Slut shaming – Männer, die viel Sex haben sind Helden, Frauen die viel Sex haben sind Schlampen?

Slut shaming – also der Vorwurf an Frauen, dass sie viel Sex mit verschiedenen Partnern haben, während Männer dafür gefeiert werden, wird gerne als gesellschaftliches Phänomen gesehen, dass es abzuschaffen gilt. Der soziale Druck hindert Frauen sich sexuell frei zu entfalten.

1. Gesellschaftlicher Druck

Ein gesellschaftlicher Druck auf Frauen nicht einfach so Sex zu haben ist meiner Meinung nach durchaus vorhanden. In unserer Gesellschaft in wesentlich geringerer Stärke als in anderen konservativeren Gesellschaften oder anderen Zeiten, aber vorhanden ist er sicherlich. Heute erwartet man von einer Frau eine gewisse Anzahl Sexualpartner gehabt zu haben und reagiert eher misstrauisch, wenn sie mit 25 noch Jungfrau ist.

Ich denke, dass dieser Druck aber nicht ganz abzubauen sein wird. Wir haben eingebaute Attraktivitätsmerkmale und biologisch machte es Sinn für eine Frau Sex mit einem Mann zu haben, mit dem viele andere Frauen Sex haben, da die Frau die Versorgung des Kindes immer noch auf einen anderen Mann übertragen kann. Für einen Mann machte es wenig Sinn eine Frau zu versorgen, die Sex mit vielen anderen Männern hat, weil dies die Chance verringert, dass sie mit seinem Kind schwanger wird und die Chance erhöht, dass er ein fremdes Kind versorgt und so Ressourcen verschwendet (natürlich macht es Sinn mit einer Frau, mit der alle Sex haben auch Sex zu haben, wenn damit keine Beziehung (=Versorgung) verbunden ist, weil für wenig Aufwand die Möglichkeit besteht seine Gene weiterzugeben, vielleicht ein Grund, warum in der Pornographie Szenen mit mehreren Männern und einer Frau nicht unverbreitet sind). Zudem ist es auch eine Form von weiblicher „Neediness“, wenn sie Sex „verschenkt“, weil damit in der Steinzeit immer das Risiko einer Schwangerschaft verbunden war und Frauen mit hohem Status diese Gefahr nicht eingehen mussten, sondern einen Mann erlangen konnten, der einen hohen Status (=gute Gene, gute Aufwuchschancen für den Nachwuchs) hatte. Gleichzeitig kann es auch für Frauen biologisch Sinn gehabt haben, ihre Geschlechtsgenossinnen zu überwachen, weil  freier Zugang zu Sex die Gefahr beinhaltet, dass die Versorgung wegbricht. Es machte also durchaus für beide Geschlechter biologisch Sinn Frauen in ihrer sozialen Status abzuwerten, wenn sie Sex mit einer Vielzahl von Männern haben.

2. Frauen zum Sex zu bekommen ist eine Leistung, Männer ins Bett zu bekommen nicht

Wie Testosteron und Libido zusammenhängen hatte ich bereits dargelegt. Auf weitere Unterschiede im Gehirn, etwa im Hypothalamus könnte man auch noch eingehen.

Aus all diesen Gründen heraus sind Männer wesentlich eher bereit einfach so Sex ohne weitere Bindung zu haben, Frauen hingegen haben wesentlich mehr Vorbehalte. Deswegen gibt es eine Sex-Industrie für Männer, aber nicht für Frauen, obwohl auch Männer erhebliche Nachteile hinnehmen müssten, wenn sie, etwa in einer Beziehung oder einer Ehe, bei einer Prostituierten erwischt werden.

Erstaunlicherweise vertreten Frauen häufig die Einschätzung, dass es für Männer ebenfalls einfach ist mit einer Frau zu schlafen. Es kommt gerne etwas wie „Eine in der Disko will doch immer“. Das stimmt wahrscheinlich sogar. Aber erstens muss man diese erkennen und dann kommen auf diese eine Frau zumindest 50 Männer, die sie finden und mit ihr schlafen wollen. Ein „Same Night lay“ ist aus diesen Gründen für Männer wesentlich schwieriger als für Frauen, es erfordert wesentlich mehr und wird demnach auch als etwas besonderes angesehen.

