Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. Oktober 2014

Meisterleistungen der Schuldverlagerung

Auf Identitätskritik findet sich eine hübsche Schuldverlagerung auf das Patriarchat und eine Rebellion gegen die Geschlechterrollen in Bezug auf Triggerwarnungen:

mir wird als nicht-setzerin von triggerwarnungen immer dann, wenn eben das kritisiert wird, vorgeworfen, dass ich nicht vorrausahne, was das, was ich schreibe mit anderen macht. dass ich nicht vorausahne, dass ein text jemand anders weh tut. dass ich mich nicht genug hineinversetze in andere. weibliche sozialisation anyone? diese forderung werde ich niemals als legitim betrachten, nicht nach einem jahrzehntelangen kampf, nicht vor jeder handlung, vor jedem satz immer erst zu überlegen, was das mit der anderen person machen könnte.
das müsste ich als frau ™ nämlich unbedingt vorher wissen. und in meine handlungen einplanen. wo kämen wir denn dahin, wenn ich dann gar noch von gewalt erzählen würde, ohne alle vorher tausendmal zu fragen ob das wirklich okay ist und ob ich wirklich so explizit sein darf, wie die scheiß-wirklichkeit ist.

Die Triggerwarnung, ein Instrument, welches eigentlich dazu dient, den Opferstatus von allem noch zu betonen und sich als besonders opferschützend darzustellen, wird hier quasi als verinnerlichter Sexismus gesehen, denn damit wird an eine Frau die Anforderung gestellt, besonders einfühlsam zu sein. Womit die Aufforderung an jemanden eine Triggerwarnung zu setzen, gleichzeitig Sexismus ist (wenn derjenige eine Frau ist).

Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie leicht man feministische Theorie benutzen kann um in jedem einzelnen Aspekt eine Opferrolle für sich zu entdecken, selbst in Vorgaben aus dem Feminismus selbst. War ja auch schon bei der nichtexistenten Feministischen Feuerwehr Thema.

Vielleicht sollte man da mal einen Wettbewerb draus machen?

Ich bitte also um Einsendung von Beiträgen, wie man feministische Forderungen mittels feministischer Phrasen in eine unberechtige Forderung umwandeln kann. Die Zusendung kann per Email oder auch hier in den Kommentaren erfolgen, oder als Blogbeitrag auf einem eigenen Blog (bitte dann diesen Beitrag verlinken). Wir küren dann einen Sieger (Einsendeschluß: 7.11.2014).

Mögliche Themen:

  • warum die Aufforderung feministisch tätig zu sein, sexistisch im Sinne des Feminismus ist.
  • Warum die Bezeichnung einer Person als Feministin sexistisch im Sinne des Feminismus ist
  • warum es sexistisch im Sinne des Feminismus ist, einer Frau nachts auszuweichen, damit sie keine Angst vor einer Vergewaltigung haben muss

Wer Beispiele findet, die noch absurder sind, der kann diese gerne vorschlagen oder direkt verwenden.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. Oktober 2014

Unterdrückungsolympiade (Oppression Olympics)

 

(weitere Videos 1, 2, 3)

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. Oktober 2014

Feminismus als Selbstinszenierung

Nadine Lantzsch schreibt zum Zustand des Netzfeminismus:

was mich ärgert ist eine bestimmte attitüde, die von Alphafeministin bis queer underground reicht. Eine inszenierung einer politisch korrekten identität, die getrieben ist von ständiger selbstoptimierung bei permanenter larmoyanz. eigentlich steht das eigene leid 90% der zeit im vordergrund, aber um diese selbstzentrierung zu kaschieren, werden zwischendrin random links und texte umhergeschickt und reflektierte gedanken formuliert, die von anderen beflissentlich gefavt und RT werden. diskriminierend sind immer nur die anderen und eigene privilegien finden tarnung hinter einer rhetorik, die kritik abprallen lässt. vieles davon finde ich extrem emotionslos und irgendwie mechanisch, so als sei aus den leuten das leben herausgesaugt, als würde die welt nur noch darin bestehen, von ihnen benannt, einsortiert, bewertet und politisiert zu werden. als sei welt eine einzige rationalisierte, intellektualisierte analyse. auch dann, wenn behauptet wird, intellektualismus sei nur was für’s bürgertum (und bürgertum: das sind auch immer nur die anderen).

Also

  • Inszenierung einer politisch korrekten Identität
  • getrieben ist von ständiger selbstoptimierung bei permanenter larmoyanz
  • eigentlich steht das eigene leid 90% der zeit im vordergrund,
  • diskriminierend sind immer nur die anderen und eigene privilegien finden tarnung hinter einer rhetorik, die kritik abprallen lässt.

Das deckt sich alles durchaus mit meiner eigenen Meinung. IDPOL halt und die daraus resultierende Opferspirale. Und auch dazu, dass Männer keine Opfer sein können.

Ich vermute eher, dass sie nicht ertragen kann, dass andere mehr Beachtung finden und zudem Diskriminierungen ansprechen, die sie für nicht so wichtig hält, aber dennoch eine erstaunlich offene Kritik.

Willkommen Nadine Lantzsch im feminismuskritischen Lager!

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. Oktober 2014

“Frauen müssen sich beim Sex öffnen, deswegen sind sie verletzlicher”

Auf dem im vorherigen Artikel bereits zitierten Blog gibt es in den Kommentaren noch eine interessante Aussage der Autorin:

 Aber versuch bitte dich in eine Frau zu versetzen. Wir sind diejenigen, die Kinder bekommen, sich Mann “öffnen” müssen. Nicht nur im sexuellen Sinn, auch emotional. Aber dieses “öffnen” bedeutet einen großen Einschnitt im Leben von Frau. Sie macht sich damit verletzlich, sie ist ungeschützt. Und das macht ihr Angst. Auch, wenn ich nie etwas mit Mann hatte und haben werde, so kann ich das zu 100 % nachempfinden.

Männer kennen dieses Gefühl nicht. Für gewisse Typen sind Frauen nur ein Objekt aus Busen, Beine, Po. Das Gesamtpaket, der Mensch, interessiert sie nicht.

