Ministerin Schröder zu Feminismus und Beauvoir

Familienministerin Schröder in der ZEIT:

Schröder: Ich habe einen Feminismus, der Männern den Kampf ansagt, immer kritisch gesehen. Ebenso wenig glaube ich an die These von Simone de Beauvoir, dass man nicht zur Frau geboren, sondern erst dazu gemacht wird. Dennoch profitiert meine Generation von vielem, was Frauen erkämpft haben.

Klingt vernünftig. Erklärt vielleicht auch, warum sie viele Feministinnen recht kritisch sehen.

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht

Simone de Beauvoirs „Das andere Geschlecht“  ist ein wichtiges feministisches Werk. Ich habe es vor einigen Jahren gelesen und stelle hier einmal meine damalige Stellungnahme ein:

Bereits der Rückseitentext versprach einiges:

„Die universelle Standortbestimmung der Frau, die aus jahrhundertealter Abhängigkeit von männlicher Vorherrschaft, aus einer übermächtigen Tradition von Schwächegefühlen ausgebrochen ist, hat seit ihrem Erscheinen nichts an Gültigkeit eingebüßt“

Ich machte mich daher voller Vorfreude ans Lesen. Dabei erwartete ich scharfsinnige Argumente, wissenschaftliches Vorgehen, neue Positionen, fundiertes Wissen, eine neue Sichtweise.

Vielleicht war die Erwartungshaltung etwas groß, vielleicht beruht der Ruhm des Buches auch eher auf seiner historischen Bedeutung als Anstoß für viele Frauen der damaligen Zeit, aber ich muss sagen, ich war enttäuscht.

Zuerst einmal die Wissenschaftlichkeit:
Das Buch hat 900 Seiten und ungefähr 430 Fußnoten. Davon sind mindestens 40% Anmerkungen zum Text ohne Quellenangabe. Das macht so ziemlich auf jeder dritten Seite eine Quellenangabe. Das alleine mag man noch nicht für unwissenschaftlich halten, der Rest der Quellenangaben sind allerdings auch gerade angetan meine Meinung zu verbessern: Beauvoir zitiert nicht selten Bellestrik, um ihre Ansichten zu belegen. Wenn sie darstellen will, wie Frauen fühlen und denken, dann zitiert sie teilweise aus Klassikern. Dabei benutzt sie die Vornamen der Figuren und stellt sie als lebendige Personen da. Das die Bücher nicht selten von Männern geschrieben wurden stört sie dabei nicht. Da sie einige Bücher sehr häufig zitiert schrumpft ihr Unterbau noch weiter zusammen.

Ihre Argumentation leidet schon formell an einigen Schwächen. Nicht selten ist ihr Argument „Ich selbst habe von einer Frau gehört…“ und das ohne Beleg oder näheren Hinweis. Auch ansonsten zitiert sie meist nur Einzelschicksale um ihre Thesen zu belegen. Mir fehlen da ein paar größere Statistiken, irgend etwas mit dem sie versucht zu belegen, dass ihre Einzelfälle verallgemeinerungsfähig sind.

Eine Meinung zB eines (antiken) Griechen, der sich über die Kratzbürstigkeit seiner Frau aufregt und sie daher nicht gerade lobt drückt bereits die Missachtung aller Griechen gegen die Frauen aus, die sich dann zur Unterdrückung auswächst (Um ein beauvoirsches Agrument zu verwenden: Dann unterdrückt Al Bundy seine Frau, denn er sieht sie auch als faules Miststück an).
Zumindest in der deutschen Übersetzung wird es amüsant, wenn sie ihre Argumentation darauf stützt, dass es „le soleil“ ist, etwas so majestätisches also in der Sprache immer männlich ist (die Sonne).

Im Endeffekt hat Beauvoir damit ihre Meinung kund getan, ein „so könnte es sein“ ohne Absicherung.

Nun zu den Ansichten:
Beauvoir geht recht hart mit den Menschen ins Gericht: Ihre These ist, dass Menschen (Männer und Frauen) immer versuchen werden andere zu unterdrücken. Die Männer hatten die Gelegenheit, die Frauen zu unterdrücken,, also haben sie es getan. (S. 86 ff)
Die Frauen sind dabei nicht die besseren Menschen, die Frauen waren ebenso grausam oder mutig wie die Männer. (S. 87).
Sie zeichnen sich auch nicht durch eine natürliche Selbstaufgabe für die Familie aus, sondern vertritt egoistische Ziele. (S. 3220/321 „Die Frau mit Altruismus identifizieren heißt dem Mann absoluten Anspruch auf ihre Ergebenheit garantieren, heißt der Frau ein kategorisches Seinsollen aufzuzwingen“)

Als wesentliche Behinderung sieht sie unter anderem die Schwangerschaft, bei der die Frau auf Kosten ihrer Energie Leben zur Welt bringt. Sie war daher nicht in der Lage auch noch ihr und das Leben der Kinder zu sichern und war daher auf den Mann angewiesen, ohne diesen hätte das Menschengeschlecht nicht überdauert (S 88) Weil das Leben so gefährlich war, konnte man sich auch mehr Ruhm erwerben, wenn man tötet, nicht wenn man gebiert (S. 90). Diese Herrschaft des Mannes wird schließlich gefestigt durch die Vererbung des Besitzes an die männlichen Nachkommen und dadurch, dass Frauen nicht selten „gekauft“ werden, also dem Vater bestimmte Summen gezahlt werden.

Beauvoir geht recht einseitig vor: Sie nimmt für sich in Anspruch, unabhängige Richterin zwischen den Geschlechtern sein zu können, vergisst dabei aber, dass sie dann auch die Nachteile und Vorteile beider Geschlechter untersuchen muss und nicht lediglich ein Geschlecht. Entsprechend einseitig erscheint ihre Argumentation dann teilweise: Während Sie versucht den „Mythos Frau“ aufzuklären, fällt sie nicht selten auf den Mythos Mann herein.

Zuerst argumentiert sie, der Mann betrachte die Menstruation der Frau als unrein, weil er auf sie den Schrecken vor seiner eigenen körperlichen Kontingenz projiziert (S. 200).

Wenn es dann um das Verhältnis der Frauen zu ihrem Körper geht, so wird die Menstruation so dargestellt, dass das Mädchen bestürzt sein muss, weil sie blutet und häufig Schmerzen hat (Was sie als für das Wertgefühl des Mädchen nachteilig ansieht).
Beim Mann ist der selbe Vorgang, der ebenfalls zu Unbehagen führt, eine Abwertung der Frau, bei der Frau ist es ein natürlicher Vorgang.

Sie macht es sich zu einfach, wenn sie die Doppeldeutigkeit der Frau daraus herleitet, dass sie häufig gut und böse gleichzeitig sind, etwa wenn sie als Kurtisane die reichen Geldleute ausnimmt um dann für einen Maler Mäzenin zu sein (S. 320). Der Dieb, der seine Familie ernährt, hat mit der selben Problematik zu kämpfen.

Einige ihrer Beispiele scheinen auch nur auf Frankreich zu zu treffen, etwa wenn sie sagt, dass der Tod als weiblich dargestellt wird und der Tod daher das Werk der Frauen ist. Mir fallen in Deutschland eher der Gevatter Hein und der Sensenmann ein, ansonsten noch Pluto als Todesgott etc. .

Wenn Beauvoir darlegt, dass Kinder ihre Mutter nicht gern als Körper wahrnehmen und die Kinder damit die Mutter verleugnet weil er die Geburt durch eine Frau als Unrein ansieht, dann vergisst Sie, dass auch der Vater asexuell gesehen wird und auch kein Sexualleben haben soll.

Beauvoir ist der Auffassung, dass viele Frauen aus Bequemlichkeit in der Unterdrückung verbleiben, denn eigenes Denken bedeutet auch eigene Verantwortung, vor der die Frauen, dann lieber in die Sicherheit von Heim und Herd fliehen.
Gleichzeitig vertritt sie, man soll der Frau Verantwortung geben, dann und wird sie sie zu übernehmen wissen (S. 896).
Die Problematik, dass es schwer ist jemanden Verantwortung zu geben, der vor dieser an den Herd flieht, bleibt dabei unberücksichtigt.

Eine Menge Gründe für die Stellung der Frau in der Gesellschaft verordnet Bauvoir in der Frauen gemeinsamen Entwicklungsgeschichte. Der Penisneid etwa führe direkt dazu, dass die Frau sich unterlegen fühlt. Beauvoir greift damit Freud auf, der heute stark angezweifelt wird.
Auf die Frau wirkt weiterhin ein:

  • Die Angst vor der späteren schmerzhaften Geburt
  • die Menstruation
  • der erste Sex („die erste Penetration ist immer eine Vergewaltigung“ S. 466), den sie dem Mann immer nachträgt, egal ob er unsanft (dann wird sie frigide weil das Erlebnis schrecklich war) war oder ob er sanft war (dann kann sie ihn nicht als Mann akzeptieren und wird auch frigide)
  • das ihr die Gesellschaft nicht ermöglicht sich selbst zu versorgen, sondern dass sie ihre Pläne nur in einem Mann verwirklichen kann.
  • viele Schwangerschaften wegen schlechter Verhütungsmöglichkeiten machen Sex zu etwas unangenehmen
  • Abtreibungen unter schlechten Bedingungen

Vieles erscheint mir davon nicht mehr problematisch. Das eine Geburt schmerzhaft ist bekommt das Mädchen viel weniger mit, die Geburten sind seltener und im Krankenhaus. Von ihrer Menstruation erfahren die Mädchen nicht erst kurz vor/beim Einsetzen, sondern Dank Werbung und blauer Ersatzflüssigkeit wesentlich früher. Eine Frau kann heutzutage Karriere machen und sich selbst versorgen, sie ist nicht mehr auf einen Mann angewiesen. Sie heiratet nicht mehr unbedingt den ersten mit dem sie schläft und auch die Entjungferung ist nicht mehr so negativ besetzt. Eine Abtreibung erfolgt heute, dank bessere Verhütung seltener und die Patientin wird medizinisch versorgt und nicht zusätzlich gequält.

