Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 21. September 2014

Zufriedenheit der Frau maßgeblich für Zufriedenheit in der Ehe

Der Spiegel berichtet über eine Studie, wonach für die Frage, wie glücklich eine Ehe ist, die Zufriedenheit der Frau maßgeblich ist.

Aus dem Spiegel:

Um dies besser zu verstehen, haben Forscher der Rutgers University in New Jersey Daten von fast 400 ältere Paaren ausgewertet, die im Durchschnitt schon 39 Jahre miteinander verheiratet waren. Die überraschende Erkenntnis: Die Zufriedenheit der Frau ist viel wichtiger als die des Mannes, wenn es ums Eheglück geht. Der Mann mag vielleicht gar nicht so positive Gefühle über die Beziehung hegen, solange die Frau glücklich ist, ist alles gut – so in etwa könnte man die Studie zusammenfassen, die im Fachblatt “Journal of Marriage and Family” erschienen ist.

Da fällt mir gleich der englische Spruch:

A happy wife, a happy life

also “eine glückliche Frau, ein glückliches Leben” ein.

Eigentlich ja ein interessanter Befund in einem Patriarchat: Man sollte ja eigentlich meinen, dass die Männer das Leben ganz patriarchalisch so eingerichtet haben, dass ihr Glück maßgeblich für die Frau ist und nicht anders herum.

Der Spiegel schreibt zu den Gründen:

Ich denke, es liegt daran, dass eine mit der Ehe zufriedene Frau dazu tendiert, viel mehr für ihren Mann zu tun, was sich positiv auf sein Leben auswirkt”, sagt Rutgers-Forscherin Deborah Carr. Männer hingegen würden generell weniger über eine Beziehung sprechen, sodass ihre Frauen auch weniger über eine mögliche Unzufriedenheit erfahren. Das führe dazu, dass die Unzufriedenheit sich auch seltener vom Mann auf die Frau übertrage.

Bei der Befragung der älteren Männer und Frauen wollten die Forscher unter anderem wissen, ob sie sich vom Ehepartner wertgeschätzt fühlen, ob sie sich streiten und ob sie die Gefühle des anderen verstehen. Die Studienteilnehmer wurden auch gebeten, Tagebuch darüber zu führen, wie glücklich sie in den vergangenen 24 Stunden waren, während sie beispielsweise einkauften, fernsahen oder im Haushalt arbeiteten. “Beide Partner waren umso glücklicher und mit dem Leben zufriedener, je besser sie ihre Beziehung einschätzten”, sagt Carr.

Die Befragung zeigte auch, dass Frauen unglücklicher wurden, wenn ihr Mann krank wurde. Umgekehrt sei dies nicht der Fall gewesen. “Wir wissen, dass bei einer Erkrankung des Mannes oft die Frau die Pflege übernimmt, was eine stressige Erfahrung sein kann”, berichtet Carr. Werde hingegen eine Frau krank, würde meist nicht der Mann, sondern öfter die Tochter die Pflege übernehmen.

Eine unzufriedene Frau wird vielleicht auch schlicht mehr meckern, Streitigkeiten länger nachtragen und weniger ihre Ruhe haben wollen als ein Mann. Dazu würde die hier bereits zitierte Studie passen:

The Creative Conflict Resolution study found that 68% of men preferred to say, “yes dear” or “uh huh” instead of sharing their true feelings to please their quarreling mate. The Arizona study found that girlfriends and wives are not fooled by this capitulation and that this “no mas” defense actually antagonizes and frustrates these women, who then have a lower opinion of the relationship because there is no real satisfactory resolution of the conflict.

In biologische Theorien läßt sich das durchaus einordnen: Für den Mann ist es nicht so schlimm, noch etwas länger mit ihr zusammenzubleiben, seine Fixkosten können gering sein, zumindest, wenn er noch keine neue hat und er kann (auf einen evolutionär bedeutsamen Zeitrahmen bezogen) jederzeit abbrechen, während die Frau, wenn sie erneut von ihm schwanger werden würde, und dann verlassen wird, erhebliche Folgekosten hätte.

Hier  noch der Abstract der eigentlichen Studie:

The authors examined associations between marital quality and both general life satisfaction and experienced (momentary) well-being among older husbands and wives, the relative importance of own versus spouse’s marital appraisals for well-being, and the extent to which the association between own marital appraisals and well-being is moderated by spouse’s appraisals. Data are from the 2009 Disability and Use of Time daily diary supplement to the Panel Study of Income Dynamics (N = 722). One’s own marital satisfaction is a sizable and significant correlate of life satisfaction and momentary happiness; associations do not differ significantly by gender. The authors did not find a significant association between spouse’s marital appraisals and own well-being. However, the association between husband’s marital quality and life satisfaction is buoyed when his wife also reports a happy marriage, yet flattened when his wife reports low marital quality. Implications for understanding marital dynamics and well-being in later life are discussed.

Der Volltext war leider nicht öffentlich verfügbar, wenn ihn jemand hat, dann kann er ja mal berichten, was genau dort steht.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. September 2014

Selbermach Samstag 103 (20.09.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. September 2014

Das neuste iPhone als Statussymbol gerade wegen des hohen Preises

Gerade ist das iPhone 6 herausgekommen, nun auch mit größeren Bildschirmgrößen und auch der Möglichkeit, ziemlich viel Speicher zu haben. Natürlich bricht wieder der zu erwartende Android vs. iPhone Krieg aus, insbesondere der Umstand, dass das iPhone 6 technisch keineswegs großartige Neuigkeiten bietet, die es bei Androidhandys schon länger gibt in Verbindung mit dem hohen Preis lädt zu Kritik ein, beispielsweise diese auf 9Gag:

iPhone als Statussymbol

iPhone als Statussymbol

In den Kommentaren wird darauf hingewiesen, dass man sein altes iPhone immer noch gut verkaufen könne und schon deswegen die Rechnung nicht stimmt, aber das ist eine andere Sache, um die es hier nicht gehen soll.

Aus meiner Sicht wird hier nämlich eine ganz andere Komponente übersehen, die Apple schon immer gut bedient hat: Sie sind ein Luxusartikel, eine Marke, die man gerade auch wegen der Marke kauft (was man dann aber natürlich über hohe Qualität, Bedienbarkeit, der Abstimmung der Software auf die Hardware etc rechtfertigen kann.

Insofern ist gerade auch der hohe Preis, der für die Marke gezahlt wird, ein Statussymbol, an das gegenwärtig auch die neueren und hochwertigen Androidhandys nicht herankommen, weil sie die passenden Luxusindikatoren weit weniger bedienen können. Dieser Faktor, dieses “ich kann es mir leisten, mir gleich das neuste Smartphone dieser hochwertigen Marke zu kaufen, als einer der ersten” ist in den Preis als subjektives Element hereinzurechnen. Es transportiert einen gewissen Status, es kann einen in den Mittelpunkt stellen, weil alle wissen wollen, ob es nun so toll ist und was sich verändert hat. Man kann also kurz (und in den passenden Kreisen) Cool sein oder in technikverliebteren Kreisen seine Bezogenheit zum Gruppenthema zeigen. Der hohe Preis ist insofern nach dem Handicap-Prinzip wichtig für die Marke und das Erlebnis, etwas besonderes zu haben.

Interessanterweise kann man natürlich auch aus Apple-Hass Status aufbauen, etwa in der Art, dass man betont nicht so dumm zu sein, nur für die Marke zu zahlen. Allerdings ist das ein sehr logischer Ansatz, den unser Gehirn daher schwerfälliger aufnimmt als die Nachricht “der da hat ein teures Statusobjekt”.

 

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. September 2014

Status- Game (“Fame Game”)

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. September 2014

Komplimente dienen der Verdinglichung und Abwertung der Frau

Bei der Mädchenmannschaft geht es um den Umgang mit Komplimenten. Die Autorin klingelt in München zwei Männer vom Radweg und fährt an ihnen vorbei:

Fast war ich schon an ihnen vorbei, als ich in unvergleichlichem Münchnerisch hörte: “Und hübsch aa no!” Ich fuhr weiter und lächelte – um mich gleich danach innerlich zu schelten. Warum um Himmels willen lächelte ich? Hatte ich nicht gelernt, dass das eine unerwünschte, sexistische Grenzüberschreitung war? Dass es sich hier einfach nur um dialektal gefärbtes “Catcalling” handelte, das es zu bekämpfen galt?

Der klassische feministische Widerspruch: Man findet etwas okay, darf es aber eigentlich nicht okay finden. Einfach, weil man es als Grenzüberschreitung ansehen und in einen größeren Kontext einbinden soll. Dabei war es hier aus meiner Sicht recht harmlos: Er hat sie noch nicht einmal auf ihre Schönheit reduziert, sondern in gewisser Weise ihre Durchsetzungskraft anerkannt. Es war auch sonst nicht obzön, kein “geile Titten!” oder etwas in der Art. Eine recht harmlose Bemerkung zumal klar war, dass sie sich entfernt.

Diese Sache und meine Reaktion darauf beschäftigten mich. Ich dachte an eine Freundin, die während ihres Auslandssemesters in Spanien nach eigener Aussage wesentlich häufiger ungefragten Komplimenten ausgesetzt war. Ihr machte das wenig aus, im Gegenteil: Wenn harmlose Kommentare wie “Hallo Hübsche” kamen, genoss sie die Aufmerksamkeit sogar. Und, so fuhr sie fort, sie fände es eher schade, dass man in Deutschland nie einfach so Komplimente bekäme. Die sexuelle Seite, die man als Mensch ja auch hätte, würde immer ignoriert. Das konnte ich nachvollziehen: Ein wenig Bestätigung der eigenen Attraktivität tut gut. Und doch fühlte ich mich bei diesen Überlegungen unwohl.

Die südlicheren Gegenden Europas gelten da denke ich zurecht als entspannter in dieser Hinsicht und sehen das ganze auch mehr als Spiel zwischen den Geschlechtern an, welches dazugehört und noch nicht einmal einen sexuellen Hintergrund haben muss: Man flirtet und macht Komplimente, weil es zum Leben dazugehört. Aus feministischer Sicht vielleicht erstaunlicherweise tut das diesen Ländern als Urlaubsland für Frauen keinen Abbruch: Im Gegenteil, bei einer heißen Urlaubsaffaire wird der typischen Touristin vielleicht eher ein “feuriger Südländer” vor Augen stehen als ein zurückhaltender Nordländer. Viele Frauen genießen es vielleicht sogar, wenn sie im Urlaub entsprechende Komplimente hören.

Die weiteren Gedanken:

Zum einen ist da die Heteronorm: Komplimente an Frauen* von Männern* sind eine Hetero-Angelegenheit. Da entsteht eine Normalität, die wirklich nur einen Teil des Gesamtbildes zeigt – Bi-, Homo- oder Asexuelle, aber auch Trans-Menschen bleiben ausgeschlossen. Nicht-heterosexuelle Frauen bekommen Beleidigungen und Anzüglichkeiten an den Kopf geworfen. Zum anderen werden derlei Komplimente nach wie vor nicht wahllos verteilt, sondern zeigen, wer in dieser Gesellschaft “sexuell wertvoll” ist: Dicken Menschen oder Menschen mit Behinderung wird generell eine Sexualität abgesprochen. Diese Komplimente, und das klingt jetzt wirklich entsetzlich, sind auch ein Privileg.

