Kinderkrippenplätze sind wichtig für Männer und Frauen

Ab 2013 sollen alle Kinder in Deutschland, die dies wollen, einen Anspruch auf einen frühkindliche Betreuung haben. Das wird allerdings schwer werden. Momentan bestehen bereits Engpässe und es werden erst 23% aller Kinder betreut und laut einer Befragung wollen bis dahin 39% aller Eltern ihre Kinder in die Kinderkrippe (Also Plätze für Kinder von 0 -3 Jahren) schicken. Im Bundesfamilienministerium hatte man bisher wohl nur mit 35% gerechnet.

Nach einer neuen Befragung des Deutschen Jugendinstituts (DJI) möchten 39 Prozent aller Eltern ihren Nachwuchs von Krippen oder Tagesmüttern betreuen lassen. Bisher hatte das Bundesfamilienministerium in seinen Berechnungen stets eine Betreuungsquote von 35 Prozent aller Null- bis Dreijährigen angenommen. Dieser Wert war auch Grundlage der Gesetze zum Krippenausbau, die in den Jahren 2007 und 2008 verabschiedet wurden.

Meiner Meinung nach ist ein Ausbau der Fremdbetreuung letztendlich der einzige Weg eine gewisse Gleichberechtigung hinzubekommen. Die Probleme, die dadurch entstehen, dass einer der beiden Eltern beruflich aussetzt sind zumindest für den Fall einer Trennung zu groß. Das wird andere Probleme mit sich bringen: Eltern werden das Gefühl haben ihre Kinder zu vernachlässigen und insbesondere Mütter werden mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen (Väter sicherlich auch, aber da ist die Rolle besser vorbereitet). Es ist auch die Frage, ob das Leben dadurch glücklicher wird, aber darauf läuft letztendlich eine moderne Gesellschaft hinaus, die das Potential studierter Frauen nutzen will.

Etwas Entlastung mag vielleicht eine Studie geben, die darlegt, dass eine frühe Fremdbetreuung den Kindern nicht schaden soll:

„Kinder, deren Mütter schon vor dem dritten Lebensjahr an den Arbeitsplatz zurückkehren, haben später nicht häufiger Schul- oder Verhaltensprobleme als Kinder, deren Mütter zu Hause bleiben“, folgern die Entwicklungspsychologen um Rachel Lucas-Thompson vom Macalester College in Minnesota; sie haben 69 Studien aus den Jahren 1960 bis 2010 zusammengefasst.

(…)

Kinder profitieren demnach sogar davon, dass die Mütter arbeiten gehen. Dies gilt vor allem für den Nachwuchs von Alleinerziehenden und aus Familien mit niedrigem Einkommen. Sie schnitten in Intelligenztests besser ab und waren seltener aggressiv oder übertrieben ängstlich als die Sprösslinge von vergleichbaren Müttern, die nicht arbeiteten.

Der Bedarf an Betreuungsplätzen wird schon deswegen steigen, weil das Unterhaltsrecht jetzt vorsieht, dass der Erziehende keinen eigenen Unterhalt mehr geltend machen kann, wenn das Kind in die Fremdbetreuung gegeben werden wird und dann durch Arbeit eigenes Einkommen erzielt wird. Allerdings sehen die Unterhaltsvorschriften gleichzeitig vor, dass die Aufnahme einer Arbeit von dem Elternteil, dass die Kinder bis zu einem Alter von 3 Jahren betreut, nicht erwartet werden kann. Vielleicht ändert sich diese Betrachtung, wenn tatsächlich 39% aller Kleinkinder in einer Betreuung sind.

Bei der Änderung des Unterhaltsrechts, dass vorher eine Regelung vorsah, nachdem die Mutter von einem Alter von 0-8 keiner Erwerbstätigkeit nachgehen musste, von 9-15 einer Halbtagstätigkeit und danach einer Volltagstätigkeit (sog. Altersphasenmodell),  war der Aufschrei auf weiblicher Seite übrigens recht groß. Alleinerziehende würden zur Arbeit gedrängt werden, die Ehe sei zu Lasten der Frau entwertet. Inzwischen hat sich die Aufregung etwas gelegt. Die Kinder unter 3 Jahren allerdings gelten noch immer als Betreuungsbedürftig.

Wenn 39% aller Kinder fremdbetreut werden, dann müssten eine Menge Frauen mehr Zeit für die Karriere haben. Mal sehen, wie viele davon – wenn die Kinderkrippenplätze denn geschaffen werden – diese auch nutzen.

16 Gedanken zu “Kinderkrippenplätze sind wichtig für Männer und Frauen

  1. Ja ja Christian, spring du nur auch noch auf den Genderzug auf.

    Frühkindliche, gendergerechte Behandlung der Kleinen, denn in den ersten Jahren kann man sie ja noch gegengendern – oder?

