Schweden als Vorbild in Geschlechterfragen

Schweden gilt als das Musterland der Gleichberechtigung. Etwas schlechter kommt es bei Catherine Hakim weg (Danke für den Tipp an Roslin):

Sweden proves that social engineering extensions to basic sex equality laws are futile or perverse in their consequences.

In Sweden, three-quarters of working men are employed in the private sector and two-thirds of working women are employed in public services. This industrial segregation of the sexes is an important source of massive occupational segregation and a pay gap as large as anywhere in Europe ) contrary to Swedish claims. A study by the International Labour Office shows that the Nordic countries have the highest degree of sex segregation in occupations among all Organisation for Economic Co-operation and Development countries. The United States has the lowest level within the OECD group, but China has the lowest level in the world. Women are far more likely to reach top management in the US than in Sweden. The problem of the glass ceiling is greater in Sweden than in the US and seems to be a direct consequence of family-friendly policies. Countries with greater economic competition have lower pay gaps between men and women.

Sweden las applied gender equality policies for decades, with little impact on the sexual division of labour in the home and the workplace. Surveys show that virtually all Swedish women prefer not to share maternity leave with fathers. Ideologues made it compulsory. Now some fathers take extra days of baby-leave tagged on to holidays at Christmas and in August. The vast majority of parental leave is still taken by women, who undertake the vast majority of childcare.

If social engineering policies fail in a small, socially and ideologically homogeneous country such as Sweden, they are even less likely to succeed in large and culturally diverse societies such as Britain, where there is genuine debate about the appropriate goals of equal opportunities policies (to give them their correct name) and about possible roles for men and women.

Hier noch etwas zur Erwerbssituation der Schwedinnen in Vergleich zu Deutschland aus anderer Quelle:

Die Erwerbstätigenquote bei Frauen liegt in Sweden bei 73% und in Deutschland bei 59%, zudem arbeiten doppelt so viele Männer 11% statt 6%), aber weniger Frauen (33% zu 44%)Teilzeit.

Die hohe Erwerbsquote ist wohl durch die großzügigen Regelungen zu Erziehungszeiten und Teilzeit und den Ausbau des öffentlichen Sektors, der als Arbeitgeber großzügiger sein kann, bedingt.

Ist das schwedische Modell also auf Deutschland übertragbar und bringt es etwas? Es scheint als sei der Erfolg nicht so hoch.

13 Gedanken zu “Schweden als Vorbild in Geschlechterfragen

  1. was ist erfolg ?

    die grundvorraussetzung die jeglichem model zugrunde liegen muss ist doch als minimum die ‚art erhaltung‘ oder?
    ich meine wenn im tierpark oder zoo ein population immer weniger wird dann stimmen doch die rahmen bedingungen irgendwo nicht.

    insofern sind doch alle gesellschaftsmodelle der letzten jahre ein misserfolg.

    ganz neben bei: negative geburtenraten definiert die UN als genocid

    http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord

    c) die absichtliche Unterwerfung unter Lebensbedingungen, die auf die völlige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen

    d) die Anordnung von Maßnahmen zur Geburtenverhinderung

    „Die hohe Erwerbsquote ist wohl durch die großzügigen Regelungen zu Erziehungszeiten und Teilzeit und den Ausbau des öffentlichen Sektors, der als Arbeitgeber großzügiger sein kann, bedingt.“

    die zeiten wo mit geld um sich geschmissen wurde sind vorbei. auch in den ländern wo diese erwerbsquoten mit viel geld gekauft wurden wird sich das in zukunft wider ändern. wir können nur das ausgeben was wir einnehmen.

    • „was ist erfolg ?

      die grundvorraussetzung die jeglichem model zugrunde liegen muss ist doch als minimum die ‘art erhaltung’ oder?
      ich meine wenn im tierpark oder zoo ein population immer weniger wird dann stimmen doch die rahmen bedingungen irgendwo nicht.

      insofern sind doch alle gesellschaftsmodelle der letzten jahre ein misserfolg.“

      Kann man nicht sagen. Nach dieser Definition, so sie denn den Umkehrschluss zulässt, ist z. B. der Iran sehr erfolgreich. Deutschland eher nicht.

      • hi salvatore

        ich hatte in gedanken die eingrenzung auf die länder die christian im prolog erwähnt hatte.

        das gesellschaftsmodell des iran ist der islam. und wie immer man zu diesem konzept steht und seinen folgen, bedeutet er zumindest erfolgreichen ‚art erhalt‘ etwas zum dem wir im westen nicht mehr die kraft haben. insofern und unter dem begriff ‚Alles Evolution‘ wird es unsere denkweise langfristig nicht mehr geben weil ihm die menschen ausgehen.

        unter dem gesichtspunkt der evolution kann man das dann als erfolgreich betrachten oder?

