„Biologie und Biologismus“ bei Antje Schrupp

Antje Schrupp hat nunmehr einen Artikel über die Abgrenzung von Biologie und Biologismus geschrieben, den sie schon vor einiger Zeit einmal angekündigt hatte.

Das sie als Differenzfeministin durchaus körperlich Unterschiede sieht ist ja schon einmal selten im Feminismus, wenn auch nicht ganz klar ist, welche Unterschiede sie konkret sieht, da sie als Beispiel die recht offensichtliche Gebärfähigkeit nimmt.

Hier ihr Fazit:

Biologismus, also die Verbrämung eigener politischer Ansichten und Ideen durch angeblich wissenschaftliche Tatsachen, ist abzulehnen. Aber die Biologie, also die Körperlichkeit und Bedingtheit des menschlichen Lebens mit all ihren Unwägbarkeiten, Ungleichheiten und Konfliktpotenzialen, mit den Grenzen, die sie uns setzt – sie ist die Voraussetzung, von der wir bei all dem ausgehen müssen, wenn das, was wir verhandeln, halbwegs sinnvoll sein soll.

Stellt sich natürlich die Frage, was sie alles als Verbrämung ansieht. Ich bin auf die Diskussion gespannt.

18 Gedanken zu “„Biologie und Biologismus“ bei Antje Schrupp

  1. Eine Differenzfeministin, welche die Biologie nicht komplett ablehnt? Das ist keine Sensation, benutzt sie doch die Unterschiede um ihre Ideologie zu rechtfertigen und Frauen prinzipiell als die Besseren darzustellen (daher das Wort „Differenz“). Siehe hier:

    http://sonsofperseus.blogspot.com/2010/11/feministische-stromungen-eine.html

    Aber wenn jetzt eine Gleichheitsfeministin oder Genderistin sowas schreiben würde, dann wäre es eine Sensation, weil die lehnen die Biologie in ihrer ideologischen Umnachtung ja komplett ab.

    Und wenn Geisteswissenschaftler sich anmassen, über die Wissenschaftlichkeit der Naturwissenschaften zu urteilen, dann haben sie noch nicht begriffen wie fragil die Wände ihres Glashauses und wie hart ihre geworfenen Steine wirklich sind.

    Als wären sie die Instanz, die entscheidet, welche (natur)wissenschaftlichen Erkentnisse nun „wahr“ sind oder artikuliert werden dürften und welche nicht.

    Aber keine Sorge, wir werden dem Pack schon das Handwerk legen.

    Grüsse,
    Manifold

    • „Eine Differenzfeministin, welche die Biologie nicht komplett ablehnt? Das ist keine Sensation“

      Klar, deswegen habe ich ja darauf hingewiesen. Bei einer Gleichheitsfeministin hätte der Artikel ja eine ganz andere Richtung.

      „Aber keine Sorge, wir werden dem Pack schon das Handwerk legen.“

      Frau Schrupp mag anderer Meinung sein, aber sie hat eine offene Kommentarpolitik und vertritt ihre Auffassung sachlich. Auf der Ebene sollte man ihr antworten.
      Angriffe wie „Pack“ und „Handwerk legen“ bringen einen da nicht weiter. Aber das Thema hatten wir ja gerade

  2. Spaßig finde ich vor allem, daß sie den Vorwurf des Biologismus jetzt für hinterfragenswert halt, „weil (er) heute gegen Frauen (gemeint ist: Feministinnen) gewendet werden kann“. Vorher war er natürlich eine völlig korrekte Reaktion…
    Ansonsten liest sich der Artikel für mich wie Kaugummi.

    Aber ich wünsche Dir viel Ausdauer bei der kommenden Diskussion. Bis jetzt liegst Du nach Punkten eindeutig vorn. IMVHO natürlich. 😉

    • „Spaßig finde ich vor allem, daß sie den Vorwurf des Biologismus jetzt für hinterfragenswert halt, „weil (er) heute gegen Frauen (gemeint ist: Feministinnen) gewendet werden kann““

      Ja, das ist etwas merkwürdig. Da haben wir einen vollkommen anderen Ansatz. Etwas ist meiner Ansicht nach hinterfragungswürdig, wenn die Theorie nicht stimmig ist oder aber bestimmte Ergebnisse nicht erklärt.

