Gruppierungen in der Geschlechterdiskussion nach Gehirnausrichtung

Ich höre gerade David de AngelosOn Being a Man“ und da höre ich einen bekannten Gedanken, den ich hier mal sinngemäß wiedergebe:

Feministen sind häufig Frauen, die eher männlich sind, in der Männerbewegung sind häufig Männer, die eher weiblich sind.

Ähnliches hatte ich in dem Artikel „Feministische Gehirne und männliche Ausrichtung“ schon mal gesagt, damals aber diesen Grundsatz noch nicht auf die Männerbewegung übertragen. Der Grundsatz ist aber natürlich übertragbar. Wer eher ein Gehirn hat, dass nicht zu seinem Phänotyp, also zu seinem äußeren Geschlecht passt, der wird die Einschränkungen stärker wahrnehmen als jemand, der diese Probleme nicht hat.

Den Gedanken finde ich interessant. Es müssten sich vier grobe Gruppen bilden lassen, die jeweils verschiedene Einstellungen zu dem Thema haben. Ein schneller erster Versuch der Abgrenzung:

  • Frauen, die sehr weiblich sind: Für sie wäre es vorteilhaft, wenn klassisches weibliches Verhalten durch die Gesellschaft geschützt wird. Sie müssten also dafür sein, dass es einen möglichst langen Mutterschaftsurlaub gibt, die Mutterrolle möglichst anerkannt ist, der Unterhaltsanspruch stark ist und es möglichst viel Absicherung gibt. Es wäre zu erwarten, dass sie die Verschiedenheit der Geschlechter durchaus hinnehmen, aber insbesondere die Frauenrolle verklären
  • Frauen, die sehr männlich sind: Sie würden für eine Abschaffung der Rollen eintreten, Karriere machen wollen und daher die Einschränkungen für Frauen in diesem Bereich möglichst klein halten. Je nach Auffassung würde dies dazu führen, dass eine sehr kurze Elternzeit, eine Aufteilung der Elternzeit auf Mann und Frau oder aber eine Einschränkung der Nachteile eines Aussetzens gefordert werden. Sie empfinden klassische Frauensachen als nicht für sich zutreffend und gehen daher davon aus, dass Männer und Frauen gleich sind oder zumindest die Unterschiede gering. Aus dem Gleichheitsgedanken könnte schnell eine Opferrolle der Frau entstehen, da ansonsten schwer erklärbar ist, warum die anderen Frauen nicht das selbe wollen wie sie und dies dann nicht erreicht haben.
  • Männer, die sehr männlich sind: Ein klarer Denken in Hierarchien und Status führt dazu, dass dieser Mann glaubt, dass es auf Möglichkeiten ankommt und wer diese nicht nutzt selbst schuld ist. Einschränkungen durch eine Männerrolle werden entweder als gegeben vorausgesetzt oder als ungerecht angesehen. Daraus müsste auch eine Ablehnung von Quoten für Frauen oder anderen Vorteilen herrühren. Da dieser Mann die Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlicher wahrnimmt ist er auch eher bereit sie zu akzeptieren. Das kann sich in einer konservativen Haltung zeigen („Frauen an den Herd, Männer arbeiten“) oder aber in einer liberaleren („Männer und Frauen sind anders, dass erklärt, warum sie verschiedene Aufgaben lieber übernehmen“). Der Opfergedanke des Feminismus, aber auch derjenige der Männerbewegung ist gegen seine Grundüberzeugung, dass jeder seinen Platz schaffen muss. Dies kann zu einer Kampfansage führen („Feministen sind der Feind und ich Held werde sie besiegen“) oder zu einem postfeministischen Ansatz á la Piratenpartei („was interessiert und das Geschlecht? Auf die Leistung kommt es an“)
  • Männer, die sehr weiblich sind: Diese Männer sehen evt. auch weniger Unterschiede zwischen Mann und Frau, halten Gefühle und Selbstfindung für wichtig, wollen mehr Mitspracherechte was Kinder angeht und wären gerne bereit auch typisch weibliche Aufgaben zu übernehmen. Debatten sind gefühlsbetonter, auch die Wahrnehmungen der Einschränkungen ist gefühlsbetonter. Hierzu würde auch eine Opferhaltung passen. Sie würden eher auch wenig Unterschiede zwischen Mann und Frau sehen und es für ungerecht halten, dass Männern ein Verhalten vorgeworfen wird, dass sie gar nicht haben. Die andere Variante wäre der männliche Feminist, der davon ausgeht, dass der männliche Weg tatsächlich falsch ist, weil er sich einschränkend anfühlt und er selbst ja auch zeigt, dass Männer anders sein können.

