Eifersucht und Biologie

Auf dem Mädchenblog ging es um Polyamory (also die Liebe zu mehreren verschiedenen Personen gleichzeitig) und in den Kommentaren dann um Eifersucht. Die Frage tauchte auf, ob es dabei eine biologische Grundlage gibt.
Bigmouth, auch aus hiesigen, wenn auch bedauerlicherweise  meist sehr kurzen Kommentaren bekannt, hatte dann eine glänzende Idee:

wir könnten ja christian fragen… 😉

Dem Lichtkegel dieses Christiansignals folgend schmiss ich mich in mein Cape und war alsbald zur Stelle. Da der Mädchenblog aber hier vertretenen Ideen nicht gerade zugeneigt ist, erblickte mein heroisch in die Schlacht geworfener Kommentar nie das Tageslicht.

Weil aber das Thema durchaus eine Betrachtung wert ist hier einige Gedanken dazu:

1. Wie könnte sich Eifersucht in der Evolution entwickelt haben.

Eifersucht ist ein sehr sinnvolles Gefühl, weil es einer Überwachung der Partner dient. Die wesentlichen Interessen (ganz heteronormativ gehalten, da homosexuelle Verhaltensweisen insoweit nur Spiegelbilder der heterosexuellen Strategien sind):

  • Der Mann hat ein biologisches Interesse es zu verhindern, dass andere Männer seine Partnerin (oder eine Frau seines Harems) schwängern, was dazu führen würde, dass sie ein Kind mehr zu versorgen hat und die nächsten 12 Monate wohl kein Kind von ihm bekommen wird bzw. dass diese ihm die Möglichkeit nehmen sie zu schwängern Um so mehr er in die Frau investiert hat um so ärgerlich wäre dies für ihn.
  • Die Frau hat ein biologisches Interesse es zu verhinder, dass andere Frauen ihr den Versorger (oder einen ihrer Versorger) bzw. Beschützer und Genlieferanten wegnehmen und sie sich einen neuen suchen muss, der dann evt. schlechter ist bzw. nicht den selben Bindungsgrad hat, den sie erarbeitet hat.

Eifersucht erfordert damit nicht unbedingt eine Monogamie um wichtig zu sein. Es kann auch für einen Partner, der nicht momogam lebt eine sinnvolle Angelegenheit sein um Partner zu monopolisieren.

Es passt damit durchaus zu einer Spezies, die in mittelfesten  Paarbindungen mit Interesse an Ausrutschern lebt.
Etwas der Eifersucht ähnliches ist auch ansonsten im Tierreich weit verbreitet, wird dort allerdings eher als Revierverhalten wahrgenommen. Gerade bei Tieren mit Harem werden andere männliche Tiere nicht im eigenen Revier geduldet. Dies hat biologisch den gleichen Sinn wie Eifersucht, wäre aber für Menschen, die innerhalb einer gemsichten Gruppe leben wenig sinnvoll. Besser wäre es hier ein System zu entwickeln bei dem der Partner, um den man sich bemüht, monopolisiert wird und dies gegebenenfalls um so mehr um so mehr man bereits investiert hat bzw. noch investieren muss.  Zudem wäre es sinnvoll die Eifersucht insbesondere dann hervortreten zu lassen, wenn ein Konkurrent sich um den Partner bemüht und dieser den Konkurrenten möglicherweise interessant finden könnte.

Bei Tieren mit Paarbindungen ist auch Eifersucht beobachtet worden.

Alle Tiere, die lebenslange Paarbindungen eingehen, wie Wölfe und auch viele Vögel, sind sehr anfällig für Eifersucht, wahrscheinlich weil für sie besonders viel auf dem Spiel steht.» Nach seiner Darstellung haben Verhaltensforscher das Gefühlsmuster auch bei Schimpansen, Orcawalen und Elefanten aufgespürt. Bei bestimmten Spezies, etwa bei Papageien, sei die Emotion besonders ausgeprägt. «Katzen binden sich nicht dauerhaft, dennoch spielt die Eifersucht eine Rolle in ihrem Gefühlsleben», sagt Jeffrey M. Masson. Eine Studie, die von Psychologen der University of Western Illinois durchgeführt wurde, ergab, dass 79 Prozent der Katzenhalter Anzeichen von Eifersucht bei ihren Tieren bemerkten.

