Feministische Argumente: „Frauen sind anders stark

Gerade bei der Mädchenmannschaft ein Argument in den Kommentaren gelesen, dass mir schon häufiger untergekommen ist und auf das ich deswegen kurz eingehen möchte:

Die Idee, die dem gleich zitierten Teil vorweg geht ist, dass es logischer wäre, wenn Männer und Frauen keine Arbeitsteilung in der Steinzeit vorgenommen hätten, sondern die Männer und Frauen beide im Sommer Nahrung gesammelt hätten und im Winter beide gejagt hätten.

erst letztens hatte ich ein Gespräch mit einer Kommilitonin, die dieses Bild so verinnerlicht hatte, dass sie die Jäger-Sammler-Gesellschaft auf unsere heutige projezierte. Als ich dann meinte, es könne ja auch anders gewesen sein und ihr meine Idee erläuterte, meinte sie dann nur, dass Frauen ja viel schwächer vom Körper her seien (was so nicht stimmt, ihre Kraft zeigt sich nur anders, wie sollen sie sonst in einer prähistorischen Welt eine Schwangerschaft und Geburt überstehen).

Mir erscheint das als reines Spiel mit Worten, hier mit dem Wort Stärke. Natürlich kann man für  man die Stärke, die zur Jagd erforderlich ist und die Stärke, die zum Überstehen einer Schwangerschaft und Geburt erforderlich ist das gleiche Wort verwenden, aber das bedeutet nicht, dass beide Arten der Stärke gleiche Fähigkeiten vermitteln. Wer einen Speer in ein Tier stoßen oder schleudern will braucht dazu gute Armmuskeln und Brustmuskeln, wer einen Menschen aus seiner Gebärmutter pressen will meiner Kenntnis nach nicht. Wer also darüber diskutieren will, dass Frauen nicht „schwach“ sind, sondern „anders stark“, der streitet nur über den Begriff der Stärke und diskutiert damit an dem eigentlichen Thema „ist der Körper des Mannes besser  an die Anforderungen der steinzeitlichen Jagd angepasst als der Körper der Frau?“ vorbei.

Es scheint für manche sehr schwer zu sein die muskelaufbauende Wirkung von Testosteron zu akzeptieren, die allerdings in der Sportmedizin und der Biologie einhellige Meinung ist. Zumal diverse andere Adaptionen an die Jagd existieren: Dichtere Körperbehaarung schützen vor Kälteverlust und gegen die Witterung, dickere Haut ist unempfindlicher, die Schmerzempfindlichkeit ist gesenkt, die Risikobereitschaft wird durch Testosteron erhöht etc.

Bisher habe ich noch kein stimmiges Konzept gesehen, dass die körperlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau erklären kann ohne dabei auf eine Arbeitsteilung abzustellen. Ich sehe auch nicht, wie diese körperlichen Unterschiede ohne einen unterschiedlichen evolutionären Druck entstanden sein sollen.

Sicher werden beide Geschlechter auch gesammelt haben. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Frauen bei der Jagd geholfen haben, zB als Treiber. Aber das ist dennoch eine Arbeitsteilung, eben innerhalb der Jagd. Zu bedenken ist auch, dass Frauen früher mangels Verhütungsmittel wesentlich häufiger schwanger waren und schon deswegen nur sehr eingeschränkt an einer Jagd teilnehmen konnten und menschliche Kinder in der ersten Zeit erhebliche Pflege bedürfen.  Die Muskeln dennoch in dieser Phase aufrecht zu erhalten, die für eine aktive Jagd erforderlich waren, wäre ein hoher Energieaufwand gewesen, der sich nicht lohnt.

40 Gedanken zu “Feministische Argumente: „Frauen sind anders stark

  1. „Ich kann mir auch vorstellen“ ist nun mal kein gutes argument. man müsste dazu unvoreingenommene studien über jäger – und sammlergesellschaften haben. da kann man auch ziemliche überraschugnen über die heterogenität der sozialstrukturen von technologisch weniger entwickelten gesellschaften erleben – Jared Diamond über Papua-Neuguinea in „der dritte schimpanse“ könnte dich dazu interessieren

    ausserdem könnte der dimorphismus auch ein atavismus sein, oder?