Das ist eine häufig auftauchende Argumentation, die ich daher besprechenswert finde. Aus meiner Sicht gehen die dortigen Argumente etwas an der Sache vorbei, eben weil sie statt auf evolutionäre Vorgänge abzustellen soziale oder systembedingte Argumente bringen.

Es ist ja nicht per se logisch, dass Frauen, weil ein Penis in sie eindringt, sich schwerer zu Sex bewegen lassen müssen. Auch bei Bonobos dringt ein Penis ein und sie bekommen Kinder, aber sie brauchen dafür keine Gefühle oder sehen das als einen großen Einschnitt in ihr Leben. Dutzende von Tierarten haben Weibchen, die sich öffnen, aber deswegen nicht per se verletzlich sind. Es handelt sich hier also eigentlich um ein Scheinargument, dass zwar mit der Schwangerschaft und der besonderen Konstellation der Menschen ungefähr auf dem richtigen Weg ist, aber eigentlich auf die “Kosten des Sex“, Paarbindung, beiderseitige Versorgung und die darauf aufbauenden evolutionären Selektionen auf ein anderes Verhältnis zu Sex abstellen sollte.

Die Frau muss sich auch nicht wirklich emotional öffnen. Denn wenn es nur um Sex geht, dann ist die Öffnung der Frau keine großartige Anforderung, eher ist es die Öffnung des Mannes, da die Frau die geistige Verbindung braucht. Eine Frau könnte relativ wenig über sich Preis geben, damit es zum Sex kommt.

Es werden auf den ersten Blick irgendwie passende Bausteine wie “Verletzlichkeit, weil sie sich öffnen muss” behandelt, aber das auch nicht auf einen längeren Zeitraum und die damit zwangsläufig entstehenden Selektionsvorgänge umgelegt: Wenn es für Frauen immer gefährlicher war, sie immer verletzlicher waren und ungeschützter was Sex angeht, dann hat das eine Selektion auf in dieser Hinsicht vorsichtigere Frauen zur Folge.

Falsch ist auch, dass Männer Gefühle in dieser Hinsicht nicht kennen. Sie sind ebenfalls in einer Beziehung verletzlich, wollen akzeptiert werden, legen Teile von sich offen und sind – auch gerade in der Flirtphase -oft weitaus eher in der Gefahr, Ablehnung zu erfahren. Vielleicht haben Männer andere Ängste als Frauen – vielleicht weniger die Angst, sexuell abgelehnt zu werden, dafür mehr die Angst, dass sie nur bestimmte Vorteile erlangen will, dass sie ihn in der Flirtphase ablehnt, dass sie ansonsten Anforderungen stellt, die er nicht erfüllen kann. All dies sind nicht minder reale Ängste von Männern.

Natürlich kann die Frau Angst vor einer Vergewaltigung haben, aber das wird bei den meisten Frauen bei einer sich anbahnenden Beziehung wohl nicht der vorherrschende Gedanke auf einer rationalen Ebene sein – unterbewußt mag diese Angst ebenso eine Rolle spielen wie die Frage, ob er der richtige ist und eine Langzeitstrategie will, eben die bei dieser Verteilung der Kosten des Sex zu erwartenden Vorbehalte.

Ganz einordnen kann ich auch nicht die Aussage “Männer kennen dieses Gefühl nicht. Für gewisse Typen sind Frauen nur ein Objekt aus Busen, Beine, Po. Das Gesamtpaket, der Mensch, interessiert sie nicht.” Hier scheint mit Hilfe der gewissen Typen Männern an sich das Gefühl der Angst abgesprochen zu werden. Interessanterweise steht auch hier der (Alpha-)Mann, der eine Kurzzeitstrategie fährt im Vordergrund der Überlegungen, das auch Männer Bindung und Beziehung wollen scheint in den Überlegungen eine geringe Rolle zu spielen. Es ist auch nichts schlimmes daran, mit einer schönen Frau Sex haben zu wollen, deswegen muss sie nicht zum Objekt werden.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 22. Oktober 2014

Sexuelle Belästigung und Gruppenschuld der Männer

Die Bloggerin Nandalya schildert unter anderem zwei Fälle sexueller Belästigung:

Die täglichen Übergriffe auf Frauen, die versteckten, oder offenen Belästigungen, waren mir seit jeher ein Gräuel. Und ich kenne genug Heten, die das ebenso sehen. Mit sexueller Orientierung hat das nichts zu tun. Deren Fokus liegt sowieso bei Mann, der Frau gern auf Busen und Po reduziert, als Objekt seiner Lust. Aber lustig ist anders und mit Spaß hat das wenig zu tun. Aktuell gibt es zwei Fälle, die mich wieder rebellisch machen.

Ich verstehe ja nach wie vor nicht, warum viele Feministinnen nicht verstehen, dass Männer häufig tatsächlich auf Sex aus sind und ihnen “Frau als Obkekt” und deren “Demütigung” dabei relativ egal sind.

 

Fall 1: Eine Freundin aus der Lesbenszene sucht einen neuen Job. Sie ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber auch schon als Bedienung in Kneipen gejobbt. Der Bezirksleiter einer Discounter-Kette bittet sie nach 20 Uhr in einem seiner Märkte zum Vorstellungsgespräch. Vorher habe er keine Zeit sagt er am Telefon. Katja ist ein fraulicher Typ, kurze, dunkle Haare und sehr hübsch. Sie erzählt, wie der Mann sie mit Blicken verschlungen habe. Aber damit kann sie, auch wenn es unangenehm ist.

Spontan habe er ihr eine Stelle als seine Assistentin angeboten. Sie solle dafür dann mit ihm auf Geschäftsreisen und abends mit ihm essen gehen. Bei Katja läuten sofort die Alarmglocken, ihr wird endlich klar, um was es dem Mann wirklich geht. Als sie gehen will erweist sich die Tür als verschlossen. Auf ihre Aufforderung hin sie zu öffnen, hat der Mann nur gelacht und keinen Finger gerührt. Erst als sie droht per Handy die Polizei zu rufen ist er wieder normal geworden. Den Job hat sie natürlich nicht bekommen.

Hier sieht man aus meiner Sicht recht deutlich, dass es ihm um Sex geht. Er wäre sicherlich hoch erfreut gewesen, wenn sie eingewilligt hätte. Ansonsten geht das Verhalten des Mannes natürlich nicht, dass ist klar.

