Geschlechtergerechtigkeit und Jungen in rosa Kleidern

Zwei kurze Hinweise, weil es im Prinzip schon Themen sind, die besprochen wurden:

Bei der Mädchenmannschaft findet sich ein Beitrag über den Global Gender Gap Report, indem Deutschland wohl zurückgefallen ist. Dort wird aber sogar darauf hingewiesen, dass die Kriterien nur die Ungleichheit wiedergeben, unabhängig vom sonstigen Entwicklungsstand und das Nachteile für Männer nicht erfasst werden, sondern als Gleichbehandlung bewertet werden. Ich verweise hierzu auch auf meinen Artikel zum gleichen Thema.

Es findet sich bei der Mädchenmannschaft zudem ein Bericht über einen Jungen, der in der Schule gern rosa Kleider trägt und daher naürlich seine Runde durch die feministischen Blogs macht (Jezebel, Sociological Images) . Die Mutter hat dazu ein Buch mit dem Titel „My Princess Boy“ geschrieben.  Bei der Mädchenmannschaft läuft es unter dem Titel „Es ist rosa, es glitzert und Jungen mögen es auch„. Warum es da auf einmal okay ist, von einem Jungen, der es mag, auf andere Jungen zu schließen, verrät uns der Artikel nicht. Ich vermute nicht wenige werden einfach darauf abstellen, dass er ein Beleg dafür ist, dass es alles die Gesellschaft ist. Das zeigt allerdings dann lediglich, dass man die biologischen Theorien nicht verstanden hat. Natürlich soll „Princess Boy“ tragen was er will, und natürlich wird er durch das Tragen von Frauensachen nicht schwul (könnte es aber natürlich dennoch sein, was auch vollkommen okay wäre). Ich hoffe allerdings für ihn, dass er es tatsächlich selbst will, insbesondere wenn man ihn dann noch damit vor eine Fernsehkamera zieht.

6 Gedanken zu “Geschlechtergerechtigkeit und Jungen in rosa Kleidern

  1. Christian, ich kann dir nur beistimmen. Es stellt doch kein Mensch infrage, dass, wenn der Junge von sich aus diese Kleider tragen will, er es auch tun können soll. Kein ernst-zu-nehmender Maskulist stellt Gleichberechtigung und Toleranz in Frage; wobei ich, wenn ich des Öfteren bei EMMA vorbeischaue, eher den Eindruck erhalte, dass so manche Feministin und Mutter dazu geneigt ist, dieses Mittel einzusetzen um den Jungen früh schon von einem „maskulinen“ Weg abzubringen.

    Das Problem ist, wie du richtig umreißt doch vielmehr, dass der Schluß auf die Gesamtheit aller Jungen gemacht wird, dass die überwiegende Mehrheit der Jungen kein Problem hat, Hosen zu tragen; Freude daran empfindet, sich mit anderen Jungen zu messen, zu forschen etc., wird verschwiegen. Warum ist es ein Problem wenn weit über 90% der Frauen nun mal heterosexuell orientiert sind. Warum MUSS dies durchbrochen werden. Welche andere Rolle soll angenommen werden, wenn ich mich nun einmal nicht für gleichgeschlechtliche Kontakte interessiere? Mir schleierhaft.

    Das ist das generelle Problem. Jungen sollen nicht mehr sein, wie Jungen, in der überwiegenden Mehrheit der Fälle nunmal sind, dafür aber Mädchen sich mehr trauen wie Jungen zu sein. Hier zeigen sich die versteckten Annahmen deutlich.

    Das Männliche wird immer noch absolut gesetzt, und versucht, das Weiblich zu Maskulinsieren, indem das Männliche daran gehindert wird, Männlich zu sein. Was die These des „männlichen Gehirns“ mancher Theoretikerinnen stützen würde.

  2. Ist das nicht ein Kennzeichen feministischer „Wissenschaft“?

    Man nehme einen Einzelfall, eine Einzelbeobachtung und behaupte, weil es das einmal gibt, kann es das immer/häufig geben, kann die Ausnahme die Regel ablösen, denn die Regel ist ja nur kulturelle Konvention, nur willkürliche Setzung.

    Beweis: Wir haben einmal, zweimal, selten, gesehen, dass es auch ganz anders geht.

    Ohne zu bedenken, inwieweit das stimmt, ob die Regel nicht deshalb Regel ist, weil sie eben mehr ist als kulturelle Willkür, Ausdruck unserer instinktiven Dispositionen auf gesellschaftlicher Ebene, daher keineswegs leicht änderbar, selbst dann nicht, wenn kulturelle Anforderungen sich ändern.

    Es ist ja einfach nur eine Behauptung, dass die Regel willkürlich sei, eine Behauptung, die umso leichter fällt, je weniger man weiss um evolutionäre Zusammenhänge und die mögliche biologische Sinnaftigkeit kultureller Regeln.

    Dann ist es nämlich kein Zufall, dass das Häufige häufig und das Seltene selten ist, sondern das Ergebnis evolutionärer Entwicklung, dann ist das Häufige häufig, weil es der erfolgreichen Fortpflanzung dient, also evolutionär Sinn macht.

    Mir scheint das auch die Methode der Beauvoir zu sein: Aus Einzelbeobachtungen, Einzelfällen interpretatorisch auf Regelhaftes zu schließen, ohne die behauptete Regelhaftigkeit statistisch sauber nachzuweisen.

    Die Behauptung und einige Fallbeispiele, die als Belege der Behauptung interpretiert werden, unbeschadet der Tatsache, dass die Beauvoirsche Interpretation keineswegs zwingend ist, sie passt ihr nur gerade in’s Konzept, genügen zum Erkennen von „Gesetzmäßigkeiten“.

    Eigentlich abenteuerlich.

    Wie überhaupt feministische „Wissenschaft“ ihre Schwierigkeiten zu haben scheint mit Statistik und der Bedeutung von Normalverteilungen.

    Natürlich beweist ein Junge, der rosa Kleidung und Elfenglitzer mag, gar nichts, widerlegt auch nichts.

    Es ist einfach nur ein individueller Junge, der Elfenglitzer und rosa Kleidung mag.

    Allein schon der Bohei, der um ihn gemacht wird in feministischen Blogs, beweist allerdings mir erneut, warum ich feministische „Wissenschaft“ nicht ernst nehmen kann.

    • Hallo Roslin.

      Wussten sie, dass das „Pink frilly dress syndrom“ sogar einen Eintrag in DSM und ICD hat? Genau heist er „Gender Identity Disorder in Childhood“ und wird durch reparative Psychologen behandelt, die versuchen zu konditionieren, indem alles, was zu feminin wirkt… Kleidung natürlich als erstes, aber auch Freundschaften zu Mädchen oder Zeichnungen von Prinzessinen zu unterbinden – um das Kind „mit seinem Geschlecht zu versöhnen“.

      Wenn die feministische Seite genau da mal gegen geht und sagt, ist es nicht bemerkenswert, wenn sich Eltern mal trauen das zuzulassen, sollte ihnen als Maskulist nicht das Herz aufgehen ob der wirklich geforderten Gleichberechtigung (Schliesslich hat das blosse bevorzugen von Jeans, T-Shirt und kurzen Haaren noch kein Mädchen in die Psychomühle gebracht).

      • @ Bad Hair Days

        Ich glaube, Sie verbreiten ein etwas schiefes Bild von dem, was Psychologen als Gender Identity Disorder fassen.
        Dabei geht es um Menschen, deren psychisches Geschlecht nicht übereinstimmt mit ihrem körperlichen Geschlecht, die sich im falschen Körper wähnen und darunter LEIDEN.

        Der Junge scheint doch ein glücklicher Junge zu sein, ergo keineswegs behandlungsbedürftig.
        Kein ernstzunehmender Psychologe würde sich an ihm versuchen, sondern ihn, solange er nicht leidet, in Ruhe lassen.

        Leidendende behandelt man, um LEIDEN zu lindern.

        Zudem scheint mir die feministische Motivation, diesen Fall zu promovieren, keineswegs bestimmt vom Wunsch, Freiräume für das Seltene, für die Ausnahme von der Regel, zu schaffen, sondern die Freiräume für die Regel selbst einzuengen, Rechtfertigungen zu succhen für die immer massiveren Forderungen, traditionelle Männlichkeit umzuformen im feministischen Sinne.

        Jungen sollen sich gefälligst an den Mädchen ein Beispiel nehmen, sich verhalten wie diese, auch wenn sie das gar nicht wollen, keinerlei Tendenz in diese Richtung erkennen lassen, wird das von ihnen mittlerweile erwartet.

        Weil feministische Misandrie es geschafft hat, Männlichkeit an sich negativ zu konnotieren, zu pathologisieren.

        Dabei wird nicht bedacht, inwieweit es überhaupt durchschnittlichen Jungen, normalen Jungen (normal ist in meinem Sprachgebrauch nicht wertend gemeint, rein statistisch zu verstehen, das Unnormale ist, wenn es keine Leiden verursacht, einfach nur seltener als das Normale, nicht besser, nicht schlechter) gegeben ist, von ihrer Instinktdisposition, von ihrer hormonbeeinflussten Psyche, von ihrer genetisch bestimmten Hirnausformung und -entwicklung her sich im Schnitt wie Mädchen zu verhalten.

        Dieser Junge wird wohl dazu missbraucht, zu „beweisen“, im Sinne feministischer „Wissenschaft“, dass alle Jungen sich sehr wohl anders verhalten könnten, wenn man sie denn nur anders sozialisierte.

        Wenn die Masse der Jungen das immer noch nicht tut, dann weil man sie noch nicht genügend umsozialisiert hat.

        Hier soll weniger die Freiheit des inidividuell Seltenen propagiert werden als die Freiheit der Mehrheit der Jungen, auf jungenhafte Weise ihr Jungesein zu leben, eingeschränkt werden.

        Das ist die Erfahrung, die ich mit feministischen „Freiheitsvorstellungen“ gemacht habe.
        Diese Ideologie ersetzt ja nicht alte Geschlechterigiditäten durch Freiheit, sondern nur durch neue.

        Der Rechtfertigungszwang soll das Lager wechseln, hat es bereits weithin gewechselt.

        Schule ist heute, die Zahlen beweisen es, nicht geschlechtergerecht, sondern mädchengerecht.
        Jungen sollen sich gefälligst dieser mädchengerecht gemachten Schule anpassen.
        Dieser Junge wird dazu dienen, zu „beweisen“, dass alle Jungen zur mädchengerechten Schule kompatibel gemacht werden können.

        Das ist meine Befürchtung.

        Die ideologisch feministisch bestimmte „Männlichkeitsaberziehungspädagogik“, die die heutige Schule prägt, muss sich nicht den Jungen und ihren Bedürfnissen anpassen, die sich (im Schnitt) von denen der Mädchen unterscheiden, sondern die Jungen können erfolgreich umerzogen werden. Beweis: Unser Elfenglitzer – Junge.

        Musste sich früher der Außenseiter, der Unnormale, der Seltene rechtfertigen, so muss sich heute der Normale, der Häufige, der Durchschnittliche rechtfertigen und sich fragen lassen, warum er denn nicht „unnormal“ ist.

        Jedenfalls dann, wenn es sich um einen normalen Jungen handelt, dessen Jungesein nicht mehr akzeptiert wird von einer „liberalen“ Gesellschaft, die für Jungen den Rohrstock abgeschafft hat, um ihn durch die chemische Keule zu ersetzen (Ritalin), einer liberalen Gesellschaft, die nicht gleichermaßen liberal ist zu allen Ausdrucksformen des Menschlichen, sondern vor allem „frauenfreundlich“ ist, femizentrisch, die um das Wohlergehen und die Bedürfnisse von Frauen tanzt wie weiland um’s goldene Kalb.
        Während die Bedürfnisse von Jungen/Männern abgewertet, diffamiert, vernachlässigt werden.

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