  2. @bigmouth
    Ich wollte damit nur sagen, dass auch Jagd nicht gleich Jagd ist. Männer sind ihrem Körper nach eher geeignet einen Stoßspeer in ein Großwild zu stechen oder einen Wurfspeer kräftig genug zu schleudern (mehr Körperstärke im Oberkörper).
    Wenn man unter Jagd auch Schlingenlegen und Fischen versteht dann sehe ich wenig Gründe, warum diese Tätigkeiten nicht auch von Frauen durchgeführt worden sein sollen.
    Nur ist dann bei einer so weiten Fassung des Begriffs dennoch auch innerhalb der Jagd eine Rollenaufteilung verhanden, die verschiedene Fähigkeiten voraussetzt – so ziemlich die Fähigkeiten, die wir heute bei Männern und Frauen vorfinden.

    „Der dritte Schimpanse“ klingt interessant. Ich merke es mir mal vor.

    Mit Atavismus wird das Auftreten von überholten anatomischen Merkmalen bei Organismen oder der Rückfall in überholte Verhaltensweisen bezeichnet, die eigentlich für ihre Urahnen typisch waren. Du meinst also, dass wir zwischendurch diese Merkmale der Jagd aufgegeben hatten oder das sie nunmehr schwächer ausgeprägt sind als früher, sozusagen nur noch ein Überbleibsel der damaligen wesentlich größeren Unterschiede?

  3. es ist halt nicht klar, für welchen zeitraum der physische dimorphismus eine anpassung darstellte. wir wissen ziemlich wenig über evolutionsgeschwindigkeit beim menschen. wir sind immer noch unsicher, auf welchen ebene selektion eigentlich hauptsächlich wirkt. und wir wissen auch nicht, ob jedes merkmal immer eine adapation darstellt

  4. Also du meinst, dass wir inzwischen über diese damaligen Unterschiede hinaus sein könnten und jetzt nur noch die Gewohnheiten, die sich aus den damaligen Gegebenheiten entwickelt haben, also die Gesellschaft andauern?
    Dagegen spricht aber, dass diverse Unterschiede noch vorhanden sind. Das fängt bei Hormonen an und geht bei den Körperlichen Unterschieden weiter. Man sieht ja am Körper, dass der Mann auf andere körperliche Belastungen ausgelegt ist als die Frau.

  5. Pingback: Evolutionary Psychology Bingo « Alles Evolution

  6. Ganz davon abgesehen, dass mich dieser sexistisch-feministische Kram einfach ankotzt, sind die Unterschiede innerhalb der Geschlechter um Längen größer als dazwischen. Ich habs selbst erlebt. Dass ihr Männer eure „letzte Domäne Körperkraft“ nicht kampflos rausrücken wollt, ist zwar einerseits verständlich, aber andererseits verwirrend. Vor allem euer gebetsmühlenartig wiederholtes „Argument“ mit der steinzeitlichen Jagd nervt unsäglich. Männer sitzen fast nur noch vor der Glotze, wofür man keine Muskeln braucht. Die Steinzeit ist vorbei, was aber für einige (Männer) schwer zu akzeptieren zu sein scheint. Die Zeiten haben sich halt geändert, die alten Rollenmuster sind hoffnungslos überaltert und in der heutigen Zeit absolut schädlich. Wie jeder weiß, geht die Evolution weiter. Vielleicht gleichen sich die Körper von Frauen und Männern muskelmäßig an.

    Alle Männer, die dermaßen an den verstaubten Rollenbildern hängen, sollen sich doch von mir aus in die Steinzeit zurückbeamen. Mal sehen, wie lange ihr es dort aushaltet!

