Sascha Lobo, Frauenquoten und feministische Konzepte

Sascha Lobo ist für die Frauenquote – unter Anerkenntnis des Umstandes, dass es im Feminismus auch eine Menge Mist gibt – und will seine Blogroll paritätisch besetzen. Dazu sucht er weitere von Frauen geschriebene Blogs und bittet unter anderen auch Frauen ihm solche zu nennen.

Das wiederum erzürnt Lantzschi, denn das Frauen auch noch arbeiten müssen um wahrgenommen zu werden geht nicht, Lobo sollte sie gefälligst selbst entdecken.

Außerdem genügt es nicht einfach nur Frauen in die Blogroll aufzunehmen, es müssen auch die richtigen Frauen sein, die zum richtigen Thema schreiben:

Wenn schon Quote im Netz, dann bitte eine Themenquote mit Hinblick auf den soziostrukturellen Background des_der Schreibers_in. Eine ‘Frau’ macht schließlich noch keinen Antisexismus. Schwer umzusetzen? Viel Arbeit notwendig? Sicherlich. Aber wenn wir schon von der politischen Kraft des Netzes reden, sollten auch alle daran teilhaben können, oder? Sollte Herrschaftskritik zum Grundinventar gehören.(…)

Es geht nicht darum, ob ‘Frauen’ sichtbar sind, sondern ob ihre Themen sichtbar sind. (…) Ein Feminist, der sich ‘Frauen’ vorschlagen lässt für seine Blogroll, geht mir nicht weit genug.

Und später dann:

Ich finde deine Idee ja nett, auch wenn ich sie für paternalistisch und substanzlos halte. (…) Es ist schließlich nicht so, als würdest du irgendwem hier etwas neues erzählen, wenn du diesen Aufruf startest, als müssten die Frauen/Feminist_innen erst noch gefunden werden, als müssten ein paar Männer hier mal bitte “Frauenblogs” abonnieren. Als würde das Problem darin bestehen. Von ein paar Privilegienpenissen abgesegnet und hofiert zu werden, ist nicht das, worum es geht und worum es denen geht, die diese konstruierte weiße und männlich-dominierte Suppe anprangern, an der wir alle mitlöffeln.

Antje Schrupp diskutiert diese Diskussion unter dem Stichwort Radikalität.

Meiner Meinung nach spielen bestimmte Konzepte dabei eine Rolle.

1. Eine Mitarbeit der angeblich benachteiligten Gruppe darf nicht verlangt werden bzw. Verhaltensregeln nicht auferlegt werden

Das ist ein Grundsatz, den man in vielen feministischen Diskussionen trifft. Er scheint mir  auf dem Gedanken zu beruhen, dass eine Ungleichheit immer in die Verantwortung der in diesem Teilbereich besser gestellten Gruppe fällt (zumindest sofern man der Gruppe mit der Benachteiligung in diesem Teilbereich angehört). Das zieht sich durch viele Bereiche, von den Gehaltsunterschieden angefangen, wo wenig Forderungen aufkommen an dem Anteil der 23% zu arbeiten, der auf Frauenseite behoben werden kann, durch andere Studienfächer, weniger Teilzeit etc über  die Privilegierungstheorie, bei der der Mann darauf achten muss, dass er seine Privilegien nicht ausnutzt über Vorsichtsmaßnahmen gegen sexuelle Gewalt.

Meiner Meinung nach kontraproduktiv. Nur weil man der Idee anhängt, dass es gerechter wäre, wenn der „Täter“ (der ja auch nur aufgrund der Zuordnung zur Gruppe angesprochen wird) handelt, bedeutet es ja nicht, dass man nicht aktiv selbst mitarbeiten kann, um seinen Teil beizutragen.

2. Feminismus ist das Gruppeninteresse der Frauen, Maßnahmen die zwar Frauen fördern, aber nicht den Feminismus sind damit unzureichend

Eine direkte Folge der Grundannahmen des Genderfeminismus:

  1. Das Geschlecht ist sozial konstruiert
  2. Das Motiv des Menschen für seine Handlungen ist Macht
  3. Menschliche Interaktionen sind von Gruppeninteressen bestimmt, nicht von Einzelinteressen

Das Spiel wird nicht gespielt, um Einzelinteressen von bestimmten Frauen zu fördern, sondern Macht im Diskurs zu erlangen. Das zu fördernde Gruppeninteresse ist der Feminismus, dieser, nicht einzelne Frauen, muss daher gefördert werden. Einzelne Frauen können eben auch Helfer einer hegemonialen Männlichkeit sein oder so tief durch ihre gesellschaftliche Prägung belastet sein, dass sie die Gruppeninteressen der Frauen – Feminismus – nicht erkennen.

3. Wenn Männer Aktionen vorschlagen, in der sie nicht selbst Privilegien eingestehen und abbauen handeln sie paternalistisch oder betreiben Mansplaining

Eine Aktion eines Mannes zur Förderung von Frauen, bei der einfach nur gehandelt werden soll, ohne zur Machtfrage, auf der die abzubauende Vorherrschaft des Mannes beruht, Stellung zu nehmen wird sich recht schnell das Prädikat „paternalistisch“ einfangen. Denn zu einer solchen Aktion gehört zunächst erst einmal die Einsicht, dass Mann schlecht ist, zumindest privilegiert, das lediglich Vorteile des Mannes abgebaut werden, die dieser fest in der Hand hat. Richtig ist es eher so, falsch hingegen ist es zunächst erst einmal auf dem Feminismus herumzureiten und dann auch noch Handlungen von Frauen zu fordern. Verbesserungsvorschläge sollte man auch nicht machen, dass ist Mansplaining.

Schweden als Vorbild in Geschlechterfragen

Schweden gilt als das Musterland der Gleichberechtigung. Etwas schlechter kommt es bei Catherine Hakim weg (Danke für den Tipp an Roslin):

Sweden proves that social engineering extensions to basic sex equality laws are futile or perverse in their consequences.

In Sweden, three-quarters of working men are employed in the private sector and two-thirds of working women are employed in public services. This industrial segregation of the sexes is an important source of massive occupational segregation and a pay gap as large as anywhere in Europe ) contrary to Swedish claims. A study by the International Labour Office shows that the Nordic countries have the highest degree of sex segregation in occupations among all Organisation for Economic Co-operation and Development countries. The United States has the lowest level within the OECD group, but China has the lowest level in the world. Women are far more likely to reach top management in the US than in Sweden. The problem of the glass ceiling is greater in Sweden than in the US and seems to be a direct consequence of family-friendly policies. Countries with greater economic competition have lower pay gaps between men and women.

Sweden las applied gender equality policies for decades, with little impact on the sexual division of labour in the home and the workplace. Surveys show that virtually all Swedish women prefer not to share maternity leave with fathers. Ideologues made it compulsory. Now some fathers take extra days of baby-leave tagged on to holidays at Christmas and in August. The vast majority of parental leave is still taken by women, who undertake the vast majority of childcare.

If social engineering policies fail in a small, socially and ideologically homogeneous country such as Sweden, they are even less likely to succeed in large and culturally diverse societies such as Britain, where there is genuine debate about the appropriate goals of equal opportunities policies (to give them their correct name) and about possible roles for men and women.

Hier noch etwas zur Erwerbssituation der Schwedinnen in Vergleich zu Deutschland aus anderer Quelle:

Die Erwerbstätigenquote bei Frauen liegt in Sweden bei 73% und in Deutschland bei 59%, zudem arbeiten doppelt so viele Männer 11% statt 6%), aber weniger Frauen (33% zu 44%)Teilzeit.

Die hohe Erwerbsquote ist wohl durch die großzügigen Regelungen zu Erziehungszeiten und Teilzeit und den Ausbau des öffentlichen Sektors, der als Arbeitgeber großzügiger sein kann, bedingt.

Ist das schwedische Modell also auf Deutschland übertragbar und bringt es etwas? Es scheint als sei der Erfolg nicht so hoch.