ADHS / Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Jungen

Ausgehend von dieser Diskussion schrieb Leser Peter Bosshardt zu ADHS:

Die Diagnose von ADHS ist problematisch, da die Symptome völlig normale Erscheinungen im Vorschulalter sind. ADHS ist in den meisten Fällen ein pädagogisches Problem. Der Bewegungsdrang und die daraus resultierende Unruhe des Jungen wird, unterstützt durch die feministische Pathologisierung alles Männlichen, als krankhaft klassifiziert.

Das, was als psychische Krankheit oder krankhafte Verhaltensauffälligkeit klassifiziert wird ist grösstenteils lediglich gesellschaftliche Konvention. So wie in einer fundamentalreligiösen Gesellschaft Homosexualität als krankhafte Veranlagung, als krankhafte Abweichung von der Norm wahrgenommen wird, so gilt in einem feministisch geprägten Schulwesen die als männlich wahrgenommene Abweichung von der Norm des „angepasst braven Mädchen“ als krankhaft und wird medikamentös behandelt.

Ob es nun an der „feministischen Prägung“ liegt oder allgemein daran, dass man Unterschiede allgemein zu wenig betrachtet und lieber Jungen hätte, die dem Unterricht folgen können ohne dabei darauf abzustellen, was eigentlich genau dazu führt, dass die Jungen auf den Unterricht anders reagieren als die Mädchen ist dabei eine andere Frage.

In der Sache ähnliches findet sich auch in der Wikipedia zu ADHS:

DHD is the most commonly studied and diagnosed psychiatric disorder in children, affecting about 3 to 5 percent of children globally and diagnosed in about 2 to 16 percent of school aged children. It is a chronic disorder with 30 to 50 percent of those individuals diagnosed in childhood continuing to have symptoms into adulthood. Adolescents and adults with ADHD tend to develop coping mechanisms to compensate for some or all of their impairments. It is estimated that 4.7 percent of American adults are estimated to live with ADHD.

ADHD is diagnosed two to four times as frequently in boys as in girls, though studies suggest this discrepancy may be partially due to subjective bias of referring teachers

Der Abstract der dort erwähnten Studie zu ADS lautet wie folgt:

In this study, the authors investigated the effects of child gender and attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) symptom type on elementary school teachers‘ referral decisions. Participants (N =199) read a profile of a fictional child’s academic record and rated the likelihood of referring the child for an evaluation. The profiles varied by the child’s gender and the type of symptoms the child was exhibiting (inattention, hyperactivity, or hyperactivity plus aggression). Results indicated that teachers were more likely to refer boys than girls, regardless of symptom type, but that the largest gender difference in referrals was for children who exhibited hyperactivity without inattention or aggression. These results suggest that differences in teacher perceptions of boys‘ and girls‘ behaviors may contribute to gender differences in ADHD referrals.

Das Problem scheint mir aber eher auf Amerika beschränkt zu sein, wo die Diagnose gerne gestellt wird. Mir sind allerdings auch keine Zahlen zu der Häufigkeit dieser Diagnose in Deutschland bekannt.

Interessant vielleicht auch: Attention-deficit hyperactivity disorder controversies

16 Gedanken zu “ADHS / Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Jungen

  1. Herr Bosshardt hat m.E. vollkommen Recht. Was Homosexualität angeht stimme ich ihm so! nicht zu. Leider wurde Anfang der 70er der politische Weg für ein wissenschaftliches Gebiet gewählt. Zu diesem Zeitpunkt! lagen m.E. die notwendigen wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht vor. Das hat Auswirkungen bis heute. Ich behaupte einmal, dass heute sehr viele Interessensvertreter in der APA wirtschaften. Wichtige Forschungen dürfen „politisch korrekt“ nicht vorgenommen werden. Störungskategorien werden entworfen, wo sich jeder normale Mensch an den Kopf greift, wohingegen Störungskategorien verworfen werden, wo genug öffentlicher Druck und Geld dahinter steckt.

