Wahrheit vs. Wollen: Feministische Theorie und die eigene Suppe

Wer viel über Geschlechterfragen diskutiert und dazu noch einiges über Evolutionsbiologie gelesen hat, der stößt in diesen Argumenten immer wieder auf ein in feministischen Kreise sehr verbreitetes Gegen“argument“.

„Es wäre doch viel schöner, wenn alles nicht festgelegt ist, deswegen glaube ich nicht an biologische Gründe“

Das ist für einen wissenschaftlich denkenden Menschen so ziemlich das sinnloseste Argument, dass man machen kann, denn der Wirklichkeit ist es relativ egal, was besser ist, wenn dies einfach nicht stimmt.

Es kommt aber in allen Argumentationen immer wieder gerne vor und ich habe es auf diversen Seiten immer wieder gehört. Jetzt gerade auch auf meinem Blog, nicht schlecht für bisher drei Artikel:

Als Historikerin und Feministin bin ich davon einfach nicht zu überzeugen. Und zwar nicht nur wegen meiner intellektuellen Verortung, sondern auch aus strategischen Gründen:

Wenn die ‘Natur’ oder ‘Evolution’ für die Geschlechterdifferenz verantwortlich gemacht wird, bleibt für gesellschaftliche Veränderungen kein Raum. Den braucht es aber dringend, denn so wie es ist, ist nichts gut.

Bevor es jemand anderes macht verweise ich selbst noch schnell auf den Zusatz „auch“, der also einschließt, dass es auch andere Gründe gibt. Hier ist es allerdings wohl nur die dort erwähnte „intellektuelle Verortung“, denn eine Beschäftigung mit diesem Thema wird vehement abgelehnt:

Ich lese kein Buch, über das ich mich eh nur aufrege und das mich auf meinen eigenen Baustellen nicht weiter bringt. Evolutionsbiologie gehört gerade nicht dazu, falls sich das ändert, gebe ich dir Bescheid.

Das scheint mir eine Haltung zu sein, die im Feminismus häufig ist. „Unsere Ansicht reicht, was uns nicht passt wird ausgeblendet“. Erinnert mich ein wenig an:  „Die Erde ist eine Scheibe und die Sonne dreht sich um sie, weil ansonsten die Bibel nicht wahr wäre und dann geht unsere Moral den Bach runter“.

Traurig ist dies insbesondere auch mit dem weiteren Anspruch, dass feministische Theorie, auch wenn sie biologische Vorgänge vollkommen ausblendet, die Grundlage für jede Diskussion über Geschlechterfragen sein soll, die dreihäften dann in ihrem Blog deutlich macht:

Wie ich auch in Deinem Blog schrieb, halte ich eine konstruktive Auseinandersetzung mit feministischer Theorie und Praxis für unerlässlich, wenn es um den Kampf um Geschlechter-gerechtigkeit geht. Und da sind Feminist_innen mE Vorreiter_innen.

Der Feminismus schwimmt in seiner eigenen Suppe und blendet aus, was ihm nicht gefällt. Das wurde schon häufiger kritisiert, zB in diesem Buch, dass für einen wissenschaftlicheren Feminismus plädiert.

Die Diskussion zu Feminismus und Wissenschaft ist ja nicht neu. Ich verweise zB mal auf diesen Beitrag bei der Mädchenmannschaft und insbesondere die dortigen Kommentare.

Auswüchse, die auf diesem Verständnis von Wissenschaft beruhen, sind dann Passagen wie diese:

Is e=mc2 a sexed equation? Perhaps it is. Let us make the hypothesis that it is insofar as it privileges the speed of light over other speeds that are vitally necessary to us. What seems to me to indicate the possible sexed nature of the equation is not directly its uses by nuclear weapons, rather it is having privileged what goes the fastest.”

Die Geschwindigkeit des Lichtes wird gegenüber anderen Geschwindigkeiten priviligiert? WTF. Es könnte natürlich auch einfach sein, dass einige Sachen sind wie sie sind. Im Feminismus kann es hingegen ungerecht sein, dass das Licht am schnellsten ist. Aber gut, das ist auch ein Extremfall.

Schlimmer ist, dass biologische Zusammenhänge vielfach ausgeblendet werden, angefangen bei Beauvoir, der man allerdings zugute halten kann, dass 1949 die Lage noch etwas verschwommener war über Schwarzer bis hin zu moderneren Feminismus.

Beispielhaft hier eine Diskussion im Mädchenblog „Evolution, Arbeit, Patriarchat„, Anlass des Artikels waren unter anderem Kommentaren von mir (Christian) in anderen Beiträgen.

Warum sich unter diesem Artikel keine Kommentare von mir finden lassen, in denen ich meine Sicht der Dinge darstelle und auf die Diskussion eingehe? Ich habe solche Kommentare natürlich geschrieben, aber sie wurden nicht veröffentlicht.

Ausblenden eben.