  7. @LOL

    Vielleicht ist das in einigen 10.000 Jahren tatsächlich der Fall, wobei neben de Umstand, dass wir keine Körperkraft mehr brauchen (natürliche Selektion würde dazu führen, dass sich kostspielige Muskeln die nicht mehr gebraucht werden in der Natur) durch ihr Vorhandensein wesentlich weniger Nachteile erleiden (wir haben ja in vielen Teilen der Welt genug zu essen) und zudem ein Nutzen in der sexuellen Selektion vorhanden ist.

    Es geht im übrigen nicht nur darum, dass Männer mehr Muskeln haben, sondern insbesondere darum, dass sie sie schneller aufbauen.

    Im übrigen richtete sich das Argument oben ja in der Tat auf die Situation in der Steinzeit.

  8. Dass die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als als dazwischen, ist so ein klassischer Neofeministinnen Spruch. Wie sie darauf kommen, weiß ich allerdings nicht. Selektive Wahrnehmung vielleicht? Ich behaupte mal einfach das Gegenteil und zwar krass.

    Die Geschichte mit den Domänen kommt mir auch komisch vor. Soweit ich Männer kenne, denken sie nicht in Domänen und versuchen auch keine Bastionen zu verteidigen. So etwas existiert gar nicht. Sie konkurrieren im Grunde auch nicht mit Frauen, sondern untereinander.

    Dass Männer im Schnitt körperlich stärker sind, ist eine beobachtbare Tatsache. Woher das nun kommt, Steinzeit oder was auch immer, weiß ich nicht, interessiert mich auch. Es ist eben einfach so. Nicht zum Nachteil der Frauen, ich trag die Koffer.

    Vielleicht gleich sich die Körperkraft im Laufe der Zeit an, vielleicht wachsen uns auch Antennen. Wer kann das schon wissen. And who fuckin´ cares?

    Ach ja, der durchschnittliche Fernsehkonsum von Frauen ist wesentlich höher als der von Männern. Das ist jetzt Statisktik.

    • Ich tippe mal das wir in 10.000 Jahren aussehen wie Aliens.

      Keien Behaarung mehr, blasse Haut und dünne Arme und Beine und ein Riesenhirn..jedenfalls bei den Männchen *GG*

      Ich frage mich sowieso was Mann an Frauen so hübsch findet. Objektiv gesehen (von jemanden der auf Frauen wie auch auf Männer steht) sind Männchen in der Regel das hübschere Geschlecht. Und zwar queer durch alle Arten. Man schaue sich nur Enten und Erpel an.

      Irgendwelche Einwände?

  9. „Dass die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als als dazwischen, ist so ein klassischer Neofeministinnen Spruch. Wie sie darauf kommen, weiß ich allerdings nicht. Selektive Wahrnehmung vielleicht? Ich behaupte mal einfach das Gegenteil und zwar krass.“

    Kannst du deine Behauptungen belegen?

  10. @Salvatore
    „dass die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sind als als dazwischen, ist so ein klassischer Neofeministinnen Spruch.“

    ja, in der Tat der Spruch kommt recht häufig. Kennt jemande seinen Ursprung? Er ist allerdings auch bereits in sich ein schwaches Argument. Ich hatte das schon mal erläutert:
    Wenn Männer zwischen 1.45 und 2.30 m groß werden und Frauen zwischen 1,40 und 2,10 (fiktive Zahlen), der Durchschnittsmann aber 1,80 und die Durschnittsfrau 1,70, dann ist der Unterschied innerhalb der Kategorie Männner und innerhalb der Kategorie Frauen stärker ausgeprägt als der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Trotzdem ist der Unterschied deutlich vorhanden und die Aussage „im Schnitt ist ein Mann größer als eine Frau“ wahr. Ebenso wären mit hoher Wahrscheinlichkeit die 10 größten Menschen alle Männer etc.

    Zudem ist das Argument auch relativ nichtsagend, weil es nichts darüber sagt, wie die Mengenverhältnisse sind.

