Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 1. Oktober 2014

Frauen, Feministinnen und Feindbilder

Leser Carnofis schreibt auf einen (mitzitieren) Absatz von Adrian:

“Und wenn ein nicht genehmer Mann es wagt, sich anlocken zu lassen, dann nennt frau das “Sexismus”, “sexuelle Belästigung” oder, wenn sie ganz “progressiv” drauf ist, “Rape Culture”.”

Lassen wir doch die Kirche mal im Dorf. Von wie vielen Frauen kommt denn dieser Vorwurf?
Klar, junge Frauen zeigen, was sie zu bieten haben und locken damit logischerweise neben den 5 Mr. Right noch 100 Mr. No an. Dass die auch in den Ausschnitt schielen ist lästig, wird aber von 98% der Frauen mehr oder weniger achselzuckend so in Kauf genommen.
Sexismus wird es erst, wenn sie von einer Feministin gefragt werden – nein, nicht, ob sie sich belästigt fühlten, sondern – ob ihnen schon mal ein Mann in den Ausschnitt gestiert hat. Es ist wie mit der Gewalt: nicht das angebliche Opfer definiert sie, sondern eine außenstehende Interessengruppe.
Wenn eine Frau auf die Frage “Übernimmt Ihr Mann im Haushalt die Hälfte der Arbeit?” mit “Nein”antwortet, dann wird sie darin wohl kaum einen Akt der Gewalt sehen.
Wohl aber die Fragende, denn das Definitionsmonopol für häusliche Gewalt behält sich die Truppe um BIG vor. Und danach ist – allgemein formuliert – alles Gewalt, was von einem Mann kommt und bei einer Frau Unbehagen auslöst. Dazu gehört auch mangelnde Hilfe im Haushalt.
Vieles, was hier argumentiert wird, ist mir zu plakativ, zu sehr “Frau=Feministin=verschlagen”.

Das ist aus meiner Sicht etwas, was man sich hier immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte. Vieles in dem Bereich wird erst künstlich zum Feindbild aufgebaut – von beiden Seiten.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 30. September 2014

Der Sex-Dämon Mann

Nick kommentiert zum eigentlichen roten Faden innerhalb der Wellen des Feminismus:

Der rote Faden war und ist und bleibt der (sex-)Dämon Mann.

Die eigentlichen Pole in der Geschichte des Feminismus sind wohl Agency vs. Hypoagency. Also, auch wenn es zunächst paradox erscheint, pro und contra Patriarchat.

Die “Wellen” scheinen mir recht ähnlich zu verlaufen: Sie fangen als Bewegung für Agency an und hören als Bewegung gegen Agency auf:

– Die “erste Welle” fing, mitte des 19. Jahrhunderts, als Bewegung für das weibliche Bürgerrecht an. Ende des 19. Jahrhunderts ging es dann hauptsächlich um “male vice” und um “white slavery” (die angeblich pervasive sexuelle Vesklavung der unschuldigen weißen Frau)

– Die “zweite Welle” fing mit der Langeweile der Hausfrau in den neuen Suburbs an (Betty Friedan). Ab mitte der 1970er ging es dann wieder ausschließlich um die angeblich allgegenwärtig vergewaltigte und verprügelte Frau, die dringendst eines allgegenwärtigen Schutzes bedürfe. Das Equal Rights Amendment scheiterte vor allem am Widerstand von Frauen.

– Die “dritte Welle” fing – jenseits der aktuellen Verklärung “akademischer” Biotope als “Inklusion nichtweißer Frauen”, sofern man also diese Welle überhaupt als gesellschaftlich relevante Strömung sehen will – als Gegenbewegung zur rigiden Sexnegativität der zweiten Welle an, und endet aktuell mit der ausufernden “rape-culture”-Panik der Valentis, Friedmans und Wizoreks.

Frau scheint mir regelmäßig angst vor der eigenen Courage zu haben, wobei der Konjunkturverlauf des männlichen Sexdämons wohl ganz klar den Verlauf des Rufes nach dem Schutz durch das Patriarchat abbildet.

Das Weib ist wohl tendenziell .. etwas hin- und hergerissen zwischen dem Bedürfnis nach Freiheit und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Infolgedessen tauchen immer wieder Bewegungen auf, die die Quadratur des Kreises versprechen (“You can have it all!”), die aber offenbar am Ende regelmäßig von der Angst vor der Freiheit dominiert werden – was regelmäßig seinen Ausdruck in der Beschwörung des männlichen Sexdämons findet. Bis dann wieder die Gegenbewegung aufkommt, die zunächst “antifeministisch” ist, bis diese dann sich in einem “neuen” Feminismus” niederschlägt, der dann bald wieder von der Angst vor der Freiheit beherrscht wird..