Der Penisneid dürfte abgemildert sein durch das Wissen, dass „Frauen alles können, was Männer können plus Kinder bekommen“ (habe ich jedenfalls früher häufiger gehört) und das Wissen, dass seine Genitalien den Mann verwundbar machen („Tritt in die Eier“).

Beauvoir unterstellt dem Mann jedenfalls häufig das schlechteste, sie verfolgt meist nur einen Motivweg und präsentiert ihn damit als allgemeingültig.

Nach ihrer Auffassung löst das Wort „Weibchen“ bei dem Mann folgende Bilder aus: „ein gewaltiges rundes Ovolum schnappt nach beweglichen Spermatozoon und kastriert es. Monströs und vollgefressen herrscht die Termitenkönigin über die unterworfenen Männchen. Die Gottesanbeterinnen, die liebessatten Spinnen zermalmen ihre Partner und fressen sie auf“. (S. 27)

Um ein weiteres Beispiel zu geben: (es geht um Sex und die Frage des Mannes ob er gut war)

„Ist es genug?“ „Willst du noch? War es gut?“ Schon die Tatsache, daß eine solche Frage gestellt wird, offenbart die Trennung, verwandelt den Liebesakt in einen mechanischen Vorgang, der vom Mann gesteuert wird. Und genau darum stellt er sie. Mehr als die Verschmelzung sucht er die Beherrschung. Wenn die Einheit sich auflöst, dann findet er sich als einziges Subjekt wieder. […] Dem Mann ist es nur recht, wenn die Frau sich erniedrigt, gegen ihren Willen in Besitz genommen fühlt.“ (S. 485)

Die Frage MUSS Beherrschung ausdrücken. Sonst stimmt das Weltbild nicht. Das sie vielleicht auch aus Sicht des Mannes einfach nur Unsicherheit ausdrückt und den Wunsch, die Frau zu befriedigen, das ist undenkbar. Das der Mann nicht wissen kann, ob sie bereits gekommen ist, im Gegensatz zu ihr und er daher ein Interesse daran hat, dies herauszufinden, dass kommt Beauvoir nicht in den Sinn.

Aus der Tatsache, dass Männer Frauen häufig Kosenamen geben, wie „kleines Mädchen“, schließt sie, dass die Frauen in die Sicherheit der Kindheit zurückflüchten wollen (S. 803). Das Männer nicht seltener mit Kosenamen belegt werden („Hase etc“) wird ignoriert

Wenn sie darauf abstellt, daß in dem Drama „Die Eumeniden“ der Triumph des Patriarchats über das Mutterrecht illustriert wird (S. 106), dann unterschlägt sie, dass Orest seine Mutter tötet, weil diese mit ihrem Liebhaber seinen Vater umgebracht hat. Es stehen sich also gegenüber die Pflicht den Elternmörder zu rächen und die Achtung vor den Eltern, hier der Mutter. Er ist nicht zuerst Sohn des Agamenom, sondern die Rächerpflichten wiegen höher, wenn ein Elternteil ein anderes ermordet. Es ist der typische Tragödienstoff, Orest muss sich versündigen, egal, ob er seine Mutter tötet oder den Vater ungerächt lässt. Das die Mutter hier „verliert“ könnte auch daran liegen, dass sie sich bereits vorher durch einen Mord versündigt hat, die Rächerpflichten aber nicht gemildert werden (der Vater hatte nichts falsch gemacht).

All ihre Thesen zum Werdegang stützen sich letztendlich auf die These, dass man nicht als Frau zur Welt kommt, sondern es wird (S. 334).
Dabei geht sie auf biologische Begründungen in keiner Form ein, setzt sich daher auch nicht mit diesen positiv oder negativ auseinander. das mag am damaligen Stand der Forschung liegen, macht ihre Grundthese aber noch mehr zu einer Vermutung, denn die Beobachtungen, die sie macht würden ja genauso auftreten, wenn sie biologische Ursachen haben.

Beispielsweise schildert sie eine homosexuelle Frau, die sich sehr männlich benimmt. Dabei ist ihr Körperbau ebenfalls sehr männlich. Ihr ganzer Lebenstil ist der eines Mannes und sie gibt isch auch später als Mann aus und heiratet eine Frau. Beauvoir führt das auf den Vater zurück, der die Frau sehr männlich erzog.
Das ein männlicher Körperbau bei einer Frau auf hormonellen Störungen in der Geschlechterherausbildung im Mutterleib beruht und dabei auch gewisse Gehirnfunktionen auf „Männlich“ geschaltet wurden, wie (IMHO) Homosexualität heute erklärt wird, kommt in ihren Gedankengängen nicht vor. Die Ausführungen wie die Gesellschaft das soziale Geschlecht formt, sind daher eher zweifelhaft.
Lesben entschließen sich zur Homosexualität nach Beauvoir weil die Männer sie enttäuscht haben, weil sie die Männerrolle ausfüllen wollen, der ihnen ein entkommen aus der Tristigkeit des Frauenalltags bietet oder weil sie so keinen Herren haben, dem sie sich unterordnen müssen. Homosexualität ist eine freie Entscheidung, die nicht auf einem „sexuellen Schicksal“ beruht.
Wie dann die männliche Homosexualität entsteht verschweigt sie. Auch das es mehr Schwule als Lesben gibt läßt sie ausser acht, was natürlich bei einer Erklärung aus der Unterdrückung der Geschlechter durchaus interessant ist.

Sie stellt zwar kurz fest, dass „der Mann das Glück hat, daß man ihn zwingt, die steinigsten, aber sichersten Wege einzuschlagen“ (wobei sie sichersten in bezug auf die Unabhängigkeit versteht, S. 802) und auch das Knaben zunächst die härtere Kindheit haben und mehr geschlagen/weniger geschont werden, während Frauen alles auf den Weg der Bequemlichkeit lockt bis sie dieser unwiderstehlichen Versuchung nicht mehr widerstehen können.
Dabei stellt sie aber die Mühseligkeiten der männlichen Sozialisation nicht in Frage und erkennt nicht, dass auch hier viele Psychosen angelegt sind, die den Mann belasten.

Aufgrund all der Gesellschaftlichen Nachteile nimmt sich nach Beauvoir die Frau nicht als Subjekt wahr, sondern nur als „das andere“, wobei der Mann eben das wesentliche ist.
Auch das halte ich heute nicht mehr für zutreffend. Frauen sind heute bewußt Frauen und nehmen sich auch als solche wahr. Sie vertreten Fraueninteressen und stellen sich durchaus selbst in Frage, nehmen sich als Subjekt dar.

Die Mißachtung der Folgen von Gewalt allgemein und Härte in der Erziehung zeigt sich bei Beauvoir recht häufig. So ist es ihrer Auffassung nach auch „der schlimmste Fluch, der auf der Frau lastet, dass sie von den Kriegszügen ausgeschlossen ist“. Beauvoirs Ansicht zu einer Wehrpflicht für Frauen sollte damit eigentlich unstrittig sein, was vielleicht auch erklärt, warum A. Schwarzer, IMHO eine Beauvoir-Jüngerin, dies in ihren Büchern, wenn auch selten lautstark in der Öffentlichkeit, ebenfalls fordert.

Interessant fand ich noch folgende Stelle:

Frauen, die unter der Obhut eines Mannes aufwachsen, bleiben von der belastenden Seite der Weiblichkeit weitgehend verschont.
„Ein Fluch, der auf der Frau lastet, besteht darin, daß sie in ihrer Kindheit Frauenhänden überlassen wird.“ (S.348 )

Vorbild Beauvoirs sind jedenfalls die amerikanischen Frauen ihrer Zeit, die schon sehr dicht am Ideal der befreiten Frau dran sind. Da sich seit dem einiges getan hat und die Lage der Frauen deutlich besser geworden ist, ist eigentlich ein Großteil ihrer Kritik hinfällig. Über ihr späteres Werk und wie sie zu der Moderne steht habe ich aber noch nichts gelesen.

Zur Ergänzung:

Halper: Sex Differences In Cognitive Abilities

„At the time I started writing this book it seemed clear to me that any between sex differences in thinking abilities were due to socialization practices, artifacts, and mistakes in the research. After reviewing a pile of journal articles that stood several feet high, and numerous books and book chapters that dwarfed the stack of journal articles, I changed my mind. The literature on sex differences in cognitive abilities is filled with inconsistent findings, contradictory theories, and emotional claims that are unsupported by the research. Yet despite all the noise in the data, clear and consistent messages could be heard. There are real and in some cases sizable sex differences with respect to some cognitive abilities. Socialization practices are undoubtedly important, but there is also good evidence that biological sex differences play a role in establishing and maintaining cognitive sex differences, a conclusion I wasn’t prepared to make when I began reviewing the relevant literature.“

Diane F. Halper, American psychologist and past-president of the American Psychological Association, Author of Sex Differences In Cognitive Abilities

Feministische Theorie und mehrere Geschlechter

Der feministische Autor Heinz-Jürgen Voß fasst die Thesen seines Buches „Making Sex Revisited: Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive“ in einem Aufsatz für die Zeitschrift „Analyse &  Kritik: Zeitung für linke Debatte und Praxis“ zusammen.

Seiner Auffassung nach gibt es biologisch mehrere Geschlechter. Er stützt sich hier auf Judith Butler, die ihm aber nicht weit genug geht. Butler habe zwar erkannt, dass der Körper erst in der Gesellschaft gelesen werde, bleibe aber bei der Erscheinung zurück.