 

Fall 2: Ein heißer Tag im Juli. Irina steht im Supermarkt an der Fleischtheke, sie ist nur knapp bekleidet. Das Miniröckchen bringt ihre langen Beine perfekt zur Geltung, blonde Haare umrahmen ein Feengesicht. Das ärmellose T-Shirt zeigt mehr, als es verbirgt. Und schon ist Mann in seinem Element. Die Lust erwacht, zeigt Frau doch für ihn eindeutige Signale. Und die heißen “Ich will Sex mit dir.” Harter Schnitt. Einspruch, Euer Ehren!

Nur leider gibt es keinen Einspruch für Irina. Der verschwitzte Kerl neben ihr reibt deutlich sichtbar unter dem Blaumann sein Geschlecht. Zwei Jugendliche lachen nur, als der Mann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Die Verkäuferin schaut weg, Irina ist schockiert. Die Szene ist genau so passiert. Irina hat uns den Vorfall in Tränen aufgelöst erzählt. Im Supermarkt wollte ihr niemand helfen, Man(n) hat nur gelacht. Irina geht zur Polizei und wir begleiten sie. Bis heute ist der Mann nicht gefunden. Hat man(n) wirklich nach ihm gesucht?

Den zweiten Fall finde ich insbesondere wegen ihrer Wertung interessant. Klar geht es nicht, wenn ein Mann sich öffentlich vor einem befriedigt und dann stöhnend in seine Hose ejakuliert. Aber hier bestand aus meiner Sicht erkennbar keine Gefahr, weil genug Leute da waren. Ich würde vermuten, dass die meisten Frauen das ekelig finden, vielleicht auch etwas lustig, aber sie jedenfalls nicht in Tränen ausgelöst sind. Man braucht auch wohl einen Rape Culture Frame um davon auszugehen, dass die Polizei das sozusagen deckt und nicht nach ihm sucht. Die Frage ist wohl eher, wie sie ihn finden sollen, wenn ihn sonst keiner kennt. Sie können nur eine Beschreibung aufnehmen und dann schauen, ob jemand damit etwas auffangen kann. Die Autorin hat eine andere Sichtweise und vermutet Mißachtung gerade wahrscheinlich, weil eine Frau betroffen ist.

Im folgenden überträgt sie das dann in eine allgemeine Belästigungsgesellschaft, in der so etwas alltäglich ist. Ist es aber aus meiner Sicht nicht. Es sind Einzelfälle, selbst wenn viele Frauen so etwas erleben. Die meisten Männer hingegen behandeln ihre Angestellten korrekt bzw. onanieren heimlich zuhause.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 21. Oktober 2014

Feministinnen sind maskuliner als sonstige Frauen

Über diese immer wieder gern besuchte Seite habe ich eine interessante Studie gefunden:

The feminist movement purports to improve conditions for women, and yet only a minority of women in modern societies self-identify as feminists. This is known as the feminist paradox. It has been suggested that feminists exhibit both physiological and psychological characteristics associated with heightened masculinization, which may predispose women for heightened competitiveness, sex-atypical behaviors, and belief in the interchangeability of sex roles. If feminist activists, i.e., those that manufacture the public image of feminism, are indeed masculinized relative to women in general, this might explain why the views and preferences of these two groups are at variance with each other. We measured the 2D:4D digit ratios (collected from both hands) and a personality trait known as dominance (measured with the Directiveness scale) in a sample of women attending a feminist conference. The sample exhibited significantly more masculine 2D:4D and higher dominance ratings than comparison samples representative of women in general, and these variables were furthermore positively correlated for both hands. The feminist paradox might thus to some extent be explained by biological differences between women in general and the activist women who formulate the feminist agenda.

Quelle: Feminist activist women are masculinized in terms of digit-ratio and social dominance: a possible explanation for the feminist paradox

Ich schrieb in einem früheren Beitrag:

Dazu hatte ich schon mal im Blog von Morjanne was geschrieben, was ich der Einfachheit halber hier noch mal anfüge:

Nehmen wir nur einmal als Gedankenexperiment an, dass Pease und Pease recht haben und du ein “männliches Gehirn” abbekommen hast (gleichzeitig aber sich der Teil, der die sexuelle Präferenz betrifft wie sonst auch bei Frauen entwickelt hat). In deiner Kindheit hättest du viel mit Jungs gespielt und wärst wahrscheinlich recht wild gewesen, was aber als Kind noch nicht so auffällt. Mit Eintreten der Pubertät werden die Geschlechterrollen deutlicher. Du nimmst dich anders als die anderen Frauen wahr und verstehst nicht, warum viele Frauen Dinge “Frauendinge” machen. Viele Sachen, die Frauen typischerweise machen machen dir weniger Spass als deinen Freundinnen, du merkst das du viele Jungensachen gerne machst. Also fragst du dich WARUM machen andere Frauen diese Sachen, ich aber nicht. Was dich direkt zu der Beschäftigung mit den Geschlechterrollen bringt. Hier findest du in der feministischen Literatur den Hinweis auf die Konstruktion der Geschlechterrollen. Du kommst zu dem Entschluss, dass du es im Gegensatz zu den anderen Frauen geschafft hast diese Konstruktion zu durchschauen und dich von ihr frei zu machen. Ein gutes Gefühl. Du bist eine befreite Frau. Du bist nicht anders als die anderen, sie sind einfach noch nicht so weit wie du. Tatsächlich hättest du dich nach Pease und Pease aber nicht von dem Rollenbild befreit, sondern lebst lediglich mit einem Gehirn das deiner phänotypischen Erscheinung nicht entsprichst und von vorne herein frei von weiblichen Rollenbildern war (weil männlich ausgerichtet) Der feministische Gedanke hat aber den Vorteil, dass du nicht eine “andere Frau” (völlig wertneutral gemeint) sondern eine “bessere Frau” (weil eine die sich frei gemacht hat von den Regeln der Gesellschaft) bist. Das macht den Gedanken in der Selbstwahrnehmung natürlich wesentlich attraktiver.