        (nur das kein missverständniss aufkommt: menschenrechte sind mindeststandart damit werde ich islam nicht als etwas positives betrachten)

  2. @ Christian

    *Die hohe Erwerbsquote ist wohl durch die großzügigen Regelungen zu Erziehungszeiten und Teilzeit und den Ausbau des öffentlichen Sektors, der als Arbeitgeber großzügiger sein kann, bedingt.*

    Alle westlichen Gesellschaften haben in den letzten 4 Jahrzehnten einen Wasserkopf von Öffentlichem Dienst aufgebläht, der vor allem Frauen beschäftigt, weil sich nur der ÖD, der nicht im Wettbewerb steht, in Masse die frauenfreundlichen, frauenfördernden, wenig kompetetiven Arbeitsbedingungen leisten kann, die Frauen erwarten, wollen sie sich nicht „diskriminiert“ fühlen.

    Dieser Arbeitsplatzzuwachs erfolgte im Wesentlichen in den „Frauenarbeitssektoren“, die auch vorher, innerhalb der Familie, von Frauen beackert wurden.

    Nur dass nun diese Arbeit aus der Familie, die zerfällt, ausgelagert wurde in den ÖD (Pflege, Kinderaufzucht, „Verwaltung“ des Familienbudgets etc.)

    In der Familie hat der Ehemann diese Arbeit finanziert, im Frauenversorgungsstaat (par excellence Schweden) finanziert der Staat diese Arbeit als neuer „Ersatzversorgerehemann“ der Frauen.

    Und der Sozialstaat finanziert sich zu 70-80 % aus männlicher Erwerbsarbeit über Steuern und Sozialabgaben, um sich diese Frauenarbeit leisten zu können.

    Es sind nach wie vor allem Männer, die im Wesentlichen materiell vor allem Frauen versorgen, nur nun nicht mehr konkret allein die Frauen, die sie kennen und lieben, sondern durch Zwischenschaltung des Sozialstaates, viele Frauen, die sie nicht kennen, mit denen sie nichts verbindet.

    Das motiviert natürlich nicht so sehr, sich anzustrengen, als wenn mann für die eigene Frau und die eigenen Kinder schuftet.

    Diese Form der Frauenversorgung ist aber nicht mehr lange durchhaltbar.

    Weil immer weniger ausbeutungsfähige und ausbeutungswillige Männer, die mit den von ihnen im Hochleistungsmodus erwirtschafteten Steuern diesen Wasserkopf am Leben erhalten, zur Verfügung stehen.

    Eigentlich waren sie dazu nie in der Lage, denn, welch Zufall, die Verschuldung wächst ja auch seit ca. 40 Jahren und hat nun eine Ausmaß erreicht, das nicht mehr lange steigerbar ist.

    Die Stunde der Wahrheit rückt näher.

    Sie wird bitter und uns von mancher Illusion befreien.

    Noch mehr Aktenschubsen und Gummibaum pflegende ÖkotrophologInnen im ÖD, noch mehr Ausweitung des staatlichen Sektors durch Ausweitung seiner Kontroll – und Regelungswut, die von BeamtInnen in der Umsetzung kontrolliert und geregelt wird, geht einfach nicht.

    Das jetzige Ausmaß ist ja schon lange nicht mehr durchhaltbar.

    Wir kaschieren das durch Schulden.

    Es gibt einen sehr harten Aufschlag, fürchte ich, der sehr viele Arbeitsplätze im ÖD kosten wird.

    Wenn die Basis wegbricht, die das ganze trägt, dann kann man den Wasserkopf via Schulden noch einige Zeit in der Höhe halten.

    Aber das geht nicht unbegrenzt.

    Time is running out.

  3. „“Ist das schwedische Modell also auf Deutschland übertragbar und bringt es etwas? Es scheint als sei der Erfolg nicht so hoch.““

    Das Profitmaximierungsprinzip setzt auf Arbeitskräfte, die dem Unternehmen so weit wie möglich mit nur geringen Einschränkungen zur Verfügung stehen. Dies wird meist als „Flexibilität des Arbeitnehmers“ bezeichnet. Ausgehend von dieser Prämisse ist eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf kaum möglich. Grundsätzlich gilt: Je dominanter die Profitmaximierungsstrategie, je liberalisierter der Arbeitsmarkt, je grösser der Wunsch nach Karriere in der Privatwirtschaft, umso geringer die Kompatibilität von Familie und Beruf.

    Der „flexible Arbeitnehmer“ passt sich optimal an die Erfordernisse des Arbeitsmarktes an. So ist er u.a bereit, seinen Wohnort häufig zu wechseln, er ist kurzfristig bereit Sonderschichten zu übernehmen, nimmt lange Arbeitswege in Kauf, leistet Überstunden und vieles mehr. Je höher er die Karriereleiter erklimmt, umso flexibler muss er sein. Das verträgt sich nur schlecht mit einer Familie, es sei denn, die Mutter oder der Vater übernimmt Haushalt und Erziehung – also das klassische, traditionelle Modell, wobei die Rollen auch getauscht werden können.

