Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 20. Oktober 2014

Die Theorie der somatischen Marker

In der Theorie taucht häufiger Antonio Demasio auf, der interessante Gebiete behandelt:

António Damásios Untersuchungen beziehen sich zum einen auf den Bereich der gehirnanatomischen Substrate komplexen Verhaltens und zum anderen auf die neuronalen Grundlagen von Sprache und Kognition sowie den Zusammenhang von Gefühl, Emotion undVernunft.

Eines seiner Arbeitsgebiete ist die direkte Korrelation von morphologischen Ausfällen im CT und MRT mit den funktionellen neurologischen Ausfällen bei dem betroffenen Patienten. Insbesondere beim Schlaganfall ist diese Methode sehr erfolgreich, um lokalisierte Hirnprozesse zu erkennen, da sich der Funktionsverlust innerhalb kürzester Zeit einstellt und damit klarer erkennbar ist.

Ein gewisse Rolle spielen dabei in seinem Buch insbesondere auch zwei Fälle:

In seinen Abhandlungen Descartes’ Irrtum (im Original: Descartes’ Error: Emotion, Reason, and the Human Brain), Ich fühle, also bin ich (The Feeling of What Happens: Body and Emotion in the Making of Consciousness) und Der Spinoza-Effekt (Looking for Spinoza) untersucht er vor allem die Wechselwirkungen zwischen Körper und Bewusstsein und kommt – durch zahlreiche empirische Belege – zu dem Schluss, dass die jahrhundertelang angenommene, vor allem von Descartes postulierte, Trennung zwischen Körperund Geist (Dualismus) ein Irrtum sei. Stattdessen konstatiert er einen unauflösbaren Zusammenhang zwischen Körper und Geist, die sich ständig gegenseitig beeinflussen.

Seine These der Untrennbarkeit zwischen Geist und Materie untermauert Damásio u. a. durch zwei Fallbeispiele.

1. Fall: Phineas Gage
1848 wird Phineas Gage, damals 25-jähriger Vorarbeiter bei einer Eisenbahngesellschaft, Opfer eines schweren Unfalls. Bei einer Sprengung im Rahmen der Verlegung von Schienen durch den US-Bundesstaat Vermont bohrt sich eine 6 kg schwere, 1,10 m lange und 3 cm dicke Eisenstange mit einer Spitze von 6 mm von unterhalb des linken Wangenknochens bis zu den vorderen Schädelknochen durch Gages Schädel und fliegt danach noch 30 m weiter. Es entsteht eine ca. 4–5 cm große, kraterförmige Wunde.

Trotz des offensichtlich schweren Unfalls ist Gage während der gesamten Zeit bei Bewusstsein, und ist als Überlebender in der Lage, über den vollständigen Hergang des Unfalls zu berichten. Seine Verletzung heilt innerhalb von zwei Monaten, nur der Verlust des linken Auges ist körperlich irreversibel. Die Ärzte stellen keine Beeinträchtigung von Wahrnehmung, Gedächtnisleistung, Intelligenz, Sprachfähigkeit oder Motorik fest.

Trotzdem kommt es in der Zeit nach dem Unfall zu auffälligen Persönlichkeitsveränderungen bei Gage: War er zuvor verantwortungsbewusst, besonnen, ausgeglichen und freundlich, erscheint er seiner Umgebung nun zunehmend ungeduldig, launisch, wankelmütig und respektlos. Darüber hinaus kommt es zu einer Störung seiner Entscheidungsfähigkeit: Er trifft Entscheidungen, die seinen Interessen offensichtlich zuwiderlaufen, er kann seine Zukunft nicht mehr vernünftig planen und erleidet als Folge einen beruflichen und sozialen Abstieg.

2. Fall: Elliot
Als einen „modernen Phineas Gage“ beschreibt Damásio einen seiner Patienten, dem aufgrund eines Tumors ein Teil des präfrontalen Cortex entfernt wurde. Nach dem operativen Eingriff veränderte sich auch Elliots Persönlichkeit radikal. Zwar kommt es auch bei ihm nicht zur Einschränkung von kognitiven, motorischen oder sensorischen Fähigkeiten, jedoch weist er eine empfindliche Störung seiner Entscheidungsfähigkeit und einen Mangel an Gefühlen auf. Bilder von Situationen, die ihn einst erregten, lösen nun bei ihm keinerlei Reaktionen aus. Die Korrelation zwischen Gefühlsarmut und Entscheidungsunfähigkeit führt Damásio zur Theorie der somatischen Marker.

Die daraus abgeleitete Theorie:

Damásio vermutet, dass Elliots Gefühllosigkeit ihn daran hindert, verschiedenen Handlungsalternativen emotionale Werte beizumessen, die anderen Menschen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Damásio stellt die Theorie auf, dass alle Erfahrungen des Menschen im Laufe seines Aufwachsens in einem emotionalen Erfahrungsgedächtnis gespeichert werden. Dieses Erfahrungsgedächtnis teilt sich laut Damásio über ein körperliches Signalsystem mit, das dem Menschen bei der Entscheidungsfindung hilft und das Damasio als somatische Marker beschreibt. Bei der Vorstellung verschiedener Handlungsalternativen geben die somatischen Marker also eine durch bisherige Erfahrungen bestimmte Rückmeldung, die dem im Entscheidungsprozess befindlichen Menschen helfen, indem sie zunächst alle emotional nicht tragbaren Handlungsmöglichkeiten ausschließen.