Das kann ich nicht recht nachvollziehen. Warum bleiben bei Komplimenten Bi-, Homo oder Asexuelle oder Transmenschen ausgeschlossen? Ich kann auch einem/einer Homosexuellen sagen, dass ihm/ihr etwas ganz hervorragend steht oder einer Bi-frau sagen, dass sie klasse aussieht. Ich mache auch Frauen, mit denen ich nicht schlafen will, durchaus Komplimente, etwa wenn eine korpulentere Freundin ein schönes Kleid zu einer Feier anzieht. Komplimente sind ja auch teilweise nur eine Höflichkeit, ein Aufmuntern und man muss nicht mit jedem schlafen wollen, dem man ein Kompliment macht. Natürlich fällt mir weibliche Schönheit noch eher auf und es lässt sich auch leichter in einen Flirt einbauen, aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ich heterosexuell bin.

Bei der Darstellung, dass das Kompliment ein Privileg ist, zeigt sich auch an einem harmlosen Beispiel, wie stark diese Denkmuster selbst einfache Vorgänge verkomplizieren. Alles kann ein Privileg sein, ein richtiges Verhalten gibt es dann nicht mehr.

Letztendlich aber geht es bei der Vergabe von Komplimenten um Sexualität. In einem bestimmten Code wird mir mitgeteilt, dass ich sexuell interessant für jemanden bin. Da fangen die Probleme an, denn Sexualität ist vermintes Gebiet für Frauen*: Frauen* verlieren eigentlich immer, ob sie nun sexuell eher offen sind oder eher vorsichtig. Neben der Abwertung weiblicher Sexualität wird auch auf Zustimmung der Frau* im Rahmen der Heteronorm häufig kein gesteigerter Wert gelegt. Das betrifft konkret nicht nur Sex, sondern auch die Abbildung von Frauen*, welche Fragen sie gestellt bekommen und wie sie sich zu verhalten haben. Mit meinem Lächeln auf dieses Kompliment, so hatte ich im Nachhinein das Gefühl, gab ich die Bestätigung, dass es in Ordnung ist, mich auch im profanen Alltag als sexuelles Wesen zu betrachten. Dass ich vielleicht sogar darauf Wert legte. Menschen sind nun mal durch ihre Sexualität mitgeprägt, dagegen ist nichts zu sagen. Also alles in Ordnung?

Da sind ja schon wieder einige Knaller drin, erarbeitet anhand eines harmlosen Kompliments: In der Heteronorm ist Zustimmung der Frauen kein Wert gelegt, man will sie nur abwerten. Man will sie anscheinend selbst wenn man sagt “hübsch ist sie AUCH noch” nur auf Sex reduzieren. Und deswegen darf einer Frau das auch nicht gefallen: Denn damit transportiert sie dann wieder die Vorstellung, dass man Frauen Abwerten und auf ihre Sexualität reduzieren darf. Das dieses Konzept auf wackeligen Beinen steht und ein Kompliment keine Abwertung und keine Reduzierung sein muss, dass scheint da nicht wirklich vorzukommen.

Mitnichten. Als Frau* auch nur zuzugeben, eine sexuelle Natur zu haben, ist nach wie vor, als ob man einen Schwachpunkt offen legt und sich angreifbar macht. Man wird nicht mehr ernstgenommen (es sei denn, man ist Beyoncé). Mein unangenehmes Gefühl kam genau daher, weil ich wusste: Die Geschlechter bewegen sich eben nicht auf demselben Grund. Ein (heterosexueller) Mann kann seiner Sexualität Ausdruck verleihen, ohne verdinglicht zu werden oder sich zu diskreditieren. Politiker können die 5. Frau heiraten, ohne dass es jemanden juckt. Eine Politikerin, die den 5. Ehemann ehelicht? Da würden die meisten doch eher an ihrer Kompetenz zweifeln.

Auch hier aus meiner Sicht eine Überbewertung: Frauen, die mit solchen Komplimenten mit einem Lachen umgehen und es als Spiel sehen, werden glaube ich viel eher ernst genommen und als selbstbewußt angesehen als solche, die daraufhin energisch die Lippen zusammenkneifen und sich solche Abwertungen verbieten. Denn dann haben sie eben nicht erkannt, dass es nur ein harmloses Kompliment, eine Nettigkeit sein sollte.

Lustig auch ihre Vorstellung, dass ein Mann seiner Sexualität Ausdruck verleihen kann, ohne sich zu diskreditieren: Im Gegenteil, gerade die Zurschaustellung männlicher Sexualität wird sehr schnell abgewertet: Als pervers, als “Alle Männer sind Schweine”, als Ausdruck sonstiger Perversität. Weibliche Sexualität wird eher etwas reineres zugestanden. Ein Mann könnte sich auch nicht so sexuell wie eine Frau kleiden ohne eher lächerlich zu wirken.

Das Politikerinnen seltener fünf Mal verheiratet sind ist aus meiner Sicht weniger dem Umstand geschuldet, dass man dann an ihrer Kompetenz zweifeln würde als vielmehr dem Umstand, dass Status Männer attraktiv macht, Frauen aber nicht. Schröder als Bundeskanzler war eben immer wieder für zB Journalistinnen interessant. Sein dadurch bedingter höherer Marktwert macht uns verständlich, dass er eine jüngere heiratet. Bei Merkel würde es uns hingegen wohl eher überraschen.

Nun ging es in meinem Fall gottlob nur um ein Lächeln auf ein Kompliment von einem Fremden. Das verursacht im Normalfall nicht allzu viele Störungen im Alltag. Aber besser wäre es doch, wenn ich mir keine Gedanken machen müsste. Wenn ein Kompliment unschuldig und unbelastet von Gender-Ungleichgewicht sein könnte. Ich würde gerne in einer Welt leben, in der ich bei einem Kompliment egal von wem lächeln könnte. Einfach so.

Klassischer Feminismus: “Jetzt habe ich ja oben dargelegt, dass ein Kompliment heterosexistisch ist, eine Abwertung der Frau und ein Zum-Objekt-machen dieser. Wie schön wäre es in einer Welt zu sein, in der das nicht so wäre”. Nur stellt ihre Bewertung gar nicht auf konkrete Welt-Parameter ab. In jeder denkbaren Welt könnte ihre Bescheibung gelten, dass das Kompliment ein Privileg ist, dass man damit zum Objekt gemacht wird etc. Sie hat auch nichts bewiesen. Sie hat einfach behauptet, dass die Welt schrecklich ist und nutzt diese Behauptung jetzt um die Schrecklichkeit der Welt zu beweisen, denn in dieser Welt ist das Kompliment eben nicht harmlos. Bewiesen ist nichts. Der Beweis dreht sich um sich selbst.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. September 2014

John Millwards Studie zu Aussehen, Praktiken und Allgemein zu Porno-Stars

John Millward, der hier schon interessante Statistiken zu Prostituierten und Freiern hatte, hat ein paar Auswertungen zu Pornodarstellerinnen vorgenommen. Das Thema wurde schon häufiger hier besprochen:

Allerdings untersuchte John eben gerade die Darsteller und es gibt einige interessante Ergebnisse:

Zum Aussehen:

The average male and female performer are the same height as the average American man and woman: 5’10″ and 5’5″ respectively.2 However, porn stars are quite a bit lighter. At 117 lbs, the average female performer is a considerable 48 lbs under the national average for women, and the average male, at 167.5 lbs, weighs 27 lbs less than the national average for men. So, just how were these porn stars’ weights determined when they were typed, probably with one hand, into the database? (…)

I thought that maybe if the women are overestimating how light they are, they might also be a bit too generous when reporting their measurements. It turns out they probably aren’t though, because the most common bra size for a female porn star is a surprisingly handleable 34B. Not double-D, not even a D. Double-D actually came in 4th, behind B, C and D. The most common set of measurements for the women was 34–24-34. (…)

So, if the average female porn star is a 5’5″ woman who weighs 117lbs and has B-cup – breasts (…) Dark-haired porn stars outnumber blonde ones almost 2-to-1

Also wäre die durchschnittliche Pornodarstellerin 1,65, wiegt dabei 53 kg (BMI 19,5) und hat Bh-Größe B und eher dunkle Haare (wobei sie weitaus häufiger blonde Haare haben als der Rest der Bevölkerung).

Interessant auch die Angaben, welche Praktiken die Pornodarstellerinnen zumindest einmal angeboten haben:

  • 87% Facial
  • 62% Anal
  • 53% Interracial
  • 39% double penetration
  • 31%  swallow
  • 28% cream pie
  • 24% cum swap
  • 16% squirt
  • 11% pee
  • 10% DPP (double Pussy penetration)
  • 6% Fisting
  • 5% take Pee
  • 5% DAP (double Anal Penetration)

Erstaunlicherweise würden daher mehr der Frauen Analsex haben als es zB als weiße Frau mit einem schwarzen Darsteller zu machen.

Zu Analsex hat der Autor auch noch interessantes:

There are probably enough percentages there to write five other articles, but the anal sex one is particularly interesting, because unlike some of the others (fisting, I’m looking at you), anal sex is an act that gets talked about a lot in ‘real life’. Porn is often blamed for warping men’s minds and making them believe that anal sex is better than vaginal sex, or that all women should do it. So, how does the 62% of female porn stars do an anal scene at least once stat compare to the non-porn, real life equivalent?

Well, in 1992 a large national survey reported that only 16% of women aged 18–24 had tried anal sex.12 By 2010, another major survey, published in the Journal of Sexual Medicine, reported that the percentage of women who had tried anal by age 24 had risen to 32%,13 and one third of those had done it within the last month. So anal sex appears to be growing in popularity both in and out of porn—whether there’s a causal relationship there, it’s tough to say. Women in porn have been doing anal sex sooner over the last few decades though. I noticed that in the 1980s, they waited about two years after getting into the business before they did anal on camera; these days it’s more like six months.

2010 hatten also immerhin schon 32% aller Frauen Analsex und ein Drittel davon vermutlich regelmäßiger. Man kann vermuten, dass die Zahl heute noch etwas höher liegt.

Interessant auch die Angaben, in welchen Rollen die Frauen so auftauchen:

Sexrollen im Porno

Sexrollen im Porno

Dazu heißt es im Text:

Teens really wipe the floor with the rest, although one could argue that many of the other roles could be teen-aged (well, 18 or 19, in legal porn). MILFs (Mothers I’d like to Fuck) coming in second place surprised me. They seem to offset the youth of the teens quite a bit—or do they? Just how old is the average woman who appears in a MILF-themed porn flick? Well, I found out by sampling 100 movies from the database and viewing the profiles of the women who starred in them. The average age of a MILF in porn is thirty-three. 20% of the ‘MILFs’ were 20–25 years old, 7% were over 40, and 4% were over 50.

I wasn’t sure what to think about that result, so I looked up the average age of a first time mother in America. In 2006 it was 25 years old (22.6 in Mississippi).14

So porn, for all its ludicrous film titles and laughable plots, isn’t completely unreasonable when it comes to the casting of fuckable mothers.

It’s nice to see wife coming in third place, too, especially for fans of the institution of marriage. Unfortunately, on further investigation, I discovered that without exception every film title containing the word wife revolved around the concept of a man having sex with a spouse who wasn’t his own. Never mind.

