Männliche Chefs, weibliche Chefs und Sekretärinnen

Nach einer Studie arbeiten Sekretärinnen lieber für männliche Rechtsanwälte:

Batlan talked about other survey findings in an interview with Missouri Lawyers Media published by Dolan Media Newswires. One discovery: Legal secretaries said they preferred to work for male associates and partners. In written responses, the secretaries said females were emotional and demanding, with “more to prove” and a penchant to “put on airs,” the story says.

„Working for a woman exposes some very complex class dynamics,” Batlan told Missouri Lawyers Media. „A woman working for a man is naturalized,“ she said. „It’s what’s expected. It seems ordinary.”

Je nach Sichtweise kann man entweder sagen, dass die Rollenverteilung die Frau ausbremst und sie, könnte man die Vorurteile und Erwartungen durchbrechen, diesen nichts ausgesetzt wäre oder man könnte sagen, dass es einfacher sich in den natürlichen Rollen zu bewegen, weil es sich eben natürlicher anfühlt.

Weil Männer und Frauen Status und Attraktivität auf eine andere Art bilden kann es ihnen leichter fallen zusammenzuarbeiten ohne Revierkämpfe ausfechten zu müssen. Die Statusebenen sind damit geklärt und das kann das zusammenleben erleichtern. Weiblicher Chef und weibliche Sekretärin hingegen können wesentlich mehr ungeklärte Statusebenen haben. Beispielsweise Attraktivität, Familienleben etc. Hinzu kommt, dass weibliche Gruppendynamik wesentlich mehr auf Gleichheit ausgelegt ist, was Anordnungen schwieriger machen kann, weil damit die Gleichheitsebene immer wieder durchbrochen wird und eine Statusebene danebengestellt wird. Das kann auch klappen. Aber gerade in Rechtsanwaltsbereich, also einen Bereich, in dem Interessen durchgesetzt werden und eine dominantere Verhaltensweise auch ansonsten gefragt ist, kann ich verstehen, dass es zu Problemen führt.

Die Rolle des Mannes ist wesentlich einfacher mit der Rolle eines Chefs vereinbar, weil das Erreichen eines möglichst hohen sozialen Status genau das ist, was einem Mann die meisten Nachkommen brachte, so dass dieses Verhalten evolutionär bevorzugt war. Ein Mann hat demnach als Chef viele Eigenschaften, die ihn attraktiv erscheinen lassen. Die Arbeit einer Sekretärin hingegen ist die Erledigung der Zuarbeiten, des Aufbereitens, des Ausführens und des Rückenfreihaltens. Gleichzeitig bietet sie ihm ein weibliches Publikum, vor dem er sich auf die Brust trommeln kann Rechtsfälle gewinnen kann.

Kurzum: viele Mann-Frau-Dynamiken können direkt auf das Verhältnis Rechtsanwalt – Sekretärin übertragen werden. Vielleicht heißt es deswegen auch später in dem Artikel:

A legal secretary a half-century ago was known as a “second wife” for the work she did helping a male lawyer plan parties, book vacations and shop for his first wife’s jewelry, Batlan told Missouri Lawyers Media. Some legal secretaries in Batlan’s 2009 survey said the model remains strong, while others have rejected that role.

Ein Äquivalent gibt es für das Rechtsanwältin – Sekretärinnen Verhältnis nicht. Vielleicht führt gerade dieses Fehlen vergleichbarer Vorgaben dazu, dass einige sich mit diesem Model schwerer arrangieren können. Ich glaube, dass eine Lösung nicht darin liegen kann, einfach darauf abzustellen, dass die Sekretärinnen sexistisch sind und sich alles bessern wird, wenn Frauen in Chefpositionen normaler werden. Nach meiner Auffassung würde das Problem dennoch fortbestehen, denn die Ansätze sind nicht von Mann auf Frau übertragbar. Sinnvoller ist es eigene Wege zu suchen und die Gefahren einer einfachen übertragen zu vermeiden.

8 Gedanken zu “Männliche Chefs, weibliche Chefs und Sekretärinnen

  1. Bei Frauen kommt es zum „Gebärneid“ und „Zickenkrieg“.

    Dies ist ganz einfach biologisch zu erklären: Eine Frau kann nur von einem Mann gleichzeitig geschwängert werden. Der Mann und seine Aufmerksamkeit auf sie (im Zuge der Versorgung und des Schutzes) sind elementar und müssen auf sie als Frau fixiert werden.