Die somatischen Marker sind also ein automatisches körpereigenes System zur Bewertung von Vorhersagen. Sie wirken oft unbewusst als „Alarmglocke“ oder Startsignal, nehmen einem aber prinzipiell nicht das Denken ab, sondern helfen beim Denken, indem sie Alternativen, die − aufgrund individueller Erfahrung – als günstig oder gefährlich zu bewerten sind, als solche erscheinen lassen.

Als neuronales System, das den Erwerb der somatischen Marker erlaubt, glaubt Damásio die präfrontalen Rindenfelder im Gehirn lokalisiert zu haben. Seine Theorie von den somatischen Markern erklärt den Zusammenhang zwischen Phineas Gages und Elliots Gefühlsstörungen und ihrer Unfähigkeit, sich zu entscheiden, und stellt den offenbar unauflösbaren Zusammenhang zwischen rationalen Entscheidungsprozessen und Gefühlen auf

Das wäre also wohl einer der Gründe für ein sogenanntes “Bauchgefühl”, bei dem man bestimme Entscheidungen “instinktiv” ablehnt. Es erscheint mir auch ein interessantes Gebiet für biologische Grundlagen zu sein, gerade wenn in bestimmten Bereichen somatische Marker eher gesetzt werden oder eben teilweise schon gesetzt sind.

Auch diese Ausführungen im englischen Wikipedia-Artikel fand ich interessant:

Iowa Gambling Task

The human brain has evolved over time to best benefit one’s genes in any decision-making circumstance.[21] It is important to understand that “natural selection shapes not only the physical characteristics of organisms, but also their behavioral and cognitive traits”.[22]

The Iowa Gambling Task is the most common experimental paradigm used to test decision-making processes under various contexts and is frequently used in experiments exploring the Somatic Marker Hypothesis. The Iowa Gambling Task is a computerized task in which participants are presented with four decks of cards from which they repeatedly choose. Each deck contains various amounts of rewards of either $50 or $100, and occasional losses that are greater in the decks with higher rewards. The penalty cards are periodically located in the deck so the participant will not know when they will arise and the participants are told to pick cards that will maximize their winnings. The most profitable strategy is to only choose cards from the small reward/penalty decks because although the reward is smaller, the penalty is proportionally much smaller than in the higher reward/penalty deck. Over the course of a session, this deck will yield a significantly higher net profit compared to the alternative deck. Most healthy control participants adopt the beneficial low reward/penalty deck strategy during the duration of the task. Participants with brain damage however, are unable to determine the better deck to choose from, and continue to choose from the high reward/penalty deck despite this action causing a clear lower net profit than the other deck.[23] This experiment has been used to analyze the impairments suffered by people with damage to the ventromedial prefrontal cortex, which has been known to affect neural signaling of prospective rewards or punishments.[1] Since the Iowa Gambling Task measures participants’ quickness in “developing anticipatory emotional responses to guide advantageous choices,” it is helpful in testing the Somatic Marker Hypothesis since it studies how anticipatory signals affect decision-making.[24] The study of human behavior in respect to evolutionary psychology demonstrates “that much, if not all, of our behavior can be explained by appeal to internal psychological mechanisms”.[25] The Iowa Gambling Task and the Somatic Marker Hypothesis relate to this theory by revealing that emotions may have evolved during the course of human evolution to help people make better decisions. Therefore, the brain has been trained to make immediate decisions that will benefit the decision-maker. Evolutionary theory and the Somatic Marker Hypothesis suggest that human emotions have evolved to send signals to the brain which will help someone make quick decisions that will benefit them. The Iowa Gambling Task upholds this evolutionary theory by demonstrating that lesions to the ventromedial prefrontal cortex act as a blockade to the emotional decision-making signals that have evolved in helping humans make quick and beneficial decisions. As suggested by Comsides and Tooby, “Mechanisms involved in hierarchically ranking goals or calibrating other kinds of motivational and reward systems should be emotion-dependent”.[26]

Although the Iowa Gambling Task is a well-known experimental measure used to explore how emotions may have evolved in humans to guide decision-making, there are “real-life” factors that can be added to the Iowa Gambling Task to test differences in participants’ results. One such study found that people who were given more time to complete the Iowa Gambling Task had better results compared to people that had less time [27] In a more recent study aimed to determine the effects of perceived time constraints, the experimental group was told that they would likely not be able to finish the task in the time allotted, whereas the control group was informed they had a sufficient amount of time to finish. As expected, the participants who were informed they had an insufficient amount of time to complete the task performed more poorly than the participants who were told they had ample time to finish it. The results of this test can be correlated to the real world in which professionals are told they have an adequate amount of time to complete a project are less likely to make mistakes.[28] Thus, recent studies suggest that the Iowa Gambling Task does not appropriately mimic “real-life” decision-making tasks because other factors, such as time, play into one’s success in the task instead of merely the health of the ventromedial prefontal cortex. However, human neuroimaging studies support the validity of the Iowa Gambling Task and show a clear link to “real-life” decision-making situations. Li and colleagues (2010) used functional magnetic resonance imaging (fMRI) to analyze the brain during the Iowa Gambling Task. This imaging reveals brain activity during the Iowa Gambling Task and indicates which parts of the brain are being used during decision-making processes. The results suggest that the brain regions that were activated during the Iowa Gambling Task were consistent with the ones hypothesized to trigger decision-making by somatic markers (i.e. brain regions involved in emotional processing). This adds validity to the Iowa Gambling task in conjunction with the Somatic Marker Hypothesis and suggests emotional processing is causing these regions to be activated as well as regions associated with decision-making.[29]