Hier sieht man mal wieder, dass das Alter bei der Bewertung der Schönheit ein ganz wesentlicher Faktor ist. Junge Mädchen im Alter von jedenfalls unter 25 machen die meisten der Rollen aus (Teen, Cheerleader, Daughter, Coed, Sister, Babysitter, Sorority, Schoolgirl, Runaway und Nurse und Hitchhiker werden wohl auch eher jung sein). Selbst die Milfs und Wifes sind ganz überwiegend unter 35 Jahre alt. Auch interessant, dass bei “Wife” eher die Frau eines anderen gemeint war. Die eigene Frau scheint eine geringere Rolle in den sexuellen Vorstellungen zu spielen (was vielleicht wieder den Wert von Abwechselung für Männer hervorhebt).

Den evolutionären Grund dafür hatte ich schon in dem Artikel “Warum stehen Männer auf junge Frauen?” besprochen: Es ist Fruchtbarkeit und der Umstand, dass wir als Spezies eher lange Paarbindungen eingehen (der Umstand wirkt sich doppelt aus: Auf junge Frauen zu stehen erlaubt für den Fall einer langen Beziehung mit dieser mehr Kinder zu bekommen, eine junge Frau für einen Seitensprung wird aber auch eher einen Mann finden, der sie trotz zB einer Schwangerschaft mit einem Kind eines anderen nimmt, da er mit ihr auch noch mehr Kinder bekommen kann, so dass da auch noch die Chancen steigen, dass das eigene Kind durchkommt)

Auch interessant: Für Männer ist es wesentlich schwieriger in das Geschäft zu kommen und die, die es nach oben schaffen drehen dann auch sehr viele Szenen:

First, of the 100 most prolific porn stars of all time (that is, the ones who have starred in the most films), 96 are men. Next, the ten most prolific male performers, on average, have slept on-screen with 1,013 different women each (45 a year for an average career length of 22.4 years). Whereas the ten most prolific women on average have slept with 148 different men (8 a year for an average career length of 17.7 years). Nina Hartley, for instance, who made her porn debut in 1984 and has starred in more porn flicks than any other woman on earth (938), has slept with 199 different men on film. Tom Byron, on the other hand, who has more film credits than any other man (2,549), and who made his debut only two years earlier than Hartley, has slept with over five times more people of the opposite gender than her: 1,127 different women. Men in porn—in an almost absurd parody of the masculine stereotype—really get around. -

Erscheint logisch: Für die Frau braucht es nur gutes Aussehen und etwas Gleitgel, der Mann hingegen muss eben “seinen Mann stehen”.

Auch interessant ist, wie viele Szenen eine Darstellerin so dreht, bevor sie aussteigt und wie es sonst um die Psyche der Pornodarstellerinnen bestellt ist:

The actual number of single film quitters is between 10% and 30%. It’s difficult to settle on an exact figure, because it differs depending on how you sample the women, but one thing’s for sure: most women don’t quit after one film—in fact, the majority (at least 53%) do three or more. So, to update the quote with the facts, do most women do three films and then quit because the experience is so humiliating and painful? Perhaps. Or maybe they just don’t like it and stop.

Questions like why men and women get into porn, why they get out of it, and if they’re psychologically different to non-porn people, are beyond the scope of my analysis. Other people have tried to find out though. A recent, well-publicised study that surveyed female porn stars, concluded that they appear to have higher levels of self-esteem, social support and sexual satisfaction than the average woman, as well as a higher chance of being bi-sexual and having tried 10 different types of drugs.

Die dort zitierte Studie ist interessant:

The damaged goods hypothesis posits that female performers in the adult entertainment industry have higher rates of childhood sexual abuse (CSA), psychological problems, and drug use compared to the typical woman. The present study compared the self-reports of 177 porn actresses to a sample of women matched on age, ethnicity, and marital status. Comparisons were conducted on sexual behaviors and attitudes, self-esteem, quality of life, and drug use. Porn actresses were more likely to identify as bisexual, first had sex at an earlier age, had more sexual partners, were more concerned about contracting a sexually transmitted disease (STD), and enjoyed sex more than the matched sample, although there were no differences in incidence of CSA. In terms of psychological characteristics, porn actresses had higher levels of self-esteem, positive feelings, social support, sexual satisfaction, and spirituality compared to the matched group. Last, female performers were more likely to have ever used 10 different types of drugs compared to the comparison group. A discriminant function analysis was able to correctly classify 83% of the participants concerning whether they were a porn actress or member of the matched sample. These findings did not provide support for the damaged goods hypothesis.

Quelle: Pornography Actresses: An Assessment of the Damaged Goods Hypothesis

Aus einer Besprechung der Studie:

To recap briefly, contrary to the stereotypical view that pornography actresses are “damaged goods” the study found that these women were no more likely to have been sexually abused as children than women in a matched control group drawn from the general population. Additionally, among other findings, pornography actresses reported higher self-esteem, and sexual satisfaction than other women. Similar results were found for male actors compared to men in a control group (Griffith, Mitchell, Hammond, et al., 2012). In regards, to the performers’ sexuality, the results are probably more in accord with popular stereotypes. Both male and female performers reported having their first sexual experience at a younger age than other people and reported having had a far larger number of sexual partners. Note that when answering this last question, participants were asked NOT to include people they had had sex with only as part of their work, so these are sexual partners from their private lives. In fact, when asked to indicate the number of sexual partners in the last 12 months, the average number for porn actresses was larger than the average number of partners that ordinary women had had in a lifetime. Interestingly, the average number of lifetime partners reported by male actors (about 170) was notably larger than that for actresses (about 75). Perhaps future studies will shed some light on why there is such a large difference. Both figures are much larger than the averages for men (about 10) and for women (about 5) in the control groups though.

Also of note was that both male and female performers indicated that they enjoyed sex more on average compared to their control groups. For example, on a 10-point scale, porn actresses rated their enjoyment of sex on average as 9.40 compared to other women with an average score of 8.28. This may not seem like a huge difference at first, but the researchers noted that 69% of porn actresses rated their enjoyment as 10 out of 10, compared to 33% of other women. Additionally, less than 2% of actresses rated their enjoyment as 5 or less, compared to about 12% in the control group. Among the men, 83% of porn actors rated their enjoyment of sex as 10 out 10, compared to 51% of the control group males. Only one of the male actors in the study rated his enjoyment as less than 5, compared to about 8% of the control group.

One striking difference between male and female performers was in sexual orientation. The vast majority of male actors identified as heterosexual, with only 8 bisexual and 2 homosexual (out of 105 participants), similar to the control group. In contrast, among the actresses, over 67% identified as bisexual, and the remainder were heterosexual except for one lesbian. (Among the control group women, over 92% identified as heterosexual, about 7% as bisexual, and the remainder as lesbian.)

Anscheinend interessieren sich also Frauen für die Pornoindustrie, die schon früh mit Sex angefangen hatten, viele Partner hatten und Spass am Sex hatten. Gerade auch die hohe Rate an bisexuellen, aber auch die anderen Faktoren könnte meiner Meinung nach auch einen Zusammenhang mit einem hohen pränatalen Testosteronspiegel darlegen. Eine Studie dazu habe ich aber leider nicht gefunden. Es sind zudem Frauen, die eher ein hohes Selbstvertrauen haben und auch ansonsten gut eingebunden sind. Das Nehmen von Drogen spricht wahrscheinlich eher für experimentierfreudige Personen mit einer gewissen Risikobereitschaft. Sicherlich muss man hier vielleicht auch berücksichtigen, dass es gut für das Geschäft ist, wenn man angaben macht, dass man den Sex vor der Kamera aus reinem Spass an der Sache macht.

Es widerspricht aber wohl auch den gängigen feministischen Vorstellungen von der armen unselbstbewußten Frau, die ganz gegen ihren Willen in diese Lage gerät und ausgenutzt wird, der Damsel in distress bzw. der weiblichen Unschuld, die von den Männern in diese Lage gezwungen wird.

Auch interessant ist das durchschnittliche Gesicht einer Pornodarstellerin:

Durschschnitt Gesicht Pornostar

Durschschnitt Gesicht Pornostar

Klassisch hübsche Gesichter würde ich sagen.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 17. September 2014

Sind Frauen / Männer schlecht im Bett?

In den Kommentaren fand eine Diskussion dazu statt, welches Geschlecht sich im Bett weniger anstrengt bzw. schlechter im Bett ist.

Elmar führte an, dass nach seiner Auffassung Frauen eine gewisse Prinzessinneneinstellung haben, bei der sie im wesentlichen das ein müssen, während die meisten Männer sich abrackern würden, um die Frau zu einem Orgasmus zu bringen. Er sieht Gleichgültigkeit und Kälte bei den Frauen, denen die sexuellen Bedürfnisse oder das sexuelle Glück der Männer vollkommen egal ist.

Adrian merkt dazu unter anderem an:

Männer investieren im Schnitt mehr Mühe und Zeit in die Sexualität ihrer Partnerin als umgekehrt.

Nehmen wir z.B. an, die Orgasmusproblematik wäre umgekehrt. Kann sich irgendjemand vorstellen, dass Frau stundenlang an einem Mann rumdoktort, nur um ihn abschließend zu befriedigen?

Atacama führt für die Frauenseite an:

Und ich muss nicht die Englei singen hören, ich habe nur die Erfahrung gemacht und die kannst du mir nicht wegreden, dass ich meistens sehr viel mehr “gearbeitet” habe und an seinem Wohlergehen interessiert war als umgekehrt.

Diese Kritik an angeblicher übersteigerter sexueller Erwartungshaltung kann ich deshalb nicht so ganz nachvollziehen. Für mich wirkt das auch ein bisschen wie Jammern auf Hohem Niveau, der Orgasmus ist nicht “doll” genug, er muss betteln sonst taugt es nicht.
Ich wäre derweil schon froh, wenn mann sich die Zeit nähme, dass ich so ungefähr wenigstens jedes 10.Mal überhaupt einen habe.
Doch eigentlich ganz bescheiden und realistisch, oder?
Und dann sogar noch nach Tipps für bessere Performance gefragt und dafür wird einem auch noch halb an die Gurgel gesprungen, man würde Männer irgendwie “missbrauchen” für egoistische persönliche Befrieidigung während “die” männer sich längst zu eifrigen Lustsklaven weitergebildet haben, die nichts anderes im Sinn haben als die Frau ins Nirvana zu bringen.
Ich merk davon halt nicht so viel. Oder erwische immer die, die diese Ausbildung geschwänzt haben.

Und aus einer Diskussion aus einem anderen Artikel möchte ich auch noch Roslin zitieren:

Für mich muss eine Frau überhaupt keine besonderen Fähigkeiten/Techniken etc. anbieten.

Sie muss ganz einfach MICH begehren, mich wollen, Spass am Sex mit MIR haben.

Ich kann befriedigenden Sex auch nur haben mit einer Frau die ICH WILL, als Person will, die ich riechen mag, die mich lachen macht usw., vor der ich schamlos ICH sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden, die schamlos vor mir SIE sein kann, ohne fürchten zu müssen, abgelehnt zu werden.

Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, voreinander schamlos sein zu dürfen, im tiefsten Sinne voreinander und das geht weit über’s körperliche Nacktsein hinaus, das ist da nur Symbol, Oberfläche einer viel tiefer gehenden Realität, nackt sein zu wollen, weil das Vertrauen in den anderen da ist, weil man weiß, er wird mich auffangen, umfangen, umarmen, dann ergibt sich eigentlich alles von allein und wie von selbst.