    Ist eine andere Frau da, ist sie eine Konkurrentin, welche den Mann auf sich lenken kann. Je jünger und sexier, desto höher das Risiko.

    Auch wenn es sich nicht um ein Paarungsproblem handelt, reagieren diese Mechanismen dennoch. Es kommt zum Wettstreit zwischen den Frauen um mehr Attraktivität oder eben um dominanz.

    Bei Männern ist es anders, ein Mann kann viele Frauen schwängern, ist eine Frau „belegt“, gibt es andere. Männer einigen sich schnell auf Rangordnung, weil damit auch die Rangordnung der Fortpflanzung geklärt ist. Probleme gibt es natürlich wenn mehrere Männer auf eine Frau stehen aber darum hat man ja früher keine Frauen auf Schiffen gehabt… „Das bringt Unglück“.

    Dies ist auch der Grund warum Frauen lieber alleine, und in kleinen 1-Mann Unternehmen arbeiten, während Männer Problemlos in grossen Unternehmen sein können. Dauerhaft.

    /ajk

  2. Ich schlage vor, die Begrifflichkeit „Gebärneid“ bei Helene Deutsch zu recherchieren.

    Bei Simone de Beauvoir wird in zwei kurzen Sätzen darauf Bezug genommen (Kapitel „Werdegang“).

    Der Realitätsbezug wird genauso angezweifelt wie der Freudsche Penisneid, der bereits in der Adlerschen Kompensationstheorie widerlegt wurde.

    Moderne Feminist_innen halten den männlichen Gebärneid übrigens auch für Unsinn.

  3. @Thomas:

    Es wird GENERELL alles von Feministinnen angezweifelt, was irgendwie ein schlechtes Licht auf Frauen werfen könnte.

    Das ist ja das Prinzip vom Feminismus …

  4. „Es wird GENERELL alles von Feministinnen angezweifelt, was irgendwie ein schlechtes Licht auf Frauen werfen könnte.

    Das ist ja das Prinzip vom Feminismus …“

    Das mag in Einzelfällen in fehlinterpretierten Kontexten mit Feminismus vorgekommen sein, oder im popularmassenmediengeprägten Papageienjournalismus, aber nicht im ursprünglichen Geiste. Ich las schon kritische Auseinandersetzung von Feministinnen bzgl. der Schuldanteile der Frauen 1933.

    s. einige Beiträge unter Simone de Beauvoir, die mir u.a. besonders aufgefallen sind.

    In „Männliche Identitäten“ von Dammasch wird auf S. 109 beschrieben, dass es keine Forschung zur männlichen Gewalt gab. Dieses Wissensvakuum wurde dann nach dem Mitscherlichprinzip in den 80`ern gefüllt mit dem Frauen-sind-bessere-Menschen-Syndrom.

    Ein Grund mehr, das Zentralthema zwischenmännliche Gewalt zu erforschen.

  5. Pingback: Sport und Konkurrenzkampf: Unterschiede zwischen Mann und Frau « Alles Evolution

  6. @ajk

    Das geht ja in eine ähnliche Richtung, die auch ich darlegen wollte. Der Mann als Chef muss nicht mit der Frau um körperliche Schönheit konkurrieren, sondern kann dies über Status ausgleichen. Bei Frauen untereinander ist dies schwieriger, weil sie weniger hierarchiebetont denken und zudem beruflicher Status wesentlich weniger allgemeinen Status bewirkt, der sich auch auf Attraktivität auswirkt. Das wird um so eher stimmen um so statusträchtiger der Job ist, also zB bei einem Rechtsanwalt in einer Großkanzlei.
    Natürlich kann es auch da bei Frauen passen, wenn sie mit verschiedenen Statusebenen gut zurechtkommen und diese jeweils akzeptiert werden. Es gibt eben nur andere potentielle Reibungspunkte.

    @Thomas

    Wie ist denn aus deiner Sicht der in dem Artikel genannte Unterschied zu erklären? Welche Mechanismen greifen in dem Fall?

  7. Pingback: Weibliche Chefs « Alles Evolution

  8. Pingback: Männliche” Wörter wie offensiv, durchsetzungsstark und analytisch schrecken Frauen ab | Alles Evolution

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