Application To Risky Sexual Behavior
Emotional decision-making can greatly affect aspects of people’s daily lives, such as their sex drive. Sensation is connected to the brain and likely stimulates precarious sexual behavior by making the riskier sexual behaviors more exhilarating and pleasurable.[30] The risky sexual behavior evaluated in a study by Wardle and colleagues was continued sexual activity in individuals who are already infected with HIV and are substance dependent. The Somatic Marker Hypothesis proposes that the Iowa Gambling Task may distinguish HIV+ and substance dependent people who have emotional influenced risks, from those who have risks caused by other, unrelated factors. The Somatic Marker Hypothesis was tested in a circumstance when extraneous factors become present, such as a lethal sexually transmitted disease and substance abuse. Wardle and colleagues performed a study utilizing the Iowa Gambling Task in which they drew together 190 HIV+ participants in the Chicago area who all had a history of drug dependency or abuse. Among the factors that were held constant in all participants were: education, race, and brain related items such as no history of neurological disorders or head injury. It was hypothesized that the Iowa Gambling Task would reveal that HIV+ substance dependent people, who are at increased risk for impairment and emotional suffering, are “motivated by negative emotion in their sexual risks”.[24] The results of the study supported the hypothesis that with the better performers on the Iowa Gambling Task there was a clear connection between distress and risk relatedness. The greater the distress, the greater risk these people would take in regards to sexual acts. However, the poor performers on the Iowa Gambling Task did not show a significant link between distress and sexual risk. These findings suggest that people with intact decision-making abilities can attenuate their risk-seeking behavior by decreasing their emotional distress. This conclusion is inconsistent with the Somatic Marker Hypothesis that posits that people with “dysfunctional decision-making circuitry as reflected by poor Iowa Gambling Task performance and emotional distress has little influence on their decision-making capacity”.[24] Instead of concluding that the Iowa Gambling Task is not fully accurate in demonstrating how we have psychologically evolved, it can be determined that sexual risk is a complex neurocognitive process, and emotional variables do not have as much weight in this aspect as in others actions by humans. Additionally, the entirety of human evolutionary psychology evolved without the implications of modern day drugs such as cocaine and other similar substances that have only been presently used and distributed for the past several hundred years.[31] Therefore, it is highly likely that the new initiation of drugs and also diseases (which have always been present through evolution) act as a similar blockade as a lesion to the ventromedial prefrontal cortex, which affects neural signaling. Though many “Theories about innate human predispositions are extremely difficult to verify” the Somatic Marker Hypothesis has clear evidence leading to its validity as tested in the Iowa Gambling Task.[32]

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 19. Oktober 2014

Wann gilt eine Feminstin/ein Männerrechtler als “vernünftig”?

Der Artikel von Onyx ist auch bezüglich der Ausgangsfrage interessant. Onyx führt aus:

Um als Feministin nicht als Männerhasserin verurteilt zu werden, muß man

-immer wieder betonen, dass Männer Opfer sind
-immer wieder betonen, dass Frauen Täter sind
-immer wieder betonen, dass andere Feministinnen scheiße sind
-immer wieder betonen, dass der heutige Feminismus scheiße ist
-sich aktiv und explizit für Männerrechte einsetzen
-immer wieder für Aussagen anderer Feministinnen gerade stehen und 500x versichern, dass man damit nix zu tun hat und das aufs Schärfste verurteilt

Um als Männerrechtler seriös und vernünftig zu sein, muß man

-sich ein “du Fotze! verkneifen

Ich finde die Ansicht von Michael darunter durchaus nicht schlecht:

Ich kann natürlich nur für mich persönlich sprechen:
Dass eine Feministin sich vordringlich um Frauenprobleme kümmert, liegt in der Natur der Sache und ist auch völlig legitim.
Was ich allerdings problematisch finde, ist wenn:

1) … Probleme zu spezifischen Frauenproblemen gemacht werden, die in Wahrheit beide Geschlechter gleichermaßen betreffen. Häusliche Gewalt ist so ein Beispiel, oder Gewalt im allgemeinen (ausdrücklich ausgenommen sexuelle Gewalt). Obwohl die Zahlen eindeutig zeigen, dass Männer mindestens ebenso häufig betroffen sind wie Frauen, konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung und auch die Politik ausschließlich auf weibliche Opfer. Männliche Opfer werden dadurch unsichtbar gemacht und das macht natürlich wütend.

2) … männliche Probleme rundheraus geleugnet werden: “Männer können nicht vergewaltigt werden.” “Männer können nicht diskriminiert werden.” “Es gibt keinen Sexismus gegen Männer.” Das ist ignorant und ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Männer. Wie gesagt, ich finde es völlig legitim, sich Frauenproblemen zu widmen, ohne ständig die Männer zu erwähnen. Bei sexueller Gewalt z.B. sind Frauen einfach wesentlich häufiger Opfer. Es ist darum völlig ok, sich als Feministin auf diese weiblichen Opfer zu konzentrieren, solange man männliche Opfer nicht verleugnet.

Viel wichtiger bei der Beurteilung eines verünftigen Feministen/Maskulisten finde ich aber nicht seine Thesen, sondern die grundlegende Bereitschaft, auf die Argumente und Thesen der Gegenseite einzugehen und nicht zu glauben, allein die absolute Wahrheit gepachtet zu haben. Man kann ja gerne unterschiedlicher Meinung sein und bleiben, aber man sollte die “gegnerische” Meinung als genauso legitim betrachten und behandeln.

