Frauen und die gläserne Decke

Zu Frauen in Führungspositionen habe ich ja bereits einiges geschrieben. Interessant ist insoweit auch ein Artikel in der Welt:

Es wird zunächst die Meinung einer Frau geschildert, wonach Männer erhebliche Vorurteile zB bezüglich der Risikobereitschaft der Frauen haben. Die Frauen würden sich die Kritik dann auch mehr zu Herzen nehmen.

Dazu dann das Folgende:

Besteht die gläserne Decke demnach vor allem aus Selbstzweifeln der Frauen? Auch eine Berliner Beraterin, die seit Jahren Manager auf höchster Ebene coacht, hat immer wieder beobachtet, dass Frauen sich Kritik und Widerstände im Job deutlich stärker zu Herzen nehmen als viele männliche Kollegen: Die reagierten meist viel pragmatischer und wären auch nach einem Anranzer des Chefs in der Regel weit besser in der Lage, zum nächsten Tagesordnungspunkt überzugehen.

Die Beraterin geht noch einen Schritt weiter: Im Grunde seien Männer im Konfliktfall viel unterwerfungsbereiter: „Am Anfang machen sie viel Wind, aber sie fügen sich, sobald sie sehen, dass es nicht mehr weiter geht. Ist eine Frau wirklich überzeugt von etwas, entwickelt sie schnell einen Tunnelblick und ignoriert womöglich Sättigungssignale ihres Chefs“, so die Beraterin. Eine Zurechtweisung des Vorgesetzten werde dann als Beispiel für eine gläserne Decke herangezogen. Dabei hätte dieser wohl auch einen Mann, der sich in einer Debatte vergaloppiert hat, zurechtgewiesen.

Das passt wiederum gut zum Empathievorteil der Frau (vgl. auch „Frauen reagieren auf Probleme mit Empathie, Männer mit Lösungen„) und zu einer höheren Emotionalität. Es passt auch zu den Einschätzungen in dem Artikel „Männer konkurrieren um was sie tun, Frauen um was sie sind“. Danach würden Frauen Kritik eher auf sich, und nicht auf die Sache beziehen und demnach auch eher persönlich sehen und eher daran glauben, dass man sie persönlich angreift. Weil sie es weniger sachlich sehen und eher emotionaler übersehen sie vielleicht auch die „Sättigungssignale“ eher. Es wäre ein Nachteil des Feeling Style gegen den Thinking Style, der dann zu einer bestimmten Wahrnehmung weiblicher Vorgesetzter führen kann. Das die „Gläserne Decke“ ein sehr negativer Frame ist, hatte ich insoweit auch schon einmal angeführt.

Es folgen dann weitere Vorurteile der Vorgesetzten, etwa, dass der Platz der Frau bei den Kindern sei.

Dann wird auf die „Präsenzkultur“ eingegangen:

De facto arbeitete sie genauso viel wie ihre Kollegen, doch tat sie das zeitweise unbemerkt: mal von zu Hause aus, wenn das Kind krank war, häufig am Abend, wenn der Kleine schon schlief. Für dieses Modell jedoch fehlte in ihrer Firma die Akzeptanz: „Präsenz wird häufig mit Leistung verwechselt. Wer weniger im Büro sitzt, ist in den Augen vieler Vorgesetzter automatisch weniger wert.“ Im Grunde ist genau das die Definition der Theorie von der „gläsernen Decke“: bei gleicher Leistung werden männliche Mitarbeiter gegenüber ihren weiblichen Kollegen bevorzugt. (…)

Zum Teil lässt sich das Phänomen dadurch erklären, dass es bei Beförderungen eben nicht nur auf die reine Leistung ankommt, sondern auch darauf, wie gut man sich verkauft. „Ich habe als junge Mutter viel seltener an diesen Abend-Kuschelterminen teilgenommen, bei denen man mit dem Chef und dem Chef der nächsten Ebene Bier trinkt.