Mir ist in früheren Diskussionen schon aufgefallen, dass viele Feministinnen in einer “Pease und Pease Debatte” angeben, dass der Test bei ihnen ein “männliches Gehirn” ergibt (siehe auch steve oben). Das erscheint mir logisch, Frauen mit einem “mänlichen Gehirn” spüren am meisten den “Rollendruck”, so dass sie Erklärungen suchen und die Idee des sozialen Rollenkonstrukts ist dabei die für einen selbst positivste.
Ich bin also für einen umfassenden Test der “Digit Ratio” bei Feministinnen.

Der obige Test würde da ja entsprechend umgesetzt haben und diese Vermutung bestätigen.

Die Ergebnisse sahen wie folgt aus:

In summary, the feminist activist sample had a significantly smaller (i.e., masculinized) 2D:4D ratio than the general female samples. The size of this difference corresponds approximately to a 30% difference in prenatal testosterone/estradiol ratio, which was the index found to have the strongest association with 2D:4D (Lutchmaya et al., 2004). Directiveness self-ratings also exhibit a large and highly significant difference in the predicted direction. It is notable that the feminist activist sample 2D:4D was also more masculinized than those of the male comparison samples, except for the left hand in the aggregate sample (see Table 2).

Dazu vielleicht noch einmal passend die Digit Ratio von Alice Schwarzer:

AliceSchwarzer Hand digit ratio

Auch sehr interessant ist eine weitere in der Studie auftauchende Zahl:

For example, 45% of self-identified feminists in a US sample identified as non-heterosexual, predominantly gynephilious (Liss and Erchull, 2010) as compared to 5.6% in a USA probability sample (Bogaert, 2000), which means that feminists were 4.5 times more likely to be non-exclusively heterosexual.

Eine Quote von 45% Nicht-Heterosexueller ist wirklich sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass diese sonst nur 5.6% ausmachen. Es passt aber dazu, dass diese Theorien eben gerade gut mit einer solchen Ausrichtung in Einklang zu bringen sind und insofern Personen in dieser Richtung anziehen. Im Feminismus wird man im Gegenzug wohl sagen, dass diese Leute eben wegen ihrer Beschäftigung mit dem Feminismus auch “der Zwangsheterosexualisierung” entgangen sind oder sich von ihr gelöst haben. Dennoch passen diese Umstände auch wiederum sehr gut zu den Theorien zum pränatalen Testosteron.

Ich vermute, dass eine Differenzierung innerhalb des Feminismus noch andere Unterschiede aufweisen könnte. Ein Differenzfeminismus der einen “MutterMythos” predigt, wird sicherlich eher weiblichere Frauen anführen.

Interessant auch noch einmal die Schlußworte_

In conclusion, the feminists-as-masculinized-females theory and these supportive results yield insight into the potential biological origins of feminist beliefs and value systems. These empirical data indicate that Wilson (2010) may have been right to ascribe feministic characteristics to his sample of less feminine females, if the present results generalize to some extent from feminists activists to self-identified feminists and maybe also to women’s support for feminist views. These are important issues for future research based on this theoretical perspective. In any case, our findings shed new light on the feminist paradox and on studies such as that of Scharff (2012) exploring the reasons why women by-and-large eschew feminist ideology.

Es könnte in der Tat der Grund sein, warum sie die feministische Ideologie scheuen: Sie passt einfach nicht für sie. Sie erleben die Rollen nicht als so einschränkend, wie männlichere Frauen, sie erleben in Beziehungen positivere Verhältnisse zu Männern, sie können verschiedene Vorteile in der Heterosexualität besser mitnehmen, was ihnen auch die Annahme anderer Umstände leichter macht.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. Oktober 2014

Die Theorie der somatischen Marker

In der Theorie taucht häufiger Antonio Demasio auf, der interessante Gebiete behandelt:

António Damásios Untersuchungen beziehen sich zum einen auf den Bereich der gehirnanatomischen Substrate komplexen Verhaltens und zum anderen auf die neuronalen Grundlagen von Sprache und Kognition sowie den Zusammenhang von Gefühl, Emotion undVernunft.

Eines seiner Arbeitsgebiete ist die direkte Korrelation von morphologischen Ausfällen im CT und MRT mit den funktionellen neurologischen Ausfällen bei dem betroffenen Patienten. Insbesondere beim Schlaganfall ist diese Methode sehr erfolgreich, um lokalisierte Hirnprozesse zu erkennen, da sich der Funktionsverlust innerhalb kürzester Zeit einstellt und damit klarer erkennbar ist.

Ein gewisse Rolle spielen dabei in seinem Buch insbesondere auch zwei Fälle:

In seinen Abhandlungen Descartes’ Irrtum (im Original: Descartes’ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain), Ich fühle, also bin ich (The Feeling of What Happens: Body and Emotion in the Making of Consciousness) und Der Spinoza-Effekt (Looking for Spinoza) untersucht er vor allem die Wechselwirkungen zwischen Körper und Bewusstsein und kommt – durch zahlreiche empirische Belege – zu dem Schluss, dass die jahrhundertelang angenommene, vor allem von Descartes postulierte, Trennung zwischen Körperund Geist (Dualismus) ein Irrtum sei. Stattdessen konstatiert er einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen Körper und Geist, die sich ständig gegenseitig beeinflussen.

Seine These der Untrennbarkeit zwischen Geist und Materie untermauert Damásio u. a. durch zwei Fallbeispiele.

1. Fall: Phineas Gage
1848 wird Phineas Gage, damals 25-jähriger Vorarbeiter bei einer Eisenbahngesellschaft, Opfer eines schweren Unfalls. Bei einer Sprengung im Rahmen der Verlegung von Schienen durch den US-Bundesstaat Vermont bohrt sich eine 6 kg schwere, 1,10 m lange und 3 cm dicke Eisenstange mit einer Spitze von 6 mm von unterhalb des linken Wangenknochens bis zu den vorderen Schädelknochen durch Gages Schädel und fliegt danach noch 30 m weiter. Es entsteht eine ca. 4–5 cm große, kraterförmige Wunde.

Trotz des offensichtlich schweren Unfalls ist Gage während der gesamten Zeit bei Bewusstsein, und ist als Überlebender in der Lage, über den vollständigen Hergang des Unfalls zu berichten. Seine Verletzung heilt innerhalb von zwei Monaten, nur der Verlust des linken Auges ist körperlich irreversibel. Die Ärzte stellen keine Beeinträchtigung von Wahrnehmung, Gedächtnisleistung, Intelligenz, Sprachfähigkeit oder Motorik fest.

