Sollte man ein Fremdgehen beichten?

Eine Freundin wurde von ihrem Freund gebeichtet, dass er sie betrogen hat. Am Anfang habe er die Beziehung nicht ernst genommen und dann sei es dazu gekommen. Aber jetzt, wo er erkannt hat, was für ein wunderbarer Mensch sie ist, weiß er die Beziehung (in der es nicht gerade gut läuft) zu schätzen. Sie sei die erste um die er wirklich kämpfen musste und es habe ihm gequält, sein Gewissen belastet, ihm den Schlaf geraubt, dass er dieses bittere Geheimnis vor ihre  habe. Er wolle ganz neu anfangen und deswegen einen reinen Tisch machen.

Sie hatte schon vorher überlegt Schluss zu machen, aber war sich nie ganz sicher. Jetzt reden sie erst einmal nicht mehr miteinander, sie braucht Zeit um sich die Sache zu überlegen.

Als sie es mir erzählte war mein erster Gedanke „wie kann man so blöd sein, so etwas zu verraten, wenn man nicht muss?“

Ich denke, dass es eine Beziehung zerstört, weil es das Vertrauen der Frau untergräbt, Status raubt, Needyness demonstriert und gerade aus Sicht vieler Frau alle Gefühle, von denen sie glaubte, dass er sie für sie hatte, in Frage stellt.

Letztendlich dient es lediglich dazu, dass er sich dann weniger Gewissensbisse machen muss, weil er es ja gebeichtet hat. Es verlagert die Verantwortung daher in gewisser Weise auf sie, die ihm nun verzeihen muss oder eben Schluss machen muss.

Gegenargumente sind, dass es ehrlicher ist, beide sich nun bewusst entscheiden können, wie sie damit umgehen, beide bewusst daran arbeiten können, wie sie das Problem lösen. Aber letztendlich arbeiten sie an einem Problem, dass ohne die Offenbarung nicht bestehen würde. Es hätte für eine glückliche weitere Beziehung ebenso gereicht, wenn er einfach sein Verhalten geändert hätte.

Was sagt ihr: Beichten oder nicht beichten?

20 Gedanken zu “Sollte man ein Fremdgehen beichten?

  1. Natürlich beichten, also ja.

    Eine Beziehung auf der Basis von Lügen und Heimlichkeiten zu führen, geht auf Dauer eh nicht gut.
    Ich will meiner Partnerin rückhaltlos vertrauen können, der ich mein Leben anvertraue, die mir ihr Leben anvertraut.

    Immerhin schlafen Menschen nackt nebeneinander, wenn sie verliebt sind, ein tief symbolischer Akt des Sichauslieferns an den anderen, ein ungeheuerlicher Vertrauensbeweis.

    Wenn da etwas in den Fundamenten nicht stimmt, wird das eben an anderer Stelle auf-und durchbrechen.

    Und wenn es nur feine, atmpsphärische Störungen sind, kaum merklich.

    Das lässt sich gar nicht verhindern, denn so vollständig kontrolliert ist niemand.

    Und gerade Frauen haben ein sehr fein ausgebildetes Sensorium für die Qualität von Beziehungen.

    Ich kann und will mit Lügen nicht leben, nicht mit eigenen, nicht mit denen der Partnerin.

    Ginge sie z.B. fremd, beichtete es nicht und ich erführe später durch was oder wen auch immer doch davon, wäre für mich die Beziehung unwiderruflich beendet.

    Neben der Kränkung durch die Untreue stünde dann ja auch noch die Kränkung durch die Lüge, die nicht korrigiert wurde, die Lüge, die darin bestanden hätte, mir die ganze Zeit ihrer Affäre über vorzuspielen, sie liebe nur mich, sei mir treu.
    Das hätte sie gemusst, denn eine Beziehung ohne physische Treue ist für mich keine.

    Die schieße ich in den Wind.

    Gesteht sie ihre Untreue ein, erkenne ich immerhin ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Ehrlichkeit und würde dann erwägen, ob meine Liebe doch so stark ist, dass ich die Kränkung überwinden kann und WILL.

    Würde ich ihre Untreue selbst entdecken, wäre Schluss, ohne jede weitere Diskussion.

  2. Ich teile Christians Meinung. Die Beziehung ist am Ende, sowohl wenn ein Partner das Fremdgehenngesteht, wie auch wenn der andere es von sich aus herausfindet. Bestünde immer noch die Chance, dass der andere nichts bemerkt, wenn man nichts von sich aus sagt.

    Ich bin in der Situation noch nicht gewesen, aber ich denke, man fühlt sich ziemlich mies hinterher, auch wenn der Partner nichts merkt.

    Grundsätzlich sollte man, denke ich, intime Beziehungen zu mehr als einem Partner zur gleichen Zeit vermeiden.

  3. Beichten – sofern man die Beziehung auf einer ehrlichen Ebene weiterführen will.

    Wenn man nicht beichtet, ist alles, was vom Partner kommt irgendwie „falsch“, würde vielleicht anders formuliert werden, in seinen Aussagen anders ausfallen. Man kann sich nicht mehr sicher sein über das, was vom Partner kommt. Für eine nicht oberflächliche Beziehung ist das Gift, auch für das eigene Empfinden.

  4. @Dr Klaus

    Ein guter Rat. Wer nicht damit umgehen kann, der sollte es in der Tat lassen, sonst macht er sich das Leben nur schwer.

    @Roslin
    Aus Sicht des Betrogenen ja eine gern gemachte Aussage und für mich auch verständlich. Wenn die Beziehung allerdings gut ist, es ein Ausrutscher war, der nichts bedeutete und es nicht wieder passiert, das Verhalten sich nalso ändert, dann wäre es mir dennoch lieber es nicht zu wissen. Ansonsten würde ich es als Betrogener auch wissen wollen, schließlich ist es dann etwas anderes.
    Ändert sich deine Sicht, wenn du auf die Perspektive des Betrügers umstellst?

    Die feinen Änderungen treten dann auf, wenn jemand damit nicht klar kommt oder versucht zwei Sachen heimlich und gleichzeitig zu haben, weil er dann beständig lugen muss. Bei einem One-Night-Stand wäre das nicht unbedingt der Fall

    Aber ein wichtiger Aspekt, denn du ansprichst: Wahrscheinlichkeit der Entdeckung. Das könnte die Wertung verändern. „Wenn es eh rauskommt, dann lieber selbst sagen“ dann wirkt man wenigstens ehrlich. Solange es allerdings nur ein Gerücht ist, derjenige, der es dem Partner mitteilt es also nicht beweisen kann, scheint mir leugnen immer noch die bessere Variante in Bezug auf „Beziehung erhalten“. Dann kann sie zumindest selbst vormachen, dass die Gerüchte nicht wahr sind.

    Auch „wenn ich es entdecke ist Schluss“ ist weit verbreitet. Allerdings kenne ich durchaus einige Paare, bei denen der betrogene diesen Grundsatz hatte, aber ihn dann nicht durchgezogen hat. Er hat auch immer was von Abschreckung und Gesichtswahrung. Viele versuchen es dennoch noch mal (und machen dann ein halbes Jahr später Schluss, weil das Vertrauen doch weg ist)

    @El Mocho
    „Grundsätzlich sollte man, denke ich, intime Beziehungen zu mehr als einem Partner zur gleichen Zeit vermeiden.“

    Jedenfalls solange der andere nicht damit einverstanden ist. Es kann zu einer Menge Stress führen, dass würde ich auch sagen.

  5. @Böser Wolf

    „Wenn man nicht beichtet, ist alles, was vom Partner kommt irgendwie „falsch“, würde vielleicht anders formuliert werden, in seinen Aussagen anders ausfallen. Man kann sich nicht mehr sicher sein über das, was vom Partner kommt. Für eine nicht oberflächliche Beziehung ist das Gift, auch für das eigene Empfinden.“

    Es kommt denke ich darauf an: Ein Seitensprung muss nicht alles falsch machen, so wichtig ist Sex nun auch wieder nicht. Eine anhaltende Affaire ist da etwas anderes, schon weil man mit den Zeiten jonglieren muss und Abwesenheiten erklären muss. Allerdings glaube ich durchaus, dass viele Menschen, gerade Männer, diese Zweiteilung in Liebesbeziehung und Sexbeziehung/Sex an sich durchaus hinbekommen, ohne das sie deswegen ihr Verhalten über die logistischen Probleme hinaus verändern müssen. Bei einer Prostituierten ist der Sex denke ich dann so abstrakt und losgelöst, dass es wenig Auswirkungen hat (kleine Nebenfrage: Ist Sex mit einer Prostituierten fremdgehen?)

    Für den Partner ist es erst ab dem Zeitpunkt Gift, wo er davon erfährt. Dann aber denke ich treten die von dir genannten Effekte ein, dass alles hinterfragt wird, jeder Abend, bei dem der andere alleine weg war, was man zusammen um den Betrug herum gemacht hat („Du hast mich betrogen, nachdem wir die Gardinen für unser Haus ausgesucht haben, überlegt haben wie wir zusammen unser Haus einrichten“ mit anschließenden Wegschmeißen der Gardinen). Die Frage ist dann, wo der Betrug anfing und wo er aufhörte. Welchen Aussagen kann man noch glauben?

    • „Ein Seitensprung muss nicht alles falsch machen, so wichtig ist Sex nun auch wieder nicht. “

      Für den Seitenspringer ist der Sex offenbar wichtiger als die Beziehung, wenn er dafür riskiert, diese aufs Spiel zu setzen. Die Ausrede „es ist doch nur Sex“ ist wirklich eine Ausrede.

      „(kleine Nebenfrage: Ist Sex mit einer Prostituierten fremdgehen?)“

      Was denn sonst? Spielt es eine Rolle, mit wem fremdgepoppt wurde? Ich meine nicht.

      Zur Grundsatzfrage, beichten oder nicht. Wenn man Wert auf so altmodische Nebensächlichkeiten wie Ehrlichkeit und Offenheit legt, dann ja natürlich. Wer eine Beziehung auf Lügenbasis führen möchte und sich gut dabei fühlt, kann es ja bleiben lassen, allerdings mit dem Risiko, dass der betrogene Partner den Seitensprung selbst rausfindet. Der Streß dürfte dann umso größer sein.

  6. Beichten? Ja, klar, vor allem, wenn man unter Beichtzwang leidet. Ansonsten ist das Alles graue Theorie. Die Erfahrung sagt: Lass es bleiben!

    Ein One Night Stand bedeutet nicht, dass die Beziehung schlecht oder vorbei ist, vielleicht mag man ja nur mal ein bisschen Abwechslung. Man kann sich sogar in eine andere Frau verlieben, ohne dass man deswegen die eigene Frau nicht mehr liebt oder sich von ihr trennen möchte.

    Wenn man natürlich mit schwerem protestantisch-moralischem Gepäck in der Gegend herumläuft, könnte es sein, dass man drunter leidet.
    Oder man legt einfach das Gepäck ab. Ein bisserl Pragmatismus darfs schon sein, Frauen sind da auch nicht so.

    Die große Sensibilität von Frauen, die sagt, dass Frauen es geradezu riechen(mein ich jetzt nicht wörtlich), wenn ihr Mann fremd gegangen ist, ist meiner Erfahrung nach ebenfalls ein Mythos.

    Frauen merken das ebenso wenig wie Männer. Sie haben Männern nur weisgemacht, dass sie das können und das offensichtlich mit Erfolg. Ist ja auch ganz praktisch, wenn der Mann immer mit der Angst vor Entdeckung in der Gegend herumläuft und sich dadurch maximal ungeschickt benimmt. So lässt er sich einfach besser kontrollieren.

    Frauen selbst gehen übrigens alles andere als selten fremd, auch wenn viele Männer das nicht glauben und ihnen vorbehaltlos trauen wollen. Von Letzterem kann ich nur wärmstens abraten. Könnte zu bösen Überraschungen führen.

    Ich muss meiner Frau nicht vorbehaltlos trauen, Hauptsache ich kann sie einschätzen.

  7. @ Christian

    Für mich ändert sich nichts, wenn ich auf den Betrüger umstelle.

    Allein das Betrügen zeigt doch an, dass mit der Beziehung, die man führt, etwas nicht stimmt.

    Wie gravierend das Nichtstimmen ist, sei mal dahingestellt.

    Das kann ja von leichtem Schnupfen bis zu schwerster Malaria reichen.

    Ein leichter Schnupfen, der zu einem One-Night-Stand verleitet, wäre für mich noch kein Grund, die Beziehung zu beenden, WENN der One-Night-Stand gebeichtet wird, man darüber redet und damit nicht nur die Untreue klärt, sondern auch den ihr zugrunde liegenden „Schnupfen“ kuriert.

    Ich glaube nicht daran, dass das Menschen einfach so passiert, das Fremdgehen, nicht einmal ein One-Night-Stand.

    Alles hat Gründe, auf dieser Ebene der Kompelexität.

    Aber auch der Gelegenheitsfick genügt ja, um in Furcht vor Entdeckung zu leben, weil man doch weiß, dass das eigene Handeln kränkend für den Partner war, zumindest, wenn er davon erfährt.

    Und er kann immer davon erfahren.
    Auch wenn es nur Gerüchte sind, so bin ich doch gezwungen, mich zu ihnen zu verhalten.

    Sind sie wahr und ich streite sie ab, versinke ich immer tiefer in Unehrlichkeit und Lüge, gerade gegenüber dem Menschen, dem ich vertrauen will, der mir vertrauen soll wie kein anderer, von dem ich angenommen werden will wie von keinem Zweiten, den ich annehmen will wie keinen Zweiten.

    Also gestehe ich doch lieber selbst die Kränkung, die ich ihm zugefügt habe, bitte ihn um Vergebung, weil ich doch will, dass er mich weiterhin liebt, ich ihn, trotz der vorübergehenden „Verschnupfung“, die mich zum Gelegenheitsfick bereit machte, immer noch liebe.

    Unehrlichkeit ist doch keine Basis für eine Liebesbeziehung.

    Im Bewusstsein der eigenen Unehrlichkeit zu leben, führte für mich nur dazu, dass sich am Ende alles falsch anfühlte.
    Ich wäre nicht mehr integer, nicht mehr eins mit mir selbst und mit dem Menschen, mit dem ich mich so innig wie nur möglich verbunden fühle, dem ich näher sein will als jedem anderen, für mich als heterosexuellem Mann heißt das ja immer auch buchstäblich in ihm sein zu wollen, als willkommener, möglichst freudig begrüßter, gern gesehener Gast.

    Ich will das Gefühl haben, mit meinem Schwanz an das Herz meiner Liebsten zu klopfen beim Liebemachen.

    Das habe ich nicht, wenn ich ihr gegenüber in der Lüge lebe.

    Ich gebe allerdings zu, dass ich ohnehin keine Freude an One-Night-Stands entwickeln kann.

    Sex funktioniert bei mir nur mit Lust, wenn ich in jeder Hinsicht „nackt“ sein darf vor dem Menschen, mit dem ich Liebe mache, schamlos sein darf, weil ich vertraue, er mir vertraut, nicht weil ich makellos wäre, sondern weil er mich mit meinen Makeln annimmt und er darum auch, weil ich das von ihm erhoffe, Anspruch darauf hat, mich durch und durch zu kennen.

    „Denn sie erkannten einander.“

  8. Kurze Antwort: Nein.

    Lange Antwort:

    wie du schon sagtest, beichten dient in erster Linie der Gewissenserleichterung des Beichtenden.

    Hab das so schon bei nem Kumpel dessen Freundin fremdgegeangen war erlebt, die zwei sind immer noch zusammen, aber das wissen darüber nagt noch immer an ihm. Hätte sie den Mund gehalten wären sie noch immer zusammen, aber er müsste nicht über sowas nachdenken.

    Dieses Ablegen der verantwortung für seine/ihre Taten in die Entscheidungsgewalt des betrogenen Partners ist mit einem Wort feige.

    Ich persönlich unterscheide zwischen passiven und aktiven Fremdgehen.

    Passiv ist der ungeplante Seitensprung, in erster Linie körperlich und triebhaft, die spontane Gelegenheit wahrgenommen, im besten Fall unmöglich für den Partner zu erfahren ohne Beichte. Also z.B. beruflich unterwegs in einer fremden Stadt, keine Zeugen, keine Bindung an die Person mit der betrogen wird.

    aktiv ist die klassische Affäre: man plant Treffen, erfindet Ausreden, verstrickt sich in einem Lügenkonstrukt, das m.E. nach früher oder später auffliegt.

    Letzteres ist durchaus Gift für die Beziehung und unterstricht auch was vorherige Kommentare als Anzeichen dafür bezeichnet haben, dass in der Beziehung etwas ernsthaftes schiefläuft.

    Ersteres belastet den Betrüger durchaus, kann aber auch gesund für die Beziehung sein, man realisiert wieder das sex ohne Liebe nicht dasselbe ist.

    Man sollte sein tun als fremdgeher immer hinterfragen, auch passives fremdgehen kann tiefe Gründe haben, die ein Ende der Beziehung nahelegen,

    aber: wenn keine Möglichkeit besteht oder die wahrscheinlichkeit aüsserst gering ist, dass der Betrogfene es rausfindet, besteht kein Grund zum beichten. Entweder hält man den Mund, lebt mitseiner schuld und irgendwann gerät es soweit in den Hintergrund das es keine Rolle mehr spielt oder man beendet nach intensiver prüfung der eigenen gefühle die Beziehung ohne zu beichten, es besteht kein Grund den anderen noch zusätzlich zu verletzen.

    PS: der Freund deiner Freundin ist durch das beichten nicht nur ein Feigling, sondern dadurch das er es zu einer Zeit tut, wo es der Beziehung eh nicht gut geht, ein Idiot. Und ein arsch, weil er ihr richtig weh tut.

  9. Ich stimme da Alexander zu :

    „Im Bewusstsein der eigenen Unehrlichkeit zu leben, führte für mich nur dazu, dass sich am Ende alles falsch anfühlte.
    Ich wäre nicht mehr integer, nicht mehr eins mit mir selbst und mit dem Menschen, mit dem ich mich so innig wie nur möglich verbunden fühle, dem ich näher sein will als jedem anderen..“

    Klar ist es auch egoistisch, es dem Partner zu beichten um sein Gewissen zu erleichtern. Alles was wir tun kann schlussendlich irgenwie als Egoismus gewertet werden. Aber wenn man die meisten Menschen fragt würden sie vermutlich sagen, dass sie es lieber vom Partner selbst hören wollen als sonst wie herausfinden. Es würde vielmehr schmerzen auch noch belogen zu werden, als „nur“ betrogen.

    Ich verstehe auch nicht wie man überhaupt fremdgehen kann, wenn man selbst am Ideal einer monogamen Beziehung hängt und auch nur ein Mindestmass an Gewissen hat.

    Natürlich ist auch Sex mit einer Prostituierten auch Betrug. Meiner Erfahrung nach ist es keinesfalls etwas so emotional losgelöstes, dass es mit sonstigem Sex nichts zu tun hätte, im Gegenteil. Viele Männer sind dabei sehr emotional, und man kommt sich nicht nur sexuell näher. Das einzige was den „Betrugsgrad“ mildern könnte ist der Umstand, dass eine Prostituierte nur selten ein Interesse daran haben wird, mit ihm eine Beziehung anzufangen.

    Ich sehe auch nicht wie ein „gefühlsloser“ Besuch in einem Bordell vom Grad des Betrugs anderst sein sollte als ein ONS. Dieser kann noch eher „einfach mal passieren“ als ein Besuch im Bordell.

  10. @Salvatore

    „Die Erfahrung sagt: Lass es bleiben!“

    Ich kenne auch wenig Beziehungen, die eine Beichte überlebt haben. Allerdings haben sie vielleicht auch gerade überlebt, weil die Beichte nicht öffentlich gemacht wurde.

    „Ein One Night Stand bedeutet nicht, dass die Beziehung schlecht oder vorbei ist, vielleicht mag man ja nur mal ein bisschen Abwechslung. Man kann sich sogar in eine andere Frau verlieben, ohne dass man deswegen die eigene Frau nicht mehr liebt oder sich von ihr trennen möchte.“

    Würde ich auch so sehen. Sex kann vollkommen neben einer Beziehung stehen. Aber das Vertrauen kann eben, wenn man es erfährt, trotzdem dahin sein.

    „Die große Sensibilität von Frauen, die sagt, dass Frauen es geradezu riechen(mein ich jetzt nicht wörtlich), wenn ihr Mann fremd gegangen ist, ist meiner Erfahrung nach ebenfalls ein Mythos.“

    Das hängt eben auch davon ab, ob da was zu merken ist. Wenn die Beziehung ansonsten gut ist und das „emotionale Gepäck“ eben gerade abgelegt wird, dann ist es schwer was zu bemerken. Grundsätzlich würde ich schon sagen, dass Frauen häufig soziale Signale etwas besser verstehen und Zeichen etwas besser lesen können. Aber wie alle Menschen lässt man sich von eben von Sachen, die man will, gerne überzeugen. Und man will eben, dass der andere einen liebt, das er keinen anderen Menschen braucht, um zufrieden zu sein.

    „Frauen selbst gehen übrigens alles andere als selten fremd, auch wenn viele Männer das nicht glauben und ihnen vorbehaltlos trauen wollen.“

    Natürlich, das zeigt schon unsere Biologie. Ansonsten bräuchten wir keine Killerspermien.

  11. @Roslin

    „Allein das Betrügen zeigt doch an, dass mit der Beziehung, die man führt, etwas nicht stimmt.“

    Es kann dies zeigen. Muss es aber nicht. Das sehe ich eher so wie Salvatore.

    „Ich glaube nicht daran, dass das Menschen einfach so passiert, das Fremdgehen, nicht einmal ein One-Night-Stand.“

    Das glaube ich auch. Wer nicht will, der wird auch nicht. Aber mitunter ist der Grund recht schlicht: Sexuelle Lust. Abwechselung, die Neuheit eines anderen Menschen, die den Sex aufregender macht.

    „Sind sie wahr und ich streite sie ab, versinke ich immer tiefer in Unehrlichkeit und Lüge, […]
    Also gestehe ich doch lieber selbst die Kränkung, die ich ihm zugefügt habe,“

    Es ist eben die Frage. Wenn es für einen selbst ein Schnupfen war, kann es für den anderen Malaria sein. In diesem Wissen kann man sich heimlich die Nase schnauben und damit verhindern, dass der andere gleich eine Quarantäne verhängt unbestimmter Zeit verhängt. Insofern bleibt die Frage, wie groß man die Unehrlichkeit einschätzt und wie hoch der Aufwand ist, sie zu verbergen. Ein Prostituiertenbesuch zB hinterläßt keine Spuren, man trifft die Frau nie wieder, der Zeitaufwand ist sehr gering und die Lüge beschränkt sich vielleicht nur darauf, dass man auf dem Rückweg etwas länger gebraucht hat als sonst, was sie in der nächsten Woche schon vergessen hat. Eine Affaire im Freundeskreis ist dagegen natürlich schon wesentlich heikler.

    „Ich will das Gefühl haben, mit meinem Schwanz an das Herz meiner Liebsten zu klopfen beim Liebemachen.“

    Das ist eine Formulierung, die man rahmen sollte. Gefällt mir. Setzt aber einen langen Schwanz voraus 😉

    „Ich gebe allerdings zu, dass ich ohnehin keine Freude an One-Night-Stands entwickeln kann.“

    Da könnte der wesentliche Unterschied sein und dann könnte für dich gestehen, sollte es einmal nötig werden, dann doch der bessere Weg sein.

  12. @Matty

    „Hab das so schon bei nem Kumpel dessen Freundin fremdgegeangen war erlebt, die zwei sind immer noch zusammen, aber das wissen darüber nagt noch immer an ihm. Hätte sie den Mund gehalten wären sie noch immer zusammen, aber er müsste nicht über sowas nachdenken.“

    Das würde ich auch so sehen. Dann besser das Verhalten ändern und dafür sorgen, dass der Partner nichts merken kann.

    „Ich persönlich unterscheide zwischen passiven und aktiven Fremdgehen.“

    Passiv und aktiv scheinen mir hier etwas unpassende Kategorien zu sein, aber die Unterscheidung innerhalb dieser Kategorien finde ich schon nachvollziehbar.

    „Ersteres belastet den Betrüger durchaus, kann aber auch gesund für die Beziehung sein, man realisiert wieder das sex ohne Liebe nicht dasselbe ist.“

    Ja, ich denke auch, dass ein nicht entdeckter Seitensprung sich sogar positiv auswirken kann, allerdings nur, wenn der Seitenspringer die nötige „Moralische Flexibilität“ hat um sich nicht zerfressen zu lassen. Es kann den Sex mit dem Partner wieder interessanter machen, Selbstbewußtsein erzeugen, den Testosteronspiegel erhöhen etc.

    „PS: der Freund deiner Freundin ist durch das beichten nicht nur ein Feigling, sondern dadurch das er es zu einer Zeit tut, wo es der Beziehung eh nicht gut geht, ein Idiot. Und ein arsch, weil er ihr richtig weh tut.“

    Es scheint momentan so. Es ist ganz interessant zu beobachten. Er wird zumindest denke ich noch für weitere Artikel sorgen, so wie es sich gerade darstellt,

  13. @Sina

    „Es würde vielmehr schmerzen auch noch belogen zu werden, als „nur“ betrogen.“

    Sicher. Aber es ist ja eine Frage, ob es überhaupt rauskommt.

    „Ich verstehe auch nicht wie man überhaupt fremdgehen kann, wenn man selbst am Ideal einer monogamen Beziehung hängt und auch nur ein Mindestmass an Gewissen hat.“

    Du bist ja, wenn ich das richtig verstehe, im Gewerbe. Da wirst du ja recht häufig vergebene und verheiratete Kunden haben. Ist das dann nicht etwas schwer mit diesen Grundsätzen zu vereinbaren?

    „Natürlich ist auch Sex mit einer Prostituierten auch Betrug. (…) Das einzige was den „Betrugsgrad“ mildern könnte ist der Umstand, dass eine Prostituierte nur selten ein Interesse daran haben wird, mit ihm eine Beziehung anzufangen.“

    Und der Umstand, dass es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht zur Freundin zurückkommt und man danach auch nicht mehr miteinander redet. Zudem gefährdet es auch die Beziehung weit aus weniger (in dem Sinne, dass es eben nur um Sex ging)

  14. Entgegen dem was andere berichten hatte ich bisher noch keine verheirateten bzw. mit der Partnerin zusammenlebende Kunden. Vergeben vielleicht schon. Aber ich finde es nicht schwierig dies zu vereinbaren, schliesslich ist es nicht meine Verantwortung wie andere Personen mit ihrer Beziehung umgehen.

  15. @Sina

    Wahrscheinlich gehen die auch eher zu Prostituierten als sich welche kommen zu lassen. Ist ja doch etwas gefährlich.
    Ich fand es eben erstaunlich, dass du schreibst, dass du „überhaupt kein Verständnis hast“. Ich hätte gedacht, dass sich das auf den Beruf und die Wahrnehmung der Kunden auswirkt, denn die Chance, dass die vergeben sind ist ja nicht gerade gering.

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