Feminismus und Männerinteressen

Aufbauend auf der Debatte, ob Männer Feministen sein sollten habe ich gerade ein interessantes Zitat gefunden:

Problematisch ist, dass Begriffe wie „männlicher Schmerz“ jedoch als klar anti-feministisch gedeutet werden, da sie von reaktionären Kräften wie der Väterrechtsbewegung besetzt sind. „Männliches Leiden“ wird hier meist dazu instrumentalisiert, es der gesellschaftlichen Benachteiligung von Frauen als ebenbürtig gleichzusetzen und so die existierende Geschlechterhierarchie zu verschleiern. Im Gegenzug finden viele Feministinnen es lächerlich, „männliches Leiden“ – angesichts der viel dramatischeren Situation von Frauen – ernst zu nehmen.

Das scheint mir wie die Autorin zu recht anführt eine häufige Position im Feminismus zu sein. Die Betonung der Opferrolle der Frau führt dazu, dass neben dieser keine männlichen Opfer stehen dürfen. Männliche Opfer sind eben lächerlich – hier dürfte sich wohl auch auswirken, dass männliche Opfer keinen Status haben und damit unattraktiv wirken. Männer, die leiden, sind nicht ernst zu nehmen. Leiden sie zurecht, dann aber nicht so stark wie Frauen.

„Das ist doch egal, wir haben es schließlich in einem anderen Bereich noch schlechter“ ist zudem einfach kein sachliches Argument, zumal die Bereiche häufig in einander greifen. Mehr Rechte für Väter, zB unverheiratete, kann zB dazu führen, dass diese sich auch tatsächlich mehr einbringen, was die Berufschancen der Frau verbessert.

Durch diese Wahrnehmung und die Ausblendung männlicher Nachteile in der Gesellschaft steigt die subjektive Ungerechtigkeit gegenüber Frauen zudem noch.  Weswegen man dann nach der obigen Logik Probleme von Männern noch weniger wahrnehmen muss. Ein Teufelskreis.

Unterschiede zwischen Mann und Frau bei Kindern und Beruf

Die Mädchenmannschaft wirft die altbekannte Frage auf, warum Frauen gefragt werden, wie sie ihren Beruf mit Kindern verbinden, Männer aber nicht.

Anknüpfungspunkt ist die folgende Aussage von Maria Damanaki:

… it is considered a challenge to be a working mother, and rightly so. I know that at first hand as I have three children. Why then, is it not generally considered to be an equal challenge to be a working father? Is anybody going to ask a male politician about his father experience?

Das Problem kann von zwei Seiten betrachtet werden:

  • Frauen werden in die Mutterrolle gedrängt. Es wird erwartet, dass sie die Kinder erziehen. Männer hingegen dürfen die Last der Elternschaft auf andere, vorzugsweise auf ihre Frauen verlagern.
  • Männer werden in die Versorgerrolle gedrängt. Ihnen wird die Option zugunsten ihrer Kinder ruhiger zu treten nicht ermöglicht. Wenn es heißt, dass Männer Beruf und Familie besser vereinbaren können, dann heißt das nicht, dass sie mehr Zeit für ihre Kinder haben, sondern dass sie nach wie vor genauso viel arbeiten wie vorher und ihre Kinder nach Feierabend sehen. Sie haben kein Wahlrecht und keine „Vereinbarkeit“ von Beruf und Familie, sondern schlicht eine Arbeitspflicht.

Beide Punkte werden dadurch entschärft, dass viele Paare diese Arbeitsteilung freiwillig wählen und beide sich bewusst sind, dass das ist, was sie lieber machen. Es besteht insoweit kein Interessenkonflikt.

Beide werfen Probleme für Menschen auf, die sich in der traditionellen Rollenverteilung nicht wohl fühlen.

Der Karrierefrau schlägt ein gewisser Argwohn entgegen, weil man befürchtet, dass sie die Kinderbetreuung eher selbst übernehmen will als ein Mann oder jedenfalls mit geringerer Wahrscheinlichkeit einen Partner hat, der dies für sie in Vollzeit  machen wird. Beide Vermutungen sind statistisch richtig. Ist es fair aus der Statistik heraus Vermutungen über eine Einzelperson zu machen? Nein, sicherlich nicht. Aber es ist menschlich. Viele unser Vermutungen bauen auf Wahrscheinlichkeiten auf. Diese Vermutungen dann damit abzutun, dass sie sexistisch sind bringt wenig, denn es ändert nichts daran, dass sie als zutreffend wahrgenommen werden.

Dem Mann hingegen drohen andere Nachteile. Entscheidet er sich für Kinderbetreuung wird dies als stärkerer Rollenbruch verstanden als bei der Frau. Demnach wirkt es sich auch stärker in der Wahrnehmung aus. Statistiken zeigen, dass Männer höhere Gehaltseinbrüche hinnehmen müssen, wenn sie sich für die Kinderbetreuung entscheiden als Frauen. Zudem verlieren sie mit der Aufgabe des Berufes mehr Status als die Frau, was sich wiederum nachteilig für ihn auswirken kann.

Dies alles zeigt, dass vollkommen verschiedene Ausgangslagen bestehen. Da bei der Frau eher ein Kompromiss zwischen Arbeit und Familie zu erwarten ist als bei Männern ist dort mehr „Geschichte“ zu erwarten, deswegen wird dort auch häufiger gefragt. Das Spannungsfeld besteht bei Frauen deutlich stärker als bei Männern. Das werden auch die meisten Frauen so wahrnehmen.

Ich denke die Aussage der Kommissarin ist daher eher eine Frage, auf die sie die Antwort durchaus kennt, zumal sie aus Griechenland, insbesondere Kreta kommt, wo die Geschlechterverhältnisse noch wesentlich klarer strukturiert sind als in Deutschland.