Wissenschaft ja, Biologie nein

Ich finde es lustig, wenn sich jemand gleichzeitig über Leute lustig macht, die unwissenschaftliche Erklärungen bevorzugen oder ausblenden

Mich freuen immer wieder Geschichten, in denen deutlich wird, wie gewöhnlich und üblich die Behandlung ist, die Vertreter von Parawissenschaften und Esoterik gerne als Verfolgung beschreien. Da sind es dann schnell die ideologisch überzeugten Wissenschaftsgläubigen, die andere Meinungen rigoros ablehnen. Als Antwort kann man darauf hinweisen, dass Kritik und die wissenschaftliche Methode auch bei wissenschaftlichen Themen eingefordert wird, aber Beispiele wie die folgenden verdeutlichen das immer wieder. (…) Umgekehrt aber: mit guten Studien, mit reproduzierbaren Ergebnissen, wäre alles wunderbar. Das haben die Pseudowissenschaftler aber natürlich nicht, und darum schimpfen sie auf die bösen Szientisten, die doch nur tun, was sie immer tun. Nachfragen. Testen. Und ihre Meinung den Ergebnissen anpassen.

und zum anderen Feminist ist und von Biologismus redet:

Eines der größten Probleme in feministischer Diskussion sind essentialistische Argumente – vielleicht besser bekannt als biologistische Argumente. Im Grunde lautet jedes dieser Argumente: “Männer bzw. Frauen sind eben so.” (…) mögliche geschlechtsspezifische biologische Einflüsse sind wesentlich geringer als die individuelle Variation (Einzelpersonen können hier und da talentiert sein), und der sozialisierende Einfluss wird dabei unterschätzt.

Auf Seiten der biologischen Theorien stehen nämlich in der Tat Studien, die reproduzierbar sind und wissenschaftliches Arbeiten. Während der Feminismus eher die Haltung annimmt, die er im ersten Zitat kritisiert.

6 Gedanken zu “Wissenschaft ja, Biologie nein

  1. ..als ob die Tatsache, dass Mädchen als Gesamtruppe „genausogut“ in Mathe sein kann wie die der Jungen eine Widerlegung wäre. Das Beispiel der sehr hohen Quote an türkischen Ingenieurinnen sollte eigentlich mittlerweile jeder kennen, der sich ohne metergroße Scheuklappen mit der Geschlechterfrage beschäftigt.

    Manche können offenbar nicht anders als geifernd auf mühsam zurechtgebastelte Strohmänner einzudreschen.

  2. Da haben diejenigen, die von einer Gleichheit ausgehen, gute Arbeit geleistet. Das Bild ist vollkommen verzerrt. Wäre interessant, dass mal objektiv nach den Theorien zur Diskurshoheit durchzuspielen. Ich denke da würde man durchaus „Machtstrukturen“, die die Diskussion behindern wahrnehmen können. Allerdings von den Gleichheitsbefürwortern aus.

    • „Wäre interessant, dass mal objektiv nach den Theorien zur Diskurshoheit durchzuspielen.“

      Es ist ja erklärtes Ziel, den Diskurs in eine bestimmte Richtung zu biegen.

  3. @Nick

    Des wegen sage ich ja eine objektive Überprüfung. Der Feminismus tut ja häufig so als wäre er der Underdog, dabei wird feministischen Gedanken ja durchaus einiges an Platz in den Medien eingeräumt und Aussagen gegen den Gleichheitsfeminismus, selbst relativ geringfügige wie beispielsweise die, das es ein biologisches Ungleichgewicht bei Spitzenmathematikern gibt, führt ja schon zu harten Konsequenzen.

  4. Der Konstruktivist – und Feministen sowie Soziologen sind mehrheitlich Konstruktivisten – muss sich mit dem Ärgernis abfinden, dass es da eine Biologie gibt und zwei Geschlechter, die sich erheblich in ihrem Verhalten voneinander unterscheiden. Diese triviale, ja banale Feststellung kann aber so nicht ohne heftigsten Widerspruch zu ernten gegenüber Feministen geäussert werden, es sei denn, sämtliche Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern würden einzig auf die Sozialisation zurückgeführt. Etwas gar als „natürlich“ zu bezeichnen – das absolute Reizwort für den RK – lässt die Diskussion augenblicklich ins Hysterische abgleiten. Das feministische Dogma besagt, alles dem Männlichen und Weiblichen zugeschriebene ist lediglich „kulturelle Praxis“, somit im Prinzip beliebig veränderbar.

    Ohne Zweifel ist die Sozialisation eines Menschen prägend und beeinflusst sein Verhalten und seine Wahrnehmung. Ebenso zweifellos ist es Unsinn zu behaupten, biologische Anlagen hätten keinen Einfluss, sondern es sei alles Resultat der Sozialisation.

    Derartige Diskussionen münden regelmässig in die Gretchenfrage: Ist eine bestimmte Verhaltensweise nun Wirkung einer ganz bestimmten Sozialisation – also anerzogen im weitesten Sinne – oder hat dieses Verhalten biologische Ursachen ? Diese Fragestellung geht implizit von einer linearen Kausalität aus, die ich für nicht gegeben halte. Vielmehr sehe ich die Faktoren Sozialisation und Biologie derart wechselwirkend verschränkt, wie es ein chaotisches System auszeichnet. Eine eindeutige Benennung von Ursache und Wirkung ist nicht möglich, es gibt keinen Determinismus und die Komplexität des „Systems“ lässt dies nicht zu. Es ist letztendlich unberechenbar und teilweise zufallsabhängig.

    Ich halte die Frage „Sozialisation oder Biologie“ für unbeantwortbar, so wie es mir unsinnig erscheint, nach der (ersten) Ursache eines Tiefdruckgebietes zu fragen.

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