Eifersucht ist zudem ein Gefühl, dass ich in allen menschlichen Kulturen findet.
All dies spricht für eine biologische Grundlage

2. Biologische Grundlagen der Eifersucht
Es gibt deutliche Hinweise darauf, das Eifersucht biologische Ursachen hat. Beispielsweise gibt es Krankheitsfälle, insbesondere Schädigungen der rechten Hirnhälfte, die bei den Patienten deutliche Eifersuchtsanfälle und eine Steigerung dieser Gefühle hervorriefen.
Zudem zeigen Patienten mit deutlicher Eifersucht auch einen reduzierten Serotoninspiegel.

Ein erhöhter Serotoninspiegel im Gehirn, beispielsweise bedingt durch eine Überdosierung selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, führt zu Unruhe, Euphorie und Halluzination. Depressive Verstimmungen lassen sich neurochemisch häufig auf einen Mangel an Serotonin oder seiner Vorstufe, der Aminosäure Tryptophan, zurückführen. Auch Angst und impulsive Aggressionen können auf einen Serotoninmangel zurückgeführt werden.

Da sich die Eifersucht durch Serotoninmittel behandeln ließ spricht vieles dafür, dass auch hier eine Steuerung erfolgt.
Als weiterer Kandidat kommt das Hormon Oxytocin in Betracht.
Bindungen zwischen Menschen sind meist mit der Ausschüttung von Oxytocin verbunden – es wird bei Stillen und beim Orgasmus freigesetzt, aber auch bei sonstigen Paarverhalten oder auch nur, wenn man an einen Menschen denkt, mit dem man eine Beziehung möchte.

Oxytocin speichert quasi die Gefühle ab und bringt sie mit der Person in Verbindung, mit der man diese Gefühle gehabt hat. Beim Anblick dieser Person werden die Gefühle dann wieder abgerufen.
Hat man mit einer Person guten Sex, dann wird eben dieses gute Gefühl mit er Person in Verbindung gebracht und so eine Bindung erzielt. Da die Person mit dem guten Gefühl verknüpft ist steigt insoweit auch die Angst dieses gute Gefühl nicht mehr zu bekommen, wenn ein Konkurrent den Partner wegschnappt. Dies zeigt sich auch in Studien: Um so höher die Wirkung des anderen auf den Partner eingeschätzt wird um so größer die Eifersucht (siehe obigen Link). Dabei zeigen sich auch die Geschlechtsunterschiede wieder:

Die körperliche Attraktivität des Widersachers hat dagegen für die beiden Geschlechter eine unterschiedliche Bedeutung. Dies zeigte eine holländische Studie, bei der die Teilnehmer sich in eine Dreieckssituation hineinversetzen sollten. Den Männern wurde lediglich bei dem Gedanken an einen sehr dominanten und durchsetzungsfähigen Nebenbuhler mulmig, gerade dann, wenn dieser über keine besonderen physischen Vorzüge verfügte. Ganz anders die Frauen, die nur bei der Idee einer hochattraktiven Rivalin durchdrehten, völlig unabhängig von deren Charakterstruktur.

Männer haben also Angst vor Konkurrenten, die klassisch männlich sind. Frauen haben Angst vor schönen Frauen. Wenig überraschendes hier.
Hier noch ein Paar Links:

3. Eifersucht und Polyamory

Wenn Personen in einer Gruppe immer wieder mit anderen schlafen kann ich mir vorstellen, dass sie eine gleich starke Bindung an alle entwickeln. Es bestehen die Verlustängste dann wesentlich weniger, weil alle das Gefühl haben, dass sie einen Ersatz für das dann fehlende Oxytocin haben. Das gleiche gilt, wenn die Beteiligten sich entweder sicher sind, dass die andere Person sie nicht gefährdet, weil sie attraktiver sind oder sonst einen Vorteil haben bzw. weil sie alle gleich aneinander gebunden sind.
Eifersucht würde demnach entstehen, wenn eine Person Angst hat das die andere Person denjenigen alleine bekommen könnte oder zumindest die andere Person wesentlich mehr bekommt.  Es könnte die Angst bestehen, dass einer aus der Gruppe ausbricht und mehr mit nur einer Person macht oder eine aus der Gruppe gerne eine andere Person der Gruppe exklusiv haben möchte.

Dies kann zB passieren, wenn eine Person der Gruppe eine andere ganz besonders begehrenswert findet und daher bei dieser Person eine erhöhte Oxytocin-Asuschüttung, etwa durch mehr oder bessere Orgasmen oder mehr Kontakt stattfindet.

