Judith Butler hat einen miesen Schreibstil

Ich muss mich gerade einmal etwas über Judith Butler aufregen. Ich quäle mich seit einiger Zeit durch „Das Unbehagen der Geschlechter“, aber nachdem ich am Anfang wie schon bei Beauvoir recht motiviert war, weil ich auf interessante Thesen hoffte, war schnell zu merken, in welche Richtung ihre Darstellung ging und ihr Schreibstil ist einfach fürchterlich. Argumente werden durch Behauptungen ersetzt, die dann später mit der Bemerkung „wie ich bei Kapitel X gezeigt habe ist es so und so..“. wieder aufgegriffen werden. Es werden auch gerne statt Argumenten rhetorische Fragen in den Raum gestellt, die diese ersetzen sollen Eine klare Struktur ist nicht vorhanden. Immerhin bin ich jetzt bei einem Kapitel mit dem Titel „Abschließende, unwissenschaftliche Nachschrift“ angekommen, der Titel hat mich zumindest etwas erheitert, weil es um Biologie geht und sie selbst sagt, dass sie davon keine Ahnung hat.

Weil das Lesen von Judith Butler keinen Spaß macht habe ich inzwischen „Steven Pinker: The Blank State“ angefangen (Pinker hat immerhin das erste Feld im Evolutionary Psychology  Bingo) und lese die Bücher nebeneinander. Durch die dort vorherrschende klare Struktur und die Verwendung von Argumenten, durch das Eingehen auf Gegenpositionen, ist Butler noch uninteressanter zu lesen. Aber da muss man wohl durch.

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12 Gedanken zu “Judith Butler hat einen miesen Schreibstil

  1. Autoren wie Butler u.ä. dürften immer auch auf den „Des-Kaisers-neue-Kleider-Effekt“ spekulieren. D.h., sie können davon ausgehen, dass viele Leser vom ganzen postmodernistischen Brimborium dermaßen beeidruckt sind, dass sie niemals zugeben würden, dass sie etwas nicht verstehen, bzw. dass ihnen Aussagen aus Butlers Büchern sinnlos erscheinen.

    Nachdem ich mich lange mit Texten von Foucault, Butler, Derrida usw. rumgeschlagen habe, bin ich zu genau diesem Ergebnis gekommen: Diese texte haben entweder garkeinen verstehbaren Inhalt, sie sind bloßes mystisches Geraune um den Leser einzuschüchtern, oder sie verbreiten Banalitäten wie „Unterdrückung ist schlecht und muss bekämpft werden“ in einen glitzernden Wortschwall eingehüllt.

    Ich weiß nicht, ob du den Soakal-Hoax kennst:
    http://www.physics.nyu.edu/faculty/sokal/#debate_folha

    Er stützt, was ich sage. Man braucht nur die notwendigen Schlagworte verwenden und kann ansonsten völlig inhaltslosen Mist von sich geben, und das postmodernistische Publikum ist begeistert.

    • @El Mocho

      Soakal Hoax kenne ich, war großartig gemacht! Ich denke auch, dass viele nur das Gefühl brauchen, dass das richtige vom Sinn her feststellt und jemand die Position irgendwie vertritt. Aber dennoch werden die Texte ja in den Studien erheblich auseinander genommen. Da muss doch eigentlich mal eine sagen, dass die Grundlage recht gering ist.

  2. Empiriefreies Gewäsch in elaborierter Sprache, die die Vanitas dieses „Denkens“ verhüllt, mehr ist da nicht.

    Erkenntnisgewinn Null, aber eine ganz dolle Befähigung und Beförderung empiriefreien Wunschdenkens.

    Das macht dieses manirierte Geschwafel gerade für WunschdenkerInnen so attraktiv.

  3. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich damals an der Uni ein Seminar über Derrida „Die Stimme und das Phänomen“ und eine Vo über Butler gehört habe.

    Nach langer, intensiver Beschäftigung kann ich wirklich nur sagen: Dieses ganze postmoderne Getue ist ganz allein dem Gedanken geschuldet, mit Hilfe von Macht, Pseudowissenschaftlichkeit, politische Interessen umzusetzen.

    Die gesellschaftlichen Auswirkungen werden wir noch zu spüren bekommen, denn, postmoderne Gedankenführung – PC, Toleranz etc. – lässt sich auf alle Bereich menschlichen Daseins ausweiten.

    Ich erwarte schon den Tag, an dem die ersten nekrophilen auf die Straße gehen und ihre Rechte einklagen – um ein Beispiel herauszugreifen.

    Kann eine Gesellschaft ohne Tabus bestehen?

    • @Dr. Klaus

      postmoderne Gedankenführung ist ja nicht ohne Tabus. Im Feminismus beispielsweise werden ja die Tabus im Bereich Sexualität gezogen.
      Nur weil man einige Regeln aufweicht muss man zudem nicht alle Regeln aufweichen.
      Die Toten werden noch eine Weile sicher sein.

      • Da bin ich mir nicht so sicher, da vom logischen Standpunkt her nichts dagegen sprechen würde. Wir sehen ja am Kampf von Vertretern anderer, paraphiler Verhaltensweisen die Vermischung von Politik und Wissenschaft.

        Bsp. Objektsexualität – Menschen, die sich in Objekte verlieben „Eifelturm“ und mit diesen Sexualität leben möchten – scheint keine Störung mehr darzustellen, wenn der/diejenige nicht daran leidet.

        Vom naturwissenschaftlichen Standpunkt, vom Evolutionsbiologischen Standpunkt aus betrachtet eine Lächerlichkeit.

  4. Was mich auch stört, und das sehe ich an meinem Neffen, dass die ganze Sexualerziehung auf diesen laissez-fair Egalitismus ausgerichtet zu sein scheint. Die Trennung zwischen normal und anormal verschwimmt.

    Ich frage mich, ob es klug ist, jungen Menschen zu erzählen, dass jegliche Sexualpraktik erstrebenswert wäre und jegliche Rolle einnehmbar. Mein Neffe ist von Haus aus eher sensibel veranlagt und ich muss sagen, ein wenig durcheinander kam er mir schon vor, als er mir davon erzählt hat. Aber wir wissen ja wohin das führt, ich sage nur DISSENS e.V.

  5. @Dr. Klaus

    Ich meine schon, dass man Kindern sexuelle Liberalität mit auf den Weg geben sollte und auch das Verständnis für Verhalten, dass von der Rolle abweicht bzw. die Freiheit sich auf eine bestimmte Art zu verhalten, wenn sie das wollen.
    Wenn jemand schwul ist, dann soll er so leben, wenn ein Junge eher weiblich ist, dann sollte er das auch sein dürfen. Aber er sollte eben auch männlich sein dürfen.
    Eine Umerziehung gegen die Natur, nur weil man es für politisch korrekt hält und es zur – meiner Meinung nach falschen – Queertheorie passt, ist aber meiner Meinung nach schädlich

  6. Butler hat sich in Gendertrouble sicherlich beweisen müssen. Wer sie verstehen will, sollte eher eine Mischung aus Körper von Gewicht und Hass spricht lesen. Danach ist das Unbehagen der Geschlechter (gendertrouble) besser zugänglich. und dann kann auch erkenntnisgewinn herausgezogen werden. @Alexander Roslin: Die Behauptung, die theoretischen Überlegungen seien Empiriefrei ist geradezu absurd: Gedanken über die Beschaffenheit der Gesellschaft finden ihre Empirie zwangsläufig… in der Gesellschaft.
    @El_Mocho/Christian: Zuerst habe ich mich auch über das Sprachniveau geärgert, allerdings, wenn mensch sich damit auseinandersetzt, ist klar, dass eine bestimmte Sprache nun mal nötig ist, um das alltägliche zu hinterfragen. Abstraktion ist dabei unerlässlich. aber wie gesagt, in hass spricht ist die Sprache wesentlich verständlicher.
    @Christian, a propos „Eine Umerziehung gegen die Natur, nur weil man es für politisch korrekt hält und es zur – meiner Meinung nach falschen – Queertheorie passt, ist aber meiner Meinung nach schädlich“
    sorry, aber erst butler lesen und verstehen, dann darüber schreiben! was du hier schreibst, hat nichts mit queer theory zu tun, jedenfalls nicht mit der, welche sich auf Butler beziehen könnte (die aber natürlich in einer heterogenen Gruppe der queer t. nicht die einzige Meinung vertritt)!
    kurze Ausführung dazu: Butler sagt: Gender ist kultur. und sex ist gender. es gibt keine natürlichen, „männlichen“ und „weiblichen“ eigenschaften, also kann sich ein junge auch nicht männlich oder weiblich verhalten. ein Kind verhält sich so, wie es mag. das wäre queer. dem kind hingegen als neugeborenem nur blaue sachen kaufen, bagger und autos, es länger schreien zu lassen, weil „männer“ nun mal was aushalten müssen (dazu gibt es tatsächlich empirische forschung, die herausgefunden hat, dass baby-jungs länger schreien müssen, bis die bezugsperson reagiert), das wäre hingegen eine stereotype erziehung, die dann als „natürlich“ getarnt wird. wie auch bei dir: „Gegen die Natur“ ist in dem fall eine Aussage, die viel mehr heißen müsste: Gegen die Kultur. Und jmd. nicht der legitimen Kultur entsprechend zu erziehen, sollte doch „in einer freien welt“ (muhaha) erlaubt sein.

    • @ Jason

      *@Alexander Roslin: Die Behauptung, die theoretischen Überlegungen seien Empiriefrei ist geradezu absurd: Gedanken über die Beschaffenheit der Gesellschaft finden ihre Empirie zwangsläufig… in der Gesellschaft.*

      Eben nicht.

      Gesellschaft ist nicht allein aus Gesellschaft/kultur heraus zu verstehen.

      Es ist das Säugetier Mensch, das sich seine Gesellschaft baut.

      Der Mensch war schon männlich/weiblich, als er noch Tier war.

      Er war bereits männlich/weiblich, als er Gesellschaft zu bauen begann.

      Wer das Wissen über das Säugetier Mensch ausblendet, arbeitet ohne Basis – empiriefrei.

  7. Das Problem ist nur, dass sich der Unterschied zwischen Männern und Frauen nachweislich nicht auf die äußeren Geschlechtsmerkmale beschränkt. Das ganze Gendergeschwurbel steht seit mindestens zehn Jahren mit einer nachweislich falschen empirischen Prämisse im Raum.

    Aber was soll’s, die Astrologen haben sich ja von Galilei auch nicht den Spaß verderben lassen…

  8. Pingback: Sam Harris “The moral Landscape” über Feminismus | Alles Evolution

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