Als Beispiel für dieses Lesen des Körpers in der Gesellschaft wird angeführt:

Lange Zeit wurden weibliche und männliche Zeugungsstoffe gleichermaßen als „Samen“ beschrieben, z.T. mit Unterscheidung der Qualität; sie wurden allerdings nicht als binär und gegensätzlich wahrgenommen, wie es heute oftmals geschieht.

Ich muss Butler noch im Original lesen, dass Buch ist immerhin schon gekauft, aber der Sinn erschließt sich mir nicht. Wir bezeichnen zB Unterarme auch als Unterarme und haben keine Begriffe für weibliche und männliche Unterarme. Wenn eine Frau aber „Männerunterarme“ (kräftig, beharrt, dicker) haben würde, dann würde dies ihre Schönheit abwerten. Zu recht, denn die Muskulatur und die Beharrung deuten auf fruchtbarkeitsminderndes Testosteron hin, und genau das soll die eingespeicherte Geschlechtererkennung mit Hilfe von Attraktivitätsmerkmalen ermöglichen. Wir sprechen zwar mehr von anderen Attraktivitätsmerkmalen, wie Brüsten und Hintern, aber das bedeutet ja nicht, dass wir die Arme außer Betracht lassen. Ein Beleg wäre es für mich eher, wenn man den Damenbart irgendwo auf dieser Welt als sexy ansehen würde. Aber das kommt meines Wissens nach nicht vor. Aber gut.

Die eigentlich These ist, dass Geschlechter nicht biologisch in lediglich Mann und Frau eingeordnet werden können, weil die Herausbildung individuell erfolgt:

Nicht das „Gen“ (die DNA) enthält Informationen, sondern die Zelle und die in dieser ablaufenden Prozesse „sagen“, aus welcher DNA Information gebildet wird. Sie „sagen“ auch, welche Information aus einer DNA-Sequenz gebildet wird. So entstehen aus einer DNA-Sequenz oft unterschiedliche Produkte auf Protein-Ebene. (…)

Dieser Prozess sei offen. Es liege kein statischer Raum vor, Einflüsse aller Art könnten einwirken. Demnach bildet sich der Genitaltrakt stets verschieden heraus.

Ich denke nicht, dass biologische Vorgänge so ablaufen. Denn da alles in uns auf Genen und deren Umsetzung beruht würde dies bedeuten, dass wir dann stets einen individuellen Menschen haben würden. Der Mensch an sich (und alle Lebewesen) scheint mir aber innerhalb bestimmter Parameter sehr konstant. Hätten wir eine so große Variationsrate, dass quasi zufällig ein Penis oder eine Vagina entstehen könnten, weil genetische Daten ohne Defekt dieser Daten so oder so ausgeführt werden, dann müsste der Mensch wesentlich abweichender sein und das Medizinstudium wäre noch eine Ecke schwieriger als es ohnehin schon ist.

Ich habe dort ein paar Fragen in den Kommentaren hinterlassen, die ich hier noch einmal wiederhole. Vielleicht klärt sich ja so auf, wie das klappen soll:

Nach dieser These haben wir dann auch nicht eine Leber oder einen Bauch, sondern unzählige individuelle Lebern und Bäuche, weil da ja die gleichen Gene etc greifen oder?

Dann kann zB Morbus Wilson eine neue Sorte Leber bewirken, so wie complete androgen insensitivity ein neues Geschlecht bewirkt?

Der Anteil der Intersexuellen liegt ja zwischen 0.018% – 1,7%, bei den anderen Menschen werden die Genitalien und sonstige Geschlechtsmerkmale hingegen zwar innerhalb bestimmter Spannen, aber klar erkennbar herausgebildet.

Der Grund für die Herausbildung der Geschlechter ist so wie ich das sehe in der Biologie noch nicht umunstritten. Momentan scheint mir die „Red Queen“ Theorie die überzeugendste zu sein.

Wie würden sich noch mehr Geschlechter eigentlich darin einordnen?

Zumal das Fortpflanzungsverhältnis bei den „zusätzlichen Geschlechtern“ ja noch verschlechtert, da viele nicht fortpflanzungsfähig sind und damit die Theorie, dass dadurch das Wettrüsten zwischen Parasit und Wirt wie in der Red Queen Theorie dargelegt nicht mehr klappt.

Bei den Theorien, warum sich Sex lohnt wird viel mit mathematischen Modellen gerechnet, die Überprüfen, wie sich die Nachteile, dass man zwei Wesen braucht statt nur eins um sich fortzupflanzen (im Gegensatz zu einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung) auswirken. Gibt es solche mathematischen Modelle auch für die „Mehr-Geschlechter-Theorie?“

Die meisten Intersexuellen werden durch bekannte Gendefekte hervorgerufen:

Ich verwende die Auflistung bei Fausto-Sterling (allerdings aus dem Netz kopiert, nicht aus dem Buch abgeschrieben).

(a) late-onset congenital adrenal hyperplasia (LOCAH), 1.5/100; (b) Klinefelter (XXY), 0.0922/100; (c) other non-XX, non-XY, excluding Turner and Klinefelter, 0.0639/100; (d) Turner syndrome (XO), 0.0369/100; (e) vaginal agenesis, 0.0169/100; (f) classic congenital adrenal hyperplasia, 0.00779/10; (g) complete androgen insensitivity, 0.0076/100; (h) true hermaphrodites, 0.0012/100; (i) idiopathic, 0.0009/100; and (j) partial androgen insensitivity, 0.00076/100.

Wenn es biologisch mehrere Geschlechter gibt, dann müssten diese Abweichnungen ja keine Fehler (in biologischer, nicht in menschlicher Hinsicht), sondern Varianten sein, also ihr Vorhandensein durch Evolution gefördert worden sein. Wie würde sich dies, insbesondere bei den sterilen wie zB Klinefelter zu erklären sein?

Auch interessieren würde mich, ob die Ansichten von Heinz-Jürgen Voß der Stand der feministischen Forschung sind, also im Feminismus akzeptiert sind.

Frauen, Status, hohe Positionen

Bei Antje Schrupp findet sich die folgende Aussage über Frauen:

Die frauenpolitischen Erfahrungen anderer Parteien zeigen aber deutlich, dass Frauen eine viel geringere Neigung haben, sich für Ämter zur Verfügung zu stellen als Männer. Sie bevorzugen andere Arten, politisch aktiv zu sein. Der Anreiz, ein Amt zu bekleiden, ist für sie aus vielen Gründen (die zu analysieren wäre ein anderes Thema) weniger hoch als für Männer.

Lässt man den Dingen einfach ihren Lauf, sind Männer deshalb überall klar in der Überzahl. Wenn man Frauen in Ämtern haben will, muss man also mehr tun, als ihnen die Kandidatur einfach zu erlauben. Das mag man gut oder schlecht finden, es ist einfach eine Tatsache.

Biologisch hätte ich zwei Ansätze:

  • Testosteron erhöht die Risikobereitschaft, insbesondere bei Männern (vgl. zB hier, hier, hier, hier). Die Übernahme einer Kandidatur bedeutet Öffentlichkeit, im Rampenlicht stehen, Angreifbarkeit, also ein Risiko.
  • Männer haben ein höheres Interesse an Status, weil dadurch auch ihre Attraktivität für das andere Geschlecht steigt. (vlg. hier zu Status und Attraktivität)

Interessant finde ich es aber auch, die Argumentation auf die Wirtschaft zu übertragen. Auch dort gibt es mehr Männer an der Spitze. Wenn die obige Vermutung stimmt, dass Frauen sich weniger für „Ämter“ zur Verfügung stellen, dann müsste es auch bei Beförderungen auf einen höheren Posten weniger weibliche Bewerber geben, was dann auch zu weniger Besetzungen mit Frauen an der Spitze führt.

Ich vermute allerdings, dass die feministische Begründung eher darauf abstellen wird, dass die Frauen sich aufgrund des ihnen auferlegten gesellschaftlich begründeten Rollenbildes nicht trauen oder aber durch den ihnen bereits bekannten Sexismus abgeschreckt werden.

Auch dies würde allerdings eher Selbstbewußtseinskurse für Frauen erforderlich machen, damit diese ihr Rollenbild überwinden. Leider wird eher auf Quoten gesetzt, in der Hoffnung, dass diese dann die nötige Vorbildfunktion erzeugen. Ich denke, dass hier auch dogmatische Gründe entgegenstehen: Darauf abzustellen, dass die Frauen sich entwickeln müssen ist Sexismus, auch wenn es helfen könnte. Rollenbilder arbeiten allerdings recht langsam, sind eher was für die nächste Generation.

Feministische Gehirne und männliche Ausrichtung

Im Nachtrag zu dem bereits hier kurz angesprochenen Artikel über Testosteron und die „digit ratio“ also das Verhältnis der Fingerlängen zueinander vergleichen jetzt Leser beim Mädchenblog ihre Fingerlängen.

Es scheint als wäre bei einigen das Ergebnis durchaus übereinstimmend:

ich hab total „weibliche“ Formen, ein mackeriges auftreten, kann nicht einparken und hab nen deutlich längeren Ringfinger. Hilfe, ich bin verwirrt! was ist mit mir?

Die Biologie ist wenig verwirrt, schließlich wird der „Verhaltensbereich“ im Gehirn zu einer bestimmten Zeit vor der Geburt im Mutterleib ausgebildet und kann insofern auch bei „weiblichen Formen“, die sich wesentlich später ausbilden und dann eher auf gesunde Eierstöcke, die Östrogen produzieren zurückzuführen sind, vorliegen.

