Game im Film: Han Solo und Leia

Hier eine klassische Liebesszene aus „Krieg der Sterne“ zwischen Han  Solo und Prinzessin Leia:

Der Dialog dazu (IMDB)

Han Solo: Hey, Your Worship, I’m only trying to help.

Leias Bitchshield geht auf 100%. Han kontert mit einem kleinen Neg mit ihrem Status. Er zeigt, dass er nicht beeindruckt ist.

Princess Leia: Would you please stop calling me that?

Es stört sie. Sie klingt sehr genervt.

Han Solo: Sure, leia.

Er ist entspannt, lässt sich nicht stören. Indifferent. Ignoriert es einfach.

Princess Leia: You make it so difficult sometimes.

Es ist nicht ganz klar, was sie meint. Findet sie ihn anstrengend oder machter es ihr nicht einfach ihn zu wollen?

Han Solo: I do, I really do. You could be a little nicer, though. Come on, admit it. Sometimes you think I’m all right.

Im ersten Teil übergeht er ihre Kritik einfach. Eine Form des Agree and amplify. Er macht es sich zu eigen und fordert sie dann etwas heraus, indem er sie ebenfalls als nicht nett bezeichnet. Ihre negative Einstellung wird ignoriert. Es werden Eingeständnisse von ihr verlangt

Princess Leia: Occasionally, maybe… when you aren’t acting like a scoundrel.

Die macht sie auch gleich. Und versucht sie dann wieder einzuschränken, indem sie meint, dass er sich wie ein Schurke benimmt.

Han Solo: Scoundrel? Scoundrel? I like the sound of that.

Er nimmt es als Indikator of Interest (IOI) und reframed den Schurken, macht ihn also zu etwas positiven. Man beachte seine Körpersprache. Er nimmt ihre verletzte Hand, während er das Wort hin und herwiegt als höre er es zum ersten Mal. Massiert sie und legt sie auf seine Brust, während er das Wort immer lobender klingen lässt. Seine Stimme wird weich während er ihr in die Augen schaut. Er wandelt ihre Ablehnung in ein Zeichen der Zuneigung um, stellt daraufhin Körperkontakt her und rückt näher.

[Han starts to massage Leia’s hand]

Princess Leia: Stop that.

Leia ist noch nicht überzeugt es geht ihr zu weit. Er soll die Hand wegnehmen. Sie weicht etwas zurück, aber zieht  die Hand nicht weg. Ihr Widerstand bleibt vorhanden.

Han Solo: Stop what?

Han stellt sich dumm und grinst sie an, während er ihre Hand weitermassiert. Er scheint die Sache als Shit Test zu sehen. Die „Nein heißt Nein“-Fraktion mag an dieser Stelle laut aufschreien.

Princess Leia: [timidly] Stop that. My hands are dirty.

Leia schiebt einen Grund nach. Aber es ist ein Einlenken. Der Grund ist ausweichend, sie schränkt es ein auf ihre dreckigen Hände, nicht mehr darauf, dass er sie berührt.

Han Solo: My hands are dirty, too. What are you afraid of?

Han sieht auch diesen Grund als Shit test und übergeht es. Dann spricht er direkt die Gefühlsebene an und fordert sie zugleich heraus, indem er ihr Angst unterstellt – aber Angst vor Gefühlen, nicht vor ihm.

Princess Leia: Afraid?
Han Solo: You’re trembling.
Princess Leia: I’m not trembling.
[Han moves in closer]

Er übergeht auch diesen Einwand. Rückt immer weiter vor und schaut ihr die ganze Zeit tief in die Augen. Sie schaut zurück.

Han Solo: You like me because I’m a scoundrel. There aren’t enough scoundrels in your life.

Dominantes Auftreten. Er stellt es fest. Er lenkt das Geschehen. Kommt immer näher öffnet die Lippen bereits leicht

Princess Leia: I happen to like nice men.

Man beachte, wie sie bis zuletzt dabei bleibt, dass sie ihn nicht mag. Wie sie aber das Gesicht nicht wegdreht als er sich ihr nährt. Sexuelle Spannung liegt in der Luft. Auch ihr Tonfall ist nicht mehr aggressiv.

Han Solo: I’m a nice man.

Er ignoriert im wesentlichen ihren Einwand und sieht ihn nur als Verstärkung. Das wichtige ist aber der Augenkontakt und die Körpersprache von beiden.

Princess Leia: No, you’re not. You’re…
[they kiss]

Leias Protest geht in dem Kuss unter.

Die Filmszene zeigt meiner Meinung nach sehr schön die sexuelle Spannung und das Knistern, das entsteht, obwohl Leia dem Wortlaut nach eigentlich nahezu feindselig ist. Das wesentliche ist hier aber nicht, dass Leia Nein sagt, sondern, dass ihre Körpersprache ja sagt. Han Solo nährt sich ihr sehr langsam, was ihr die Gelegenheit zur Reaktion lässt. Es ist recht aggressiv, aber Han Solo ist ja auch ein Schurke. Was die Szene erfolgreich macht ist denke ich, dass männlich-dominante Auftreten von Han Solo und seine Unbeirrbarkeit, sein sicheres Wissen, dass sie ihn will, egal was er sagt und die von beiden sehr schön dargestellte Körpersprache, die im Gegensatz zu dem (zumindest von ihr) gesprochenen liegt.

Anleihen bei: „Getting Laid the Han Solo Way

(vgl. auch Top Gun und Game / Pick up und Besprechungen anderer Filmszenen von Roissy)

Wann ist ein Mann oder eine Frau ein Mann oder eine Frau?

Khaos.Kind wirft in einem Kommentar die folgende Frage auf:

Woran machst du Mann/Frau fest? Mir scheint, du wechselst da gern mal zwischen Gehirnstrukturen, Hormonen oder Phänotypen, je nachdem, wie es gerade passt.

Eine gute Frage, die nicht leicht zu beantworten ist.

Die zunächst offensichtlichste Antwort wäre, nach den Chromosomen vorzugehen. XX ist eine Frau, XY ein Mann. Also eine Einordnung nach Genotyp.

Damit liegt man in geschätzten 95% der Menschheit auch richtig. Dies liegt – vereinfacht gesagt – daran, dass ein XY-Chromosom dazu führen wird, dass männliche Geschlechtsorgane, insbesondere Hoden,  produziert werden und damit über die über Ausschüttung ausreichender Mengen Testosteron etc. auch ein sonstiger männlicher Phänotyp und ein männliches Gehirngeschlecht produziert wird.

Dies kann aus dem verschiedensten Gründen nicht erfolgen. Bei intersexuellen Personen kann der Vorgang vollkommen anders ablaufen, beispielsweise durch eine komplette Androgenresistenz:

Zwar sind die zunächst noch im Körperinneren gelegenen Gonaden zu Hoden differenziert, aber durch die periphere Testosteronresistenz (Testosteron kann nur bedingt wirken) wird die von einer ungestörten Testosteronwirkung abhängige weitere Differenzierung zu einem männlichen Phänotyp unterbrochen und stattdessen die Ausbildung des pseudo-weiblichen Phänotyps (bei weiterhin bestehenbleibenden männlichem Genotyp) verfolgt. Somit kann sich auch kein männliches äußeres Genitale entwickeln und verbleibt der Hoden in der Folge im Körperinneren bzw. kann sich maximal in die Gegend der Leiste bzw. der großen Schamlippen senken.

Bei diesen Fällen kann eine Geschlechtszuordnung schwierig sein. Allerdings macht dies Intersexuelle meiner Meinung nach nicht zu einem dritten Geschlecht und hebt aus meiner Sicht auch nicht die Einteilung in zwei Geschlechter auf. Die zwei Geschlechter haben eine erkennbare Funktion in der Biologie und stellen zwei getrennte Einheiten dar. Intersexuelle sind lediglich Abweichungen von diesen zwei getrennten Bauweisen und insoweit eher „Hybride“ als eine neue „Art“ (ein wertfreier Vergleich). Da hier eine große Vielfalt bei den „Mischformen“ vorhanden ist, ist auch eine Einordnung in verschiedene weitere Geschlechter recht sinnlos, man wird nur neue Abgrenzungsschwierigkeiten hervorrufen (dies vertritt auch Fausto-Sterling inzwischen, die ursprünglich für eine Erweiterung auf weitere Geschlechter war). Da aber eine Einordnung zum Phänotyp „männlich“ oder „weiblich“ bei 98% der Menschen möglich ist verliert durch die Unbestimmtheit in diesem Grenzbereich die Unterscheidung nach Mann und Frau nicht an Wert. Die Einordnung nach dem Phänotyp stellt daher sicherlich im Alltag die wichtigste Einteilung der Geschlechter dar.

Das Gehirngeschlecht kann zu weiteren Problemen führen. Transsexuelle werden eine Geschlechtszuordnung nach ihrem Gehirngeschlecht empfinden, aber nach ihrem Phänotyp bewertet werden, da man das Gehirngeschlecht nur bei näherem Kennenlernen erfahren kann. Die Abgrenzung ist hier schwierig und man wird wohl bei einer Doppelbeschreibung bleiben müssen, etwa „eine Frau in einem Männerkörper“.

Insofern würde ich hier für die Frage, was der oder diejenige „ist“ auf den Phänotyp abstellen, auch wenn dies nicht zu der Selbstwahrnehmung passt. Den nach diesem erfolgt die Wahrnehmung, von der wir uns schwer lösen können. Das dürfte ja letztendlich auch der Grund sein, warum der/die Transsexuelle eine Geschlechtsumwandlung (oder Anpassung?) haben möchte.

Ich denke auch Schwule und Lesben sehen sich (von Anhängern von Monique Wittig abgesehen) als Männer und Frauen, selbst wenn zB einer Schwuler sehr weibliche Seiten hat oder eine Butch sich eher männlich verhält. Sie werden auch darauf abstellen, dass sie auf Männer/Frauen stehen, also im Endeffekt eine Einordnung nach dem Phänotyp vornehmen

Die Einordnung nach Phänotyp erscheint mir auch sinnvoll, weil sie letztendlich unser Begehren, also das Abstellen auf bestimmte Attraktivitätsmerkmale aufgrund sexueller Selektion, und damit ein Großteil unseres Verhaltens gegenüber den Geschlechtern betrifft.