    ADHS ist eine solche – erste. Ich bestreite nicht, dass es Kinder gibt, die richtig diagnostiziert werden. Ich behaupte jedoch, dass sehr oft! falsche Diagnosen und in der überwiegenden Mehrheit zu Lasten von Jungen gestellt werden. Der Unterricht ist gezielt darauf abgestimmt, normalerweise jungenhaftes Verhalten zu beschränken. In den Pausen darf nicht herumgetollt werden, der Sportunterricht wird immer mehr gekürzt. Habtisches, trial-and-error lernen ist verpönt.

    Na wo sollen die Jungen dann mit der ganzen Energie hin?

  2. Also aus meiner Erfahrung mit ADHS bin ich der Ansicht das ADHS eine Grauzone darstellt. D.h. alle ungeliebten Symptome die für keine der anderen Störungen reichen werden in ADHS zusammengefasst. Ich zweifle am diagnostischen Wert von ADHS. Es ermöglicht halt Leuten zum Psychiater zu gehen und Medikamente zu bekommen, vorrausgesetzt sie finden jemanden ders diagnostiziert. Alle Unangepasstheiten eines Menschen werden dann unter diesem Konstrukt zusammengefasst und diese Symptome sind natürlich immer von den gesellschaftlichen Normen und leistungsbezogenen Wunschdenken bestimmt.

      • Schau dir mal so einen Symptomkatalog an:

        http://www.netdoktor.de/Krankheiten/ADHS/Symptome/

        Die Sachen die in der aktuellen Diagnostik verwendet werden sind noch ausführlicher und sind, ähnlich einem Horoskop, relativ unspezifisch. Manche würden auch sagen diese Sympotme wären „normal“ für dieses Alter, sind jedoch aus der (schulischen) Leistungsperspektive unerwünscht. Die Frage ist jedoch, wenn ein Großteil der Bevölkerung Symptome einer Störung aufweist, sind dann die meisten Leute gestört oder vielleicht die Anforderungen die gestellt werden einfach unangemessen?

        Die Gründe warum solche Diagnosen beliebt sind, sind u.a.:

        – Identifikation: Endlich hab ich einen Namen was mit mir oder meinem Kind „falsch“ läuft
        – Einen offiziellen, adaptiven Stempel für alles was unbeliebt (aber vermutlich zutiefst menschlich) ist in unserer Gesellschaft
        – Deswegen einen Anlass medikamentös zu intervenieren
        – Störungsgewinne, d.h. Mitleid, Aufmerksamkeit usw. was widerum zu einer Identifikation mit der Störung führt
        – Verantwortungsabgabe, obgleich dies ein sehr heikler Punkt ist

        Und das sind nur die Punkte die mir spontan einfallen. Dieses Konstrukt ist nicht ohne Grund umstritten. Wurde zwar in den ICD aufgenommen aber ist noch relativ unspezifisch. Also ich würde mit einer Diagnose diesbezüglich sehr vorsichtig sein.

  3. @Joker
    „Der Unterricht ist gezielt darauf abgestimmt, normalerweise jungenhaftes Verhalten zu beschränken. In den Pausen darf nicht herumgetollt werden, der Sportunterricht wird immer mehr gekürzt. Habtisches, trial-and-error lernen ist verpönt.
    Na wo sollen die Jungen dann mit der ganzen Energie hin?“

    Ja, vielleicht hat sich das verändert. Früher wurde ein solches Verhalten vielleicht eher hingenommen, heute sieht man es als Problem. Wobei es interessant wäre, da eine Studie zu lesen, ob solche Verhaltensformen eher geduldet wurden oder es heute einfach eher als Problem gesehen wird.

    „Habtisches, trial-and-error lernen ist verpönt.“

    Auch das ist interessant. Pinker schreibt ja auch, dass Jungs lieber ausprobieren und verstehen wollen als zu lernen und wesentlich motivierter sind, wenn sie verstehen, warum sie etwas lernen. Also nicht nur trial and error, sondern versuch ein System daraus herzuleiten.
    Interessant wäre es da auch Studien zu zu haben, mit denen man dies etwas mehr untermauern könnte.
    Haptisches Lernen ist sicherlich in einem Unterricht sehr schwer umzusetzen.