  11. Ja, manche Menschen haben halt damit Probleme, dass sie in erster Linie Angehörige eines Geschlechtes sind, die alle (!) bestimmte Verhaltensweisen ihr Eigen nennen, und dann erst als Persönlichkeit wahrgenommen werden.

    Man achte auf den erleichterten Gesichtsausdruck, von dem der Ausspruch „Typisch Frau“ oft begleitet wird.
    Aha, ich kenn diese Person ja nicht, aber da sie Brüste hat, ist sie bestimmt geschwätzig,liebt Schuhe, kann nicht einparken und ist schlecht in Mathe.
    ZACK-Eingeordnet!

  12. Sicher, Einordnungen erleichtern das Leben. Ich denke unser Gehirn neigt dazu bestimmte Erfahrungssätze abzuleiten um das Leben überschaubarer zu machen.

    Allerdings ist eine strikte Einordnung von Einzelpersonen natürlich falsch, die Biologie macht ja nur Aussagen über den Schnitt.
    Hier wäre eine verbesserte Aufklärung über die Biologie sicherlich geeignet Vorurteile aufzuklären. Das reine Abstellen auf Gleichheit überzeugt meiner Meinung nach viele Leute nicht, weil sie eben im tatsächlichen Leben gewisse Häufungen tatsächlich erleben.

  13. Man könnte die Herausbildung des Geschlechts im Mutterleib behandeln, die Rolle der Hormone hierbei, die Gründe für Transsexualität und Intersexualität besprechen, dann die Verteilung der Eigenschaften nach sich überschneidenden gaussschen Verteilungskurven. Dann könnte man noch einmal auseinandersetzen, dass der einzelne Mensch unabhängig von seinem Phänotyp auch am äußersten Rand der Verteilungskurve liegen kann und damit eher die Eigenschaften des anderen Phänotyps aufweist.

  14. Ich beobachte schon mein ganzes Leben, dass ich mit den Vertretern des anderen Geschlechts eher auf einer Wellenlänge liege als mit meinen Geschlechtsgenossinnen. Unter Frauen ecke ich viel eher an. Und oh Wunder – ich bin keine (Neo)Feministin.

    „Wenn Männer zwischen 1.45 und 2.30 m groß werden und Frauen zwischen 1,40 und 2,10 (fiktive Zahlen), der Durchschnittsmann aber 1,80 und die Durschnittsfrau 1,70, dann ist der Unterschied innerhalb der Kategorie Männner und innerhalb der Kategorie Frauen stärker ausgeprägt als der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Trotzdem ist der Unterschied deutlich vorhanden und die Aussage „im Schnitt ist ein Mann größer als eine Frau“ wahr.“

    Meine Worte. Natürlich gibts den Unterschied, was anderes hab ich nicht gesagt. Aber in den Kategorien sind die Unterschiede halt größer. Und auch nicht nur die körperlichen sondern auch das Verhalten. Dass Männer und Frauen nicht so unterschiedlich ticken, wie man immer denkt. Aber Frauen und Männer unterscheiden sich untereinander oft sehr. Weil eben nicht alle Frauen Tupperpartys lieben usw. und nicht alle Männer… Ach, zum Teufel mit diesen Klischees!

  15. Ganz genau, LOL

    Sooo unterschiedlich sind wir gar nicht. Ich bin auch eher „One of the Boys“, von daher weiss ichs ziemlich genau. Deshalb find ich dieses „Männer vom Mars, Frauen von der Venus“-Gerede sehr nervig.

  16. @lol

    Dann liegst du vielleicht an einem der besagten Enden oder hast gleich ganz das nicht typischerweise zum Phänotyp passende Gehirn. Das wäre alles soweit mit den Theorie kompatibel.

    DIe Unterschiede wirken sich schon aus.
    Nehmen wir an, dass wir geschlechtsneutral eine Mannschaft für eine Sportart suchen, bei der Größe ein Vorteil ist. Das Team wird, weil Männer in der Spitze überproportional vertreten sind so gut wie ausschließlich aus Männern bestehen.

