Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 6. September 2010

Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus

Einer der Punkte, die ich bei vielen Feministen männerfeindlich finde ist die Weigerung weibliche Privilegien anzuerkennen.

“Privileg” und “Privilegien” sind eines der Hauptthemen in der Genderdebatte und der Queer Theorie. Männer haben “Male Privileges”, das Thema wird dann erweitert auf “white privileges” oder “hetrosexual privileges” (bzw. Heteronormativität).

Ein weißer Mann ist also doppelt privilegiert, eine weiße Frau nur einfach, ein schwarzer Mann auch einfach, und eine schwarze Frau doppelt benachteiligt.

Bezogen auf die Geschlechterdebatte wurden dann beispielsweise Listen aufgestellt, die die Privilegierung des Mannes darlegen sollen.

Natürlich lies die Antwort nicht lange auf sich warten und es wurde auch eine Liste der weiblichen Privilegien veröffentlicht.

Warren Farrells Buch “Mythos Männermacht” handelt im wesentlichen von der Darstellung der negativen Seiten der männlichen Macht und den Vorteilen der Frauenrolle.

Was hätte also näher gelegen als zu sagen, dass beide Rollen Vorteile und Nachteile bieten und beide Geschlechter  schuld daran sind sie aufrechtzuerhalten? Man hätte in dieser Theorie einfach nur ebenso wie man oben verschiedene Privilegierungsstufen innerhalb einer Person festgstellt hat auch nach Lebensbereichen unterscheiden können und dann entsprechende Aufschlüsselungen vornehmen können. Dies ist im wesentlichen auch der Ansatz von Warren Farrell, dessen Lieblingssatz in dem oben verlinkten Buch ist, dass man eben immer mal die Perspektive wechseln sollte und ein paar Meilen in den Schuhen des anderen laufen sollte.

Diese naheliegende Erklärung hätte aber ein Umdenken erfordert. Frauen müssten sich nunmehr selbst vorhalten lassen, dass sie in Bereichen privilegiert sind und daher die Position des Benachteiligten ernst zu nehmen ist. Das klare Opferbild wäre unterlaufen worden. Natürlich wurde daher in Teilen des Feminismus eine andere Lösung gefunden:

Es gibt keine weiblichen Privilegien, sondern nur “benevolent sexism“ (“wohlwollender Sexismus”) gegen Frauen. (“benevolent” laut dicct: gütig, huldvoll, gutwillig, wohltätig, mildtätig, wohlwollend). Wenn also eine Frau nicht zum Wehrdienst eingezogen wird, dann ist das ein wohlwollender Sexismus, weil ihr das Recht zu kämpfen abgesprochen wird unter dem Vorwand sie zu beschützen. Es wird ein Vorteil versprochen (“Schutz”), damit sie den Rest (“Patriarchat”) schluckt.

Although benevolent sexism may sound oxymoronic, this term recognizes that some forms of sexism are, for the perpetrator, subjectively benevolent, characterizing women as pure creatures who ought to be protected, supported, and adored and whose love is necessary to make a man complete. This idealization of women simultaneously implies that they are weak and best suited for conventional gender roles; being put on a pedestal is confining, yet the man who places a woman there is likely to interpret this as cherishing, rather than restricting, her (and many women may agree). Despite the greater social acceptability of benevolent sexism, our research suggests that it serves as a crucial complement to hostile sexism that helps to pacify women’s resistance to societal gender inequality.

Natürlich könnte man das auch für Männer sagen: Ihnen wird eben auch der gefährliche Job damit versüßt, dass sie Status erhalten, der eigentlich nur wieder dazu da ist, dass Frauen dies attraktiv finden.

Jedes Privileg hat eben auch seine Nachteile. Wer Karriere macht verdient viel Geld, arbeitet vielleicht aber auch eine 80-Stunden Woche und sieht seine Kinder kaum etc.

Eine Folge des Annehmens lediglich weiblicher Privilegien ist meiner Meinung nach dieser Beitrag von Franza Drechsel im Streit-Wert Blog:

Die Männerrechtler stellen eine – sicherlich nicht untypische – Gegenbewegung zu feministischen Bewegungen dar, die meines Erachtens zu beobachten, aber nicht zu ernst zu nehmen ist. (…)

Gerade dieser Punkt macht deutlich, dass (grünen) Männern oft erst noch stärker bewusst werden muss, dass sie privilegiert sind. Wie so oft in Bezug auf Diskriminierungen und Privilegierungen ist es auch hier so, dass die Diskriminierten eher als die Privilegierten die Strukturen erkennen und bekämpfen. Eine „Normalität“ zu erkennen ist schwerer, als zu erkennen, keinen Zutritt dazu zu haben.

Bei einer fairen Betrachtung, in der beide Geschlechter privilegiert sein können, müsste sie eigentlich darauf abstellen, dass Männer für ihren Diskriminierungsbereich die Strukturen besser erkennen und bekämpfen könnten, was also dazu führen müsste, dass sie als Privilegierte für diesen Bereich die Sorgen ernst nehmen müsste, wenn sie ihrer Theorie treu bleibt. Feminist ist aber eben kein neutraler Begriff und Frauenbenachteiligung die Norm von der nicht abgewichen werden darf.