Dann wird Sex zum Spiel und man tut, was Spass macht, weil es Spass macht, weil es kein Problem ist, auf der Basis dieses grundsätzlichen Vertrauens, dieses Angenommenseins, Wünsche zu äußern oder auch zu versagen.

Ich finde die Aussage erstaunlich, dass alle Frauen schlecht im Bett sein sollen und sich nicht genug bemühen und würde sie eher als eine Bestätigung von Elmars vollkommen verkorksten Verhältnis zu Frauen an sich sehen als als tatsächliche Wiedergabe der Realität.

Ich denke, dass man das etwas aufspalten muss:

1. Frauen zum Orgasmus bringen ist schwieriger als Männer zum Orgasmus zu bringen

Eine Frau braucht in der Regel wesentlich länger für einen Orgasmus, vom Vorspiel über dann schließlich eine gewisse Stimulation bis zu dem Problem einiger Frauen überhaupt beim Sex zu kommen. Noch schwieriger ist es für sie häufig bei einem One-Night-Stand, zumindest, wenn eine gewisse Unsicherheit und Nervösität vorhanden ist.

Wo Frauen langsam anspringen sind Männer häufig direkt bereit und es kann auch wesentlich schneller vorbei sein. Wenn beide einen Orgasmus haben wollen kann bereits daraus folgen, dass der Mann sich intensiver mit der Frau beschäftigen muss als umgekehrt um das Ergebnis Orgasmus zu erhalten. Ist es dann per se ungerecht, wenn er “mehr” macht und muss das ein Opfer sein? Ich meine nicht. Es ist eher eine “Systemlogik”.

Natürlich kommt es dann auch darauf an, wie man den Sex will. Will man “gemeinsam kommen”, also relativ zeitgleich, dann muss der üblicherweise schnellere zwangsweise den langsamen mehr stimulieren und es kann sogar kontraproduktiv sein, den schnelleren im Vorfeld zu stark zu stimulieren. Ist einem das relativ egal, dann ergibt sich, wenn der schnellere meist der Mann ist auch entsprechender Mehraufwand.

2. Qualität 

Natürlich könnte man dann noch anführen, dass man ja mit diversen Techniken eine Verzögerung erreichen kann, etwa abwechselndes stimulieren mit “Abkühlungsphasen” oder das sie eben besondere Techniken verwenden kann, hier wurde anale Stimulation der Prostata angesprochen oder andere Techniken. Allerdings dürfte es genug Männer geben, die das nicht wollen und genug Frauen, die das zu dreckig finden (was beides schade ist). Es müssen also nicht unbedingt die Frauen schuld sein.

Ansonsten würde es mich aber wundern, wenn da Männer sonstwas an Technik haben. Die meisten werden über Lecken und ficken auch nicht so wahnsinnig hinauskommen, nur weil sie länger lecken müssen sie da keine besondere Technik haben. Aus der reinen Zeitverteilung folgt insofern aus meiner Sicht nicht, dass Männer besser im Bett sind, daraus folgt nur, dass Frauen schwerer zum Orgasmus zu bringen sind.

3. Einsatz

Ich würde zustimmen, dass viele Frauen relativ passiver sind. Wirklich gute Reiterinnen gibt es selten. Allerdings muss das ja auch nicht per se etwas schlechtes sein, auch unten liegend kann man die Bewegungen unterstützen oder anderweitig mitmachen und auch in Passivität kann – etwa beim Analsex – ein gewisser Einsatz für den anderen zu sehen sein.

Zur Adrians Frage: Ja, ich kenne genug Freundinnen, die, wenn man mal selbst länger brauchte, aufopferungsvoll lange geblasen und sich sonst bemüht haben, einen zum Orgasmus zu bringen. Nicht-kommen-können beim Mann ist denke ich auch bei vielen Frauen ein Umstand, bei dem sie so einiges versuchen, um es für ihn schön zu machen. Ein weiterer Punkt wäre vielleicht der Mehranfall aufgrund des stärkeren männlichen Sexualtriebs, also der Blowjob zwischendurch.

Auch ansonsten würde ich sagen, dass es nicht so ungleich verteilt ist. Wer geleckt werden will, der muss eben auch blasen und umgekehrt. Finde ich jetzt auch heutzutage nicht so ungewöhnlich.

Vielleicht erregt uns Männer auch sexuelle Lust der Frau selbst mehr als umgekehrt. Frauen, die auf eine sehr aktive Art ihr Lust erleben, mit Stöhnen und erkennbarer Steigerung der Lust, mit extremer Geilheit, das ist aus meiner Sicht etwas sehr erregendes und üblicherweise werden Frauen auch ihre Lust lauter zeigen als viele Männer. Dann aber wäre ihre extrem Lust auch Lust für ihn und das muss nichts falsches, kein Ausbeuten sein. Eine Frau, die sich ihrer Lust hingibt und stark erregt ist, ist mir lieber als eine Frau, die etwas sagen würde wie “mir ist nicht so nach Sex, aber ich kann dich verwöhnen”. Das in Pornos Lust stark übertrieben wird ist ja insoweit auch kein Zufall.

Festen Freundin ist es denke ich nicht egal, ob der Sex gut ist. Sie wollen, dass ihr Freund Spass am Sex hat und geben sich entsprechende Mühe. Wie ihre Freunde hoffentlich auch.

Es gibt keinen Grund, die Lage in den Betten so schwarz zu malen. Wer sich nicht hinreichend versorgt fühlt, der sollte es aus meiner Sicht schlicht ansprechen, einfach mal mitteilen, was er will, einen Vorschlag machen, was man mal ausprobieren kann. Oder ein Sextippsbuch kaufen und einfach mal anregen, dass man es gemeinsam mal ausprobiert. Generell ein Geschlecht zu verurteilen, dass es nicht an der Lust des anderen interessiert sei oder dem anderen Geschlecht zu bescheinigen, dass es sich nur aufopfert, vergiftet aus meiner Sicht eher das Klima.

4. Eure Tipps?

Wo wir aber schon bei schlechten Sex sind und Adrian und Elmar angekündigt haben, dass man da einiges an guten Tipps geben könnte, würden mich eure Tipps für guten Sex und eure Ratschläge an das andere Geschlecht interessieren.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 16. September 2014

“Formatierung” des Gehirns und Gene und Hormone in diesem Zusammenhang

Crumar hat auch noch einiges an Kritik vorgebracht, die ich insoweit gerne aufgreife:

Dass du Elmar immer wieder vorwirfst, seine Argumentation ergehe sich unter Aussparung von Zwischenschritten, die in sich nicht ganz so unangreifbar bzw. unlogisch wären, halte ich Angesichts deiner Argumentationsweise für reichlich übertrieben.

Ich hatte es bereits in einem Kommentar gesagt: Die  Zwischenschritte meiner Ansicht kann man häufig in den jeweiligen Büchern zur Evolutionsbiologie nachlesen, wobei ich zu vielen hier auch schon Artikel habe. Wenn jemand etwas sucht, dann empfehle ich diesen Überblicksartikel.

1. “Pränatale und Postnatale Hormone bewirken eine unterschiedliche “Formatierung” des Gehirns.”

Ich halte ein Formulierung wie “Formatierung” an dieser Stelle für falsch und zugleich verräterisch. Wenn nämlich die Software (respektive das OS) die Hardware *formatiert*, dann wären Software also die Hormone und die Hardware das Hirn.
*Wer* in dieser Analogie hier *wen* kausal *auf was* festlegt, ist ganz eindeutig.

Ich finde Formatierung als Metapher trotz ihrer Grenzen gar nicht so schlecht, aber man kann natürlich vieles dagegen sagen, da würde ich zustimmen. Ob man bei dem Gehirn sinnvoll eine Unterscheidung zwischen Hardware und Software vornehmen kann, wäre sicherlich zu hinterfragen. Eher werden wohl bestimmte Verbindungen bereits im Vorfeld stärker ausgeprägt und bestimmte Bereiche auf ihre Aufgaben vorbereitet. Ich finde “Formatieren” kann man sich insoweit leichter vorstellen.

Das legst du durch die *Wahl* einer solchen Analogie nahe.

In diesem Fall müsstest du jedoch den (empirischen) Nachweis antreten, dass eine “Formatierung” des Gehirns nach Geschlecht vorliegt (und dies ursächlich durch Hormone erfolgt).
Kannst du das?

Hier erst noch einmal eine Darstellung der Theorie aus dem Buch “Brain Sex“:

The East German scientist, Dr Gunter Dorner, has devoted his life’s work to the theory that exposure to certain hormones before birth determines sexual inclination. He claims that potential future homosexual behaviour can be detected through amniocentesis, the test of the uterine fluid which can reveal Down’s syndrome in the unborn child. Dorner further claims that, with pre-natal injections, homosexuality can be prevented. Dorner has, not surprisingly, attracted anger from homosexuals, who see his theories as equating homosexuality with disease, or as a i930s-style sexual totalitarianism involving ‘the endocrinological euthanasia of homosexuality’. Scientists, too, were initially sceptical.

But gradually, the weight of scientific opinion has shifted towards Dorner. His theories may need some refining and qualification – but Dorner is increasingly gaining the status of a respected pioneer of sexual science. As we have already learnt, the chromosomes instruct the developing foetus, around the sixth week of pregnancy, to develop female ovaries or male testicles. These in turn produce hormones. Male hormone masculinises the mind. Dorner finds that the brain is not masculinised, as it were, all in one go. The classic experiments with rats described in Chapter Two have shown how behaviour can be modified in the male by castration and injections of female hormones. The male rat will be sexually attracted to other male rats and behave in a female manner when mounted by them -wiggling the ears and arching the back.

But the degree of femininity in the male rat depends critically on the stage at which it was castrated. Castrate it early and, with no male hormones to change its direction, the brain is more likely to retain its original, female pattern. The later castration occurs, however, the less feminine the behaviour. What Dorner concludes is that the maleness of the brain in rats is laid down in a gradual sequence. With normal females, in the absence of testosterone, the brain develops along a naturally female pattern. But should the brain be accidentally dosed with male hormones during development, this natural female pattern can, at any stage, be upset. The more frequently, and the earlier, the brains of females are dosed with male hormone, the more male their sexual behaviour. The later, the less. Dorner suggested that in men and women too it is the presence or absence of male hormones that build the structure of the brain bit by bit into a male or female pattern of sexual identity.

It happens, he says, in three stages – the development of what he calls the sex centres, the mating centres, and the gender-role centres of the brain.

First, with the ‘sex centre’, the hormones set to work on creating typical male or female physical characteristics.

The next, and to some degree overlapping stage, is the transformation of the ‘mating centre’. This Dorner identifies as the hypothalamus which, it is now known, is arranged differently in men and women, and controls sexual behaviour in adult life.

The last stage is when the hormones get to work on the ‘gender-role centres’ in the brain of the unborn child, laying down the networks in the brain which determine our general behaviour like the level of aggression or lack of it, our sociability or individualism, our adventurousness or timidity -characteristics which get fully expressed under the hormonal influence of puberty. Dorner believes that each of these centres can be independently upset at each stage of development. Indeed, we’ve seen how at the first stage – the development of primary sexual characteristics – genetically female foetuses exposed to an abnormal level of male hormone may develop male-like organs. The development of the mating centre, the hypothalamus, Dorner argues, can also be upset; in a male, the lower the concentration of androgens, or male hormones, the greater the likelihood that the eventual child will have homosexual tendencies. In girls, a higher level of androgens mouls the hypothalamus in a manner which will produce same-sex attraction. Finally the gender-role centres, the wiring up of the brain, and the way the functions are distributed, may follow a male pattern in the female, or a female pattern in the male, depending on the abnormal presence of male or female hormones.