Trotzdem kommt es in der Zeit nach dem Unfall zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen bei Gage: War er zuvor verantwortungsbewusst, besonnen, ausgeglichen und freundlich, erscheint er seiner Umgebung nun zunehmend ungeduldig, launisch, wankelmütig und respektlos. Darüber hinaus kommt es zu einer Störung seiner Entscheidungsfähigkeit: Er trifft Entscheidungen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderlaufen, er kann seine Zukunft nicht mehr vernünftig planen und erleidet als Folge einen beruflichen und sozialen Abstieg.

2. Fall: Elliot
Als einen „modernen Phineas Gage“ beschreibt Damásio einen seiner Patienten, dem aufgrund eines Tumors ein Teil des präfrontalen Cortex entfernt wurde. Nach dem operativen Eingriff veränderte sich auch Elliots Persönlichkeit radikal. Zwar kommt es auch bei ihm nicht zur Einschränkung von kognitiven, motorischen oder sensorischen Fähigkeiten, jedoch weist er eine empfindliche Störung seiner Entscheidungsfähigkeit und einen Mangel an Gefühlen auf. Bilder von Situationen, die ihn einst erregten, lösen nun bei ihm keinerlei Reaktionen aus. Die Korrelation zwischen Gefühlsarmut und Entscheidungsunfähigkeit führt Damásio zur Theorie der somatischen Marker.

Die daraus abgeleitete Theorie:

Damásio vermutet, dass Elliots Gefühllosigkeit ihn daran hindert, verschiedenen Handlungsalternativen emotionale Werte beizumessen, die anderen Menschen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Damásio stellt die Theorie auf, dass alle Erfahrungen des Menschen im Laufe seines Aufwachsens in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert werden. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich laut Damásio über ein körperliches Signalsystem mit, das dem Menschen bei der Entscheidungsfindung hilft und das Damasio als somatische Marker beschreibt. Bei der Vorstellung verschiedener Handlungsalternativen geben die somatischen Marker also eine durch bisherige Erfahrungen bestimmte Rückmeldung, die dem im Entscheidungsprozess befindlichen Menschen helfen, indem sie zunächst alle emotional nicht tragbaren Handlungsmöglichkeiten ausschließen.

Die somatischen Marker sind also ein automatisches körpereigenes System zur Bewertung von Vorhersagen. Sie wirken oft unbewusst als „Alarmglocke“ oder Startsignal, nehmen einem aber prinzipiell nicht das Denken ab, sondern helfen beim Denken, indem sie Alternativen, die − aufgrund individueller Erfahrung – als günstig oder gefährlich zu bewerten sind, als solche erscheinen lassen.

Als neuronales System, das den Erwerb der somatischen Marker erlaubt, glaubt Damásio die präfrontalen Rindenfelder im Gehirn lokalisiert zu haben. Seine Theorie von den somatischen Markern erklärt den Zusammenhang zwischen Phineas Gages und Elliots Gefühlsstörungen und ihrer Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und stellt den offenbar unauflösbaren Zusammenhang zwischen rationalen Entscheidungsprozessen und Gefühlen auf

Das wäre also wohl einer der Gründe für ein sogenanntes “Bauchgefühl”, bei dem man bestimme Entscheidungen “instinktiv” ablehnt. Es erscheint mir auch ein interessantes Gebiet für biologische Grundlagen zu sein, gerade wenn in bestimmten Bereichen somatische Marker eher gesetzt werden oder eben teilweise schon gesetzt sind.

Auch diese Ausführungen im englischen Wikipedia-Artikel fand ich interessant:

Iowa Gambling Task

The human brain has evolved over time to best benefit one’s genes in any decision-making circumstance.[21] It is important to understand that “natural selection shapes not only the physical characteristics of organisms, but also their behavioral and cognitive traits”.[22]

The Iowa Gambling Task is the most common experimental paradigm used to test decision-making processes under various contexts and is frequently used in experiments exploring the Somatic Marker Hypothesis. The Iowa Gambling Task is a computerized task in which participants are presented with four decks of cards from which they repeatedly choose. Each deck contains various amounts of rewards of either $50 or $100, and occasional losses that are greater in the decks with higher rewards. The penalty cards are periodically located in the deck so the participant will not know when they will arise and the participants are told to pick cards that will maximize their winnings. The most profitable strategy is to only choose cards from the small reward/penalty decks because although the reward is smaller, the penalty is proportionally much smaller than in the higher reward/penalty deck. Over the course of a session, this deck will yield a significantly higher net profit compared to the alternative deck. Most healthy control participants adopt the beneficial low reward/penalty deck strategy during the duration of the task. Participants with brain damage however, are unable to determine the better deck to choose from, and continue to choose from the high reward/penalty deck despite this action causing a clear lower net profit than the other deck.[23] This experiment has been used to analyze the impairments suffered by people with damage to the ventromedial prefrontal cortex, which has been known to affect neural signaling of prospective rewards or punishments.[1] Since the Iowa Gambling Task measures participants’ quickness in “developing anticipatory emotional responses to guide advantageous choices,” it is helpful in testing the Somatic Marker Hypothesis since it studies how anticipatory signals affect decision-making.[24] The study of human behavior in respect to evolutionary psychology demonstrates “that much, if not all, of our behavior can be explained by appeal to internal psychological mechanisms”.[25] The Iowa Gambling Task and the Somatic Marker Hypothesis relate to this theory by revealing that emotions may have evolved during the course of human evolution to help people make better decisions. Therefore, the brain has been trained to make immediate decisions that will benefit the decision-maker. Evolutionary theory and the Somatic Marker Hypothesis suggest that human emotions have evolved to send signals to the brain which will help someone make quick decisions that will benefit them. The Iowa Gambling Task upholds this evolutionary theory by demonstrating that lesions to the ventromedial prefrontal cortex act as a blockade to the emotional decision-making signals that have evolved in helping humans make quick and beneficial decisions. As suggested by Comsides and Tooby, “Mechanisms involved in hierarchically ranking goals or calibrating other kinds of motivational and reward systems should be emotion-dependent”.[26]