Unterbrochen wurde der Zyklus offenbar nur vom WKII. Auch im Jahrzehnt davor und danach hatte man offenbar existenziellere Probleme.

Auf AVFM habe ich neulich ein bemerkenswertes Zitat entdeckt:

The Modern Girl with the lipstick and the cocktail is as much a rebel against the Woman’s Rights Woman of the ’80’s, with her stiff stick-up collars and strict teetotalism, as the latter was a rebel against the Early Victorian lady of the languid waltz tunes and the album full of quotations from Byron; or as the last, again, was a rebel against a Puritan mother to whom the waltz was a wild orgy and Byron the Bolshevist of his age. Trace even the Puritan mother back through history and she represents a rebellion against the Cavalier laxity of the English Church, which was at first a rebel against the Catholic civilisation, which had been a rebel against the Pagan civilisation. Nobody but a lunatic could pretend that these things were a progress; for they obviously go first one way and then the other. But whichever is right, one thing is certainly wrong; and that is the modern habit of looking at them only from the modern end.

–GK Chesterton, “St. Thomas Aquinas – The Dumb Ox,” 1933.

http://www.avoiceformen.com/gynocentrism/breaking-the-pendulum-tradcons-vs-feminists/

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 29. September 2014

Nochmal zum egoistischen Gen

Djadmoros schreibt in einem Kommentar:

Der von Christian favorisierte evolutionspsychologische Ansatz mit seiner starken, »dawkinsschen« Betonung des »egoistischen Gens« ist ja auch nicht das einzige Modell einer verallgemeinerten Evolutionstheorie, das zur Debatte steht, und einen biologischen Reduktionismus wird auch eine Soziologie, die für biologisch-anthropologische Forschungen aufgeschlossen ist, zu Recht nicht mitmachen.

Die “starke Betonung des egoistischen Gens” ist gegenwärtig – abgesehen von einigen wenigen, die Gruppenselektion als Theorie diskutieren – aus meiner Sicht in der Evolutionstheorie absolut vorherrschend. Und das mit gutem Grund. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass jemand, der nicht versteht, warum das “egoistische Gen” so wichtig ist, die Evolutionstheorie schlicht nicht verstanden hat.

ich füge hier noch einmal einen Text aus der Wikipedia ein:

Dawkins geht von der Überlegung aus, dass in der Evolutionsforschung eine Zeit lang Arten als Einheit der Selektion angesehen wurden (Arterhaltung). So heißt es in älteren Dokumentationen oft: Tiere „opfern sich zum Wohl der Art“. Inzwischen geht die allgemeine Tendenz jedoch eher in die Richtung, einzelne Individuen und ihre Konkurrenz um Ressourcen in den Vordergrund zu stellen. Dawkins denkt diesen Ansatz radikal weiter: Warum sollten nicht die Genabschnitte einzelner Chromosomen selbst mit den gleichen Genabschnitten anderer Chromosomen miteinander „im Wettstreit stehen“? Denn zumindest Lebewesen, die sich sexuell vermehren, können ja nicht als ganze Individuen in die nächste Generation weitergegeben werden, sondern nur eine mehr oder weniger willkürliche Auswahl ihrer Gene. Insofern besteht eine Konkurrenz der Gene um ihre Verteilung in der nächsten Generation, an den jeweils entsprechenden Stellen im Chromosomensatz.

Besonders allele Gene stehen in direkter Konkurrenz, also solche, die an der gleichen Stelle im Genom sitzen können und die gleiche Aufgabe erfüllen, sich aber darin voneinander unterscheiden können, wie sie diese Aufgabe erfüllen. Gene müssen deshalb immer „egoistisch“ sein, das heißt in diesem Zusammenhang ihre Verbreitung auf Kosten von anderen Genen vergrößern (wobei der „Egoismus“ der Gene sich freilich nur als anschauliches Bild versteht – Gene haben weder Gefühle noch Absichten). Es lässt sich nur auf die Vergangenheit schauend erklären: Ist ein Allel heute noch vorhanden, folgt daraus, dass es sich egoistisch (hier im Sinne von darwinistisch evolutionär) gegen andere durchgesetzt hat. Andere Allele, mögen sie noch so funktionell für ihre Träger gewesen sein, sind unterlegen und verschwunden – entweder aufgrund ihrer eigenen evolutionären Unterlegenheit oder jener der sie begleitenden Allele.