The beauty of this theory is that it explains how, for instance, obviously physical males, with obviously male identities and mannerisms, may be attracted to same-sex partners; in that case, only the second stage, the development of the hypothalamus, and the mating centre, has been upset. Similarly, it explains how some boys, effeminate in looks and behaviour, may still be robustly heterosexual in their sexual preferences; their sex centres and gender-role centres have been hormonally unbalanced at a key stage of development, but during the development of the mating centre, nothing untoward occurred. In short, it explains why not all sissies are homosexuals, and not all homosexuals are sissies.

A British psychologist, Glen Wilson, the author of Love’s Mysteries, agrees with Dorner that the pre-setting of the brain before birth may sometimes be ‘inappropriate, in that the gender of the child is male and his anatomical appearance 116 is male, but for some reason or another, his brain has not received the necessary hormonal instruction that would cause it to be masculinised.’ He reminds us that we are dealing with very fine and critical amounts of testosterone, measured in thousand-millionth parts of a gram; a possible explanation of how, in non-identical twins, developing in – virtually identical – conditions in the womb, one may be homosexual and the other not. Another American scientist, Dr Milton Diamond, also comes to the same general conclusion as Dorner, but believes the development of sexual brain tissue involves four, not three, stages.

First, basic sexual patterning, e.g. aggressiveness or passivity; second, sexual identity – what sex people ascribe to themselves; thirdly, sexual object choice, which is the same as Dorner’s mating centre; and finally the control centres for the sexual equipment, including the mechanisms of orgasm. If something goes wrong during the development of each or any of these stages, they will eventually be ‘out of phase’ with each other. So a man may be assertive and aggressive – typically male – yet have a homosexual choice of sexual object; he may have effeminate mannerisms, yet have a high, heterosexual drive. The brain is not sexed in one ‘big bang’.

The hormonal theory would explain why sexual deviancy is so much more common in men. Men have to go through a hormonal process to change their brains from the natural female pattern present in all of us, whatever our eventual sex, from the first weeks of our life in the womb; they have to be soaked in extra male hormone and restuctured – so in the process of reconstruction the chance of mistakes is much greater than in the female, who doesn’t need any reconstruction of her brain.

Es sprechen aus meiner Sicht viele Ergebnisse dafür. ich hatte hier einmal eine Zusammenfassung dazu aus einem Artikel besprochen:

  • Diethylstilbestrol (DES) in der Schwangerschaft: a synthetic estrogen that masculinizes and defeminizes brains and behavior in female rodents, have been found to show higher rates of homosexual imagery or homo sexuality than controls, but no masculine gender identity. Effects of exogenous hormones on male behavior and interests are less clear and often conflicting
  • phenobarbital- and phenytoin in der Schwangerschaft: , it was found that the individuals as a group did not differ with respect to gender role behavior, but that higher numbers of prenatally exposed subjects reported current or past gender variant behavior and/or gender dysphoria. Gender dysphoria is the distress resulting from conflicting gender identity and gender of assignment. In a group of 147 subjects, there were also 3 transsexuals. This is a remarkably high rate given the rarity of transsexualism
  • Congenital adrenal hyperplasia (CAH): These women, who are born with more or less virilized external genitalia, are generally treated early in life to normalize hormone levels and often undergo surgery to feminize their genitalia. Girls with CAH generally show increased male-typical play behavior. Masculine gender role behavior also appears to be common in women with CAH across the lifespan. In women with CAH, a doseresponse correlation has been found; with the more seriously affected “salt-losing” women showing more masculine behavior than the less affected “simple-virilizing” women. In contrast, women with CAH, who were raised as females, mostly have feminine gender identities. However, these women show a less strong female identification, elevated levels of gender discomfort, and even gender dysphoria (∼5%) than non-DSD women.
  • Gender development and 5a-reductase-2 deficiency (5a-RD-2) and 17b- hydroxysteroid dehydrogenase-3 deficiency (17b-HSD-3): Children with 5α-RD-2 have an enzyme defect that prenatally blocks the conversion of testosterone into dihydrotestosterone. Consequently they are born with external genitals that are female in appearance. They are usually raised as girls and seem to have a female gender identity, but, if the condition is not discovered in childhood, these children develop male sex characteristics in puberty: growth of their “clitoris” and scrotum, lowering of the voice, beard growth, masculine muscle development, and masculine body fat distribution. After puberty, many of these youngsters start living as males and develop a sexual attraction toward females
  • Gender development and CAIS/PAIS: Individuals with complete androgen insensitivity syndrome (CAIS), who are raised as girls, are described as very feminine in their gender role behavior, although there may be more variability in their behavior than has long been assumed. They have a female gender identity and in the review by de Vries et al. (2007), none of the women with CAIS reported suffering from gender dysphoria or made a gender transition. But in the partial form of this condition, partial androgen insensitivity syndrome (PAIS), another picture emerges. In female-raised individuals, 11% were gender dysphoric or changed gender (5 of 46). In the male-raised group, this percentage was even higher, where 14% were gender dysphoric or changed gender (5 of 35).
  • Gender development and ablatio penis: Der David Reimers Fall und ähnliche
  • Transsexualität
    •  Post-mortem studies: Postmortem studies into the brain material of transsexuals revealed a sex reversal in volume and neuron number in the central portion of the bed nucleus of the stria terminalis and the interstitial nucleus 3 of the anterior hypothalamus in male-to-female transsexuals (MtFs) and a female-to-male (FtM) transsexual.
    • Luteinizing hormone (LH) regulation: Konnte die vermuteten Ergebnisse nicht erreichen
    • Cognitive studies: In studies examining IQ and verbal/spatial subtests, some samples of individuals with gender identity disorder (GID) show a pattern of cognitive functioning that is not in line with the natal sex. However, the results are too inconsistent to draw definite conclusions.
    • Handedness studies
    • Imaging studies: Magnetic Resonance Imaging (MRI) in untreated MtFs shows that their gray matter volumes are mostly consistent with men (their natal sex), but that the gray matter volume of the putamen was feminized. In addition, cerebral activation patterns in trans sexuals prior to treatment seem to share more features with those of the experienced gender than those of their natal sex. This was observed using Positron Emission Tomography (PET) during the processing of pheromones and using functional MRI while viewing erotic film excerpts. Finally, differences have been found within the cortical network engaged in mental rotation between MtFs (prior to as well as during hormonal treatment) and control males

Auch weitere Gehirnforschung passt gut dazu:

Kurz zusammengefasst würde ich folgendes sagen:

  • Tierstudien zeigen, dass dieser Prozess bei Säugetieren stattfindet. Ein so grundlegender Prozess lässt sich schwer ändern
  • Wir haben nach wie vor Hormonrezeptoren im Gehirn und die Gegenden, die diese haben, weisen Geschlechterunterschiede auf
  • Wie haben allgemeine Geschlechterunterschiede im Gehirn
  • wir haben universelle Verhaltensgemeinsamkeiten und auch die Geschlechterrollen sind weltweit nicht so verschieden
  • Transsexuelle, CAH, die Fälle wie David Reimer etc stützten diese Theorie alle, mir ist keine andere Theorie bekannt, die diese Fälle stimmig erklären kann.

Einen endgültigen Beweis würde wohl nur ein Menschenexperiment bieten, welches wir aus ethischen Gründen nicht durchführen können. Aber mit allem, was wir haben und was uns die Natur bereitstellt erscheint es mir eine sehr stimmige Theorie zu sein.

2. “Diese Unterschiede wurden auch durch unterschiedliche kulturelle Regeln ausgeformt.”

Der springende Punkt ist m.E., dass du im Grunde eine (evolutionäre) Plastizität des Gehirns nach der zugrunde liegenden Arbeitsteilung der Geschlechter und den damit verbundenen Aufgaben zugleich voraussetzt (“auch”). Und verwerfen musst.

Gäbe es nämlich eine Feedback-Schleife von Arbeitsteilung und “Formatierung” des Gehirns wäre die unter 1. behauptete Kausalität von Hormon und “Gehirnformatierung” nach Geschlecht hinfällig.

Nur in einem sehr schlichten Modell, bei dem ein Verhalten geradezu determiniert ist. Wenn aber die Biologie einen Rahmen bereitstellt, dann kann darin eben auch ein Spielraum verbleiben. Wenn beispielsweise in Jungen eher der Wunsch geweckt wird, sich in körperlicherer Art zu beweisen, dann kann dabei ein “Rough und tumble-Play” herauskommen, wie man es bei Jungen weltweit eher beobachtet als bei Mädchen. Ob diese sich dann vielleicht bei einem kriegerischen Indianerstamm blutig schlagen können oder müssen oder heute nur mal das Spielzeug wegnehmen oder eher mal raufen oder aggressiver kicken, dass ist dann relativ egal. Und wenn Männern im Schnitt eben eher interessiert, wie etwas funktioniert, dann wird der Steinzeitjunge (oder das Steinzeitmädchen mit viel Testosteron) eben eher das Steinzeitmädchen (mit eher viel Östrogen) einen Mechanismus erforschen, dass kann dann in dem einen Fall eine Tierfalle mit der dortigen Schlingenkonstruktion oder das Abschlagen von Feuerstein sein, im anderen eben das Spielzeugauto, dass auseinander genommen wird.

Nämlich spätestens in dem Moment, wo es keine traditionelle Arbeitsteilung mehr gibt.

Ein anderes Beispiel ist das Frauen zB Geländewagen und Männer Sportwagen sind (beliebige Zuordnung ohne tatsächlichen Bezug zu Geschlechtereigenschaften). Beide haben vier Räder und können schneller oder langsamer sein, haben ihre Stärken aber in verschiedenen Bereichen. Nur weil dann der Einsatzzweck wegfällt verändert sich aber das Auto nicht.

Die Männer haben sozusagen immer noch ein windschnittigeres Profil und sind auf Beschleunigung ausgelegt, die Frauen auf Geländegängigkeit mit dicken Stollenrädern. Demnach haben die Frauen-Geländewagen in diesem Beispiel auch weniger Probleme im Schlamm und unwegsamen Gelände und die Männer-Sportwagen wenig Probleme mit Geschwindigkeit. Umgekehrt füllen sie sich in dem extremen Gelände des anderen weniger wohl (wobei ein Porsche-Geländewagen vielleicht trotzdem einem Sportwagen aus den 50ern davonfährt). Wenn sie beide auf der Landstraße unterwegs sind mag man dann den Unterschied nicht bemerken, weil beide Autos sind.

Ebenso wenig ändert sich die Biologie plötzlich, wenn sie für verschiedene Zwecke ausgelegt ist. Wenn der Mann eine “Statusmaschine mit einem hohen Interesse an unkomplizierter Weitergabe von Genen” ist und die Frau eine “Kinderbetreuungsmaschine mit einem Interesse daran einen Partner zu finden, der entweder sehr hochwertige Gene hat oder sie bei der Kinderbetreuung unterstützt” (ja starke Vereinfachungen, darum geht es aber auch nicht), dann fällt diese Bauweise nicht weg, nur weil sich die Umgebung ändert. Der Sportwagen bleibt ein Sportwagen, auch wenn man ihn nicht auf der Rennstrecke fährt.