Although the Iowa Gambling Task is a well-known experimental measure used to explore how emotions may have evolved in humans to guide decision-making, there are “real-life” factors that can be added to the Iowa Gambling Task to test differences in participants’ results. One such study found that people who were given more time to complete the Iowa Gambling Task had better results compared to people that had less time [27] In a more recent study aimed to determine the effects of perceived time constraints, the experimental group was told that they would likely not be able to finish the task in the time allotted, whereas the control group was informed they had a sufficient amount of time to finish. As expected, the participants who were informed they had an insufficient amount of time to complete the task performed more poorly than the participants who were told they had ample time to finish it. The results of this test can be correlated to the real world in which professionals are told they have an adequate amount of time to complete a project are less likely to make mistakes.[28] Thus, recent studies suggest that the Iowa Gambling Task does not appropriately mimic “real-life” decision-making tasks because other factors, such as time, play into one’s success in the task instead of merely the health of the ventromedial prefontal cortex. However, human neuroimaging studies support the validity of the Iowa Gambling Task and show a clear link to “real-life” decision-making situations. Li and colleagues (2010) used functional magnetic resonance imaging (fMRI) to analyze the brain during the Iowa Gambling Task. This imaging reveals brain activity during the Iowa Gambling Task and indicates which parts of the brain are being used during decision-making processes. The results suggest that the brain regions that were activated during the Iowa Gambling Task were consistent with the ones hypothesized to trigger decision-making by somatic markers (i.e. brain regions involved in emotional processing). This adds validity to the Iowa Gambling task in conjunction with the Somatic Marker Hypothesis and suggests emotional processing is causing these regions to be activated as well as regions associated with decision-making.[29]

Application To Risky Sexual Behavior
Emotional decision-making can greatly affect aspects of people’s daily lives, such as their sex drive. Sensation is connected to the brain and likely stimulates precarious sexual behavior by making the riskier sexual behaviors more exhilarating and pleasurable.[30] The risky sexual behavior evaluated in a study by Wardle and colleagues was continued sexual activity in individuals who are already infected with HIV and are substance dependent. The Somatic Marker Hypothesis proposes that the Iowa Gambling Task may distinguish HIV+ and substance dependent people who have emotional influenced risks, from those who have risks caused by other, unrelated factors. The Somatic Marker Hypothesis was tested in a circumstance when extraneous factors become present, such as a lethal sexually transmitted disease and substance abuse. Wardle and colleagues performed a study utilizing the Iowa Gambling Task in which they drew together 190 HIV+ participants in the Chicago area who all had a history of drug dependency or abuse. Among the factors that were held constant in all participants were: education, race, and brain related items such as no history of neurological disorders or head injury. It was hypothesized that the Iowa Gambling Task would reveal that HIV+ substance dependent people, who are at increased risk for impairment and emotional suffering, are “motivated by negative emotion in their sexual risks”.[24] The results of the study supported the hypothesis that with the better performers on the Iowa Gambling Task there was a clear connection between distress and risk relatedness. The greater the distress, the greater risk these people would take in regards to sexual acts. However, the poor performers on the Iowa Gambling Task did not show a significant link between distress and sexual risk. These findings suggest that people with intact decision-making abilities can attenuate their risk-seeking behavior by decreasing their emotional distress. This conclusion is inconsistent with the Somatic Marker Hypothesis that posits that people with “dysfunctional decision-making circuitry as reflected by poor Iowa Gambling Task performance and emotional distress has little influence on their decision-making capacity”.[24] Instead of concluding that the Iowa Gambling Task is not fully accurate in demonstrating how we have psychologically evolved, it can be determined that sexual risk is a complex neurocognitive process, and emotional variables do not have as much weight in this aspect as in others actions by humans. Additionally, the entirety of human evolutionary psychology evolved without the implications of modern day drugs such as cocaine and other similar substances that have only been presently used and distributed for the past several hundred years.[31] Therefore, it is highly likely that the new initiation of drugs and also diseases (which have always been present through evolution) act as a similar blockade as a lesion to the ventromedial prefrontal cortex, which affects neural signaling. Though many “Theories about innate human predispositions are extremely difficult to verify” the Somatic Marker Hypothesis has clear evidence leading to its validity as tested in the Iowa Gambling Task.[32]

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. Oktober 2014

Wann gilt eine Feminstin/ein Männerrechtler als “vernünftig”?

Der Artikel von Onyx ist auch bezüglich der Ausgangsfrage interessant. Onyx führt aus:

Um als Feministin nicht als Männerhasserin verurteilt zu werden, muß man

-immer wieder betonen, dass Männer Opfer sind
-immer wieder betonen, dass Frauen Täter sind
-immer wieder betonen, dass andere Feministinnen scheiße sind
-immer wieder betonen, dass der heutige Feminismus scheiße ist
-sich aktiv und explizit für Männerrechte einsetzen
-immer wieder für Aussagen anderer Feministinnen gerade stehen und 500x versichern, dass man damit nix zu tun hat und das aufs Schärfste verurteilt

Um als Männerrechtler seriös und vernünftig zu sein, muß man

-sich ein “du Fotze! verkneifen

Ich finde die Ansicht von Michael darunter durchaus nicht schlecht:

Ich kann natürlich nur für mich persönlich sprechen:
Dass eine Feministin sich vordringlich um Frauenprobleme kümmert, liegt in der Natur der Sache und ist auch völlig legitim.
Was ich allerdings problematisch finde, ist wenn:

1) … Probleme zu spezifischen Frauenproblemen gemacht werden, die in Wahrheit beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Häusliche Gewalt ist so ein Beispiel, oder Gewalt im allgemeinen (ausdrücklich ausgenommen sexuelle Gewalt). Obwohl die Zahlen eindeutig zeigen, dass Männer mindestens ebenso häufig betroffen sind wie Frauen, konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung und auch die Politik ausschließlich auf weibliche Opfer. Männliche Opfer werden dadurch unsichtbar gemacht und das macht natürlich wütend.