Frauen sind normalerweise eher gefährdet, weil bei Männern der Coolidge-Effekt und die stärkere Beeinflussung der Libido durch Testosteron hinzukommt. Auch bei Männern entsteht durch Sex Bindung aber da sie aufgrund dieser beiden Effekte zugleich mehr Lust auf Sex mit anderen Frauen haben wirkt sich dies solange diese anderen Frauen tatsächlich vorhanden sind nicht unbedingt aus. Dennoch ist auch hier Oxytocin nicht zu unterschätzen.

Das Eifersucht häufig ein problematischer Faktor ist zeigt auch der Wikipedia-Eintrag über Polyamory, der einen eigenen Unterteil über Polyamory und Eifersucht hat.

15 Gedanken zu “Eifersucht und Biologie

  1. Das ist jetzt aber nicht so die Überraschung, wenn deine vollständigen Rückführungen menschlichen Verhaltens und menschlicher Gefühle auf den Abgleich des heutigen Normalprototyps mit teilweise intentionalisierter Evolutionsbiologie bei denen schlecht ankommen, die mit Verweis auf ihre natürliche Unterlegenheit, natürliche Rolle, natürliche Bestimmung seit Jahrhunderten unterdrückt werden, und die beschlossen haben, sich das Diktat von Natur und Geschichte nicht gefallen zu lassen.

  2. Gegen das Diktat der Natur kann man sich nur sehr eingeschränkt wehren. Man sollte es sich zumindest bewusst machen, damit man weiß wogegen man kämpft.

    Allerdings sage ich ja auch nicht, dass Männer eine natürliche Überlegenheit haben. Ich sage, dass Männer und Frauen biologisch verschieden sind und die einen hier, die anderen da Vorteile haben, beide Geschlechter aber insbesondere auch verschiedene Vorlieben haben und Sachen anders sehen.

    Darüber sollte man diskutieren können. Meine Auffassungen sind ja durchaus auch in anderen Fachrichtungen wissenschaftlich vertreten, zB in der Biologie. Dort sind aber nicht nur Frauenunterdrücker am Werk. Die Wirkung der Hormone, die bei Mann und Frau im ganz verschiedenen Mengen vorhanden sind, ist auch recht gut erforscht.

    Meinst du denn, dass Männer und Frauen biologisch gleich sind?

  3. Ich diskutiere auch gerne über sich daraus ergebene mögliche Politik.
    Politik sollte einen nie aufhalten über etwas zu diskutieren. Im Gegenteil.
    Aber ich denke du meinst etwas anderes. Bei solch kurzen Einwürfen ist es aber immer schwer zu bestimmen. Vielleicht kannst du etwas näher ausführen. Ich sehe drei mögliche Fragen
    Ändert sich etwas an unserer Biologie, wenn diese Gegenstand der Politik sind?
    Oder meinst du, dass die Unterschiede auch auf Politik beruhen?
    Sollte man über bestimmte Sachen nicht reden dürfen, weil sie politisch nicht korrekt sind?

    Ich erlaube mir bei dieser Gelegenheit auch einen Hinweis auf eine Debatte im Blog, ob Unterschiede durch die Gesellschaft oder die Biologie bestimmt sind.

  4. Was classless meinen könnte, ohne ihm da zu viel anzudichten, ist die gesellschaftliche Vermitteltheit ernst zu nehmen. Die politische Ökonomie der kapitalistischen Produktionsweise schreit geradezu danach, alle die von dir als genuin biologisch begriffenen Phänomene für ihre eigene Reproduktion zu (re)produzieren und naturalisieren. Dass sich das, was du alles unter Evolution verstanden wissen willst, sich so perfekt und kompromisslos in den kapitalistischen Alltag einpasst, sollte dich zumindest stutzig machen und das zur Folge haben, was du propagierst, wenn dir von Feministen ob deiner grobschlächtigen Argumentation den virtuellen Arschtritt geben: „Mal die Argumente der anderen Seite nachvollziehen“ (so paraphrasiere ich dich mal grob).

    Deine Argumentation besticht dadurch, sich völlig inkommensurabel gegen jegliche außerbiologische Erklärung zu zeigen. Dass das, wie dir schon so viele hier und andernorts vorgeworfen haben, Ideologie ist, dem kann ich nur zustimmen. Ideologie ist es, soweit es ein Musterbeispiel für Positivismus und Szientismus darstellt, da es sich jeglicher Wissenschaftstheorie oder Epistemiologie entledigt hat.

