Queer Theorie und Wikipedia: Kritik verbessern

Meine Kritik an der Queer Theorie in dem Wikipediabeitrag hat eine Gegenkritik zur Folge gehabt. Ein wesentlicher Punkt ist, dass Belege fehlen sollen.

Ich füge mal die Kritik auf der Diskussionsseite hier ein.

Der jüngst eingefügte Kritikabschnitt ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Er behauptet eine Kritik, wo seitens der Biologie erst einmal verschiedene Forschungsansätze existieren. Es ist zunächst korrekt, dass Biologen bspw. den Zusammenhang hormoneller Einflüsse im Mutterleib und späterer sexueller Orientierung untersuchen. Zu konstatieren, welche Untersuchungen es gibt und welche Korrelationen dabei festgestellt wurden, ist das eine. Auch wenn ich nicht ganz sehe, wie das passend in diesen Artikel eingearbeitet werden könnte, leistet dies der Abschnitt keinesfalls adäquat, da jegliche Quellen fehlen.

Das andere ist eine Interpretation wie »Forschung legt nahe, dass eine Ausbildung der geschlechtlichen und sexuellen Identität bereits im Mutterleib erfolgt und Grundlagen der Geschlechterrollen damit einen biologischen Ursprung haben«. Besagte Forschungsfelder operieren meines Wissens nicht mit den Begriffen sexuelle Identität und Geschlechterrolle. Der Satz »Forschung legt nahe« zeigt wohl mehr, dass das eine Interpretation des Autors des Abschnitts ist, als dass beobachtete statistische Korrelationen konkreter Untersuchungen wiedergegeben werden. Das verletzt den NPOV.

»Zudem zeigen sich auch beim Menschen deutliche Anzeichen einer Sexuellen Selektion, die aber vererbbare Attraktivitätsmerkmale erfordert und damit ebenfalls zu einer vorgegebenen geschlechtlichen und sexuellen Identität führen müsste«

Dann liegt hier offenbar ein Widerspruch zu dieser evolutionspsychologischen Annahme vor. Wenn ich das richtig verstehe, ist es ohnehin schon schwierig, diese Theorie biologisch zu belegen; das ist mehr eine Kette bewusst spekulativer Annahmen. Was hat diese Problematik nun in diesem Artikel zu suchen?

»Bisher ist seitens der Queer Theorie nicht erklärt worden, welcher biologische Mechanismus zum Wegfall dieser eingespeicherten Attraktivitätsmerkmale geführt haben soll.«

Ferner wird hier an die Queer-Theorie herangetragen, dass sie Erklärungen auf gewisse evolutionspsychologische Fragestellungen bieten soll. Angenommen, das tut sie nicht, was ist daran nun Kritik. Es handelt sich um zwei disparate Ansätze, die man höchstens nebeneinander stellen könnte. — 92.225.35.108 02:53, 21. Mär. 2011 (CET)

Meiner Meinung nach ist ein Kritikabschnitt, der die wesentlichen Einwände zeigt, dringend erforderlich. Die Queer Theorie ist mit heutiger Forschung nicht in Einklang zu bringen und jemand, der sich für dieses Thema interessiert, sollte bei einem ersten Überblick in der Wikipedia auch diese Gegenpositionen kennen lernen.

Jetzt sollte man über die Wikipedia keine „Glaubenskriege“ ausfechten (auch deswegen hatte ich die Kritik eher kurz gehalten), aber die Darlegung der Gegenposition ist nicht zuviel verlangt.

Es wird etwas Arbeit sein, die passenden Stellen und Belege zusammenzutragen, auch wenn ich denke, dass ich einen Teil der Studien hier eh schon verlinkt habe und der Rest sich bei Dawkins, Miller, Ridley und Pinker etc. finden lassen wird.

Meiner Erfahrung mit der Wikipedia ist allerdings vergleichsweise gering. Ich habe zwar hier und da mal etwas rumgebastelt und Ergänzungen vorgenommen, ich gehe aber davon aus, dass dies bei dem vorliegenden Artikel etwas umkämpfter sein wird.

Ich würde mich daher über Hilfestellungen freuen. Wer gute Gegenargumente oder Fundstellen hat und Formulierungen, die die Wikipediagrundsätze erfüllen, ich bin für jeden Hinweis und jede Unterstützung (oder eigene Änderungen meines Textes, ob ich oder jemand anders dort als Autor steht ist mir recht egal, sofern eine sachliche, stichhaltige Kritik übrig bleibt) dankbar.