    So ist es auch bei anderen Eigenschaften. Wenn sich zB 10% eines Jahrganges für ein bestimmtes Studium entscheiden, dann werden das die sein, die dort eine Stärke bei sich sehen. Die bei denen die Unterschiede in diesem Bereich geringer sind, werden eine andere bei ihnen hochstehende Eigenschaft bei ihrer Studienwahl oder Berufswahl zugrundelegen und auch da können sich die Geschlechterunterschiede dann wieder auswirken.

    Nehmen wir Sprache. Da schneiden Frauen normalerweise besser ab. Frauen merken also beispielsweise, dass ihnen die Beschäftigung mit Sprachen Spass macht und sie Sprachen schnell neu lernen. Also werten sie dies als ihre persönliche Stärke und planen in diesem Bereich zu arbeiten. Sie studieren also Deutsch und Englisch auf Lehramt. Auch einige Männer merken, das sie in Sprachen gut sind. Es sind aber deutlich weniger. Auch diese entscheiden sich dann vielleicht eher für ein sprachliches Studium. Aber die Anzahl ist geringer.

  17. Nein, nein belegen kann ich das nicht. Es ist nur mein (subjektives) Gefühl und meine Erfahrungen. Das ist ja bei euch vermutlich ganz ähnlich.

    Wir sind wirklich rasend unterschiedlich. Das heisst aber nicht, dass wir uns deshalb nicht gut verstehen könne und auch nicht, dass wir irgendetwas irgendwo hin einordnen wollen oder müssen. Wozu?

    Es ist doch völlig ok, unterschiedlich zu sein. Muss man deshalb besser oder schlechter sein. Das gilt übrigens nicht nur für das Geschlecht.

    Ich bin z. B. Südamerikaner(Vater aus Argentinien, Mutter aus Brasilien) und lebe seid nunmehr 37 Jahren in Europa(davon 34 in Deutschland). Trotzdem hab ich bis heute das Gefühl, mich von Deutschen bzw. Nord- und Mitteleuropäern grundsätzlich zu unterscheiden. Dabei mag ich Deutsche. Dennoch hab ich das Gefühl, sie haben etwas gemeinsam, das ich nicht habe und mir auch in fast 40 Jahren nicht aneignen konnte. Ich weiß nicht, wieso das so ist, aber es ist so. Bei Geschlechtern ist dieser Effekt noch stärker.

    Aber ganz Unrecht habt ihr auch nicht. Es gibt auch genug Männer mit denen ich nur sehr wenig gemeinsam habe.

  18. Pingback: Big 5 Personality Traits: Unterschiede Mann Frau « Alles Evolution

  19. „Frauen sind anders stark“ ist kein feministisches Argument, im Gegenteil. Es ist eine typisch machohafte, mitleidig-spöttische Floskel, nach dem Motto: Frauen sind zwar nicht so stark, haben aber andere Qualitäten. Ich habs schon millionenfach gehört.

  20. @LOL

    Die Formulierung kommt von einem Kommentar unter einem Beitrag der Mädchenmannschaft, ich habe ihn oben verlinkt. Du musst dich also dort beschweren.

    Was aber genau ist aber falsch daran, wenn man sagt, dass Frauen im Schnitt körperlich schwächer sind als Männer?
    Meinst du Testosteron hat keine anabole Wirkung?

  21. „“Allerdings ist eine strikte Einordnung von Einzelpersonen natürlich falsch, die Biologie macht ja nur Aussagen über den Schnitt.““

    Was aber essentialistische (das „Wesenhafte“ der Frau, die Idee „Frau“ …) Vorstellungen fördert.

    • @ P. Bosshard

      *Was aber essentialistische (das „Wesenhafte“ der Frau, die Idee „Frau“ …) Vorstellungen fördert.*

      Tut es.