      „Bis jetzt liegst Du nach Punkten eindeutig vorn.“

      Danke

  3. Worauf will Frau Schrupp hinaus, wenn sie einräumt, dass auch die Biologie nicht völlig ignoriert werden darf ? Kurz und bündig: Kinder gehören zur Mutti. Mutterschaft ist etwas natürliches, Mutterrecht ein natürliches, unhintergehbares Recht. Im Gegensatz dazu Vaterschaft, welche lediglich Konvention ist. Vater ist der Mann, mit dem die Mutter zusammenlebt und der dadurch erste männliche Bezugsperson des Kindes ist. Der Vater ist prinzipiell jederzeit entsorg- und/oder austauschbar, während der Mutter ein natürliches Recht am Kind zusteht.

    Ihr zentrales Argument ist der Verweis auf die „Gebürtigkeit“, dass nämlich nur die Mutter in jedem Fall bei der Geburt anwesend sei. Na und ? Wird das Kind unmittelbar nach der Geburt einer anderen Frau gegeben, so wird sie die soziale Funktion „Mutter“ übernehmen. Kurzum: die Mutter ist genauso austauschbar wie der Vater. Genau das aber will Frau Schrupp nicht einsehen. Wahrscheinlich wird sie im Laufe der Diskussion auch noch das „Muttermilchargument“ anführen. Um Tacheles zu reden: Mutti ist die Beste und unersetzlich. Ziemlich altbacken, was da aufgetischt wird.

    • @Peter Boshard

      Gerade ihren Artikel noch mal durchgelesen. Ich teile ihre Auffassung nicht, dass die Beziehung des Vaters zum Kind nicht evident ist. Vererbung ist einer der wesentlichen Grundlagen unseres Wesens und auch mit der Weitergabe von Genen kann eine gewisse Beziehung entstehen, zumindest aber ein Anrecht darauf, einen gewissen Umgang zu haben und Einfluss nehmen zu können.

      Sie hat allerdings recht, wenn sie anführt, dass die Mutter etwas unmittelbarer an der „Bildung“ des Kindes beteiligt ist – das ist ja recht offensichtlich.

      Sie scheint daraus herzuleiten, dass die Mutter mehr Rechte an dem Kind haben muss als der Vater, dem diese Rechte wahlweise gewährt werden können. Ich finde diesen Schluss nicht zwingend. Das die Mutter gewisse Rechte haben muss, sicher. Aber das man daraus eine Rechtfertigung herleitet, aus der die Rechte des Vaters geringer sind, dass halte ich dann in der Tat für biologistisch.

  4. Schrupp: „“Die Bezeichnung „Gefäß“ ist problematisch, das ist alte patriarchale Tradition (ich glaube, Aristoteles oder so war’s), die den Part der schwangeren Frau als rein passiv, eben als „Gefäß“ oder „Nährboden“ verstanden hat. Es ist aber eine Beziehung, eine Beziehung zwischen zwei sehr Ungleichen, die aber dennoch keine Herrschaft ist.““ (Sie bezieht sich auf die Schwangerschaft)

    Eine Beziehung, die keine Herrschaft ist ? Frauen können den Fötus mittels Abtreibung entsorgen. Wenn das kein Herrschaftsverhältnis ist, dann weiss ich nicht, was denn dann.
    Ich halte Frau Schrupp für jemanden, der sich gerne selbst reden hört. Ihre Beiträge, auf die ich ab und zu hingewiesen werde, sind wenig durchdacht, und fundierte, stichhaltige Einwände von kritischen Diskutanten bleiben völlig wirkungslos.

    • @Peter Boshard

      Das Beispiel um das es ging war ja, wenn ich das richtig verstanden habe, eine Frau, die zwar das Kind bekommen wollte, also nicht abtreiben wollte, sich aber dennoch als Gefäß sah und die das belastet hat.
      Insofern ging es um eine Betrachtung der Schwangerschaft ohne Berücksichtigung der Abtreibung als Option.

      „Ihre Beiträge, auf die ich ab und zu hingewiesen werde, sind wenig durchdacht, und fundierte, stichhaltige Einwände von kritischen Diskutanten bleiben völlig wirkungslos.“

      Ich schätze es, dass sie Kommentare zulässt und selten moderiert. Der Ton dort ist sachlich. Das muss man zunächst erst einmal anrechnen. Das sie sich nicht überzeugen lässt und über einige Punkte nicht selbst vertieft diskutieren will – naja, dass muss man wohl hinnehmen. Man kann niemanden zwingen eine Diskussion bestimmter Tiefe oder bestimmten Inhalts zu führen.