    Hot Stuff: „Metaphysik als Forderung rationaler Weltauffassung“ (Haag). In dem kleinen Büchlein kann man eine Menge über die Grenzen des Positivismus erfahren – sofern man noch erfahrungsfähig ist. Auszug:
    http://www.velbrueck-wissenschaft.de/pdfs/metaphysik.pdf

  5. @Heimsoeth
    Meine Thesen sind nicht auf den Kapitalismus bezogen. Natürlich passt aber unsere Natur dazu.

    Sie passt aber auch zum Nazireich, weil wir auf eine Hierarchie ausgerichtet sind und darin Sicherheit finden können (jedenfalls der herrschende Teil) oder zum Kommunismus, wenn wir korrupt werden um uns innerhalb eines auf Gleichheit ausgelegten Systems unsere eigenen Vorteile zu nutzen oder zu anderen Herrschaftsformen, die tatsächlich praktiziert wurden (nicht unbedingt zur Theorie, wie der Kommunismus zeigt, aber zu der späteren Praxis).

    Ich halte es für Scheinargumente, wenn man meint, dass man einfach behaupten kann, das etwas auch rein politisch sein kann, wenn es genug belege gibt, dass es eine andere Grundlage hat. Natürlich reicht es nicht einfach auf eine mögliche Politik abzustellen, sondern man muss das Sachargument betrachten und werten. Sicher kann man hier zu abweichenden Ergebnissen kommen, aber einfach die Behauptung aufzustellen, dass es politisch ist reicht nicht aus. Den wenn es biologisch ist besteht der Zustand ja trotzdem, man muss also schauen, ob man einen der Umstände hinwegdenken kann und dann der gleiche Zustand eintritt. Solche Tests gibt es in der Biologie recht häufig. Menschen verhalten sich zB unabhängig von ihrem Phänotyp auf eine bestimmte Art und es besteht ein Zusammenhang mit pränatalen Hormonzuständen oder gegenwärtigen Hormonständen.
    Aber das Thema an sich verdient eine längere Betrachtung. Ich merke es für einen Artikel vor. Danke aber für die Erläuterung.

  6. Es überzeugt auch wenig, Argumente abzulehnen, weil, wenn sie wahr sind, der Kapitalismus legitimiert würde. Vielleicht ist die Wirklichkeit ja so grausam und ungerecht?

  7. @El_Mocho
    Ich denke schon, dass man auch andere Gesellschaftsformen haben kann und gerade die Feinheiten sind natürlich Kultur, auch Kapitalismus gibt es ja in einer sozialeren und einer liberaleren Form. Natürlich tritt auch eine Veränderung aufgrund des technischen Fortschritts ein. Ich denke zB dass das Lehnssystem gerade deshalb vorteilhaft war, weil man nicht über heutige moderne Kommunikationsmittel verfügte und daher ein festes System mit persönlicher gestaffelter Verbundenheit Vorteile bietet. In einer Gesellschaft der Zukunft mit Replikatoren und unbegrenzter Energie wird uns der Kapitalismus vielleicht rückständig vorkommen und ein Kommunismus vielleicht bessere Chancen haben. Aber zum momentanen Entwicklungsstand scheint mir der Kapitalismus gut zu unserer Biologie zu passen.
    Es kommt eben immer darauf an, welche Bedürfnisse wie gestillt werden können.

  8. Du denkst Biologie scheinbar stets als den Unterbau, von dem alles herzuleiten ist (und nicht, was eher zu diskutieren wäre, als ein „Natursubstrat“, welches gerade im gesellschaftlichen Zusammenhang zugerichtet wird, wobei der Mensch dem was in ihm „biologisch“ ist mitunter auch gewalt anttut). Dein Verständnis von Evolution erinnert mich an Star Trek, ebenso wie dort denkst du dir das, was du rückblickend als Fortschritt ausmachst, als „evolutiv“, und projizierst das so gewonnene Verständnis von Evolution in heutige und zukünftige (Technische) Fortschritte.

