Sex als Preis

Charlotte Roche hat Christian Wulff Sex angeboten, falls er ein Gesetz, dass die Atomkraft betrifft nicht unterschreibt.

Charlotte Roche hat Bundespräsident Christian Wulff aufgefordert, die Unterschrift unter das Gesetz zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten zu verweigern. Um den Bundespräsidenten dazu zu bewegen, wäre die Bestseller-Autorin („Feuchtgebiete“) und Moderatorin sogar zu körperlichem Einsatz bereit. Ihr pikanter Vorschlag: „Ich würde anbieten, mit ihm ins Bett zu gehen, wenn er es nicht unterschreibt.“

Offenbar hat die 32-Jährige den Plan bereits mit ihrem Mann besprochen – und der, so Roche im SPIEGEL, sei damit einverstanden. Nun müsse nur noch „die First Lady zustimmen. Ich habe auch Tattoos“.

Abgesehen von der Frage, ob der Bundespräsident überhaupt ein Prüfungsrecht hat ist das meiner Meinung nach durchaus ein paar Überlegungen wert:

  • Charlotte Roche ist ganz okay, aber auch keine Frau, die die Sexträume zu vieler Männer  beherrschen wird. Ihre Wahl zur „unsexiest Women“ in der FHM 2009 dürfte zwar weniger auf ihren Körper als auf die Ekeligkeiten in ihrem Buch zurückzuführen sein (das ich im übrigen abgesehen von diesen gar nicht so schlecht fand), aber es gibt weitaus besser aussehende Frauen.
  • Charlotte Roche scheint dennoch davon auszugehen, dass Sex mit ihr etwas ist, was einen Preis darstellen könnte (abgesehen davon, dass es ihr hier nur um Aufmerksamkeit geht). Und in gewisser Weise, trotz aller Liberalität, kann sie damit noch provozieren. Sie muss noch nicht einmal besondere Angaben zum Sex machen oder Leistungen versprechen. Das Angebot von Sex durch eine Frau an sich reicht vollkommen aus.
  • Was wäre eigentlich der Gegenwert? Ein richtig gut aussehendes Modell mit Girlfriendservice ist wahrscheinlich unproblematisch für unter 1.000 € in Deutschland zu haben. Nicht gerade die Summe, für die man seinen Amtseid verrät. Die Summe ist wahrscheinlich sogar eher noch zu hoch. Andererseits dürfte der Preis bei Frauen, die dies nicht beruflich machen, noch weitaus zu niedrig sein. Die typische nicht professionelle Frau wird sicherlich erst bei deutlich höheren Summen oder gar nicht schwach. Eine Theorie ist ja, dass der Preis auch dadurch bestimmt wird, welche Abwertung die Frauen bei ihren Chancen auf langfristige Partnerschaften eingehen.Edlund and Korn [2002] (EK) proposed that prostitutes are well paid and that the wage premium reflects foregone marriage market opportunities. However, studies of street prostitution in the U.S. have revealed only modest wages and considerable risks of disease and violence, casting doubt on EK’s premise of an unexplained wage premium. In this paper, we present evidence from high-end prostitution, the so called escort market, a market that is, if not entirely safe, notably safer than street prostitution. Analyzing wage information on more than 40,000 escorts in the U.S. and Canada collected from a web site, we find strong support for EK. First, escorts in the sample earn high wages, on average $280/hour. Second, while looks decline monotonically with age, wages follow a hump-shaped pattern, with a peak in the 26-30 age bracket, which coincides with the most intensive marriage ages for women in the U.S. Third, the age-wage profile is significantly flatter, and prices are lower (5%), despite slightly better escort characteristics, in cities that rank high in terms of conferences, suggesting that servicing men in transit is associated with less stigma. Fourth, this hump in the age-wage profile is absent among escorts for whom the marriage market penalty is lower or absent: escorts who do not provide sex and transsexuals.

    Der Verlust an Reputation ist durch einen einmaligen Verstoß höher als wenn man eh plant regelmäßig Sex gegen Geld zu haben. Es ist also auch eine Frage von Angebot und Nachfrage.

  • Wo wir gerade bei Charlotte Roche und Sex sind hier noch eine Stellungnahme von ihr zu Sex und Schwarzer-Feminismus: „Junge Feministinnen müssen Alice Schwarzer für viel dankbar sein, zum Beispiel dafür, dass Frauen ihre Männer nicht mehr fragen müssen, ob sie arbeiten gehen dürfen. Bei vielen ihrer neuen Kampagnen, wie bei der Verteufelung von Pornos, können wir aber nicht mehr mitgehen. Frau Schwarzer möchte Sadomaso-Sex verbieten. Frauen sind aber total masochistisch, das wird auch sie nicht mehr ändern können. Ich habe keine Lust, Frau Schwarzer um Erlaubnis zu fragen, bevor ich im Bett richtig loslege.“
  • Wulff kann, was jedem klar ist, das Angebot nicht annehmen, selbst wenn er wollte (was ich bezweifele). Selbst wenn seine Frau erklären würde, dass sie vollkommen damit einverstanden wäre, dass er mal etwas Abwechselung hat, wäre der Skandal zu groß. Sex ist eben etwas intimes und eine Frau, die sich offen „betrügen“ lässt, gilt ebenso als merkwürdig, wie ein Mann, der seine Frau offen „betrügt“.
  • Interessant wäre das Gespräch zwischen Charlotte Roche und ihrem Mann hierzu gewesen. War es eher ein  „Er kann es ja eh nicht machen, es ist nur für die Medien“ oder ein „Nur zu“. Laut Roche ist er ja „sexuell voll die Sau“. Interessant für das Verhältnis der Gesellschaft zu Sex wäre auch, wie sie es ihrer etwa 8 Jahre alten Tochter erklärt hat und was die so für Reaktionen erhalten hat.
  • Ist das Angebot beleidigend gegenüber Christian Wulff und seiner Frau? Ihm gegenüber weil es zumindest andeutet, dass er sich in seinen Amtspflichten durch Sex beeinflussen lassen würde und seine Frau betrügt. Ihr gegenüber, weil man einem verheirateten Mann keinen Sex anbietet.

6 Gedanken zu “Sex als Preis

  1. Männer veranstalten alles mögliche, um an Sex zu kommen, Frauen benutzen Sex, um an alles mögliche zu kommen.

    Charlotte Roche hat weiblicherseits diese Aussage bestätigt.

    Bin gespannt, wie Wulff reagiert 🙂

  2. Er kann dabei nur verlieren, das denke ich auch.

    Empörung ließe ihn als Kleinkariert dastehen, und Homor als Unwürdig.

    Ich frage mich, ob die Kernkraftgegner profitieren.

  3. Pingback: Mario Balotelli, Fanny Neguesha und Sex als Preis | Alles Evolution

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