck – besonders für Jungen. Mädchen können damit oft besser umgehen. Sie haben ein Lebensmodell mit mehreren Phasen. Wenn sie Kinder möchten und bekommen, können sie für einige Zeit aus dem Beruf aussteigen. Jungen haben nur eine Option: Ausbildung – Beruf – Arbeit. Deshalb erleben sie den Berufsdruck stärker.

Ich denke auch, dass Männer die „Aussetzen zugunsten der Familie“-Option als eher wenig für sich geeignet ansehen.

Schließlich werden noch Verhaltensweisen für die Lehrer vorgeschlagen:

Lehrer könnten mehr auf die Bedeutung von Statusthemen für Jungen eingehen. Viele Lehrer haben Schwierigkeiten, so rüberzukommen, dass sie von Jungen als Chef akzeptiert werden. Mädchen tun sich da leichter, weil sie sich eher in die Lehrer hineinversetzen. Wenn Statusfragen für Jungen wichtig sind, sollten Lehrerinnen oder Lehrer das einfach ernst nehmen. Es ist ja eine Form der Beziehung. Verständnis für das Bewegungsbedürfnis von kleineren Jungen kann ebenfalls weiterhelfen. In der Grundschule bieten sich zum Beispiel Energieübungen an. Es gibt gute Erfahrungen beim Zählen, das mit Stampfen unterstützt wird. Oder wenn es zu laut wird: Dann nehmen die Schüler ihr Namensschild zwischen zwei Finger und balancieren es leise um den Tisch. Auch so was hilft oft.