Der klassische Vergleich darf nicht fehlen: Ein Schloss, dass mit jedem Schlüssel geöffnet werden kann ist nichts besonderes. Ein Schlüssel mit dem man jedes Schloss öffnen kann schon

Auch für Männer ist Sex nicht per se eine Leistung. Der Typ, der jeden Samstag in der Disko 100 Frauen anspricht bis eine sehr betrunkende und nichts sehr Attraktive mit ihm rummacht wird nicht als Held wahrgenommen, sondern ihm wird ebenso ein geringer Status zugewiesen.

Bei der Bewertung, ob etwas „Slut Shaming“ ist, sollte berücksichtigt werden, dass einige Frauen das Äquivalent des oben beschriebenen Ansprechens von 100 Frauen betreiben, indem sie sexuellen Reize darstellen („schlampige Kleidung“) und dann den mitnehmen, der am Schluss des Abends gerade mit ihnen flirtet (also ähnlich wahllos sind, wie der „100fache Ansprecher“). Diese Wahllosigkeit wird also bei beiden Geschlechtern als Verhalten mit geringen Status empfunden.

Eine Frau, die mit sehr attraktiven Männern mit Status schläft, ohne das der Eindruck entsteht, dass diese in ihr nur ein Objekt der sexuellen Befriedigung ohne darüber hinausgehendes Interesse an ihr sehen, wird auch nicht als „billig“ wahrgenommen.

3. Auswirkungen

Wie die Vergangenheit zeigt ist die Einstellung gegenüber Sex wesentlich lockerer geworden, seit es moderne Verhütungsmittel gibt. Das ändert aber nichts daran, dass unsere Programmierung diese noch nicht mitbekommen hat und seine Wertungen über den Status einer Person auf der Basis eines Lebens ohne Verhütungsmittel abgibt. Ich denke, dass man die Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Wahrnehmung nicht vollständig abbauen kann. Allerdings ist denke ich in dem System genug Flexibilität vorhanden, um ein erfreuliches Sexualleben für beide Geschlechter zu ermöglichen.

Einvernehmlicher Sex ist es, wenn keiner es bedauert

Sex im Sinne von Geschlechtsverkehr und Feminismus ist ein breites Thema. Mich erschreckt insbesondere der Umgang mit Sex und dessen Regulierung hin zu einer Abgabe aller Verantwortung an den Mann.

Das „Yes means Yes“ Konzept verdient noch eine eigene Betrachtung , sagt aber im wesentlichen, dass der Partner, der etwas nicht mag, dass nicht mehr ablehnen muss, sondern der Partner, der etwas macht, hierfür die Zustimmung des anderen einholen soll. Dadurch soll eine Welt ohne sexuelle Belästigung und Vergewaltigung entstehen. (eine kleine Diskussion über „Yes means Yes“ hatte ich bereits in einem anderen Blog in diesem und diesem Beitrag).

Nach meiner Auffassung ist den meisten Männern ein forscher Mann mit ein wenig Feingefühl wesentlich lieber als ein Mann, der für alles die Einwilligung – sei es verbal oder nonverbal einholt. Insofern geht das Konzept meiner Meinung nach an den Wünschen der Frau vorbei – wir erinnern uns: Leader of men ist anziehend und ein Anführer fragt nicht, er handelt.

Im ganzen führt das Konzept zu wesentlich weniger Sex und einem höheren Risiko des Mannes.

In einem Artikel auf feministe.us wird nun noch etwas weiter an der Schraube gedreht. Es reicht nicht mehr aus, wenn die Frau „Ja“ sagt, der Mann muss nunmehr auch noch sicher sein, dass sie es auch wirklich genießen wird und nicht am nächsten Morgen ein schlechtes Gewissen hat.

Die Autorin verweist auf einen Vorfall, bei dem sie auf die Bitte hin ihm einen zu blasen zweimal nein gesagt hat und dann schließlich recht zögernd eingewilligt hat.

Sex borne of manipulation is not consensual. It’s not necessarily physical force, not drugs to ply the victim, but it’s an exercise of power in a very traditional sense: using emotional power derived from the manipulation of privilege – working that privilege to extract a yes out of no.

Erst gibt sie an, dass sie es damals nicht als Vergewaltigung gesehen hat und es heute auch noch so sieht. In ihrer Argumentation verwischt dies aber immer mehr.