    • „Ja, vielleicht hat sich das verändert. Früher wurde ein solches Verhalten vielleicht eher hingenommen, …“

      Nein, wurde es nicht. Früher wurde sehr viel mehr Wert auf streng disziplinarische Erziehung gelegt, auch und besonders im schulischen Bereich. Der – vorwiegend männliche – Lehrer war eine absolute Autorität, dem sogar Prügelstrafe zustand. Da Jungs auf ihre ihnen zugewiesene Rolle als Familienernährer hinerzogen wurden, wurden diese sogar noch strenger auf Leistung gedrillt. Bei Mädchen galt der Zwang zur schulischen Leistung zwar weniger, da diesen ja eh ein Leben als Hausfrau vorgesehen war, rebellisches Verhalten wurde bei ihnen natürlich trotzdem oder gerade deswegen noch weniger geduldet.
      Da war nix mit „unangepasstes Verhalten hinnehmen“.

      • @Onyx

        Es ist immer die Frage, was man als früher definiert. Klar, in den Klassenräumen herrschte zu Zeiten der Prügelstrafe eine deutlich größere Autorität. Allerdings werden die Schüler zu diesen Zeiten außerhalb der Schule auch weniger vor dem Computer Computerspiele gespielt haben (mangels funktionierender Rechner) und insofern vielleicht auch mehr Bewegung und Ausgleich gehabt haben. Vielleicht waren auch die gleichen Probleme vorhanden und sie fielen einfach nicht so auf, weil man sie als Schwäche und Rebellentum ausgelegt hat.
        Wie die Regeln auf dem Schulhof waren wäre dann ja auch wieder eine andere Sache. War es noch „Jungs sind halt Jungs“ bis zu einem gewissen Grad, weil man wesentlich weniger Probleme damit hatte, wenn einer beim Spielen sich das Knie aufschürfte oder wenn es bei einer Auseinandersetzung auch mal härter zuging, weil man das damals eben als gesunde Härte gesehen hat, während man heute ernste Gespräche mit dem Schulpsychologen führen würde und die Schule wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht verklagen würde?
        War damals der Sportunterricht noch eher auf „Leibesertüchtigung ausgelegt als heute?

        Bei dem unangepassten Verhalten hinnehmen ging es ja gerade um die Jungs, nicht um die Mädchen. Für die ist die entspanntere, weniger autoritäre Atmosphäre sicherlich förderlich.

  4. Dazu auch noch dieser Text hier zu „Frauen und Technik“
    http://www.medialit.org/reading-room/worlds-apart-women-men-and-technology

    Even where males and females do have access to the same technology as a means of self-expression, the way in which they use it is often very different. Videogames, for example, are played almost exclu­sively by boys and young men. Part of the appeal of these games seems to be that of control – in this case the possibility of increasing levels of control over a limited. well-defined world. Given this, more may be involved in making video games attractive to girls than simply substituting „Ms.“ for Mr. Pacman.

    There are also differences in self-expression. When Sherry Turkle, author of The Second Self: Computers and the Human Spirit, investigated children’s behavior in a computer-rich environment she found they became proficient in creat­ing programs for animated designs and cartoons.

    Approaches varied however, and Turkle characterizes two important styles. In one, the students conform to our ideas of „computer people“ or engineers: these children were concerned with mastering the technology itself – with developing an orderly, rational, systematic approach to achieving precisely defined goals Other children were more like „artists“ – the esthetics of the final result were more important than a precise blueprint for how to get there, and they often worked by trial and error.

    Not surprisingly, girls tend to have the second, „artistic“ sort of approach, while those concerned with mastering the tech­nology itself are overwhelmingly male. Feminist critiques of science and technol­ogy have questioned whether the proper approach may be to look for new styles that do not include domination or control.

    TV images of a male authority figure using pseudo-scientific terms to sell detergent, orange juice or headache reme­dies to women are merely an exaggeration of the ordinary terms of communication between men and women.

