Partnerwahl in Hinblick auf Elternschaft

Eine Studie hat untersucht, wie sich die Partnerwahl verändert, wenn sie insbesondere unter dem Gesichtspunkt einer Elternschaft gesehen wird.

This study tested an evolutionary hypothesis that the mere prospect of caring for a child will increase sex differences in human mate selection criteria. That is, women would adopt a stronger preference for socially dominant men when parenting had been primed and men would adopt a stronger preference for physically attractive women when parenting had been primed. Male and female university students were randomly assigned to be exposed to a parenting prime or a nonparenting prime. Following the priming procedure, participants rated the romantic appeal of a target person of the opposite sex. Exposure to the parenting prime, the target’s social dominance, and the target’s physical attractiveness were orthogonally manipulated. As predicted, women adopted a stronger mate preference for social dominance when parenting was at the forefront of the mind. Contrary to predictions, the parenting prime had no effect on men’s mate preference for physical attractiveness.

Quelle: The effects of a parenting prime on sex differences in mate selection criteria

Grundzüge der Partnerwahl ergeben sich aus der Sexual Strategies Theory. Danach wird davon ausgegangen, dass eine Partnerwahl nach Kurzzeitstrategien und Langzeitstrategien durchgeführt wird.

Bei Frauen sind in der Kurzzeitstrategie der Zugang zu unmittelbaren Ressourcen, gute Gene und ggfs. eine Absicherung über einen Ersatzpartner Kriterien, bei der Langzeitstrategie sind die Punkte „ist in der Lage Ressourcen zu beschaffen, die Frau und die Kinder zu schützen“, „ist bereit diese in die Frau zu investieren“, „Bereit für eine langfristige Bindung“ und „gute Vatereigenschaften“ interessant.

Bei Männern ist es Anzahl der Partner, Bereitschaft für Sex, Fruchtbarkeit, geringe Verpflichtung in der Kurzzeitstrategie und in der Langzeitstrategie „Erkenen guter Gene“, „Sicherstellung der eigenen Vaterschaft“, „Erkennen guter Mütter“.

Soziale Dominanz bei den Männern kommt dabei darüber ins Spiel, dass dieser eine hohe Position in der Gruppe erfordert und damit Status und dies in früheren Zeiten ein gutes Indiz dafür war, dass er aufgrund seiner Fähigkeiten in der Gruppe anerkannt war und insofern auch ein potentieller guter Ernährer war. Es fällt also in den ersten Punkt der Langzeitstrategie.

Bei den Männern würde der Punkt Attraktivität direkt in den ersten Punkt der Langzeitstrategie fallen. Bei Betrachtung allein dieses Punktes wäre demnach mit einer gesteigerten Aufmerksamkeit für die Attraktivität zu rechnen gewesen. Meiner Meinung nach berücksichtigt dies aber nicht, dass die Einordnung der Attraktivität stets eine sinnvolle Strategie für den Mann ist, egal ob bei einer Kurzzeitstrategie oder einer Langzeitstrategie. Der wesentlichere Punkt ist hier, welche Frau er bekommen kann, da die Auswahl letztendlich über die Frau erfolgt. Zudem ist zu Bedenken, dass die Attraktivität gleichzeitig bei der Langzeitstrategie durch den Punkt „Sicherstellung der eigenen Vaterschaft“ eingeengt wird. Ein Mann, der eine Langzeitstrategie mit einer zu hübschen Frau einging lief schnell Gefahr, dass die Frau ihrerseits mit einer „Kurzzeitstrategie“ konterte und er damit fremde Kinder aufzog, was erhebliche Ressourcen binden. Bei der Kurzzeitstrategie besteht hingegen diese Gefahr nicht, da die Kosten minimal sind. Bildlich ausgedrückt: Es gibt keinen Grund für die Gene etwas dagegen zu haben mit einer möglichst schönen Frau zu schlafen, wenn keine weitere Bindung entsteht (eher werden die Gene der Frau etwas dagegen haben), im Gegenteil, die Chance, dass eine sehr schöne Frau einen anderen Mann findet, der das potentielle Kind mitversorgt, ist sehr hoch. Die Gene müssten allenfalls Sorge haben, dass er sich Chancen bei anderen Frauen in der Kurzzeitstrategie entgehen lässt, aber das ist durch einen gesteigerten Sexualtrieb recht leicht in den Griff zu bekommen. Es wäre insofern zu erwarten, dass die Bewertung der Attraktivität einer Frau sich aus Männersicht verändert, wenn er längere Zeit keinen Sex gehabt hat und erregt ist. Ein Hindernis wäre insofern noch, dass eine Ablehnung seinen Status in der Gruppe absenken könnte, wobei dies durch beim Menschen vorhandene soziale Ängste (im Prinzip Lampenfieber oder auch „Approach Anxiety“) reguliert wird. Bei der Langzeitstrategie hingegen kann zur Vermeidung eines Ausnutzens eine realistischere Entscheidung erforderlich sein. Körperliche Schönheit ist zudem wesentlich schneller und objektiver einschätzbar als der Status einer Person. Auch dies macht eine Trennung in der Bewertung der Schönheit einer Person nach Langzeit und Kurzzeitstrategie weniger attraktiv.