Meine Ausführungen dazu finden sich hier.

Nur mit dem Verständnis, dass das Gen das wichtige Element ist, und das die Gene im Genpool bleiben, deren Auswirkungen dazu beitragen, dass möglichst viele weitere Kopien des Gens im Genpool bleiben, kann man die Gedanken der Evolutionstheorie nachvollziehen. Nur so erklären sich Verwandtenselektion und viele andere Vorgänge, die vielleicht sogar schädlich für einen der Genträger sind (zB Warnrufe beim Auftauchen von Fressfeinden). Nur so wird einem auch deutlich, dass so etwas wie das “Glück” der Person oder sein Überleben nur eine sehr untergeordnete Rolle als Wert an sich spielen.

“Zum “biologischen Reduktionismus”: Wer die besseren Argumente hat wird sich eben durchsetzen. Ob eine Forschungsrichtung das dann mitmachen möchte sagt über die diesbezüglichen Wahrheiten der Theorie wenig aus. Bisher können die biologischen Theorien denke ich vieles am menschlichen Verhalten gerade in Kombination mit Spieletheorie am besten erklären – nicht einzelne Handlungen oder Personen in der Geschichte, aber menschliches Verhalten an sich.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 28. September 2014

Feministische Forderungen und ihre Gegenstücke

Georg hat eine interessante Umformulierung und Übertragung von Ansprüchen, die typischerweise als feministische Forderungen geltend gemacht werden auf Männer vorgenommen.

Women should be economically and socially independent. They shouldn’t rely on men to take care of them. Men should not be economically and socially responsible for women. They shouldn’t be expected to take care on women.
There is no such thing as a “man’s job.” It is wrong for men to be given preference for any job position, even if women traditionally aren’t in that field. There is no such thing as a “natural motherhood”. It is wrong for women to be given preference in child custody, even if men traditionally aren’t in that field.
Men and women should be held to the same sexual standards. If men can sleep around without judgment, women should be able to as well. Men and women should be held to the same standards of sexual abuse and violence. If women feel harassed and receive help for unwanted sexual advances and violent threats, so should men in the same manner. Violence against men should be equally condemned as violence against women.
Women should take an equal role in dating. Women should ask out people they are interested in and take their turn in paying. Women should take an equal role in dating. Men should be asked out by people who have an interest in them and not expected to pay always or most of the time.
Women should accept their bodies as they are. Women should not have to conform to wacky beauty ideals. Men should accept their economic situation as they are. Men should not have to conform to wacky wealth status ideals.
A woman should be able to marry and have kids with anyone she wants – including another woman. A man should be able to marry and have kids with anyone he wants – including another man.
Women should have the right to choose any path in life – from being a stay at home mom to a Fortune 500 CEO. Men should have the right to choose any path in life – from being a Fortune 500 CEO to stay at home dad.
Women should be encouraged to pursue education as much as men are. In education, men and women should be held to the same standards when being graded.
Women should have legal, easy access to all types of birth control – including the morning after pill. Men should have legal, easy access to all types of birth control – the research on the pill for men should be supported.
You would support a woman for president (if you agreed with her politics). You would support an unmarried man for president (if you agreed with his politics).
Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. September 2014

Selbermach Samstag 103 (27.09.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 27. September 2014

Emma Watson, Partnerwahl und Männlichkeit

Mundd berichtet über einen interessanten Artikel, der die Partnerwahl von Emma Watson ins Verhältnis zu einer Aussage von ihr setzt:

Ihre Aussage bei Twitter:

 

Gender equality not only liberates women but also men from prescribed gender stereotypes. #heforshe

Grundsätzlich hat sie damit natürlich recht. Es gibt verschiedenste Gender Stereotype, die nachteilig für Männer sind.

Allerdings scheint ihre Partnerwahl doch sehr stark auf Gender Stereotypen aufzubauen, wie der verlinkte Artikel zutreffend ausführt:

Ri-iiight. Because what guys really need is to be liberated from “prescribed gender stereotypes.” All the hot babes like Emma Watson are crazy for guys who don’t fit “prescribed gender stereotypes,” right? So you will probably be surprised to learn that Emma Watson is dating a bald scrawny impoverished poetthe biggest jock at an elite university:

According to a multiple outlets, the 23-year-old former “Harry Potter” film star has recently begun dating a fellow Oxford University student named Matthew Janney. . . .
The UK’s Mirror reported . . . that Janney, 21, is not only a student at the prestigious institution, he is also a star rugby player for their varsity team. Despite his prized athletic skills, Janney has also been recognized for something else: his looks. According to the report, the college student was named “Oxford’s most eligible bachelor” and “best looking player” by the university’s rugby team’s official Twitter account.