Ein weiterer Kommentator beschreibt, dass sie gerne mit Pfeil und Bogen spielte und ebenfalls ein männliches Fingerlängenverhältnis hat. Natürlich können auch Frauen mit Pfeil und Bogen spielen, über Pfeil und Bogen findet sich nichts in den Genen. Die Art des Spielens ist eher entscheidend. Das  klassische Pfeil und Bogen Spiel dürfte besser zu einem männlichen Gehirn mit einer Beziehung zu Sachen, räumlichen Denken und wenig „Beziehungsspiel“ liegen. Wenn eine Mädchen mit Spielzeugautos spielt, die Geschichten aber eher „Cars“ ähnlich sind, also zB auf den Beziehungen der Autos untereinander aufbauen, wäre dies eher ein weibliches Gehirn.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass viele Feministinnen eher eine männliche Gehirnausrichtung haben. Dazu hatte ich schon mal im Blog von Morjanne was geschrieben, was ich der Einfachheit halber hier noch mal anfüge:

Nehmen wir nur einmal als Gedankenexperiment an, dass Pease und Pease recht haben und du ein „männliches Gehirn“ abbekommen hast (gleichzeitig aber sich der Teil, der die sexuelle Präferenz betrifft wie sonst auch bei Frauen entwickelt hat). In deiner Kindheit hättest du viel mit Jungs gespielt und wärst wahrscheinlich recht wild gewesen, was aber als Kind noch nicht so auffällt. Mit Eintreten der Pubertät werden die Geschlechterrollen deutlicher. Du nimmst dich anders als die anderen Frauen wahr und verstehst nicht, warum viele Frauen Dinge „Frauendinge“ machen. Viele Sachen, die Frauen typischerweise machen machen dir weniger Spass als deinen Freundinnen, du merkst das du viele Jungensachen gerne machst. Also fragst du dich WARUM machen andere Frauen diese Sachen, ich aber nicht. Was dich direkt zu der Beschäftigung mit den Geschlechterrollen bringt. Hier findest du in der feministischen Literatur den Hinweis auf die Konstruktion der Geschlechterrollen. Du kommst zu dem Entschluss, dass du es im Gegensatz zu den anderen Frauen geschafft hast diese Konstruktion zu durchschauen und dich von ihr frei zu machen. Ein gutes Gefühl. Du bist eine befreite Frau. Du bist nicht anders als die anderen, sie sind einfach noch nicht so weit wie du. Tatsächlich hättest du dich nach Pease und Pease aber nicht von dem Rollenbild befreit, sondern lebst lediglich mit einem Gehirn das deiner phänotypischen Erscheinung nicht entsprichst und von vorne herein frei von weiblichen Rollenbildern war (weil männlich ausgerichtet) Der feministische Gedanke hat aber den Vorteil, dass du nicht eine „andere Frau“ (völlig wertneutral gemeint) sondern eine „bessere Frau“ (weil eine die sich frei gemacht hat von den Regeln der Gesellschaft) bist. Das macht den Gedanken in der Selbstwahrnehmung natürlich wesentlich attraktiver.

Mir ist in früheren Diskussionen schon aufgefallen, dass viele Feministinnen in einer „Pease und Pease Debatte“ angeben, dass der Test bei ihnen ein „männliches Gehirn“ ergibt (siehe auch steve oben). Das erscheint mir logisch, Frauen mit einem „mänlichen Gehirn“ spüren am meisten den „Rollendruck“, so dass sie Erklärungen suchen und die Idee des sozialen Rollenkonstrukts ist dabei die für einen selbst positivste.

Ich bin also für einen umfassenden Test der „Digit Ratio“ bei Feministinnen, vielleicht auch noch eine Messung des Hüft-Becken-Indexes (später wirkendes Testosteron müsste schmalere Hüften machen).

Digit Ratio und Testosteron

Auf dem Mädchenblog lästert Leonie in klassisch feministischer Manier angesichts eines Artikels bei Profil.at  mit dem Titel „Testosteron: Was macht einen Mann zum Mann“ über biologische Theorien. In die Tiefe gegangen wird nicht, es ist eher ein allgemeines Lustigmachen aus aktuellen Anlass. Dort findet sich dann auch die folgende Passage:

Der Artikel und die darin enthaltenen unhaltbaren Aussagen lassen sich aber sogar von meinem Bett aus widerlegen:

Ein typischer Indikator sei das Längenverhältnis von Zeige- und Ringfinger, so die Forscher: Ein längerer Ringfinger spreche für eine höhere Testosteronkonzentration und männlichere Gesichtszüge.

Mein Ringfinder ist länger und war es auch schon immer, ich bin aber weder männlich noch habe ich männliche Gesichtszüge. Ich bin eher das, was man nach gängiger Vorstellung als „weiblich“ bezeichnen würde und wenn ich einen Stein finden würde, würde ich zuallererst die Profil-Redaktion damit bewerfen.

Dass das Fingerwachstum auf Testosteron reagiert ist allerdings nicht an den Haaren herbeigezogen. Ich verweise da mal auf den Wikipedia-Beitrag

The digit ratio is the ratio of the lengths of different digits or fingers typically measured from the bottom crease where the finger joins the hand to the tip of the finger. It has been suggested by some scientists that the ratio of two digits in particular, the 2nd (index finger) and 4th (ring finger), is affected by exposure to androgens e.g. testosterone while in the uterus and that this 2D:4D ratio can be considered a crude measure for prenatal androgen exposure, with lower 2D:4D ratios pointing to higher androgen exposure.

2D:4D is sexually dimorphic: in males, the second digit tends to be shorter than the fourth, and in females the second tends to be the same size or slightly longer than the fourth. Homosexual men have been noted to have a higher 2D:4D digit ratios than heterosexual men (zum Artikel: Digit Ratio (Wikipedia))

Wenn Leonie ein männliches Fingerverhältnis hat, dann spricht eine hohe Wahrscheinlichkeit das dafür, dass sie zu einem bestimmten Zeitpunkt Testosteron ausgesetzt war. Jetzt müsste man ihr bisheriges Leben analysieren um zu schauen, ob Abweichungen bestehen. Allerdings handelt es sich eben um einen groben Vortest.

Vom Bett aus widerlegt ist jedenfalls nichts.

Leonie spart sich im übrigen aber auch eine Auseinandersetzung mit den Argumenten des Artikels zu einer männlichen Gehirnausrichtung. Schade.

Biologische Unterschiede zwischen Mann und Frau: Nachfragen

Eine Kommentatorin namens Anna hatte ein paar Nachfragen, die einen eigenen Beitrag wert sind:

Warum diese Fixierung auf Unterschiede, wenn z.B. (vermutlich mindestens) 75% des menschlichen Genoms invariant sind? Es gibt genügend Experimente etwa aus der Hirnforschung, die zeigen, dass es in der Funktionsweise der Gehirns keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Warum beschäftigen wir uns so wenig mit solchen Ergebnissen? Vielleicht, weil Unterschiede einfach spannender sind als Gemeinsamkeiten? Welches Erkenntnisinteresse steht hinter Deiner Beschäftigung mit den Unterschieden? Und möchtest Du irgendwelche gesellschaftlichen Praxen aus dieser Fokussierung auf Unterschiede ableiten? Wenn also die Gesellschaftsstruktur mit ihren Ungerechtigkeiten (Stichwort: Intersektionalismus) „alles Evolution“ ist, müssen wir das dann hinnehmen?

Und im Nachtrag:

In welchem Verhältnis siehst Du denn den Einfluss von Natur und Kultur? Hebt denn das „natürliche“ Verhalten der Mannes bedingt durch Testosteron männliche Hegemonie auf?

Achja: woher eigentlich die Erkenntnis, dass sex-positive Frauen unglücklich sind?

Da die Antwort länger wurde und zudem die Fragen ihrer Art nach häufiger vorkommen, mache ich daraus einen eigenen Beitrag.

a) Warum diese Fixierung auf Unterschiede, wenn z.B. (vermutlich mindestens) 75% des menschlichen Genoms invariant sind?

Weil die Unterschiede im menschlichen Genom und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern etwas ganz anderes sind. Ich will das mal an einem Beispiel erläutern:

Nehmen wir ein Dorf, das Häuser aus Stein baut und ein Haus, das Häuser aus Holz baut. Innerhalb des Dorfes können erhebliche Unterscheide bestehen, etwa in der Anzahl der Stockwerke, der Bauweise, der Farbe, der Anzahl der Fenster, der Zimmerverteilung, der internen Aufteilung und der Dicke der Wände. Dennoch lässt sich unproblematisch ein Unterschied zwischen den Dörfern feststellen, nämlich das verwendete Baumaterial. Es kann trotz aller Umterschiede sinnvoll sein über die Auswirkungen dieser verschiedenen Baumaterialien zu sprechen. So ist anzunehmen, dass in einem Dorf, in dem alle Häuser aus Holz sind, Brandschutz eine wesentlich höhere Bedeutung hat als in dem Dorf, in dem die Häuser komplett aus Stein sind. Auch wird ein Geschäft mit Holzpolitur in dem einen Dorf gut laufen, in dem anderen aber nicht. Dort werden Steinmetze gefragt sein, im anderen vielleicht eher Schreiner.

Auch wenn die Unterschiede zwischen den Geschlechtern kleiner sind als zwischen Menschen an sich kann sich dies auswirken. Ich hatte das schon mal auf dem Mädchenblog erläutert.