    Wird ja heute schon in Kindergärten in Wien so gemacht, nur leider sind die meisten Kinder dort eben schon aus den identitätsstiftenden Phasen herausgewachsen. Einen 4jährigen Knirps kannst du in der Regel nicht mehr dazu bringen „gendergerechte“ Sachen anzuziehen, wenn er es nicht will.

  2. „Frühkindliche, gendergerechte Behandlung der Kleinen, denn in den ersten Jahren kann man sie ja noch gegengendern – oder?“

    Wo schrieb ich denn was von Gendern? Ist das das wesentliche und zwangsläufige Ziel einer Fremdbetreuung? Meiner Meinung nach nicht.

    Du musst deine Argumente schon aufteilen, gegen frühkindliche Betreuung an sich oder gegen eine bestimmte Form der frühkindlichen Betreuung.

  3. Hallo Christian,

    ich glaube, Du bringst Kindergarten- und Kinderkrippenbetreuung ein wenig durcheinander.

    Die 23%, 35% bzw. 39% beziehen sich auf die Betreuung in Kinderkrippen, d. h. wir reden hier von Babys und Kleinkindern zwischen null und drei Jahren.

    Der Kindergarten ist für über 3-jährige Kinder.
    Den besuchen nach meinen Informationen heute schon 90-95% aller Kinder.

    Krippen und Kindergärten werden in der öffentlichen Diskussion oft wild durcheinander geworfen, was mich schon manchmal irritiert, besonders wenn das Politikern passiert, die sich mit dem Thema auskennen sollten.

    Ob eine Kinderkrippe gut oder schlecht ist, läßt sich so pauschal nicht sagen. Das hängt vor allem davon ab, wie gut die Krippe mit Personal ausgestattet ist und wie gut dieses Personal motiviert ist.

    Ansonsten empfinde ich es persönlich als einen schönen Luxus, einige Zeit aus der beruflichen Tretmühle auszusteigen und die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen (gerade in den ersten paar Jahren ist die kindliche Entwicklung atemberaubend), aber das muß letzten Endes jedes Paar für sich selbst entscheiden.

  4. „Die 23%, 35% bzw. 39% beziehen sich auf die Betreuung in Kinderkrippen“

    Ah, danke, richtig, das ist etwas durcheinandergelaufen, werde es mal korrigieren.

    „Ansonsten empfinde ich es persönlich als einen schönen Luxus, einige Zeit aus der beruflichen Tretmühle auszusteigen und die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen“

    Das ist auch eine Sache, die man glaube ich nicht vernachlässigen sollte. Ich kann jeden verstehen, der sich da die passende Zeit nimmt und denke, dass dieser Aspekt in feministischen Debatten über die Benachteiligung durch Kindererziehung gerne vernachlässigt wird.“

    „aber das muß letzten Endes jedes Paar für sich selbst entscheiden.“

    Denke ich auch.

  5. @ Christian
    Was soll den sonst das Ziel sein? Gender Mainstreaming ist verankert. Das „Familienministerium“ handelt danach. Was glaubst du wohl, warum der Großteil der Feministinnen – selbst kinderlos – für eine frühkindliche Kinderbetreuung ist?

    Es geht doch rein darum, die Kleinsten, solange sie noch in ihrer Persönlichkeitsstruktur, in ihrer Identitätsbildung formbar sind – das sind nun mal zwischen 1,5 und 3 Jahren (je nach Untersuchung), zu gendern, so einfach ist das.

    Ob dies letztlich von Erfolg gekrönt sein wird, und die Jungen nicht später eher noch maskuliner werden, das sei dahingestellt; schmerzhaft wird es allemal für die Jungen sein.

    Du kennst doch den Fall Reimer. Anstatt, dass hier endlich einmal eingesehen wird, dass sich ein Junge in der Regel nunmal als Junge fühlt und danach handeln will, hacken die Feministinnen immer noch auf dem Faktum herum, dass es wohl daran gelegen habe, dass Reimer rund 2 Jahre (mit 22 Monaten wurde er vom Ekel Money kastriert) als Junge lebte, und dahingehend sozialisiert wurde. Würde man früher Zugang gehabt haben, so deren Meinung, hätte Money recht gehabt. Schwarzer behandelt dieses Experiment m.W. immer noch als Erfolgsgeschichte.

    Aber wie sagte Reimer so schön: Man kann nicht sein, was man nicht ist!