In other words, an Alpha male, the epitome of “prescribed gender stereotypes” from which Emma Watson says we need to be liberated

Ein Star Rugby-Spieler, ein Student an einer renomierten Universität und zuguter Letzt auch noch guttaussehend. Dazu mal ein Foto zur Illustration:

Emma Watson Matt Janney

Emma Watson Matt Janney

 

Emma Watson Matt Janney

Emma Watson Matt Janney

Ich würde sogar sagen, dass er besser aussieht als sie. Ein perfekter Körper, ein hübsches Gesicht, ein guter Fang für sie. Wäre interessant, wie er ihren Status als Filmstar wertet.

Jedenfalls unterstützt sie mit ihrer Wertung ein bestimmtes Bild von Männlichkeit: Sei erfolgreich, sei ein Star, signalisiere über eine gute Uni und den Sport, dass du hohes Potential hast, dann bist du als Partner interessant.

Allerdings hat sie natürlich selbst vieles, was sie für sich anführen kann: Ebenfalls einen hohen Status, Schönheit (wenn ich sie persönlich auch trotz guten Körpers eher langweilig finde), Millionärin etc. Insofern bleibt sie in gewisser Weise auch auf einer Ebene, die eben bei ihr relativ hoch anzusetzen ist.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 26. September 2014

Feministische Kritik an #HeforShe

Nadine Lantzsch schreibt einen Verriss auf die Rede von Emma Watson. Da sind einige sehr schöne Passagen dabei:

Die eigentliche Kritk wurde in der Fußnote versteckt:

HeforShe fordert Männer auf, sich für Frauenrechte einzusetzen. Motivation für Männer, diese Kampagne aktiv mitzugestalten, soll sein, dass es bei Frauenrechten ja auch um ihre “Töchter, Mütter, Freundinnen, Partnerinnen, Ehefrauen” geht. Weil wir als Feminist_innen um die Gnade von Typen betteln, indem wir alle Frauen auf heterosexistische Weise als zu den Typen im unlösbaren Bezugs- und Beziehungsverhältnis stehend konstruieren müssen. Deshalb hat er ja auch was von Feminismus, weil “seine” Frauen dann nicht mehr so schlechtgelaunt in seinem Leben herumtrotten und er sich deswegen nicht mehr so unzureichend oder überlegen fühlen muss. Er kann sich stattdessen als Retter und Erlöser feiern lassen. Ich frage mich, wie Feminist_in solch eine typen-zentrierte und hetero_cis_sexistische Kampagne unterstützen kann, in der Frauen (und nur die!) wieder mal als bedauernswerte, handlungsunfähige Objekte herhalten müssen, die einen Befreier brauchen. Ich frage mich nicht, wie Feministinnen die Botschafterin dieser Kampagne unterstützen können, denn es ist offensichtlich. Sie müssten sich ansonsten selbst kritisieren. Schließlich ist es Mainstream (Ha!) Typen dafür zu schmähen, dass sie sich ständig auf ihresgleichen beziehen, nicht aber jene Feminist_innen, die ihnen nacheifern.

Was an Müttern, Freundinnen und Töchtern per se heterosexistisch sein muss erklärt sie leider nicht. Aber das ihr der Appell an die Männer, da mitzuarbeiten, damit sie selbst es besser haben ankotzt, dass passt durchaus in die radikalfeministische Theorie. Denn da soll der Mann eben eher mitarbeiten, weil es seine Erbschuld ist, weil er etwas abbauen muss, was er angerichtet hat und nicht einfach nur, damit es auch ihm besser geht. Da ist ihr das Feindbild nicht gut genug ausgebaut, schon gar nicht, wenn sich die Männer danach auch noch gut fühlen, denn für gute Taten gibt es bekanntlich keine Kekse, man erfüllt einfach nur eine dringend abzubauende Schuld der Gruppe Mann.