Die Gruppen und Positionen lassen sich allesamt so wiederfinden. Vom Gynozentrismus über den Feminismus der Gegenwart bis zur Männerbewegung. Das mag auch daran liegen, dass mir diese Typen bekannt waren und ich daher meine Beschreibung entsprechend vorgenommen habe. Die Einteilung beruht zunächst einmal auf Klischees und wenig tatsächlichen Daten.

Die Auflistung ist damit wie gesagt ein erster Versuch. Ich habe den Gedanken zunächst in den Raum gestellt und bitte um Anregungen und Stellungnahmen in den Kommentaren. Wer will kann natürlich auch gerne eine Selbsteinordnung vornehmen.

7 Gedanken zu “Gruppierungen in der Geschlechterdiskussion nach Gehirnausrichtung

  1. Ungerechtigkeit wie die Wehrpflicht, Quoten, einseitiges Sorgerecht etc. existieren unabhängig vom Frauenerfolg, von der Penislänge, vom Ausmass der Männlichkeit und von der Meinung anderer über jenen Mann, der sich dagegen wehrt.

    Ich persönlich wehre mich als Maskulist gegen diese Ungerechtigkeit, glaube jedoch als rechtslibertär eingestellter Mensch an klare Hierarchien und Strukturen und vorallem daran, dass Rechte unzertrennlich mit Pflichten einhergehen.

    Deshalb bin ich nicht gegen das (an sich sinnvolle, wenn auf beide Geschlechter angewendete) Milizprinzip an sich. Sondern gegen ein einseitiges, nur auf Männer ausgerichtetes Milizprinzip beim Militär und beim Zivildienst.

    Dies ist der entscheidende Punkt:

    Privilegien und Rechte müssen durch Aufopferung und Pflichterfüllung immer wieder aufs Neue erarbeitet und verdient werden. Und deshalb muss sich ein Mann als Maskulist gegen diese Ungerechtigkeit wehren, anders hat er eine Welt ohne Diskriminierung und Schikanierung nicht verdient.

    Dadurch erachte ich unser Streben nicht als „weiblich“, sondern als logisch und folgerichtig.

    Brüderliche Grüsse,
    Manifold

    Die Söhne von Perseus

  2. Hi there.

    Off course you should! If one can enjoy and have fun one should!

    Just read your article and have some arguments.

    Is not the trouble with gender roles in the first place that they provide limits and that limits jail people? No matter if you are a very „female woman“ happy with some of these written and unwritten rules, other rules will not be as much fun. We are all different, and the only thing that we have incomon is that we dream.

    What is a „female women“ anyway? Someone only dreaming of having a family? I don’t think that there are to many of those left nowadays and in most cases, unfortunately another variable can be brought into these group of females, and that is class. Parents without a higher education living in ghettos often have children that „choose“ the same path. So it’s not about what you have between your legs. It’s way more complicated and to me feminism is about freeing all humans from the limits structures, such as the ones gender provide, cause there are not only 4 types of humans as you stated. It’s about as many types as there are humans.

    So I think your discussion is a bit to flat, but I liked to read it. Hope I understood you right!!

    miau.

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