„Fun & Care“-Kindergarten und geschlechtssensible Pädagogik II

In dem Beitrag „„Fun & Care“-Kindergarten und geschlechtssensible Pädagogik“ wurde über die dortigen Praktiken diskutiert, allerdings war nach der Homepage vieles über den dortigen Ablauf unklar.

Ein Bericht bietet weitere Informationen:

Die BetreuerInnen ertappten sich immer wieder bei scheinbar banalen Alltags-„Fehlern“ wie ein unterschiedliches Begrüssen von Kindern nach dem Wochenende. Buben wurden gefragt, was sie am Wochenende gemacht haben, Mädchen für ein schönes neues Kleid gelobt. Wenn es darum geht, Spielsachen schnell einzuräumen, wendet sich das Personal automatisch an die Bereitwilligen, was natürlich meistens Mädchen sind. Vom Raumkonzept her haben die meisten Kindergärten eine Puppen- und eine Bauecke, in die sich das jeweils andere Geschlecht selten verirrt, auch wenn solche Besuche erwünscht sind. Zudem spielen die Buben in der Puppenecke in der Regel Vater, der weggeht, um zu arbeiten, oder sie sind der Hund. Bei Fun & Care gibt es solche Spielecken nicht, sondern der Zugang zu unterschiedlichen Spielsachen ist offen. Durch Puppenwickelkurse sind die Buben nun später sicher in der Lage, ihre eigenen Kinder perfekt zu wickeln. (…)

Zum Kindergartenangebot gehören auch empfehlenswerte Bücher, wobei sich auch in schönen Bilderbüchern Geschlechtsrollenstereotype verbergen können. Ein guter Anlass aber, die erzählte Geschichte mit den Kindern zu thematisieren und andere Verläufe vorzuschlagen. Wichtig war im Projekt auch, Sensibilität für Sprache zu wecken, wobei die Kinder mit Begeisterung mitmachten. Die Eltern wurden soweit möglich einbezogen und auch hier darauf verzichtet, sich automatisch an die Mutter zu wenden. Immerhin ist die Väterbeteiligung bei Fun & Care grösser gewesen als in einem in der Evaluation herangezogenen Kontrollkindergarten. Mädchen sollten lernen, Nein zu sagen, offensiv auf etwa zugehen, sich zu wehren und zu verteidigen. Buben hingegen, ihren Körper positiv wahrzunehmen, Frustrationen zu ertragen und auch mal Hilfe zu holen, da sie nicht alles alleine schaffen müssen.

Interessanterweise waren die in diesem Projekt erzielten Effekte mitunter gar nicht so deutlich im Vergleich zur Kontrollgruppe. Dies erklärt sich aber zum einen daraus, dass Kinder nur zum Teil vom Kindergarten beeinflusst werden, zum anderen resultiert es aus einer erst späteren Ausprägung von Geschlechtsrollen. Dennoch waren in beiden Gruppen die Mädchen eher bereit von Stereotypen abzugehen als die Burschen.

Aus einem Interview mit der Leiterin:

dieStandard.at: Ist bei fun&care tatsächlich zu beobachten, dass hier Geschlechterrollen aufbrechen?

Rosenlechner: Ja. Aber das Raumkonzept allein kann hier gar nichts bewirken. Das gesamte Konzept des Kindergartens steht auf vier Säulen, da gibt es auch ein Personalkonzept, das Männer und Frauen in unterschiedlichen hierarchischen Ebenen vorsieht, aber im Alltag integriert, als tägliches Vorbild. Damit die Kinder sehen, dass auch Männer Fürsorgearbeit leisten können, dass auch Frauen in höheren Positionen sitzen können.

(…)

Einerseits haben wir einmal in der Woche einen Buben- und Mädchentag, an dem wir geschlechtshomogene Gruppen bilden, die ihren jeweils eigenen Raum bekommen. Die Mädchen werden von Frauen betreut, die Buben von Männern.

So werden Reflexionsebenen eingezogen. Die Geschlechtshomogenität erlaubt ihnen, auch gewisse Bereiche anzugreifen, sich in gewissen Ebenen zu bewegen, die in geschlechtsgemischten Gruppen nicht da sind. Wenn es nämlich darum geht, das eigene Geschlecht zu entdecken, ist es oft notwendig, sich vom anderen zu distanzieren: „Wenn ich ein Bub bin, bin ich auf keinen Fall ein Mädchen“. Im geschlechtshomogenen Bereich ist das nicht notwendig.

Bei den Buben wirkt da auch die Vorbildwirkung des männlichen Pädagogen, des Helfers sehr gut. Da arbeiten wir mit Massagebällen, intensivieren das Puppenspiel, wir schauen, wo die Kinder eigentlich stehen, was brauchen sie noch, um dann im geschlechtsgemischten Bereich gut zusammenarbeiten zu können. Wenn wir davon ausgehen, dass das „Bubenspielzeug“ nur einen Teil des Entwicklungsbereiches abdecken kann, muss ich eruieren, was sie noch brauchen, um den Rest des Kuchens erleben zu können. Genau das gilt auch für die Mädchen.

Mädchen – und Bubenarbeit passiert aber auch ganz einfach auch bei Situationen im Alltag. Das fängt bei Wickelsituationen in der Krippe an, wo es für die Kinder ganz wichtig ist, Männer und Frauen dabei zu erleben, die mit den Kindern gut arbeiten, dass sie lernen, sich abzugrenzen, eigene Regeln aufzustellen.

Interessant finde ich natürlich wieder mal den Aspekt, dass es wenig zu ändern scheint. Und natürlich die Idee,  Geschlechterrollen aufzubrechen, die ja für mehr als beobachten spricht.

18 Gedanken zu “„Fun & Care“-Kindergarten und geschlechtssensible Pädagogik II

  1. @ Christian

    *Die BetreuerInnen ertappten sich immer wieder bei scheinbar banalen Alltags-“Fehlern“ wie ein unterschiedliches Begrüssen von Kindern nach dem Wochenende. *

    Wäre interessant, den Neurotisierungsgrad von Menschen zu erfassen, die sich permanent daraufhin belauern, ob sie ideologiekonform-kontraintuitiv handeln.

    Es ist ja nicht einfach, kommt einer permanenten Selbstvergewaltigung gleich, immer gegen seine Instinkte anzukämpfen, macht nicht glücklich, wahrscheinlich sogar krank.

    Und so gestresste ErzieherInnen sollen förderlich für Kinder sein?

    *Zum Kindergartenangebot gehören auch empfehlenswerte Bücher, wobei sich auch in schönen Bilderbüchern Geschlechtsrollenstereotype verbergen können. Ein guter Anlass aber, die erzählte Geschichte mit den Kindern zu thematisieren und andere Verläufe vorzuschlagen.*

    Eine gute Methode, Jungen die Freude am Lesen endgültig abzugewöhnen.

    Sie begreifen nicht, dass Kinder abweisen, was sie nicht mögen, dass sie eben keine X-beliebig zu beschriftenden leeren Blätter sind.

    Jungen sind eigensinniger, störrischer als Mädchen.
    Sie lehen konsequenter ab, was sie nicht wollen, was ihren Instinktneigungen widerspricht.

    Männer verkörpern darum vorrangig das Element der Selbstbehauptung eines Clans/eines Volkes/einer Zivilisation.

    Eroberer handeln danach: Männer im Battle Age (15-50) werden seit jeher eher umgebracht oder härter versklavt/unterdrückt (in Minen, Steinbrüchen, Zwangsarbeitlagern) als Frauen.

    Die werden sehr viel seltener umgebracht, dafür häufiger vergewaltigt und/oder geheiratet.

    Weil sie sich bereitwilliger unterwrfen, weil mann’s mit ihnen machen kann.

    Frauen ohne Männer, die FÜR sie kämpfen, sind darum de facto Beute.
    Die längste Zeit der menschlichen Geschichte über war das so.

    *Interessanterweise waren die in diesem Projekt erzielten Effekte mitunter gar nicht so deutlich im Vergleich zur Kontrollgruppe.*

    Das ist natürlich hochgradig überraschend.

    *Dies erklärt sich aber zum einen daraus, dass Kinder nur zum Teil vom Kindergarten beeinflusst werden, zum anderen resultiert es aus einer erst späteren Ausprägung von Geschlechtsrollen. Dennoch waren in beiden Gruppen die Mädchen eher bereit von Stereotypen abzugehen als die Burschen.*

    Das wird mit allem möglichen erklärt und je weiter die Erklärung von der WAHRnehmung des Menschen als Säugetier wegführt, desto willkommener.

    Wär’s nicht so traurig, dieses angestrengte Vorbeischielen am Offensichtlichen wär‘ eigentlich zum Lachen.

    Die Genderista wird sich das Verhalten der Mädchen mit ihrer edleren Natur, ihrer Avanciertheit, ihrer „Modernität“ erklären.

    Ob sie daran denkt, dass Mädchen im Schnitt ganz einfach beeinflußbarer sein könnten, abhängiger von Vorgaben, vom Zeitgeist, vom Geschätzt-und Getragenwerden der Gruppe, weniger eigensinnig, weniger störrisch, sich leichter unterwerfend dem herrschenden Mantra, weil mehr auf Konformität bedacht, mehr auf Konformität angewiesen als dem Geschlecht zugehörig, das die Gruppe/den Clan häufiger verlassen musste und sich in einer fremden sozialen Entität, der ihres Mannes einzufügen hatte?

    *…,die mit den Kindern gut arbeiten, dass sie lernen, sich abzugrenzen, eigene Regeln aufzustellen.*

    Bloß nicht.

    Dann werden sie eine Enttäuschung eleben.

    Beobachtung von kindlichem Spielverhalten zeigt, dass Kinder selbst jene Regeln einregulieren, die die Geschlechtersegregation, das Auseinanderentwickeln sichert.

  2. *Die BetreuerInnen ertappten sich immer wieder bei scheinbar banalen Alltags-“Fehlern“ wie ein unterschiedliches Begrüssen von Kindern nach dem Wochenende. *

    Hier haben wir es doch – „Fehlern“. Was meinst du erst, wie die Jungen und Mädchen verunsichert sind, wenn einmal alles „rollenkonform“ erfolgt, sich dann die Pädagoginnen dabei „ertappen“ und dann wieder nicht. Da muss man ja verblöden, beim Anlaufen gegen Windmühlen. Wenn schon Luftschlösser, dann bitte auf einem Fundament.

    Christian, ich bin enttäuscht. Du zitierst aus DIEstandard als Informationsquelle, DER GM-Instanz der heimischen Medien. Sollte dir DIE Standard nicht schon Aufschluss genug geben. Ich fordere eine Quote bei DIE standard. Magst du nicht ganz „objektiv“ aus der Emma zitieren?

  3. @ skeptiker

    Ja, die Standard ist Propaganda pur, aber umso erstaunlicher, was trotzdem sichtbar wird.

    Als ob die PRAWDA 1974 von prinzipiellen Problemen mit der Planwirtschaft berichtet hätte.

  4. @Christian
    Interessant finde ich natürlich wieder mal den Aspekt, dass es wenig zu ändern scheint. Und natürlich die Idee, Geschlechterrollen aufzubrechen, die ja für mehr als beobachten spricht.
    Sozialisation findet eben nicht nur im Kindergarten statt. So neu ist das jetzt auch wieder nicht. Und dass im Kindergarten mehr gemacht wird als nur Beobachtung, ist auch klar. Ist ja eben keine reine Aufbewahrungsanstalt sondern auch Lernort. (per Definition der Pädagogik aber das hab ich in den Kommentaren zum ersten Post ja schon mal ausgeführt)
    Aufbrechen der Geschlechterrollen ist trotzdem keine Umerziehung. Sonst würden sie ja nicht zugeben, dass es sowieso nicht ganz funktioniert.

    Wenn ich in 2-5 Jahren meine eigenen Kinder dort unterbringe, kann ich dir ja auch erster Hand berichten, was die dort so machen.

    • @Khaos.Kind

      „Sozialisation findet eben nicht nur im Kindergarten statt.“

      Richtig. Dei der Geschlechtersozialisation findet sie zum Hauptteil im Mutterleib statt. Deswegen kann der Kindergarten hier nicht mehr viel ändern. Genauso wenig wie die Gesellschaft oder ein Kindergarten eine Transsexuelle zu einem Geschlechterverhalten erziehen kann, dass ihrem Phänotyp entspricht kann sie es andersrum bei „typischeren“ Kindern auch nicht.

      „Aufbrechen der Geschlechterrollen ist trotzdem keine Umerziehung. Sonst würden sie ja nicht zugeben, dass es sowieso nicht ganz funktioniert.“

      Das ist kein zwingender Schluss. Sie versuchen es meiner Meinung nach schon, sie sehen hier nur die Rolle der Gesellschaft als zu stark an. „Geschlechterrollen aufbrechen“ ist schon der Versuch einer Umerziehung, die Kinder sollen schließlich aus ihren Geschlechterrollen „befreit“ werden.
      Es würde mich interessieren, wie die umgekehrte Diskussion wäre:

      Ein Kindergarten mit transsexuellen Kindern, bei denen diesen gezeigt werden soll, dass man auch innerhalb der normalen Geschlechterrollen sehr gut leben kann und ihre engen Geschlechterrollen (eben von der anderen Seite her) aufgebrochen werden sollen und sie daraufhin genau beobachtet werden sollen. Ich denke es würde Protest geben. Und zu recht. Dabei ist es ja genau der gleiche Vorgang.

      So neu ist das jetzt auch wieder nicht. Und dass im Kindergarten mehr gemacht wird als nur Beobachtung, ist auch klar. Ist ja eben keine reine Aufbewahrungsanstalt sondern auch Lernort. (per Definition der Pädagogik aber das hab ich in den Kommentaren zum ersten Post ja schon mal ausgeführt)

      • Auch wenn die gesellschaftlichen Geschlechtsrollen sich entlang der Instinkte entwickelt haben mögen, es sind doch immer noch Gesellschaftliche.

        Es gibt Untersuchungen darüber, was so über verschiedene Kulturen immer gleich ist, und was Variationen unterworfen ist.

      • @Bad Hair Day

        „Auch wenn die gesellschaftlichen Geschlechtsrollen sich entlang der Instinkte entwickelt haben mögen, es sind doch immer noch Gesellschaftliche.“

        Wenn du damit meinst, dass Jungen und Mädchen bestimmte Präferenzen für bestimmte Verhalten aufgrund ihrer Instinkte haben, allerdings die möglichen Auswahlverhalten gesellschaftlich sind, dann würde ich dir (teilweise) recht geben. Teilweise, weil eben auch Verhaltensweisen so gesehen beschränkt sind und in kategorien eingeordnet werden können. Mädchen werden zB instinktiv eher zu personenähnlichen figuren hingezogen als zu sachen. Dies können natürlich je nach Kultur handgenähte Puppen oder Cyberavatare sein, aber das Prinzip der Handlung bleibt gleich.
        Wenn du das nicht meinst: Könntest du dann bitte etwas näher ausführen, was du meinst?

        „Es gibt Untersuchungen darüber, was so über verschiedene Kulturen immer gleich ist, und was Variationen unterworfen ist.“

        Genau. Und bei den Geschlechtern zeigen sich da durchaus große Übereinstimmungen was jeweils Jungen und was Mädchen bevorzugen, was eben den entsprechenden gleichen Instinkten geschuldet ist.

      • Das ist ein gutes Beispiel. Dann natürlich die Sache mit Pink, das mal Blau war. Ob nun gerade Männer oder Frauen Röcke bevorzugen, ob Pferdesport gerade als weibliches (z.B. Deutschland) oder männliches (z.B. Vereinigte Arabische Emirate) Hobby(*) gilt.

        (*) Einen ganz grossen Unterschied gibt es allerdings. Ist ein Thema von Männern besetzt, geht es vorgängig um Status

      • „Einen ganz grossen Unterschied gibt es allerdings. Ist ein Thema von Männern besetzt, geht es vorgängig um Status“

        Klar, das ist nun einmal in unserer Biologie. Ein Steinzeitmann musste an Status interessiert sein. Es folgt fast zwangsläufig aus den hohen Kosten der Schwangerschaft und der langen Unselbständigkeit von menschlichen Kindern. (SST)

      • Alledings auch nicht überall gleich. Mein Autofaible hat mich ja in Kontakt mit 2 verschiedenen Gruppen gebrauch (weil ich selbst das sozusagen Intersektionell bin). (Super-)Sportwagenbesitzer und Oldtimerliebhaber. Während ich mit den Sportwagenliebhabern das Problem hatte, dass sie Untereinander gerne Status aushandeln wollten („Ha! mein M5 mit drei Personen hat einen Lamborghini Diablo geschlagen“ Nur das der nichts davon wusste, das er ein Rennen fährt 😉 )
        Bei den Oldtimerliebhabern geht es entspannter zu. Da sind die Autos wohl auch einfach untereinander zu verschieden. Selbst Rennen sind als Gleichmässigkeitsrennen ausgelegt. Da fühlte ich mich aber manchmal deplaziert, weil ich nicht gerne an Autos bastle (ich kann, wenn ich muss, aber ich mache es nicht gerne).
        Der Besitz eines Ferrari Oldtimers ist sowieso etwas ganz besonderes. Ich stehe noch mit dem jetzigen Besitzer und allen Vorbesitzern in Kontakt, alle wollen Informiert sein, wie es dem Auto geht. (Und ich hab mir eine Rückkaufoption gesichert, falls der aktuelle Besitzer den Wagen wieder überdrüssig wird. Der ist ein Bastler, der braucht irgendwann das nächste Projekt).

  5. @ BHD

    *(*) Einen ganz grossen Unterschied gibt es allerdings. Ist ein Thema von Männern besetzt, geht es vorgängig um Status*

    Weil es Frauen auch vorgängig um Status geht: dem der Männer

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