Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. April 2014

Wie häufig ist Intersexualität?

Ein interessanter Artikel behandelt die Häufigkeit von Intersexualität, also Personen, die weder Mann noch Frau sind.

Anne Fausto-Sterling’s suggestion that the prevalence of intersex might be as high as 1.7% has attracted wide attention in both the
scholarly press and the popular media. Many reviewers are not aware that this figure includes conditions which most clinicians do not
recognize as intersex, such as Klinefelter syndrome, Turner syndrome, and late-onset adrenal hyperplasia. If the term intersex is to
retain any meaning, the term should be restricted to those conditions in which chromosomal sex is inconsistent with phenotypic sex, or
in which the phenotype is not classifiable as either male or female. Applying this more precise definition, the true prevalence of
intersex is seen to be about 0.018%, almost 100 times lower than Fausto-Sterling’s estimate of 1.7%.

 Quelle: How common is intersex? A response to Anne Fausto-Sterling

 

Der wesentliche Punkt dort ist, dass Fausto-Sperling viele Personen hineinrechnet, die recht eindeutig einem Geschlecht zugeordnet werden, also eine sehr ungewöhnliche Definition von Intersexualität verwendet und nur deswegen auf höhere Zahlen kommt:

Fausto-Sterling’s argument that human sexuality is a continuum, not a dichotomy, rests in large measure on her claim that intersex births are a fairly common phenomenon. Specifically, Fausto-Sterling computes the incidence of intersexual births to be 1.7 per 100  live births, or 1.7%. To arrive at that figure, she defines as intersex any “individual who deviates from the Platonic ideal of physical  dimorphism at the chromosomal, genital, gonadal, or hormonal levels” (Blackless et al., 2000, p. 161).

This definition is too broad. Fausto-Sterling and her associates acknowledge that some of the individuals thus categorized as intersex “are undiagnosed because they present no symptoms” (Blackless et al., 2000, p. 152). A definition of intersex which encompasses individuals who are phenotypically indistinguishable from normal is likely to confuse both clinicians and patients. John Wiener, a urologist, has suggested defining intersex simply as “a discordance between phenotypic sex and chromosomal sex”

(Wiener, 1999), While this definition would cover most true intersex patients, there are some rare conditions which are clearly intersex  which are not captured by this definition. For example, some people are mosaics: Different cells in their body have different chromosomes. A 46,XY/46,XX mosaic is an individual in whom some cells have the male chromosomal complement (XY) and some cells have the female chromosomal complement (XX). If such an individual has both a penis and a vagina, then there is no mismatch  between phenotypic sex and genotypic sex: Both the phenotype and the genotype are intersexual. Yet according to Wiener’s definition,  such an individual would not be intersex.

A more comprehensive, yet still clinically useful definition of intersex would include those  conditions in which (a) the phenotype is not classifiable as either male or female, or (b) chromosomal sex is inconsistent with phenotypic sex.

Danach sind also die Zahlen deutlich niedriger.

The available data support the conclusion that human sexuality is a dichotomy, not a continuum. More than 99.98% of humans are
either male or female. If the term intersex is to retain any clinical meaning, the use of this term should be restricted to those conditions
in which chromosomal sex is inconsistent with phenotypic sex, or in which the phenotype is not classifiable as either male or female.
The birth of an intersex child, far from being “a fairly common phenomenon,” is actually a rare event, occurring in fewer than 2 out of
every 10,000 births.

Danach kommen also auf 10.000 Geburten 1,7 intersexuelle. In einer Stadt von 100.000 Einwohner demnach etwa 17, bei 500.000 etwa 85 und in einer 5 Millionen Stadt etwa 850, unfd auf die etwa 82.000.000 Menschen in Deutschland etwa 13.940 Transexuelle. Bei den restlichen 81.986.060 Menschen ist eine Geschlechtszuweisung hingegen möglich, auch wenn davon sicherlich nicht alle sich in ihrem jeweiligen Geschlecht oder den dazu bestehenden Geschlechterollen wohl fühlen

Wenn eine Zuordnung in 99,98% zutrifft erstaunt es nicht, dass diese auch weitgehend verwendet wird und man sie auf Passe druckt oder jemanden als Mann oder Frau anspricht. Natürlich kann man dann daneben für diese ca. 14.000 auch Vorschriften schaffen, die ihre besondere Situation berücksichtigen und natürlich haben auch kleine Minderheiten ein Recht, nicht diskriminiert zu werden und in ihren Besonderheiten beachtet zu werden.

Allerdings werden Regelungen, die nur für 0,017% relevant sind, den übrigen 99,98% aber das Leben erschweren, wie überstrukturierte Sprachregelungen zum Thema Geschlecht eben in der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe stoßen.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. April 2014

Die Angst als unmännlich wahrgenommen zu werden

Der nachdenkliche Mann hat bei Onyx einen interessanten Kommentar geschrieben, in dem es um die Angst davor geht, als unmännlich wahrgenommen zu werden:

Mir scheint, du stellst dir die Männerwelt wie ein Minenfeld vor, in dem man wahnsinnig auf jeden Schritt achten muss, um nicht auf eine “UNMÄNNLICH!!!”-Mine zu treten. Nun, so ist es nicht.
Für uns Männer ist von klein auf klar, dass wir mit unseren Problemen selber klarkommen müssen. Woher das kommt, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das nichts, was sich Männer immer wieder gegenseitig versichern würden, indem sie sich über einzelne lustig machen, die gegen dieses Prinzip verstoßen. Nein, das geht viel weiter zurück. Auf jeden Fall in die allerersten Lebensjahre, also entweder wird das direkt von den Eltern vermittelt oder es ist sogar angeboren. Warum das so ist, spielt aber hier keine Rolle.
Über dieses Prinzip sind sich alle Männer im Klaren. Daher wird über intime Probleme unter (jungen) Männern weniger gesprochen. Nicht, weil sich andere Männer dann über einen lustig machen würden, sondern weil es ein ungeschriebenes Gesetz gibt, dass Mann damit selbst klarkommen muss. Aber auch in meiner Jugend habe ich schon mit männlichen Freunden natürlich über meine spezifisch männlichen Probleme gesprochen.
Ich hatte nie, ich wiederhole: NIE, das Problem, dass andere Jungs/Männer sich über mich lustig gemacht hätten, mich z.B. als unmännlich bezeichnet hätten. Selbst die dominant auftretenden Lautsprecher waren mir gegenüber immer neutral bis wohlwollend. Ich würde es so formulieren: Es gibt eine unausgesprochene Solidarität zwischen Männern. Wer sich über mich lustig gemacht hat, mit der Konnotation ‘unmännlich’, waren ausnahmslos Frauen. Diese Erfahrung kennt jeder (heterosexuelle) Mann. Auch darauf beruht diese Solidarität zwischen Männern: Wir sind irgendwie Leidensgenossen. Und wenn man sich besser kennenlernt, dann muntert man sich auf, macht sich gegenseitig Mut. Und dann schafft man es auch, dieses Schweigen mal zu beenden, und Probleme anzusprechen. Die werden dann aber nicht lang und breit diskutiert. Was sollte das bringen? Da sind wir eher pragmatisch, lösungsorientiert. Verständnis suchen wir da nicht. Das dient dann eher dazu, sich nochmal der Solidarität zu versichern und aus dem Gespräch die Energie und die Lösungen mitzunehmen, um das Problem dann anzupacken.