Wenn Männer zwischen 1.45 und 2.30 m groß werden und Frauen zwischen 1,40 und 2,10 (fiktive Zahlen), der Durchschnittsmann aber 1,80 und die Durschnittsfrau 1,70, dann ist der Unterschied innerhalb der Kategorie Männner und innerhalb der Kategorie Frauen stärker ausgeprägt als der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Trotzdem ist der Unterschied deutlich vorhanden und die Aussage „im Schnitt ist ein Mann größer als eine Frau“ wahr. Ebenso wären mit hoher Wahrscheinlichkeit die 10 größten Menschen alle Männer etc.

b) Es gibt genügend Experimente etwa aus der Hirnforschung, die zeigen, dass es in der Funktionsweise der Gehirns keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.

Im Gegenteil, es gibt massig Unterschiede in der Funktion des Gehirns. Wir wissen teilweise noch nicht genau, wie sich diese auswirken, aber die Unterschiede sind vorhanden.

Das fängt beim Aufbau des Gehirns an:

Zum Beispiel haben Frauen ein anderes Verhältnis von grauer zu weißer Substanz, Frauen haben ein komplexeres Faltenmuster im superiofrontalen und parietalen Kortex, das Gehirnvolumen ist unterschiedlich, Geschlechtsunterschiede in der Größe des Neokortex sind bereits schon wenige Jahre nach der Geburt sichtbar, Sexualhormone entfalten während der frühen Gehirnentwicklung unumkehrbare Wirkungen auf die Gehirnmorphologie, es zeigen sich anatomische Sexualdimorphismen vor allen in Hirnregionen, in denen die Dichte der Androgenrezeptoren sehr hoch ist. Weitere Unterschiede sind im kortikalen Subregionen vorhanden. Bei Männern ist das Planum temporale, dass mit Sprachprozessen in Verbindung steht, auf einer Gehirnseite größer (links oder rechts), während bei Frauen diese Asymetrie deutlich geringer ist oder ganz fehlt. Genau anderes herum ist es beim Sulcus centralis. Der Corpus callosum, der die beiden kortialen Hemosphären miteinander verbindet, zeigt Geschlechterunterschiede, alle Bereiche im Gehirn, die Rezeptoren für Sexualhormone haben unterscheiden sich erheblich zwischen Mann und Frau. Männer und Frauen verarbeiten auch Pheromone im Gehirn anders. Die Amygdala ist bei Männern deutlich größer als bei Frauen(vgl Lautenbacher, Gehirn und Geschlecht – Neurowissenschaft des kleinen Unterschiedes zwischen Mann und Frau). Es zeigt sich auch, dass ein Auswahl bestimmter Gehirnregionen sich zwischen den Geschlechtern anders auswirkt. Männer haben zB häufig spezialisiertere Bereiche, so dass ein Ausfall dieser deutlichere Schäden hinterläßt.

Wenn du mit Funktionsweise die Ergebnisse der Leistung des Gehirns meinst, dann zeigen sich erhebliche Unterschiede im sprachlichen Bereich und im Bereich des räumlichen Denkens. Männer schneiden zB bei mentalen Rotationstest deutlich besser ab als Frauen. Frauen schneiden in der Feinmotorik und der Sprache besser ab als Männer. Männer sind auch an beiden Seiten des Intelligenzbereiches häufiger vertreten. Es gibt mehr männliche Idioten, aber auch mehr männliche Genies.

c) Warum beschäftigen wir uns so wenig mit solchen Ergebnissen? Vielleicht, weil Unterschiede einfach spannender sind als Gemeinsamkeiten?

Das alle Menschen Nahrung zum Leben brauchen bietet wenig Anlass zur Diskussion. Dies ist bei Mann und Frau soll, bietet also in Geschlechterfragen wenig Anlass zur Diskussion. In Geschlechterfragen geht es eben um Unterschiede, aber nicht nur. Aber diese werfen eben die meisten Streitpunkte auf. Ob aber der Umstand, dass mehr Männer Naturwissenschaften studieren und mehr Frauen Sprachen lediglich daran liegt, dass Frauen in Rollen gedrängt werden oder aber daran, dass ihren Gehirnen bestimmte Arbeiten leichter von der Hand gehen und den Menschen daher mehr „Spass“ machen ist eine Frage, die sich in der Gesellschaft auswirkt. Wenn Frauen aus biologischen Gründen Status in der Gesellschaft als Attraktivitätsmerkmal ansehen und Männer nicht, dann haben wir einen zusätzlichen Motivationsfaktor für Männer Karriere zu machen, der erklären könnte warum Männer soviel Arbeit in Bereiche investieren, bei denen sie davon ausgehen, dass dieser ihren Status erhöht. Wenn wir wissen, dass die Bewertung von Babys als niedlich mit dem Östrogen spiegel zusammenhängt erklärt das, warum Frauen Babys im Schnitt niedlicher finden als Männer.

d) Welches Erkenntnisinteresse steht hinter Deiner Beschäftigung mit den Unterschieden?

Ich würde sagen: Das Interesse, wie die Welt um mich herum funktioniert. Wenn etwas so ist, wie es ist ist aber das Erkenntnisinteresse dahinter relativ egal oder? Welches Erkenntnisinteresse besteht denn an der Ausblendung der Unterschiede?

e) Und möchtest Du irgendwelche gesellschaftlichen Praxen aus dieser Fokussierung auf Unterschiede ableiten?

Zunächst zu einem Mißverständnis: Ich konzentriere mich nicht lediglich auf Unterschiede. Ich finde auch viele Gemeinsamkeiten interessant. Diskutieren wird man über biologische Grundlagen nur, wenn Diskussionsbedarf besteht, also eine nicht biologische Alternativerklärung besteht.

Wie der Mensch an sich entstanden ist ist eine Frage, die man biologisch oder theologisch beantworten kann. Die biologischen Argumente interessieren mich da mehr, da dann insbesondere die Gemeinsamkeiten mit dem Tierreich. Denn das ist in diesem Bereich die Streitfrage.

Verschiedene biologische Grundlagen können insbesondere verschiedene Ansichten und Verhaltensweisen, die Männer und Frauen im Schnitt haben erklären. Die Aussagekraft für Einzelverhaltensweisen eines Mannes oder einer Frau sind aber gering, weil auch die Biologie lediglich von zwei Gausschen Verteilungskurven ausgeht und sich Mann und Frau dabei überschneiden, auch wenn diese so aussehen, dass eine Verteilung nach „männlich und weiblich“ meiner Meinung nach Sinn macht.

f) Wenn also die Gesellschaftsstruktur mit ihren Ungerechtigkeiten (Stichwort: Intersektionalismus) „alles Evolution“ ist, müssen wir das dann hinnehmen?

Jein. Die biologischen Unterschiede müssen wir hinnehmen, die daraus sich ergebende Gesellschaft sollte sie meiner Meinung nach mit einbeziehen, aber die Anwendungsbreite, die sich daraus ergibt ist breit.

Ein Beispiel:

Wenn wir annehmen, dass Männer aufgrund der höheren Testosteronproduktion ihrer Hoden mehr Interesse an Sex als solchen haben, dann sollte uns eine Gesellschaft oder Verhaltensweisen von Männer, die dies wiedergeben, nicht verwundern. Also wäre zB nicht verwunderlich, dass es mehr weibliche Prostituierte gibt. Dennoch sind männliche Gesellschaften denkbar, die die Unterschiede überbetonen und solche die den Trieb über Gebühr einschränken. Eine Gesellschaft, die z.B. die Vergewaltigung einer Frau durch einen Mann außer Strafe stellt könnte sich theoretisch auf diesen Unterschied stützen („Männer brauchen eben Sex“). Sie wäre aber dennoch nicht gerecht. Eine Gesellschaft, die einen Mann bestraft, der beim Anblick einer Frau eine Erektion bekommt, wäre ebenfalls verfehlt. Welchen Weg eine Gesellschaft einschlägt ist ihr überlassen.

Ein anderes Beispiel:

Wenn Männer Berufe, bei denen räumliches Denken gefordert ist, häufiger ergreifen als Männer oder darin im Schnitt besser abschneiden, dann kann dies eine gerechte Gesellschaft sein. Die Sonderförderung von Mädchen und die Vernachlässigung von Männern bis zu einer Angleichung wäre sicherlich vorstellbar, aber Ressourcenverschwendung. Genauso wäre es Ressourcenverschwendung nur Männer in dem Bereich zu fördern, weil die Theorie lediglich sagt, dass mehr Männer in diesem Bereich besser sind, nicht das Frauen nie gut in diesem Bereich ist. Eine sinnvolle Gesellschaft wäre es meiner Meinung nach, wenn man alle Menschen fördert, die ein gewisses Talent in dieser Richtung haben und die Quote sein lässt. Hier müsste man dann auf den einzelnen Menschen abstellen. Lediglich wenn man sich fragt, ob auch wirklich die weiblichen Talente entdeckt werden bietet sich eine Betrachtung der biologischen Unterschiede an, weil diese etwas über die Verteilung von Genies im räumlichen Denken sagt.

Was sich meiner Meinung nach also nicht lohnt ist zu versuchen die biologischen Unterschiede zu ignorieren, weil man meint so in der Theorie eine bessere Gesellschaft zu erhalten. Natürlich muss man dazu herausarbeiten, was eigentlich biologisch vorhanden ist und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben. Der Biologie ist es egal, ob sie gerecht ist. Aber nur weil es schöner wäre bringt es nichts einfach davon auszugehen, dass wir auch unter Wasser atmen können sollten um dann zu ertrinken.

Noch ein Beispiel außerhalb der Geschlechterfragen: Das Zölibat ist eine Unterdrückung des Sexualtriebes. Es hatte sicherlich seinen theologischen Sinn, führt aber dazu, dass sich der ignorierte und ausgeblendete Trieb seinen Weg sucht. Schon haben wir den Mißbrauchsskandal der katholischen Kirche.

Intersektionalität beschreibt die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Intersektionelle Diskriminierung liege vor, „wenn – beeinflusst durch den Kontext und die Situation – eine Person aufgrund verschiedener zusammenwirkender Persönlichkeitsmerkmale Opfer von Diskriminierung wird.  Ich sehe dadurch keine Änderung, da biologische Grundlagen biologische Grundlagen bleiben. Eine Frau aus Asien beispielsweise mag weniger Alkohol vertragen weil sie eine Frau ist (Frauen bauen Alkohol schlechter ab) und weil sie eine Asiatin ist (Asiaten fehlt häufig ein Enzym zum Alkoholabbau) (vgl hier). Diskriminiert man sie dann, wenn für beide die absolute Fahruntüchtigkeit auf 1,1 Promille gesetzt wird und sie dadurch länger kein Alkohol trinken darf? Nein, denn tatsächlich ist die Fahruntüchtigkeit länger eingeschränkt. Aber hier stecke ich nicht so tief in der Theorie, vielleicht kann jemand in den Kommentaren beispiele für intersektionale Diskriminierung darlegen, die biologisch relevant sind.

g) In welchem Verhältnis siehst Du denn den Einfluss von Natur und Kultur?

Ich denke, dass viele unser kulturellen Eigenarten und vieles in der menschlichen Gesellschaft biologische Hintergründe hat. Um so mehr man zu dem Thema liest, um so erstaunlichere Sachen entdeckt man.

Geoffrey Miller legt in „The Mating Mind“ zB dar, wie Gedichte, Literatur, Sprache etc. in der Biologie verwurzelt sind. Stichworte sind hier sexuelle Selektion und das Handicap-Prinzip. Dadurch wird es für den Mann interessant seine Stärken darzustellen, um so Weibchen anzulocken. Stärken darstellen kann man insbesondere dadurch, dass man zeigt, dass man trotz eines Handicaps überleben kann. Auf diesem Prinzip beruht zB der Pfauenschwanz. Sprache und Gehirn könnten menschliche Pfauenschwänze sein, denn in den Phasen, in den sich unser Gehirn vergrößerte, haben wir keine wesentlichen gesellschaftlichen oder technischen Fortschritte als Menschheit gemacht, die diese Entwicklung sonst erklären könnten und das Gehirn ist recht energiereich und auf Fähigkeiten ausgelegt, die damals das Überleben nicht wesentlich verbesserten. Wer gut Geschichten ausdenken konnte oder hochkomplizierte Sprache verwendet konnte so seine Fähigkeiten beweisen.

Vielleicht sollte man bei der Frage, was Natur und was Kultur ist auch danach differenzieren, auf welcher Grundlage man argumentieren will. Natürlich enthalten die Gene nicht tief verschlüsselt Shakespeares Werke, aber evt. die Liebe zu guten Geschichten und komplizierter Sprache.

Auf einem sehr grundlegenden Level ist Gefallen nur die Ausschüttung bestimmter Hormone, die meist ihren Sinn hatte. Sex gefällt uns nicht aus kulturellen Gründen, sondern weil eine Belohnung für die Übergabe einiger Genpakete wesentlich einfacher sicherstellt, dass diese weitergegeben wird als logisches Denken. Ebenso ist es einfacher uns bei einem vollen Magen Glück zu signalisieren und bei leeren Magen Hunger als lediglich darauf zu vertrauen, dass das Wissen um Essen und wann man es einnehmen soll von der Elterngeneration an die Kindergeneration weitergegeben wird. Wir mögen Schokolade nicht wegen der Kultur, sondern weil die Kombination  von Fetten und Zucker eine ideale Nahrungsquelle ist. Aus kulturellen Gründen mag es eine Vorliebe für Milka oder Lindor geben, das ändert aber nichts an der biologischen Grundlage. Weil unser Gehirn in Kleingruppen von maximal 100 Leuten entwickelt wurde haben wir erhebliche Ängste uns auch in Gegenwart Fremder zu blamieren, weil das Ansehen in der Gruppe damals über Leben und Tod entscheiden konnte und es wesentlich weniger Fremde gabe. Gleichzeitig ist Patriotismus aus dem Wunsch zu erklären Bestandteil einer Gruppe zu sein oder Religion aus einem Wunsch nach Führung. Kleidung und Mode ist Kultur, aber sie wird bei Männern meist breite Schultern bevorzugen und der Wechsel der Mode ist leicht damit zu erklären, dass ein Wunsch besteht, sich an die Spitze einer Gruppe zu setzen oder zu erkennen, was gerade an der Spitze der Gruppe als gut angesehen wird um dies zu kopieren.

All dies ließe sich endlos fortsetzen.

h) Hebt denn das „natürliche“ Verhalten der Mannes bedingt durch Testosteron männliche Hegemonie auf?

Hegemonie bedeutet Vorherrschaft oder Überlegenheit. Damit wäre die Frage, ob überhaupt eine männliche Vorherrschaft besteht. Ich würde eher davon ausgehen, dass Männer und Frauen verschiedene „Herrschaftsbereiche“ haben. Es mag sein, dass die Wirtschaft überwiegend männlich besetzt ist, allerdings wird das meiste Geld von Frauen ausgegeben bzw. die meisten Konsumentscheidungen von Frauen getroffen. Genug Frauen haben auch Macht über ihre Männer, so dass die Machtfrage nicht einfach zu beantworten ist. Zudem besteht im Bereich Familie ein deutliches Machtübergewicht der Frauen. Es ist eben eine Frage, was man wie bewertet.

Ich nehme aber an, dass du mit deiner Frage meinst, ob Testosteron an sich eine Überlegenheit des Mannes bewirken könnte oder sollte. Bei der Frage des Können würde ich sagen ja. In einer primitiven Gesellschaft könnte der durch die anabole Wirkung von Testosteron hervorgerufene Kraftvorteil zu einer Vorherrschaft des Mannes führen. In einer modernen Gesellschaft sehe ich dies nicht, da körperliche Kraft immer weniger eine Rolle spielt.

i)  woher eigentlich die Erkenntnis, dass sex-positive Frauen unglücklich sind?

„Sex-Positive Frauen“ wäre erst einmal zu definieren. Sex-positiver Feminismus ist ja auch nicht dafür, dass eine Gesellschaft geschaffen wird, in der alle irgendwie miteinander schlafen sondern hat einfach nur eine Einstellung zum Sex, die nicht so abgedreht ist, wie im Radikalfeminismus sondern im wesentlichen den derzeitigen Umgang mit Sex in der westlichen Welt wiederspiegelt.

Wenn damit hingegen Frauen gemeint sind, die Sex mit möglichst vielen, körperlich attraktiven Partner haben wollen, ohne sich diesen gegenüber binden zu wollen, so muss man differenzieren: Einige Frauen können so sicherlich sehr gut leben. Ich denke nur, dass es für den Schnitt der Frauen nichts ist. Wenn Anna noch mitliest: Was läßt dich anderes vermuten?

Biologische Grundlage ist Testosteron und zudem auch eine andere Ausrichtung des Gehirns in den Bereichen, die mit Sex zu tun haben. Evolutionsbiologisch wäre noch hinzuzufügen, dass dies auch die zu erwartende Verteilung zwischen den Geschlechtern ist, da ein Mann wesentlich verschwenderischer mit seinem Sperma umgehen kann als eine Frau mit ihren Eiern und ein Mann die Kosten einer Schwangerschaft zumindest in den für die Evolution relevanten Zeiträumen wesentlich leichter an die Frau abgeben konnte als die Frau an den Mann.

Das wird auch im tatsächlichen Leben bestätigt. Tiger Woods ist nicht durch Zufall ein Mann. Prostituierte nicht durch Zufall hauptsächlich weiblich etc.

Axe-Werbung und Sexismus

Bei der Mädchenmannschaft bespricht man eine als sexistisch bewertete Axe-Werbung:
Das Bild zeigt eine leicht bekleidete Frau, die ein Flugzeug auf einem Flugzeugträger einweist.
Ich vemute, dass die Werbung die Grundaussage der anderen Axe-Werbungen fortführt, dass sich mit der verwendung von Axe die Rolle umkehrt, nunmehr also die Frauen gerade diesen Mann wollen. Wo dies vorher dadurch deutlich gemacht wurde, dass sich Frauen auf den Mann stürzen wird die aktive Rolle der Frau dadurch hervorgehoben, dass sie den Mann selbst ins Ziel lotst, verkörpert durch die Einweiserzeichen. Diese Umkehr der Rollen soll für den Mann (oder nach Zielgruppe: Jungen) dadurch noch attraktiver werden, dass die Frau, die ihn zu sich lenkt als sehr attraktiv dargestellt wird (schlanke, lange Beine, knackiger Hintern). Dies wiederum wird dadurch verstärkt, dass ihre Kleidung sehr sexuell gestaltet ist, so dass der Eindruck erweckt werden soll, dass eine sexuell interessierte Frau ihn zu sich lotst.
Die Werbeaussage wäre daher: Verwende unser Deo und sexy Frauen werden hinter dir hersein, um Sex mit dir zu haben.
Also im Endeffekt: Verwende unser Deo und deine sexuellen Traumvorstellungen werden in Erfüllung gehen
Das Äquivalent wäre meiner Meinung nach George Clooney, der einer Frau, die dieses Deo benutzt, seine ewige Liebe schwört, also ein Statusmann, der Sex in einer exklusiven Beziehung anbietet.