2) … männliche Probleme rundheraus geleugnet werden: “Männer können nicht vergewaltigt werden.” “Männer können nicht diskriminiert werden.” “Es gibt keinen Sexismus gegen Männer.” Das ist ignorant und ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Männer. Wie gesagt, ich finde es völlig legitim, sich Frauenproblemen zu widmen, ohne ständig die Männer zu erwähnen. Bei sexueller Gewalt z.B. sind Frauen einfach wesentlich häufiger Opfer. Es ist darum völlig ok, sich als Feministin auf diese weiblichen Opfer zu konzentrieren, solange man männliche Opfer nicht verleugnet.

Viel wichtiger bei der Beurteilung eines verünftigen Feministen/Maskulisten finde ich aber nicht seine Thesen, sondern die grundlegende Bereitschaft, auf die Argumente und Thesen der Gegenseite einzugehen und nicht zu glauben, allein die absolute Wahrheit gepachtet zu haben. Man kann ja gerne unterschiedlicher Meinung sein und bleiben, aber man sollte die “gegnerische” Meinung als genauso legitim betrachten und behandeln.

Und um die grundlegende Bereitschaft auf die Theorien der Gegenseite einzugehen ist es eben teilweise schlecht bestellt. Das zeigt sich durchaus auf beiden Seiten, auch im radikalen Maskulismus, ist aber im Feminismus deutlich stärker ausgeprägt, weil hier das Nichteingehen auf andere Positionen auf eine theoretische Ebene gehoben wurde, in der man die eigene Position allenfalls erklärt, aber nicht mehr vertreten muss. Die andere Seite muss sie akzeptieren. Wer ernsthaft diskutiert, der räumt allenfalls der Gegenseite Raum ein und stärkt diese.

Ein wichtiger Aspekt ist aus meiner Sicht noch, dass Feministinnen, die den modernen Feminismus verteidigen, natürlich auch dessen Unlogik und Männerfeindlichkeit vorgehalten werden kann. Wer also sagt, dass der moderne Feminismus richtig und eigentlich männerfreundlich ist, gar eine humanistische Bewegung, der darf sich nicht wundern, wenn ihm dann auch die Einwände gegen den Feminismus entgegengehalten werden und er insofern betonen muss, dass er bezüglich der vertretener Positionen kritisch ist. Das trifft Maskulisten wenigern, weil es hier keine so klare theoretisch ausgearbeitete Strömmung gibt und die Vertreter, die in Buchform publiziert haben, weit weniger radikal sind.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. Oktober 2014

Selbermach Samstag 106 (18.10.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. Oktober 2014

Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

Hier ein paar Probleme, die bei Vorstellungen von einem “Blank Slate” oder Theorien, die an diesen nahe dran sind bzw. bei Argumentationen gegen biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens gerne übersehen werden.

1.Was ist für “Lernen” erforderlich und wie komplex ist eine “Lern-Software”

Was mich immer wieder erstaunt sind Aussagen wie “das ist für eine biologische Begründung viel zu kompliziert, dass muss erlernt sein”. Sicherlich ist das bei der Annahme eines “Geistes” oder einer “Seele”, also eines übernatürlichen Konzeptes noch vertretbar, aber ansonsten scheinen sich die Leute nicht bewußt zu machen, dass “Erlernen” ein überaus komplexer Vorgang ist.

Einfache biologische Regelungen wie “Auf Lichteinfall hin bestimmte Schwimmbewegungen durchführen” wie bei einer Qualle sind relativ simpel im Vergleich zu dem gleichen Vorgang, wenn er erlernt werden soll.

Denn das Erlernen bedeutet zunächst, dass man bestimmte Signale auswerten muss, etwa Lichteinfall auswerten und zu einem Bild zusammensetzen, ebenso bei Schallwellen etc. Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird. Diese einmal erkannte Regel muss dann bei einem Auftreten einer neuerlichen Situation als für diese Situation zutreffend erkannt werden, abgerufen werden und auf die konkrete Situation angewendet werden.

Wer einen heutigen Maschinenhersteller vor die Aufgabe stellt, entweder einen Roboter zu programmieren, der eine Tasse greift und an einen bestimmten Ort stellt oder aber einen Roboter zu programmieren, der sich ein Video anschaut, in dem ein Objekt gegriffen wird und dann an einem bestimmten Ort stellt, der kann sicher sein, und ihn fragt, was er eher umsetzen kann, der wird wenig erstaunt sein, wenn der Hersteller Option 1 wählt. Die Programmierung lernfähriger Roboter stellt uns immer noch vor sehr große Probleme.

Die Zerlegung des Lernprozesses kann dabei noch in viel kleinere Schritte erfolgen, etwa indem man die Einzelnen Stationen immer weiter unterteilt und die dortigen Schwierigkeiten behandelt, etwa die Umsetzung eines abstrakten Gedankens in die “Nullen und Einsen” unseres Gehirns. Wenn man zB eine soziale Regel wie “wer eine besonders hohe soziale Position hat muss mit Respekt behandelt werden” als erlernte Regel abspeichert muss dies eben in eine speicherbare Form bringen, die ein Ablegen im biologischen Gedächtnis erlaubt und diese Regel dann mit verschiedensten Positionen zum Thema “was ist eine soziale Position” “wie erkennt man eine soziale Position” und “was ist respektvolles Verhalten” anreichern, die ihrerseits alle wieder biologisch abgespeichert und verknüpft werden müssen. Der dazu notwendige”Rechenschritt” wird in diesen Betrachtungen schlicht mit “das hat er gelernt” abgehandelt. Damit wird ein ungeheuer komplizierter Vorgang, den wir bis heute nicht hinbekommen, vorausgesetzt. Solche Vorgänge, die modernste Computer überfordern, gelingen allerdings Babys mit einer überaus hohen Rate: Sie können bereits nach der Geburt beispielsweise das Herausstrecken einer Zunge erkennen und die dabei eingehenden Signale als etwas verarbeiten, was sie ebenfalls können und spiegeln sollten. Sie können bereits die Stimme ihrer Mutter oder andere Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie können sogar grundlegende physikalische Regeln voraussetzen (etwa bei der Bewegung von Bällen) oder ähnliches. Sie können auch später eine Sprache erlernen, ein Vorgang der unglaublich komplex ist und dennoch von Kindern in einem bestimmten Alter problemlos durchgeführt wird, während Erwachsene an der gleichen Aufgabe regelmäßig scheitern und weitaus mehr Unterstützung benötigen (etwa einen Grammatikunterricht etc).