Die Angst, als unmännlich bezeichnet zu werden, ist ein Phantom. Das scheint für dich ein riesiges Ding zu sein. Aber meiner Erfahrung nach gibt es das nicht, zumindest nicht so, wie du es hier darstellst. Die Angst ist nicht, von anderen Männern als unmännlich angesehen zu werden. Männer untereinander bestärken sich eher. Die Angst ist, von Frauen als unmännlich wahrgenommen zu werden. Diese Angst kennt jeder heterosexuelle Mann. Sich dieser Angst zu stellen, das ist die wahre Meisterleistung im Leben eines jugendlichen Mannes. Wer sich dieser Angst stellt, wird von anderen Männern respektiert, teilweise bewundert. Aber wenn man sich ihr nicht stellt, wird man auch nicht fertiggemacht – zumindest nicht von Männern! Von Frauen hingegen durchaus.
Das soll jetzt aber nicht aussehen, als würde ich mich darüber beklagen. Das ist halt so. Und das ist auch in Ordnung so. Das Leben besteht eben aus Herausforderungen, die die Möglichkeit des Scheiterns in sich tragen. Sonst wäre es auch langweilig.
Mit anderen Worten: Was die erste Menstruation für die junge Frau, ist die erste Kontaktaufnahme zu einem Mädchen für den jungen (heterosexuellen) Mann (für homosexuelle analog, schätze ich).

Abgesehen davon ist mir aufgefallen, dass du zwar jedem Mann sein Recht zusprechen willst, seine Probleme zu äußern, ohne als unmännlich vorgeführt zu werden. Nun haben hier viele Männer geäußert, dass sie ein Problem damit haben, wie Männlichkeit hier von dir dargestellt wird, haben also eigentlich genau von diesem Recht Gebrauch gemacht. Aber diese Konsequenzen zu akzeptieren, scheint dir schwer zu fallen. Eigentlich wollen wir also dasselbe – reden aber phänomenal aneinander vorbei.

Das sind aus meiner Sicht viele interessante Aspekte angesprochen. Ich glaube auch, dass Männer ein höheres Maß an Vertrautheit brauchen, um über bestimmte intime Probleme zu reden. Gerade so etwas wie sexuelles in einer Partnerschaft wird unter Männern eigentlich kaum thematisiert, bei Frauen wenn man den Erzählungen glauben darf, hingegen schon eher.

Insofern würde intrasexuelle Konkurrenz bei Freunden und Bekannten bewusst zurück gefahren, indem nicht über zu heikle Themen geredet wird, gerade wenn diese keine Lösung ermöglichen und zu viele Angriffspunkte bieten. Eher redet man eben über Sachthemen, Fußball, Politik etc. Gerade bei emotionalen Themen wird man davon ausgehen, dass er diese eher mit sich selbst ausmacht und ihm reden insofern wenig bringt.

Frauen hingegen müssen dieses Anti-Konkurrenzverfahren gegenüber Männern nicht fahren. Sie bleiben insofern auch die Schiedsrichter und ihre Wertung kann nicht ausgeblendet werden.

Frauen wiederum haben ihrerseits andere Routinen, die intrasexuelle Konkurrenz herunterfahren: Das Betonen von Gleichheit und vielleicht auch eher das Verletztlichmachen durch den Austausch von intimen Details.

Interessant würde ich insoweit noch finden, ob beide Geschlechter insbesondere bei Themen vorsichtig sind, die besonders starken Einfluss auf den Partnerwert haben. Bei Männer wäre das eben die intrasexuelle Konkurrenz und der Status und bei Frauen ein Thema wie körperliche Schönheit.

In der gestrigen Diskussion zu Homosexualität und dessen Verhältnis zum Feminismus schrieb Adrian, dass sich an der Schwulenverfogung und -diskriminierung  sehr schön die These des Patriarchats ad absurdum führen ließe.

Das erinnerte mich daran, dass ich die These, wie Heterosexualität im Feminismus in die Unterdrückung der Frau hineinspielt, eh noch einmal näher untersuchen wollte.

1. Judith Butler

Dazu hatte ich schon einmal Butler zitiert:

Doch was bestimmt den manifesten und latenten Text der Körperpolitik? Wie haben bereits das Inzesttabu und das vorgangige Tabu gegen die Homosexualität als generativen Momente der Geschlechteridentität betrachtet, d.h. als Verbote, die die Identität gemäß den kulturell intelligiblen Rastern einer idealisierten Zwangsheterosexualität hervorbringen. Diese Disziplinarproduktion der Geschlechteridentität bewirkt eine falsche Stabilisierung der Geschlechteridentität im Interesse der heterosexuellen Konstruktion und Regulierung der Sexualität innerhalb des Gebietes der Fortpflanzung. Die Konstruktion der Kohärenz verschleiert jede Diskontinuitäten der Geschlechteridentität, wie sie umgekehrt in den hetero-, bisexuellen, schwulen und lesbischen Zusammenhängen wuchern, in denen die Geschlechtsidentität nicht zwangsläufig aus dem Geschlecht folgt und das Begehren oder die Sexualität im allgemeinen nicht aus der Geschlechtsidentität zu folgen scheinen; d.h. in denen keine dieser Dimensionen der signifikanten Leiblichkeit die anderen ausdrückt oder widerspiegelt.

Danach entstehen nach Butler also bestimmte Regeln für bestimmte Körper, in dem diese über die “Zwangsheterosexualität” (also die Heterosexualität als einzige gesellschaftlich zugelassene Form der Sexualität) in einen Fortpflanzungszusammenhang gebracht werden: Die Frau gehört zum Mann, weil nur diese sich fortpflanzen können. Daraus folgen dann auch die weiteren Regeln, eben beispielsweise, dass es Aufgabe der Frau ist die Kinder zu gebären und groß zu ziehen etc.

Dies mag für einen Poststrukturalisten und Sozialkonstruktivisten ein überzeugendes Konzept sein, aus biologischer Sicht erscheint es aber geradezu grotesk. Das Heterosexualität der häufigste Fall der Sexualität ist, ist angesichts einer Selektion auf Fortpflanzung wenig verwunderlich. Das heißt wiederum nicht, dass es daneben nicht andere Formen der Sexualität geben kann. Auch die Vorstellung, dass man gesellschaftliche Regeln schaffen muss, damit Leute in der Mehrheit eher heterosexuellen Verkehr haben ist eher eine Betrachtung vom falschen Ende her: Weil wir auf heterosexuellen Verkehr selektiert sind, haben wir entsprechende gesellschaftliche Regeln, die auf diesen Fall ausgerichtet sind. Dessen ungeachtet kann es natürlich eine besondere soziale Hervorhebung heterosexueller Praktiken geben, die Homosexualität einschränkt.