I’m not trying to say that every single instance of a yes extracted from a no is necessarily rape. If someone didn’t initially want to do it, but was sufficiently convinced by their partner and ended up really enjoying it, awesome, and more power to that couple. [And in this situation, if the initiating partner wants to make sure that their more reluctant partner is cool with proceeding, they only need ask, “are you sure? We really don’t have to.” Though, I suppose, this assurance could also be a part of manipulation. The definition is not up to the initiating partner.]

Also: Wenn sie sich am nächsten Morgen gut fühlt und der Sex gut war ist es okay, wenn er aber schlecht war, dann könnte es schon Sex ohne Einwilligung gewesen sein.

Die Nachfrage „are you sure? We really don´t have to“ kommt meiner Meinung nach im Bett nicht so gut. Es drückt eher Schwäche aus und führt dazu, dass die Frau sich aktiv für Sex entscheiden muss, was eher zu Last Minute Resistance führt. Vertrauen kann man meiner Meinung nach eher aufbauen, indem man der Frau deutlich macht, dass man jederzeit aufhört, wenn sie „Nein“ sagt.

Was aber, wenn der Sex nicht gut war oder eine der Personen den Sex bedauert:

But if the person felt bad, felt used, felt regret, during and after the experience? That indicates a lack of consent to me. Folks are allowed to define their own experiences and their own oppression, but when those instances are described to me, they sure sound a lot like rape. When I think back on my experiences years ago now, it feels like I’ve been assaulted.

Nunmehr sind wir also trotz Zustimmung bei einem Angriff auf sie. Weil es ihr am nächsten Tag Leid tat. Es „klingt sehr wie Vergewaltigung“ für sie. Später dann sagt sie, dass sie nicht dafür ist, dieses System Gesetz werden zu lassen, aber nur, weil sie dem Gerichtssystem eh nicht traut. Eigentlich ist sie also dafür. Das damit der Mann mit einem Bein im Gefängnis steht, wann immer er Sex hat (schließlich verweist sie selbst darauf, dass auch die Nachfrage, ob sie wirklich will, schon Manipulation sein kann) wird nicht weiter behandelt.

Der Schlußsatz lautet:

The emphasis should not be on the technical yes, the coerced “consent”, but on the feelings and experiences of victims, of survivors, of people who have been used and abused through manipulation, which leaves no mark.

Die Bezeichnung von Leuten, die am nächsten Tag den Sex Bedauern als „Survivors“ überrascht nicht, dass ist man im US-Feminismus schon ab einer sexuellen Belästigung. Die Gleichstellung mit Vergewaltigungsopfern allerdings finde ich höchst bedenklich. Das man auf diesem Weg schnell bei einer „Rape Culture“ ist verwundert nicht.

Nachtrag: Ein paar Links zum Thema:

Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau und Ausgleich durch Erziehung

„Pink Brain and blue Brain“ von Lise Eliot ist ein Buch in dem es zum einen um die Unterschiede  zwischen den Geschlechtern geht, die hier bejaht werden, und zum anderen darum, wie man diese biologischen Unterschiede wieder durch Erziehung ausgleichen kann

Ich sage daher eine Hassliebe des Feminismus mit diesem Buch voraus:

  • Der Teil, indem es um die Unterschiede geht wird eher murrend zur Kenntnis genommen werden. ein Vorteil ist, dass sie viele Unterschiede als nicht so stark ansieht
  • Der Teil, dass man alles wieder durch Erziehung ausgleichen kann allerdings gefeiert werden und häufig als „…selbst wenn es Unterschiede gibt kann man sie ausgleichen“ an viele Diskussionen angehängt werden.

Eliot meint, dass man den biologischen Unterschieden entgegenwirken kann, wenn man die Kinder früh lenkt:

Being aware of these different cognitive domains can help us as parents and teachers provide each child with more of a rounded experience early in life. It’s important to not give preschool children too much choice about what activity they do, because then you have kids separating by gender and only reinforcing their strengths.

Natürlich ist es gut ein Kind in jedem Bereich zu fördern und dabei auch die „Schwächen“ anzugehen. Allerdings sehe ich hier immer die Gefahr, dass es in einen Zwang ausartet, der dann den Kindern nicht gut tut.  Und wenn ein Kind ein Junge sein will, dann kann das ein guter Weg für das Kind sein, den man nicht „rauserziehen“ sollte.