Und um die grundlegende Bereitschaft auf die Theorien der Gegenseite einzugehen ist es eben teilweise schlecht bestellt. Das zeigt sich durchaus auf beiden Seiten, auch im radikalen Maskulismus, ist aber im Feminismus deutlich stärker ausgeprägt, weil hier das Nichteingehen auf andere Positionen auf eine theoretische Ebene gehoben wurde, in der man die eigene Position allenfalls erklärt, aber nicht mehr vertreten muss. Die andere Seite muss sie akzeptieren. Wer ernsthaft diskutiert, der räumt allenfalls der Gegenseite Raum ein und stärkt diese.

Ein wichtiger Aspekt ist aus meiner Sicht noch, dass Feministinnen, die den modernen Feminismus verteidigen, natürlich auch dessen Unlogik und Männerfeindlichkeit vorgehalten werden kann. Wer also sagt, dass der moderne Feminismus richtig und eigentlich männerfreundlich ist, gar eine humanistische Bewegung, der darf sich nicht wundern, wenn ihm dann auch die Einwände gegen den Feminismus entgegengehalten werden und er insofern betonen muss, dass er bezüglich der vertretener Positionen kritisch ist. Das trifft Maskulisten wenigern, weil es hier keine so klare theoretisch ausgearbeitete Strömmung gibt und die Vertreter, die in Buchform publiziert haben, weit weniger radikal sind.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. Oktober 2014

Selbermach Samstag 106 (18.10.2014)

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade? Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs oder auf den Blogs anderer? Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 18. Oktober 2014

Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

Hier ein paar Probleme, die bei Vorstellungen von einem “Blank Slate” oder Theorien, die an diesen nahe dran sind bzw. bei Argumentationen gegen biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens gerne übersehen werden.

1.Was ist für “Lernen” erforderlich und wie komplex ist eine “Lern-Software”

Was mich immer wieder erstaunt sind Aussagen wie “das ist für eine biologische Begründung viel zu kompliziert, dass muss erlernt sein”. Sicherlich ist das bei der Annahme eines “Geistes” oder einer “Seele”, also eines übernatürlichen Konzeptes noch vertretbar, aber ansonsten scheinen sich die Leute nicht bewußt zu machen, dass “Erlernen” ein überaus komplexer Vorgang ist.

Einfache biologische Regelungen wie “Auf Lichteinfall hin bestimmte Schwimmbewegungen durchführen” wie bei einer Qualle sind relativ simpel im Vergleich zu dem gleichen Vorgang, wenn er erlernt werden soll.

Denn das Erlernen bedeutet zunächst, dass man bestimmte Signale auswerten muss, etwa Lichteinfall auswerten und zu einem Bild zusammensetzen, ebenso bei Schallwellen etc. Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird. Diese einmal erkannte Regel muss dann bei einem Auftreten einer neuerlichen Situation als für diese Situation zutreffend erkannt werden, abgerufen werden und auf die konkrete Situation angewendet werden.

Wer einen heutigen Maschinenhersteller vor die Aufgabe stellt, entweder einen Roboter zu programmieren, der eine Tasse greift und an einen bestimmten Ort stellt oder aber einen Roboter zu programmieren, der sich ein Video anschaut, in dem ein Objekt gegriffen wird und dann an einem bestimmten Ort stellt, der kann sicher sein, und ihn fragt, was er eher umsetzen kann, der wird wenig erstaunt sein, wenn der Hersteller Option 1 wählt. Die Programmierung lernfähriger Roboter stellt uns immer noch vor sehr große Probleme.

Die Zerlegung des Lernprozesses kann dabei noch in viel kleinere Schritte erfolgen, etwa indem man die Einzelnen Stationen immer weiter unterteilt und die dortigen Schwierigkeiten behandelt, etwa die Umsetzung eines abstrakten Gedankens in die “Nullen und Einsen” unseres Gehirns. Wenn man zB eine soziale Regel wie “wer eine besonders hohe soziale Position hat muss mit Respekt behandelt werden” als erlernte Regel abspeichert muss dies eben in eine speicherbare Form bringen, die ein Ablegen im biologischen Gedächtnis erlaubt und diese Regel dann mit verschiedensten Positionen zum Thema “was ist eine soziale Position” “wie erkennt man eine soziale Position” und “was ist respektvolles Verhalten” anreichern, die ihrerseits alle wieder biologisch abgespeichert und verknüpft werden müssen. Der dazu notwendige”Rechenschritt” wird in diesen Betrachtungen schlicht mit “das hat er gelernt” abgehandelt. Damit wird ein ungeheuer komplizierter Vorgang, den wir bis heute nicht hinbekommen, vorausgesetzt. Solche Vorgänge, die modernste Computer überfordern, gelingen allerdings Babys mit einer überaus hohen Rate: Sie können bereits nach der Geburt beispielsweise das Herausstrecken einer Zunge erkennen und die dabei eingehenden Signale als etwas verarbeiten, was sie ebenfalls können und spiegeln sollten. Sie können bereits die Stimme ihrer Mutter oder andere Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie können sogar grundlegende physikalische Regeln voraussetzen (etwa bei der Bewegung von Bällen) oder ähnliches. Sie können auch später eine Sprache erlernen, ein Vorgang der unglaublich komplex ist und dennoch von Kindern in einem bestimmten Alter problemlos durchgeführt wird, während Erwachsene an der gleichen Aufgabe regelmäßig scheitern und weitaus mehr Unterstützung benötigen (etwa einen Grammatikunterricht etc).

Mitunter scheint die Gleichung da in ihrer Einfachheit dem gnomischen Geschäftmodell zu entsprechen:

1. Soziale Regeln wirken ein

2. ?

