Nein heißt Nein: Der größte Gegner sind Frauen

Der folgende Beitrag ist Bestandteil einer Diskussion zwischen Patrick und mir. DieVorgeschichte ist hier. Es geht um „Nein heißt Nein“, wobei Patrick die „Pro“-Position vertreten wird, also ein Nein wörtlich nimmt, während ich die „Contra“-Position vertrete, also davon ausgehe, dass ein Nein ausgelegt werden kann. Wir haben uns auf eine Einführung, dann zwei Tage weitere Beiträge, dann 2 Tage Fragen an den anderen und Beiträge mit 500 Worten geeinigt. Patricks erster Beitrag ist hierzu finden, der zweite hier, der dritte hier.

Ich muss etwas gestehen: Auch ich war früher, noch lange bevor ich über Pickup überhaupt etwas gehört hatte, ein „Nein-heißt-Nein“-Vertreter. Wenn eine Frau leichten Widerstand zeigte habe ich mich zurückgezogen, mit ihr darüber geredet, darauf gewartet, dass sie in ihrem Tempo vorgeht. Wer hat das geändert? Frauen selbst!

Typische Konversationen in dieser Zeit waren: „Warum hatten wir eigentlich nie was?“ Du hättest ja was machen können?“ Aber du hast nein gesagt?“ „Du darfst halt nicht so schnell aufgeben“.

Im Partynachgespräch meinte ich zu einer Freundin, dass der eine ja recht aggressiv vorgegangen wäre, ich hatte schon überlegt, ob ich einschreiten soll. Die Antwort war zuverlässig ein „Immerhin hat er was versucht, auch wenn es vielleicht etwas viel war. Besser als jemand, der sich nichts traut“.

Ich hatte eine Freundin, bei der eine gewisse erotische Spannung in der Luft lag, die mich besuchte und (mit eigener Decke) in meinem Bett schlief. Vor dem Hinlegen sagte sie „Wenn du was versuchst, dann schneide ich dir den Schwanz ab“. Natürlich mit einem Grinsen. Also versuchte ich nichts. Wieder folgte eines dieser Gespräche. Und wieder ein „Du hättest ja was versuchen können“. Das tat ich das nächste Mal, trotz eines ähnlichen Spruches. Natürlich hatten wir Sex.

Auch beim Sex selbst war es nichts anderes. Frauen sagten, dass sie beim ersten Date nie mit einem Mann schlafen würden. Brachten alle möglichen Neins. Und dann, wenn man immer neue Versuche an dem Abend machte – als hätten sie jetzt genug deutlich gemacht, dass sie ja anständige Mädchen waren – hatte man wunderbaren Sex.

Frauen, die die ganze Zeit erzählten, dass man nicht einfach so Sex haben sollte, es wäre nicht richtig. Und ich habe ihnen die meiste Zeit über zugestimmt und auch gesagt, dass ich es nicht gut finde, aber DAS würde sich richtig gut anfühlen.

Ich hatte eine Frau, die etwas Angst vor Sex hatte und bei der es etwa 20 Versuche, immer mit kurzen Pausen brauchte, die sie alle abwehrte und die ich immer wieder neu, allerdings recht vorsichtig aufgenommen hatte, die mir hinterher sagte, dass sie gerade dadurch, dass sie wusste, dass ich ruhig darauf reagiere und wieder anfange, obwohl sie nein gesagt hatte, langsam die Sicherheit aufbauen konnte mit mir zu schlafen.

Ich hatte Sex, bei dem jeder einzelne neue Schritt zurückgehalten und erobert werden musste und es war dem Sex keineswegs abträglich.

(Ich hatte auch Sex, bei den es kein Nein und keinen Widerstand gab)

Sex ist nicht nur Ja und Nein. Nicht nur Lust und Belästigung. Es gibt eine Mittelzone, die sicherlich viel mit Rollenbildern (seien sie biologisch oder kulturell) zu tun hat. Frauen mögen, denke ich, Männer im Schnitt lieber, die es schaffen sich – nach entsprechenden Signalen – in diese Mittelzone vorzuwagen und die Sache voranzubringen als Männer, die zu vorsichtig sind. Sie wissen, dass sie den allermeisten Männern deutlich machen können, dass sie außerhalb der Mittelzone sind und diese es dann lassen. Frauen vorzuschreiben sich klar und deutlich zu verhalten scheint mir eher „hegemoniale Männlichkeit“ zu sein als der andere Weg.

Da sich an diesen Beitrag Fragen anschließen sollen, hier meine an Patrick:

  • Meinst du, dass es Frauen gibt, die beim Sex nicht genau wissen was sie wollen, gerne passiv sein wollen, sich nicht eindeutig entscheiden wollen und testen wollen, wie ein Mann reagiert und einen Mann, der Handelt anziehender finden als einen Mann, der abwartet?