      Was aber nicht dazu führen darf, Wahrheiten zu ignorieren, weil diese missbraucht/missinterpretiert werden können.

      Wahr ist: ES GIBT GRUPPENUNTERSCHIEDE, Unterschiede im Durchschnitt zwischen den Gruppen, die auch bedeutsame segregierende Auswirkungen haben, selbst wenn sie nur gering sind.

      Weil eben die Teilgruppe, die ein geschlechtstypisches Merkmal in besonders starker Ausprägung zeigt, besonders eindeutig von dem Geschlecht dominiert wird, dass dieses Merkmal im Durchschnitt etwas häufiger/etwas stärker ausgeprägt mit sich herumträgt.

      Darüber täuscht die Formulierung „Die Unterschiede innerhalb der Geschlechter sind viel größer als zwischen den Geschlechtern“ hinweg.

      Die ist zwar richtig, verschleiert aber die enormen Auswirkungen, die selbst geringe Unterschiede im Durchschnitt an den Rändern der Normalverteilungskurven haben.

      Und natürlich gelten Unterschiede im Gruppendurchschnitt nicht für jedes Individuum, lassen keine a-priori-Zuordnungen eines Individuums zu, denn ein Individuum kann ja vom Durchschnitt der Gruppe, der es angehört, erheblich abweichen.

      Den Missbrauch einer Wahrheit/Tatsache kann ich nicht dadurch bekämpfen, dass ich die Wahrheit/Tatsache selbst ableugne.

      Es gibt Gruppenunterschiede.
      Man kann sie messen.

  22. @Alex Roslin (der berühmte Maler ?? 🙂

    „“Wahr ist: ES GIBT GRUPPENUNTERSCHIEDE, Unterschiede im Durchschnitt zwischen den Gruppen, die auch bedeutsame segregierende Auswirkungen haben, selbst wenn sie nur gering sind.““

    Jawohl, das ist wahr. Sehe ich genauso. Du sprichst den Kern der Sache an. Es gibt Segregierungen, die letztendlich auf die Gruppenunterschiede zurückgeführt werden können. Unbeantwortet aber bleibt die Frage, ob oder inwiefern essentialistische Vorstellungen derart das Denken beeinflussen, dass die Segregation schärfer ausfällt, als es die Gruppenunterschiede allein bewirkten.

    Selbstverständlich sollte mein Einwand nicht so interpretiert werden, dass Unterschiede, deren Behauptung statistisch breit abgestützt ist, abgestritten werden. Das wäre die Ignoranz eines Genderisten. Meine Einwände sind nicht prinzipieller Natur – von der Epigenetik und Lamarck abgesehen – sondern hinterfragen die Gewichtung von biologischer und sozialer Prägung. Diese Infragestellungen sind relevant, bedeutend. Wenn ich hier ein bisschen den „advocatus diaboli“ spiele, dann nur, weil ich den „advocatus diaboli“ in meinem Kopf habe, der gegen mich argumentiert. Und das ist gut so.

    • „Unbeantwortet aber bleibt die Frage, ob oder inwiefern essentialistische Vorstellungen derart das Denken beeinflussen, dass die Segregation schärfer ausfällt, als es die Gruppenunterschiede allein bewirkten.“

      Das ist in der Tat eine gute Frage. Also quasi eine Verstärkung der Grundlagen in die Richtung dieser. Da sexuelle Selektion teilweise für die Grundlagen verantwortlich ist wäre eine Verschärfung durch Kultur durchaus zu erwarten. So kann man Nachteile ausgleichen. Wenn Pfauenmänner ihren Pfauenschwanz zu einem Pfauenschwanzverbesserer bringen könnten, dann würden sie es ja wahrscheinlich auch tun.

  23. @ P.Bosshard

    Ja, der „berühmte“ Maler aus meinem Lieblingsjahrhundert. Längst nicht so berühmt, wie er es zu sein verdiente.
    War übrigens sehr glücklich verheiratet mit einer Frau, die ihn sich ausgesucht hatte.(reiche Juwelierserbin und selbst gute Miniaturenmalerin).
    Hat gegen ihren Vormund gekämpft, um ihren Alexander heiraten zu dürfen, 7 lange Jahre (der war Protestant und arm).

    Leider starb sie relativ früh an Brustkrebs.
    Schöne Frau, wie sein berühmtes Porträt von ihr ausweist (Dame mit dem Fächer), wenige Jahre vor ihrem Tod entstanden.

    Vielleicht hat deshalb ihr Blick etwas Abschied Nehmendes, Melancholisches.
    Ein traurig unterlegtes Lächeln.

    Ich bin schon lange in sie verliebt.

    Sie tröstet mich, wenn ich denke, dass Frauen immer häßlicher werden, nicht mehr begehrenswert.

    * Unbeantwortet aber bleibt die Frage, ob oder inwiefern essentialistische Vorstellungen derart das Denken beeinflussen, dass die Segregation schärfer ausfällt, als es die Gruppenunterschiede allein bewirkten.*

    Sie lässt sich wahrscheinlich auch nicht klar beantworten.
    Es ist möglich, dass Vorurteile Segregationen, die biologisch begründbar sind, übertreibt.

    Aber wir folgen seit Jahrzehnten einem Zeitgeist, der biologische Unterschiede untertreibt oder gar nicht erst wahrnehmen will.

    So halte ich die Gefahr heutzutage für sehr gering. Die entgegengsetzte Gefahr für sehr viel relevanter und größer.

    Heutigen Tags.

    Das war nicht immer so, das wird auch nicht immer so bleiben.

    Ich sehe die Gefahr eines neuen, biologistischen Zeitalters heraufziehen, das umso heftiger und radikaler werden dürfte, je heftiger und radikaler man heute die Existenz biologischer Unterschiede auch im Bereich der Psyche (Kognition, Motivation, Emotion) bestreitet.

    Wir kommen ja aus einem biologistischen Zeitalter (Nationalsozialismus).

    Vieles an der Heftigkeit in der Abwehr „biologistisch“ genannter, realer Unterschiede erklärt sich mir daher.

    Dass der „Sozialismus“ nicht ebenso kritisch bewertet wird wie der Biologismus der Nazis, obwohl der Klassenmord der Stalinisten und Maoisten ein paar Dutzend Millionen Menschen mehr das Leben kostete als der Rassenmord der Nazis (allerdings nur deshalb, weil die Stalinisten ein paar Jahrzehnte mehr Zeit hatten, so ziemlich jeden umzubringen, den sie umbringen wollten, während die Nazis an der Umsetzung all ihrer massenmörderischen Pläne zum größeren Teil gehindert werden konnten), das ist allerdings auch ein Symptom für die spezifische, linkslastige Verlogenheit des heutigen Zeitgeistes.

    • „ch sehe die Gefahr eines neuen, biologistischen Zeitalters heraufziehen, das umso heftiger und radikaler werden dürfte, je heftiger und radikaler man heute die Existenz biologischer Unterschiede auch im Bereich der Psyche (Kognition, Motivation, Emotion) bestreitet.“

      Das wäre dann falsch verstandene Biologie. Es wird durch die Forschung ja auch immer klarer, dass die Betrachtungen nur für den Schnitt gelten.
      Allerdings wäre es (das hat Pinker in „The blank Slate“ meine ich ausgeführt) auch zu erwarten, dass die biologischen Grundlagen der Menschen, sei es zwischen den Geschlechtern oder einfach zwischen den Menschen, immer mehr Vorteile bieten. Wenn die Bildungs- und Standesvorteile überwunden werden, dann können sich eben die persönlichen Stärken mehr auswirken.

  24. Alexander Roslin – der Maler

    Licht und Schatten, der Faltenwurf – das ist schon sehr beeindruckend. Ölmalerei ist und bleibt die Königsdisziplin.

