Das Paradoxon katholischer Frauen

Was ich nie recht verstanden habe ist, wie eine moderne Frau Mitglied der katholischen Kirche sein kann. Sie unterstützt mit ihrer Mitgliedschaft ja eine Organisation, die vollkommen andere Positionen vertritt als sie selbst. Das ist zwar auch für männliche Mitglieder wahr, aber die können zumindest sagen, dass sie von diesen Ansichten ja nur indirekt betroffen sind.

Klar, man kann sagen, dass man eben Mitglied ist um etwas in der katholischen Kirche zu ändern, aber das dürfte auf die wenigsten Katholikinnen zutreffen. Zumal ja weit weniger fundamentalistische Kirchen, beispielsweise die evangelische Kirche bereit stehen.

Klar, die Kirche ist immer auch ein Stück Gewohnheit, aber mir persönlich wurde ein massenhafter Austritt aus der katholischen Kirche sehr gefallen, weil sie veraltete Ansichten vertritt und das eine schöne Botschaft senden würde.

Statt sich mit Pornos auseinander zu setzen, würde ich eine Aktion der Emma sehr begrüßen, in der sie ein Motto bringt wie „Man kann nicht gleichzeitig eine Katholikin sein und eine emanzipierte Frau“. In dem Artikel wäre dann, vergleichbar den Emma-Tipps zum Computer ausspionieren, dargelegt, wie man am aus der katholischen Kirche austritt und ggfs in eine andere Kirche eintritt, wenn man den nicht ohne Religion leben kann – vielleicht kombiniert mit einer Liste, welche der Kirchen am frauenfreundlichsten ist. Mit entsprechenden Buttons könnten die feministischen Blogs die Aktion unterstützen und einiges an Presse gäbe es auch her – Schwarzer gegen die katholische Kirche, da schreiben sich die Artikel fast von selbst und zu den Talkshows lädt man einen Bischof, eine Feministin, eine „einfache Gläubige“, die in der Kirche bleiben will, eine die ausgetreten ist und der es seitdem besser geht und eine die bleibt, um den Kampf innerhalb der Kirche weiterzuführen. Vielleicht noch eine evangelische Bischöfin (heißen die da so?).

Allerdings würde das bedeuten, dass man Frauen vorhalten würde, dass sie in der katholischen Kirche wären. Und damit wären innere Diskussionen zu befürchten. Zudem hat die Aktion den Nachteil, dass sie als Schuldzuweisung an die katholischen Frauen verstanden werden könnte. Und das passt nicht zu einer feministischen Aktion.

Schade eigentlich.

Frauenbild und Feminismus: Wie viel eigenes Denken lässt die Gesellschaft zu?

Wo ich gerade dabei bin über feministische Argumentation zu reden:

Eine Spielart des Feminismus finde ich besonders anstrengend: Den, bei dem die Frau lediglich Spielball der Gesellschaft ist und keinerlei freien Willen hat.

Dabei wird einfach bei allem, was nicht ins eigene Bild der Gleichheit von Mann und Frau passt auf die Gesellschaft abgewälzt, ohne das der Frau noch eigener Spielraum zugestanden wird.

Ein Beispiel verläuft so:

Es geht darum, warum die Frauenrolle ist wie sie ist. Es kommt das Argument, dass die Gesellschaft, insbesondere die Medien schuld sind, die das Rollenbild aktiv aufrecht erhalten. Ein Beispiel sind dann die Themen in Frauenzeitschriften, durch die Frauen in ihrer Rolle gehalten werden. Die Frauen lesen die Zeitschriften, weil es eben Frauenzeitschriften sind und sie daher lesen müssen. Sie können der Beeinflussung also nicht ausweichen.