Meiner Meinung nach kann eine Geschlechterdebatte nur fair geführt werden, wenn beide Seiten anerkennen, dass beide Seiten Privilegien haben, die teilweise die Kehrseite von einander darstellen


Antworten

  1. [...] Ein wunderbares Argument, dass die eigene Position durch einen Angehörigen der anderen Gruppe nahezu unangreifbar macht. Ein Mann argumentiert gegen eine feministische Position? Er kann gar nicht erkennen, was Frauen alles für Nachteile haben und sollte daher zuhören, erkennen und akzeptieren. Es hätte zwar den Nachteil, dass Männer dies ebenso auf bei ihnen bestehende Nachteile anwenden können, aber da sind es dann keine Privilegien der Frau, sondern „wohlwollender Sexismus“. [...]

  2. [...] Lebensplanung zufrieden und haben diese aktiv gestaltet um an diese Stelle zu gelangen. Wer hier privilegiert ist? Ich denke keiner von [...]

  3. [...] Eine andere Möglichkeit ist es natürlich weibliche Privilegierung ganz leugnen. [...]

  4. [...] abfragt, wie sexistisch man ist und zwar sowohl bei „feindlichen Sexismus“ als auch bei „Wohlwollenden Sexismus„, natürlich jeweils nur auf Sexismus gegen Frauen bezogen. Ich habe die dortigen Fragen mal [...]

  5. [...] passt auch nicht unbedingt zu den zahlreichen Schutzbestimmungen für Frauen („Benevolent Sexisms“ läßt grüßen) und das „Aufs Podest stellen“ der Frauen (zumindest schöner [...]

  6. [...] Gerade war der Privilege Denying Guy noch in allen Blogs, da wurde er auch schon gestoppt. Man witterte zuerst eine Verschwörung, es stellte sich dann aber schnell heraus, dass eben die Rechte an dem Bild nicht bei der Meme-Erstellerin lagen und der Abgebildete keinen Bock hatte nur noch „Privilege Denying Dude zu sein. (zu der Theorie der Privilegien). [...]

  7. [...] können, weil sie einen anderweitigen Malus haben. (vgl. zu Privilegien der Männer auch „Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus“ und  “Männliche Privilegien und weibliche Privilegien: [...]

  8. [...] Nachteile des Mannes werden hinter dem Privilegienbegriff gekehrt oder und Vorteile der Frau als wohlwollender Sexismus zu ihren Lasten umgedeutet. Hegemoniale Männlichkeit und „undoing gender“ besetzen [...]

  9. [...] many peers who question my sanity and my sexuality because of my views on feminism, sexism, and male privilege, the biggest obstacle in being a black male feminist is myself. Probably the biggest thing that [...]

  10. [...] mag nun der Einwand kommen, dass auch Männer die Kosten der Karriere senken, schließlich sind sie privilegiert. Das einmal unterstellt (tatsächlich dürften andere Faktoren wesentlich mehr zum [...]

  11. [...] Mir fällt dabei auf, dass sich dieses Prinzip eigentlich ganz gut in feministischer Terminologie ausdrücken lässt. Und zwar über den Privilegienbegriff. [...]

  12. [...] auf Frauenseite behoben werden kann, durch andere Studienfächer, weniger Teilzeit etc über  die Privilegierungstheorie, bei der der Mann darauf achten muss, dass er seine Privilegien nicht ausnutzt über [...]

  13. [...] hatte bei den Privilegien und dem „wohlwollenden Sexismus“ schon mal einen ähnlichen Mechanismus vermutet. Auch dort ist über den Begriff des wohlwollenden [...]

  14. [...] das kommt in dieser Betrachtung nicht vor. Die sich nach der hegemonialen Männlichkeit und ihren Privilegien verhaltenden Männer sind schuld, Ende der Ermittlungen. Macht die Welt frauenfeundlicher, dann [...]

  15. [...] schon mal viel voranbringen. Die Theorie, dass Vorteile, die Frauen haben eigentlich nur „wohlwollender Sexismus“ sind, weil man ihnen mit diesen Vorteilen nur deutlich macht, dass man sie nicht akzeptiert, [...]

  16. Etwas spät aber wollen wir es trotzdem mal versuchen….ich glaube “white privilege” war zuerst da und die erste “male privilege list” basierte ich glaube auf einer “white privilege list”. Let me check ampersand…

    http://www.amptoons.com/blog/the-male-privilege-checklist/

    Sieht tatsächlich so aus….ansonsten, toller blog. Weitermachen!

  17. [...] Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus [...]

  18. [...] man von Privilegien aus, dann muss man erst einmal eine umfassende Würdigung der Vor- und Nachteile innerhalb der [...]

  19. [...] man davon ausgeht, dass Frauen keinerlei Vorteile haben, sondern allenfalls „wohlwollenden Sexismus“ erleiden, also auch insoweit passive Opfer [...]

  20. [...] Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus [...]

  21. [...] Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus [...]

  22. [...] Kritik läßt sich, wie diese beiden Artikel „Kritik: „Männer sind privilegiert“  und Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus zeigen, recht schnell [...]


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