Lustig aber, dass sie nicht will, dass Frauen als bedauernswerte, handlungsunfähige Opfer dargestellt werden, die einen Befreier brauchen. Ehrlicher wäre es wohl, wenn sie direkt ausführt, dass Männer diese Befreier nicht sein dürfen, denn das sind ja bereits die Feministinnen. Die Rolle der Männer ist nicht die des Befreiers, sonders die des Feindes und des Täters.

in ihrer Kritik heißt es dann:

Wenn Kritik kommt, dass das Geseier von so einer Person mit diesem Inhalt nun wirklich problematisch ist, weil privilegiertes liberales Gewäsch (ja, Liberalismus ist so eine weiße Idee, auch die Rhetorik von wir sind doch alle Menschen) oder gar: Feminismus als edgy Zusatz für die eigene heterosexuelle Verwertbarkeit…nun ja, dann kommt meistens als Argument: ABER SIE MACHT ES DOCH FÜR DEN MAINSTREAM!!!

DAs ist doch mal eine Aussage: Liberalismus ist eine weiße Idee, ebenso wie die Rhetorik, dass wir alle Menschen sind. Aus ihrer Sicht ist eben Liberalismus der Versuch, sich seine Privilegien zu erhalten und “wir sind doch alle Menschen” verschleiert Machtverhältnisse und entlässt die, die einer Gruppe angehören, die die Macht haben, aus der Verantwortung. Sie sind eben nicht einfach nur Menschen, sie sind Menschen mit Privilegien. Und damit keine Menschen, irgendwie. Sondern eben Täter, die sich nicht die Maske des Menschlichen überziehen dürfen, sondern eher demaskiert werden müssen.

Das ist eben die Folge eines so deutlichen Gruppendenkens: Die anderen verlieren ihre Menschlichkeit und werden nur noch als Täter- und Opfergruppe wahrgenommen.

Die Erfahrung einer privilegierten weißen Hetera, die wahlweise von einer anderen privilegierten Hetera oder eines privilegierten weißen Hetero-Typen ausgesprochen wird, der noch mehr Anerkennung bekommt, weil: Er ist ja ein Mann!!! Und die sind – wie wir alle(!) wissen – die Türsteher vor den Toren des guten Lebens. Privilegierte weiße Heteras haben es schwer, sich von der Ideologie loszusagen, bei der sie einzig und allein Opfer sind (und damit Zentrum des feministischen Universums). Sie sind auch Menschen mit gewaltausübender Geschichte, mit Profiten, die sie aus einem gewaltausübenden System ziehen, das z.B. auch Rassismus und Heteronormativität hervorbringt (und ihr eigenes Hetendasein).

Sagt Nadine eigentlich einmal in diesem Artikel, dass sie selbst weiß ist? Ich habe es jedenfalls nicht gefunden. Irgendwie scheint sie sich da frei von ihren Privilegien zu sehen, und dann nimmt sie auch noch Raum ein und spricht quasi für PoCs, erzählt was weißer und was nicht weißer Feminismus ist. Eigentlich ja ein Verstoß gegen die eigenen Regeln.

Und auch hier wieder “die haben es schwer sich, sich von der Ideologie loszusagen, bei der sie einzig und allein Opfer sind (und damit Zentrum des feministischen Universums)” wenn das genau Inhalt des Feminismus ist. Aber hier geht es ja auch nicht darum, dass Frauen keine Opfer sind, sondern darum, dass die eigentlichen Opfer die lesbischen Frauen, noch mehr die nicht-weißen lesbischen Frauen, sind. Da ist sie immerhin etwas mehr Opfer als die anderen (und damit etwas mehr im Zentrum des feministischen Universums). Es ist also eher ein “die nehmen mir meinen Platz weg, dabei wollen die sich sogar mit dem Feind verbünden).

Fakt ist: privilegierte weiße Heteras sind nicht die Mehrheit. Sie sind global betrachtet sogar eine ziemlich kleine Gruppe von Menschen. Trotzdem macht die Diskriminierung, von der sie profitieren, dass sie sich als Mehrheit denken können, sich selbst als Menschen/Allgemeinheit/Mainstream verstehen.