Immerhin wird es aber den Vorteil haben, dass man die Kibbuzstudien vielleicht etwas ergänzen kann.

„Frauen und ihr Gehirn“

Ein kurzer Hinweis auf einen bericht im Scienceblog zu Männergehirnen und Frauengehirnen.

Da geht es insbesondere auch darum, wie bestimmte bei den geschlechtern verschieden ausgeprägte Fähigkeiten schwanken, wenn man den Testpersonen bestimmte Hormone gibt.

Wie zu erwarten bestätigen diese Hormonexperimente biologische Unterschiede. Wie man das mit einer Prägung durch die Gesellschaft wieder wegdisktuieren will – außer durch ignorieren – wäre interessant.

„Preapproved by other women“ bestätigt durch Forschung

Über einen Versuch von Forschen bezüglich des Attraktivitätsmerkmals „Preapproved by other women“ berichtet die Süddeutsche Zeitung:

„Bei Männern spielt die relative Attraktivität der Menschen eine Rolle – nicht jeder kann ihr Verhalten beeinflussen, nur andere Männer, von denen sie denken, dass sie mindestens genauso attraktiv sind wie sie selbst“, sagt Place.

Bei den Frauen wuchs das Interesse allerdings nur, wenn die Frau beim Speed-Dating interessiert an dem jeweiligen Gegenüber schien. War sie es nicht, ging auch das Interesse der Versuchsteilnehmerinnen zurück. Die Attraktivität der Frau im Video spielte dabei keine Rolle.

Das die Attraktivität der Frau für Frauen keine Rolle spielt ist nicht meine Erfahrung. Im Gegenteil: Wenn man mit hübschen Frauen unterwegs ist, dann steigt auch das Interesse anderer Frauen. Vielleicht lag es an dem Speeddatingszenario, dass die Forscher beobachtet haben.

Offenbar, so folgern die Psychologen, haben fremde Menschen tatsächlich Einfluss auf unsere Partnerwahl.

Frauen und Schuhe

Feministing stellt ein Bild des ältesten jemals gefundenen Schuhs und zum Vergleich einen modernen Frauenschuh ein und stellt dann fest, dass der Ältere wesentlich bequemer aussieht als der moderne Schuh in dem „wir zeitgenössischen Frauen gegenwärtig herum humpeln“

Ich vermute mal, dass die Schlußfolgerung ist, dass die Gesellschaft Frauen heutzutage in unbequeme Schuhe zwingt und die Frau zwingt ihre Gesundheit der Schönheitskultur zu opfern.

Allerdings denke ich, dass bei einem Verbot hochhackiger Schuhe mehr Frauen auf die Barrikaden gehen würden als Männer. Schon weil die Schuhe den Vorteil haben lange Beine zu machen und es sich hierbei um ein biologisch abgespeichertes Attraktivitätsmerkmal handeln dürfte. Frauen versuchen also nur sich selbst einen Vorteil zu verschaffen, indem sie einen höheren Wert auf dem Partnermarkt vortäuschen (Männer machen dasselbe mit Schulterpolstern für breite Schultern).

Würden alle Frauen morgen beschließen nie wieder hochhackige Schuhe zu tragen, ich denke wir Männer würden damit klar kommen und einfach auf natürlich lange Beine achten. Die Partnerwahl wäre damit „ehrlicher“. Aber es gäbe eben auch weniger Möglichkeiten zu schummeln und sich so einen Vorteil zu verschaffen.

Ich vermute, dass irgendwann eine Frau versuchen würde sich durch höhere Absätze einen optischen Vorteil zu verschaffen und wir schnell wieder beim gegenwärtigen Zustand wären.

