„Bin ich sexistisch?“

Eine Journalistin fragt sich, ob sie sexistisch ist, weil sie in Schweden die kleinen Aufmerksamkeiten und Besonderheiten gegenüber Frauen vermisst:

Most of this chivalrous nonsense is also nonexistent. Great, exactly what I wanted, right? Except that it’s incredibly annoying.

When a guy at a nation or a club says, “do you want a drink?” the conventional wisdom is that Swedish guys never pay – actually, they do, but only about 25% of the time in my experience.

But every time a guy DOESN’T offer to pay, my gut reaction is, “What’s this guy’s problem!?”

Guys here only very rarely come up to a girl and start a conversation.  That’s fine in theory, as I actually love being the conversation-starter, and nothing is creepier than the “I can’t let a pretty girl stand in a club on her own” pickup line American guys sometimes use.
Yet I feel ignored and unpopular when I realize that if I DON’T start a conversation, I will just sit there alone.

Ist ja auch mal ein interessanter Perspektivenwechsel.

16 Gedanken zu “„Bin ich sexistisch?“

  1. @ Christian

    Bisher bestand Emanzipation für Frauen darin, dass sie sich ihrer alten Pflichten Männern gegenüber entledigen konnten, Rechte hinzugewannen ohne jede Verpflichtung, Männer blieben auf ihren alten Pflichten gegenüber Frauen sitzen (und sei es nur aufgrund der Konvention) und werden im Halbjahresrhythmus immer neuen Pflichten, Einschränkungen, Kontrollen unterworfen, die reine Rosinenpickerei.

    Männer haben das bisher hingenommen, haben bei Frauen die Vorstellung genährt, diese Art Rosinenpickerei können endlos fortgeschrieben werden.

    Das scheint sich nun allmählich zu ändern, sogar im Saudi-Arabien des Feminismus, in Schweden.

    Ich habe ritterliches Verhalten gegenüber Frauen radikal eingeschränkt (in unkontrollierten Augenblicken „unterläuft“ es mir noch manchmal), ansonsten versuche ich ein striktes „do-ut-des“ einzuhalten.

    Das Klima wird rauher.

    40 Männerdiffamierung kommen im Alltag an.

    • Ich muss gestehen als ich das hier gelesen habe, musste ich gehässig lachen. Das haben die schwedischen Frauen nun davon ihre Männer zu entrechten. Wenn sie das starke Geschlecht sein wollen, dann sollen sie sich gefälligst auch so verhalten 😀

      In Schweden eine Frau ansprechen – ist das da schon eine Vergewaltigung? Oder nur sexuelle belästigung, wenn sie grade deine Nase nicht mag?

      Kein wunder, dass die Männer sich da lieber passiv verhalten, ist einfach sicherer.

  2. Ich denke, dass insbesondere die Ebenen Beruf und Privat verschieden wahrgenommen werden sollen.
    Gerade im privaten sind viele der alten Regeln und Vorteile Werbungsverhalten und da wünschen sich noch viele Frauen ein umworben sein, eine Bestätigung.

    Das aufzugeben ist unangenehm.

    • Das aufzugeben ist unangenehm.
      Würde ich so unterschreiben.
      Vorteile aufzugeben ist für niemanden leicht.

      Darum würde ich nicht sagen, dass sie sexistisch ist, sondern eben ähm… privilegienbezogen konservativ.

      • @Christian
        Natürlich haben auch Frauen Privilegien. Ob und in wie weit diese aufs Geschlecht zurückzuführen sind, hängt vom Privilegienbegriff ab.
        Aber ich kann schlecht sagen, nur weil ich eine Frau bin, bin ich weniger priilegiert als ein Hartz IV-Empfänger.
        Ich bewege mich als Studentin in einer ökonomisch und bildungskulturell privilegierten Position gegenüber anderen Menschen. In einigen Blogs die ich so lese wurde die letzten Tage auch etwas zum Privilegienbegriff diskutiert, ist also nicht so, dass dieses Thema ganz ausgeblendet würde (wie in deinem verlinkten Artikel angenommen).

        Vielleicht komme ich das WE mal dazu, mir eigene Gedanken darüber zu machen (und sie auf meinem Blog zu veröffentlichen ;))

      • @Khaos.Kind

        Den Privilegienbegriff finde ich auch sehr interessant (wenn auch falsch). Ich habe noch keine Literaturstelle gefunden (abseits der Männerbewegung), in der auch Frauen als privilegiert (in Teilbereichen) angenommen werden. Auch in mir bekannten feministischen Diskussionen wird eine Privilegierung der Frau verneint. Es finden sich der in dem Artikel angesprochene „wohlwollende Sexismus“, der aber etwas ganz anderes sein soll als ein Privileg, auch wenn ich den Unterschied nicht verstehe.

        Insofern wäre ich da an weiteren Literaturangaben oder neuen Einsichten interessiert. insofern: Gespannt auf deinen Artikel

  3. Ach ja, die Frauen. Ähnlich verhält es sich doch mit der Behauptung vieler Frauen, sie schminkten und putzten sich für sich selbst raus, doch nicht für Männer. So ganz emanzipiert. Männer? Paaah!

    Hab ich doch vor etwa zwei Wochen einer Serviertochter – ich frag mich, wie die in ihre Jeans reinkommt, muss so etwas wie einen Jeanslöffel analog zum Schuhlöffel geben – gesagt, sie hätte eine ganz tolle neue Frisur, aaaaber, die vorher, die hätte mir doch ein klein wenig besser gefallen, insbesondere die Farbe der Haare. Vier oder fünf Tage später hat sie wieder die Haare gefärbt, so wie sie vorher waren.

