Schönheitsideale für Männer

Heute mal etwas für die weiblichen Leser: Ryan Reynolds wurde zum sexiest man alive gewählt:

Die Wahl ist zwar immer sehr subjektiv, da sie durch das People Magazin erfolgt, aber es ist dennoch ganz interessant.

Die Liste der Gewinner (unter dem obigen Link zu sehen) wird dabei meiner Meinung nach immer körperlicher und kräftiger. Das dürfte auch daran liegen, dass auch männliche Hauptdarsteller den Sex mehr in den Vordergrund stellen dürfen.

Ich gehe davon aus, dass die Geschmacksunterschiede bei Frauen bezogen auf Männer größer sind als umgekehrt. Aber ich möchte trotzdem kurz darauf verweisen, dass er kaum ein Gramm Fett am Leib hat und seine Muskeln nicht zu übertrieben sind. Um einen solchen Körper aufzubauen benötigt man erhebliche und konstante Nahrungsmengen, um sie zu unterhalten auch. Sie stellen daher ein gutes Signal der Fitness dar (Fitness in Hinblick auf evolutionäre Fitness). Gleichzeitig ist das Schönheitsideal nicht auf bloße Kraft im Sinne von Muskelbergen ausgelegt, die für einen Jäger, der auch Schnelligkeit braucht, eher hinderlich wären.  Das ein solches Körper in der Steinzeit praktischer war als heute, wo wir die Körperkraft nicht mehr brauchen, verweist auch auf die biologische Komponente von Schönheit.

Nein heißt Nein: Nein ist ein schlechtes Stoppwort

Der folgende Beitrag ist Bestandteil einer Diskussion zwischen Patrick und mir. DieVorgeschichte ist hier. Es geht um „Nein heißt Nein“, wobei Patrick die „Pro“-Position vertreten wird, also ein Nein wörtlich nimmt, während ich die „Contra“-Position vertrete, also davon ausgehe, dass ein Nein ausgelegt werden kann. Wir haben uns auf eine Einführung, dann zwei Tage weitere Beiträge, dann 2 Tage Fragen an den anderen und Beiträge mit 500 Worten geeinigt. Patricks erster Beitrag ist hier zu finden, der zweite hier

Kurz vorweg: In Patricks ersten Beitrag hofft er auf Sachlichkeit, um mich dann ein paar Sätze weiter gleich mit „Kreationist_innen oder Verschwörungstheoretiker_innen“ in einen Topf zu werfen. Gerade den Kreationistenvergleich finde ich dabei lustig. Aber sei es drum.

1. Nein heißt Nein?

Patrick vertritt in seinem ersten Beitrag interessanterweise gar nicht „Nein heißt Nein“ in seiner reinsten Form. Er schreibt:

Ich habe bereits gesagt, dass ich nicht bezweifle, dass Sprache mehrdeutig ist. Ich verkenne auch nicht, dass Frauen sozialisiert werden, sich erobern zu lassen und bloß nicht klar Ja zu sagen, selbst wenn das gemeint ist, sondern sich zu zieren.(…) Will ich riskieren, in diesem Moment nicht den Sex zu kriegen, den ich will – oder will ich riskieren, ein Vergewaltiger zu werden?

Damit vertritt er eigentlich:

„Nein heißt nicht unbedingt Nein, sollte aber immer – zur Sicherheit beider – als Nein verstanden werden“

Was eine Position ist, die der Einzelne gerne vertreten kann und die auch sinnvoll sein kann.  Eine Allgemeingültigkeit würde ich ihr aber nicht zugestehen wollen.

Ganz klar ist aber noch nicht, was er genau vertritt. So sagt er, dass ein Nein dazu führen muss, dass die verneinte Handlung abgebrochen wird. Warnt dann aber davor, dass in meinem Beispiel ein „insistieren“ vorhanden ist.

2. Die Geschichte

Patricks Argument ist ein Verweis auf eine externe Geschichte, in der eine Frau unvorbereitet begrabscht und geküsst wird, ohne auch nur eine – dort dargestellte- Vorgeschichte, ohne „Indicators of Interest“, ohne einladende Körpersprache. Sie drückt ihn weg und er versucht seine Hand in ihre Hose zu bekommen.

Hätte der Mann dort meinen Vorstellungen gefolgt, dann hätte er sie erst gar nicht überfallen. Er hätte nach Zeichen geschaut, die für Interesse sprechen und nach diesen gehandelt.  Jemand, der so unvorbereitet übergriffig wird hätte wohl auch „Nein heißt Nein“ nicht beachtet. (zumal sie in der Geschichte das Wort nicht verwendet).

3. Schaden

Nein als Stoppwort ist ein Schutz, der im normalen Vanillasex meiner Meinung nach nicht nötig ist. Das Stoppwort ist beim BDSM-Sex erforderlich, weil die Grenzüberschreitungen hier wesentlich größer sind und Rollenspiele, bei denen der Wille der Parteien gespielt nicht beachtet wird häufiger vorkommen. Auch hier wird niemand „Nein“ als Stoppwort wählen.

„Nein“ als rein sprachlicher Aspekt schützt auch nicht vor allen weiteren Übergriffen und macht es dennoch erforderlich, die Reaktionen im Auge zu haben, wie Patricks eigenes Beispiel, in dem das Wort „Nein“ nicht vorkommt zeigt.

Der zusätzliche Schutz ist meiner Meinung nach gering. Ein Nein so zum Ausdruck zu bringen, dass es als Nein sicher verstanden wird ist nicht sehr schwierig. Es gelingt Frauen meiner Erfahrung nach sehr gut. Es hat aber den Nachteil, dass eine Kunstsprache nur für den Bereich des Bettes geschaffen wird, für die aus den oben genannten Gründen kein Bedarf besteht.