Ich vemute, dass die Werbung die Grundaussage der anderen Axe-Werbungen fortführt, dass sich mit der verwendung von Axe die Rolle umkehrt, nunmehr also die Frauen gerade diesen Mann wollen. Wo dies vorher dadurch deutlich gemacht wurde, dass sich Frauen auf den Mann stürzen wird die aktive Rolle der Frau dadurch hervorgehoben, dass sie den Mann selbst ins Ziel lotst, verkörpert durch die Einweiserzeichen. Diese Umkehr der Rollen soll für den Mann (oder nach Zielgruppe: Jungen) dadurch noch attraktiver werden, dass die Frau, die ihn zu sich lenkt als sehr attraktiv dargestellt wird (schlanke, lange Beine, knackiger Hintern). Dies wiederum wird dadurch verstärkt, dass ihre Kleidung sehr sexuell gestaltet ist, so dass der Eindruck erweckt werden soll, dass eine sexuell interessierte Frau ihn zu sich lotst.

Die (nicht sehr subtile) Werbeaussage wäre daher: Verwende unser Deo und sexy Frauen werden hinter dir hersein, um Sex mit dir zu haben.

Also im Endeffekt: Verwende unser Deo und deine sexuellen Traumvorstellungen werden in Erfüllung gehen. Den eine schöne Frau, die Sex mit einem will dürfte ein Traumvorstellung der meisten Männer sein.

Das Äquivalent wäre meiner Meinung nach George Clooney, der einer Frau, die dieses Deo benutzt, seine ewige Liebe schwört, also ein Statusmann, der Sex in einer exklusiven Beziehung anbietet.

Denn ein Mann mit hohem Status, der dauerhaften Sex mit ihr will dürfte eine Traumvorstellung der meisten Frauen sein.

Die erste Werbung wird als sexistisch angesehen, weil sie die Traumvorstellung der Männer betont und für die Darstellung dieser die Darstellung eines anonymen Körpers genügt. Die Werbung für die Frau wäre hingegen gesellschaftlich akzeptabel, macht aber auch nichts anderes als deren sexuelle Vorlieben umzusetzen.

Letztendlich zeigt sich damit nur, dass die sexuellen Vorlieben von Männern gesellschaftlich weniger akzeptabel sind als die sexuellen Vorlieben von Frauen.

Das es Werbung für Frauen-Deos in der oben dargestellten Form nicht gibt dürfte daran liegen, dass Düfte, die sexuelles Verlangen wecken, glaubwürdiger sind, als Düfte, die Beziehungswünsche wecken.

Möglich wäre auch eine Werbung, in der der Duft möglichst vielen Männern oder einem sonst als Statusmann gekennzeichneten Mann den Kopf verdreht (also nicht nur einfach sexuell anzieht). Zu erwarten wäre, dass die Frau die vielen Männer ignoriert und dem Statusmann allenfalls einen kleinen Blick schenkt, , um ihren Status zu betonen.

Dies ist auch in Frauenparfümwerbungen ein gerne verwendetes Schema.

Frauendeowerbung baut daher eher auf andere Faktoren, wie Sicherheit vor sozialer Bloßstellung oder Erhöhung der Attraktivität, beides indem betont wird, dass das Deo lange Zeit Schweiß zurückhält und keine Ränder hinterlässt.

Der Werbespot zu dem Plakat geht insofern noch weiter und befördert den Mann auch noch in eine Statusrolle, nämlich als Pilot eines Kampfjets. Eine klassische Alphamannrolle, die wohl an Top-Gun erinnern soll. Übrigens ein hervorragender Film was die Darstellung eines Alphamannes angeht, was verständlich macht, warum Axe das Bild für seine Werbung heranzieht.

Männerbewegung und weibliche Privilegien

Nachdem ich in Richtung Feminismus ja schon einiges geschrieben habe und es sich für einen jungen Blog ja auch anbietet in alle Richtungen zu schlagen um seine Position zu erkämpfen, hier nunmehr eine Stellungnahme in Richtung Männerbewegung.

Anlass ist ein Artikel auf dem Blog „Söhne des Perseus“ in dem es um die schonungslose Aufdeckung von weiblichen Privilegien geht.

1. Keine staatlichen Zwangsdienst

Zu Zwangsdiensten hatte ich auch schon etwas geschrieben. Der Wehrdienst ist ungerecht und eine einseitige Belastung für Männer. Das sollte eine klare feministische Position sein, die so leider selten ausgesprochen wird. Ich meine allerdings Alice Schwarzer, so wenig ich auch ansonsten mit ihr übereinstimme, hat dies ebenfalls einmal so gesagt.

Der Ton, in dem dort geschrieben wird, insoweit gebe ich dreihälften Recht, ist einer Diskussion nicht förderlich. Es bringt nichts Feministen oder noch schlimmer Frauen an sich als „23 %-Betroffenheitstruppe“  zu bezeichnen und dann noch die anderen Gleichheitsfragen mit hineinzumengen. Es bringt schon deshalb nichts, weil das Aufrechnen von Benachteiligungen genau eine der Fehler des Feminismus ist. Das Argument, dass Frauen nicht Opfer sein können, weil Männer einem Zwangsdienst ausüben ist genau so schlecht wie das Argument, dass Jungs in der Schule nicht gesondert gefördert werden sollten, weil die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben existiert.

2. Bessere medizinische Versorgung

Männer werden nicht so alt wie Frauen, ihre Vorsorgeuntersuchungen sind schlechter ausgestaltet, Männer erleiden mehr Arbeitsunfälle, die Suizidrate bei Männern ist deutlich höher. Als dies ist die negative Seite des Rollenbildes Mann, der Versorgertätigkeit und des Statusgedanken und es wird im Feminismus wenig behandelt. Dort ist Karriere im Beruf häufig etwas, was nur durch „das Patriarchat“ verhindert wird, die Glasdecke trennt die Frauen von den „guten Jobs“, die auch noch lediglich aufgrund der patriarchalischen Strukturen (im linken Feminismus auch: des Kapitalismus) nicht mit einer Kindererziehung und einer 40 Stunden Woche vereinbar sind.

All dies ist richtig und kritisierenswert. Aber es darf nicht zu einem herunterspielen des männlichen Anteils führen:

Man redet solche schockierenden Erkenntnisse schön, indem man den Männern selbst die Schuld dafür gibt, dass sie früher und eher sterben als Frauen. Doch es sind gerade die Frauen, welche ihre Männer drangsalieren, mehr und härter zu arbeiten, sie mit weiblichem Psychoterror bombardieren, ihnen einreden, dass echte, wahre Männer Mühsal und Last ohne zu Klagen auf sich zu nehmen und sich im Zweifelsfall für Frau und Kind zu opfern hätten.

Frauen stehen auf Status und beruflicher Erfolg kann Status bringen, soviel ist richtig. Übersehen werden hierbei aber mehrere Punkte.

Erstens ist es Sache des Mannes zu entscheiden, durch welche weiblichen Ringe er springen will. Natürlich ist ein Druck vorhanden und dieser ist höher als bei den Frauen, aber es besteht immer noch eine Verantwortung des Mannes wie er damit umgeht. Natürlich stehen dieser Verantwortung Unterhaltspflichten etc gegenüber, die einen Teil der Freiwilligkeit entfernen können, aber dennoch sollte man nicht allein auf weiblichen Druck abstellen.

Zweitens ist Status ein Wert für den Mann an sich, den er auch aufgrund biologischer Gründe aufbaut. Die sexuelle Selektion bewirkt, dass Männer um die Aufmerksamkeit der Frauen genauso buhlen, wie alle anderen Tiere. Bei vielen sozialen Tieren, gerade den Menschenaffen, ist die Postion in der Gruppe und die Wertschätzung durch diese ein Faktor, der als attraktiv wahrgenommen wird. Männchen, die den inneren Wunsch haben dort möglichst gut abzuschneiden, werden mehr Nachkommen erreicht haben, so dass der Wunsch einen höheren Status zu haben nicht nur durch das gegenwärtige Verhalten der Frauen erzeugt wird, sondern tief in uns verwurzelt sein dürfte. Genug Männer würden dies auch in einer fiktiven Welt ohne Frauen machen. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht dieser genetischen Programmierung bewusst werden sollte und ihre Auswirkungen steuer sollte. Eine urzeitliche Programmierung lässt uns auch mehr essen als uns lieb ist, weil Reserven für schlechte Zeiten benötigt werden, die wir heute nicht mehr brauchen. Aber das Männer Status bilden wollen ist nicht nur ein Kampf um die Frau oder dessen Wollen, sondern auch ein Kampf unter Männern (der biologisch dazu dienen sollte die Fortpflanzungschancen zu verbessern, aber ebenso wie übermässiges Essen von dieser Funktion abgekoppelt ist).

Dieses verankerte Statusbilden geht zudem einher mit einer höheren Risikobereitschaft und einer verminderten Bereitschaft Schwäche in der Gesellschaft zu zeigen. Für Männer war es biologisch sinnvoll mehr Risiken einzugehen, wenn dies mehr Nachkommen bedeutet. Für Frauen ist dies biologisch weit weniger sinnvoll. Die Grundlagen hierzu finden sich zB bei Miller, The Mating Mind oder auch bei Dawkins, das egoistische Gen, und ziehen sich durch einen Großteil des gesamten Tierreiches. Das Testosteron auch die Risikobereitschaft erhöht ist biologisch in verschiedensten Stufen nachgewiesen. Genauso machten sich Männer, die öffentlich Schwäche zeigten früher unattraktiver, so dass auch hier genetische Gründe vorliegen, wesentlich weniger offen zu legen. All dies führt zu weniger Arztbesuchen bei Männern und weniger Bereitschaft Vorsorge zu machen. Natürlich kommen noch andere Fakten dazu: Ein Mann muss sich häufig einen Tag frei nehmen um sich Zeit für Arzttermine zu machen. Schon deswegen sind viele wesentlich seltener beim Arzt, sondern sitzen bestimmte Krankheiten aus. Natürlich sollte man gegen diese Faktoren ankämpfen und mehr Werbung für männliche Vorsorge machen.

Die Schuld auf die Frauen zu verlagern, bringt aber wenig.