    Macht sie natürlich alles nur für sich und nicht, um Männern zu gefallen. Frau ist schliesslich emanzipiert.

    • @Peter Bosshard

      Ich habe das Argument auch schon gehört.

      Das die Aufwertung eines Attraktivitätsmerkmals nicht nur in eine Richtung geht halte ich durchaus für richtig.
      Man kann es zur Anziehung des anderen Geschlechts, aber eben auch zur Verdeutlichung des eigenen Status verwenden. Es ist dann quasi ein „Legt euch nicht mit mir an, ich bin eh besser“ an die Konkurrentinnen im intrasexuellen Bereich. Das signalisiert man, in dem man die Wirkung auf das andere Geschlecht darstellt. Insoweit fällt beides natürlich durchaus zusammen.

      Eine Freundin meinte mal: „Ein Mann sieht, ob du gut oder schlecht aussiehst, aber eine Frau sieht, dass dein Lidschatten etwas eilig aufgetragen ist und dein Haargummi farblich nicht zu den Schuhen passt“

      Vielleicht nehmen deswegen einige Frauen die weibliche Betrachtung als härter wahr. Weil sie technischer abläuft.

  4. @ P. Bosshard

    Das ist wirklich amüsant, die energische Behauptung vieler Frauen, sie schmückten sich, kleideten sich nur, um sich selbst zu gefallen.

    Und zufällig, aber wirklich nur rein zufällig, betont dieses Sich-schmücken genau jene Merkmale des weiblichen Körpers, die heterosexuellen Männern besonders in die Augen stechen (Haare, Augen, Lippen, Brüste, Hüften, Po, Beine).

    Wobei die „Selbstgefälligkeit“ als Motiv nicht mal falsch ist.

    Nur funktioniert das folgendermaßen: Frau ist eifrig bemüht, auf sich aufmerksam zu machen.

    Männer sollen aufmerksam werden, sollen frau beachten, natürlich nur die richtigen.

    Gelingt es einer Frau erfolgreich, die Blicke, die Aufmerksamkeit von (erwünschten) Männern (also statushoch, „potent“, nicht der armselige Proll an der Ecke, der womöglich noch hinterherpfeift) auf sich zu lenken, dann fühlt sie sich gut, steigert das ihr Selbstbewußtsein.

    In diesem, aber auch nur in diesem Sinne, ist die Behauptung, Frauen trügen „Signalfarben“ nur für sich selbst, richtig.

    Auf einer einsamen Insel ohne Männer gäbe es wohl nur fette Frauen in mausgrauen Säcken.

    Dass wahllos abgestrahlte Signale auch die Aufmerksamkeit von unerwünschten Männern anlocken, das ist ein Problem, das FeministInnen am liebsten durch polizeistaatliche Maßnahmen Männern gegenüber lösen möchten, damit Frauen auch weiterhin anziehen dürfen, was immer sie anziehen wollen, man aber dann wenigstens den unerwünschten Männern verbieten kann, zu gucken, wohin sie wollen.

  5. Sie fragt sich lieber, ob sie die falschen Gefühle hat, als dass sie ihre Ideologie der Gleichheit in Zweifel zieht. Und wenn die Gefühle falsch sind, muss man sie wohl loswerden, Hauptsache dem Weltbild wird Genüge getan.

    Eine Ideologie, die Menschen in misstrauische unfreundliche Muffel verwandelt, sollte man Ohnehin nicht nur in Frage stellen, man sollte sie auf den Müll werfen.

  6. Ich habe noch keine Frau gesehen, die gut aussieht und sich dessen nicht bewusst ist (und es entsprechend hervorhebt). Dass die erotische Ausstrahlung auf praktisch alle Männer wirkt und nicht nur auf die, auf die sie wirken soll, ist zweifellos ein Problem für viele Frauen.

    Aber man kann halt nicht alles haben.

    • @El Mocho

      „Ich habe noch keine Frau gesehen, die gut aussieht und sich dessen nicht bewusst ist“

      Ja, vielleicht meint sie, dass sie noch besser aussehen kann oder das andere Frauen besser aussehen, aber das sie gut aussieht, dessen ist sie sich bewusst. Wie könnte sie auch nicht, sie sieht ja die Reaktion der Männer und Frauen.

      „Dass die erotische Ausstrahlung auf praktisch alle Männer wirkt und nicht nur auf die, auf die sie wirken soll, ist zweifellos ein Problem für viele Frauen.“

      Schön gesagt.

      • „Dass die erotische Ausstrahlung auf praktisch alle Männer wirkt und nicht nur auf die, auf die sie wirken soll, ist zweifellos ein Problem für viele Frauen.“

        Es ist sogar denkbar, dass sie speziell bei den Männern, bei der sie wirken soll, am wenigsten wirkt 😉

    • @El_Mocho
      Ich habe noch keine Frau gesehen, die gut aussieht und sich dessen nicht bewusst ist
      Komisch, das trifft auf beinahe alle Frauen zu, die ich kenne. (du weißt schon, Frauen und Selbstwertgefühl ist so ne schwierige Sache)

      Das exzessive Hervorheben finde ich eher bei Frauen, die hoffen, dadurch gut auszusehen.
      Gezieltes Hervorheben beherrschen die wenigsten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.