2. Homosexualität und das Patriarchat

Einen anderen interessanten Text zur Homosexualität und dem Patriarchat, der ungefähr auch in diese Richtung geht, habe ich hier gefunden:

Heterosexism is part of the system of patriarchy. In a heterosexist society, it is assumed that the natural order of things is for men and women to be together in romantic, sexual and marital relationships. Anything other than male-female relationships is considered unnatural and immoral. This maintains patriarchy by keeping men and women in their prescribed gender roles. Homosexuality and same-sex relationships disrupt the hierarchy of the genders by breaking down traditional gender roles. In a same-sex relationship, there is not the patriarchal element of a man having authority over and possession of a woman. This is not to say, of course, that every heterosexual relationship follows a typical gender role pattern or that every homosexual relationship does not. It is simply to say that the mere concept of same-sex relationships threatens the basis of patriarchy because the gender roles necessary for the dominance of men to continue are disrupted. If we become more open to different types of relationships, we will see more possibilities for men, women, and genderqueer people than the heterosexist model which we have been taught. This is a threat to patriarchy, and so those who step outside the gender and sexual orientation norm are deemed unnatural and immoral. Heterosexism forces us to believe that it is only natural and normal to be heterosexual, which in turn forces the belief that male dominance is only natural and normal.

Weil also sowohl Geschlechterrollen typischen Regeln folgen und als natürlich angesehen werden und auch die Heterosexualität als natürlich angesehen wird, ist Homosexualität ein Aufbrechen der Regeln und damit ein Problem, denn jeder Regelbruch erzeugt einen weiteren. Mit dieser strikten Zuordnung wiederum nicht zu konkurrieren scheint die Darstellung von Gangbangs, Dreiern, lesbischen Aktivitäten, Scheidungen, umfangreiche Regelungen im Familienrecht, die Frauen am männlichen Erfolg beteiligen und insoweit eigentlich die Hierarchie beeinträchtigen oder Flirtregeln, die im wesentlichen auf die weibliche Auswahl abstellen und die Frau insoweit in den Mittelpunkt stellen.

3. Adrienne Rich

Die Feministin Adrienne Rich baut die These, dass Heterosexualität ein wesentlicher Stützpfeiler männlicher Macht ist, noch weiter aus:

Rich argues that heterosexuality is a violent political institution making way for the “male right of physical, economical, and emotional access” to women. She urges women to direct their energies towards other women rather than men, and portrays lesbianism as an extension of feminism. Rich challenges the notion of women’s dependence on men as social and economic supports, as well as for adult sexuality and psychological completion. She calls for what she describes as a greater understanding of lesbian experience, and believes that once such an understanding is obtained, these boundaries will be widened and women will be able to experience the “erotic” in female terms.

In order to gain this physical, economical, and emotional access for women, Rich lays out a framework developed by Kathleen Gough (both a social anthropologist and feminist) that lists “eight characteristics of male power in archaic and contemporary societies”. Along with the framework given, Rich sets to define the term lesbianism by giving two separate definitions for the term. Lesbian existence, she suggests, is “both the fact of the historical presence of lesbians and our continuing creation of the meaning of that existence. The other, lesbian continuum, refers to the overall “range – through each woman’s life and throughout history – of woman-identified experiences, not simply the fact that a woman has had or consciously desired genital sexual experience with another woman”. Below are the characteristics in which male power has demonstrated the suppression of female sexuality.

  1. To deny women their own sexuality: destruction of sexuality displayed throughout history in sacred documents.
  2. Forcing male sexuality upon women: rape, incest, torture, a constant message that men are better, and superior in society to women.
  3. Exploiting their labor to control production: women have no control over choice of children, abortion, birth control and furthermore, no access to knowledge of such things.
  4.  Control over their children: lesbian mothers seen as unfit for motherhood, malpractice in society and the courts to further benefit the man.
  5. Confinement: women unable to choose their own wardrobe (feminine dress seen as the only way), full economic dependence on the man, limited life in general.
  6. Male transactions: women given away by fathers as gifts or hostesses by the husband for their own benefit, pimping women out.
  7. Cramp women’s creativeness: male seen as more assimilated in society (they can participate more, culturally more important).
  8. Men withholding attainment of knowledge: “Great Silence” (never speaking about lesbian existence in history), discrimination against women professionals.

All of the characteristics show how the denial of sexuality for women is a means to control and suppress any transition, creativeness, and economic advancement of women. All of the above are forces that inhibit men to further ignore women as historically, culturally, and currently important. The characteristics show that society has forgotten that it is necessary (in order to function) to include women in both public and private spheres. Furthermore, the ignorance of a female’s choice in sexuality has caused her position in society to be thought of as less, and more importantly, secondary to that of a man. A recurring point that Rich points out is the destruction of lesbian experiences in history (misplacement of documents, or destroying them in general) has led to a society in which having a lesbian experience, or being a lesbian all together is seen as ‘the other’ and unacceptable to most men and women.

Also eine Form des Polit-Lesbentums in dem in der Verbindung mit Frauen die Befreiung aus der Unterdrückung durch den Mann liegt. Die einzelnen Punkte scheinen mir heute im wesentlichen überholt:

a. To deny women their own sexuality: destruction of sexuality displayed throughout history in sacred documents.

Also der Versuch lesbische Frauen zu verstecken, obwohl es sie anscheinend nach dieser Auffassung in der Geschichte in vielfacher Weise gegeben hat. Dafür macht ja andererseits die heutige Kultur einiges wieder gut: Lesbischer Sex ist im Internet jederzeit verfügbar, genug Frauen kokettieren damit/probieren es aus, indem sie eine Freundin küssen. Hier könnte man anmerken, dass das eben eine Umdeutung lesbischer Aktivitäten als Anregung für Männer ist, aber immerhin wird lesbischer Sex wesentlich häufiger und problemloser dargestellt als schwuler Sex.

b. Forcing male sexuality upon women: rape, incest, torture, a constant message that men are better, and superior in society to women.

Da ist es ja mal recht konkret benannt: Die komplette Gewalt, sowohl in Bezug auf allgemeine Gewalt als auch sexuelle Gewalt, ist nicht etwa Gewalt von einzelnen Männern gegen Frauen, sondern dient dazu, die Gruppe der Frauen auf ihren Platz zu verweisen und ihnen deutlich zu machen, dass die Gruppe der Männer ihnen überlegen ist. Jede Gewalt gegen Frauen dient dazu, dass man die Frauen auf ihren Platz verweist, an der Seite der Männer, und sie so davon abhält lesbischen Fantasien und Vorlieben nachzugehen.

c. Exploiting their labor to control production: women have no control over choice of children, abortion, birth control and furthermore, no access to knowledge of such things.