Aber das klingt natürlich eher nach Eigenverantwortung als wenn man alles auf die patriarchische Gesellschaft schieben kann

Update:  Biologisches zum Thema „High Heels“

Emma, Vergewaltigung und Kachelmann

Im Emmaforum wird der Fall Kachelmann diskutiert. Die Gutachterin, die die Aussage der Anzeigenerstatterin für nicht glaubwürdig hält ist nach dort von Emma freigegebenen Kommentaren natürlich vom Patriarchat gekauft und es ist unverständlich, dass sie sich so gegen ihre eigenen Geschlechtsgenossen wendet. Das sie einfach objektiv ihre Arbeit gemacht hat und es einen Mißbrauch mit dem Mißbrauch geben kann ist für einige dort nicht vorstellbar. Als solche Erwägungen kamen tauchte gleich der Vorhalt auf, ob die andere den überhaupt Feministin sei. Eine Kommentatorin gab an, dass sie erst von der Unschuld Kachelmanns überzeugt sei, wenn man der Anzeigenerstatterin nachweist, dass sie gelogen hat.

Hier ein Zitat:

Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis die Verteidiger irgendeine Gutachterin ausgraben, die die Aussagen des Opfers in Zweifel zieht. Dieser Staat, diese Justizu steht IMMMER auf der Seite des Mannes, des Vergewaltigers, des Ehrenmörders etc.

Das die Gutachterin von der Staatsanwaltschaft beauftragt wurde dürfte egal sein, ist ja auch eine patriarchalische Organisation.

Ich könnte mir übrigens tatsächlich vorstellen, dass die Staatsanwaltschaft bewusst eine Gutachterin ausgewählt hat. Bei einem Gutachter und dem gleichen Ergebnis wäre das Geschrei ja sicher noch größer gewesen.

Die Debatte wurde auch in juristischen Blogs aufgegriffen:

  • Der „Enforcer“ stellt eines der Zitate aus dem Forum in das Zentrum seines Beitrages und startet damit die ganze Sache
  • Die Rechtsanwäldin geht davon aus, dass das Motto dort „Was interessieren mich Fakten, ich habe eine Meinung“ lautet
  • Rechtsanwalt Nebgen ist der Auffassung, dass Emma ihre eigene Netiquette mit der Freigabe der dortigen Kommentare mißachtet hat und sieht die Freigabe als ein sich zu Eigen machen der Kommentare durch Emma an

Meiner Meinung nach eignet sich die Frage, ob eine Feministin vorstellen kann, dass es einen Mißbrauch mit dem Mißbrauch gibt gut als Lackmustest für ihre Radikalität. Aber das ist eine andere Sache.

Heteronormativität

Ein häufiger in feministischen Diskussionen auftauchender Begriff ist Heteronormativität.

Unter Heteronormativität versteht man laut Wikipedia:

Heteronormativität beschreibt eine Weltanschauung, die Heterosexualität als soziale Norm postuliert. Damit einhergehend ist ein meist unhinterfragtes, ausschließlich binäres („zweiteiliges“) Geschlechtssystem, in welchem das biologische Geschlecht mit Geschlechtsidentität, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung für jeden gleichgesetzt wird. Der Begriff ist ein Terminus aus dem Bereich der Queer Studies und der Queer Theory und wurde zunächst nur als Kritik von Heterosexualität als Norm, und Homosexualität als Abweichung davon benutzt. Erst in dem Maße, wie die Queer Theorie sich auch der Gender-Problematik (siehe Transgender) annahm, wurde er auch auf diese bezogen.

(…)

Heteronormativität ist auch ein gesellschaftliches Ordnungssystem. Man geht ganz selbstverständlich davon aus, dass sich jeder Mensch heterosexuell entwickelt. Somit gilt eine „heterosexuelle Vorannahme“, es wird in der Regel vorausgesetzt. Die Entwicklung zur Heterosexualität wird nicht hinterfragt und nicht erforscht. Es ist der Standard, an dem alles andere gemessen wird.

Die Annahme, dass jemand heterosexuell ist, finde ich nachvollziehbar. Schließlich ist dies bei gut 90% der Bevölkerung der Fall. Bei den verbleibenden 10 % fällt bei einem gewissen Anteil, ich würde sagen auch noch mal 50% die Zuordnung nicht schwer oder man hat zumindest einen entsprechenden Verdacht (die sehr männlich wirkende Lesbe und der sehr weiblich wirkende Schwule). Demnach verblieben ca. 5% bei denen man falsch liegt. Unser Gehirn neigt aber zu Verallgemeinerungen und diese wird das Leben entsprechend vereinfachen. Ich glaube nicht, dass man bei diesen Prozentzahlen wirklich erwarten kann, dass die Leute die Sexualität des anderen jeweils hinterfragen.