Weitere Artikel dieser Serie:

  1. „Nein heißt Nein“: Das Zwischenmenschliche ist immer Auslegung und Empathie
  2. Nein heißt Nein: Nein ist ein schlechtes Stoppwort
  3. Nein heißt Nein: Der größte Gegner sind Frauen
  4. Nein heißt Nein: Wie dürfen Frauen kommunizieren?
  5. Nein heißt Nein: Sicherheit vs Sex

23 Gedanken zu “Nein heißt Nein: Der größte Gegner sind Frauen

  1. Patrik scheint nicht klar zu sein, was Mehrdeutigkeit heißt. Er glaubt offenbar etwas sei mehrdeutig, weil der Empfänger es nicht richtig einordnen kann, dass Mehrdeutigkeit in der Regel dadurch entsteht, dass das Gemeint vom Sendendem mehrdeutig gehalten ist, scheint ihm zu entgehen.

  2. Ps: Etwas Eindeutiges als mehrdeutig auszulegen bedeutet, auch nicht ein Nein in ein Ja umzudeuten und damit Grenzen zu überschreiten, sondern es bedeutet sich vorrübergehend zurückzuhalten und die Grenzen später erneut zu testen.

  3. Irritiert es nur mich oder warum denken anscheinend Nicht-Feministen (zu denen ich mich auch zähle), dass Frau sehr wohl in der Lage ist, eindeutig ihre etwaige Missgunst gegenüber Sex auszudrücken, dass gar kein Zweifel bestehen kann.

    Und Feministen (bzw. in diesem Fall Patrick) glauben, der Mann mache sich schuldig, wenn er die Unentschlossenheit der Frau hinnehme, sie zum Sex zu „zwingen“. (Klingt ein wenig pauschalisierend, aber ich lass es mal so stehen.)

    Ich verstehe nicht, warum sich die gesamte Diskussion nur an dem Wörtchen „Nein“ aufhängt. Jeder, der den „Flow“, welcher beim Flirt, bei der Verführung, beim Sex – so wie ihn Christian oben beschrieben hat – kennt, weiss, dass hier eben andere „Regeln“ gelten als beim Unterschreiben eines Vertrages. Aber vielleicht muss man, um das zu verstehen, eine Recht gute Verbindung zu seiner Sexualität bzw. zu seinen Trieben haben.

    Als ob Frau nicht in der Lage wäre, unmissverständlich klarzumachen, was Sache ist.

    • @Trumf

      „Und Feministen (bzw. in diesem Fall Patrick) glauben, der Mann mache sich schuldig, wenn er die Unentschlossenheit der Frau hinnehme, sie zum Sex zu „zwingen“. (Klingt ein wenig pauschalisierend, aber ich lass es mal so stehen.)“

      Als ob Frau nicht in der Lage wäre, unmissverständlich klarzumachen, was Sache ist.“

      So habe ich es auch erlebt. Der Unterschied ist recht deutlich und Unentschlossenheit kann durchaus ein gewünschter Zustand sein.

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  5. Genau die Frage habe ich mir beim lesen der bisherigen Diskussion auch gestellt: Hält Patrick Frauen eigentlich für unfähig, sich gut zu artikulieren? Wenn ich nein sage, weiß der Gegenüber ziemlich genau, ob dieses nein nun „noch nicht, aber später vielleicht“, „geb dir mal mehr Mühe“ oder wirklich „nein, ich will das gar nicht“ bedeutet.

    Auch Frauen sind in der Lage mit Tonart und Verhalten so zu spielen, dass klar wird, was gemeint ist. Und ein eindeutiges Nein ist mit Leichtigkeit von einem uneindeutigem Nein zu unterscheiden!

  6. „Auch Frauen sind in der Lage mit Tonart und Verhalten so zu spielen, dass klar wird, was gemeint ist.“

    Ich würde eher sagen: Gerade Frauen!

    „Und ein eindeutiges Nein ist mit Leichtigkeit von einem uneindeutigem Nein zu unterscheiden!“

    Ich denke auch, dass Frauen sehr klar sein können, wenn sie es wollen.

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  17. Erscheint es nicht sinnvoll und logisch, solche emotionalen Spiele, die von Frauen ausgehen, prinzipiell abzulehnen, statt sie auch noch mitzuspielen?

    Wenn ich mir vorstelle, dass mir eine Frau bei einem Date sagt „ich habe nie nach dem ersten Date Sex“, und es dann doch macht, dann überwiegt bei mir nicht die Freude, dass es passiert ist. Sondern dann überwiegt bei mir die Tatsache, dass sie mich angelogen hat. Wie soll ich so einen Menschen noch respektieren? Vielleicht bin ich da der Falsche, weil ich nicht der Denkschule folge, die Sex – auch mit unsympathischen Menschen – über alles setzt, aber für mich wäre das kein positives Erlebnis.

    Klar kann man solche Spielereien mitmachen, und es auch versuchen, die beobachtete Dynamik mit den Argumenten „Frauen kommunizieren anders, Frauen wissen nicht immer, was sie wollen, Frauen sind passiver“ oder „Frauen brauchen einen Schubs“ zu erklären. Man kann mögliche PartnerInnen aber auch nach den selben Standards beurteilen, nach denen man sich selbst beurteilt, und über eine Frau, die sagt „du darfst halt nicht so schnell aufgeben“, zu der Ansicht kommen:
    Ich verkehre gern mit erwachsenen Menschen, die ihren Willen mit Worten ausdrücken können. Ich bin kein Kindergärtner.

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