8 Gedanken zu “Partnerwahl in Hinblick auf Elternschaft

  1. “ Ein Mann, der eine Langzeitstrategie mit einer zu hübschen Frau einging lief schnell Gefahr, dass die Frau ihrerseits mit einer „Kurzzeitstrategie“ konterte und er damit fremde Kinder aufzog, was erhebliche Ressourcen binden“

    aus der kognitiven distanz schlüssig. im bett einer schönen frau vielleicht nicht mehr 🙂

    aber du hast recht, denn eifersucht ist ein phänomen, dass nur beim mann biologischen sinn macht.

    im übrigen bedeutet „schön“ für frauen zu 70% „groß“

    • „aus der kognitiven distanz schlüssig. im bett einer schönen frau vielleicht nicht mehr “

      Sex mit einer sehr schönen Frau ist für einen Mann evolutionär eigentlich immer vorteilhaft. Männer, die abgelehnt haben, werden wohl im Schnitt weniger Kinder gehabt haben. Aber dennoch muss sich für die Langzeit- und die Kurzzeitstrategie keine Unterschiedliche Bewertung der Schönheit ergeben. Sicherlich wird man für eine Kurzzeitstrategie auch Frauen in Betracht ziehen, die man bei einer Langzeitstrategie nicht berücksichtigen würde, aber es gibt eben auch bei der Langzeitstrategie limitierende Faktoren.

      „denn eifersucht ist ein phänomen, dass nur beim mann biologischen sinn macht.“

      Das würde ich ähnlich wie Roslin sehen: Es macht ebenso für Frauen Sinn. Denn wenn eine andere Frau ihren Versorger wegschnappt, dann muss sie ihre Kinder alleine durchbringen.
      Frauen sind ja auch eifersüchtig. Das zeigt bereits, dass deine Auffassung nicht richtig sein kann.

  2. @ secuni

    *aber du hast recht, denn eifersucht ist ein phänomen, dass nur beim mann biologischen sinn macht.*

    Aber keineswegs.

    Da der bevorzugte Schutz, die Versorgungsleistung, das besondere Engagement eines Mannes für eine Frau, für die gemeinsamen Kinder (auch eines Männchens in der Affenhorde instinktsichere Verteidigung der Männer bei Entdeckung: „Stimmt, Liebes, ich habe mit ihr geschlafen, aber das bedeutet nichts. Eigentlich und in Wahrheit liebe ich nur Dich.“

    • Was ist denn da passiert?

      Der gesamte Mittelteil des Postings, obwohl im Sichtfenster angezeigt, ist verschwunden, daher ist der Beitrag nun völlig unverständlich und ich habe leider keine Zeit, das Fehlende hier noch einmal zu wiederholen.

      Tut mir leid.

  3. Pingback: Nochmal: Schönheit, Attraktivität und Evolution « Alles Evolution

  4. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

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