Natürlich würde Evolution zu einer Änderung führen, wenn ein anderer Selektionsdruck herrscht. Aber in der Evolution müssen dazu eben eher mal 100.000 Jahre vergehen, hingegen sind die modernen Zeiten mit 70 Jahren oder sogar weniger vollkommen egal.

Damit müssen wir zwangsläufig wir zum Ausgang deines Beitrags – dann sind wir wieder hier: “Diese (Anm.: die Geschlechterunterschiede) haben teilweise genetische, aber insbesondere auch hormonelle Grundlagen.”

Und da sich mir irgendwie nicht erschließt, wie man *hormonelle* Differenzen nach Geschlecht anders als durch *genetische* Differenzen nach Geschlecht erklären will, wären wir also wieder bei den Genen.

Ich habe dazu hier etwas geschrieben:

Ein wesentliches Element im Veständnis der Evolution ist, dass wir nicht gebaut werden, sondern wachsen. Aus der befruchten Eizelle heraus entwickelt sich durch beständiges Wachstum der Mensch, der dabei die ganze Zeit lebensfähig (wenn auch teilweise an ein Lebenserhaltungssystem angeschlossen) bleiben muss. Die Gene erhalten also keinen Scan des Körpers, der quasi schichtweise den Aufbau des Körpers enthält und bei dem man bei den Füßen anfangen kann um dann bis zu dem Kopf weiterzubauen, sondern Wachstumsanweisungen, die schließlich zum fertigen Produkt führen.

Dabei ist ein weiteres Element, dass wir Steuergene (“Hox-Gene“) haben, die teilweise in einer Art Baukastensystem weitere Elemente auswählen können. Das bedeutet, dass wir beispielsweise für das Wachsen eines weiteren Fingers an einer Hand keinen kompletten Bauplan für den sechsten Finger benötigen, sondern nur einen Wachstumsplan, der etwas vereinfacht besagt “Spalte dich im Wachstum nicht 5 mal, sondern 6 mal ab und benutze dann den bei allen 6 Abspaltungen den Bauplan für das Modul “Finger”. Über weitere Abspaltungsregelungen in den Hoxgenen einen Ebene tiefer kann man dann Wachstumsregeln für diese Finger festlegen. Eine Mutation hin zu einem sechsten Finger muss daher gar nicht so groß sein, sie muss “nur” den Stellwert betreffen. (…)

Diese Steuerung kann ebenfalls sehr effektiv für Geschlechterunterschiede genutzt werden. Geht man davon aus, dass Geschlechtsunterschiede für Tiere bedeutsam sein konnten, weil die Gene die in einem männlichen bzw. weiblichen Körper landeten sich besser fortpflanzen konnten, wenn sie den Körper auf Fortpflanzung in einem männlichen oder weiblichen Körper optimierten, dann ist dabei eine Steuerung über die Hox-Gene ein sehr günstiger Weg Ein Befehl der vorsieht “wenn in einem weiblichen Körper, dann Bauplan X, wenn in einem männlichen Körper, dann Bauplan Y” kann hier eine vorteilhafte Anpassung bedeuten, die optimal an die Geschlechterrolle angepasstes Wachsen ermöglicht.

Da wir aber keinen fertigen Bauplan, sondern einen Wachsplan haben, benötigen wir Ausführungsanweisungen, die dem wachsenden Körper mitteilen, welchen Weg er nehmen soll. Bei einer Bauweise, die ohne Ausführungsanweisung auskommen kann, müßte zunächst der Bauplan komplett umgeschrieben werden, bis er nur noch eine Anweisung für Mann oder Frau enthält. Ein solches Umschreiben ist schwierig, weil es einmal die Geschlechter sehr weit auseinander driften läßt, einen kompletten doppelten Satz erfordert und der Umschreibemechanismus auch erst durch Evolution entstehen muss. Das Botenstoffsystem hingegen erlaubt eine wesentlich flexiblere Umsetzung.

Hormone können dabei genau diese Funktion übernehmen. Da Testosteron üblicherweise über die Hoden im weitaus höheren Maße im männlichen Körper vorhanden ist und Östrogene über die Eierstöcke im weitaus höheren Maße im weiblichen Körper vorhanden sind, sind diese für einen Einsatz als Botenstoffe prädestiniert. (hier zwei Studien als Beispiel für Hoxgene und Hormone EinsZwei)

Natürlich würde der Körper dann “Meßstationen” brauchen, die den jeweiligen Hormongehalt messen und den erreichten Wert weitergeben. Dies ist über Hormonrezeptoren der Fall. Gerade an Stellen, die einen Geschlechterunterschied aufweisen finden sich am Körper Hormonrezeptoren, die diese Werte ablesen.

Damit sind auch “schleichende Übergänge” möglich. Ein Hox-Gen, dass je nach der Höhe des angezeigten Wertes einen Wachs- oder Entwicklungsbefehl in eine bestimme Richtung gibt und das Wachstum oder die Entwicklung soviele Wachszyklen oder Entwicklungsschritt anhälten läßt, wie der Wert betragen hat (sehr vereinfacht ausgedrückt), kann dann (ggfs unter Aktivierung weiterer Hox-Gene im Laufe des Wachstums und unter Berücksichtigung der Art des Wachstums) bestimmte Bauweisen des fertigen Wesens zur Folge haben. Beispielsweise könnte bei Vorliegen eines gewissen Hormonstandes in dem Bereich, der räumliches Denken ermöglicht, dass Programm “Bilde vernetzte Gehirnzellen” bei hohem Testosteronstand häufiger abgerufen werden, wobei die Bildung der Zellen und deren Vernetzung dann nach anderen Steuerungsmechanismen erfolgt. Im weiteren Wachsen können diese “Gehirnzellen für räumliches Denken dann unter dem Einfluss vom postnatalen Testosteron und nach einem Anforderungsplan bei Training weiter ausgebaut werden.

Möglich ist auch, dass diese Steuerung nicht kontinuierlich erfolgt, sondern ab einem bestimmten Plan ein ganz anderes Wachstumsprogramm angesteuert wird. “Wenn der Testosteronwert X überschreitet, dann aktiviere Unter-Hoxgen 1, wenn dies nicht der Fall ist, dann aktivere Hoxgen 2″ wäre zB eine einfache Steuerung. Diese würde sich zB bei Attraktivitätsmerkmalen anbieten, da diese nicht schleichend, sondern je nach Geschlecht benötigt werden.

Der Unterschied wäre dann wie folgt: Männer und Frauen haben die gleichen Gene, mit Abzug des Y-Chromosoms, welches der Mann zusätzlich hat. Welche Gene aber ausgeführt werden kann am Hormonstand liegen. Der Hormonstand kann dabei sowohl über den Fötus selbst, die Mutter oder extern bereit gestellt werden. Demnach kann es durchaus einen Unterschied zwischen den Genen und den Hormonen geben.

Schönen Gruß und nix für ungut, crumar

Eh klar, ich freue mich immer über Kritik, wenn sie sachlich ist.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. September 2014

Wünsche und Verhalten

Da Elmar zumindest mal etwas konkreter geworden ist will ich natürlich auch darauf antworten:

Zuerst scheinen mir diese Beispiele interessant:

Darüberhinaus lassen sich Wünsche wie Präferenzen offenbar hierarisch anordnen – was wir hier schon einmal durchgekaut haben:

  • (4a) Nehmen wir an, daß A drogensüchtig ist. Dann könnte A sich unreflektiert und zügelos seiner Sucht hingeben. Dann bildet er bzgl. seines Wunsches nach der Droge keine Wünsche aus und wir würden A vielleicht als triebhaft süchtig bezeichnen. Von einer Freiheit, wünschen, was A will, kann man kaum sprechen, daß A ohne jede Reflexion jede Möglichkeit der Einflußnahme abgeht.
  • (4b) Doch A könnte seine Sucht auch ablehnen und sich deshalb zu einer Therapie entschließen. In diesem Fall hat A den Wunsch, den Wunsch nach der Droge nicht zu haben: A hat einen Wunsch zweiter Ordnung nach einem Wunsch und wir würden ihn als Süchtigen wider Willen bezeichnen, weil er nicht möchte, daß sein Wunsch nach der Droge auf seine Handlungen durchschlägt.
  • (4c) Doch A muß gar nicht soweit gehen. Er kann auch den Wunsch haben, nicht drogenabhängig zu sein, ohne daß dieser Wunsch zweiter Ordnung in seinen Handlungen durchschlägt. In diesem Fall würde wir uns vorstellen, wie A abends mit seiner Droge am Kamin sitzt, sie verflucht, seufzt, wie schön er ohne die Droge leben könnte und sich Tagträumen über sein drogenfreies Leben macht – gerade unter dem verstärkenden Einfluß der Droge. Auch in diesem Fall ist A frei, zu wünschen, was er wünschen will, aber er macht von dieser Freiheit keinen Gebrauch.

Wäre A nur ein Knecht seiner Wünsche erster Ordnung, würden wir A nicht als frei und folglich nicht als autonom betrachten. (4b) zeigt auch, daß es Wünsche zweiter Ordnung gibt, deren Objekte Wünsche erster Ordnung (hier: nach der Droge) gibt. (4c) zeigt sogar, daß die Frage, ob der Wunsch zweiter Ordnung in den Handlungen von A durchschlägt, eine Rolle spielt für das Porträt, daß wir von A als Person zeichnen. (4) ist daher klarerweise ein gutes Motiv, zu glauben, daß gilt:

  • Entscheidungen sind nur dann eigene Entscheidungen, wenn bei ihrer Entstehung Wünsche oder Präferenzen mindestens zweiter Ordnung mitgewirkt haben.

Daß Wünsche hierarchisch angeordnet werden können, spielt daher eine wichtige Rolle beim Verständnis von Personen – hier gibt es dazu Beispiele.

Hier scheint mir bereits eine erste Abweichung vorzuliegen in dem Verständnis gerade von körperlich erzeugten Wünschen. Denn Elmar betrachtet das Thema Drogen sehr abstrakt und dabei geht aus meiner Sicht der eigentliche Gehalt einer Sucht verloren.

Wenn A nämlich drogensüchtig ist, dann aktivieren bestimmte Substanzen sein körpereigenes Belohnungssystem und lassen ihn Glück und Hochgefühle erleben. Im Körper wird dies als gute Erfahrung abgespeichert und es entsteht der Wunsch, diese Gefühle nochmals zu haben. Dabei haben diese Wünsche Auswirkungen auf sein Denken und Handeln: Sein Denken wird immer mehr auf eine Art gefärbt, die sich mit diesen Substanzen beschäftigt, wenn er zu lange diese Substanz nicht hat. In sein Denken schleichen sich immer wieder Fragen an, wie er an die Substanz kommt. Der Wunsch danach führt bei starken Drogen dazu, dass der Süchtige zwischen dem Drogenrausch und Tätigkeiten, die ihm schnell weiteren Zugriff auf die Substanz ermöglichen, hin- und herpendelt.