    Men see themselves as authorities, „the experts.“ Their real power in society, their scientific/technical world view and their greater expertise in a wide variety of „male“ areas make this inevitable. The areas of male expertise are defined by men as the only legitimate areas of concern; women’s whole realm is dismissed as unworthy of serious notice. The resulting communication between men and women is thus largely asymmetrical, and women’s contribution is often mainly that of finding topics that men want to discuss.

    Bei den Typen, die die Technik verstehen wollten, waren also mehr Männer vertreten, bei den Typen, die im wesentlichen das Resultat interessiert, mehr Frauen.

    • Man muss nur mit offenen Augen durchs Leben gehen und sieht das tagtäglich. Welche Frauen interessieren die technischen Details an einem Handy? Wieviele Frauen interessieren sich für Programmierung, im Gegensatz zu Männern?
      Ist doch schon bei kleinen Kindern so, wenn sie Bilder malen. Mädchen eher Personen, Tiere, Jungen eher abstrakt.

      Wo ist also das Problem, wenn sich dann später mehr Männer für genausolche Berufe entscheiden als Frauen? Lächerlich.

      • „Welche Frauen interessieren die technischen Details an einem Handy? Wieviele Frauen interessieren sich für Programmierung, im Gegensatz zu Männern? Ist doch schon bei kleinen Kindern so, wenn sie Bilder malen. Mädchen eher Personen, Tiere, Jungen eher abstrakt.“

        Dem stimme ich alles zu. Und es ist auch die Ursache für Unterschiede in der Berufswahl, auch soweit Zustimmung.

        Aber welches Element führt genau dazu? Einfach nur eine Vorliebe für Gegenstände? Ist es die Abgrenzung in „Verstehen vs. Anwenden“?

        ich möchte eben auch hier die Unterschiede nicht nur Darstellen („Anwenden“), sondern „Verstehen“ 😉

        Interessant wäre, ob man auch biologische Erklärungen als Fall des „Verstehens“ und „Frauen müssen überall gleich vertreten sein“ als Frage des „Anwendens“ sehen kann. Die Aussage „Ich will gar nicht verstehen, wie es geht, hauptsache es ändert sich“ habe ich durchaus schön gehört.

        Interessant finde ich auch diesen Ansatz hier:

        Klicke, um auf Middle%20Matters%20Article.pdf zuzugreifen

        At TWO Academies we use research on gender differences to plan and develop instructional
        strategies. Integrating the strategies has been a trial-and-error process. There are, however, several features of our program that I believe are essential to any single-gender environment.
        I am not suggesting that all boys and all girls learn in a particular way. Instead, I offer these strategies that have worked for us in the hope that they may be helpful to others as they work with their own students.
        Teachers must recognize the energy that boys bring to the classroom as a learning opportunity instead of behavior that needs to be controlled. Here are two strategies for
        working with boys:
        z Put boys to work after providing them with an abbreviated, bulleted set of instructions.
        Have them answer questions after 10 minutes of work.
        z Use problem-based learning. Start units or lessons with an essential question involving decisions or choices.
        Teachers must delight in the richness of girls, and accept their tendency to please the teacher,
        all while appropriately channeling their desire to please during discussions, lessons, or units. Here are three strategies for working with girls:
        z Take time to explain instructional processes, answer their questions, consider their suggestions, and probe their hypotheses.
        z Use project-based learning. Embed units and lessons with connections to the real world, and show relationships between the content/skills and the lives of real people.
        z Monitor them as they work, prod their learning, and support their hesitation.
        Our teachers often implement strategies related to the differences in the way boys and girls see, hear, and engage the world. Successful learning experiences with boys tend to involve tossing a ball or soft object during classroom discussions, or having the boys stand when asking or answering questions. During math lessons, our boys have the option of standing and working at whiteboards around the room. During social studies, the teacher plays “Last Man Standing,” where boys sit if they get the answer wrong. The sitting students must write the correct responses to the remaining questions.
        Structuring classroom work into stations is also beneficial to boys because they tend to focus better when there are clear, segmented tasks to be completed within a structured time limit.
        Students get up and move to the next station in order to complete the next task. This strategy can be used when there are a variety of tasks for students to complete. Alternatively, students can complete a set number of items from a single worksheet at each work station. Allow boys to stand as needed; set up a “tapping time” when it is OK for boys to tap their pens or pencils on their legs, desks, or chairs; and be accepting of loud talk when appropriate.
        Circle discussions tend to be successful when working with girls because each girl has a chance to be heard and respected. We often use the “Think-Pair-Share” strategy. Stations also can be used with girls—but I would not recommend placing a time limit on each station.
        Instead, indicate what is expected by the middle or end of the class, and allow the girls an opportunity to move freely from station to station. Again, monitoring their progress is critical. Allow girls the opportunity to color assignments before handing them in, keep noise distractions to a minimum, and provide time for collaboration.
        We have adopted two additional structural changes that have been extremely successful:
        z Sixth-grade students have a 10-minute break after their first two classes. During this break students put their books in their next classroom, use the restroom, and go outside. The boys usually opt for a quick game of football, basketball, or wall ball. The girls generally walk around, talk, and visit with friends or a teacher. Down time from academic requirements is important for all students. It provides boys an opportunity to have gross motor movement, and it allows girls to make connections with their friends.
        z The second change is a single-gender advisory course. Middle school students, in particular, need support as they transition from elementary school, navigate obstacles, and celebrate their successes. Our program starts in sixth grade with a course we call “Focus.” Organization and team-building are the main components for the boys, while friendship and study habits are the main components for the girls

