Zu liebe Männer

Ich bin mit einer Freundin im Sportstudio. Wir haben Crosstrainer nebeneinander und plaudern etwas.

Sie hat sich vor einiger Zeit von ihrem Freund getrennt, aber so richtig auseinander ist es trotzdem nicht. Sie schlafen noch gelegentlich miteinander, wenn er oder sie auf einen Besuch vorbeikommt, wobei sie in verschiedenen Städten wohnen. Er kommt nach mehreren Monaten wohl demnächst mal wieder vorbei, aber sie ist sich nicht sicher, wie sie genau darüber denkt. Inzwischen sind nämlich auch ein paar andere Männer aufgetaucht, die sich für sie interessieren, und einige sind wohl durchaus interessant, einige eher lästig.

Ein anderer Freund hat auch angekündigt, dass sie sich ja mal wieder treffen können. Er hat eine Freundin, aber die hat er auch durch einen fliegenden Wechsel erhalten als es in seiner letzten Beziehung nicht gut lief. Jetzt hat er ihr erzählt, dass es auch mit dieser Freundin nicht mehr so richtig läuft und sie ist etwas mißtrauisch, ob er wieder einen fliegenden Wechsel plant, diesmal mit ihr als neuer Freundin.

Ich: Lass mich raten, was er gesagt hat: Seine Freundin versteht ihn nicht, aber du schon?

Sie: Nein, sie versteht ihn perfekt, sie findet ihn nur nicht mehr anziehend. Sie sind zu sehr wie Freunde.

Ich: Das ist schlecht. Wäre er denn was für dich?

Sie: Nein, ich mag ihn nur als Freund. Es klingt immer etwas blöd… aber man möchte ja keinen Freund haben, der einfach nur lieb ist. Es muss schon etwas männliches dabei sein. Und er ist einfach zu brav

Ich habe mich mit ihr nie über Pickup oder ähnliches unterhalten. Insofern ist ihre Aussage keine Gefälligkeitsaussage mir gegenüber. Ich denke es ist ein klassisches Problem und sowohl sie als auch die aktuelle Freundin vermissen klassische Elemente aus dem Bereich „Attraction„. Dabei geht es nicht darum, dass Frauen keine Männer mögen, die lieb sind. Das mögen sie durchaus, wenn ein männliches Verhalten und andere Attraction erzeugende Punkte hinzukommen. Es darf halt nicht einfach nur lieb sein.

 

14 Gedanken zu “Zu liebe Männer

  1. Das Phänomen gibt es auch umgekehrt. Gerade Frauen, die sich beruflich in einem von Männer dominierten Bereich „durchgesetzt“ haben, quasi als Kollege und Kumpel wahrgenommen werden – haben kaum die Chance, als potentieller Partner von diesen gesehen zu werden.

    Ich finde eine Szene aus Alien II so witzig, da ist alles drin:

    Soldat Vaskez, eine Frau, trainiert, da fragt sie ein anderes Mitglied des Teams, ein Mann:
    „Vaskez, hat dich schon mal jemand für einen Mann gehalten?“
    und sie meint:
    „Nein, und dich?“
    (Genau die Art von Scheingefechten, die so sehr den Umgang unter Männern auszeichnen)

  2. @BHD

    Allgemein ein Problem der Friendzone. Hinzukommt bei Frauen, dass sie meist nur passive Signale senden, die in einer Freundschaft schnell übersehen werden.

    Die Scheingefechte unter Männern würde ich aber nicht als Angriff sehen. Sie sind mitunter einfach eine Frotzelei. Ein gegenseitiges Abtasten, dass zwar auch der Findung von Schwächen dienen kann, aber eben auch ein Zeichen der Verbundenheit sein kann, weil man eben nahe genug ist um so etwas miteinander zu machen.

    Es geht eben nur darum, einen Spruch, ebenso wie Vaskez es hier macht, zurückzugeben. Sie beweist, dass sie nicht zimperlich ist und damit Teil der Gruppe.
    Das „Sprüche-Drücken“ ist eine interessante Sache. Ich glaube viele Frauen verstehen es vollkommen anders als Männer.

    • > Ich glaube viele Frauen verstehen es vollkommen anders als Männer.

      Ja, es ist bei Männern instinktiv (inklusive der Grenzen). Um als Mann durchgehen zu können, war dies das entscheidenste, was ich lernen musste.
      Vieles, was ich als Kind als Bullying (damals gab es den Begriff allerdings noch nicht) erlebt habe, war eigentlich der Versuch, mich damit (in die Gruppe der Jungs) zu integrieren.
      Ironischerweise wurde meine Unfähigkeit, damit umzugehen, nicht ausschliesslich als Schwäche wahrgenommen. Es wurde auch mal als Arroganz ausgelegt.

      • Ich habe ähnliches erlebt. Meine Instinkte waren eher weiblich von Natur aus und ich habe diese männlichen Dinge nie verstanden. Bei mir dürfte das aber auch eine erziehungsseitige Komponente haben da ich keine entsprechenden, positiven Rollenvorbilder hatte, allerdings auch keine positiven Weiblichen. Die Männer in meiner Familie sind eher emotional, sensibel, weiblich und trotzdem relativ erfolgreich beim weiblichen Geschlecht gewesen. Gute Schauspieler allesamt. Nur hatten die scheinbar ihre Bedürfnisse die ich nicht unbedingt teile. Es kann ein Fluch für einen Mann sein so zu sein.

  3. „Vieles, was ich als Kind als Bullying (damals gab es den Begriff allerdings noch nicht) erlebt habe, war eigentlich der Versuch, mich damit (in die Gruppe der Jungs) zu integrieren.“

    Ich denke auch, dass besseres Verständnis viele Probleme, die Frauen in einem männerdominierten Bereich vermeiden könnte. Sie sieht es als Frechheit und Angriff auf sie, er wollte sie in die Gruppe bringen und ihr eine Möglichkeit geben sich vor der Gruppe zu beweisen (Disclaimer: Natürlich gibt es echtes Mobbing, auch von Männer gegen Frauen).

    Wenn sich jemand bemüht den anderen in die Gruppe einzubringen, dann ist es auch verständlich, dass ablehnende Reaktionen dann als Arroganz ausgelegt werden.

  4. @ Christian

    Das Phänomen, das zu „liebe“ Männer für Frauen in der Regel erotisch uninteressant sind, wird in extremis sichtbar am Liebesbriefaufkommen in Haftanstalten.
    Die übelsten, aggressivsten Typen, darunter auch Serienkiller, haben viel weniger Mühe, Briefpartnerinnen zu finden als „sanfte“ Verbrecher, etwa Betrüger, notorische Diebe etc.
    Da wird eine ziemlich düstere Seite des weiblichen Begehrens sichtbar, die Faszination, die vom gefährlichen, gefährlich gewalttätigen Mann ausgeht, den frau natürlich für sich zu „erobern“ trachtet, um so von seiner gefährlichen Dominanz zu profitieren.

    Männern als dem von Schwangerschaft und Stillen freigestellten Geschlecht fiel es zu, die Überlebensinteressen des Clans zu verteidigen, ihm die guten Jagdgründe, die ertragreichen Sammelgebiete, die reinen, reichlichen Quellen zu sichern gegen konkurrierende Clans, damit, ganz brutal, die eigenen Kinder durchkommen, die der anderen verhungern.

    Dazu brauchte es Männer, die nicht nur lieb und sanft sind, sondern auch „böse“ und aggressiv sein können, die sich behaupten können, gegen die Männer anderer Clans, die dieselbe Überlebenssicherung für sich und ihre Frauen und Kinder versuchen.

    So finden Frauen Männer, denen sie diese „Überlebenssicherung“ für sich selbst und den Nachwuchs zutrauen, instinktiv attraktiv, erotisch anziehend (dahinter steht ja immer unbewusst-unausgesprochen das „Mit dem könnte ich mir Kinder vorstellen“).

    Lieben Männern, braven Männern traut frau das nicht zu, die hält sie instinktiv für schwach, nicht in der Lage, ihre und die Überlebensinteressen der gemeinsamen Kinder zu verteidigen.

    Darum ist Männlichsein so sexy für viele Frauen, darum mögen sie viel mehr Frauen sanft-harte, durchaus gelegentlich markant aggressive Kerle.

    Mit Weicheiern führen Frauen vielleicht gute Gespräche, aber schlafen, schlafen möchten mit denen nicht viele.

    Es fehtl der Kick, die Faszination, die vom „starken“ Mann ausgeht.

    Der Witz: Vielen Feministinnen ist das gar nicht mehr bewusst, obwohl sie immer noch so begehren.
    Aber die Ideologie verwehrt es ihnen, vor sich selbst ehrlich zu sein.
    Sie behaupten tapfer, den sanften „neuen“ Mann zu mögen.

    Ein Widerspruch, zwischen feministischem Kopf und atavistischem Unterleib, der zu jeder Menge Frustration führt.

    A la longue gewinnt natürlich immer der Bauch 🙂

    Die Ideologinnen sterben aus.

    Die Frage ist nur, ob sie dabei ganze Gesellschaften/Zivilisationen mitnehmen.

  5. Was sind denn bitte Weicheier? 😀
    Männer die in der Lage sind, ein Gespräch zu führen?
    Die empathisch sind?
    Die nicht permanent auf ihre „Macht“ pochen?
    Die einer Frau auf Augenhöhe begegnen?

    Die find ich toll, die sind auch viel besser im Bett 😉

    Und ernsthaft, welche geistig gesunde Frau will denn jemanden in ihrem Bett, bei dem sie Angst haben muss, dass er ihr nachts die Kehle aufschlitzt. 🙂
    Diese Brieffreundschaften sehe ich eher als Ausdruck einer pervertierten Hilfsbereitschaft, also des Helfersyndroms.
    Die Frauen denken sich: „Er ist sooo böse, aber ich kann ihn retten und zu einem besseren Menschen machen, er hatte ja auch so eine schlimme Kindheit….“ Das ist auch einer der Gründe, warum Frauen bei Männern bleiben, die sie schlagen oder schlecht behandeln

  6. @ Maren

    „Die Frauen denken sich: „Er ist sooo böse, aber ich kann ihn retten und zu einem besseren Menschen machen, er hatte ja auch so eine schlimme Kindheit….“ Das ist auch einer der Gründe, warum Frauen bei Männern bleiben, die sie schlagen oder schlecht behandeln.“

    Ich denke, das ist nur die Frauen genehme Variante der Interpretation dieses Phänomens.

    Natürlich soll er nicht ihre Kehle aufschlitzen, aber seine Gefährlichkeit in ihren Dienst stellen.

    Sie soll er lieben.

    Männliche Macht, männliche Potenz zieht gar nicht wenige Frauen erotisch an, selbst in ihrer düstersten Form.

    Die Hitlers, Stalins, Maos dieser Welt mussten nicht um erotische Aufmerksamkeit buhlen, sie wurde ihnen überreichlich entgegengebracht.

    Etwa die an Hitler geschriebeen Briefe, tausende, in denen Frauen dem Führer ein Kind schenken wollen, mit ihm als Vater, füllen Bände.

  7. Maren hat völlig recht, obwohl sie eine Frau ist.

    Ihr müßt mal von Eurem Führerkult runterkommen. Das ist pervertierte Weiblichkeit bzw. Dummheit, wie Maren richtig

    Es geht um lebensförderliche und positive Aggression und „Maskulinität“. Ich vermute mal, damit kann auch Maren was anfangen.

  8. Wieso, können nur Männer recht haben?

    Ausserdem zitieren Sie mich bitte nicht falsch, ich sprach von pervertierter Hilfsbereitschaft, das habe ich völlig geschlechtsneutral formuliert.

  9. @Maren

    Wie erklärst du dir denn, dass gerade Mörder die meisten Liebesbriefe und Heiratsanträge bekommen? Das Phänomen an sich ist ja bekannt.

    Natürlich wollen Frauen keinen Mann, der ihnen die Kehle aufschlitzt, aber Gefährlichkeit kann durchaus anziehend sein. Weil die Frau davon ausgeht, dass er sie ja liebt, also nicht umbringt, er aber für alle anderengefährlich ist. Es geht in Richtung von „Protector of loved ones“, ein Attraction switch.
    Ich hatte das schon einmal in dem Artikel „Warum Frauen bei Männern bleiben, die sie schlagen“ ausgeführt.

    Woran machst du fest, dass Männer „Weicheier“ lieben?

  10. Tun sie vielleicht gar nicht, aber du schliesst ja sofort aus, dass sowas bei einer gesunden Frau in besten Fortpflanzungsalter überhaupt möglich ist, da sie ja ein Instinktwesen durch und durch ist, dass nur dem Ruf ihrer Hormone folgt. Die sucht dann den potenten, maskulinen Vollhengst, der sie und ihren Nachwuchs beschützt, und ist damit vollkommen zufrieden, weil sie hat ja den Gen-Jackpot gezogen 😀

    Vor allem hatte ich meinen Mitkommentator leicht amüsiert nach einer Definition von Weichei gefragt.
    Behauptet hab ich gar nix.

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