3. Erlernt

Auch Gegenargumente scheinen mir teilweise so zu laufen: “Das kann biologisch nicht gehen, weil so etwas biologisch nicht möglich ist, es muss also erlernt sein”. Eine Auseinandersetzung damit, was “erlernt” dabei überhaupt bedeutet erfolgt dann aber nicht. Insbesondere wird nicht behandelt, warum die Regel zwar nachdem sie erlernt worden ist, abgespeichert und später einem Problem zugeordnet werden kann, das Abrufen einer aufgrund biologischer Selektion entstandenen Regel aber gleichzeitig nicht möglich sein soll. Selbst wenn man argumentieren würde, dass so etwas eben nicht durch Selektion entstehen kann, dann müsste man ja gleichzeitig erklären, wie dann die kompliziertere Lernsoftware durch Selektion entstehen konnte.

2. Ab wann haben wir von der Befolgung biologischer Regeln umgeschaltet auf reines Lernen und wie lief dies ab?

Was auch beständig ausgeblendet wird ist unsere evolutionäre Vergangenheit und der Aufbau unseres Gehirns. Unsere Vorfahren waren zweifellos Tiere im klassischen Sinne und bei diesen wird üblicherweise auch von sonstigen Hardcore-Biologiegegnern nicht bestritten, dass ihre Verhaltensweisen einen großen Rückhalt in der Biologie hatten. Wobei mich da eine Stellungnahme interessieren würde, wie sie dies bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten sehen, die ja schon eine ziemliche Intelligenz, aber auch recht eindeutige Verhaltensweisen und Geschlechterrollen besitzen. Der Aufbau der Gehirne ist dabei recht gleich, es gibt eigentlich keinen Bereich, den ein sonstiger Primat hat, wir aber nicht. Dennoch scheint man dort der Auffassung zu sein, dass diese kompletten Bereiche, die vorher das geschlechtliche Verhalten geprägt haben, nunmehr aufgrund der gesteigerten Intelligenz des Menschen keine Funktion mehr haben.

Dabei folgen natürlich auch die Primaten nicht einfach schlicht verkabelten biologischen Vorgaben. Schimpansen kämpfen beispielsweise genau wie Männer um Status und dies durchaus mit Intrigen, Bündnissen, sozialen Interaktionen, den Versuch, teile der Gruppe gegen sich einzunehmen und Unterstützer von anderen Konkurrenten abzuwerben. Menschliches Verhalten unterscheidet sich insoweit in bestimmten Taktiken nicht grundsätzlich, es ist lediglich komplexer aufgebaut und gerade heute auf größere Gruppen bezogen.

3. Welche Folgen hätte ein reines Erlernen?

Auch wird selten bedacht, dass ein reines Erlernen bestimmter Regeln und Verhaltensweisen zu einer weitaus stärkeren Zergliederung der Menschen führen würde. Zwar erscheinen uns die verschiedenen Kulturen schon sehr verschieden, wir finden allerdings in den meisten die gleichen Grundelemente und auch die gleichen Geschlechterrollen vor, zumindest entsprechen abweichende Geschlechterrollen den sonstigen biologischen Regeln, wie beispielsweise der, dass hohe Vaterunsicherheit eine geringe Investition in den eigenen Nachwuchs nach sich zieht (und man dann eher auf die Unterstützung der Kinder der Schwester ausweicht).

Auch wird nicht bedacht, dass stark verschiedene soziale Praktiken, die nicht über biologische Regeln eingeschränkt werden, auch eine stark unterschiedliche biologische Selektion zur Folge hätten, wenn sie lange genug andauern. Wenn ein Volk beispielsweise unbeeinflusst durch biologisch abgespeicherte Schönheitsideale alles schön finden würde, beispielsweise einen Damenbart, dann hat das eine Selektion in diesem Volk auf Frauen mit Damenbärten zur Folge (und damit wahrscheinlich auch in Richtung einer niedrigeren Fruchtbarkeit). Das an sich ist nichts schlimmes, allerdings würden sich solche Selektionen eben auch zeigen und wir müssten verschiedene Völker haben, die sich mehr in Richtung Unfruchtbarkeit orientiert haben.

4. Die Unvereinbarkeit von vielen grundsätzlichen Ausschlüssen mit bereits einfachen Zugeständnissen

Grundsätzliche Ausschlüsse von biologischen Einwirkungen auf das Verhalten kranken daran, dass deren Vertreter kaum konkret werden wollen, wenn man sie mit bestimmten Sachverhalten konfrontiert. Das verwundert nicht, denn die meisten Erklärungen dieser Art können kaum Ausnahmen ihres Modells zulassen ohne in sich unstimmig zu werden.

Bereits Punkte wie “ist Homosexualität/Heterosexualität biologisch bedingt und wenn nicht, warum kann man sie dann nicht “verlernen” bzw. sich umentscheiden” können innerhalb dieser Theorien nicht gelöst werden: Die meisten werden wohl heute davon ausgehen, dass hier ein starker biologischer Einfluss vorliegt, aber wenn ein biologisches Begehren dazu führt, dass man nur Sex mit Menschen eines bestimmten Geschlechts hat, wenn man es sich aussuchen kann, dann ist dies bereits schwer in das Modell einzubauen.

Andere Punkte wie die Wirkung von Hormonen oder auch Verhaltensveränderungen bei Gehirnverletzungen oder Erkrankungen sind ebenfalls bisher aus meiner Sicht nicht wirklich mit einem Modell, welches nicht auf Biologie zurückgreift erklärbar.