        Wobei man da natürlich wieder aufpassen muss, dass man nicht nur einfach nach dem Phänotyp sortiert.

  5. Woran es liegt? Na ja ich wage zu behaupten, eine nicht zu unterschätzende genetische Komponente, wie seit Jahr und Tag von den Anhängern der Evolutionstheorie behauptet. Dazu noch eine pränatale, hormonelle Komponente, und letztlich wohl, im Einklang mit Entwicklungspsychologie, Gehirnforschung etc., eine „Umfeld“komponente, wobei ich hier, in der Pubertät, eher der Peergroup mehr Einfluss anrechnen würde; nicht zu vergessen, dass in der Pubertät bestimmte Hirnzonen „neu“ verschaltet werden. Das alles ist aber Standard.

    Meines Erachtens ist hierzu ein sehr hoher Prozentsatz (50+) „angeboren“. Verhält es sich im Normalfall kulturübergreifend, erziehungsübergreifend doch so, und scheint auch immer so gewesen zu sein. Ähnlich dem Intelligenzquotient, der ja auch, von den meisten Intelligenzforschern konsensual, zwischen 50 und 80% als vererbt angesehen wird. Hier gegenzuarbeiten wirkt nur sehr beschränkt. Seit 30 Jahren wird es versucht, mit mäßigem Erfolg. Wenn du nun mal kein Interesse daran hast als – im Schnitt betrachtetes – Mädchen „Physikerin“ zu werden, nützen die ganzen Anwerbungsversuche nichts. Es interessiert dich einfach nicht.

    Jedenfalls Queertheorie und andere Theorien ähnlichen Formates, haben bis dato aber rein gar nichts bewiesen, sondern sich implizit gegen die gesamte Wissenschaft gestellt.

  6. @ Christian

    „Es ist immer die Frage, was man als früher definiert.“

    Wie hast du es denn definiert?

    „Klar, in den Klassenräumen herrschte zu Zeiten der Prügelstrafe eine deutlich größere Autorität. Allerdings werden die Schüler zu diesen Zeiten außerhalb der Schule auch weniger vor dem Computer Computerspiele gespielt haben (mangels funktionierender Rechner) und insofern vielleicht auch mehr Bewegung und Ausgleich gehabt haben.“

    Du meinst, sie hatten keine überschüssige Energie, die es zu bändigen galt? Das mag ein Faktor sein, aber sicher nicht der einzige. In den 60er und 70er Jahren, zu Zeiten, als die antiautoritäre Erziehung gerade in Mode war, die Jugend also in ihrem Bewegungsdrang weniger eingeschränkt wurde, hatte sie auch noch genug Energie, um in ihrer Freizeit gegen das „Scheiß-System“ zu rebellieren. Energie hatten die Leute immer, wenn sie sie haben wollten.