Weil ich das meinem Kind nicht auch noch zumuten wollte, wo ich doch sowieso schon häufig unterwegs war“, sagt Domscheit-Berg. Die meisten Mütter machen es ähnlich – und haben dann das Nachsehen bei der nächsten Beförderung. Sie selbst hat irgendwann gelernt, gezielt an ihrer „Sichtbarkeit“ zu arbeiten, sagt sie. „Ich habe mich im Industrieverband Bitkom engagiert, daher kannten mich irgendwann viele in der Branche. Erst dann kamen auch Anrufe von Headhuntern.“

Jetzt mag es ein bedauernswerter Zustand sein, dass nicht nur die Leistung, sondern auch der persönliche Kontakt zählt, der abends bei einem Bier hergestellt wird, aber es ist gleichzeitig etwas sehr menschliches. Über persönliche Beziehungen bauen wir Vertrauen und Verbundenheit auf. Hinzu kommt, dass auch bei diesen Bieren nicht selten Geschäfte und deren Probleme besprochen werden, sie also nicht reine Freizeit sind.

Geschlechtliche Differenzierung des menschlichen Gehirns in Bezug auf geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung

Noch mal weitere Forschung zur biologischen Entstehung der Geschlechtsidentität und der sexuellen Orientierung:

Abstract

It is believed that during the intrauterine period the fetal brain develops in the male direction through a direct action of testosterone on the developing nerve cells, or in the female direction through the absence of this hormone surge. According to this concept, our gender identity (the conviction of belonging to the male or female gender) and sexual orientation should be programmed into our brain structures when we are still in the womb. However, since sexual differentiation of the genitals takes place in the first two months of pregnancy and sexual differentiation of the brain starts in the second half of pregnancy, these two processes can be influenced independently, which may result in transsexuality. This also means that in the event of ambiguous sex at birth, the degree of masculinization of the genitals may not reflect the degree of masculinization of the brain.

There is no proof that social environment after birth has an effect on gender identity or sexual orientation. Data on genetic and hormone independent influence on gender identity are presently divergent and do not provide convincing information about the underlying etiology. To what extent fetal programming may determine sexual orientation is also a matter of discussion. A number of studies show patterns of sex atypical cerebral dimorphism in homosexual subjects. Although the crucial question, namely how such complex functions as sexual orientation and identity are processed in the brain remains unanswered, emerging data point at a key role of specific neuronal circuits involving the hypothalamus.

Quelle:  Chapter 4 – Sexual differentiation of the human brain in relation to gender identity and sexual orientation

Die Studie stellt dar, dass es keine Belege dafür gibt, dass die Gesellschaft Einfluss auf die geschlechtliche Identität oder die sexuelle Orientierung hat. Es werden genetische und hormonelle Gründe angeführt.

Gesellschaftliche Erklärungen würden letztendlich auch bedeuten, dass man Homosexuelle umerziehen kann. Stellt man mit Butler auf das Inzesttabu und das Verbot der Homosexualität ab, wird es auch nicht besser, zumal auch hier unklar bleibt, wie diese Mechanismen eigentlich wirken sollen.

Die biologischen Erklärungen haben insoweit den Vorteil, dass sie zu sämtlichen medizinischen Sonderfällen passen, eine einheitliche Theorie erlauben und auch durch Forschungen an Tieren bestätigt werden.

Und gleich noch eine weitere Studie hinterher:

During the intrauterine period a testosterone surge masculinizes the fetal brain, whereas the absence of such a surge results in a feminine brain. As sexual differentiation of the brain takes place at a much later stage in development than sexual differentiation of the genitals, these two processes can be influenced independently of each other. Sex differences in cognition, gender identity (an individual’s perception of their own sexual identity), sexual orientation (heterosexuality, homosexuality or bisexuality), and the risks of developing neuropsychiatric disorders are programmed into our brain during early development. There is no evidence that one’s postnatal social environment plays a crucial role in gender identity or sexual orientation. We discuss the relationships between structural and functional sex differences of various brain areas and the way they change along with any changes in the supply of sex hormones on the one hand and sex differences in behavior in health and disease on the other.

Quelle: Sexual differentiation of the human brain: Relation to gender identity, sexual orientation and neuropsychiatric disorders

Also ebenfalls eine Bestätigung der Rolle des pränatalen Testosterons, aber auch der postnatalen Hormone und wie eine Veränderung der diesbezüglichen Hormonlevel zu Änderungen am Gehirn führt.