Der Satz “Er könnte seine Sucht auch ablehnen und sich deshalb zu einer Therapie entscheiden” muss für jeden, der sich mit härteren Drogen auskennt, geradezu grotesk klingen. Denn die Entscheidung dafür, dass man keine Drogen mehr nimmt, kann man nicht im gleichen Maßt rational treffen und umsetzen wie die Frage, ob man ein Auto in der Farbe Silber oder Schwarz nimmt. In gewissen Phasen wird der Süchtige von den Drogen wegkommen wollen, er wird aber gleichzeitig den starken Wunsch verspüren, wieder Drogen zu nehmen. A ist, wenn er von Drogen wegkommen will, nicht frei zu wünschen, was wünschen will. Er ist in einem Konflikt zwischen seinem rationalen Denken, dass ihm bewusst macht, dass ihm die Drogen sein Leben kaputt machen, und dem Wunsch, wieder den gleichen Kick zu erfahren, den Rausch, die Probleme hinter sich zu lassen, die Handlung “Nehmen von Drogen” durchzuführen, die ihm sein Körper bzw. sein Gehirn als sehr wichtigen Wunsch vorgibt.

Die Droge ist nichts absolut künstliches, was neben dem Wünschen steht. Sie erzeugt über den Funktionsweise unseres Gehirns, zB das Belohnungssystem, direkte Wünsche, die der betreffende auch als ein Wollen, einen Wunsch wahrnimmt. Gleichzeitig kann das Gehirn auch über die negativen Folgen der Drogen den Wunsch aufbauen, diese nicht mehr zu nehmen. Beide Wünsche stehen dann nebeneinander und sind nicht unbedingt logisch gebildet. Der Wunsch nach der Droge hat allerdings den “Vorteil”, dass er auf ein sehr kurzfristig zu erreichendes Ziel, eine direktere und einfachere Suchtbefriedigung ausgerichtet ist als der Vorgang des Entzugs.

Die Drogensucht in ein rationales Handlungs- und Wünschesystem einzustellen, ohne sich den Charakter als Wunsch bewußt zu machen, macht es dann sicherlich einfacher, die Biologie auszuklammern. Das ist aber ein schlichtes Wegdefinieren und nicht wirklich eine Behandlung der Frage, wie sich körperlich erzeugte Wünsche im Konflikt mit rationalen Denken auswirken

Elmar scheint mir hier einfach bereits eine künstliche Trennung in rationale Gründe und Triebe vorzunehmen und nur bei letzteren überhaupt von Wünschen zu sprechen. Wenn aber Wünsche nur das ist, was sich aus rational ermittelten Motiven ergibt, aus dem Verstand, welches das Wollen bestimmt, dann hat man per Definition den biologischen Anteil ausgeklammert.

Nun aber zu seinen Theorien zur Biologie:

IV. Kurzes Innehalten: Wie hälst du’s mit der Biologie?

Es ist an dieser Stelle leicht absehbar, daß viele – aber nicht unbedingt alle – Bedürfnisse eine biologische Quelle haben: Daß ein Säugling nicht frieren, hungern oder eine volle Windel nicht spüren will, ist vermutlich eine Sache mit der er auf die Welt gekommen ist. Auch für sehr elementare Präferenzen mag das gelten.

Da würde sich dann die Trennung auch weiter Auswirken. Bedürfnisse und Wünsche werden insoweit getrennt. Dass diese Bedürfnisse dann selbst zu Wünschen und dann wieder zu Handlungen führen können, geht etwas unter. Darauf aufbauend können biologisch erzeugte Bedürfnisse wohl auch nur Elementar sein, also eben die Grundbedürfnisse abdecken. Alles Höhere ist dann wohl eher die rationale Umsetzung der Bedürfnisbefriedigung: “Ich habe das Bedürfnis Drogen zu nehmen, entscheide mich aber rational für die Umsetzung meines Wunsches, eine Therapie zu machen”. Das hier viel irrationales hineinspielt und Wünsche disponiert, was so ziemlich das gesamte Problem einer Umsetzung des Wunsches, einen Drogenentzug zu machen, betrifft, dass geht vollkommen unter.

Doch während die Voreiligen an dieser Stelle bereits innerlich aufjubeln, ist anderen klar, daß das Grab der Vulgärbiologismus anfängt, Formen anzunehmen. Und zwar so:

“Das Grab des Vulgärbiologismus”. Mal schauen, ob Elmar hier tatsächlich eine Liegestätte für den diesen ausbuddelt oder eher sein eigenes (argumentatives) Grab.

  • i) Gäbe es nur Bedürfnisse, dann wäre die deterministische Grundintuition des Vulgärbiologismus und ihre biologische und evolutionäre – leider auch völlig akzidentielle – Verbrämung ein stärker Gegner – keine Frage. Doch da es noch mehr Pro-Einstellungen gibt, bleibt die Diskussion an dieser Stelle erst mal offen.

 

  • ii) Der Vulgärbiologismus hat die Idee, daß wenigstens die Bedürfnisse biologischer Provenienz etwas Zwingendes für die Entscheidungen im Rest des menschlichen Daseins an sich haben. Wenn man jedoch zeigen kann, daß diese Bedürfnisse untergehen oder wenigstens durch andere Pro-Einstellungen überlagert oder überschrieben werden können, dann könnte man eventuell eine persönliche Freiheit unserer Entscheidungen etablieren, die verständlich macht, daß Menschen im Laufe ihres Lebens wirklich dazulernen, sich über ihre biologischen Dispositionen erheben können, und daher der kulturelle Anteil an jeder Entscheidung dominiert – falls die Person jahrelang brav an sich gearbeitet hat. Das kostet einen weiteren post.

Natürlich können Leute auch gegen ihre Biologie handeln. Ein einfaches aber aus meiner Sicht durchaus extremes Beispiel wäre ein Homosexueller, der – beispielsweise aufgrund eines strikt christlichen Hintergrundes – seine Homosexualität als schlecht ansieht und daher von dieser “geheilt” werden möchte. Er lebt dann in einer heterosexuellen Beziehung mit einer Frau und 3 Kindern. Solche Fälle kann ich mir problemlos vorstellen. Aber wird man hier wirklich argumentieren, dass er hier frei handelt, dass die biologischen Vorgaben und seine seit der Geburt vorliegenden Partnerwahlkriterien überschrieben worden sind?

Eher wird man davon ausgehen, dass er sich etwas vormacht. Er wird voraussichtlich sehr wenig Sex mit seiner Frau haben. Er wird wahrscheinlich beim Anblick von sexuell für ihn interessanten Männern immer noch den Reiz spüren und die Wahrscheinlichkeit, dass er irgendwo eine paar Nacktbilder von attraktiven Männern versteckt hat und dazu masturbiert oder das er sich gelegentlich in ein schwules Badehaus schleicht sind groß. Ebenso groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihn sein Versuch, gegen seine biologische Veranlagung zu leben sehr schwer fällt, vielleicht zu erheblichen seelischen Problemen führt, ihn Kraft kostet. Hier wurde ja bereits mit erheblichen Druck gearbeitet: Homosexualitätwurden in früheren Zeiten sogar mit dem Tode bestraft. Es dürfte kaum eine höhere Motivation geben, sich über seine biologischen Grundlagen hinwegzusetzen und diese einfach zu “überschreiben”. Anscheinend ist es dennoch vielen nicht gelungen.

 

Dass man Homosexualität biologisch begründen kann, dass mag für Elmar dann wieder “Vulgärbiologismus” sein, aber die Fakten sprechen aus meiner Sicht dafür. Wenn er das aus seiner Kritik ausklammern würde, dann würde ich mich fragen, wie das in seine Theorien passt: Wenn man in diesen Bereich Verhalten biologisch festlegen kann, nämlich in dem Sinne, dass bestimmte Begehren bewirken, dass man nur mit einem bestimmten Geschlecht Sex haben will, warum sollen diese gleichen Funktionsweisen nicht auch in den anderen Bereichen wirken können?

Dass dies im Geschlechterbereich auch an anderen Stellen vorkommt, das wird an verschiedenen Fällen deutlich:

  • Bei CAH handelt es sich um einen Zustand, bei dem die Nebennierenrinden zuviel von unter anderem Testosteron produzieren und dies bereits vor der Geburt, also pränatal. Bei Mädchen mit CAH zeigt sich ein eher für Jungs typisches Verhalten, sie spielen eher wie Jungs und sie verhalten sich auch später eher wie Männer. Diese Frauen wählen auch später eher als andere Frauen technische oder anderweitig männerlastigere Berufe
  • Fälle wie David Reimer und andere seiner Art, etwa auch aufgrund cloacal exstrophy (einer Konstellation, bei der direkt nach der Geburt aufgrund Deformationen und fehlenden Penis bei männlichen Babies eine Operation durchgeführt werden muss, die zu einigen weiteren Konstellationen wie David Reimer führte) machen deutlich, dass man sich nicht einfach entscheiden kann, wie man leben will, sondern das man Abweichungen zu seinen biologischen Vorgaben als starke Belastung empfinden kann.
  • Transsexualität als Wechsel zwischen den Geschlechterrollen verläuft in Familien und ist insoweit erblich, andere Varianten wie Alternating gender incongruity (AGI) fügen sich gut in diese Theorien ein.
  • Auch sonstige soziale Experimente wie etwa das Kibbuz sind gescheitert, obwohl in diesen gerade versucht wurde “Hart an sich zu arbeiten” und im Sinne der dortigen Ideologie “dazuzulernen”.
  • Und wenn man Leuten mehr Freiheiten lässt, dann nutzen sie diese nicht, um im Elmarschen Sinne frei von den Vorgaben der Biologie zu werden, sondern eher dazu, dieser zu folgen, weil sie eben genau das als Freiheit empfinden: So zu sein, wie sie sein wollen.

Elmar stellt also die falschen Frage, wenn er fragt, ob sich die Leute über ihre biologischen Disopositionen erheben können. Es geht eher darum, warum ihnen dies überhaupt sinnvoll erscheinen sollte und warum sie die damit verbundenen Kosten auf sich nehmen sollen. Zudem sprechen diese Punkte auch dagegen, dass es möglich ist, diese Erfahrungen tatsächlich komplett überlagern und überschreiben können. Eher scheinen sie sie häufig unterdrücken zu müsse, verbunden mit einem stetigen Kampf darum, sie nicht hochkommen zu lassen.

  • iii) Wenn der Determinismus aber nicht zwingend ist, dann haben Menschen eine Chance – wenngleich keine Garantie – auf personale Autonomie.

Auch hier müsste Elmar aufteilen:

  1. kann man sich gegen seine Disposition verhalten?
  2. welche Folgen haben in diesem Zusammenhang neue Erfahrungen? Führen sie zu einem Überlagern oder einem Überschreiben der biologischen Disposition?
  3. Welche Kosten sind damit verbunden, sich gegen seine Disposition zu verhalten?
  4. wenn damit Kosten verbunden sind: Warum sollte das Individuum sie dann tragen wollen?

Meine Antworten wären

  1. Ja, man kann.
  2. Erfahrungen können natürlich in einigen Bereichen dazu führen, dass man eine neue Form der Ausformung findet und gerade in Bereichen, in denen der biologische Einfluss gering ist, kann man auch über neue Erfahrungen sehr weitgehend sein Verhalten neu gestalten. In einigen Bereichen ist der biologische Anteil allerdings relativ hoch und ein Überschreiben nicht möglich, man kann diesen dann lediglich unterdrücken. Dann lebt man häufig etwas, in dem man sich nicht wohl führt. Das kann ein Verhalten sein, dass zu dem “äußeren Geschlecht” passt oder auch ein Verhalten, welches eben gerade nicht zu dem “äußeren Geschlecht” passt.
  3. Damit, sich gegen seine Dispositionen zu verhalten, können ganz enorme Kosten verbunden sein. Es kann sich “falsch” anfühlen, keinen Spass machen, man kann sich zu einem anderen Verhalten sehr stark hingezogen fühlen und entsprechend versuchen, sich so verhalten zu können. Der Versuch, jemanden entgegen dieser Dispositionen zu erziehen, kann dann sogar dazu führen, dass er diese im Gegenzug noch stärker ausbildet, da er eine Erziehung in die von ihm als falsch empfundene Richtung, ablehnt.
  4. Es sind Gesellschaften möglich, in denen es sinnvoll ist, diese Kosten zu tragen. Um so höher aber die Kosten erscheinen, um so eher wird derjenige, sie vermeiden wollen. Freiheit ist dann nicht, sich entgegen dieser zu verhalten, sondern sich entsprechend dieser verhalten zu können.