    „Wie die Regeln auf dem Schulhof waren wäre dann ja auch wieder eine andere Sache. War es noch „Jungs sind halt Jungs“ bis zu einem gewissen Grad, weil man wesentlich weniger Probleme damit hatte, wenn einer beim Spielen sich das Knie aufschürfte oder wenn es bei einer Auseinandersetzung auch mal härter zuging, weil man das damals eben als gesunde Härte gesehen hat, während man heute ernste Gespräche mit dem Schulpsychologen führen würde und die Schule wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht verklagen würde?“

    Ist wohl der Frage der Verhältnismäßigkeit. Heute werden auf Schulhöfen z.T. ganz andere Geschütze aufgefahren als aufgeschürfte Knie oder Raufereien. Die Begründung dafür hast du selbst gegeben. Dank null Bock-Mentalität und Playstation & Co haben viele junge Leute tatsächlich zu viel Energie, die sie nicht sinnvoll zu verarbeiten wissen.

    „War damals der Sportunterricht noch eher auf „Leibesertüchtigung ausgelegt als heute?“

    Kann ich nicht sagen, da ich nicht weiß, wie der heutige Sportunterricht im Allgemeinen aussieht.

    „Bei dem unangepassten Verhalten hinnehmen ging es ja gerade um die Jungs, nicht um die Mädchen. Für die ist die entspanntere, weniger autoritäre Atmosphäre sicherlich förderlich.“

    Ich denke, eine gewisse (!) Autorität ist immer förderlich. Das heißt nicht, dass die Prügelstrafe wieder her soll, aber ein konsquentes Verhalten z.B. bei notorischen Störern und bewußten Leistungsverweigerern der Marke Null Bock halte ich schon für sinnvoll. Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann kann ich mich an die Erfahrung errinnern, dass sich oft die zuerst als böse, streng, konsequent und damit unbeliebt gebrandmarkten Lehrer später als die besseren und faireren herausgestellt haben. Nicht grundsätzlich, aber auffallend oft.

  7. @ Christian

    „Wie hast du es denn definiert?“

    Es war bei mir noch etwas unbestimmt, aber gedanklich eher nach der Prügelstrafe.

    „Du meinst, sie hatten keine überschüssige Energie, die es zu bändigen galt? Das mag ein Faktor sein, aber sicher nicht der einzige.“

    Ja, das kann ich mir vorstellen, wobei ich vielleicht weniger den Begriff „Energie“ als den Begriff „Bewegungsdrang“ verwenden würde. Energie kann ja auch etwas sehr geistiges sein, während das Unruhig werden aufgrund wenig Bewegung durchaus noch geistige Energie zulässt. Das Kind kann ja beispielsweise aufgrund dieser Unruhe dann evtl. darüber nachdenken, was es gerne alles spielen würde oder was es lieber machen würde als etwas über ein langweiliges Thema zu hören, weil es merkt, wie es unruhig wird.

    “ In den 60er und 70er Jahren, zu Zeiten, als die antiautoritäre Erziehung gerade in Mode war, die Jugend also in ihrem Bewegungsdrang weniger eingeschränkt wurde, hatte sie auch noch genug Energie, um in ihrer Freizeit gegen das „Scheiß-System“ zu rebellieren. Energie hatten die Leute immer, wenn sie sie haben wollten.“

    Klar, da sind sie ja dann auch gegen das System „auf die Straße gegangen“ (Bewegung). Zumal das dann auch keine Schüler waren, sondern Studenten. Das ist denke ich eine wesentlich andere Sache.

    „Ist wohl der Frage der Verhältnismäßigkeit. Heute werden auf Schulhöfen z.T. ganz andere Geschütze aufgefahren als aufgeschürfte Knie oder Raufereien.“

    Ist das so? Du meinst der Umgang miteinander ist eher rauer geworden?