Diese Logik will sich mir nicht ganz erschließen. Meine Gegenargumente wären die folgenden:

  1. Verlage haben kein Interesse an einer Aufrechterhaltung des Rollenbildes. Sie haben ein Interesse an Lesern. Demnach werden sie nach Möglichkeit Artikel in eine Zeitschrift packen, die die Leser interessiert. Das spricht dafür, dass sich die jetzigen Themen von Frauenzeitschriften als Themen erwiesen haben, die Leser, insbesondere Leserinnen ansprechen.
  2. Wenn es ein Bedürfnis nach anderen Zeitschriften für Frauen geben würde, also die Frauen eigentlich unzufrieden mit den dortigen Artikeln wären, dann würden andere Zeitschriften diese Lücke füllen und mehr Leserinnen erreichen
  3. Das Angebot bei Frauenzeitschriften ist bereits recht groß. Von der Brigitte bis zu Alegra (oder was auch immer das Spektrum abdeckt) können sich die Frauen entscheiden, was sie lesen wollen.
  4. Wären alle Frauen heimlich von Frauenzeitschriften gelangweilt, dann würden sie sie nicht kaufen, sondern stattdessen zu allgemeinen Zeitschriften oder „Männerzeitschriften“ greifen. Es gibt keinen Grund für Frauen die Brigitte zu lesen, sie können stattdessen genau so gut eine Tageszeitung oder ein Nachrichtenmagazin oder eben auch die Mens Health oder die Emma lesen.

Kurzum: Der absolute Einfluss und die unterstellte Boshaftigkeit der Medienwelt ist meiner Meinung nach wenig überzeugend und es fehlt auch an einem Grund für die Medienwelt Frauen gegen ihren Willen bestimmte Gedanken aufzuzwingen.

Überzeugender ist meiner Meinung nach, dass sich Frauen einfach für bestimmte Sachen interessieren, weil sie eben anders sind als Männer bzw. weil Männer anders sind als Frauen.

Das Interesse der Frauen an zB Mode macht Sinn, wenn man bedenkt, dass Männer körperliche Attraktivität höher bewerten als Frauen (was aus Sicht der Evolutionstheorie biologisch leicht zu erklären ist). Auch andere klassische Frauenthemen könnte man entsprechend aufschlüsseln.

Sicherlich wird auch vieles gesellschaftliche Hintergründe haben. Aber auch hier besteht dann eine Eigenverantwortung der Frau sich mit dieser Rolle auseinanderzusetzen und zu entscheiden, ob sie sie leben will oder nicht. Es soll ja auch durchaus Frauen geben, die mit dem gegenwärtigen Rollenbild im Großen und Ganzen einverstanden sind. Sie einfach zu willenlosen Zombies zu degradieren, die alles kaufen, wo „Frauenzeitschrift“ draufsteht ist meiner Ansicht nach wesentlich misogyner als alles was in einer Frauenzeitschrift steht.

Meiner Meinung nach könnte hier ein interessanter Mechanismus greifen:

Ich hatte bereits vermutet, dass sich gerade Frauen mit der Frauenrolle beschäftigen, die sich selbst dadurch eingeschränkt fühlen. Für diese wären dann Frauenzeitschriften in der Tat nicht interessant. Wiederum ist die Erklärung „ich habe erkannt, was Rollenbilder mit mir machen und habe es geschafft mich zu befreien“ besser als „ich bin nicht so wie die anderen Frauen“.

Das Argument lässt sich auch leicht umdrehen: Wenn Frauen so schwach sind, dass sie noch nicht einmal eine Nicht-Frauen-Zeitschrift kaufen, dann sind sie auch nicht stark genug um einem Mann in einer Verhandlung die Stirn zu bieten/die Kinder in die Fremdbetreuung zu geben und für eine Führungsposition zur Verfügung zu stehen/harte aber notwendige Maßnahmen gegenüber Mitarbeitern durchzusetzen/was es sonst für Klischees nach dem Rollenbild gibt.

Natürlich muss ich mir vorhalten lassen, dass ich ja auch anführe, dass Männer und Frauen bestimmte Eigenschaften haben, aus denen sie nicht herauskönnen, die aber durch die Gesellschaft bedingt sein sollen. Der Unterschied ist, dass die Biologie nichts über den einzelnen Menschen aussagt, sondern über den Schnitt. Zudem sehe ich die Menschen nicht als Marionetten der Biologie, sondern lediglich durch diese zu bestimmten Verhalten beeinflusst, so dass wesentlich mehr eigenes Denken stattfinden kann.