Auch alles keine Punkte, die heute noch zutreffen. Frauen können abtreiben, verhüten, bestimmen, wann sie Kinder bekommen, sie haben problemlosen Zugang zu dem dazu notwendigen Wissen
d. Control over their children: lesbian mothers seen as unfit for motherhood, malpractice in society and the courts to further benefit the man.

Männliche Kontrolle über die Kinder und Gerichte, die dabei die Väter bevorzugen: Vergangenheit. Im Gegenteil, Frauen haben die Kontrolle über die Kinder und üblicherweise werden diese von Gerichten den Frauen zugesprochen. Wenn eine lebsische Frau bereits ein Kind hat und es innerhalb der Ehe betreut hat, dann wird es auch trotzdem ohne weiteres zur Mutter gehen.

e. Confinement: women unable to choose their own wardrobe (feminine dress seen as the only way), full economic dependence on the man, limited life in general.

Heute können sich Frauen so männlich anziehen, wie sie wollen, sie können sich über Erwerbsarbeit selbst versorgen und müssen sich auch ansonsten nicht anstrengen. Selbst wenn sie sich in die Abhängigkeit eines Mannes begeben sind sie über die Ehe nachhaltig abgesichert.

f. Male transactions: women given away by fathers as gifts or hostesses by the husband for their own benefit, pimping women out.

Die Tochter als Verfügungsmasse des Vaters oder gar des Ehemannes ist heute nicht mehr vorstellbar. Es mag zwar Zuhälter geben, aber das betrifft nur eine geringe Zahl der Frauen (tatsächlich habe ich mal gelesen, dass die Anzahl bisexueller unter den Prostituierten eher höher ist, was durch höheres Testosteron und damit ein anderes Verhältnis zu Sexualität durchaus zu erklären wäre, ich habe aber keinen Link dazu).

g. Cramp women’s creativeness: male seen as more assimilated in society (they can participate more, culturally more important)

Der Einfluss von Frauen auf die Gesellschaft ist meiner Meinung nach lediglich in bestimmten Bereichen geringer, ich sehe auch nicht, dass sie ansonsten innerhalb der Gesellschaft ausgeblendet und insoweit in ihrer Kreativität beeinträchtigt sind. Gerade in vielen sozialen Kreisen sind Frauen wesentlicher Bestandteil der Kultur und nehmen ebenso an dieser Teil. Hier scheint eine gewisse Apex-Fallacy zu bestehen.

h. Men withholding attainment of knowledge: “Great Silence” (never speaking about lesbian existence in history), discrimination against women professionals.

Dazu hatte ich eigentlich das Wesentliche auch bereits oben gesagt. Ich vermute hier wird Rich allerdings auch wesentlich mehr lesbische Geschichte sehen als die anerkannte Geschichte hergibt und das das weniger an der Unterdrückung dieser Geschichte liegt, sondern eher an deren Aufbauschung durch Frau Rich. Denn der Anteil lesbischer Frauen ist meines Wissens innerhalb der Gesellschaften auf der Erde einigermaßen konstant, so dass es wenig verwunderlich ist, wenn lesbische Frauen ansonsten wenig auffallen, weil sie eben nur in geringerer Zahl existierten.

Im ganzen würde ich sagen, dass man entweder davon ausgehen kann, dass Adrienne Richs Thesen falsch sind oder zugestehen muss, dass diese Bedingungen heute nicht mehr zutreffen und damit eigentlich eine wesentliche Änderung eingetreten sein müsste und insoweit die Folgerungen aus ihren Thesen für die heutige Gesellschaft nicht mehr aktuell sind

Hier übrigens die insoweit unkritische Darstellung von Rich bei der Mädchenmannschaft:

“Wenige Jahre später erschien ihr bekanntes Gedicht­band “Diving Into The Wreck”, welches bis heute als Meister­werk der feministischen Literatur gilt. Von 1976 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Partnerinnen­schaft mit der jamaikanischen Autorin Michelle Cliff. Ihr Essay “Zwangs­heterosexualität und lesbische Existenz” (1980) sowie ihre Liebesgedichte an Frauen, z.B. die “Twenty-One Love Poems” (1977), machten sie zu einer Identifikations­figur in der lesbischen Bewegung. In den Jahr­zehnten bis zu ihrem Tod unterrichte Rich an renommierten US-amerikanischen Universitäten und war weiter­hin politisch aktiv.”

 

4. Weitere Zitate zur Unterdrückung der Frau durch Heterosexualität

Hier habe ich noch einige weitere Zitate aus dem Bereich gefunden:

“Heterosexual hegemony … is being simultaneously eroded and reconstructed. …The forms of sexuality considered natural have been socially created and can therefore be socially transformed.” (219) “New social policies would focus on transforming social relations and would be based on empowering of lesbians, gay men, sex-trade workers, women and people of colour.” (emphasis added, 229) “The Regulation of Desire: Sexuality in Canada” by Gary Kinsman, Black Rose Books, 1987
“Heterosexuality like motherhood, needs to be recognized and studied as a political institution. . .the model for every other form of exploitation.” Adrienne Rich, “Compulsory Heterosexuality and Lesbian Existence,” Signs: Journal of Women in Culture and Society, 5 No.4 (1980) 637
“Heterosexuality is a die-hard custom through which male-supremacist institutions insure their own perpetuity and control over us. Women are kept, maintained and contained through terror, violence, and the spray of semen…[Lesbianism is] an ideological, political and philosophical means of liberation of all women from heterosexual tyranny… ” Cheryl Clarke, “Lesbianism, An Act of Resistance,” in This Bridge Called My Back: Writing by Radical Women of Color, ed. Cherrie Moraga (Women of Color Press,1983), pp.128-137.
“The opposite of heterosexual desire is the eroticising of sameness, a sameness of power, equality and mutuality. It is homosexual desire.” Sheila Jeffreys, Anticlimax: A Feminist Perspective on the Sexual Revolution (London: Women’s Press,1990) p.300

“Female heterosexuality is not a biological drive or an individual women’s erotic attraction or attachment to another human animal which happens to be male. Female heterosexuality is a set of social institutions and practices… Those definitions… are about the oppression and exploitation of women [by men].” Marilyn Frye, Willful Virgin: Essays in Feminism, 1976-1992 ( Freedom: Crossing Press,1992) p.132

 

 

5. Homophobie und Anerkennung der Homosexualität als Lebensform

Allerdings scheinen die diesbezüglichen sozialen Regeln innerhalb der westlichen Welt, also gerade bei dem angeblich von den heterosexuellen weißen alten Männern geprägten Kulturen doch eine gewisse Durchlässigkeit und Toleranz zu kennen.

 

 

Homosexualität Deutschland Akzeptanz

Homosexualität Deutschland Akzeptanz

Danach liegt Deutschland sogar ziemlich an der Spitze der Akzeptanz von Homosexualität. Dazu von der gleichen Seite noch eine andere Grafik:

 

 

Deutschland Moral Sexualität Homosexualität

Deutschland Moral Sexualität Homosexualität

 

In Deutschland lehnen damit ungefähr die gleiche Zahl an Menschen vorehelichen Sex und Scheidungen ab, wie Homosexualität, was eben auch für einen starken religiösen Bezug spricht.

Wenn die feministische Theorie richtig ist, dann versagen gerade in den westlichen Staaten die patriarchalen Strukturen total und das Patriarchat ist nicht mehr haltbar, weil es sich nicht mehr auf die Ablehnung der Homosexualität stützten kann.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. April 2014

Homosexualität als Komplizen männlicher Herrschaftsstrukturen

Leser Leszek zitiert eine interessante Passage zu feministischen Strömungen, die Homosexualität als Bestätigung männlicher Herrschaftsstrukturen sieht:

 

(…) so definiert doch eine wesentliche Strömung des Lesbischen Feminismus schwule Männer als Komplizen männlicher Herrschaftsstrukturen und betrachtet sie konsequenterweise als weniger geeignete Verbündete von Lesben als heterosexuelle Frauen. Sheila Jeffreys z.B. betont die Solidarität zwischen Frauen und Lesben – eine Solidarität, die ihr zufolge für den gesamten Feminismus selbstverständlich sein sollte – , während sie gleichzeitig ein vergleichbares Bündnis zwischen Lesben und Schwulen verneint. Indem sie geschlechtliche Identitätskategorien höher bewertet als sexuelle, stellt Jeffreys “das ganze System männlicher Vorherrschaft” in den Vordergrund. Damit kann sie das weitgreifende und vom Geschlechterstandpunkt geprägte Argument begründen, dass alle Männer, einschließlich schwuler, Frauen unterdrücken. (Jeffreys 1994b, 460) Darüber hinaus macht sie schwule Männer als diejenigen aus, die eine besonders wichtige Funktion an dieser allgemeinen Unterdrückung haben: “Durch ihre Beteiligung in den Medien und in der Modeindustrie spielen Schwule eine einflussreiche Rolle bei der Definition dessen, was in einer Kultur männlicher Vorherrschaft als weiblich gilt.” (ebd.., 461) Die Darstellung von Schwulen als Verkörperung patriarchaler Werte hat eine bedauerliche homophobe Geschichte innerhalb der feministischen Theorie. Außer im bereits diskutierten Aufsatz von Rich taucht diese Idee auch in den Schriften von Irigaray (1981, 107-11) und Frye (1983) auf (…).
Jeffreys stimmt dem Argument von Marilyn Frye zu, wenn es, ähnlich formuliert, behauptet: “Schwule verhalten sich konformistisch zur männlichen Vorherrschaft, weil sie sich entscheiden, diejenigen zu lieben, die in diesem politischen System jeder lieben soll, nämlich Männer.” (…) (Jeffreys1994 b, 468)
(…)
“Ein Blick auf einige der Prinzipien und Werte der männerdominierten Gesellschaft und Kultur legt unmittelbar nahe, dass homosexuelle Bürgerrechtsbewegung und schwule Kultur, wie diese sich in ihren öffentlichen Äußerungen darstellt, in wesentlichen Punkten eher im Einklang als im Widerspruch zur männlichen Herrschaft stehen. Diese ist jedoch feindlich gegenüber Frauen wie der Frauenliebe, der sich Lesben verschrieben haben.” (ebd., 130)
Zu diesen “Prinzipien und Werten”, die laut Frye heterosexuelle und homosexuelle Männer mit den Banden unerschütterlicher Männlichkeit verknüpft, gehören der Kampf für männliche Bürgerrechte, Homo-Erotik, Frauenhass und männliche Zwangsheterosexualität. Schärfer als Rich und Jeffreys betont Frye diese vermeintliche Nähe zwischen phallokratischer Kultur und der Homo-Befreiungsbewegung. Doch sie schließt daraus sogar, dass Schwule, weit entfernt davon, bloß heterosexuellen Männern ähnlich zu sein, “im allgemeinen in allen wichtigen Punkten nur noch loyaler zu Männlichkeit und männlicher Herrschaft stehen, als andere Männer”. (ebd., 132)
Frye argumentiert weder als erste noch als letzte lesbische Feministin, die Männerbündelei, die den heterosexuellen Austausch ermöglicht, unterscheide sich eher graduell als im Wesen vom Männerbund, der Homosexualität unterstützt.
(…)
Nachdem sie (…) behauptet hat, dass sich heterosexuelle und schwule Kulturen in ihrer Liebe zu Männern und ihrem Hass auf Frauen einig sind, macht Frye das Prinzip hinter der männlichen Zwangsheterosexualität ausfindig: “Es ist sehr wichtig für die Aufrechterhaltung männlicher Herrschaft, dass Männer Frauen ficken und zwar oft. Es ist also erforderlich, es ist zwingend. Es bedeutet Pflichterfüllung und ist auch Ausdruck von Solidarität.” (ebd., 140)
Der Diskurs der Homo-Befreiung steht zu dieser Anforderung anscheinend im Gegensatz oder trägt sie zumindest nicht mit. Frye erkennt zwar an, dass Schwule im allgemeinen nicht daran interessiert sind, in diesem Sinne “ihre Pflicht zu erfüllen”, hält jedoch dagegen, dass der Grund dafür ein überentwickelter Frauenhass ist: “In vielen Fällen sind (Schwule) nur deshalb abgeneigt, ihre Pflicht zu erfüllen, weil sie ihre Lektion in Frauenhass nur zu gut gelernt haben. Sie weigern sich, diesen Teil des Mannseins auszuspielen, weil der geforderte Frauenhass, eine Form und Intensität angenommen hat, die andere Erfordernisse der Männlichkeit überwiegen.” (ebd.)
(…)
Ihr Beharren darauf, dass Geschlecht die wesentliche Unterdrückungskategorie ist, stellt die Projekte des Lesbischen Feminismus und die Schwulenbefreiungsbewegung als unvereinbar dar: “Ich sehe überhaupt keine natürliche Affinität zwischen Lesbischem Feminismus und der Schwulen-Befreiungsbewegung, ihre Politik steht in den meisten Fällen vielmehr im direkten Gegensatz.” Diese Annahme löste eine langwierige Debatte aus. Obwohl sie keine notwendige Voraussetzung des Lesbischen Feminismus ist, beeinflusst sie doch weiterhin die Auseinandersetzung um die Darstellung sexueller Identitäten.

Aus: Annamarie Jagose – Queer Theory. Eine Einführung, S. 69 – 72

Inzwischen wohl eher eine Randmeinung im Feminismus, bei dem Homosexualität in den poststrukturalistischen interesektionalen Ausrichtungen als Nachteil, Heterosexualität hingegen als Privileg gesehen wird, wobei der als männlich gelesene Homosexuelle aufgrund seines Geschlechts durchaus Privilegien als Mann hat.

Eine interessante Studie beschäftigt sich mit der Frage, ob Frauen fruchtbare Tage riechen können und was dies bewirkt:

Evolutionary theories of mating suggest that changes in fertility across the menstrual cycle play an important role in sexual selection. In line with this framework, the current research examined whether olfactory cues to the fertility of a same-sex rival would prompt hormonal signs of intrasexual competition in women. Women exposed to the scent of another woman close to ovulation subsequently displayed higher levels of testosterone than women exposed to the scent of a woman far from ovulation. Whereas women exposed to the scent of a woman in the mid-luteal phase displayed sizable decreases in testosterone over time, no such decline was observed among women exposed to the scent of a woman near ovulation. Thus, olfactory cues signaling a rival’s heightened level of fertility were associated with endocrinological responses in women that could be linked to intrasexual competition.

Quelle: Attunement to the fertility status of same-sex rivals: women’s testosterone responses to olfactory ovulation cues

Ich habe leider nur den Abstract gefunden, aber wenn ich es richtig verstanden habe, dann reagieren Frauen auf den Geruch einer fruchtbaren Frau mit einer Erhöhung des Testosteronspiegels.

Das wäre aus vielen Gründen interessant:

  • Es würde erst einmal bedeuten, dass es olfaktorische Möglichkeiten gibt, an denen man erkennen kann, dass eine Frau fruchtbar ist, was gut zu den Ergebnissen von Miller passt, dass Stripperinnen an ihren fruchtbaren Tagen mehr Trinkgeld bekommen.
  • Auch bei Männern steigt der Testosteronspiegel, wenn sie den gleichen Geruch wahrnehmen

Aus einem Artikel dazu:

Women exposed to the scent of high fertility females displayed greater levels of testosterone. The smell of a low fertility woman actually caused testosterone levels in the sniffers to significantly drop.

We are not consciously noting the smells of other people all day long, unless a particularly good or bad smell hits us, but odors are working on us, even when we don’t realize it.

“Humans are influenced much more strongly by ovulatory cues than we tend to think,” Maner explained. “For the most part, people aren’t likely to be consciously aware of the effects ovulatory cues have over them. There is solid evidence that people find the scent of ovulation to be pleasant and attractive (relative to the scent of a woman who is far from ovulation), but beyond that, most of the behavioral and hormonal effects are likely to occur below the conscious radar.”

Die Forscher vermuten, dass damit eine Vorbereitung auf intrasexuelle Konkurrenz erfolgt, da Testosteron eben das Revierverhalten und die Wettbewerbsbereitschaft steigert. Insofern könnte hier eine gewisse Mate-Guarding-Routine ablaufen, indem eben Frauen aufpassen, dass die andere Frau nicht auf der Suche nach “Guten Genen” ihren Partner klaut.

Gleichzeitig könnte Testosteron auch den Sextrieb erhöhen, so dass sie eher selbst mit ihrem Freund schläft, was auch ein effektives Mate-Guarding sein kann

Ein interessantes Schlußwort in dem oben verlinkten Artikel:

In all cases, it appears that today’s human social interactions can be driven by how we’ve evolved as primates.

“Some people might like to believe that people aren’t animals, or at least that our behavior isn’t beholden to the same biological processes as other species,” Maner said.

“But humans,” he added, “are very similar to other species in many ways, and those similarities are no more apparent than when it comes to sexuality.”

In der Tat.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. April 2014

Die fünf Klassen der feministischen Unwahrheiten

Neuer Peter hat wiedereinmal einen interessanten Kommentar geschrieben, in denen es um die Frage geht, wie mit Unwahrheiten im Feminismus umgegangen wird:

Wie viele Feministen gibt es, die bewusst Lügen verbreiten? Ich denke, dass der Anteil relativ gering ist. Ich glaube auch, dass sich Feministen in dieser Hinsicht grob in fünf Klassen einteilen lassen:

1. Ideologisch Verblendete
2. Unwillentlich Ignorante
3. Willentlich Ignorante
4. Professionelle Lügner
5. Aufgeklärte Egalitaristen

1. Ideologisch Verblendete haben sich in den Denk- und Interpretationsmustern ihrer Verschwörungstheorien verfangen und können schlecht aus diesen ausbrechen. Erfahrungen und empirische Befunde, die ihrem Weltbild widersprechen, werden entweder ignoriert oder umgedeutet, bis sie wieder passen. Somit kommt man dann zur Interpretation weiblicher Privilegien als “wohlwollende Diskriminierung”, die Zeichen der Unterdrückung der Frau sei oder zu der Ansicht, dass die Abwesenheit von Belästigungserfahrungen Ausdruck einer frauenbelästigenden Kultur sei oder dass das Patriarchat Frauen unterdrücke, indem es Männer benachteilige.

Hier ist Hopfen und Malz verloren. Es ist aber wichtig, festzustellen, dass diese Menschen nicht bewusst lügen. Sie glauben durchaus an die Dinge, die sie verlautbaren.

Feministen dieser Art findet man unter den radikalen Netzfeministen, wohl auch an Genderlehrstühlen und gelegentlich wohl auch innerhalb der Genderbürokratie. Der Anteil scheint mir aber eher gering zu sein.

2. Unwillentlich Ignorante assoziieren den Begriff “Feminismus” schlicht mit Gleichberechtigung und gehen davon aus, dass dieser auch dafür eintrete. Vom Flurschaden, die die feministische Ideologie angerichtet hat und weiterhin anrichtet, wissen sie nichts. Sofern sie etwas von den Auswüchsen des radikalen Feminismus mitbekommen, gehen sie davon aus, dass es sich hier um eine kleine extremistische Minderheit ohne Wirkmacht handelt, die mit dem “wahren” Feminismus nichts zu tun hat. Ich denke, dass die meisten Menschen diesem Typus angehören.

3. Willentlich Ignorante hegen mehr oder weniger dieselben Überzeugungen wie unwillentlich Ignorante. Da sie aber eine persönliche Investition in die Identifikation als Feminist getätigt haben, schützen sie diese durch aktives Weghören und willentliche Ignoranz gegenüber Gegenargumenten und Tatsachen, die ihre Weltsicht gefährden könnten. Die Netzfeministen aus dem Umfeld dieses Blogs sind ein sehr gutes Beispiel dafür. Dabei ist die große Bandbreite der Verdrängungsstrategien außerordentlich interessant. Entweder interessiert man sich schlicht nicht für Widerspruch, oder man hat gerade seit Monaten keine Zeit, sich mit ihm zu beschäftigen oder man zaubert schnell einen Umstand aus dem Hut, der es erlaubt, den Autoren des Widerspruchs moralisch zu diskreditieren, damit man sich nicht mit seinen Argumenten beschäftigen muss.

4. Die Existenzgrundlage professionelle Lügner ist abhängig von der Aufrechterhaltung gewisser Unwahrheiten. In diese Kategorie gehören die Produzenten von Gefälligkeitsgutachten, diverse Moralunternehmer, manche Politiker und die Apparatschiks der Frauenförderindustrie. Bisweilen ist die Abgrenzung zum Typ 1 recht schwer. Ich würde beispielsweise Claudia Roth eher zu Typ 1 zählen, während ich Jürgen Trittin und Obama ganz sicher zu Typ 4 zählen würde.

5. Aufgeklärte Egalitaristen leiten ihre Ansichten aus grundlegenden Überzeugungen hinsichtlich der Gleichberechtigung der Geschlechter ab. Sie sperren sich nicht aktiv gegen die Wahrnehmung von Misandrie, fokussieren aber auf Frauenprobleme. Frauenpolitik, die zum Schaden des Mannes gemacht wird, lehnen sie ab. Dieser Typus ist mit der weitgehenden Durchsetzung der weiblichen Gleichberechtigung so gut wie ausgestorben. Leute wie Monika Ebeling wären hier ein gutes Beispiel.

Ich denke auch, dass der Anteil derer, die aktiv und bewusst lügen nicht so hoch ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das in einigen “wissenschaftlichen Bereichen” betrieben wird, eben etwa dann, wenn jemand selbst einfach nur bezüglich seines Abschlusses vorankommen will und weiß, dass er andere Ergebnisse nicht verkaufbar sind oder auch bei entsprechenden Gutachten.

Auch hier halte ich aber die “Theorie des puren Bösen” für wenig überzeugend: Unser Gehirn ist erstaunlich gut darin, Rechtfertigungen für unser Verhalten zu finden. Hier bietet sich bei der Fallgruppe 1, den ideologisch verblendeten, an, dass sie die Gefahr durch das Patriarchat als zu groß wahrnehmen, dass sie davon ausgehen, dass tatsächlich alle nichtfeministische Forschung schlecht ist etc.

Interessanterweise kann man diese Gruppen sicherlich genauso auf den Maskulismus verwenden. Auch hier werden Radikalmaskulisten häufig nicht lügen, sondern tatsächlich davon ausgehen, dass AlleFrauen nur Ausbeutung der Männer wollen und ansonsten keine Gefühle haben, auch wenn sie ansonsten durchaus Paare sehen, die sich lieben und sich gegenseitig unterstützen und mit der Aufteilung beiderseits vollkommen glücklich sind.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. April 2014

Selbermach Samstag LXXXI

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. April 2014

Handeln zum Schutz der Gemeinschaft vs. Schutz des Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft

Ein Bereich, der immer wieder zu großen Diskussionen führt ist aus meiner Sicht derjenige, bei der jemand Rechte des Individuums beschneidet, um die Gemeinschaft zu schützen, aber dabei selbst in den Bereich der Illegalität vordringt, dies also heimlich macht.

Ein aktuelles Beispiel ist die NSA-Affäre, in der zum Schutz vor allerlei Terrorismus stark in die Privatssphäre der Bürger des eigenen Landes und anderer Länder, auch verbündeter Nationen eingegriffen wurde.

Hier ist aus meiner Sicht ein Zusammenspiel mit den Gedankengängen interessant, die auch gegen den “Mythos des puren Bösen” sprechen: Die meisten Leute sehen bei ihren eigenen Taten ihr damit verfolgte Ziel, dass meist etwas Gutes ist und es fällt ihnen um so leichter, die Taten damit zu rechtfertigen, wenn die Folgen nur hypothetische Folgen sind.

Bei der NSA-Affaire beispielsweise wird zwar massiv in die Interessen der Bürger eingegriffen, hier kann man aber rationalisieren, dass dies ja nur geschieht, um die Bösewichte herauszufischen und das Privatleben der belauschten Bürger dabei gar nicht interessiert. Dann aber passiert diesen eben aus dieser Ansicht nicht schlimmes. Besteht der Nachteil also in einer Mißbrauchsgefahr, dann kann man sich dies rationalisieren, indem man darauf hinweist, dass man ja ein Guter ist und sich die Mißbrauchsgefahr bei einem selbst gar nicht verwirklicht.

Die Rechtsverletzung erscheint dann in diesem Licht aufgehoben, mehr noch: da subjektiv keine Gefahr für die Rechte Unschuldiger besteht dient der Datenschutz in diesem Fall nur noch den eigentlichen “Bösen”. Dadurch, dass man dies im Verborgenen machen muss lädt man quasi sogar noch Schuld auf sich, opfert sich in gewisser Weise für die anderen. So wird in der Umdrehung aus einer Beeinträchtigung der Rechte des Einzelnen ein Handeln zum Schutz der Gemeinscha

Eine interessante Serie, die mit diesem Gedanken spielt, ist Death Note:

Der hochintelligente Schüler Light Yagami ist von der Welt um ihn herum enttäuscht. Daher möchte er wie sein Vater Gerechtigkeit verbreiten und studiert Jura, um Verbrecher bestrafen zu können. Eines Tages findet Light ein schwarzes Notizbuch, das Death Note, das ursprünglich dem Shinigami Ryuk gehörte. Es enthält detaillierte Anweisungen, nach welchen Regeln man einen Menschen damit töten kann. So heißt es dort, dass der Mensch, dessen Namen man in dieses Notizbuch schreibt während man sich dessen Gesicht vorstellt, stirbt. Er erkennt die Möglichkeit, sein Ziel, eine perfekte Welt zu erschaffen, zu erreichen, indem er alle Verbrecher umbringt und die Bürger durch die dadurch bewirkte Abschreckung von Verbrechen abhält.

Hier wird Light zu einer gottgleichen Gestalt, die über Leben und Tod entscheidet und sich nicht mehr an die Schutzregeln wie ein faires Verfahren halten muss. Alles hängt insoweit von seiner Auswahl und der darin enthaltenen Gerechtigkeit ab. Weil die Gesellschaft hier keine Schuld an der Beschneidung der Rechte trifft – sie kann nichts weiter machen als zu versuchen Light zu ermitteln, kann sie auch deren Folgen über die gesunkene Kriminalität etc entgegen nehmen. Auch hier kann Light sagen, dass er die Rechte nur bei denen umgeht, die sie eh nicht verdient haben – zB alle Mitglieder der Yakuzza, denen man dies aber mit rechtsstaatlichen Mitteln nicht nachweisen kann.

Dieser Grenzbereich besteht natürlich aus gutem Grund, denn ohne Rechtsstaat ist der Willkür des Staates keine Grenze gesetzt. Wie man an der NSA-Affaire sieht ist dann auch nicht mehr eingrenzbar, was mit den Daten erfolgte. Während der normale Bürger vielleicht noch nicht einmal etwas dagegen hätte, wenn es eine reine Terroristensuche wäre, ist eine Ausweitung aus Wirtschaftsspionage und auch ein Abfangen so sensibler Gespräche wie die mit dem eigenen Rechtsanwalt oder die eines Staatsvorstandes, aber auch der Eingriff in private Daten zu anderen Zwecken dann doch deutlich Besorgnis erregender.

Der große Nachteil einer Aufweichung der Rechte des Einzelnen ist eben, dass damit ein Tor geöffnet wird: Sind bestimmte Daten erst einmal ermittelt oder kann auf sie zugegriffen werden, dann wird auch immer jemand Interesse daran haben, auf sie zuzugreifen und sie auszunutzen. Um so länger der Schutz des Einzelnen eingeschränkt ist, um so weniger schwerwiegend erscheint auch eine Nutzung dieser. Hier ist man schnell auf einer “Slippery Slope“, der Damm gibt also quasi immer mehr nach. Über eine Ausnahme nach der anderen erscheint der Eingriff dann letztendlich normal.

Die Rechte Einzelner sind aus meiner Sicht vor diesem Hintergrund zu verstehen: Sie bilden ein Bollwerk gegen Mißbrauch und sind insofern mehr als nur “der Rotz der Aufklärung“.

Keine Gruppe sollte sich jemals sicher sein, dass sie die Rechte des Einzelnen trotz der Umgehung dieser Rechte zum Guten trotzdem nach wie vor schützt.

Im Gegenteil: Die Auffassung, dass man hier ja der Gute ist und insoweit kein Mißbrauch passieren kann, scheint mir sogar der sicherste Weg zu einem Mißbrauch zu sein, weil man sich dann eben noch weniger zurückhalten muss und Absicherungen gegen die Gefahr im geringeren Umfang trifft.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. April 2014

War Jesus verheiratet und warum wäre das ein Problem?

Nachdem es hier schon einmal um die Kreuzigung Jesus und deren Sinn ging heute mal etwas zu der Frage, ob Jesus verheiratet war.

New scientific tests have turned up no evidence of modern forgery in a text written on ancient Egyptian papyrus that refers to Jesus as being married, according to a long-awaited article to be published Thursday in the Harvard Theological Review.

The findings support the argument of Harvard professor Karen L. King that the controversial text, the first-known explicit reference to a married Jesus, is almost certainly an authentic document.

(…)

The fragment appears to be cut from the middle of a larger document; it contains just eight partial lines, written in a crude hand, one of which says, “And Jesus said to them, ‘My wife,’ ” The next says, “She will be able to be my disciple.”

The first line, according to King’s translation, says in part: “My mother gave me life.”

King believes the document may have been copied from a much earlier Greek text, perhaps composed in the second century, and sees it as an important addition to the study of the development of Christianity as it spread through the Mediterranean world.

King said in the interview this week that her thinking about the meaning of the document has evolved somewhat. She originally hypothesized it concerned debates about discipleship, and whether becoming a Christian meant giving up one’s family to join a spiritual family. But in researching what early Christians said about whether Jesus was married or not, she recognized the importance of early Christian controversies about the spiritual advantages of celibacy. If Jesus were celibate, were Christians who were married or sexually active less fully human, or lesser in the eyes of God?

“Now when I come back and read the fragment, it seems the major issue being talked about was that Jesus was affirming that wives and mothers can be his disciples,” King said.

Es ist interessant, dass die Frage, ob Jesus verheiratet war, so viele Kontroversen auslöst. So gesehen ändert es wenig an seiner Person: Wenn er als Mensch auf die Erde gekommen ist, warum sollte er dann nicht verheiratet sein? Gerade weil in der damaligen Zeit Priester meines Wissens nach verheiratet gewesen sind und dies sogar sein mussten, wenn man sie ernst nehmen wollte, würde ja einiges dafür sprechen.

Aber es macht es eben auch schwieriger ihn abstrakter zu sehen, wenn er mehr Mensch ist, den nötigen Kult aufzubauen, wenn er normal und weniger entrückt ist.

Ein wenig dazu bei trägt dann vielleicht auch das Gefühl, dass Sexualität an sich etwas schmutziges ist, gerade bei Männern, etwas, was Trieben unterworfen ist und was damit schlecht zu einem Heiligen oder dem Sohn Gottes passt. Gerade in einer Religion, die ihren Gott durchaus entmenschlicht und ihm allmächtige Züge zuweist wirft das vielleicht Probleme auf. Die alten Griechen hatten damit weniger Probleme, weil ihre Götter weit weniger mächtig waren und wesentlich menschlichere Züge hatten. Sie interagierten auf einer menschlicheren Ebene mit den Menschen, kämpften mit ihnen in Kriegen, hatten Eheprobleme und gerade auch Zeus einen recht regen Sexualtrieb.

Der christliche Gott ist dagegen absolute Autoritätsperson bei – in der Gestalt des neuen Testaments – hoher Großzügigkeit, also der Archetyp des strengen, aber gerechten Königs, quasi ein Alphamann, der aber einen starken sozialen Bezug hat. Die Verbundenheit wird dabei sogar ins familiäre (“Vater unser”) übertragen, was vielleicht auch eine Vorstellung eines ehelichen Sexuallebens schwerer macht.

Eine andere Problemstellung wäre vielleicht, dass uns auch der Umstand, dass wir über die Partnerwahl eine Wertung der Person vornehmen, in die Quere kommt. Welche Frau sollte gut genug sein um eine Partnerin eines Gottes/Gottessohnes/Teil eines Gottes, der in menschlicher Gestalt auf die Erde gekommen ist zu sein.

Natürlich wirft es auch die Frage von Kindern etc auf.

Es schadet also allgemein dem Mythos und damit ist es wie bei jeder guten Geschichte: Eine gute Origin-Story ist wichtig, geht man aber zu sehr ins Detail, dann macht man das mystische kaputt (Midi-chlorians, ihr ward eine schlechte Idee).

 

Tweets von der Feministin Tofutastisch:

 

 

Es macht mich so wütend, wie Menstruation runtergespielt wird. Ist ja nur ein “Frauen”problem, dass sie zickig und nervig macht, haha! Es ist anstrengend, es macht mich arbeitsunfähig und es tut VERDAMMT NOCHMAL WEH.

Finde ich interessant: Würde ich hier irgendwo schreiben, dass Frauen aufgrund ihrer Menstruation ja auch teilweise arbeitsunfähig sind und damit geringere Erfolge von Frauen im Beruf begründen, dann würde man mich eben nicht dafür loben, dass ich die Probleme von Frauen aufgrund ihrer Menstruation nicht herunterspiele, ich wäre wohl eher ein sexistisches Schwein.

 

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