3. Massive mediale Aufmerksamkeit

Frauenprobleme genießen wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Der Feminismus wird sagen, dass dies noch zu wenig ist, weil die Probleme auf Frauenseite wesentlich größer sind. Der Maskulist wird hingegen gerne lächerlich gemacht, wenn er Probleme anspricht. Das ist ein beklagenswerter Zustand, insbesondere weil der Feminismus dann nicht selten tief in die Dreckkiste greift und aus Rollenbildern hinaus angreift. Damit meine ich, dass dann den Männern, die die Probleme ansprechen, vorgehalten wird, dass sie eben keine Männer sind. Gerne werden Verniedlichungsformen wie Männlein verwendet oder darauf verwiesen, dass es „Versager sein, die keine abbekommen“. Was so ziemlich das Aquivalent der Erwiderung an eine Feministin ist, dass sie eigentlich nur mal einen Mann braucht, der ihr ihren Platz zeigt indem er sie so richtig durchnimmt oder vielleicht, noch gleichwertiger, sie als hässlich bezeichnet.  Aber es macht deutlich, wie tief verwurzelt Attraktivitätsmerkmale in Menschen sind. Klassische Attraktivitätsmerkmale bei Männern, oder auch „Demonstrations of higher Value (DHV)“ oder „attraction switches“ sind

  • Anführer anderer Männer („Leader of men“)
  • Beschützer ihm Nahestehnder („Protector of loved ones“)
  • Von anderen Frauen für gut befunden („Pre-Approved bei other Women“)

All diese Merkmale arbeiten gegen die Männerbewegung. Wer sich auf Schwächen beruft, gerade wenn er jammert, der ist kein Anführer. Wer meint, dass Frauen keine Opfer sind, sondern seine Probleme größer und das daran die Frauen schuld sind, der beschützt nicht, hingegen kann es attraktiv sein, den „weißen Ritter“ zu geben, indem man sich gegen die Männerbewegung stellt. Und wer breite Ablehnung erhält der ist wird eben auch nicht für „gut“ befunden.

Auch hier ist also ein Teil des Problems selbstgemacht, denn zum einen springen auch viele Männer der Männerbewegung nur sehr zögerlich bei, weil sie meinen durch den Hinweis auf Schwächen Status zu verlieren. Zum anderen, auch wenn dies schade ist, behindert der häufig sehr weinerliche Ton (ja, ich sehe was ich da mit der Männerrolle mache) und die Betonung des eigenen Opferstatus die Diskussion.

Ich meine die Männerbewegung würde bei einem anderen Auftreten mehr Aufmerksamkeit erhalten, die amerikanische Seite „Spearhead“ ist da meine ich vom Ton her besser aufgestellt.

Auch Kommentatoren wie „JJ“ auf der Seite Mädchenmannschaft (leider dort vergrault durch die Kommentarpolitik) schaffen es, ihre Position aus einer Position der Stärke heraus vorzutragen, indem sie ihre Kritik in eine fachliche Sprache einkleiden und das Gespräch sachlich halten (ich bedauere es übrigens sehr, dass er dort nicht mehr schreibt und würde einen Blog von ihm sofort lesen).

4. Rechtliche Bevorzugung

Auch bei den angesprochenen geringeren Strafen für Frauen wirkt nicht einfach nur eine Frauenbevorzugung. Hier spielt mit hinein, dass Frauen wesentlich mehr Schwäche zeigen dürfen als Männer und Menschen, die Gefühle wie Reue zeigen,  selbst wenn sie nur gut vorgespielt werden, eben allgemein mit geringeren Strafen bestraft werden. Das ist nicht nur in der Justiz so. Eine Möglichkeit ist Männern das Zeigen von Gefühlen anzutrainieren, was schwierig sein wird, eine andere Richter in den Anzeichen von Verantwortungsübernahme bei den Geschlechtern zu schulen. Während eine Frau evt. Sturzbäche heult und erklärt, dass es ihr alles leid tut und alle Umstände aufführt warum es zu diesem „Ausrutscher“ gekommen ist, kann männliche Verantwortung auch so ausgedrückt werden, dass man bereit ist die Konsequenzen zu tragen und die Tat nicht klein zu reden. Möglichst emotionslos die Tat darzulegen und deutlich zu machen, dass man die Strafe verdient hat. Beides sind verschiedene Ausdrucksformen, eine führt aber zu einer geringeren Strafe. Das ist die eigentliche Ungerechtigkeit.

Scheidungsrecht und Sorgerecht leiden unter ähnlichen Gesichtspunkten. Vielleicht schreibe ich da später was zu.

5. Der Staatsfeminismus

Unter Staatsfeminismus wird dort folgendes angeführt:

Frauen werden vom Staat massiv verwöhnt. Selbstverständlich auf Kosten der Männer. Da werden europaweit Frauenförderprogramme organisiert, Gleichstellungsbüros ausgehoben, Professorinnen mit Schmiergeldern angestellt, Frauenquoten durchgedrückt, frauenbegünstigende Gesetze erlassen und natürlich eifrigst um weibliche Wählerstimmen gebuhlt.

Richtig ist, dass viele Frauen am Feminismus verdienen und ohne diesen um ihre Stelle bangen müssten. Nervig ist in der Tat die Opferrolle, die dabei eingenommen wird. Aber auch hier spielen wieder die gleichen Faktoren hinein: Die weibliche Rolle erlaubt mehr Opferstatus und hat deswegen eine stärkere Lobby. Wiederum ist auch der Ton zu kritisieren. Die Kritik ist unsachlich geschrieben und trägt damit selbst dazu bei, dass sie nicht ernst genommen wird. Wer etwas erreichen will, der muss Politikern einen guten Grund geben sich für Männerthemen zu interessieren, was nur dann der Fall ist, wenn Männerthemen von Männern als für sie vorteilhaft erkannt werden.

Sicherlich ist der Staat inzwischen Ersatzversorger, was Warren Farrell in seinem Buch „The Myth of male Power“ ausführlich erläutert. Natürlich können männliche Politiker auch mit der Freigiebigkeit auf Staatskosten Großzügigkeit demonstrieren, was sie wiederum attraktiver macht (Großzügigkeit als Attraktivitätsmerkmal nach dem Handicapprinzip wird erläutert bei Miller, The Mating Mind).

6. Partnermarkt

„Frauen besitzen mehr Macht auf dem Partnermarkt“ ist nur teilweise richtig. Letztendlich entscheidet zwar auch heute noch die Frau, ob es eine Beziehung gibt, aber gleichzeitig gilt auch David DeAngelos Satz „Attraction is not a choice„. Sicherlich ist das Scheidungsrecht reformbedürftig, aber auch hier ist die Kritik nicht gut formuliert. Es macht die Männerbewegung schon wieder unattraktiv., insbesondere wenn die Schlußfolgerung ist, dass man „die Frauen durchfüttern muss“.

7 . Tötungsprivilegien

Gemeint ist die Abtreibung. Natürlich muss das Recht hier der Frau zustehen, weil es ihren Körper betrifft. Eine Abtreibung gegen den Willen der Frau ist ein Verbrechen. Das ergibt sich für mich aus der biologischen Situation. Etwas anderes sind Verhütungsfragen, Unterhaltsfragen nach der Geburt, die Frage der Pille danach etc. Auch wäre ich dafür, dass Recht einer Frau auf Abtreibung in einem Staat nicht nur als Frauenrecht zu bewerben, sondern auch als Recht des Mannes, aber nur in der Hinsicht, dass es für den Mann sehr vorteilhaft sein kann, wenn die Frau das Recht hat sich für eine Abtreibung zu entscheiden. Schließlich gibt es gerade für den Mann genug Gründe in diesem Moment und mit dieser Frau kein Kind haben zu wollen.

8. Die Opferkarte

Die Opferkarte wird in der Tat im Feminismus häufig gespielt. Zu den Gründen, warum dies den Frauen besser gelingt habe ich oben bereits etwas geschrieben.

Ich glaube, dass die den Frauen letztendlich nicht gut tun wird. Wenn der Feminismus den Opferstatus beständig betont, dann glauben die Frauen auch, dass sie Opfer sind, was keine Position ist, aus der heraus man große Taten vollbringt. Ich habe die Worte einer „Managerin des Jahres“ in einem Interview im Ohr, die meinte, sie habe sich nie als Frau diskriminiert gefühlt, und Angriffe nicht als gegen sie als Frau gesehen, sondern als Anzeichen, dass jemand ihren Job will/sie als Konkurrenten sieht. Das scheint mir eine wesentlich positivere Einstellung, mit der man weiterkommt, weil man „Patriarchat“ als Schuldursache nicht bekämpfen kann, einen Konkurrenten aber schon. Eine Frau, die meint, dass sie es im Berufsleben härter haben wird als ihr Mann, wird vielleicht schon deswegen lieber ihrem Mann das Feld überlassen und damit wieder dazu beitragen, dass mehr Männer Karriere machen.

Zum anderen wirkt es sich auch auf die Wahrnehmung der anderen aus. Jemanden, den man als Opfer wahrnimmt, befördert man nicht in den Vorstand. Jemand, von dem man meint, dass andere ihn nicht als gleichwertig ansehen werden (weil sie Sexistenschweine sind), wird man auch als weniger geeignet für den Posten ansehen.

9. letzte Zuflucht konservatives Weltbild

Die Flucht in die Frauenrolle (Ich kann das nicht, du bist doch ein Mann, kannst du das nicht machen „Augenklimpern“ oder ich bin eine Frau, ich darf das) wird gerne verwendet. Es geht dabei nicht um Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sondern um alltägliche Sachen, die beide Geschlechter können. Ärgerlich. Aber auch eben die Frage, was man mit sich machen lässt.