Elmar weiter:

Wir erinnern uns, daß personale Autonomie zwei approaches hat: einen prozeduralen der Entscheidungsentstehung und einen strukturellen der Entscheidungsbegründung.  Es ist klar, daß der von Feministen bevorzugte Ansatz der prozeduralen Entscheidungsentstehung viel bessere Chancen hat, mit einem Determinismus verträglich zu sein, als der strukturelle Ansatz der Entscheidungsbegründung. Schon aus diesem Grunde ist leuchtet ein, daß der Vulgärbiologismus nicht unbedingt die schärfste Waffe gegen Feminismus sein wird – aus begrifflichen Gründen muß es schärfere Waffen geben. Doch dafür muß man zeigen, daß personale Autonomie am besten analysiert wird, durch den strukturellen Ansatz der Entscheidungsbegründung – in einem zweiten post (wenn das mal reicht).

Ich finde Argumentationen vom Ziel her immer sehr schwach. Selbst wenn man eine “bessere Waffe” gegen den Feminismus haben könnte ändert das ja nichts daran, wie etwas erst einmal ist. Wenn die biologischen Theorien die sind, die am ehesten die Wahrheit abbilden, dann kommt es nicht darauf an, ob man auf anderem Wege den Feminismus noch umfangreicher ablehnen könnte. Denn diese anderen Wege hätten dann eben den Nachteil, dass sie falsch wären. (Sicherlich wäre es besser, wenn 10 Soldaten + 10 Soldaten 1010 Soldaten geben würde, aber deswegen gewinnt man den Kampf gegen den Feind, der mit 500 Mann anrückt trotzdem nicht, auch wenn es auf dem Papier gut aussieht).

Aber auch ansonsten ist das Argument aus meiner Sicht falsch: Im Feminismus entsteht die Entscheidung aufgrund einer sozialen Determinierung durch die Geschlechterrollen. Das wichtigste Ziel des Feminismus ist demnach eine Gesellschaft zu schaffen, in der die Gesellschaft so ausgerichtet ist, dass jeder sich frei entscheiden kann. Mit dem biologischen Ansatz hingegen muss diese Theorie aufgegeben werden: Die Häufungen bei den Geschlechterrollen wären dann weit weniger durch gesellschaftliche Umwandlung zu verändern. Die Abweichungen von den Häufungen wären dann nicht mehr Zeichen dafür, dass die Geschlechterrollen falsch sind und aus ihnen ausgebrochen werden sollte, sondern einfach andere biologische Grundlagen des Individuums aus dem man wenig gegen die anderen Häufungen herleiten kann: Im Gegenteil: Wenn man will, dass jeder so leben kann, wie er will, dann wird dies eben zu gewissen Häufungen nach Geschlecht führen und gerade nicht zu einer Gesellschaft, in der Geschlecht statistisch keine Rolle mehr spielt für die Frage, wer sich wie verhält. Was Elmar genau vertritt weiß man nicht. Aber nach bisherigen Andeutungen scheint die Entscheidungsentstehung bei ihm ja auch auf bestimmten Erfahrungen zu beruhen, die gerade Männer oder Frauen machen. Etwa “Weil Jungen mehr Herausforderungen erleben, Frauen aber alles auf dem Silbertablett präsentiert wird, verhalten sich Frauen so oder so”. Das ist im Vergleich zum Feminismus wesentlich näher als die Biologie, denn so muss man nur die Begründung diskutieren, welche Erfahrungen maßgeblich sind. Der Feminismus wird die Erfahrungen aufgrund von Geschlechterrollen für wichtig halten, Elmar die von ihm ausgesuchten Erfahrungen aufgrund der Geschlechterzugehörigkeit.

  • iv) Danach muß gezeigt werden, daß der strukturelle Ansatz der Entscheidungsbegründung, der bei der Analyse personaler Autonomie verwendet wurde, nicht nur mit Wünschen und Präferenzen arbeitet, sondern auch genau diejenigen Freiheiten aussschöpft, die Menschen gegenüber ihren Bedürfnissen haben – in einem dritten post. Kann man das zeigen, dann kann man diese philosophische Position antifeministisch nennen. Ich habe das hier immer getan.

Dazu muss man natürlich erst einmal genau untersuchen, welche Freiheiten der Mensch hat und unter welchen Umständen er sie ausüben will.

  • v) Stimmt das alles, dann muß es eine Klasse von Handlungen geben, die der Vulgärbiologismus nicht erklären oder voraussagen kann – Handlungen ohne Motive sozusagen. Die Existenz dieser Klassen von Handlungen nachzuweisen, wäre der empirische Test meiner Argumentation – vierter post. Insbsondere würde aus solchen Beispielen folgen, daß Christians Gesetze der Verhaltensgenetik nicht stimmen können.

Wer behauptet denn, dass man Verhalten vollumfänglich vorhersagen kann? Natürlich gibt es neutrale Handlungen, bei denen die Biologie einen geringen Einfluss hat. Und natürlich gibt es auch zwischen den Menschen erhebliche Unterschiede. Die Existenz von Asexuellen beispielsweise zeigt aus meiner Sicht, dass man Interesse an Sex trotz dessen ganz entscheidender Bedeutung für evolutionäre Theorien nicht annehmen kann. Gleichzeitig spricht sie wiederum für einen biologischen Hintergrund von Sex, denn diese Leute können in bestimmten Ausprägungen von Asexualität häufig das Konzept von Sex an sich nicht verstehen, obwohl ihnen dies das Leben in unserer Gesellschaft sehr kompliziert macht. Die biologischen Theorien behaupten nicht, dass alles biologisch determiniert oder auch nur disponiert ist. Allerdings ist es in vielen Fällen natürlich auch eine Frage, wie weit man bestimmte Konzepte zieht: Das Spielen von Videospielen könnte man als Handlung zum Zeitvertreib sehen, allerdings auch als Flucht in eine Welt, in der man biologische Bedürfnisse wie Status erwerben, Aufgaben meistern etc lösen kann. Dass diese Aufgaben real überhaupt keine reale Funktion erfüllen, sondern einem nur farbige Pixel auf einem Bildschirm angezeigt werden, muss das Erlebnis nicht schmälern, dass Spiel X durchgespielt zu haben und zB die gallischen Provinzen mit der römischen Armee eingenommen zu haben.

Wie er genau daraus ableiten will, dass die “Gesetze der Verhaltensgenetik” deswegen nicht stimmen (die auch nicht von mir aufgestellt worden sind, sondern von Turkheimer) erschließt sich mir auch nicht. Die Regeln lauten:

First Law: All human behavioural traits are heritable.
Second Law: The effect of being raised in the same family is smaller than the effect of the genes.
Third Law: A substantial portion of the variation in complex human behavioural traits is not accounted for by the effects of genes or families.

“Behavioural Traits” sind solche Verhaltenszüge, die innerhalb einer Spezies, hier den Menschen vorliegen. Demgegenüber stellt Elmar auf allgemeine Handlungen ab, also etwas vollkommen anderes. Zudem sagt Turkheimer auch nicht, dass sie genetisch determiniert sind, sondern nur, dass sie einen vererblichen Anteil haben, dass also ein gewisser Anteil der Unterschiede in diesem Bereich auf die Biologie zurück zu führen ist, ein anderer auf die Umgebung (dabei allerdings auch die vorgeburtliche Umgebung etc), ein weiterer auf die Erfahrungen etc.

v) Und wer jetzt noch den Überblick und nichts falsch gemacht hat, der kann versuchen, sich von diesem Standpunkt aus zu überlegen, wie eine Theorie der Geschechter auszusehen hat. Dabei sollte allerdings an dieser Stelle schon eines glasklar sein: Wenn man unter diesen Umständen eine Theorie der Geschlechter finden kann, dann wird es keine Theorie der Klasse der Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen sein, sondern eine Theorie über weibliches Handeln – genau wie vorhergesagt.

Elmar ist zuzustimmen, dass es keine Theorie ist, die einfach nur auf die Geschlechtsorgane abstellt. Denn statt der Geschlechtsorgane ist die Wirkung der pränatalen und postnatalen Hormone viel interessanter. Recht eindeutig sieht man das bei Transsexuellen, aber auch bei CAH-Mädchen oder CAIS. Innenliegende Hoden können trotzdem Testosteron produzieren, produziertes Testosteron kann nicht erkannt werden, Umwandlungen an der Blut-Hirn-Schranke können scheitern, es gibt viele Gründe aus denen uns die Geschlechtsorgane sehr wenig sagen.

Das es eine Theorie sein wird, die lediglich das Handeln betrachtet finde ich dann sehr unwahrscheinlich. Um die Biologie kommt man bei einer Theorie der Geschlechter  nicht herum.

vi) Zusätzlich sollte der dann entwickelte Standpunkt es erlauben, auf seriöse Weise mit der Dateninterpretation aus einer Unzahl von Studien, die EvoChris immer raussucht fertig zu werden.

Das wäre mal ein interessanter Ansatz von dem ich hoffe, dass Elmar ihn weiter verfolgt: Mal was konkretes zu Studien sagen. Meiner Meinung nach wäre es natürlich einfacher, sich erst einmal die Daten der Studien zu betrachten und daraus eine Theorie zu entwickeln als erst ohne Kenntnis der Forschung eine Theorie in den Raum zu stellen und dann zu schauen, wie man die Studien weg bekommt. Aber gut

Auch das – der fortgesetzte Nachweism daß Biologen ihre eigenen Daten nicht verstehen, wäre ein empirischer Test meiner Theorie.

Allerdings wäre es auch ein empirischer Test, wenn sich herausstellt, dass die Biologen ihre Daten verstehen und diese mit der Theorie von Elmar nicht in Einklang zu bringen sind. Letzeres würde ich eher vermuten.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 14. September 2014

Vom Verlassen und Verlassen werden, vom Betrügen und Betrogen werden

Irgendwie gerät er ins Reden über Frauen und Männer. Ich halte mich relativ zurück, eigentlich will ich nach Hause, aber er redet munter vor sich hin. Über seine Vorstellungen zu Beziehungen, über dies und das. Ein Rat an die Jugend quasi. Er ist älter als ich, etwa 10 Jahre. So richtig weiß ich nicht, was ihn zum Reden gebracht hat. Es sollte eher ein kurzes Bier nach dem Geschäftlichen werden.

Eine seiner Thesen gebe ich hier mal wieder:

Man weiß erst, wie Liebe wirklich ist und wie Beziehungen funktionieren, wenn man einmal verlassen hat, und einmal verlassen wurde. Und wenn man einmal betrogen wurde und – auch wenn es nichts ist, worauf man stolz sein sollte –  einmal betrogen hat.

Was sagt ihr?

Older Posts »

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: