Frauenquote: Merkel sagt nein

Merkel hat gestern ein Machtwort gesprochen und die Frauenquote ist erstmal vom Tisch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt bis auf weiteres die Idee ab, eine Frauenquote für die Führungsgremien von Unternehmen gesetzlich vorzuschreiben. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Es wird keine gesetzlich verpflichtende Quote geben.“ (…)Merkel setzt offenbar stärker auf den Gegenvorschlag von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die den Unternehmen eine weitere Frist setzen will, ihre vor zehn Jahren beschlossene freiwillige Selbstverpflichtung doch noch in die Tat umzusetzen. Seibert verwies darauf, dass diese Frist allerdings zeitlich begrenzt werden könnte, um den Unternehmen deutlich zu machen, dass nicht weitere zehn Jahre Zeit ins Land gehen dürften. Er sprach von einem „überschaubaren Zeitraum“, den man der Wirtschaft noch einmal gewähren wolle.

Ganz ist die Sache aber nicht vom Tisch:

Trotzdem ist von der Leyen überzeugt, „dass es spätestens im Jahr 2018 eine Quote geben wird, ob national oder angetrieben über die anderen europäischen Länder.“

Die Unternehmen atmen erstmal auf. Die feministischen Blogs sind entsetzt von unser ersten weiblichen Kanzlerin.

Dem Mädchenblog hat es wohl schlicht die Sprache verschlagen.

Die Mädchenmannschaft kritisiert hingegen Merkel:

Merkel [hat] mal wieder das gemacht, was sie am besten kann: Schwammig bleiben, den Koalitionspartner nicht verschrecken und keinesfalls eine eigene Haltung zeigen.

Nach drei aufregenden Tagen heißt es also für uns: back to normal.

Da nach der Quote ja auch immer etwas vor der Quote ist (siehe EU) bleibt aber die weitere Entwicklung abzuwarten.

17 Gedanken zu “Frauenquote: Merkel sagt nein

  1. Das Problem ist: unsere, d.h die westeuropäischen Frauen [edit] sind durch eine kleinbürgerliche Sozialisation gefangen in der Vorstellung, dass Frauen versorgt werden müssen, in diesem Fall durch Quotierungen, um ihnen exklusive, geschützte Räume zu garantieren. Kurzum: Entgegen der medialen Lobhudelei haben wir schlicht zu wenig emanzipierte Frauen und viel zu viel kleinbürgerliche Mädchen, die ausser Ansprüche an den Mann zu stellen nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe kriegen.

    Seh sich doch einer mal die Iranerinnen an. Sie belegen mittlerweile rund die Hälfte aller MINT-Studienplätze an den iranischen Universitäten, in einem Umfeld, das schwerlich als frauenprivilegierend gelten kann.

    Diese Frauen sind emanzipierter, als es unsere Mädchen je sein werden. Diese Frauen aus dem Iran brauchten nie eine Quote. Alles, was sie brauchten ist lediglich gleichberechtigter Zugang. Und unsere ? Versorgt mich, schafft mir exklusive Räume, damit ich Powermädchen spielen kann, beschützt mich, denn ich bin so stark und emanzipiert. Und klappt etwas nicht, dann ist es das Patriarchat, das Old Boys Network oder hegemoniale Männlichkeit, nur an mir liegt es ganz bestimmt nicht, denn ich bin das Powermädchen aus dem Kleinbürgertum !! Ein Witz. Wenn der Anteil an Frauen in den Führungsetagen ohne Quoten steigen soll, dann importiert emanzipierte Frauen. Unsere schaffens ohne Quote in diesem Leben nicht mehr.

  2. @Peter Bosshardt

    Bitte nach Möglichkeit etwas sachlicher im Ton.

    Susan Pinkers These ist ja, dass mehr Wahlmöglichkeiten für Frauen eher dazu führen, dass diese ihren Interessen nachgehen und die sind eben weniger auf MINT Studiengänge ausgerichtet. Insofern wäre es allenfalls eine kurzfristige Lösung.

    Ich frage mich allerdings, warum der Ansatz Mädchen in MINT Fächer zu bekommen nicht nachhaltiger von feministischer Seite verfolgt wird. Da würde eine groß angelegte Werbekampagne, dass man selbst etwas tun muss, um die Frauenquote zu fördern und deswegen Ingenieur statt Sozialpädagogik studieren soll doch der beste Weg.

  3. „Ich frage mich allerdings, warum der Ansatz Mädchen in MINT Fächer zu bekommen nicht nachhaltiger von feministischer Seite verfolgt wird.“

    Es wird das gegenteil versucht: die MINT-Fächer zu feminisieren (oder besser: zu feministisieren).

    In der heutigen FAZ findet sich ein Artikel von Hans Peter Klein (lehrt Didaktik der Biologie an der Goethe-Universität Frankfurt und ist Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften) über die neuen hessischen Curricula zum Bio-Unterricht. Darin heißt es:

    „Waren früher bei der Erstellung von Lehrplänen auch Fachwissenschaftler und Fachverbände zumindest beratend tätig, verzichtet man heute darauf und glaubt, die Biologie und auch die Naturwissenschaften Bildungswissenschaftlern und Fachdidaktikern überlassen zu können, die nicht über eine ausgewiesene Expertise im Fach verfügen. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass sich Naturwissenschaftler anmaßen würden, die Inhalte und Kompetenzformulierungen in den sozialwissenschaftlichen Fächern zu bestimmen. Es erscheint immer wahrscheinlicher, dass sich die Auswahl der Inhalte ausschließlich nach fächerübergreifenden Kriterien sowie den Alltagsvorstellungen der Schüler zu richten hat. Das Schulfach Biologie verabschiedet sich damit endgültig von der Biologie, wie sie an den Hochschulen gelehrt wird. Dabei gehören gerade die Biowissenschaften zu den Schlüsselwissenschaften der kommenden Jahrzehnte und haben sich in den letzten Jahrzehnten von einer mehr beschreibenden zu einer experimentell-analytischen Wissenschaft gewandelt. ….Der konstruktivistische Ansatz wird inhaltsleer, wenn wissenschaftliche Methoden und wissenschaftliche Fachkenntnisse nicht als Voraussetzung gegeben sind. Eine moderne Naturwissenschaft beruht auf Fachkenntnissen, ohne die Kompetenzen nicht erreichbar sind. Mangelndes, grundlegendes Fachwissen trägt zu einer Wissenschaftsfeindlichkeit bei, die im molekularbiologischen Bereich deutlich zu spüren ist. Die Gesellschaft befasst sich mit gefühlten Gefahren und Bedrohungen, ohne grundlegende Kenntnisse zu haben. Die gleichzeitige Didaktisierung der Lehrerausbildung auf Kosten des Fachwissens verstärkt die Katastrophe.“

    http://www.faz.net/p/Rub87017A2E804845319BF4584D6E716B25/Dx1~E8AA2A935BB81A76C15E2DAB3CF01FCC5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    (nur mit Kennwort zugänglich)

    • @El Mocho

      „Die Gesellschaft befasst sich mit gefühlten Gefahren und Bedrohungen, ohne grundlegende Kenntnisse zu haben. Die gleichzeitige Didaktisierung der Lehrerausbildung auf Kosten des Fachwissens verstärkt die Katastrophe.““

      Da wird ja ein düsteres Bild gezeichnet. Also mehr Didaktik, weniger Fachwissen? Und du würdest es auf den Frauenanteil in diesen Studienfächern zurückführen?

      • Nicht konkret auf den Frauenanteil, aber grade die Pädagogik ist dermaßen von Soziakonstruktivismus verseucht, dass einem Angst und Bange werden kann. Und über die Schulen dringt das dann ins Alltagsleben ein, beängstigende Perspektive.

      • @El Mocho

        „grade die Pädagogik ist dermaßen von Soziakonstruktivismus verseucht, dass einem Angst und Bange werden kann“

        Das kann ich mir vorstellen. Ich glaube dort würde auch einiges an Biologie gut passen, gerade über die Entwicklung der Kinder. Aber wie bringt man es da rein?

  4. @Christian
    Mein Beitrag ist sachlich, wenn auch pointiert.

    Ich negiere nicht biologische Einflüsse, tendiere aber insofern zur Sozialisationsthese, als ich den Einfluss der Sozialisation auf diesem Blog für unterschätzt halte. Also keine prinzipielle Kritik, eher ein Frage der Gewichtung.

    Die Tatsache, dass so wenig Frauen MINT-Fächer studieren (bei uns), was wiederum zu einem geringen Frauenanteil in den Vorständen der DAX-Unternehmen führt, ist grösstenteils der Sozialisation geschuldet, die das kleinbürgerlichen Geschlechterverständnis lediglich in die Postmoderne transformierte. Von einer tiefgreifenden Änderung kann keine Rede sein. So ist, als Beispiel, die weibliche Wahl der Sozialpädagogik als Studienfach doch mit dem traditionellen Rollenverständnis völlig kompatibel. Sozialpädagogik ist die professionalisierte Form der Erziehungsarbeit. Ähnlich die GenderStudies, welche die Beziehungskisten auf Tausend und zurück hin und her analysieren. Das ist so unbeschreiblich weiblich ! Da ist so gar nichts von einem veränderten Geschlechterverhältnis zu spüren. Die andauernde Jammerei und Verantwortungsabschiebung belegt meine These ebenso.

    Kurzum, als Fazit: Wir haben keine emanzipierte Frauen. Ihr Verständnis des Begriffs Emanzipation ist in etwa: Männer sind die beinahe allmächtigen Verantwortungsträger und deshalb auch für die Emanzipation der Frau verantwortlich, wo sie offensichtlich gescheitert ist. Eine selbstkritische Analyse des Versagens verbietet sich, denn die Wahrheit ist nicht so toll, wie es die tägliche Lobhundelei a la „unsere tollen, starken Frauen“ auf dem Vormarsch erobern dies und das blablabla vorgaukeln. Die Realität ist eine andere, was unweigerlich die Diffamierung der Männer nach sich zieht, um die Diskrepanz zwischen Realität und medialer Bauchpinselei galanter Journalisten und Genderologen zu überbrücken.

    Hätten nicht die Iranerinnen einiges Recht, von männlicher Hegemonie in ihrer Gesellschaft zu sprechen ? Sie aber haben diese Hegemonie durchbrochen, indem sie ihren Beitrag leisteten.

    Wenn es darum geht, den Anteil an Frauen per gesetzlicher Quote in den Führungsetagen zu vergrössern, dann doch bitte lieber iranische Ingenieurinnen aus naturwissenschaftlichen fachrichtungen als deutsche Genderstudiesmädel, die ausser Ansprüche zu stellen nichts auf der Platte haben !

    • @Christian

      „Mein Beitrag ist sachlich, wenn auch pointiert.“

      Deswegen schrieb ich ja auch sachlicher. Insbesondere weil eben sonst die Gegenantwort ebenfalls sehr pointiert ist und dann wird die Diskussion durch gegenseitiges Hochschaukeln unangenehm,

      „Ich negiere nicht biologische Einflüsse, tendiere aber insofern zur Sozialisationsthese, als ich den Einfluss der Sozialisation auf diesem Blog für unterschätzt halte. Also keine prinzipielle Kritik, eher ein Frage der Gewichtung.“

      Das ist ja dann genau unserer Thema und ich bin auf deine Argumente gespannt.

      „Die Tatsache, dass so wenig Frauen MINT-Fächer studieren (bei uns), was wiederum zu einem geringen Frauenanteil in den Vorständen der DAX-Unternehmen führt, ist grösstenteils der Sozialisation geschuldet, die das kleinbürgerlichen Geschlechterverständnis lediglich in die Postmoderne transformierte.“

      Dagegen würde ich einwenden, dass sich die Vorliebe zu MINT-Fächern anscheinend durchaus mit pränatalen und postnatalen Testosteronspiegel in Verbindung bringen lässt. Zumindest was Mathe, Informatik, und Technik betrifft, bei den Naturwissenschaften scheint Chemie und Biologie ja recht interessant für Frauen zu sein, wobei Frauen, die sich für Chemie interessieren auch gerne Pharmazie studieren.

      „Von einer tiefgreifenden Änderung kann keine Rede sein. So ist, als Beispiel, die weibliche Wahl der Sozialpädagogik als Studienfach doch mit dem traditionellen Rollenverständnis völlig kompatibel. Sozialpädagogik ist die professionalisierte Form der Erziehungsarbeit.“

      Man könnte es auch mit einer Vorliebe von Frauen mit helfenden, sozial angesehenen Berufen, die viel mit Menschen zu tun haben, in Verbindung bringen.

      „Ähnlich die GenderStudies, welche die Beziehungskisten auf Tausend und zurück hin und her analysieren.“

      Beziehungen würde ich gar nicht mal sagen, eher das Mann-Frau Verhältnis. Ich denke da ist eher ein abstrakter Beziehungsaspekt, aber eher ein und Selbstfindungsaspekt dabei.

      „Das ist so unbeschreiblich weiblich ! Da ist so gar nichts von einem veränderten Geschlechterverhältnis zu spüren.“

      Die Vorlieben der Studentinnen würden insoweit auch erklären, warum das Fach dann wieder recht frei ist von Biologie. Es soll eben eine positive Selbstfindung sein, nicht das Abfinden mit Fakten.

      „Wir haben keine emanzipierte Frauen.“

      Das würde ich so generell nicht sagen. Wir haben durchaus emanzipierte Frauen, wobei es eben auch die Frage ist, wie man den Begriff definiert. Viele Frauen stehen heute ihren „Mann“, leben in harmonischen Beziehungen und tragen dort ihren Teil in gegenseitiger Absprache bei.

      „Männer sind die beinahe allmächtigen Verantwortungsträger und deshalb auch für die Emanzipation der Frau verantwortlich, wo sie offensichtlich gescheitert ist.“

      Die Vorstellung im Mainstream des Feminismus ist ja zumindest offiziell, dass Männer zwar die allmächtigen Verantwortungsträger sind (wenn man vom Patriarchatsbegriff ausgeht) oder jedenfalls die Zwangsheterosexualität nutzen um ihre Vorteile zu wahren (bei einem Ansatz mehr nach Butler), dies aber überwunden werden soll.

      „Eine selbstkritische Analyse des Versagens verbietet sich, denn die Wahrheit ist nicht so toll, wie es die tägliche Lobhundelei a la „unsere tollen, starken Frauen“ auf dem Vormarsch erobern dies und das blablabla vorgaukeln.“

      Erinnert mich vom Tonfall mit Vormarsch und Eroberung allerdings eher an einen anderen Blog.
      Aber sicher, auch im Feminismus gibt es eine „wir machen Boden gut“-Rhetorik.

      „Die Realität ist eine andere, was unweigerlich die Diffamierung der Männer nach sich zieht, um die Diskrepanz zwischen Realität und medialer Bauchpinselei galanter Journalisten und Genderologen zu überbrücken.“

      Lastest du das jetzt eigentlich „den Frauen an sich“ oder eher feministischen Frauen an?

      „Wenn es darum geht, den Anteil an Frauen per gesetzlicher Quote in den Führungsetagen zu vergrössern, dann doch bitte lieber iranische Ingenieurinnen aus naturwissenschaftlichen fachrichtungen als deutsche Genderstudiesmädel, die ausser Ansprüche zu stellen nichts auf der Platte haben !“

      Ich denke eine Genderstudiesstudentin hat es noch in keinen Vorstand eines größeren Unternehmens geschafft oder? Wäre eigentlich mal interessant…

  5. „“Lastest du das jetzt eigentlich „den Frauen an sich“ oder eher feministischen Frauen an?““

    Weder noch. Ich laste das vor allem und zuerst den fälschlicherweise als progressiv geltenden Männern an, die Frauen an wahrer Emanzipation hindern, indem sie Frauen in ihrer Wahrnehmung bestärken, dass ihr Unvermögen einzig und allein männlicher Boshaftigkeit geschuldet ist. Die wahren Frauenfeinde sind die profeministischen Männer, die Frauen in ihrer defizitären Selbstwahrnehmung bestärken und sich als edle Retter produzieren, die sie vor der boshaften Männlichkeit schützen.

    Wir brauchen emanzipierte Frauen, selbstbewusst, die ihre Schwächen nicht durch Diffamierung des Männlichen kompensieren müssen. Jeder Mensch hat seine Schwächen. Kein Grund, sich minderwertig zu fühlen.

  6. Ich erwarte immer noch eine Erklärung, warum gerade in einem Land wie Iran, das als frauenfeindliches Land schlechthin gilt, die Frauen offensichtlich so viel emanzipierter sind (wobei ich keineswegs iranische Verhältnisse hier irgendwie beschönigen will). Das sind sie tatsächlich. Ich spreche auch aus Erfahrung.

    Westeuropäische Frauen sind nicht emanzipiert, ja sie haben nicht mal ein Vorstellung davon, was Emanzipation eigentlich bedeutet. Ihre „Emanzipation“ beschränkt sich auf agressive Rhetorik und eine fordernde Haltung gegenüber Männer: Macht mal, versorgt uns, stellt Freiräume für uns bereit, kritisiert uns nicht, denn wir sind emanzipiert und suverän, versorgt uns … absurdes Theater.

    Das umfassende Versagen unserer Frauen wird immer offensichtlcher. Parallel dazu die Gleichstellungsrhetorik immer schriller. Was iranische Frauen in einem viel schwierigeren Umfeld, das männlich dominiert genannt werden darf, schaffen – unsere privilegierten und gehätschelten Frauen versagen auf der ganzen Linie.

    • @Peter Bosshard
      „Ich erwarte immer noch eine Erklärung, warum gerade in einem Land wie Iran, das als frauenfeindliches Land schlechthin gilt, die Frauen offensichtlich so viel emanzipierter sind“

      Erwarten ist aber ein recht starkes Wort.
      Ich hatte im übrigen bereits auf Susan Pinkers Erklärung hingewiesen, nach der Frauen, die mehr Möglichkeiten haben, eher die Nutzen, die ihren Vorlieben entsprechen. Haben sie diese Möglichkeiten nicht, entscheiden sie eher nach wirtschaftlichen Kriterien. Und da ist ein MINT-Studiengang eben sinnvoller als ein Sozialpädagogik-Studium.

  7. Susan Pinker: „“Beim internationalen Vergleich stellte Pinker fest, dass die Divergenz zwischen weiblicher und männlicher Berufswahl umso größer ist, je größer der Wohlstand eines Landes ist. Physikerinnen und Ingenieurinnen erwartet nach dem Studienabschluss ein Lohn, der im Durchschnitt 30 bis 50 Prozent über dem Anfangssalär für Absolventen anderer Fachrichtungen liegt. Dennoch studieren in reicheren Ländern nur knapp 5 % der Frauen Physik, wie für 2005 belegt ist, während in ärmeren Ländern der Anteil der Physikstudentinnen bei über 30 % liegt.““

    Kurzum: Westliche Frauen sind deshalb so gering in den MINT-Studienfächern und Vorstandsetagen vertreten, weil sie derart privilegiert sind, so dass das Motiv, ausserordentliche Leistung zu erbringen schlicht nicht vorhanden ist. Das stützt auch meine These.

    Der geringe Anteil an Frauen in den Vorstandsetagen westlicher Unternehmen ist nicht Ausdruck von Unterdrückung, sondern im Gegenteil, Ausdruck einer dem kleinbürgerlichen Geschlechterverständnis entstammenden Privilegierung der Frau, die sie aber, um den negativen Aspekt anzusprechen, auch in einer untergeordneten, unemanzipierten Position konserviert. Ich sollte Susan Pinker mal lesen, was ich bisher versäumt habe. Ein kurzer Blick in wikipedia klingt vielversprechend.

    • @Peter Bosshard

      „weil sie derart privilegiert sind, so dass das Motiv, ausserordentliche Leistung zu erbringen schlicht nicht vorhanden ist. “

      Es geht etwas in diese Richtung, ist so aber meine ich falsch dargestellt. Viele Frauen erbringen ja ganz wunderbare Leistungen, nur eben nicht in MINT-Fächern, sondern als Sozialpädagoginnen oder in ähnlichen Berufen. Mit schwer erziehbaren Kindern zu arbeiten ist sicherlich auch eine Tätigkeit, die man nicht abwerten sollte und die viel Einsatz und persönliche Belastung mit sich bringen kann.

      Natürlich ist gleichzeitig noch die Erwerbsquote der Frauen eine andere. Bei Frauen liegt sie momentan in Deutschland bei ca. 67%, die der Männer bei 80%, wobei der Anteil der Vollzeitstellen bei Männern deutlich höher ist.

  8. @ Peter Bosshard

    *Das ist so unbeschreiblich weiblich ! Da ist so gar nichts von einem veränderten Geschlechterverhältnis zu spüren. Die andauernde Jammerei und Verantwortungsabschiebung belegt meine These ebenso.

    Kurzum, als Fazit: Wir haben keine emanzipierte Frauen. Ihr Verständnis des Begriffs Emanzipation ist in etwa: Männer sind die beinahe allmächtigen Verantwortungsträger und deshalb auch für die Emanzipation der Frau verantwortlich, wo sie offensichtlich gescheitert ist. Eine selbstkritische Analyse des Versagens verbietet sich, denn die Wahrheit ist nicht so toll, wie es die tägliche Lobhundelei a la „unsere tollen, starken Frauen“ auf dem Vormarsch erobern dies und das blablabla vorgaukeln. Die Realität ist eine andere, was unweigerlich die Diffamierung der Männer nach sich zieht, um die Diskrepanz zwischen Realität und medialer Bauchpinselei galanter Journalisten und Genderologen zu überbrücken.*

    Das ist Ausdruck der vorrangigen Natur der Frau, ihrer evolvierten Verhaltenspräferenz: Gibts Probleme, renne zu Deinem Schützer und Versorger und bringe ihn dazu, für Dich die spröde Welt geschmeidig zu machen. Schafft er’s nicht, ist er ein schlechter, minderweritiger Mann. Du glaubst „Kulturfolgen“ zu sehen, in denen aber „Natur“ sich ausdrückt.

    Du hast Recht: Unsere „Western Bitch“ ist so privilegiert, dass sie sich ihre Bequemlichkeit leisten kann.
    Sie kann sogar immer noch bequemer werden, denn wenn sie’s nicht schafft, dann sind ja die Männer schuld, die bösen UND DIE GLAUBEN ES und machen’s ihr noch bequemer und immer noch bequemer, ein circulus vitiosus, der unsere Zivilisation zerstört.

    Und dass die frauenschützenden und versorgenden Männer, ob nun als klassische Alpha-Männer wie Konservative à la Seehofer oder die grünen Männer als „Progressive“ KLASSISCHES „Silberrückenverhalten“ an den Tag legen, ist auch „Natur“, nicht Kultur: Sie tun, wozu Männer disponiert sind – sie reagieren auf die sich beklagende Frau, machen ihr die Welt geschmeidig, indem sie sie IHRE Frauen gegen die Interessen, Ansprüche und auf Kosten niedrigrangigerer Männer verteidigen > Gorillagesellschaft, Silberrückegesellschaft, nix Kultur.

    Emanzipieren kann man Frauen, indem man ihre Umweltbedingungen ändrt, sie unter vermehrten Erwerbsdruck setzt, sie zwingt.
    Das macht offenbar der Iran.

    Da aber der Feminismus eine Ideologie ist, die ganz wunderbar der Natur des Mannes UND der Frau angepasst ist, die perfekt ausbeutet, erleben wir das Perpetuum mobile der diskriminierenden Privilegierung.

    Das, fürchte ich, endet erst mit dem totalen Bankrott dieser Frauenversorgergesellschaft, weil die Männer nicht mehr können.

    Dass sie in der Lage wären, ihre Situation zu erkennen, das glaube ich nicht, davor behüten sie ihre frauenversorgen-und schützenwollenden Instinkte, im Schnitt.

    • @Alexander Roslin

      „Emanzipieren kann man Frauen, indem man ihre Umweltbedingungen ändrt, sie unter vermehrten Erwerbsdruck setzt, sie zwingt.“

      Bemühungen in diese Richtung gibt es ja durchaus. Beispielsweise über das geänderte Unterhaltsrecht.
      Meiner Meinung nach wäre der nächste Schritt von dem Gedanken „Barunterhalt – Betreuungsunterhalt“ weg zu kommen und die Erwerbsobliegenheiten der Frau weiter zu verstärken. Das würde wahrscheinlich schon mehr Bewegung in die Frauenerwerbsquote bringen als Frauenquoten etc.

      Wäre natürlich auch etwas unangenehmer.

      Beauvoir hat ja auch vertreten, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit in der Unterdrückung verbleiben, denn eigenes Denken bedeutet auch eigene Verantwortung, vor der die Frauen, dann lieber in die Sicherheit von Heim und Herd fliehen. Gleichzeitig vertritt sie, man soll der Frau Verantwortung geben, dann und wird sie sie zu übernehmen wissen (S. 896).

      Dennoch finde ich deine Sicht sehr negativ. Häufig genug ist die Rollenverteilung ja in der Tat in Absprache mit den Männern getroffen und die Kinderbetreuung eben auch eine Tätigkeit die jemand übernehmen muss. Da nur von Ausbeutung zu sprechen geht an der Lebensrealität vieler Paare vorbei.

      Viele Männer würden ja auch die Rollen nicht tauschen wollen.

  9. @ Christian

    Sicher ist die Rollenverteilung meist in Absprache zwischen den Partnern vereinbart.
    Das stört mich auch nicht.

    Was mich stört ist die Tatsache, dass die feministische Frauenlobby aus der Wahl und Entscheidung der Frauen ein Passivum konstruiert, ein Opfertum, aus dem die Berechtigung zu Privilegierungen abgeleitet wird.

    Aus Entscheidungen ergeben sich Konsequenzen, die der zu tragen hat, der die Entscheidung als mündiger Mensch traf.

    Wenn ich halbtags arbeite, kann ich mich nicht beklagen, dass ich nicht im DAX-Vorstand lande, 23 % weniger verdiene usw.

    Genau das tut aber die Frauenlobby, tut so, als seien dies Konsequenzen von Frauen aufgezwungenen männlichen Verfügungen und nicht Folgen von Frauen aktiv gelebten Lebens.

    • @Roslin

      „Was mich stört ist die Tatsache, dass die feministische Frauenlobby aus der Wahl und Entscheidung der Frauen ein Passivum konstruiert, ein Opfertum, aus dem die Berechtigung zu Privilegierungen abgeleitet wird.“

      Dafür können allerdings die Frauen an sich wenig. Also solltest du etwas sensibler bei der Auswahl der Richtung sein, in die du meckerst. Denn alle Frauen als „Western Bitches“ zu bezeichnen, die zu priviligiert sind, geht dann eben in die falsche Richtung.
      Eine generelle Abwertung von Frauen ist simple Frauenfeindlichkeit, die es sich zu einfach macht.

      „Wenn ich halbtags arbeite, kann ich mich nicht beklagen, dass ich nicht im DAX-Vorstand lande, 23 % weniger verdiene usw.“

      Deswegen beklagen sich viele Frauen ja auch nicht darüber, nicht im DAX-Vorstand zu landen.
      Einfach ein bisschen Differenzierung und das Feindbild „Frau an sich“ aufgeben.

      Natürlich gibt es Frauen, die die Zusammenhänge nicht sehen. Aber es sind eben nicht alle Frauen.

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