Es ist wichtig, dem anderen die Kommunikation nicht abzuschneiden, indem man ihn nicht beachtet. Aber wenn gleichzeitig Konventionen bestehen, dass ein Nein nicht Nein heißen muss und vieles von Betonung und Körpersprache abhängt, dann ist dies nicht der Fall. Denn Betonung und Körpersprache machen schnell deutlich, wie stark die Abneigung ist. Ich hatte im ersten Beitrag bereits angeführt, dass Verzögerung sexuelle Spannung aufbauen kann. Ich glaube auch, dass Frauen damit umgehen können, dass man mal einen Schritt zu weit geht, solange sich dies in vernünftigen Rahmen hält. Und ich glaube nach wie vor, dass sie lieber mit jemanden schlafen, der auf Empathie und nicht auf den Wortlaut abstellt. Ein deutliches „Nein, noch nicht“ z.B. als „Nein“ zu verstehen, ist entweder fehlende Empathie oder ein Machtspiel.

Weitere Artikel dieser Serie:

  1. „Nein heißt Nein“: Das Zwischenmenschliche ist immer Auslegung und Empathie
  2. Nein heißt Nein: Nein ist ein schlechtes Stoppwort
  3. Nein heißt Nein: Der größte Gegner sind Frauen
  4. Nein heißt Nein: Wie dürfen Frauen kommunizieren?
  5. Nein heißt Nein: Sicherheit vs Sex

Männerfreundschaften, sozialer Status und Nachkommen

In einem Forschungsprojekt an Affen zeigte sich, dass Männerfreundschaften zu einem höheren sozialen Status führen, die Affen dabei durchaus geschickt vorgehen und ihnen dies mehr Nachwuchs beschert:

In ihrer Langzeitstudie können die Wissenschaftler nachweisen, dass nicht die Anzahl, sondern die Stärke der Bünde für die Koalitionen und den Aufstieg entscheidend ist und dass alle Koalitionspartner profitieren. „Je enger die Bindung eines Männchens zu Geschlechtsgenossen ist, desto öfter geht es erfolgreich Koalitionen gegen andere Männchen ein. Das Männchen, das im Herbst 2006 die engsten drei Bindungen in der beobachteten Gruppe hatte, ist stetig im Rang gestiegen und steht heute mit seinem besten Freund an der Spitze der Hierarchie“, so Dr. Schülke. Gleichzeitig haben Männchen, die nicht in Freundschaften investierten, stetig an Status verloren oder den Aufstieg nie geschafft.

Mit dem Aufstieg in der Hierarchie steigt auch die Anzahl der gezeugten Nachkommen und damit der Reproduktionserfolg sozial gut integrierter Männchen. Diesen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler nun erstmals nachweisen, indem sie die genetische Vaterschaft anhand aus Kot gewonnener DNA-Proben analysierten.

Das macht deutlich, wie sich auch bei unseren Vorfahren eine Vorliebe für sozialen Status bei Männern entwickeln konnte. Diejenigen, die sozial gut eingebunden waren konnten nach oben kommen und es konnte ihren Erfolg mehr beeinflussen als reine körperliche Voraussetzungen.

Bei Affen haben wir wenig Probleme uns auf eine biologische Komponente zu berufen. Aber auch unsere Vorfahren waren Primaten und lebten in ähnlichen sozialen Beziehungen. Es ist damit sehr wahrscheinlich, dass sie sich auf ähnliche biologische Mechanismen verließen. Unwahrscheinlich ist hingegen, dass sich ein solches biologisches System erst hatten und danach wieder abgebaut haben um es auf einer sozialen Basis neu zu entwickeln.

Die Forscher wollen ebenfalls eine gewisse Übertragung auf den Menschen vornehmen:

Von ihren Ergebnissen erhoffen sich die Forscher auch Erkenntnisse über das menschliche Sozialverhalten. „Zusammen mit anderen neueren Studien lassen unsere Ergebnisse darauf schließen, dass die engen Sozialkontakte von Menschen ihre evolutionären Wurzeln außerhalb von verwandtschaftlichen Beziehungen haben. Dies könnte erklären, warum der Verlust von Freundschaften oder sozialer Integration beim Menschen ernsthafte gesundheitliche Probleme zur Folge haben kann“, so Dr. Schülke und Prof. Ostner.

Das der Verlust sozialer Kontakte ernsthafte gesundheitliche Folgen hat wäre, wenn unser System darauf ausgerichtet ist und zudem dies die beste Möglichkeit bietet, seine Gene weiterzugeben, sehr verständlich. Die Biologie arbeitet beim Menschen nicht über eine „Gehirnsteuerung“ im Sinne einer determinierten Verhaltens, sonder über Wünsche und Stimmungen. Das ungute Gefühl von Einsamkeit ist ein guter Motivator dafür, soziale Beziehungen einzugehen und seinen Status dadurch zu erhöhen.

Woher kommt dann aber der Typ des „einsamen Wolfes“, des „Rebel without a cause“ der ja auch durchaus seine Anziehungskraft für Frauen zeigt? Ich denke der Unterschied ist, dass er Unabhängigkeit deutlich macht . Leute wollen ihn, bewundern ihn, würden gern etwas mit ihm machen. Er kann sich aber aussuchen, mit wem er etwas macht. Auch das kann eine erfolgreiche Strategie sein. In der Steinzeit waren denke ich die Kosten dafür höher. Wer es sich nicht erlauben konnte, so zu verfahren, der war recht schnell tot oder Aussenseiter. Wer es sich aber erlauben konnte, der hatte auch seinen Grund dafür und musste potentiell „eine gute Partie“ sein – zumindest wenn die Frau es schaffen konnte wirkliche Gefühle für sich zu wecken. Das macht den Typus für Filme interessant.