    Die Rolle der Natürlichen Selektion verliert in dem Maße an Einfluss, in dem der Mensch gesellschaftlich der Natur nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert ist. Dass etwa das Lehnssystem vorteilhaft war, WEIL moderne Kommunikation fehlte, ist so ein klassisches Beispiel rückwirkender Rationalisierung: Das Moderne Kommunikationsmittel erst mit der Überwindung des Lehnswesens durch Kapitalistische Arbeitsteilung möglich wurde, kommt in dem Geadanken ebensowenig vor, wie die Frage, was Vorteilhaft meint. Vorteilhaft für wen? Vorteilhaft im Vergleich zu was?
    Ähnliches gilt für die Hoffnung, das neue Technik den Kommunismus naheliegender macht. Als bedinge die Entwicklung der Produktionsmittel, dass man sich über deren Nutzung besser verständigt, als man es über die Nutzung der heutigen tut. Auch hier macht sich die Star-Trek Evolution bemerkbar: „We have evolved from our violent Times“ heißt es da immer. Als sei es dazu nicht nötig, die Gründe und Bedingungen zu reflektieren, unter denen Gewalt immer wieder reroduzier wird, und als sei das nicht seit mindestens 150 Jahren in Europa, und seit einiger Zeit auch weltweit möglich wäre.
    Vergesellschaftung und Technik entheben den Menschen des unmittelbaren Zwangs natürlicher Selektion. All die Grausamkeiten, die Mensch Mensch antut als evolutiv bedingt zu denken, oder zumindest darin die tieferen Gründe zu suchen, ist rein ideologisch.
    Was heißt z.B.: „Aber zum momentanen Entwicklungsstand scheint mir der Kapitalismus gut zu unserer Biologie zu passen.“ Zu wessen Biologie? Zu der derer, die ausreichend Nahrung haben oder zu der derer, die Verhungern, obwohl genug da ist? Zu der der Körperlich Arbeitenden, zu der der „Leitenden Angestellten“ … etc?

  9. @Cyrano
    Ich hatte bei meinem Zukunftsbeispiel Star Trek vor Augen wie man schon an Replikatoren merkte. Allerdings sind meine Kenntnisse der Serie eher oberflächlich.

    Ich wollte darauf heraus, dass nicht nur die Natur die Gesellschaftsform prägt, sondern diese auch an anderen Faktoren hängt. Mit wandelnden Fortschritt treten andere Bedürfnisse in den Vordergrund.
    Es geht darum, welche Umstände vorliegen müssen, damit bestimmte Gesellschaftsmodelle stabil bleiben, ein Nash-Gleichgewicht erreicht werden kann. Wenn wir einem Höhlenmenschen erzählen, dass er Steuern an einen anderen, sehr weit entfernten Neanderthalrat zahlen soll, dann würde er wahrscheinlich fragen, wer ihn daran hindern soll, das nicht zu tun. Für ihn als Nomaden macht das Modell keinen Sinn. Allenfalls in der Kleingruppe lohnt sich dies. Erst mit Besitz und Sesshaftigkeit werden bestimmte Verhaltensweisen attraktiv. Eine Rentenversicherung einzuführen erfordert Geld und eine Verwaltung die Sammler und Jäger nicht aufbauen können.
    Solange es keine Möglichkeiten einer effektiven Rechtsverfolgung gibt und man sich einer Bestrafung entziehen kann, wenn man in ein anderes Land zieht sind abschreckende öffentliche Strafen für erwischte vielleicht effektiv und es ist unter den damaligen Umständen sinnvoll einem Dieb den Arm abzuhacken oder ihm ein Diebesbrandzeichen zu setzen, während wir heute mit Fingerabdrücken und Fotos sowie einer anderweitigen Strafe agieren können, weil wir die technische Möglichkeiten haben. Einen Dieb im Mittelalter eine Bewährungsstrafe zu erteilen oder ihn in ein Gefängnis heutigen Standards zu stecken hätte nicht den gleichen Effekt gehabt.

    Ich bezweifele, dass sich heute noch einmal ein Lehnssystem errichten lässt, weil eine Menge der damaligen Vorteile heute nicht mehr fortwirken.

    Ich glaube im übrigen nicht an den Kommunismus, weil wir immer knappe Güter haben werden. Wie eine Welt mit funktionierenden Replikatoren, Holodecks und unendlicher Energie aussehen würde kann man nur vermuten. Aber von einem Großteil unserer Sorgen enthoben würden wahrscheinlich viele Holodecksüchtig werden, und die Spiele dort würden denke ich einen wesentlich sexuelleren Unterton haben und dekadenter werden. Vielleicht nutzt diese Sucht jemand aus um alle Macht an sich zu reißen. Oder wir sterben aus, weil wir nicht mehr zu einer Kommunikation mit normalen Menschen in der Lage sind. Vielleicht muss der Zugang zum Holodeck streng limitiert werden, damit wir unseren Süchten nicht zu sehr nachgeben etc. Der biologische Unterbau des Menschen wird sich jedenfalls auch hier bemerkbar machen.