  5. @ Peter Bosshard

    *Ihre Beiträge, auf die ich ab und zu hingewiesen werde, sind wenig durchdacht, und fundierte, stichhaltige Einwände von kritischen Diskutanten bleiben völlig wirkungslos.*

    Kennst Du eine Feministin, bei der das je anders gewesen wäre?

    Wenn ja, dann bitte her damit.

    Das will ich lesen!

    • @Roslin

      „Kennst Du eine Feministin, bei der das je anders gewesen wäre? Wenn ja, dann bitte her damit. Das will ich lesen!“

      Wir hatten ja hier schon einige Diskussionen.
      Ich wollte über diese Diskussion auch noch mal einen Artikel schreiben, mal sehen, ob ich es schaffe. Schade, dass man das Video hier nicht einbinden kann (oder habe ich was übersehen?)
      http://www.edge.org/3rd_culture/debate05/debate05_index.html
      Spelke ist zwar keine erklärte Feministin, aber sie argumentiert doch immerhin einige der diesbezüglichen Positionen bezüglich der Gleichheit der Geschlechter

      Es ist schade, dass wenige Feministinnen bereit sind, über diese Fragen zu diskutieren. Sie bleiben lieber unter sich, so dass die Theorien nicht wirklich hinterfragt werden.
      Eine Diskussion zwischen Pinker und Butler wäre bestimmt interessant. Noch besser eine große Runde, meinetwegen Pinker, Dawkins, David Geary und Geoffrey Miller auf der einen Seite und dann Butler, Connel, Fausto-Sterling und wer immer noch gerade groß ist auf feministischer Seite. Wobei ich vermute, dass sie größtenteils aneinander vorbei reden würden, weil es dem einen um Diskurspolitik und hegemoniale Männlichkeit und den anderen um biologische Unterschiede gehen würde.

  6. @Christian

    „“Sie hat allerdings recht, wenn sie anführt, dass die Mutter etwas unmittelbarer an der „Bildung“ des Kindes beteiligt ist – das ist ja recht offensichtlich.““

    Gilt aber nicht im Falle der sogenannten Leihmutterschaft, wenn also einer Frau Eizellen einer anderen eingepflanzt werden. In diesem Fall ist die Gebärende nicht die (genetische) Mutter. Gemäss Schruppscher Auffassung wäre die Leihmutter diejenige, welche ein natürliches und unhintergehbares Recht auf das Kind geltend machen könnte, weil sich die Eizelle in ihrem Körper zum Baby entwickelte.

  7. @Peter Bosshard

    [Leihmutterschaft]

    Richtig. Allerdings kann ich mir auch durchaus vorstellen, dass Leihmutterschaft für eine fremde, bei der man das Kind nicht wieder sieht, eine harte Sache ist. ich glaube nicht, dass man das so einfach abschüttelt.
    Aber auch ansonsten kann man ja sein Kind zur Adoption freigeben. Es ist etwas anderes Rechte von vorneherein abzuschneiden oder aber jemanden zuzugestehen, darauf zu verzichten (kann man sich schnell an der Frage des Selbstmords bewußt machen. Das Recht auf Leben gesetzlich einzuschränken ist immer ein Ausnahmefall. Sich selbst das Leben zu nehmen kann aber ein Recht sein).

  8. @Christian
    Bezüglich Leihmutterschaft: Sind dir Fälle bekannt, indem die Leihmutter Anspruch auf das Kind erhob und das „Mutterrecht“ gerichtlich festgestellt werden musste ? Ich halte das für einen sehr interessanten Aspekt, da die genetische Mutter funktional gesehen dem Samenspender gleicht. Sie ist einfach Eizellenspenderin. Da gemäss Schruppscher Logik die (Leih-)mutter nicht bloss als Gefäss gelten darf, sondern eine wie auch immer geartete Bindung zum im Leihmutterleib heranwachsenden Kind besteht, sollte dieses als natürlich postulierte Recht während der Schwangerschaft durchaus geltend gemacht werden können, auch wenn eine andere Vereinbarung vor der Eizellenverpflanzung getroffen wurde. Vergleich doch die rechtliche Situation mit dem des „Samenspenders“ ! seit wann hat der Samenspender das unbedingte Aufenthaltsbestimmungsrecht ? Eigentlich sollte es der Leihmutter möglich sein, von der Eizellenspenderin Alimente zu fordern und, ganz nach ihrem Belieben, mit einem Mann zusammenzuleben. So absurd das klingen mag – es ist Schruppsche Rechtsauffassung bezüglich Samenspendern.

    „“Es ist etwas anderes Rechte von vorneherein abzuschneiden oder aber jemanden zuzugestehen, darauf zu verzichten““

    Der Punkt ist doch, dass Mutterschaft im Fall der Leihmutterschaft – ich bleibe hier mal im Schruppschen Jargon – „sozial und rechtlich hergestellt werden muss“.

  9. @ Peter Bosshard
    Herr Bosshard ich weiß von Fällen in GB wo ein anonymer Samenspender Unterhalt zahlen kann für ein aus seinem Samen gezeugtes Kind, das jetzt bei seiner „leiblichen“ Mutter und ihrer Lebensgefährtin groß wird. Beide übrigens erfolgreich.

    Soweit ich weiß, soll es nicht selten vorkommen, dass KarrieristInnen, mitte 30 „Samenspender“ suchen. Meines Erachtens hat es doch biologische Gründe, warum man eigentlich nur Sex mit Menschen hat, die man „riechen“ kann und dann mit denen Kinder zeugt – schließt einen ONS nicht aus; auch da schläfst du in der Regel mit Menschen die dich „anturnen“. Wenn wir das alles ausschalten, dann glaube ich schon, dass die daraus entstehenden Kinder im Schnitt Nachteile haben.

    Jedenfalls bin ich sehr kritisch was Leihmutterschaften angeht, vor allem für homosexuelle Paare jenseits der 60; da hilft auch kein Promibonus!

  10. „Beide übrigens erfolgreich“

    Dürfte daran liegen, dass das Kind nach deutschem Recht den Unterhaltsanspruch hat und man auf Kindesunterhalt auch nicht verzichten darf.

    Allenfalls könnten die Männer versuchen, dass Geld von den Müttern zurückzuholen, im Wege einer Freistellungsabrede aus dem Samenspendervertrag.

    „Wenn wir das alles ausschalten, dann glaube ich schon, dass die daraus entstehenden Kinder im Schnitt Nachteile haben.“

    Es gibt genug nicht perfekte Partnerwahl, da ist das glaube ich kein großes Problem. Mit der gleichen Begründung wären Kinder aus einer Vergewaltigung oder einer betrunkenen Nacht mit eingeschränktem Urteilsvermögen per se schlechtere Menschen.

  11. Vom alten Frauenfeind August Strindberg stammt der Satz: Kein Mensch kann wissen, wer sein Vater ist. Ist wohl ganz im Sinne von Frau Schrupp gedacht.

    (Strindberg ist 1910 gestorben, vor der DNA-Analyse)

    Ich finde es gut, dass da mal eine Feministin versucht, auch die biologie in ihr Weltbild einzubeziehen. Allerdings zeigen Sätze wie: „Der „Biologismus“ hatte sich im 19. Jahrhundert ausgebreitet, weil die Männer in einer gewissen Erklärungsnot waren.“ den üblichen, männerfeindlichen Generalverdacht. Alles was Männer tun geschieht grundsätzlich aus Eigennützigkeit.

    • Es wird ja auch im Laufe der Diskussion deutlich, wenn sie dann wieder umschwenkt:

      Ich für meinen Teil hoffe diesbezüglich, es ist nicht das Testosteron, sondern eine falsche patriarchale Denke, die sich auch wieder ändern lässt, ohne dass alles noch mehr in die Scheiße geritten wird. Jedenfalls gehe ich in meinem politischen Handeln mal einfach davon aus, dass sich daran noch etwas ändern lässt.

  12. „“Herr Bosshard ich weiß von Fällen in GB wo ein anonymer Samenspender Unterhalt zahlen kann für ein aus seinem Samen gezeugtes Kind, das jetzt bei seiner „leiblichen“ Mutter und ihrer Lebensgefährtin groß wird. Beide übrigens erfolgreich.““

    Davon habe ich auch schon gehört. Gerade deswegen würde mich die Rechtssprechung bezüglich Leihmutterschaft interessieren. Ich halte es für ausgeschlossen, dass der Eizellenspenderin eine Alimentenzahlung aufgenötigt würde, was den omnipräsenten Sexismus gegen Männer aufzeigen würde.

    Die Forderung, dass die Eizellenspenderin alimentenpflichtig sein sollte, würde wohl von einer überwiegenden Mehrheit als absurder Gedanke abgetan, während die Alimentenpflicht des „Samenspenders“ als völlig normal und gerechtfertigt gesehen wird.

    Das Selbstverständliche hinterfragen, das ist der Weg zur Befreiung des Mannes von allen Zwängen, die im auferlegt wurden. Warum sind alle Müllmänner Männer ? Wo sind die Müllfrauen ?

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