Das Heterosexuelle insoweit die Norm setzen den zu erwartenden Fall darstellen, entspricht einfach der gelebten Realtität.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass man sie deswegen diskriminieren kann oder soll. Biologisch erscheint mir Homosexualität etwas sehr natürliches, auch wenn es ein abweichen vom üblichen Bauplan ist. Es handelt sich lediglich um einen Menschen mit verschobenen Attraktivitätsmerkmalen.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass dies im Feminismus oder in der Querszene anders wahrgenommen wird, weil dort der Anteil der Homosexuellen innerhalb der Subkultur wesentlich höher ist und daher auch die Hinterfragung natürlicher ist. Die Heteronormativität wird hier stärker empfunden, da die Wahrscheinlichkeiten, mit denen Homosexualität dort auftreten, dort eine andere Betrachtung zulassen und diese erleichtern, was zu einem anderen Denken führt, dass aber insbesondere in dieser Subkultur erleichtert wird.

Heteronormativität gefällt mir als Begriff deswegen nicht, weil er meiner Meinung nach zu weit ist. Heterosexuelle setzen aufgrund ihrer Anzahl sicherlich eine Norm und Homosexualität ist insofern (bei besagten 5%) eine Überraschung, aber das ist nicht das eigentliche Problem. Dies ist vielmehr, dass die Rollen der Geschlechter zu eng gesehen werden und einige Leute davon ausgehen, dass es keine Ausnahmen von dieser Norm geben darf. Heterosexualität als Grundfall zu sehen finde ich nicht problematisch, auch nicht, wenn man bestimmte Erwartungen mit dem Geschlecht verbindet, weil diese eben tatsächlich mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Problematisch ist es wenn man sie als zwingend ansieht.

vgl. auch:

Ehe – wem nützt sie? Was muss geändert werden?

Ein klassisches Thema:

Wem nützt die Ehe?

Hier ein paar Thesen aus verschiedenen Gedankenrichtungen um eine Diskussion in Gang zu bringen:

  • Der Mann macht seinen Besitzanspruch über die Frau deutlich.
  • Es geht um ausschließliche sexuelle Nutzungsrechte
  • Die Frau sichert sich durch Unterhalt und Zugewinn einen Versorger
  • Es ist ein veraltetes System, dass keinem nützt/ein Kontrollmechanismus der Gesellschaft über die Sexualität
  • Es ist ein Ausdruck ewiger Liebe und etwas wunderbares
  • es sollte so schwer wie möglich gemacht werden eine Ehe zu beenden, damit die Partner gezwungen sind sich zusammenzuraufen.

Zusatzfrage: Wenn die Ehe in dieser Form nicht mehr zeitgemäß wäre, wie müsste sie reformiert werden um für beide Geschlechter gerechter zu werden?

Zu Bedenken:

  • wenn einer der Ehepartner mit Zustimmung beider wegen der Kinderbetreuung aussetzt, soll er hierfür einen Ausgleich erhalten?
  • Ist der  Halbteilungsgrundsatz noch gerecht oder sollte ein reiner Nachteilsausgleich eingeführt werden? Momentan sollen beide Ehegatten im Prinzip die Hälfte bei Unterhalt (Kindesunterhalt nicht berücksichtigt) und Zugewinn bekommen. Wäre es gerechter, wenn jeder nur Nachteile ausgeglichen bekommt also zB geschaut werden würde, was derjenige, der Kinder betreut hat, voraussichtlich verdient hätte/an Vermögen hätte aufbauen können.
  • Sorgerecht und Umgangsrecht: Ist dies gerecht verteilt?
  • Sollte das Schuldprinzip wieder eingeführt werden oder zumindest stärker berücksichtigt werden?
  • Was sind andere Nachteile des Eherecht in der geltenden Form?

Warum Frauen bei Männern bleiben, die sie schlagen

Hier mal meine Theorie zu dem Phänomen, dass Frauen bei Männern bleiben, die sie schlagen bzw. wenn sie mit einem solchen Schluss machen gleich wieder einen ähnlichen finden, der auch gewalttätig ist. Rihanna ist zB nach Chris Brown mit Matt Kemp zusammen gekommen, der auch gegenüber vorherigen Freundinnen Gewalt verwendet haben soll (ob es zutrifft kann ich natürlich nicht sagen).