Noch einmal:

Der Überblicksartikel zur Queertheorie ist für viele ein Einstieg. Wer biologische, wissenschaftliche Ansätze entgegengestellt sehen will, der muss an der Aufnahme entsprechender Kritik interessiert sein.

Ich füge der Übersicht halber meine Kritik noch einmal an:

Kritik an der Queer Theorie kommt insbesondere aus der Biologie. Forschung aus diesem Bereich legt nahe, dass eine Ausbildung der geschlechtlichen und sexuellen Identität bereits im Mutterleib erfolgt und Grundlagen der Geschlechterrollen damit einen biologischen Ursprung haben. Eine Prägung soll insbesondere durch pränatales Testosteron erfolgen. Indizien hierfür sind etwa bei bestimmten Personen auftretende Besonderheiten wie etwa eine Komplette Androgenresistenz, bei der die sexuelle Identität so gut wie immer heterosexuell ist und die geschlechtliche Identität weiblich, sowie das Adrenogenitale Syndrom(CAH), das häufiger als in anderen Gruppen zu einer homosexuellen sexuellen Identität und einer männlichen geschlechtlichen Identität führt. Auch bei Transsexualität finden sich biologische Ursachen, etwa vermindert wirksame Testosteronrezeptoren. Zudem zeigen sich auch beim Menschen deutliche Anzeichen einer Sexuellen Selektion, die aber vererbbare Attraktivitätsmerkmale erfordert und damit ebenfalls zu einer vorgegebenen geschlechtlichen und sexuellen Identität führen müsste.Bisher ist seitens der Queer Theorie nicht erklärt worden, welcher biologische Mechanismus zum Wegfall dieser eingespeicherten Attraktivitätsmerkmale geführt haben soll. Das diese nach wie vor bestehen wird auch seitens der Evolutionspsychologie darauf gestützt, dass sich alle heute erforschten Attraktivitätsmerkmale, also das körperliche Schönheitsideal aber auch männliche und weibliche Verhaltensweisen in die Annahmen der Theorien zur evolutionären Partnerwahl (Sexual Strategies Theory) einfügen.

Wie bekommen wir das so hin, dass es (dem wesentlichen Inhalt nach) stehenbleibt?

9 Gedanken zu “Queer Theorie und Wikipedia: Kritik verbessern

  1. Christian, Sie werden kein Glück haben. Bei wertbehafteten Themenbereichen sind Gruppierungen vertreten, die keine Gegenargumentationen durchlassen. Glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung – und dies ist einmal, zur Abwechslung linksliberalen Menschen geschuldet. Man könnte es mit der Conservapedia auf der anderen Seite vergleichen. Ich persönlich teile Ihre Auffassung, glaube jedoch nicht, dass Sie damit durchkommen. Ich erinnere mich noch an einen alten Professor an der Universität, der schier daran verzweifelt ist, wie einseitig und laienhaft die Beiträge auf wp doch seien. Selbst er! als Ordinarius, ist bei zwei Beiträgen nicht freigeschaltet worden. Ist dann lustig, wenn eine 19 jährige Genderistin einen 63jährigen Professor nicht freischaltet 😉

    Dass hier zwei Theorien im besten Fall sich gegenüberstehen sollen ist einerseits trivial andererseits verkennt es die Tatsache dass die QuTh. keine klassische Theorie ist und daher der Begriff „Theorie“ äquivok verwendet wird. Es wird insinuiert, dass mit einem wissenschaftlichen Begriff gearbeitet wird und damit einhergehend mit allen Mustern wissenschaftlicher Überprüfbarkeit: Interdisziplinarität, Falsifizierbarkeit etc. – damit wird gekonnt verschwiegen, dass die QuTh über Schutzmechanismen, wie jede dem Idealismus nahe Stehende „Theorie“ verfügt, die sie nach Außen hin abschottet. Andere Beispiele wären in generi der Idealismus, abgeleitete Formen wie der dialektische Materialismus etc.

    Das hindert jedoch nicht daran in hunderten anderen Artikeln, bei „Kritik“ darauf zu verweisen. Vielfach sind themenfremde, gegen die Person oder Sache in generi gerichtete Argumente zu finden, da schert es auch niemand.

    • „Christian, Sie werden kein Glück haben. Bei wertbehafteten Themenbereichen sind Gruppierungen vertreten, die keine Gegenargumentationen durchlassen.“

      Einen Versuch schulde ich dem Thema.

      „Ist dann lustig, wenn eine 19 jährige Genderistin einen 63jährigen Professor nicht freischaltet “

      Ja, schade.

      „“verkennt es die Tatsache dass die QuTh. keine klassische Theorie ist und daher der Begriff „Theorie“ äquivok verwendet wird.“

      Ja, das ist wohl leider so

      „Es wird insinuiert, dass mit einem wissenschaftlichen Begriff gearbeitet wird und damit einhergehend mit allen Mustern wissenschaftlicher Überprüfbarkeit: Interdisziplinarität, Falsifizierbarkeit etc. – damit wird gekonnt verschwiegen, dass die QuTh über Schutzmechanismen, wie jede dem Idealismus nahe Stehende „Theorie“ verfügt, die sie nach Außen hin abschottet.“

      Auch das würde ich so unterschreiben. ich finde da den Satz „Ferner wird hier an die Queer-Theorie herangetragen, dass sie Erklärungen auf gewisse evolutionspsychologische Fragestellungen bieten soll. Angenommen, das tut sie nicht, was ist daran nun Kritik.“ bezeichnend. Wenn bestimmte Grundlagen nicht erklärt werden können, also zB die Frage, wie sich ein solcher Zustand entwickelt haben soll, dann ist das ein sehr beachtlicher Einwand in meinen Augen. Aber aus Sicht der Gegenmeinung wohl eher eine „Diskursposition“

      Dennoch: Einen Versuch ist es wert. Ich suche weiterhin Verbesserungsvorschläge. Man sollte es zumindest so schwer wie möglich machen, die Änderungen einfach zu löschen. Wer eine Idee hat, ich würde mich freuen.

    • Ich auch, ich habe mal versucht einige politische Dinge richtigzustellen.

      So stande in dem einen Artikel etwas darüber, dass im WK 2. angeblich Deutschland Frankreich den Krieg erklärt hätte, was natürlich völliger Quatsch ist, denn es war andersherum.

      Aber es gibt Dogmen, die aufrecht erhalten werden müssen.

  2. Vielleicht hilft es:
    Savic et al.: Chapter 4 –
    Sexual differentiation of the human brain in relation to gender identity and sexual orientation, in: Progress in Brain Research, Volume 186, 2010, 41-62.

    Sanchez et al.: 4.60 – The Biology of Sexual Orientation and Gender Identity, in: Hormones, Brain and Behavior, Volume 4, 1911-1929.

    Bao and Swaab: Review: Sexual differentiation of the human brain: Relation to gender identity, sexual orientation and neuropsychiatric disorders, in: Frontiers in Neuroendocrinology, Article in Press, Uncorrected Proof.

    Berenbaum and Beltz: Review: Sexual diffentation of human behavior: Effects of prenatal and pubertal organizational hormones, in: Frontiers in Neuroendocrinology, Article in Press, Uncorrected Proof.

    Hines: Review: Prenatal endocrine influences on sexual orientation and on sexually differentiated childhood behavior, in: Frontiers in Neuroendocrinology, Article in Press, Uncorrected Proof.

    Rahman et al.: Sexual orientation and spatial position effects on selective forms of object location memory, in: Brain and Cognition, Volume 75, Issue 3, April 2011, 217-224.

    Salu: The roots of sexual arousal and sexual orientation, in: Medical Hypotheses, Volume 76, Issue 3, March 2011, 384-387.

    Cato: Review: Sex differences in the neural circuit that mediates female sexual receptivity, in: Frontiers in Neuroendocrinology, Article in Press, Corrected Proof.

    Es ist schon komisch. Der gesunde Menschenverstand von 95% der Menschen, nahezu alle Wissenschaften – bis auf „Gender Studies“ würden mit uns konform gehen und unsere Meinung mit 100ten Studien untermauern, nur die QuTh meint, was du sagst wäre falsch.

    • @Homunkulus

      [viele Fundstellen]

      Ah, das ist doch mal ein Anfang! Vielen Dank!

      „Der gesunde Menschenverstand von 95% der Menschen, nahezu alle Wissenschaften – bis auf „Gender Studies“ würden mit uns konform gehen und unsere Meinung mit 100ten Studien untermauern, nur die QuTh meint, was du sagst wäre falsch.“

      Ja, die Belege sind eigentlich nicht mehr zu übersehen. Es ist schade, dass die Queer Theorie da in einer eigenen Welt für sich existiert.

    • @El Mocho

      Ja, leider. Zu einer Auseinandersetzung mit den Argumenten kommt es erst gar nicht.
      Ich suche ja immer noch jemanden, der der Queer Theorie anhängt und sich auf eine Diskussion einlässt.
      Woraus folgt eigentlich das strikte Diskussionsverbot? Die Angst vor besseren Gegenargumenten wird es ja nach deren Weltbild nicht sein? (auch wenn sie es sein sollte 😉

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