So gesehen richtig. Es gibt mehr Asiaten, Schwarze, braune etc Menschen. Was Nadine nur nicht darlegt ist, dass sich der Intersektionalismus hier tatsächlich auswirkt: Das es also wirklich ein weißer Feminismus ist, der die Männer mit ins Boot holen will. An Schutz der Männer zu appellieren ist aber aus meiner Sicht keineswegs etwas weißes: Auch alle anderen PoCs werden in ihren Ländern genau darauf gegenüber Männern abstellen. Heterosexualität hingegen ist in der Tat eine Mehrheit. Auch wenn Nadine das nicht gefällt.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 25. September 2014

Mann als Versorger (hier: Breaking Bad Zitat)

Ein Zitat aus der Serie “Breaking Bad”:

“A man provides for his family. And he does it even when he’s not appreciated, or respected, or even loved. He simply bears up and he does it. Because he’s a man

 

Mit dem Zitat will der Drogenhändler den Hauptdarsteller Walter White dazu bringen, weiter für ihn Drogen anzufertigen. Insofern steht sicherlich die manipulative Absicht im Vordergrund. Dennoch denke ich, dass es für viele Männer und Frauen als Bild durchaus stimmt: Die Versorgung ist eine Pflicht des Mannes, kann er sie nicht erfüllen, dann hat er in den Augen vieler versagt

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 24. September 2014

Feminismuskritik als Weg zu einem neuen Feminismus?

Genderama zitiert einen interessanten Artikel von Gruenwald:

Feminism is often described as occurring in three separate waves. The first-wave refers to the period between the late 1800s and early 1900s when women focused on obtaining legal equality with men, which was highlighted in the women’s suffrage movement. Second-wave feminism was the period between the 1960s and 1980s, which focused on a wide-range of issues. Some of the second-wave’s accomplishments include female reproductive rights, drawing attention to domestic violence and marital rape, and the passing of the Equal Rights Amendment. The Equal Rights Amendment guaranteed equal rights for both sexes. Third-wave feminism began in the 1990s and sought to include more than just the white middle class women of the first two waves. This wave hoped to involve minority women in their movement to change the stereotypes and perceptions of women. If third-wave feminism was supposed to broaden their audience, why is it that only 9% of young women identify as feminist?

(…) Around 25% of women believe that feminism has become “too aggressive” towards men. Ms. Young states that modern western feminism has become a “divisive and sometimes hateful force…[that] dwells obsessively on men’s misbehavior and women’s personal wrongs”. This attitude is highlighted in the #YesAllWomen movement which stereotyped all men as potentially harmful because of the actions of a few. Young continues by saying that feminism “dramatically exaggerates female woes while ignoring men’s problems,” which can be seen in the rape culture movement, which completely ignores male victims of sexual assault and female perpetrators. So why is it that only 9% of young women identify as feminists? 1 in 6 women believe that feminism has gone too far, is this trend toward “anti-feminism” ideals going to be the newest wave of feminism?

Es wäre ja sehr begrüßenswert, wenn gerade auch Frauen der Auffassung wären, dass der Feminismus moderner Ausprägung zu weit geht und auf diesen Weg eine Reform angestrebt werden würde. Allerdings scheinen mir die Abschottungstendenzen da doch sehr hoch und aus Kritik selbst erwächst keine neue Theorie, diese muss dann positiv formuliert sein. Eine Loslösung vom Opfergedanken als wesentliches Element des heutigen Feminismus scheint mir da jedoch unwahrscheinlich.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 23. September 2014

“Männerhass = irritierte Männer, Frauenhass = tote Frauen”

Das hier bereits einmal besprochene Argument ist mir nun noch einmal bei Twitter über den Weg gelaufen:

 

 

Der Text sicherheitshalber noch einmal

Misandry → irritated men.

Misogyny → dead women.

That’s the difference.

Erstaunlich, dass man so etwas tatsächlich denken kann. Denn viele Beeinträchtigungen von Männern treffen diese ja sehr deutlich, von “4 Tote, darunter auch Frauen und Kinder”, dem Wehrdienst, dem Umstand, dass von Männern auch von Frauen Schutz eingefordert wird oder die Abwehr von Gefahren und auch die Entziehung von Kindern oder eine Falschbeschuldigung führt nicht zu einer leichten irritation, sondern zu handfesten Nachteilen.

Zudem sollte gerade im Netzfeminismus auch sehr deutlich werden, dass nicht alles, was dort als Misogyny angesehen wird – ein Blick, ein Kinofilm, das Vorhandensein von Kindern – gleich tödlich ist. Natürlich kann man anführen, dass wegen dieser Einstellung, die sich in Kleinigkeiten zeigt, Frauen getötet werden. Aber das ist ja auch bei Männern so: Wenn man meint, dass ein Mann nichts wert ist, wenn er seine Freundin nicht beschützt, dann führt das eben langfristig ebenso zu Toten.

Older Posts »

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: