Bestrafen Frauen andere Frauen für beruflichen Erfolg?

Eine interessante Studie legt dar, dass Frauen andere Frauen im Job benachteiligen, um den Wettbewerb mit diesen Frauen herunterzuschrauben:

Two studies tested the hypothesis that females penalize women who succeed in male gender-typed jobs to salvage their own self-views regarding competence. The authors proposed that women are motivated to penalize successful women (i.e., characterize them as unlikable and interpersonally hostile) to minimize the self-evaluative consequences of social comparison with a highly successful female target. Results supported the hypothesis. Whereas both male and female participants penalized successful women, blocking this penalization reduced female—but not male—participants‘ self-ratings of competence (Study 1). Moreover, positive feedback provided to female participants about their potential to succeed (Study 2) weakened negative reactions to successful women without costs to subsequent self-ratings of competence. These results suggest that the interpersonal derogation of successful women by other women functions as a self-protective strategy against threatening upward social comparisons.

Quelle: „Motivated to Penalize: Women’s Strategic Rejection of Successful Women“ from Personality and Social Psychology Bulletin, Vol. 34, No. 2, 237-247 (2008)

Das würde gut zu diesen Betrachtungen über die Unterschiede im Umgang mit Wettbewerb zwischen Mann und Frau passen. Also weniger „Sisterhood“ als vielmehr Wahrung der eigenen Interessen.

Wie sagte schon Beauvoir:

„Die Frau mit Altruismus identifizieren heißt dem Mann absoluten Anspruch auf ihre Ergebenheit garantieren, heißt der Frau ein kategorisches Seinsollen aufzuzwingen“

Dagegen könnte man halten, dass Wettbewerb unter Frauen gerne einfach als Zickenkrieg abgewertet wird. Allerdings scheint hier nach der Studie ja tatsächlich keine faire Auseinandersetzung in der Sache vorzuliegen.

18 Gedanken zu “Bestrafen Frauen andere Frauen für beruflichen Erfolg?

  1. Ah,eine gesellschaftliche Erklärung.
    Mir würden dazu verschiedene feministische Sichtweisen einfallen:

    1. Frauen, und Menschen insgesamt, sollten gar nicht miteinander konkurrieren müssen. Es ist das (patriarchische) System des Wettbewerbs, dass geändert werden muss.
    –> da wäre mein Gegenargument, dass man Wettbewerb unter Mitarbeitern nicht verhindern kann.
    2. Das Rollenbild der Frau ist eben auf brav und nett ausgerichtet, deswegen müssen sie zu diesen Mitteln greifen, weil richtiger Wettbewerb ihnen sozusagen verboten ist
    –> Brav und nett würde aber auch nicht zu dem Mobbing gegen andere passen
    3. Es wird nur so wahrgenommen, weil Verhalten unter Frauen anders bewertet wird als unter Männern. Frauen konkurrieren wie alle anderen auch.
    –> Da müsste man dann schauen, ob Männer ähnlich agieren.

    • Ich erkläre nicht, ich suche nach Handlungsstrategien. Zukunftsgerichtet und so.

      zu 1. Ich finde Wettbewerb gut und sinnvoll. Erst im Miteinander entstehen neue Ideen. (vgl. dazu Flecks Denkkollektive)

      zu 2. Nur weil Frauen nett und brav sein sollen, heißt das nicht, dass sie es sind, oder?

      zu 3. Das könnte mit reinspielen. Doch hatten wir lustigerweise erst heute in nem Seminar eine Diskussion darüber. Und nein, wir sind zu keinem „Ergebnis“ gekommen, woran es genau liegt. Es spielt viel mit rein: Psychologie, Politik, Gesellschaftsstruktur, Soziologie und sicher auch Biologie.
      Da müsste dann erforscht werden, wie genau diese Benachteiligung aussieht und ob das mit der Genusgruppe Mann vergleichbar ist, ja.

  2. @Khaos.kind

    Ich sehe das eher unter dem gesichtspuntk „Wer einen Vorgang nicht erklären kann, der kann auch bei den Handlungsstrategien nur raten“.

    1. Ja, Wettbewerb ist definitiv sinnvoll.
    2. Also würden sie den Wettbewerb meiden, weil sie nett erscheinen wollen, aber in Wahrheit nicht nett sein?
    3. Dazu passen dann aber die unterschiedlichen Hormonausschüttungen nicht.

    Was für ein Seminar hattest du denn?

    • @Christian
      Da es keine Erklärungen, sondern nur Erklärungsansätze gibt und niemand alles wissen kann, muss ich wohl auf das zurückgreifen, dass ich bereits weiß und daraus Handlungsstrategien überlegen. Dazu reicht eine Situation mit meinem „Ideal des guten Lebens“ zu vergleichen und zu überlegen, wie ich das eine mit dem anderen abstimmen kann (ein Hoch auf Sidlers Problemsoziologie!).

      zu 2. Sagen wir so. Sie nennen was sie tun nicht Wettbewerb oder es wird von anderen eher als Zickenkrieg statt Wettbewerb bezeichnet. Rollenbilder in der Gesellschaft sind ja nicht immer explizit oder in jeder Situation bewusst – wender vom Subjekt noch von Außenstehenden.

      zu 3. Was muss sich dann ändern, die Vorstellung über Hormonausschüttung oder die Multiperspektive? (das ist eine teilweise rhetorische Frage, ich möchte jetzt nicht über Sinn und Nutzen eines hormonellen Erklärungsansatzes reden, dafür ist das Thema zu weit)

      • Dazu solltest du zumindest eine Einführung ind Wissenschaftstheorie lesen, etwa von Carl G. Hempel, um nicht nur die sozialen Prozesse im Blick zubhaben, sondern auch das, worum es inhlaltlich geht.

  3. @Khaos.Kind
    „Was muss sich dann ändern, die Vorstellung über Hormonausschüttung oder die Multiperspektive?“

    Die Vorstellung über die Hormonausschüttung hat immerhin den Vorteil belegbar zu sein. Ich würde also sagen, dass eine Theorie sie berücksichtigen sollte.

  4. Multiperspektivität wird, so wie ich das sehe, gerade in der Geschichtswissenschaft genutzt, um die Subjektivität des Beobachters etwas abzumildern.

    Das muss aber nicht bedeuten, dass man keine Gewichtung vornehmen kann. Wenn 10 Personen sich nicht einig sind, wer eigentlich erschossen wurde, aber wir haben die Leiche auf dem Tisch und die Kugel ist der Tatwaffe zuzuordnen, dann brauchen wir die Subjektivität nicht mehr durch eine Multiperspektive einzuschränken.

    Anderes Beispiel:
    Wenn wir wissen, dass zB bestimmte Geisteskrankheiten durch biochemische Vorgänge oder Generkrankungen hervorgerufen werden, dann brauchen wir die Ansätze aus der Multiperspektive „Ein Geist hat ihn besessen“ oder „Die Kräuterhexe hat ihn in seinem Bann“ nicht mehr.

    Wenn wir feststellen, dass Frauen biologisch vollkommen anders auf Stress und Wettbewerb reagieren, dann kann dies ebenfalls ein bestimmendes Argument sein. Sicherlich muss man dann diese biologischen Vorgänge hinterfragen und ihr Ausmass bestimmen, aber die Multiperspektive kann dennoch überlagert werden.

    • Multiperspektivität heißt nicht, dass jede Meinung gleichwertig behandelt wird, die meint, etwas dazu sagen zu müssen. Sondern, dass etwas aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet wird.
      Wenn wir bei deinem Beispiel bleiben, dem toten Menschen auf dem Tisch:
      – Medizin: er ist tot und an der Schussverletzung gestorben
      – Balistik: die Pistole in der Ecke ist die Tatwaffe
      – Psychologie: er hatte eine dissoziative Störung und könnte sich selbst erschossen haben
      – Medizin/Pathologie: dem widerspricht der Eingangswinkel
      – Soziologie: er hatte schwerwiegende Streitigkeiten mit seinem familiären Umfeld
      – Rechtswissenschaft: sucht den/die Täter, wir müssen rausfinden ob es Fahrlässige Tötung oder Mord war

      So in der Richtung kann das aussehen.
      Zu deinem anderen Beispiel: Geisteskrankheiten können biochemisch ausgelöst werden (diese biochemische Reaktion kann aber auch vom sozialen Umfeld ausgelöst werden) und/oder sie können genetisch veranlagt sein (ob diese Veranlagung auch ausbricht, hängt mitunter an der sozialen Situation)

      Und wenn Frauen biochemisch anders auf Auseinandersetzungen und Wettbewerb reagieren, sagt das noch gar nichts über die strukturelle Bedingtheit dieser Auseinandersetzungen/Wettbewerbe.

      • @Khaos.kind

        Ich wollte auf folgendes hinaus:

        Wenn bestimmte Tatsachen ein bestimmte Erklärung bestätigen, dann können dadurch andere Erklärungen ausgeschlossen werden.
        In meinem Beispiel kann zB eine Überprüfung der Leiche ergeben, dass der Tote ein Herr Meyer ist, wenn dann ein Zeuge meinte, dass der Erschossene Herr Müller war, weil er sich verguckt hat, dann fällt diese Erklärung aus.

        Wenn man also zB meint, dass die Sexualität der Männer von der der Frauen nur deswegen abweicht, weil sie eine andere Erziehung haben bzw. aufgrund der Gesellschaft (wie es ja Butler und Beauvoir vertreten), dann wird das durch die nachgewiesene Wirkung von Testosteron für den Schnitt zum Großteil widerlegt (natürlich können beim einzelnen gesellschaftliche und durch die Erziehung bedingte Aspekte hinzukommen, zudem kann der Einzelne auch eine andere Biologie haben, die nicht seinem Phänotyp entspricht).

        Vielleicht kannst du mir unter diesem Gesichtspunkt noch einmal erklären, was du genau mit diesem Satz meintest:

        „Was muss sich dann ändern, die Vorstellung über Hormonausschüttung oder die Multiperspektive?“

      • @Christian
        Worauf du hinaus wolltest, hat mit wissenschaftlicher Multiperspektivität nicht viel zu tun. Dass auch eine Sichtweise unterschiedliche Ansätze und Ideen verfolgt und berücksichtigt, ist doch klar. Nur weil Herr Meier auch von der Treppe gefallen sein könnte, muss diese Theorie ja nicht berücksichtigt werden, wenn die Kugel passt.

        Die Frage war darauf gemünzt, dass in das unterschiedlichen Verhalten viel mit reinspielt:
        Es spielt viel mit rein: Psychologie, Politik, Gesellschaftsstruktur, Soziologie und sicher auch Biologie.
        Da steht schon was mit Biologie, wieso antwortest du dann darauf mit unterschiedlicher Hormonausschüttung?

      • @Khaos.Kind

        Weil es für mich etwas ausweichend ist. Nehmen wir mal an man hätte ein Gebäude gebaut, dessen Statik falsch berechnet ist. Es bricht zusammen.

        Jetzt sagt jemand:

        Es spielte hier vieles mit rein: Der Wind war an dem Tag sehr stark, der Erd-Mond-Abstand war ungünstig, die Kälte hat das Material spröde gemacht und auch die Berechnungen zur Statik könnten ursächlich sein.

        Jemand rechnet das ganze dann durch und sagt: Alle anderen Faktoren außer der falsch berechneten Statik hatten minimale Auswirkungen, es war einfach falsch konzipiert

        Und der andere sagt dann: Was willst du denn, ich habe doch gesagt, dass auch die Statik die Ursache sein kann.

        Dann würde man eben auch sagen, dass seine Antwort an der Sache vorbeigeht.

  5. Pingback: „Männer konkurrieren um was sie tun, Frauen um was sie sind“ « Alles Evolution

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