“Wenn dort die Biologie Einfluss auf das Verhalten hat, warum soll es dann in anderen Fällen ausgeschlossen sein” ist ein Argument, dass bereits viele dieser Theorien nie in ihre Erwägungen einbezogen haben, sie bleiben bei einer rein abstrakten Betrachtung, die sich diese Fragen gar nicht stellt.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 17. Oktober 2014

“Was bei Women Studies verkehrt läuft” Prof. Janice Fiamengo

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 17. Oktober 2014

Wo wird Männern Schwäche zugestanden?

In dem Artikel zu dem Thema inwieweit der Feminismus tatsächlich dafür eintritt, Geschlechterrollen auch für Männer aufzubrechen, kommentierte DMJ:

Ich bin verdammt für die Auflösung von starren Geschlechterbildern (bzw. dem Zwang dieser; wer sich in einem wiederfindet, muss das weiterhin dürfen), aber ich sehe nicht so wirklich, dass der Feminismus diese betreibt.

Persönlich, subjektiv ohne den Schatten eines Anspruchs auf Allgemeingültigkeit muss ich sagen, dass meine ersten Assoziationen zu dem Thema “Mimimi” und “Male tears” sind.
Das kommt von einfach zu vielen Feministinnen zu oft und zu unwidersprochen. Und das ist eine klare Bajahung einer Verpflichtung zu jenem Mannsein, welches zu bekämpfen vorgegeben wird. Angeblich sollen Männer auch mal schwach sein dürfen, wo sie das sein dürfen, bleibt aber offen – in den meisten feministischen Kreisen zumindest nicht, sonst siehe obige Schlagworte.

Und in der Tat stützt sich vieles in der feministischen Theorie ja auf Geschlechterstereotype, die schwache Frau als Opfer und der starke Mann als Täter und benutzt zur Abwehr die klassische Geschlechterrolle der Männer, indem sie über “Mimimi” die Männer als schwach bezeichnet.

Demnach wäre es interessant, mal ein paar Stellen zu finden, in denen Männern überhaupt Schwäche zugestanden wird, sowohl seitens Feministinnen als auch ansonsten in der Bevölkerung. Hat jemand dazu was?

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 16. Oktober 2014

Arbeitgeber bezahlen für Einfrieren von Eizellen

Die Süddeutsche berichtet darüber, dass Apple und Facebook anscheinend Mitarbeiterinnen das Einfrieren der Eizellen bezahlen. Es sollen dabei Kosten von ca. 20.000 € für den Vorgang und die Lagerkosten übernommen werden.

Grund soll sein, die Firmen für Frauen attraktiver zu machen, auch und gerade in den höheren Positionen (ich nehme auch mal an, dass man etwas höher in der Hierarchie sein muss, damit das bewilligt wird und eine einfache Lagermitarbeiterin nicht in den Genuss kommt).

Ich kann verstehen, dass dies mit gemischten Gefühlen gesehen wird. Denn jede Erhöhung der Wettbewerbsmöglichkeit für Frauen ist auch gleichzeitig eine Aufforderung, diese zu nutzen und insoweit eine Erhöhung innerhalb der sozialen Regeln und der intrasexuellen Konkurrenz.

Wenn man eben einer weiblichen Mitarbeiterin die Option bietet, sich für eine Führungsoption zu entscheiden, dann aber im Gegenzug erst einmal keine Kinder zu bekommen, damit es sich auch lohnt, dann wird eine Frau, die früher Kinder bekommt eben innerhalb dieser Konkurrenz eher abgehängt bzw. es kann eher von ihr verlangt werden, dass sie diese Option auch nutzt.

Das ist ähnlich wie bei der nur 5 Tage dauernden “Baby-Pause” (also von der Geburt des Kindes bis sie wieder am Schreibtisch saß) der französischen Ministerin Rachida Dati, die ebenfalls Proteste auslöste. Eine Handlungserweiterung ist insoweit häufig nicht nur eine Option, sondern kann zugleich auch Anfoderungen an die betroffene Gruppe stellen, diese zu nutzen.

Und natürlich ist eine spätere Schwangerschaft auch so mit höheren Risiken belastet und das Verfahren noch nicht ausgereift.

Für Facebook und Apple könnte sich das durchaus lohnen, wenn sie insoweit Managerinnen haben, die dadurch weniger aussetzen oder später weniger Kinder bekommen. Es kann insoweit helfen, die Kosten dafür, dass man sich moderner geben kann, geringer zu halten.

 

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 15. Oktober 2014

Wie viel Betreuung braucht ein Kind?

Ein Gegensatz, den ich gelegentlich im Maskulismus wahrnehme ist die Einstellung zu der Frage, wie viel Betreuung ein Kind braucht und inwieweit sich das positiv auf das Kind auswirkt.

  • Geht es um die Frage der Erwerbstätigkeit der Mutter, dann wird neben der Kindererziehung meist eine möglichst weitgehende Erwerbstätigkeit gefordert bzw. darauf abgestellt, dass sie keinen Unterhalt braucht, weil sie ja arbeiten kann
  • Geht es um die Frage der Wichtigkeit des Vaters, dann ist der Einfluss einer umfassenden Betreuung und eines Kontaktes zu diesem sehr hoch. Auch (gerade bei konservativen Antifeministen, Maskulisten und Väterrechtlern), wenn es um die Familie als Einheit geht.

Nun kann man natürlich anführen, dass es innerhalb der Ehe eine Art Privatvergnügen ist, welche Form der Kinderbetreuung man sich leisten kann und das man dies im Unterhaltsrecht nicht entgegenhalten kann.

Dennoch bleibt die Frage der Kinderbetreuung aus meiner Sicht die elemenarste innerhalb der gesellschaftlichen Geschlechterdiskussion. Ein Paar ohne Kinder kann viele der bestehenden Probleme vermeiden, ein Paar mit Kindern muss diese Frage in irgendeiner Weise klären.