    (Quelle: Zastrow: Gender. Politische Geschlechtsumwandlung, Manuscriptum 2006)

  6. @Mark

    „Was soll den sonst das Ziel sein?“

    Beiden Eltern eine Arbeit zu ermöglichen, der sie in dem Wissen nachgehen können, dass ihre Kinder gut betreut werden. Die Form der Betreuung ist dabei dann wieder eine vollkommen andere Frage. Versuch es einfach mal zu trennen. Ich gebe dir zwei Fragen zur Hilfe:
    – Meinst du, dass es sinnvoll sein Eltern die Möglichkeit zu geben ihre Kinder ab einem frühen Alter in eine Fremdbetreuung zu geben, wenn diese kein Gendermainstreaming betreibt?
    – Meinst du das man Kindergrippen auch ohne Gendermainstreaming betreiben kann?

    „Gender Mainstreaming ist verankert. Das „Familienministerium“ handelt danach.“

    Die jetzige Familienministerin scheint mir nicht viel davon zu halten. Vielleicht einfach mal die Beißreflexe etwas kontrollieren.

    „Was glaubst du wohl, warum der Großteil der Feministinnen – selbst kinderlos – für eine frühkindliche Kinderbetreuung ist?“

    Weil sie meinen, dass Frauen dann Karriere machen können.

    „Es geht doch rein darum, die Kleinsten, solange sie noch in ihrer Persönlichkeitsstruktur, in ihrer Identitätsbildung formbar sind – das sind nun mal zwischen 1,5 und 3 Jahren (je nach Untersuchung), zu gendern, so einfach ist das.“

    Deine Meinung, aber es fehlt an einem Zwangsläufigkeit zwischen Krippenplatz und Gendermainstreaming. Die Eltern können sich ja einen Krippenplatz suchen, der dies gerade nicht macht.

  7. „Deine Meinung, aber es fehlt an einem Zwangsläufigkeit zwischen Krippenplatz und Gendermainstreaming. Die Eltern können sich ja einen Krippenplatz suchen, der dies gerade nicht macht.“

    Meine Erfahrung (ich stehe dem Gender-Mainstreaming-Gedanken sehr skeptisch gegenüber) nach können die meisten Erzieherinnen mit diesem Ansatz nichts anfangen, halten ihn für Unfug und sehen sehr deutlich die Unterschiede und die verschiedenen Bedürfnisse von Jungen und Mädchen.

    Also keine Panik, noch besteht ja auch keine Krippenpflicht.

  8. @Stepe

    Ich habe da noch keine persönliche Erfahrung, aber ich kann mir auch vorstellen, dass gerade Erzieherinnen da täglich erleben, dass Männer und Frauen verschieden sind. Sie habe es täglich vor Augen.

    Wäre eigentlich mal interessant eine Befragung dieser Berufsgruppe zu machen, wie sie die Unterschiede sieht.

  9. @Mark
    Ich beende ihn nicht. Versuch einfach mal die Fragen zu beantworten so gut du kannst. Ich bin sicher da kommen wir zu einem konstruktiven Ergebnis.
    „Krippenplatz bedeutet nicht zwangsläufig Gendermainstreaming“ ist doch ein einfach verständlicher Satz oder nicht?

    Zumal Stephe ja gerade von seinen Erfahrungen berichtet hat, dass dort eher kein Gendermainstreaming erfolgt.

  10. @Christian
    Da spalten sich die Geister. Für mich bedeutet Krippenplatz letzten Endes, da dies seit knapp 10 Jahren zur offiziellen Staatsdoktrin wurde, natürlich Gendermainstreaming. Da nützt auch kein Hinweis darauf, dass die Umsetzung eine andere ist. Darauf kann ich mich eben dann nicht verlassen Stepe.

    Zu deinen Fragen Christian:
    „- Meinst du, dass es sinnvoll sein Eltern die Möglichkeit zu geben ihre Kinder ab einem frühen Alter in eine Fremdbetreuung zu geben, wenn diese kein Gendermainstreaming betreibt?“

    Jein
    … Möglichkeit zu geben … Möglichkeit zu geben, bedeutet für mich, zu können, wenn sie wollen und nicht zu müssen, weil sie sollen.

    Dann JA, obwohl ich der Meinung bin, dass wohl eher Aufgabe des Staates wäre, Familienpolitik für die Familien und nicht Wirtschaftspolitik für das Finanzministerium in der Familienpolitik zu implementieren.

    „- Meinst du das man Kindergrippen auch ohne Gendermainstreaming betreiben kann?“

    Ich meine, dass man dies wenn, dann überhaupt nur ohne GM betreiben kann – siehe die Auswüchse bei Dissens e.V. und den Größeren.

  11. Pingback: Maskulismus, Männerrechte und Familienrecht | Alles Evolution

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