    “ Die Begründung dafür hast du selbst gegeben. Dank null Bock-Mentalität und Playstation & Co haben viele junge Leute tatsächlich zu viel Energie, die sie nicht sinnvoll zu verarbeiten wissen.“

    Die Frage wäre eben, ob dieser Bewegungsdrang bei Jungen höher ist als bei Mädchen, diese dadurch also letztendlich unausgeglichener sind.

    „Ich denke, eine gewisse (!) Autorität ist immer förderlich. Das heißt nicht, dass die Prügelstrafe wieder her soll, aber ein konsquentes Verhalten z.B. bei notorischen Störern und bewußten Leistungsverweigerern der Marke Null Bock halte ich schon für sinnvoll.“

    ich halte auch nichts von strikt antiautoritärer Erziehung. Ich denke die Vorgabe gewisser Regeln ist für Kinder durchaus positiv. Allerdings kann es eben sein, dass Jungs aufgrund eines höheren Bewegungsdranges und auch aufgrund des bei Susan Pinker dargestellten Umstandes, dass sie eher hinterfragen und eher einen Sinn wissen wollen. dann eher als störend empfunden werden und auch eher einen aufs Dach bekommen. Was dann wieder eher zu einer Null Bock Haltung führen kann.

    „Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann kann ich mich an die Erfahrung errinnern, dass sich oft die zuerst als böse, streng, konsequent und damit unbeliebt gebrandmarkten Lehrer später als die besseren und faireren herausgestellt haben. Nicht grundsätzlich, aber auffallend oft.“

    Es gibt strenge, aber faire Lehrer. Die werden meiner Erfahrung nach durchaus akzeptiert und für gut befunden. Es gibt strenge und unfaire Lehrer, die dann natürlich negativ bewertet werden. Die ganz antiautoritären kommen meiner Meinung nach auch nicht so gut an. Ebenso wie der Lehrertyp, der zu sehr sein will wie die Schüler und zu cool sein will, bei dem es aber anbiedernd wirkt.

    • „Ja, das kann ich mir vorstellen, wobei ich vielleicht weniger den Begriff „Energie“ als den Begriff „Bewegungsdrang“ verwenden würde. Energie kann ja auch etwas sehr geistiges sein, während das Unruhig werden aufgrund wenig Bewegung durchaus noch geistige Energie zulässt. “

      Geistige Energie kann auch, wenn sie unterfordert wird, auch in übermäßigen Bewegungsdrang resultieren. Hyperaktive Kinder haben häufig eine Lernstörung, weil sie sich aufgrund ihrer spontanen Gefühlswelt leicht ablenken lassen und Konzentrationsschwierigkeiten haben. Das hat aber nichts mit mangelnder Intelligenz oder einem niedrigen IQ zu tun. Im Gegenteil, nicht selten haben hyperaktive Kinder einen überdurchschnittlich hohen IQ, der sich aber nicht in schulischen Ergebnissen zeigt, da die Kinder einfach unterfordert und gelangweilt sind. Da die aber nicht wissen, wie sie das kompensieren können, bringen sie absichtlich schlechte Leistungen und/oder versuchen ihren Bewegungsdrang zu befriedigen.

      „Ist das so? Du meinst der Umgang miteinander ist eher rauer geworden?“

      Zum Teil sicher. Besonders in sozial schwachen Gesellschaftsschichten lässt sich das sehr leicht beobachten. Ich sage nur Rütli-Schule.

      „Die Frage wäre eben, ob dieser Bewegungsdrang bei Jungen höher ist als bei Mädchen, diese dadurch also letztendlich unausgeglichener sind.“

      Das denke ich tendenziell schon, da hier auch immer noch klassische Erziehungsmuster greifen. Mädchen erzieht man immer noch zu mehr Ruhe, Anstand und Bravsein.