Mich würde aber doch mal interessieren, wie ihr den Zeitaufwand für die Betreuung eines Kindes einschätzt. Und das insbesondere unter Berücksichtigung der verschiedenen Lebensphasen. Und wie ihr dies für mit einer Arbeitstätigkeit vereinbar haltet, auch nach den Lebensphasen.

Ich würde als Altersabschnitte einfach mal folgende interessant finden: 1, 2-3, 3-6, 6-12-12-16, 17-18.

Und weil wir lange nichts mehr in dieser Weise hatten gestalte ich es mal als Stöckchen aus und mich würde interessieren, wie Lucas, ArneLoMi und Tom den Betreuungsaufwand sehen.

In einer Diskussion zu der Frage, wann ein Feminist / Maskulist als vernünftig angesehen wird, bringt Onyx ein bereits häufiger im Feminismus verwendetes Argument:

In seiner Rezension listet Hoffmann einige Dinge auf, wo Männer benachteiligt werden (fehlende Hilfsangebote für Männer, höhere Suizidrate, Sorgerechtsstreitigkeiten, etc). Was er nicht sagt, ist, dass die meisten Punkte davon Ursachen haben, die Anne selbst kritisiert. Nämlich die Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es für Männer verpönt ist, schwach zu sein. In einer Gesellschaft, in deren Justiz selbst noch Gedankenkonstrukte herrschen, in denen “Frau und Muttersein” untrennbar miteinander verwoben ist, aber “Mann und Vatersein” immer optional, und mit vielen Diskussionen verbunden ist

Ich hatte es kürzlich auch schon hier etwas ausführlicher dargestellt, es ist – wie Leszek in der Diskussion bei Onyx auch richtig anführt – das “Patriarchy hurts men too”-Argument.

Meiner Meinung nach geht es an der Sache vorbei. Denn tatsächlich ist das, was der radikale Genderfeminismus dort anbietet, sehr wohl gegen Männer oder zumindest Männlichkeit gerichtet. Denn es wird ja nicht einfach darauf abgestellt, dass sich jeder verhalten soll, wie er will, sondern das ganze wird in eine Opferrolle der Frauen und eine Täterrolle der Männer eingeordnet.

Ein Vergleich macht vielleicht deutlich, warum der Genderfeminismus sich hier zwar formell das Helfen für Männer auf die Fahnen schreiben kann, tatsächlich aber eine Hilfe nicht erfolgt:

Wenn religiöse mittelalterliche Fanatiker anführen, dass sie doch die Probleme der Bauern genau benennen, nämlich schlechte Ernten und zuviel Hagel, und diese Beheben wollen, also eigentlich gut für die Bauern sind, ihre Hilfe aber darin bestehen würde, die Bauern ganz überwiegend für Sünder zu halten und diese Sünden durch das Feuer reinigen wollen, dann können sie sich natürlich in ihrer Gedankenwelt durchaus darauf beruhen, dass ein durch Verbrennen erlöster Sünder sowohl von seinen Sünden reingewaschen ist, was seiner unsterblichen Seele zugute kommt als auch das Dorf durch seine nun nicht mehr vorhandene Sündhaftigkeit auch vor einer Hungersnot bewahrt. Aber wir würden diese Maßnahme trotz dieses scheinbar “guten” Ansatzes nicht für die heutige Zeit empfehlen, in der wir wissen, dass Dürre und Hagel unabhängig von Sünde existieren.

Der Fehler liegt hier darin, dass ein gutes Ziel  benannt werden kann, welches die anderen auch erreichen wollen, dass aber aufgrund einer falschen Theorie zu den Ursachen mit vollkommen falschen Mitteln angegangen wird, die überaus schädlich für die Bauern sind.

Auf den radikalen Genderfeminismus übertragen mag das gute Ziel sein, dass der Theorie nach auch stereotypes Verhalten von Männern aufgebrochen werden soll. Als Ursache wird aber “das Patriarchat” angesehen, welches nicht existiert. Und das Mittel ist, dass man Männlichkeit an sich dämonisiert und in eine Privilegientheorie einordnet, innerhalb der Männer eine Art Erbschuld zugwiesen wird, die sie quasi zu Menschen zweiter Klasse macht, die sich beständig für alles exculpieren müssen, beständig ihre Privilegien hinterfragen müssen und selbst nicht diskriminiert werden können.

Verständlicherweise ist diese Position der beständigen Schuld für Männer nicht attraktiv, so dass sie der radikale Genderfeminismus hier eher vom Regen in die Traufe bringt.

Die feministischen Theorien unterschlagen dabei eben auch den Anteil der Frauen und deren Interesse an der Aufrechterhaltung der Geschlechterrollen. So etwas kommt im Feminismus allenfalls unter dem Stichwort vor, dass Frauen bestimmte patriarchische Regeln verinnerlicht haben und sie nur deswegen vertreten. Auch hier ist also die Frau allenfalls Opfer der Umstände oder Verbündete eines System, welches Männern nutzt, aber sie handelt nicht aus eigenem Interesse oder eigener Motivation

Eine Theorie, die darauf abstellt, dass auch Frauen Rollenbilder stützen, indem sie weinende Frauen lächerlich oder erbärmlich finden, weil sie eine Vorliebe für starke, selbstbewußte, Herausforderungen annehmende Männer haben, wird der Realität dabei viel eher gerecht. Und sie erlaubt beiden Geschlechtern eine Verantwortung an den Rollenbildern zuzuweisen, da eben auch die Männer innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entsprechendes Verhalten abwerten. Zudem zeigt es auch die Schwierigkeiten auf, ein solches Bild zu überwinden, die realistischer sind als “eine unsichtbare Verschwörung der hegemonialen Männer hält die Geschlechternormen am Leben, auch wenn sie sonst keiner will”.