    „“Dass der „Sozialismus“ nicht ebenso kritisch bewertet wird wie der Biologismus der Nazis, obwohl der Klassenmord der Stalinisten und Maoisten ein paar Dutzend Millionen Menschen mehr das Leben kostete als der Rassenmord der Nazis …“

    Theorie und Praxis. Die Rassentheorie als Kern nationalsozialistischer Weltanschauung ist an sich menschenverachtend. Die Theorie des Marxismus ist es nicht. Bliebe die Frage zu beantworten, ob die sozialistische Deutung der Geschichte als permanenter Klassenkampf und das Bestreben, die klassenlose Gesellschaft zu verwirklichen zwangsläufig zur physischen Vernichtung der Angehörigen der privilegierten Klassen führt. Der Marxismus fordert dies nicht. Die klassenlose Gesellschaft soll durch die Eliminierung der Klassen als solche erfolgen.

    Ich spreche hier ausdrücklich von der Theorie, nicht der tatsächlichen Umsetzung in der Sowjetunion und China.

    Was der Versuch der Auflösung der Geschlechterdifferenzen, oder besser gesagt, der Negierung der Differenzen im Sowjetsystem anbelangt: Selbst der rücksichtslose und skrupellose Tyrann Stalin war dazu nicht in der Lage. Es gab während des II WK Frauenbataillone in der Roten Armee, ja. Aber die Zahl gefallener Soldaten und die Zahl gefallener Soldatinnen steht in keinem Verhältnis, das eine Gleichstellung der Geschlechter erahnen liesse. Vielleicht war Stalin in dieser Hinsicht mehr der georgische Patriarch als Marxist, wer weiss.

    Dass Frauen anders stark sind, wie es im Titel dieses Artikels heisst: Der Versuch, den Genossinnnen in den Kohlebergwerken die gleichen Sollleistungen wie den Männern aufzubürden, dieser Unsinn musste Stalin behutsam ausgetrieben werden. Seine Theorie zerschellte gewissermassen an den biologischen Realitäten.

    • „Die Rassentheorie als Kern nationalsozialistischer Weltanschauung ist an sich menschenverachtend. Die Theorie des Marxismus ist es nicht.“

      Das ist ein verbreiteter Irrtum. Die Marxistischen Entwürfe sind mit Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unvereinbar, jeder Sozialismus muss zu ihrer Beseitigung führen. Was in der Konsequenz ebenfalls menschenverachtend ist.

  25. @Bosshard
    „Der Versuch, den Genossinnnen in den Kohlebergwerken die gleichen Sollleistungen wie den Männern aufzubürden, dieser Unsinn musste Stalin behutsam ausgetrieben werden. Seine Theorie zerschellte gewissermassen an den biologischen Realitäten.“

    Ja, das würden wohl auch die wenigsten Feministinnen fordern. Wobei es bei einer reinen Konstruktion des Körpers ja eigentlich kein Problem darstellen würde. Zur Not einfach eine Übergangszeit hinein, in der sie Muskeln aufbauen kann.

  26. „“Ja, das (Frauen in die Kohlebergwerke) würden wohl auch die wenigsten Feministinnen fordern…““

    Eben. Ich kenn genau 0 Feministinnen, die Gleichstellung in derart unattraktiven Berufsfeldern fordern. Wer aber Gleichstellung so selektiv anwenden will und nicht als gesellschaftsumfassendes Prinzip versteht (verstehen will), der mag sich zwar irgendwelcher Gleichheitstheorien aus der marxistischen Theorie bedienen, aber das ist nur fadenscheinige Rhetorik. Auch ich werd zum glühenden Verfechter der Gleichstellungspolitik, wenn deren erstes Anliegen wäre, mich einkommensmässig mit Josef Ackermann gleichzustellen.

  27. Pingback: “Innerhalb der Geschlechter gibt es weit größere Unterschiede als zwischen den Geschlechtern” « Alles Evolution

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