      „Allerdings kann es eben sein, dass Jungs aufgrund eines höheren Bewegungsdranges und auch aufgrund des bei Susan Pinker dargestellten Umstandes, dass sie eher hinterfragen und eher einen Sinn wissen wollen. dann eher als störend empfunden werden und auch eher einen aufs Dach bekommen.“

      Ich glaube nicht, dass man das pauschal so sagen kann. Es ist eher eine Frage des Tones, der die Musik macht. Ein ständig provokantes „was soll der Scheiß hier überhaupt?!“ kann man großzügig auch als Nachfragen und Sinn wissen wollen interpretieren, ist aber letztlich störend.

      • > „Ist das so? Du meinst der Umgang miteinander
        > ist eher rauer geworden?“
        > Zum Teil sicher. Besonders in sozial schwachen
        > Gesellschaftsschichten lässt sich das sehr leicht
        > beobachten. Ich sage nur Rütli-Schule.

        Passiert da wirklich mehr als früher?

        Ist natürlich keine wissenschaftliche Analyse, aber wenn man mal Literarische Darstellungen nimmt, in denen zumindest die Wahrnehmung dessen, was man für Normal hielt illustriert wurde, scheint mir das nicht so.

        Beispielsweise: das Fliegende Klassenzimmer. Nach heutiger Sicht würde man das wohl als ‚von den Lehrern bewust tolerierte Schlägerei zwischen verfeindeten Gangs‘ bewerten. Im Buch allerdings findet man sogar anerkennende Worte für einen der Protagonisten (Name vergessen, der, der zum Schluss die Heimreise vom Rektor geschenkt bekommt), dafür, dass trotz guter Noten keine Schlägerei auslässt, also kein Streber ist.

  8. „Geistige Energie kann auch, wenn sie unterfordert wird, auch in übermäßigen Bewegungsdrang resultieren. Hyperaktive Kinder haben häufig eine Lernstörung, weil sie sich aufgrund ihrer spontanen Gefühlswelt leicht ablenken lassen und Konzentrationsschwierigkeiten haben.“

    Jetzt wäre die Frage, ob dabei dann noch Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen bestehen.
    Ich fand den Text hier zu Schüler und Lehrer Interaktion und Schwierigkeiten von Jungs sehr interessant

    Das gehen sie auch von einem höheren Bewegungsdrang aus und davon, dass Jungen eher testen etc. Als Ursache wird Testosteron, der neuropysiologische Effekt der Lateralisierung, die langsamere Entwicklung der Hemmungszentren in den vorderen Hirnlappen der Jungen und der höhere Energieumsatz bei Jungen genannt (Seite 5)

    „Zum Teil sicher. Besonders in sozial schwachen Gesellschaftsschichten lässt sich das sehr leicht beobachten. Ich sage nur Rütli-Schule.“

    Da ist die Frage, ob eine Vergleichbarkeit besteht, denn früher war der Erziehungsstil gegenüber solchen Gesellschaftsschichten sicher auch autoritärer. Es wäre die Frage, ob man zudem viel über die damaligen Zustände erfahren hat wie heute.

    „Das denke ich tendenziell schon, da hier auch immer noch klassische Erziehungsmuster greifen. Mädchen erzieht man immer noch zu mehr Ruhe, Anstand und Bravsein.“

    Oder Mädchen sind ruhiger, anständiger und braver. Im Schnitt natürlich, nicht bezogen auf die Einzelperson. Dazu hatte ich ja oben schon was zitiert.

    „Ich glaube nicht, dass man das pauschal so sagen kann. Es ist eher eine Frage des Tones, der die Musik macht. Ein ständig provokantes „was soll der Scheiß hier überhaupt?!“ kann man großzügig auch als Nachfragen und Sinn wissen wollen interpretieren, ist aber letztlich störend.“

    Dann wäre die Frage also, wie Jungen nachfragen und wie Lehrer darauf reagieren. Es muss ja nicht immer provokant sein. Aber selbst das provokante wäre ja dann evtl eine Jungensache, auf das man eine geeignete Antwort finden müsste, die über „Akzeptier es halt und lerne, wie die braven Mädels es ja auch tun“ hinausgehen müsste.

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