Die feministische Theorie ist insoweit nur scheinbar eine Hilfe. In ihrer radikalen Ausprägung fördert sie nicht die Freiheit der Männer, sondern eher deren bedingungslose Selbstkasteiung in der Hoffnung auf Gnade.

Verfasst von: Christian - Alles Evolution | 13. Oktober 2014

Lewis Wolpert: “Warum können Frauen nicht mehr wie Männer sein?”

Ein Beitrag im Telegraph bespricht ein Buch des Entwicklungsbiologen Lewis Wolpert.

Heartiste hat den Inhalt der Zusammenfassung in Schlagwörtern zusammengefasst:

The biological differences that can be found between the bodies and brains of males and females are largely due to the way these embryos develop in the womb.

- There are also fundamental differences in brain development between men and women, which are clear from the early behaviour of children. A few hours after birth, girls are more sensitive than boys to touch, and 40 hours after birth girls look longer at a face than boys, while boys look longer at a suspended mechanical mobile.

- At four months old, if babies are frightened in a strange room, twice as many girls as boys cry.

- At 12, 18 or 24 months, girls look at dolls much more than boys, while boys look at cars much more than girls. It is hard to attribute these basic differences at such young ages to purely social influences.

- The development of the brain leads to many other differences and it has been claimed that clear sex differences exist in every brain lobe. There are some visible structural differences, such as a cluster of cells in the hypothalamus that is believed to relate to sexual behaviour and which is twice as big in men as in women. Evolution has selected differences between men and women so as to make their reproduction as successful as possible, which is its overriding aim.

- Small boys often get erections after the age of about seven, and by puberty more than half of all males will have tried to masturbate. It is only when girls reach puberty that they may begin to do so.

- About half of men think about sex every day or several times a day, which fits with my own experience, while only 20 per cent of women think about sex equally often.

- Men are far more likely to be sexually promiscuous, a throwback to evolution where procreation was all-important. The need for a more emotional attachment found in women must also have an evolutionary basis.

- Men are more likely to have an orgasm when sex includes vaginal intercourse, while many women are more likely to experience it when they engage in a variety of activities such as oral stimulation

- Hard-wired into the male brain, after millions of years of evolution, is a desire for sex in response to the sight of a good-looking young woman. In contrast, both male and female erotica cause sexual arousal in women, whether heterosexual or lesbian.

- A recent worldwide survey showed that visual stimuli play a much greater role in male sexual behaviour than in that of women, who value status, ambition or wealth more highly.

- Women show their emotions more than men and are more facially expressive for both positive and negative feelings.

- A major difference between the emotions of men and women lies in the expression of aggression, for which men enjoy a pronounced physical advantage. It has an evolutionary origin related to hunting and protection. This matters, as men have discriminated against women and dominated them in all societies from the earliest known times. Women can be aggressive but their aggression tends to be less physical. But girls and women with congenital adrenal hyperplasia (CAH), which increases testosterone in the womb, are more like males, with an increase in physical aggression.

- Almost the opposite of aggression is empathy, an emotion that marks a fundamental difference between the two sexes, being much stronger in women.

- Simon Baron-Cohen’s theory is that the female brain is predominantly hard-wired for empathy, while the male brain is predominantly hard-wired for systemising, that is, for understanding and building systems. So, for example, it is claimed that a systemiser will probably choose to read about computers, technology or science, whereas an empathiser will choose romance or fashion. Significantly, boys born with an insensitivity to testosterone are worse at systemising, and girls born with CAH have enhanced systemising capability and lower empathy.

- Other emotional differences are that women generally report greater disgust than men, especially sexual disgust, and men engage in more risky behaviour.

- As regards humour, according to Prof Robert Provine, professor of psychology at the University of Maryland, Baltimore, “Females are the leading laughers, but males are the best laugh getters.”

- A surprising finding is that distinctive words, syntax, colloquialisms, repetition and other features of written text can expose the gender of an author. An analysis of 14,000 text files from 70 separate studies found that, while men referred more to the properties of objects and impersonal topics, women used more words related to psychological and social topics.

- The areas in the brain where men and women generate their intelligence differ significantly. Men excel at mental rotation, where a subject is asked to compare two three-dimensional objects or shapes, and say if they are the same or mirror images, while females struggle. Women do better on precision manual tasks involving fine motor co-ordination, such the assembly of circuit boards in a factory, which may be a result of foraging skills that evolved long ago.

- Women perform better than men, on average, in tasks related to declarative memory, the retrieval of long-term memories of specific events and facts, and on tests of object-location memory. They are thus better at remembering family history and where they left the car keys.

- Many illnesses are strongly genetically associated with one or the other sex. Those that are more common in women include certain mental illnesses such as depression, eating disorders such as anorexia and bulimia, panic attacks and phobias. Also more common in women are autoimmune diseases such as multiple sclerosis and rheumatoid arthritis, chronic fatigue syndrome and osteoporosis.

- Very few autoimmune disorders show a male predominance. Males suffer more physical illnesses such as heart attacks and stroke. Other diseases more common in men include neurological disorders such as Parkinson’s disease, autism, attention deficit syndrome, dyslexia and addictions such as alcohol and drug abuse.

- Women live longer than men but only by an average of about four years.

Eine nette Ergänzung zu anderen Sammlungen wie dieser und dieser.

 

 

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