Frauen und die Wichtigkeit der Gruppe

Bei Mala Fide ist ein interessanter Artikel zur evolutionär höheren Wichtigkeit der Gruppenzugehörigkeit für Frauen.

Es geht um das Leben in der Steinzeit. Der Autor führt aus, dass die Männer die Gruppe nicht unbedingt brauchten und zur Not auch alleine durchgekommen sind. Bei den Frauen bewertet er die Lage anders:

If a woman were to fall out of favor with her herd, she would die. No ifs, buts or second guesses, do not pass go, do not collect $200, go straight to an unmarked grave in some lucky lion’s den. Weak, soft and likely saddled with children or pregnancy, a woman couldn’t muster enough labor to even support herself let alone possible offspring. She needed the support of a man of her own, or the collective support of the men of the herd, or she would die.

Nothing was as important for a woman’s survival and that of her children as being socially accepted. That imperative to survive, imprinted deep into the female brain by countless years of natural selection, is still there. Even today, nothing is as important to a woman as being in good favor with the herd. There is only one general case in which women can, with any reliable frequency, be seen going against the wishes of the herd – when they’re catching a man. The scientific explanation is simple – the entire surplus labor supply of a privately owned man, caught in the net of a sexual pair bond and never set free again, can do even more for her than a share of the collective plate.

Wenn ich auch den Ansatz dort zu radikal finde – ein Mann brauchte den Schutz der Gruppe ebenfalls bzw. hat von dieser profitiert und eine Frau kann sicherlich auch eine Zeit in der Wildnis überleben, wenn sie allerdings auch in der Schwangerschaft alleine wesentlich größere Probleme als ein Mann gehabt hat – erscheint mir der Grundgedanke des zitierten Absatzes richtig. Schutz ist ein wichtiger Aspekt gewesen und die geringere Körperkraft der Frauen sowie die höheren Kosten der Schwangerschaft hätten Überleben und Fortpflanzung (nur Fortpflanzung hinterlässt Spuren in der Evolution) erheblich erschwert. Das Frauen nicht in im größeren Maße selbständig waren, sondern in der Gruppe gelebt haben wird daran deutlich, dass es bei einem eigenständigeren Leben der Geschlechter weniger Geschlechtsunterschiede geben würde.

Die Bedeutung der Gruppe für die Frau könnte insoweit auch dazu geführt haben, dass die Frauen bei der „Verträglichkeit“ (Agreeableness) bei den Big 5 im Schnitt besser abschneiden.

7 Gedanken zu “Frauen und die Wichtigkeit der Gruppe

  1. @ Christian

    Bei den prähistorischen Gräbern, die genetisch/biochemisch auswertbar waren, zeigte sich bisher immer, dass es die Frauen waren, die von weiterher in den Clan des Mannes einheirateten.

    Wenn das das bestimmende Muster über Jahrhunderttausende gewesen sein sollte, kamen also immer wieder und wieder vor allem Frauen in eine für sie fremde Umgebung, in der sie möglicherweise mehr oder weniger misstrauisch von den „Alteingesessenen“, Männern und Frauen beäugt wurden.

    Es ist klar, dass dann auf Frauen ein Selektionsdruck lastete, der jenen erfolgreichere Fortpflanzung ermöglichte, die sich besser einfügten, es verstanden, sich beliebter zu machen, die aufmerksamer die Gefühle lesen konnten, die man ihnen entgegenbrachte, die anschmiegsamer/anpassungsfähiger waren, bereitwilliger sich dem Gruppendruck fügten.

    Bei Frauen ist zudem noch zu bedenken, dass nicht allein die Schwerfälligkeit einer Schwangeren sie schutz – und versorgungsabhängiger machte als Männer, sondern auch das Stillen: Milchproduktion und -abfluss sind eine erhebliche, fordernde kalorische Leistung des Organismus, die bei prekärer Ernährungslage nicht zu leisten ist.

    Stillende Frauen brauchten „Zufütterung“, mehr als Männer.

  2. @Roslin

    Der Umstand, dass die Frauen eher zur Sippe des Mannes gingen, hat sicherlich auch dazu beigetragen, da sie dann auch eher neue Allianzen aufbauen mussten. Bei der Fähigkeit Fremdsprachen zu erlernen hatte ich dazu ja auch schon mal was geschrieben.

    Vor der Geburt brauchten sie mehr Nahrung und konnten diese schwerer besorgen, kurz nach der Geburt dürften sie häufig auch Probleme gehabt haben und mit dem Kind und den Zusatzkosten des Stillens war es danach auch nicht einfach. Das alles wird zu einer Arbeitsteilung beigetragen haben.

  3. hm, ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Gruppe einen höheren Wert dargestellt hat, als der Mann als dauerhafter Begleiter in der Gruppe. Siehe die matriarchale Gesellschaft der Mosuo. Der Mann ist hier „nur“ für das Kinderzeugen und vermutlich auch für den Spaß zuständig. Ansonsten sichert er den Clan seiner Mutter mit.
    Eigentlich hat dieses Gesellschaftmodell der Mosuo große Vorteil:
    1. Es gibt keinen großen Ehekrach, wenn es nicht mehr klappt (Ehe ist unbekannt)
    2. Da Kinder auf sehr stark auf die Mutter fixiert sind, erleben sie kein Trauma, wenn sich das Paar dauerhaft trennt.
    3. Der Clan bleibt stabil, da die Verwaltung des Gemeineigentums des Clans matrilinar weiter gegeben wird.

    • @Dr. Martin Bartonitz

      Der Nachteil sind eben schlechte Zeiten. Wenn man da jemanden hat, der an einen persönlich gebunden ist und einen vor anderen bevorzugt, dann hat man es besser.

      Würdest du denn mit deinen Töchtern im Mosuo-Modell (und sei es hier in Deutschland) leben wollen? Es bedeutet immerhin auch eine erhebliche Vormacht der Mutter über die Kinder und eine Abwertung des Vaters? Und das auch dein Eigentum matrilinar weitergegeben wird.

    • @ Dr. Martin Bartonitz

      *Eigentlich hat dieses Gesellschaftmodell der Mosuo große Vorteil:*

      Ein Film über die Mosuo

      Eine junge Frau, offenbar unzufrieden mit dem Gesellschaftsmodell sagt: „Die wahre Macht liegt in den Händen der Männer.“

      Ein weiterer Satz (Wirtshausszene am Billardtisch): „Nur Männer spielen, Frauen haben zu viel zu tun.“

      Das Problem matrilinearer Gesellscaften: Männer sind nicht sonderlich motiviert-engagiert.

      So bleiben diese Gesellschaften rückständig und arm.

      • @Roslin

        Interessanter Film.
        Interessant auch, dass angeführt wird, dass das Modell zu einer Frauenbenachteiligung führt, weil die Frauen an das Haus gebunden sind, die Männer hingegen die Möglichkeit haben studieren zu gehen und deswegen bessere Ausbildungen erhalten.

  4. Pingback: Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl | Alles Evolution

Schreibe eine Antwort zu Dr. Martin Bartonitz Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.