Mitunter scheint die Gleichung da in ihrer Einfachheit dem gnomischen Geschäftmodell zu entsprechen:

1. Soziale Regeln wirken ein

2. ?

3. Erlernt

Auch Gegenargumente scheinen mir teilweise so zu laufen: “Das kann biologisch nicht gehen, weil so etwas biologisch nicht möglich ist, es muss also erlernt sein”. Eine Auseinandersetzung damit, was “erlernt” dabei überhaupt bedeutet erfolgt dann aber nicht. Insbesondere wird nicht behandelt, warum die Regel zwar nachdem sie erlernt worden ist, abgespeichert und später einem Problem zugeordnet werden kann, das Abrufen einer aufgrund biologischer Selektion entstandenen Regel aber gleichzeitig nicht möglich sein soll. Selbst wenn man argumentieren würde, dass so etwas eben nicht durch Selektion entstehen kann, dann müsste man ja gleichzeitig erklären, wie dann die kompliziertere Lernsoftware durch Selektion entstehen konnte.

2. Ab wann haben wir von der Befolgung biologischer Regeln umgeschaltet auf reines Lernen und wie lief dies ab?

Was auch beständig ausgeblendet wird ist unsere evolutionäre Vergangenheit und der Aufbau unseres Gehirns. Unsere Vorfahren waren zweifellos Tiere im klassischen Sinne und bei diesen wird üblicherweise auch von sonstigen Hardcore-Biologiegegnern nicht bestritten, dass ihre Verhaltensweisen einen großen Rückhalt in der Biologie hatten. Wobei mich da eine Stellungnahme interessieren würde, wie sie dies bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten sehen, die ja schon eine ziemliche Intelligenz, aber auch recht eindeutige Verhaltensweisen und Geschlechterrollen besitzen. Der Aufbau der Gehirne ist dabei recht gleich, es gibt eigentlich keinen Bereich, den ein sonstiger Primat hat, wir aber nicht. Dennoch scheint man dort der Auffassung zu sein, dass diese kompletten Bereiche, die vorher das geschlechtliche Verhalten geprägt haben, nunmehr aufgrund der gesteigerten Intelligenz des Menschen keine Funktion mehr haben.

Dabei folgen natürlich auch die Primaten nicht einfach schlicht verkabelten biologischen Vorgaben. Schimpansen kämpfen beispielsweise genau wie Männer um Status und dies durchaus mit Intrigen, Bündnissen, sozialen Interaktionen, den Versuch, teile der Gruppe gegen sich einzunehmen und Unterstützer von anderen Konkurrenten abzuwerben. Menschliches Verhalten unterscheidet sich insoweit in bestimmten Taktiken nicht grundsätzlich, es ist lediglich komplexer aufgebaut und gerade heute auf größere Gruppen bezogen.

3. Welche Folgen hätte ein reines Erlernen?

Auch wird selten bedacht, dass ein reines Erlernen bestimmter Regeln und Verhaltensweisen zu einer weitaus stärkeren Zergliederung der Menschen führen würde. Zwar erscheinen uns die verschiedenen Kulturen schon sehr verschieden, wir finden allerdings in den meisten die gleichen Grundelemente und auch die gleichen Geschlechterrollen vor, zumindest entsprechen abweichende Geschlechterrollen den sonstigen biologischen Regeln, wie beispielsweise der, dass hohe Vaterunsicherheit eine geringe Investition in den eigenen Nachwuchs nach sich zieht (und man dann eher auf die Unterstützung der Kinder der Schwester ausweicht).

Auch wird nicht bedacht, dass stark verschiedene soziale Praktiken, die nicht über biologische Regeln eingeschränkt werden, auch eine stark unterschiedliche biologische Selektion zur Folge hätten, wenn sie lange genug andauern. Wenn ein Volk beispielsweise unbeeinflusst durch biologisch abgespeicherte Schönheitsideale alles schön finden würde, beispielsweise einen Damenbart, dann hat das eine Selektion in diesem Volk auf Frauen mit Damenbärten zur Folge (und damit wahrscheinlich auch in Richtung einer niedrigeren Fruchtbarkeit). Das an sich ist nichts schlimmes, allerdings würden sich solche Selektionen eben auch zeigen und wir müssten verschiedene Völker haben, die sich mehr in Richtung Unfruchtbarkeit orientiert haben.

4. Die Unvereinbarkeit von vielen grundsätzlichen Ausschlüssen mit bereits einfachen Zugeständnissen

Grundsätzliche Ausschlüsse von biologischen Einwirkungen auf das Verhalten kranken daran, dass deren Vertreter kaum konkret werden wollen, wenn man sie mit bestimmten Sachverhalten konfrontiert. Das verwundert nicht, denn die meisten Erklärungen dieser Art können kaum Ausnahmen ihres Modells zulassen ohne in sich unstimmig zu werden.

Bereits Punkte wie “ist Homosexualität/Heterosexualität biologisch bedingt und wenn nicht, warum kann man sie dann nicht “verlernen” bzw. sich umentscheiden” können innerhalb dieser Theorien nicht gelöst werden: Die meisten werden wohl heute davon ausgehen, dass hier ein starker biologischer Einfluss vorliegt, aber wenn ein biologisches Begehren dazu führt, dass man nur Sex mit Menschen eines bestimmten Geschlechts hat, wenn man es sich aussuchen kann, dann ist dies bereits schwer in das Modell einzubauen.

Andere Punkte wie die Wirkung von Hormonen oder auch Verhaltensveränderungen bei Gehirnverletzungen oder Erkrankungen sind ebenfalls bisher aus meiner Sicht nicht wirklich mit einem Modell, welches nicht auf Biologie zurückgreift erklärbar.

“Wenn dort die Biologie Einfluss auf das Verhalten hat, warum soll es dann in anderen Fällen ausgeschlossen sein” ist ein Argument, dass bereits viele dieser Theorien nie in ihre Erwägungen einbezogen haben, sie bleiben bei einer rein abstrakten Betrachtung, die sich diese Fragen gar nicht stellt.

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