Meiner Meinung nach ist es eine Überbewertung und Fehlinterpretation von Attraktivitätsmerkmalen.

1. Preapproved by women

Preapproved by women, also beliebt und begehrt bei anderen Frauen ist in der Pickup-Szene als Attraktivitätsmerkmal anerkannt und funktioniert auch nach meiner Erfahrung hervorragend. Ein Aspekt, der dort mit reinspielt ist, dass ein Mann, der bei Frauen sehr begehrt ist es nicht nötig hat sich gut um einzelne Frauen zu kümmern. Er ist nicht „needy“. Also kann man den Fehlschluss machen, dass ein Mann, der eine Frau schlecht behandelt, es wohl nicht nötig hat, sie gut zu behandeln, er muss also begehrt bei Frauen sein. Ein weiterer Zirkelschluss in diesem Zusammenhang wäre, dass sie meint, sich um ihn bemühen zu müssen, weil an den Schlägen deutlich wird, dass er die Beziehung nicht so schätzt wie sie. Die Schläge können also dazu führen, dass sie meint, sich mehr anstrengen zu müssen, weil sie nicht gut genug für ihn ist (weil er bessere Frauen haben kann), was wiederum bedeutet, dass sie zu viel in die Beziehung investiert hat um sie aufzugeben („irgendwann, wenn ich nur genug mache, wird er erkennen, dass ich es bin den er will und nicht andere Frauen und dann wird er mich akzeptieren und sich ändern“)

2. Leader of men

Ein weiteres Attraktivitätsmerkmal ist Anführer von Leuten zu sein. Dazu kann auch ein sehr dominantes Auftreten passen. Und der gedankliche Schritt von Dominanz zu Gewalt ist nicht sehr weit. Demnach kann der Fehlschluss entstehen, dass jemand, der Gewalt gegen sie einsetzt, auch ansonsten dominant ist, sich nichts sagen lässt und somit ein Anführer ist.

3. Protector of loved ones

Der Beschützer von Personen, die ihm etwas bedeuten, wird ebenfalls als attraktiv wahrgenommen. Gewaltbereitschaft wiederum kann in die Fähigkeit umgedeutet werden, dass man auch gegen andere Angreifer brutal werden kann, also die Frau die geschlagen wird, besser beschützen kann. Wer sich noch nicht einmal traut eine Frau zu schlagen wird sich auch nicht trauen einen Mann zu schlagen könnte die falsche Logik dahinter sein.

Hat man diese Denkweisen erst einmal verinnerlicht erscheinen normale Männer unattraktiv. Es fehlt ihnen die Dominanz, ihre Nettigkeit wird als einschmeicheln empfunden und sie geben die erforderliche Sicherheit nicht. Hinzu kommt, dass Shittest (Zum Begriff hier und hier und hier), also Tests der Männlichkeit, nicht erfüllt werden können, weil in dieser Logik mit dem verzichten auf Gewalt ein Hinnehmen verbunden sein kann (diese Schilderung hier könnte da ganz gut passen).

Natürlich wird sie nicht gerne geschlagen, aber es könnte eine Art Teufelskreis sein, bei der sie andere Männer nicht mehr attraktiv findet, auch wenn sie unglücklich ist. Andere Faktoren sind vielleicht auch noch die Unberechenbarkeit, der Widerspruch zwischen Liebe und Gewalt (Push/Pull), die stärkeren Gefühle, die diese Gegensätze auslösen.

Um noch mal kurz auf den Fall Rihanna zurückzukommen: Auch nachdem die Schläge öffentlich waren wollte sie zunächst mit Chris Brown zusammenbleiben. Rihanna ist nicht die Frau, die sich Sorgen um Geld machen musste oder befürchten musste, dass sie keinen anderen bekommt. Es muss sie also etwas anderes bei Chris Brown gehalten haben. Erst als es die Öffentlichkeit nicht mehr zuließ und zudem sein Status aufgrund der Schläge immer tiefer sank, hat sie dann die Beziehung beendet.

(Disclaimer: Nein, ich finde es nicht gut, Frauen zu schlagen, ich mache es auch selbst nicht und würde es – abgesehen von spielerischen Schlägen im zumindest vermuteten Einverständnis – auch nicht empfehlen. Mich interessiert einfach die Psychologie dahinter).