    Ein Ausweg aus dem Dilemma, dass sich Beruf/Karriere und Familie in einem liberalisierten, konkurrenz- und wettbewerbsorientierten Arbeitsmarkt nur schlecht vereinbaren lassen bietet der Öffentliche Dienst. Der ÖD ist nicht Teil des liberalisierten Arbeitsmarktes. Er ist nicht dem Profitmaximierungsprinzip unterworfen. Er muss sich nicht gegen Konkurrenz behaupten. Das schafft Freiräume für familienfreundliche Arbeitsgestaltung auf Kosten der Effizienz.

    Das Schwedische Modell ist einfach die logische Konsequenz der Forderung, familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen. Übertragbar ist das Modell. Man muss es sich aber leisten können, denn ein aufgeblähter ÖD ist ein Luxus, den sich nur wohlhabende Staaten leisten können.

    Der hohe Frauenanteil im ÖD sowie in Non-Profit-Organisationen allgemein ist dann zwangsläufig, zumindest solange, wie Frauen sich Kinder wünschen und sich nicht bloss als „female breadwinner“ verstehen.

    Das Schwedische Modell aber ist aus feministischer Sicht kein Erfolgsmodell, obwohl Schweden andauernd als mustergültig dargestellt wird. Dies deshalb, weil die Arbeitssegregation in Schweden noch viel ausgeprägter ausfällt als in allen anderen hochentwickelten Staaten. Es war immer ein vorrangiges Ziel der Feministen, die geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation zu überwinden.

    • @Peter Bosshard

      Die Frage ist eben, wie Schweden letztendlich den großen öffentlichen Sektor finanziert und inwiefern sich das tatsächlich lohnt. So wie ich das sehe läuft das anscheinend über sehr hohe Steuern, insbesondere auch Umsatzsteuern. Macht eben Waren in diesen Ländern auch sehr teuer.
      Norwegen kann vielleicht noch etwas mit Öl nachhelfen, Schweden hat auch einiges an Bodenschätzen, wäre interessant, inwiefern das eine Rolle spielt.

      Interessieren würde mich auch, wie die Arbeitszeiten in der schwedischen Privatwirtschaft im Vergleich zu Deutschland sind, insbesondere im oberen Management.

  4. Das Modell ist nicht übertragbar und auch nicht vergleichbar. Permanent werden die skandivanischen Länder als Musterbeispiel herangezogen, sei es Bildung, Kinderversorgung, Frauen“quoten“ o.ä.
    Man sollte sich mal die Steuersätze vergleichen, dann weiß man auch warum skandinavische Modelle nciht auf Deutschland übertragbar sind. Sobald deutsche Gut- oder Besserverdiener höher besteuert werden sollen werden Gehälter verschleiert oder das Geld ins Ausland gebracht und die Strafen hierfür sind dermaßen lächerlich…
    Der Gesellschaft schaden ist vollkomme ok wenn man „oben“ steht. Diese Sicht unterscheidet Deutschland eindeutig von Skandinavien und teilweise auch den Niederlanden.

      • Hallo Christian,

        das sind ja alles Behauptungen meinerseits, so auch das Folgende:
        ja, ich glaube dass die Verbundenheit zum Land größer ist. bzw. die Akzeptanz, dass wenn man eine funktionierende Gesellschaft haben will auch die Reichen ihren Teil dazu beitragen müssen.
        Die Ansicht, dass Deutschland der Zahlmeister der EU wäre geht genau in die Richtung. Es wird sich beschwert, dass Deutschland zahlt, aber nur von wenigen gesehen, dass Deutschland auch am meisten davon profitiert und mit das größte Interesse an einer stabilen Währung hat.
        Ich weiß leider nicht genau was andere EU-Staaten in den Rettungsfonds bezahlen, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass z.B. in Luxemburg der pro-Kopf Beitrag höher ist als in Deutschland.

        Wie das mit Strafen für Steuersünder in Schweden ist kann ich leider auch nicht sagen. Ich sehe aber, dass bei einer Selbstanzeige in Deutschland die juristischen Konsequenzen ausbleiben und das kann so nicht sein.

      • „ja, ich glaube dass die Verbundenheit zum Land größer ist.“

        Könnte ich mir auch vorstellen. Einwohner kleiner Länder haben häufig einen größeren Bezug zu ihrem Land, weil es eben auch nicht soviel Platz für Abweichungen gibt und das Leben weniger anonym ist.

  5. Pingback: „Mehr Jobs für Frauen in Deutschland nötig“ « Alles Evolution

  6. Pingback: Berufswahl, pränatales Testosteron und Digit Ratio « Alles Evolution

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.