    „Die Rolle der Natürlichen Selektion verliert in dem Maße an Einfluss, in dem der Mensch gesellschaftlich der Natur nicht mehr ohnmächtig ausgeliefert ist.“

    Die wesentliche Evolution des Menschen war vor ca. 100.000 Jahren abgeschlossen. Danach folgt nichts dramatisches mehr. Denn später auftretende Veränderungen kann man aufgrund der Wanderbewegung der Menschen gut nachvollziehen. Hätten wir uns noch wesentlich entwickelt wäre der Mensch nicht mehr so gleich,sondern hätte sich in weitere Untergruppen aufspalten müssen.

    Meine Überlegungen haben also nichts mit natürlicher Selektion zu tun. Die Biologie hat sich nicht angepasst, sondern es wurden andere Aspekte betont. Wir stecken insoweit noch in einem ziemlich alten Gehirn.
    Damit der Mensch sich ändert muss das Verhalten, dass als Frühmensch oder gar als Tier für ihn günstig wahr nunmehr einen Nachteil darstellen. Ein Beispiel einer solchen Entwicklung sind Vögel, die auf eine neue Insel gelangen, auf der es keine Raubtiere gibt. Sie verlieren wie der Dodo ihre Flügel, weil die Unterhaltung der Flugmuskeln viel Energie kostet.
    Das Einspeichern von bestimmten Verhaltensweisen oder Ängsten kostet aber keine Energie per se. Das Programm kann insoweit nur geändert werden, wenn das Verhalten oder die Angst etc. nachteilig ist. Für uns ist zB eine Angst vor Spinnen inzwischen sinnlos. Es gibt im Gegensatz zum Lebensraum des Urmenschen keine giftigen Spinnen in Europa, die in Städten in größerer Anzahl auftauchen. Dennoch ist ein Rest dieser Spinnenangst geblieben, weil sie auch keinen großen Nachteil bietet (und die Zeit wohl auch zu kurz war). Wir sitzen im Restaurant immer noch gerne mit dem Rücken zur wand und nicht mitten im Raum, weil die Angst uns früher den Rücken freigehalten hat und uns weder Mensch noch Tier von dieser Seite angreifen konnte.
    Männer werden immer noch mit anabolen Substanzen vollgepumpt (Testosteron), obwohl Körperkraft für uns keine Vorteile mehr bringt (abgesehen von sexueller Selektion).
    Es ist für Männer nie nachteilhaft gewesen, auf die körperliche Schönheit einer Frau abzustellen, denn dies bringt nach wie vor gesündere Kinder. Es ist für die Frau nicht nachteilhaft gewesen auf Männer mit Status zu stehen, weil dies eine bessere Versorgung bedeutete.
    Es erschließt sich mir also nicht, wie es zu der Lockerung der Biologie und diesem Abstreifen der Natur gekommen sein soll.

  10. @Heimsoeth: Was ist wahrscheinlicher, dass das jüngere Gesellschaftssystem sich den biologischen Gegebenheiten angepasst hat und beides deshalb so gut zueinander passt oder dass das Gesellschaftssystem unsere Vorstellungen über die biologischen Gegebenheiten determiniert, obwohl die Mechanismen über die dies geschehen soll aus wissenschaftstheoretischer Sicht hanebüchen sind? Außerdem passt ein Stammessystem, in dem die Frauen das Eigentum der Familie sind, viel besser zu unseren Vorstellung der biologischen Gegebenheiten, als das kapitalistische System, das vom Einzelnen die Disziplin verlangt, sich nicht den Urinstinkten hinzugeben und von Gleichheitsvorstellungen geprägt sind, die es verbieten Frauen als Eigentum zu behandeln. Wenn unsere Vorstellungen über unsere biologische Natur den Kapitalismus legitimieren sollen wäre da noch viel Raum für Verbesserungen.

    @Cyrano: Niemand behauptet hier, dass „all die Grausamkeiten, die Mensch Mensch antut als evolutiv bedingt zu denken, oder zumindest darin die tieferen Gründe zu suchen“ sind. Wer Strohmänner abfackelt, den kann ich nicht ernst nehmen. Dein Posting liest sich wie der Versuch möglichst viele marxistische Ressentiments auf kleinen Raum unterzubringen, gehen aber an der Debatte vorbei.

    „Zu wessen Biologie? Zu der derer, die ausreichend Nahrung haben oder zu der derer, die Verhungern, obwohl genug da ist?“

    Wenn sicher der Kapitalismus in der nächsten Zeit so gut entwickelt wie in den letzten beiden Jahrzehnten, wird es bald keine Verhungernden mehr geben.

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